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„Sein Leben ist ein Märchen“. Und der Artikel auch

Einen boulevardtauglichen Namen hat „Bild“-Hollywood-Korrespondent Norbert Körzdörfer für Bong Joon-ho schon mal gefunden:

Screenshot Bild.de - Parasite-Regisseur - Wer ist der neue King Bong von Hollywood?

Und die Geschichte, die Körzdörfer über den südkoreanischen Regisseur, der für „Parasite“ jüngst vier Oscars bekommen hat, erzählen kann, passt auch wunderbar: „King Bong“, dessen Film von einer armen Familie handelt, die sich bei einer reichen Familie einnistet, komme ebenfalls aus einer armen Familie:

Er kam von einer armen Familie und war fasziniert vom US-Kino — „Der weiße Hai“ oder „Der Pate“.

Eine ähnliche Story ist seine Thriller-Satire „Parasite“.

Story: Eine arme Familie schleicht sich in die Villa von Millionären. Es ist eine Satire, ein Märchen und endet [entfernt wegen Spoilergefahr]. Bong lachend: „Wenn meine Familie so eine Villa haben möchte, würden wir 500 Jahre dafür arbeiten müssen.“

Aber mit 4 Oscars ist sein Wert derartig gestiegen, er wird für seinen nächsten Film 5 Millionen fordern können — und Gewinn-Beteiligung.

Jetzt kann er sich auch eine Villa in Seoul kaufen — oder in Hollywood. Sein Leben ist ein Märchen, das wahr geworden ist.

Wir haben starke Zweifel, dass das alles so stimmt, und dass Bong Joon-ho das so gesagt hat. Eher denken wir, dass Norbert Körzdörfer hier eine Erzählung fabriziert, die zwar passend klingt, aber wenig mit der Realität zu tun hat.

Bong Joon-hos Vater war Professor und Designer. Er verdiente offenbar so gut, dass seine Ehefrau nach der Geburt ihres ersten Kindes ihren Job als Grundschullehrerin aufgeben konnte. Die Familie konnte es sich leisten, dass Bong Joon-ho an der Yonsei Universität studierte, einer privaten Elite-Universität in Seoul. Genauso sein Bruder Bong Joon-soo.

Das Zitat von Bong Joon-ho, dass dessen Familie „500 Jahre“ für „so eine Villa“ arbeiten müsste, dürfte Norbert Körzdörfer maximal aus dem Zusammenhang gerissen — um nicht zu sagen: erfunden — haben. Es gibt eine ganz ähnliche Aussage am Ende von „Parasite“: Während die Credits laufen, singt die Hauptfigur Kim Ki-woo ein Lied, in dem es darum geht, dass er 564 Jahre arbeiten müsste, um sich das Haus aus dem Film kaufen zu können. Bong Joon-ho hat den Text zu diesem Song zwar geschrieben. Darin schrieb er aber nicht über sich selbst.

Es würde auch nicht so richtig passen, dass die Familie des Regisseurs so lange für eine Villa arbeiten müsste. Ein Bruder ist Professor, eine Schwester unterrichtet ebenfalls an einer Universität. Und auch Bong Joon-ho hatte schon vor „Parasite“ enorme Erfolge mit seinen Filmen, auch in kommerzieller Hinsicht: „The Host“ aus dem Jahr 2006 hat mehr als 89 Millionen US-Dollar an den Kinokassen eingespielt, „Snowpiercer“ (2013) nur etwas weniger. Mit „Okja“ (2017) produzierte Bong Joon-ho auch einen Film für Netflix. Das Budget: 50 Millionen US-Dollar. Die Aussage, dass er sich erst „jetzt“, nach seinem Erfolg mit „Parasite“, „auch eine Villa in Seoul“ kaufen könne, dürfte also Quatsch sein. Das müsste er schon vorher gekonnt haben.

Nun kann es natürlich sein, dass Bong Joon-ho trotz der hier von uns aufgeführten Punkte aus einer armen Familie kommt und dass er das mit den 500 Jahren irgendwo mal in irgendein Mikrofon gesagt hat. Daher haben wir bei „Bild“ und bei Norbert Körzdörfer nachgefragt, woher die Informationen und das Zitat stammen. Wir haben keine Antwort bekommen.

Mit Dank an Maximilian A. für den Hinweis!

Harvey Weinstein in Norbert Körzdörfers Sex-Sammelsurium

Die „Bild“-Zeitung hat seit Montag eine „NEUE SERIE“, in der es um den „SKANDAL ‚WEINSTEIN'“ gehen soll, also um die Missbrauchs-Vorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein. Gestern erschien Teil eins:

Ausriss Bild-Zeitung - Der Skandal Weinstein - Er zwang Frauen, seine Kronjuwelen zu küssen als sei es der Siegelring des Papstes - Die Schönen und das Biest

Heute Teil zwei:

Ausriss Bild-Zeitung - Der Skandal Weinstein - In der Traumfabrik ging es immer auch um Sex - Hollywood, die Stadt der Sünde

Morgen soll Teil drei kommen. Wir wagen keine Prognose, wie lang diese Serie noch gehen wird. Autor ist jedenfalls Norbert Körzdörfer, und es ist so schlimm, wie man nach dieser Information befürchten kann.

Beide bisher erschienenen Ausgaben sind Sammlungen von Anekdoten und Gerüchten aus Hollywood. Der einzige Zusammenhang: Sex. Körzdörfer schreibt solche Sätze:

Hollywood war immer Penis-fixiert. Ein Film-Boss zu BILD: „Hier haben große Penisse Filme für kleine Penisse gemacht“

30 Jahre Ego-Orgie — mit Stöhnen und Schweigen.

Warum ist Hollywood immer auch ein sexuelles Sodom und Gomorrha?

Nach dem dritten Drink an der Bar hört man immer dieselbe Story: Der Oscar (3,9 Kilo schwer) ist gerüchte-geflüstert angeblich dem Penis eines Stunt-Stars nachempfunden — er ist 34 cm lang.

Sex ist die Währung des Erfolgs.

Warum fahren nachts so viele „Stretchlimos“ von Club zu Club — es ist ein motorisiertes Phallus-Symbol.

Wenn Johnny Depp im Club „Viper Room“ sitzt, will jeder Mini-Rock mit High Heels in die VIP-Sektion.

Das alles stammt aus Serien-Teil eins. In Teil zwei geht es ähnlich weiter:

Gab es nicht schon immer männliche „Godzillas“, die sexy „Bambis“ jagten?

Legendär war auch sein [Charlie Chaplins] Penis. „Glied-Gespräche“ waren Klatsch-Talk. Eine seiner Geliebten (drei Millionen Abfindung von fünf Ehe-Männern) fragte ihn: „Stimmt das, was alle Mädchen behaupten — dass du bestückt bist wie ein Hengst?“

Der deutsche Kult-Regisseur F. W. Murnau († 42) war homosexuell. Er starb bei einem Autounfall 1931. Am Steuer saß sein 14-jähriger philippinischer Diener — mit dem er es angeblich getrieben hat.

Sein [Rudy Valentinos] Lieblings-Geschenk: ein schwarzer Dildo aus Blei (Art-dèco-Stil) mit seinem Autogramm in echtem Silber.

Die platinblonde Sexbombe Jean Harlow († 26) über ihr Liebes-Rezept: „Männer lieben mich, weil ich keine Unterwäsche trage. Und Frauen mögen mich auch — weil ich ihnen nie einen Mann stehlen würde — jedenfalls nicht für lange.“

Als Frauen-„Monster“ galt die blonde Sex-Löwin Mae West († 87). Sie umgab sich mit muskulösen Leibwächtern, die sie in den Drehpausen vögelte.

Wer hatte was mit wem in Hollywood? Wessen Penis war der größte? 34 Zentimeter? Marlene Dietrich verführte John F. Kennedy. Jack Nicholson lockte viele Frauen in seine Limousine. Hier wurde gevögelt, da wurde es getrieben. Das ist der Stoff, den die „Bild“-Redaktion für angemessen hält, um den „SKANDAL ‚WEINSTEIN'“ in einer Serie aufzuarbeiten, also den mehrfachen mutmaßlichen Missbrauch von Frauen sowie mutmaßliche Vergewaltigungen.

Für Körzdörfer und „Bild“ geht es nicht um Machtstrukturen, die Weinstein all das erst ermöglicht haben sollen, um offizielle oder unausgesprochene Schweigeabkommen, um Mitwisser und Helfer. Sie schauen nicht auf andere gesellschaftliche Bereiche, in denen Männer ihre Positionen ebenfalls regelmäßig sexuell ausnutzen, in Chefetagen, an Universitäten, in Redaktionen. Es geht ihnen stattdessen um Dildo-Geschenke und die Frage, wer wie ein Hengst bestückt ist.

Und noch schlimmer: Körzdörfers große Sammlung von sündigen Hollywood-Geschichtchen wirkt, als wäre das, was Weinstein vorgeworfen wird, nur eine weitere Anekdote in diesem alltäglichen Wahnsinn. „Legendär ist die ‚Besetzungscouch‘ von Harvey Weinstein — um an eine glitzernd-glänzende Rolle zu kommen, mussten viele Schauspielerinnen erstmal die Kronjuwelen des Mega-Produzenten polieren“ könnte ebenfalls in Körzdörfers Sex-Sammelsurium stehen. Alles ganz normal also?

Heute haben Norbert Körzdörfer und „Bild“ schon mal Folge drei ihrer Serie „SKANDAL ‚WEINSTEIN'“ angeteasert:

Morgen in BILD

Das „Neue Hollywood“ nach dem Weinstein-Skandal?

Ein Film-Boss zu BILD: „Wenn Sie einer schönen Frau ein Kleider-Kompliment machen, kann das schon als sexuelle Belästigung missverstanden werden!“

Na, toll — erst darf man in Hollywood keine Frauen mehr missbrauchen, und bald darf man dort gar nichts mehr sagen.

Nix gemerkt

Norbert Körzdörfer hat neulich den Film „Moonlight“ gesehen, und der hat ihm wohl ziemlich gut gefallen. Für seine Kritik „Körzdörfers Kino-Abenteuer“ vom vergangenen Donnerstag wählte der „Bild“-Autor sogar den Supersuperlativ:

Und das bereits im März.

Am Ende seines Textes wirkt Körzdörfer ziemlich überrascht. Da sitzt man fast zwei Stunden im Kino, hat das Gefühl, einen richtig guten Film zu sehen. Und plötzlich fällt einem auf: Da spielen ja „nur schwarze Schauspieler“ mit! Körzdörfer schreibt in seiner Beurteilung:

Man merkt nicht, dass nur schwarze Schauspieler mitspielen.

Dass man das nicht merke, soll an einer „empfindsamen Seele“ liegen:

Eine empfindsame Seele ist farbenblind.

Die „empfindsame Seele“ Körzdörfer ist so „farbenblind“, dass er auf den etwas mehr als 40 Zeilen lediglich viermal erwähnt, dass die „Moonlight“-Schauspieler Schwarze sind:

Im Licht des Mondes („Moonlight“) wirken Schwarze am Meer blau.

Wir begleiten in diesem leisen, traurigen und gleichzeitig schönen Film. Ein schwarzes Ghetto-Kind mit drogensüchtiger Mutter (007-Star Naomie Harris, 40).

Im Kino wird man zum kleinen, schwarzen Jungen, der doch nur glücklich werden will.

Und eben das bereits zitierte Artikel-Ende mit der Erkenntnis, dass man gar nicht merke, dass in „Moonlight“ „nur schwarze Schauspieler mitspielen.“

Wahrscheinlich ist Körzdörfers Satz gar nicht so übel gemeint, wie man ihn verstehen kann. Aber er lässt eben sehr viel Raum für mindestens zwei Interpretationen: Die erste klingt nach dem alten weißen Mann, der ganz verblüfft ist, was die Schwarzen bei „Moonlight“ doch so alleine hinbekommen haben. Wie konnte es denn passieren, dass ein Film so gut wird, obwohl da „nur schwarze Schauspieler mitspielen“? Das merkt man gar nicht.

Interpretation Nummer zwei zielt nicht auf die Quantität schwarzer Schauspieler, sondern auf ihre Qualität: Ach, da sind ja bloß schwarze Schauspieler dabei.

Offenbar hat auch bei Bild.de irgendjemand gemerkt, dass Körzdörfers Aussage mindestens merkwürdig ist. In der Onlineversion hat sich seine Kinokritik inzwischen leicht verändert — aus „nur“ wurde „ausschließlich“:

Man merkt nicht, dass ausschließlich schwarze Schauspieler mitspielen.

Immerhin: Interpretation Nummer zwei ist damit nicht mehr möglich.

Mit Dank an Simone M. für den Hinweis!

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German Skandal

Um trotz sinkender Auflagen ihrer Zeitungen und Zeitschriften weiter Geld zu verdienen, sind viele Verlage dazu übergegangen, auch Buch-, Film- oder Musikreihen zu veröffentlichen, für die sie irgendwelche mehr oder weniger bedeutenden Werke der Kulturgeschichte lizenziert haben. Deren Veröffentlichung wird meist mit großflächiger Berichterstattung im eigentlichen Hauptmedium flankiert, was man aber nicht mit Werbung verwechseln darf, auch wenn es eigentlich genau das ist.

Es ist wenig überraschend, dass es ausgerechnet „Bild“ ist, die eine „Skandal-Bibliothek“ mit den „10 skandalösesten Büchern der Literaturgeschichte“ („Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche ist allerdings nicht dabei) herausgibt. Society-Reporter Norbert Körzdörfer gibt den Editionsphilologen und darf jetzt jede Woche einen Wikipedia-Eintrag die Geschichte eines „Skandal-Romans“ nacherzählen.

Letzte Woche tat er das mit „Opus Pistorum“ von Henry Miller, über das er schrieb:

2000 Polizisten stürmten 285 Buchläden und konfiszierten 3000 Exemplare!!! Mehr Werbung geht nicht.

Angesichts der durchschnittlichen Größe deutscher Buchhandlungen in den 1980er Jahren, um die es hier geht, müssten sich die Polizisten da schon ziemlich gegenseitig auf den Füßen rumgestanden haben.

Realistischer erscheint da schon, was die „Zeit“ 1989 berichtet hatte:

Die Geschichte hatte damit begonnen, daß ein Darmstädter Amtsrichter am 12. März 1986 bundesweit rund 700 Polizisten in Bewegung setzte, um sämtliche „Opus Pistorum“ Ausgaben des Bertelsmann Buchclubs in Verwahrung zu nehmen. 285 Läden wurden durchstöbert, 3000 Exemplare konfisziert.

Diese Woche nun ist „American Psycho“ von Bret Easton Ellis dran, was „Bild“ erst mal mit einem (als solchem gekennzeichneten) großen Szenenbild aus dem Film „American Psycho II“ bebildert, der mit dem Buch auffallend wenig zu tun hat.

Der Artikel ist so überschrieben:

"American Psycho" war 
6 Jahre lang verboten

Körzdörfer schreibt:

ABER WIR DEUTSCHEN HATTEN ANGST.

(Dieses „aber“ steht in keinem inhaltlichen oder grammatikalischen Zusammenhang zu den Sätzen davor.)

4 Jahre lang konnte es jeder lesen. Bis die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ drin rumblätterte: Index! 6 Jahre lang verboten!

Was Körzdörfer mit „6 Jahre lang verboten“ meint, ist ungefähr: Das Buch wurde 1995 indiziert und durfte fortan nur noch Personen über 18 Jahren zugänglich gemacht werden. Noch im selben Jahr nahm das Verwaltungsgericht Köln die Indizierung im Eilverfahren zurück, das Oberverwaltungsgericht Münster setzte diese jedoch 1996 wieder in Kraft. 1998 hob das Verwaltungsgericht Köln die Indizierung im Hauptsache-Verfahren erneut auf, das Buch durfte aber erst wieder offen im Buchhandel angeboten werden, nachdem das Oberverwaltungsgericht NRW in Münster die Berufung gegen die Entscheidung des Kölner Gerichts im Jahr 2001 endgültig zurückgewiesen hatte.

„Verboten“ war das Buch aber zu keinem Zeitpunkt.

Mit Dank an Lars, Kinga H., Peacock und Anonym.

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„Du hast dich nicht verändert, Norbert“

Moritz von Uslar hat sich für die „Zeit“ gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, Helmut Dietls neue Gesellschaftssatire „Zettl“ angesehen, damit Mißfelder ihm anschließend berichtet, wie realistisch der Film die Verstrickungen von Politik und Journalismus in Berlin porträtiert.

Zwar erzählt der langjährige Jungpolitiker nicht so viele Anekdoten, wie sich der Leser (oder von Uslar) das vielleicht erhofft hatte, dafür spielt Norbert Körzdörfer in dem Text eine größere Nebenrolle:

Norbert Körzdorfer, Gesellschaftskolumnist der Hauptstadt, der für die Bild-Zeitung die großen Stars interviewt, die Tom Cruise, George Clooney und Til Schweiger heißen, und diese stets so porträtiert, als träfe er nach langer Zeit einen guten, alten Freund wieder (Norbert: „Du bist älter geworden, Tom“, Tom: „Du hast dich nicht verändert, Norbert“), dieser Norbert Körzdorfer (schulterlanges, weißes Haar, Kaschmirmantel) hat gleich vier weibliche Begleitungen dabei und stellt sie der sehr jungen Dame vor, die an einem Ecktisch vor einem aufgeklappten Computer sitzt und in Berlin als It-Girl bekannt ist oder einfach als gut gekleidetes, sehr süß aussehendes Mädchen, das mehr als dreitausend Facebook-Freunde hat.

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Genie In A Bottle

Die Sängerin Christina Aguilera wurde am Dienstag in Hollywood weitgehend orientierungslos von der Polizei aufgegriffen und wegen Trinkens in der Öffentlichkeit verhaftet.

Für Bild.de ist es:

Der tiefe Fall der Christina Aguilera

Oder wie es „Bild“-Hollywood-Korrespondent Norbert Körzdörfer ausdrückt:

Der Tag nach dem Oscar ist der schönste Tag im Jahr. Für Paparazzi. Die Stars sind wie du und ich und lassen sich gehen. Pop-Sirene Christina Aguilera (30) wird beschwipst im Auto verhaftet.

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Vom (schlagzeilen)würdigen Sterben

Der Braanchendienst „Meedia“ hat ein Interview mit Norbert Körzdörfer geführt, dem „Bild“-Kolumnisten und „Berater des Chefredakteurs“. Körzdörfer trauert unter großer publizistischer Anteilnahme seiner Zeitung um seinen Hund Ruby, der im Alter von 17 Jahren eingeschläfert wurde.

Meedia: Kritiker wenden ein, dass Ruby beweist, dass ein Hund in der Bild würdiger sterben darf, als so manch ein menschlicher Zeitgenosse.

Körzdörfer: Professor Hellmuth Karasek rief an und sagte: „Ich würde gerne Ihr Hund sein, um so einen schönen Nachruf auf Seite 1 zu bekommen!“ Ich schreibe ja viele Nachrufe und muss sagen, dass wir mit jedem Todesfall würdig umgehen.

Dies war die „Bild“-Schlagzeile am vergangenen Montag:

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Körzi der Barbar

Norbert Körzdörfer ist bei „Bild“ der Mann für die Hollywoodstars. Das ist insofern ganz gut, weil er davon mehr Ahnung hat als von Politik. Schwierig wird es, wenn er über Hollywoodstars schreiben muss, die in die Politik gegangen sind.

Hasta la vista, Politik. Arnie geht wieder nach Hollywood.

Schwarzeneggers Statement („Wenn’s a gutes Skript gibt? Wenn ich’s noch drei Monate am Set aushalte …“) klingt zwar etwas zurückhaltender als die „Bild“-Überschrift, aber irgendwas muss der Mann ja auch in Zukunft machen, wenn er nicht mehr Gouverneur von Kalifornien ist.

Oder, um mit Körzdörfer zu fragen:

Was wird er ab Mittwoch tun, wenn seine Nachfolgerin (Ebay-Milliardärin) im Amt ist? "I schreib erst a mal a Buch!"

Mal abgesehen davon, dass die Amtszeit von Schwarzenegger erst im Januar abläuft — ob die Ebay-Milliardärin Meg Whitman auf Schwarzenegger folgen wird, entscheiden die Wähler erst am Dienstag. Derzeit liegt sie in den Umfragen deutlich hinter ihrem demokratischen Mitbewerber Jerry Brown zurück.

Mit Dank an Pascal A. und R.

Nachtrag, 31. Oktober: Anders als Norbert Körzdörfer haben die Bildunterschriften-Texter von Bild.de nicht mal Ahnung von Hollywood:

Arnie kehrt ins Showbiz zurück. Hat er es je verlassen? Die Rolle als Gouverneur von Kalifornien war ihm auf den Leib geschnitten. Rechts: Arnie in "Terminator 5"

Das Foto stammt jedenfalls aus „Terminator 3“, einen fünften Film der Reihe gibt es bis heute nicht.

Mit Dank auch an Kai-Oliver K.

2. Nachtrag, 2. November: Die fehlerhafte Bildunterschrift hat Bild.de korrigiert. Den Rest nicht.

Körzdörfers Erbin

Weil in der „Bild“-Redaktion offenbar niemand aufzutreiben war, der sich mit dem „Welt-Phänomen“ der Filmreihe „High School Musical“ auskennt, durfte kurzerhand Dina, die neunjährige Tochter von Norbert Körzdörfer, den Hauptdarsteller Zac Efron interviewen.

Körzdörfer hielt sich mit dem, was die „große BILD-Zeitung“ gefragt hätte, zurück und überließ stattdessen für 50 Zeilen der „BILD-Kid-Reporterin“ und ihren sieben Kinderfragen den Artikel. Entweder konnte er sich aber dann doch nicht ganz zurückhalten …

Zac zieht mit seiner Hand („IWC“-Uhr, ca. 10 000 Euro) aus dem T-Shirt eine Halskette mit einem spitzen Kupferklumpen: „Das ist ein Haifischzahn, den ich aus meiner Kindheit habe! Er beschützt mich.“

… oder es sind alle im Hause Körzdörfer Experten für teure Armbanduhren einer bestimmten Marke oder lernen früh die ganz eigene Art von Körzdörfer-Journalismus.

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