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“Bild” schneidet sich Kritik zurecht

So richtig rund scheint es nicht zu laufen mit der neuen “Fußball Bild”. Seit Ende Januar liegt die tägliche “Springer”-Fußball-Zeitung bundesweit an den Kiosken (zuvor hatte der Verlag das Projekt schon in Stuttgart und München getestet), ein Mix aus zusammengewürfelten Berichten der “Bild”-Regionalausgaben und ein paar Exklusiv-Inhalten. “Meedia” berichtete vor knapp zwei Wochen, dass pro Tag “im Schnitt zwischen 48.000 und 55.000 Exemplare” verkauft würden. Der Plan, die sinkende “Bild”-Auflage durch “Fußball Bild” auszugleichen, gehe bisher nicht auf.

Und so versucht “Fußball Bild” aktuell einiges, um gemocht zu werden. Zwölf Tage kann man sie kostenlos testen, ab heute gibt es das Blatt im Abo und für die “333 schnellsten Besteller” verspricht die Redaktion sogar “einen FUSSBALL BILD Kaffeebecher” gratis.

Ein neues Werbevideo gibt es auch:

Der 20-Sekunden-Clip ist seit vorgestern online und zeigt, wie “Bild” von VfL-Bochum-Trainer Gertjan Verbeek “beschimpft” wird (von der Beliebtheit bei den Fans ist hingegen nichts zu sehen, doch dazu später mehr):

Verbeek sagt in dem “Fußball Bild”-Werbespot:

“Bild”. Nee. Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße? Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Ihr seid ja Arschlocher. Das seid ihr.

Vielleicht erinnern Sie sich: Die Aussage stammt aus einer Pressekonferenz des VfL Bochum, die im September 2015 stattfand. Wir hatten damals auch hier im BILDblog darüber berichtet. Das “Arschlocher” von Gertjan Verbeek ging an “Bild”-Reporter Joachim Droll, der zuvor über angebliche Meisterambitionen Verbeeks berichtet hatte. Später entschuldigten sich der Trainer und der Vereinsvorstand für die Wortwahl, von Verbeeks Kernaussagen wollte sich der Verein hingegen nicht distanzieren.

“Fußball Bild” schnappte sich also — mit Genehmigung des VfL Bochum — die kurze Passage aus der knapp 20-minütigen Pressekonferenz (ab Minute 4:05 wird’s interessant) und fügte diese zwei Texttafeln ein, die zwischendrin eingeblendet werden:


Die Aussage soll wohl sein: Ist das nicht toll, liebe Fans, wie wir uns für euch solchen Biestern wie Gertjan Verbeek stellen und uns von ihnen sogar beschimpfen lassen? Dafür müsst ihr uns doch lieb haben.

Die erste Tafel (“VON TRAINERN BESCHIMPFT.”) gibt “Fußball Bild” allerdings auch die Möglichkeit, die Originalaufnahme zu schneiden, ohne dass man es auf Anhieb merkt. Verbeeks Kritik hatte nämlich durchaus Inhalt. Er kritisierte in einem Satz, den “Fußball Bild” weggelassen hat, die “Bild”-Berichterstattung über Flüchtlinge. Der VfL-Trainer sagte damals in voller Länge:

“Bild”. Nee. Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße? Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Selbst mit Flüchtlingen dazwischen. Ihr seid ja Arschlocher. Das seid ihr.

Ein bisschen Kritik an “Bild” ist für “Bild” also in Ordnung. Richtige Kritik wird aber doch lieber rausgeschnitten.

Und dann ist da ja noch die Behauptung, dass “Bild” beziehungsweise “Fußball Bild” “von den Fans geliebt” werde. Ebenfalls im September 2015, als die “Bild”-Zeitung auf dem Höhepunkt ihrer “Wir helfen”-Imagekampagne an einem Spieltag der 1. und 2. Bundesliga “Wir helfen”-Aufnäher auf den Trikotärmeln aller 36 Mannschaften platzieren wollte, reagierten die Fans vieler Vereine in den Stadien mit “Bild”-Kritik.

Zum Beispiel die des BVB:

Und des 1. FC Köln:

Und des Karlsruher SC:

Und des FSV Mainz 05:

Und des FC Ingolstadt:

Und des SV Darmstadt 98:

Und des VfB Stuttgart:

Und des 1. FC Nürnberg:

Und des SC Freiburg:

Und des FC Schalke 04:

Und von Fortuna Düsseldorf:

Und des TSV 1860 München:

Und von Hertha BSC:

Und von Union Berlin:

Und von der SpVgg Greuther Fürth:

Und auch die Fans des VfL Bochum, für die sich “Bild” und “Fußball Bild” ja von Trainer Gertjan Verbeek heldenhaft beschimpfen lassen, schlossen sich #BILDnotwelcome an:

Mit Dank an @FeaturedMoritz für den Hinweis!

VG Wortlos, Staatsfeind Nr. Trump, PewDiePie-Zoff

1. English please: Deutscher Journalismus auf Reisen
(dwdl.de, Nora Jakob)
Immer wieder versuchen deutsche Verlage, ihre Inhalte auch einem internationalen Publikum nahe zu bringen und bringen ausgesuchte Artikel in englischer Sprache. Nora Jakob hat für “dwdl.de” mit führenden Medienhäusern gesprochen und muss feststellen: Priorität hat der Aufbruch ins Ausland in kaum einem Verlag. Den oft großspurigen Ankündigungen der Internationalisierung sei deshalb mit Skepsis zu begegnen.

2. Ihre Publikationsfreiheit ist bedroht
(vginfo.org)
Die “VG Info” ruft dazu auf, einen Protestbrief gegen eine EU-Neuregelung zur Verlegerbeteiligung zu unterzeichnen. Die Verleger würden sonst in Zukunft einen Rechtsanspruch auf Beteiligung an den Einnahmen erhalten, ohne dass man die Urheber fragen müsse, ob sie damit einverstanden seien.

3. Der zu dem Volk spricht
(faz.net, Michael Hanfeld)
Donald Trump entwickelt sich zum Staatsfeind Nummer eins der Pressefreiheit, findet “FAZ”-Autor Michael Hanfeld: “Er hat den Journalisten, die ihm kritisch kommen und beispielsweise zu den Russland-Verbindungen seiner Wahlkampftruppe recherchieren, spätestens in dem Augenblick den Krieg erklärt, als er sie „Feinde des amerikanischen Volkes“ nannte. Er macht sie damit vogelfrei, und man wartet nur darauf, dass er bei einem seiner nächsten Auftritte handgreiflich wird und anfängt, einen derjenigen, die ihn am meisten stören, nicht nur verbal zu attackieren.”

4. Die Gräben zwischen Generation YouTube und den „Altmedien“ sind tiefer denn je
(wired.de, Johnny Haeusler)
Vor einigen Tagen hat Johnny Haeusler einem der erfolgreichsten YouTuber der Welt, PewDiePie, einen offenen Brief geschrieben. Der Anlass: YouTube-Star PewDiePie hatte einige umstrittene Aktionen gestartet, die ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingehandelt hätten. Eine Kritik, mit der der YouTuber nicht gut umgegangen sei, so Haeusler. Mittlerweile hat Haeusler einige Rückmeldungen auf seinen offenen Brief erhalten und konstatiert: “Die Gräben zwischen „alten“ und „neuen“ Medien sind tiefer denn je.”

5. Armes Nashorn
(sueddeutsche.de, Arne Perras)
In einer Dokumentation der “BBC” hat ein Reporter über einen Nationalpark berichtet, in dem mehr Wilderer als Nashörner erschossen würden. Indien zeigte sich empört über die Vorwürfe. Es sei nicht das erste Mal, dass das Land dünnhäutig auf Kritik reagiert, so “SZ”-Autor Arne Perras.

6. Interne Strategiepapiere der Identitären Bewegung geleaked
(blog.zeit.de, Sebastian Lipp)
Die sogenannte “Identitäre Bewegung” (oder auch “Identitäre”) wird von Politikwissenschaftlern als eine Spielart des Rechtsextremismus bezeichnet. Die völkisch auftretenden Gruppierungen dieses Sammelbeckens sehen sich von einer angeblichen Islamisierung bedroht. Nun wurde ein internes Papier geleakt, das auf mehr als 50 Seiten vom Facebook-Posting bis zur Wortergreifungsstrategie bei Veranstaltungen alles erklären würde, was die Öffentlichkeistarbeit der “Identitären” ausmacht.

Trump-Show, Bauchredner Tichy, Zuckerberg-Blabla

1. Full Transcript and Video: Trump News Conference
(nytimes.com, Video, 1:17 Stunden)
Die “New York Times” hat sowohl das Video als auch das vollständige Transkript von Donald Trumps Pressekonferenz veröffentlicht.
Britta Kollenbroich fasst auf “Spiegel Online” die amerikanischen Reaktionen zusammen “Nein, Sir, wir sind keine Deppen”
Es gibt aber auch schon Kommentare aus Deutschland: Veit Medick findet im “Spiegel”, es sei “an der Zeit, am Verstand des US-Präsidenten zu zweifeln”.
Und Simon Riesche beschreibt die Veranstaltung für die “FAZ” als “atemberaubenden Strudel aus Gedankenfetzen, Wahlkampfslogans und programmatischen Ankündigungen”

2. Der Bauchredner
(zeit.de, Roman Pletter)
Über Roland Tichy, der in der Vergangenheit stellvertretender Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins “Capital” und Chefredakteur der “Wirtschaftswoche” war und heute das rechtslastige Meinungsportal “Tichys Einblick” betreibt, ist schon viel geschrieben worden. Roman Pletter ist ein Artikel gelungen, der mehr als das Offensichtliche leistet, nämlich eine Annäherung an den Menschen Tichy. Hier stehen sich die partiell spürbare Sympathie für den Menschen Tichy und die kritische Distanz zu seiner Arbeit nicht im Wege. “Der Widerspruch zwischen Roland Tichys Buch früher und der Sprache heute ist nicht der einzige, dem man bei dieser Annäherung an ihn begegnet: Er sucht den Streit, will aber zugleich gemocht werden. Er ist als Kommentator scharf im Ton, aber im persönlichen Umgang auch charmant und lustig. Er ist kein Ausländerfeind, seine Texte klingen aber manchmal so. Er ist ein wirtschaftsliberaler Demokrat, doch man begegnet auf seinem Internetforum Menschen, bei denen eine menschenfreundliche Haltung nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen ist.”

3. Viele Zeitungen vertreten nicht das Interesse ihrer Leser.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Der “Spiegel Online”-Kolumnist und Chefredakteur des “Freitag” Jakob Augstein spricht im Interview über seinen Dialog mit Nikolaus Blome, die Politik Angela Merkels, linken Boulevard, Russland-Bashing und Meinungsgleichheit in den Medien und warum er nicht mehr an eine Paywall glaubt. Und es geht um das BILDblog und Augsteins Einstellung zur “Bild”: “Meine vergleichsweise positive Einstellung zur „Bild“ ist auch schon übel aufgefallen, als ich noch bei der „Zeit“ war. Aber ich stehe dazu. Die Abgrenzungsbemühung macht mich skeptisch. Journalisten, die sich besonders stark von „Bild“ abgrenzen, bekämpfen nicht selten ihre eigenen Dämonen. Die „Bild“ ist dann der Sündenbock des Journalismus.”

4. Warum Papier-Journalismus besser ist.
(kaffeeundkapital.de, Martin Oetting)
Viele Menschen vertreten die Ansicht, dass es beim Journalismus nicht aufs Trägermedium, sondern auf die Inhalte ankommt. Martin Oetting ging es lange Zeit ebenso, doch jetzt hat er seine Meinung geändert und favorisiert Print. Nicht, weil er ein fortschrittsfeindlicher Ewig-Gestriger ist, sondern weil aus seiner Sicht drei Aspekte dafür sprechen würden.

5. Is nicht egal
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Am Dienstag wurde bekannt, dass der Youtuber und Rapper Kazim Akboga gestorben ist. Für viele Medien ein Anlass, sich von ihrer hässlichen Seite zu zeigen… Boris Rosenkranz erklärt auf “Übermedien” was falsch gelaufen ist und wie Medien berichten sollten, wenn sie denn meinen, unbedingt berichten zu müssen.

6. Zuckerbergs vager Masterplan
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich mit einem 5800 Wörter langen Manifest an die Öffentlichkeit gewandt, in dem er seine Visionen für die Zukunft des sozialen Netzwerkes erläutert. Beate Wild hat den Text gelesen und ist wenig begeistert: “Der Brief, der vor utopischen Idealen nur so strotzt, beinhaltet wenige konkrete Lösungsansätze oder auch nur Details, sondern ist eher eine von der PR-Abteilung bis zur Unkenntlichkeit geschliffene Ansammlung an guten Vorsätzen.”

Störungsorgan, Nackte Tatsachen, Willkommen

1. Gericht: „Störungsmelder“ ist ein Organ der Presse
(blog.zeit.de, Christoph Dowe)
Die Staatsanwaltschaft Memmingen wollte eine Routine-Anfrage eines freien Journalisten nicht beantworten und bekam dafür Rückendeckung vom Verwaltungsgericht Augsburg: Die Richter erkannten den “Störungsmelder”-Blog der “Zeit” nicht als “Organ der Presse” an. Vielleicht weil die Juristen schlicht den Unterschied zwischen redaktionellem Teil des Blogs und Kommentarbereich nicht verstanden hatten… Jedenfalls ging der Journalist mit Unterstützung der “Zeit” in die nächste Instanz zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und beantragte eine Eilentscheidung. Diese Eilentscheidung wurde nun in seinem Sinne und dem der Pressefreiheit gefällt.

2. Willkommensjournalismus – wie Formate wie Marharba, NewsforRefugees und WDRforyou Geflüchteten das Ankommen erleichtern wollen
(get.torial.com, Tobias Lenartz)
Mittlerweile haben die Medien einige Formate entwickelt, die geflüchteten Menschen in ihrer Sprache hiesige Werte, Gewohnheiten und Institutionen erklären wollen. “Marhaba – Ankommen in Deutschland” heißt eine Sendung auf n-tv, der SWR startete im Oktober 2015 “News for Refugees” und der WDR lancierte im Januar 2016 “WDRforyou”. Tobias Lenartz stellt die erfolgreichen Formate vor, deren Fortbestehen jedoch nicht garantiert sei: “Die Zukunft der journalistischen Integrationsangebote ist allerdings noch offen. Denn je länger die Menschen hier sind, desto eher könnte auch die Anfangseuphorie der Intendanten erlahmen.”

3. Make Print great again
(taz.de, Daniel Bouhs)
Es ist in der Tat ein gewagtes Projekt, an das sich Magazinmacher Oliver Wurm gemacht hat: Die Teens sollen ihr Smartphone beiseitelegen, sich sein Panini-Album “Webstars 2017” kaufen und es nach und nach mit mehr als 200 Stars von YouTube, Instagram und Co. befüllen. Trotz hoher Initialkosten ist man ins Risiko gegangen und hat 800.000 Tütchen – also vier Millionen Bildchen – gedruckt, dazu 100.000 Sammelalben. Nun muss sich erweisen, ob die Online-Kids auf das Offlineprojekt anspringen.

4. “In diesem Jahr geht es um harte, klare Fakten”
(horizont.net, Ingo Rentz)
Dem Kampf gegen Fake News bekommt im Bundestagswahljahr eine besondere Bedeutung zu. Das “ZDF” will mit einem neuen Projekt Fake News aufspüren und Propaganda entgegenwirken: dem “#ZDFcheck17”. Der ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen erklärt, was es für eine Bewandtnis mit dem sperrigen Kürzel hat

5. Ich kenn’ da jemanden! Wie internationale Journalistenagenturen die Medienbranche verändern könnten
(fachjournalist.de, Franziska Knupper)
Vielen ist nicht bekannt, dass es Agenten nicht nur für Buchautoren, sondern auch für Journalisten gibt. Internationale Journalistenagenturen wie “Storyhunter”, “Paydesk” oder “ARA” vernetzen Freelancer mit Redaktionen und kassieren dafür Vermittlungsgebühren zwischen 10 und 25 Prozent. Franziska Knupper blickt hinter die Kulissen der Online-Auftragsbörsen.

6. Ein Hauch von nichts
(sueddeutsche.de, David Pfeifer)
Der amerikanische “Playboy” bekam vor einem Jahr viel Aufmerksamkeit für seine Entscheidung, keine nackten Frauen mehr abbilden zu wollen. Nun bekommt er sie für seine Rückkehr zu den nackten Tatsachen. “SZ”-Autor David Pfeifer ordnet die Entscheidung ein, die wahrscheinlich vor allem wirtschaftlicher Verzweiflung geschuldet ist.

Basic Recherche

Seien Sie mal ganz leise.

Hören Sie das? Dieses erregte Atmen? Das kommt aus dem Großraumbüro von Bild.de. Und Grund dafür ist das hier:

Das ist aber auch spannend:

Es gibt dutzende unbeantworte (sic) Fragen über die berühmtesten Filme der Geschichte. Doch diese eine toppt sie alle:

Zeigte uns Sharon Stone (58) in “Basic Instinct” ihre Vagina?

Der Knaller: Sie bekommen heute die Antwort!

Aber bevor der Knaller losgeht, und wir die Antwort bekommen, erinnern sich die Bild.de-Mitarbeiter lieber noch mal:

Wir erinnern uns. Es war das Jahr 1992, als wir gespannt mit unseren Lieben vor den Kino-Leinwänden saßen, auf Spannung und ein wenig Erotik hofften …

Doch dann saß sie da. Sharon Stone. In Weiß. Voller Unschuld.

Dann der Schocker: Sie öffnet die Beine. Und wir bekommen den Mund nicht mehr zu.

WAR SIE WIRKLICH UNTEN OHNE?

Bei so einer Frage kann schon mal die Feststelltaste klemmen.

JETZT ABER RAUS MIT DER SPRACHE: “WAR SIE WIRKLICH UNTEN OHNE”?

In einem Interview mit dem “Playboy” hat Regisseur Paul Verhoeven (78) endlich diese Frage ein für allemal beantwortet: “Ja, man sieht die Vagina von Sharon Stone.”

Oder noch einmal für die ganz langsamen Bild.de-Leser:

Kein Vagina-Double, kein hautfarbener Slip. Alles Natur.

Erleichterung im Axel-Springer-Hochhaus:

Dann wäre das endlich geklärt …

“Endlich”? In welchem Sinne “endlich”? In dem Sinne, dass bereits vor 17 Jahren feststand, dass es sich um eine “notorious pantiless scene” handelt? Oder in dem Sinne, dass selbst im “Wikipedia”-Eintrag zu “Basic Instinct” schon länger steht, dass jene Szene des Films “großen Bekanntheitsgrad” erlangt habe, “in der Stone während eines Verhörs die Beine übereinander schlägt und, weil sie nichts unter ihrem Kleid trägt, dem Zuschauer für einen Sekundenbruchteil den Blick auf ihre Vulva freigibt.” Oder in dem Sinne, dass Regisseur Paul Verhoeven bereits vor einigen Jahren erzählt hat, wie die Unten-ohne-Szene gedreht wurde?

Bei Bild.de waren sie über die Entdeckung der seit vielen Jahren feststehenden Antwort jedenfalls so begeistert, dass sie gleich noch einen Artikel daraus gemacht haben:


(Das süße kleine Herz stammt von Bild.de.)

Eine wichtige Frage der Kino-Geschichte wurde jetzt gelöst: Zeigte Sharon Stone wirklich ihre Vagina in “Basic Instinct”? JA.

Joar, “jetzt”, gut.

Andere Boulevard-Portale haben übrigens ebenfalls ganz aufgeregt über die Uralt-Enthüllung berichtet. Gala.de zum Beispiel:

Seit Jahren rätseln die Fans: Zeigt Sharon Stone bei “Basic Instinct” wirklich alles? Jetzt sorgt Regisseur Paul Verhoeven für Klarheit.

Oder Express.de:

Es ist die “Wembley-Diskussion” der Filmgeschichte. Jetzt gibt’s Aufklärung…

Und mit einer ganz besonderen Überschrift auch die “tz”:

Sieht man sie nun oder sieht man sie nicht? Paul Verhoeven ist die Spekulationen um die wohl berühmteste erotische Szene der Hollywoodgeschichte leid.

Mit Dank an den Hinweisgeber!

Mit einem Klick zur Schizophrenie

Was ist schlimmer als Dr. Google? Richtig: Psycho-Doc Bild.de. Die Küchenpsychologen aus dem Axel-Springer-Hochhaus haben heute diesen Artikel auf ihrer Startseite veröffentlicht:

Jaha, so einfach ist das: Einmal kurz bei Bild.de vorbeigesurft, Foto angeschaut — zack — schon weiß man, ob man schizophren ist oder nicht.

Eigentlich gilt die Diagnose einer schizophrenen Psychose als recht schwierig, häufig wird die Erkrankung erst Jahre nach ihrem Ausbruch von Ärzten erkannt. Das Versprechen auf der Bild.de-Startseite hingegen: alles kinderleicht.

“DIESES BILD”, mit dem die Redaktion das Versprechen erfüllen will, ist eine sogenannte Hollow-Face-Illusion. Die Gesichtsmaske, die nach innen gewölbt ist, wird von den meisten Menschen als nach außen gewölbt wahrgenommen. Das Gehirn spielt dem Betrachter einen Streich. Dieses Video einer rotierenden Charlie-Chaplin-Maske zeigt den Effekt ganz schön.

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover haben 2009 einen Test durchgeführt: Sie haben Probanden mit einer schizophrenen Psychose und Probanden, die nicht schizophren sind, die Hollow-Face-Illusion gezeigt. Die Teilnehmer mit schizophrener Psychose haben die nach innen gewölbte Maske als nach innen gewölbte Maske erkannt; die Teilnehmer ohne schizophrener Psychose haben sie als nach außen gewölbtes Gesicht wahrgenommen.

Acht Jahre später wollen die Hobbydoktoren von Bild.de diesen Test also noch einmal machen. Aber …

Aber kann ein einziges Bild die Krankheit aufdecken?

JA!, sagen Forscher der Uni Hannover

Nach aktuellem Stand sind — der Bild.de-Logik folgend — 14 Prozent der knapp 100.000 Teilnehmer schizophren:

Erst fünf Absätze, nachdem man das Ergebnis bekommen hat, und nachdem Bild.de auf der Startseite “DIESES BILD SAGT ES DIR! Bist du schizophren?” getitelt hat und über den Artikel “EINMAL ANSCHAUEN REICHT! — Dieses Bild sagt dir, ob du schizophrene Züge hast” geschrieben hat und im Artikel behauptet hat, dass “ein einziges Bild die Krankheit aufdecken” könne, kommt diese Einordnung:

Wenn man sich zum Beispiel jetzt “Sorgen macht”, weil man beim großen Bild.de-Schizophrenie-Test zu den 14 Prozent gehört.

Welt.de hat vorgestern auch über die optische Täuschung und den Versuch mit der Hollow-Face-Illusion berichtet. Im Gegensatz zu ihren Springer-Kollegen von Bild.de hat die Welt.de-Autorin allerdings darauf verzichtet, aus dem Thema ein Spiel und die eigenen Leser zu Testobjekten zu machen, und direkt am Anfang das Ganze ordentlich eingeordnet:

Kann man mit Hilfe einer einfachen optischen Illusion eine psychische Krankheit erkennen? Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Rabiator Trump, Stiftungsbeistand, Feindbild Köppel

1. “Ihr seid Fake News!”
(spiegel.de, Marc Pitzke)
„Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident versinkt im Chaos, noch bevor sie anfängt. Dutzende Reporter keilen sich im Trump Tower um Plätze. Es stinkt nach Schweiß und den Toiletten, die dem Andrang nicht gewachsen sind.“ Marc Pitzke über ein verstörendes Event mit dem großen amerikanischen Rabiator.

2. Körber Stiftung verteidigt Somuncu-Auftritt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Kabarettist Serdar Somuncu hat Ende 2015 bei einer Podiumsdiskussion der Körber Stiftung mit deutlichen Worten Kritik an TV-Sendern geübt und ihnen vorgeworfen, seine Beiträge zu zensieren. Dabei sind auch Beleidigungen gefallen, gegen die eine Redakteurin mit Unterstützung des WDR juristisch vorgehen will. Die Stiftung hat die strittigen Passagen nun aus dem Videomitschnitt entfernt, verteidigt aber den Auftritt des Kabarettisten: „Da wir den vielen weiteren klugen und richtigen Aussagen im Gespräch gern weiterhin eine Plattform geben wollen, haben wir uns entschieden, das Video um die strittige Passage zu beschneiden und wieder einzustellen.”

3. Ich guck’ Sponsoren-TV
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Das erste Spiel bei der Handball-WM – übertragen von einem Sponsor im Internet, auf Youtube. Warum eigentlich nicht, fragt Markus Ehrenberg im „Tagesspiegel“ und konstatiert: „Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel. Egal, wer hier wen sponsert. Kein großes Gedöns vorher und hinterher, Handball pur.“

4. Wie mache ich mir ein Feindbild?
(medienwoche.ch, René Zeyer)
In letzter Zeit erschienen verschiedene Porträts des Schweizer Journalisten Roger Köppel, der vor allem durch seinen Rechtspopulismus von sich reden macht. René Zeyer hat sich die Porträts von „NDR“, „Spiegel“, Süddeutsche“, „Zeit“ und „Blick“ angeschaut und Noten vergeben.

5. Von starken Frauen … und Kerlen in Redaktionen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Eigentlich wollte Ulrike Simon in dieser Woche über Kai Diekmann schreiben. Doch dann starb die langjährige „Brigitte“-Chefin Anne Volk. Ein Grund für Kolumnistin Simon ihren Beitrag dieser Frau zu widmen, die sie als eine Ausnahmeerscheinung bezeichnet. Zum Schluss gehts dann doch nochmal um die Causa Diekmann und das ihr merkwürdig erscheinende Datum der angeblichen sexuellen Belästigung durch den Ex-Bild-Chef: „Sollte dieses Datum stimmen, muss die Frage erlaubt sein, warum die Journalisten an diesem Abend nicht längst dort waren, wo sie hingehört hätten: in der Redaktion. Am 22. Juli 2016 schoss im OEZ in München ein Amokläufer um sich.“

6. Fotoveröffentlichung – wann darf ohne Einwilligung des Abgebildeten veröffentlicht werden?
(fachjournalist.de, Frank C. Biethahn)
Medien leben von Fotoveröffentlichungen. Diese können aber schnell mit dem Persönlichkeitsrecht kollidieren. Wann ist eine Einwilligung erforderlich und wann nicht? Rechtsanwalt Frank C. Biethahn beschreibt anhand von Beispielen, in welchen Fällen eine Einwilligung entbehrlich ist.

7. Übermedien abonnieren
(uebrmedien.de, Boris Rosenkranz & Stefan Niggemeier)
Die Kollegen von “Übermedien” feiern heute ihr einjähriges Bestehen. Dazu erstmal: herzlichen Glückwünsch! Wenn Sie den beiden — Medienjournalist Boris Rosenkranz und BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier — an diesem besonderen Tag eine Freude machen wollen, hätten wir einen Geschenktipp: Schließen Sie doch ein “Übermedien”-Abonnement ab. Das kostet 3,99 Euro im Monat und lohnt sich. Wirklich.

Audio-Photoshop, Sieg der Anstalt, Somuncus Wutattacke

1. O-Töne aus der Maschine? Adobes „Project VoCo“ könnte Radiowelt auf den Kopf stellen
(blmplus.de, Sandra Mueller)
Softwareriese Adobe arbeitet an einem Programm, das die einen begeistert und die anderen entsetzt. Noch ist “VoCo” nur ein Projekt, doch bald schon soll es als eine Art Photoshop für Audio auf den Markt kommen. Es sind viele Einsatzmöglichkeiten denkbar: Computerstimmen könnten zum Beispiel Radionachrichten vorlesen. Doch es geht auch anders: Mit der Software kann man einen Text auch mit der Stimme der Kanzlerin vorlesen lassen. Und schnell wird klar, dass Radiomacher bald in Erklärungsnöte hinsichtlich der Echtheit ihrer Aufnahmen geraten könnten. Laut einer Umfrage wünschen sich daher viele Befragte Transparenzregeln oder fordern sogar einen vollständigen Verzicht auf die neue Technologie.

2. “Zeit”-Journalisten scheitern mit Klage gegen ZDF-Satire
(spiegel.de)
Im Jahr 2014 ging es in der ZDF-Satiresendung “Die Anstalt” um die Frage der Unabhängigkeit von Journalisten beim Thema Sicherheitspolitik. Dabei wurden die Namen von zwei Journalisten ins Spiel gebracht: “Zeit”-Herausgeber Josef Joffe sei Mitglied, Vorstand oder Beirat in acht transatlantischen Organisationen, “Zeit”-Journalist Jochen Bittner Mitglied in drei entsprechenden Thinktanks. Dagegen hatten sich die beiden Journalisten mit einstweiligen Verfügungen und Unterlassungsklagen gewehrt. Nun hat der BGH zu Gunsten der “Anstalt” entschieden: Die Angaben zu den Interessenkonflikten der wegen unstreitiger Mitgliedschaften in Lobbyorganisationen würden grundsätzlich stimmen. Die Aussage, dass es “Verbindungen zwischen den Klägern und in der Sendung genannten Organisationen” gäbe, sei zutreffend.

3. Unter Verdacht (1)
(zeit.de, Thomas Fischer)
Nichts gerate im Strafverfahren so leicht und endgültig verloren wie die Unschuld. Wer schuldig sei und wer nicht, würden Justiz, Medien und Öffentlichkeit oft anders sehen, so BGH-Richter Thomas Fischer in seiner Kolumne “Fischer im Recht”. Es geht um drei konkrete Fälle von Anfangsverdacht, Betrugsverdacht und Migrationsverdacht, aber auch die abstrakten Rechtsbegriffe. Nicht mal so nebenbei zu lesen, aber eine wie immer lohnende, da klüger machende Lektüre mit Unterhaltungskomponente.

4. „Lügenpresse“ all’italiana
(de.ejo-online.eu, Heiner Hug)
Der italienische Politiker, Komiker, politischer Kabarettist und Schauspieler Beppe Grillo macht mal wieder von sich reden. Der Initiator der Bewegung “MoVimento 5 Stelle” (deutsch: Fünf-Sterne-Bewegung) will einen „Volksgerichtshof“ schaffen. Dieser soll aus Bürgerinnen und Bürgern bestehen, die Zeitungsartikel und Fernsehberichte auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Dies sei insofern verwunderlich, so der Autor Heiner Hug, da Grillo selbst ein bloggender Hitzkopf und Populist: “Und was er da fast täglich von sich gibt und behauptet, erfüllt die Kriterien „postfaktisch“ und „Fake News“ oft bei weitem. Zudem publiziert er – nachweisbar – Meldungen, die Putins Trolle verfassen.”

5. Nach Wutattacke im Interview: WDR-Mitarbeiterin geht wegen Beleidigung gegen Kabarettist Serdar Somuncu vor
(meedia.de, Marvin Schade)
Der für seine direkte und unverblümt bis ruppige Art bekannte Kabarettist Serdar Somuncu soll Ende 2015 in einem Interview den Sendern vorgeworfen haben, ihn und seine Programme zu zensieren und in beleidigender Weise eine konkrete Redakteurin genannt haben. Diese habe nun erst Kenntnis von dem Videomitschnitt und den Äußerungen Somuncus über sie erhalten und wolle, mit Unterstützung ihres Arbeitgebers, dem WDR, wegen schwerer Beleidigung gegen Somuncu vorgehen.

6. So schauen die Fans die Handball-WM
(haz.de)
Die heute beginnende Handball-WM ist in gewisser Weise ein Novum: Erstmals soll eine sportliche Großveranstaltung in Deutschland nur von einem Sponsor im Internet gezeigt werden. Die “Haz” erklärt, wie es zu der merkwürdigen Situation kam und verrät wie und wo man die Spiele sehen kann.
Alternative für Kulturliebhaber: Ab 18.30 Uhr kann man live via Youtube bei der Einweihung der Elbphilharmonie und dem Eröffnungskonzert dabei sein. Das Besondere: Es soll einen spektakulären 360°-Livestream geben!

Kann nicht wenigstens einmal auch jemand an die Kinder denken?

Clickbait ist nervig. Clickbait auf Kosten von Kindern ist grässlich. Clickbait auf Kosten von Kindern, denen vielleicht etwas zustoßen könnte, wobei man als Leser erst erfährt, ob dem Kind nun was passiert ist oder nicht, wenn man auf den Artikel oder das Video klickt — das ist dann Bild.de:

Soviel schon mal jetzt: Es ging gut. Nix passiert. Der Junge ist wieder bei seiner Mutter.

Die Geschichte geht in Kurzform so: Ein Vierjähriger lief an der Leitplanke einer Autobahn in China entlang. Dabei wurde er, in seiner auffälligen orangenen Jacke, von einer Überwachungskamera gefilmt. Die Polizei kam, nahm den Jungen mit, suchte seine Familie und fand sie schließlich. Viel mehr Infos liefert Bild.de dann auch nicht in dem 50-Sekunden-Video.

Dass gar nichts passiert ist, hätte die Redaktion natürlich auch direkt in der Teaseroptik auf der Startseite schreiben können. Aber dann hätten die Leute ja nicht wie blöd geklickt.

Das Video ist schon ein paar Tage alt, es stammt von Mitte Dezember. Vorgestern haben die Mitarbeiter von Bild.de dann die nächsten Aufnahmen einer chinesischen Überwachungskamera entdeckt, in denen es wieder um ein kleines Kind geht und mit denen man wieder wunderbar Klicks generieren kann:

Auch hier die wichtigste Info vorweg: Ja, das Kind wurde zwar von einem Lkw überrollt, ihm ist aber nichts Schlimmes passiert.

Die Szene, in der der Lkw über den Jungen auf dem Dreirad fährt, präsentierte Bild.de auf der Startseite in GIF-Dauerschleife. Das dazugehörige Video zeigt das Unglück aus zwei verschiedenen Perspektiven. Die Redaktion säuselt noch schnell, dass “mehrere Schutzengel am Werk” gewesen sein müssen. Dann ist der 42-Sekunden-Clip auch schon wieder rum.

Klicks abgegriffen, Job erledigt, weiter zum nächsten Unglück.

Mit Dank an @der_rosenkranz für den Screenshot!

*Die Überschrift bezieht sich übrigens hierauf (Video, 0:04 Minuten).

Problematisches Googlegeld, Superverlag Facebook, Amerikas Puls

1. Warum Google kein Partner für Journalisten sein kann
(medium.com, Lorenz Matzat)
Google schüttet im Rahmen des Medien-Innovationsfonds “Digital News Initiative” (DNI) eine Summe von 150 Millionen Euro an Verlage und Journalisten aus. Geld, das man laut Lorenz Matzat nicht annehmen sollte: “Ein im publizistischen Sektor so mächtiges Unternehmen kann meiner Meinung nach aus journalistischer Sicht kein Partner sein. Es kann vielmehr nur Gegenstand von Berichterstattung sein. Ein Journalist oder ein journalistisches Medium kann Google nur mit der nötigen kritischen Distanz gegenübertreten, sonst wird man von seiner Anziehungskraft auf die ein oder andere Weise vereinnahmt.”

2. US-Medien nach der Wahl: “Weniger prognostizieren, mehr verstehen”
(sueddeutsche.de, Johannes Kuhn)
In der amerikanischen Radiosendung “On The Media” geht es unter anderem darum, welchen Erzählmustern Medien folgen und welche Mythen sie verbreiten, welche Gefahren Presse- und Meinungsfreiheit drohen und welche Rolle Technologie im Medienwandel spielt. Die “SZ” hat mit Moderatorin Brooke Gladstone über die Erkenntnisse aus dem US-Wahlkampfberichterstattung gesprochen: “Vielleicht sollten wir mehr Reporter rausschicken. Aber es ist schwer, den Puls Amerikas zu fühlen: Alles ist am Ende anekdotisch, du kannst ‘die Wahrheit’ nicht finden, weil du nicht jeden Bürger interviewen oder eine Umfrage mit ihm machen kannst. Vielleicht kommen wir aber langfristig dahin, dass wir weniger prognostizieren und mehr verstehen.”

3. Journalisten können sich nicht nach Wutbürgern richten
(deutschlandradiokultur.de, Hans-Dieter Heimendahl)
Hans-Dieter Heimendahl, Leiter der Hauptabteilung Kultur des Deutschlandradios Kultur, geht nochmal auf die Entscheidung der “Tagesschau” ein, zunächst nicht über den Freiburger Mordfall zu berichten. Dies hatte vor ein paar Tagen zu einer Empörungswelle in den sozialen Medien geführt. “Wahrscheinlich haben sich auch schon vor dreißig Jahren Menschen über die Nachrichtenauswahl oder die Kommentare der Tagesschau aufgeregt. Aber sie konnten nur auf ihren privaten Tisch hauen. Heute können sie sofort in aller Öffentlichkeit ihrem Unmut Luft machen. Doch in Argumente hat sich die Wut durch die soziale Netzwerkerei noch nicht verwandelt. Und sie tut es auch nicht, wenn Hunderte oder gar Tausende die gleiche Wut haben.”

4. Wie die Medien Facebook zum Superverlag hochschreiben
(wolfgangmichal.de)
Was die Konkurrenz zu Facebook, YouTube und Co. anbelangt, befinden sich die Verleger in einem unlösbaren Dilemma: “Rechtlich und politisch wollen sie die Online-Plattformen dazu nötigen, Verlage zu werden, ökonomisch möchten sie genau das verhindern.”
Sollten aus den Internetplattformen Verlage werden, hätte dies für die Nutzer weitreichende Folgen, so Wolfgang Michal: “Sie werden durch die Verwandlung der Plattformen in Verlage zu Verlags-Mitarbeitern. Als Datenlieferanten, Blogger, Künstler, Werber, Journalisten etc. könnten sie für ihre Leistungen Geld, Beteiligung oder Mitsprache verlangen. Als Inhalte-Produzenten werden sie sich die Frage stellen, warum sie von den Plattformen so schlecht behandelt werden, warum sie für ihre Arbeit kein Honorar erhalten, warum sie ihre Rechte durch (rechtswidrige) Buy-Out-AGBs verschleudern müssen.”

5. Der Code der Neuen Rechten
(uebermedien.de, Michael Kraske)
Michael Kraske schreibt über den “Code der Neuen Rechten”. Etliche Redaktionen hätten bereits über das neurechte Netzwerk berichtet. Dennoch bliebe die Neue Rechte journalistisch schwer greifbar. Das Thema sei komplex, es brauche viel Erklärung, Akteure fänden sich parteiübergreifend.

6. “Wir vergraben uns in unseren Vorurteilen”
(zeit.de, Anant Agarwala)
Stanford-Professor Sam Wineburg hat eine Studie vorgelegt, die allerhand über die Internet-Leichtgläubigkeit von amerikanischen Schüler und Studenten zu Tage fördert. Diese würden oft nicht erkennen, ob Informationen wahr oder falsch sind. Doch nicht nur junge Leute seien von dieser speziellen Art von Leichtgläubigkeit betroffen. Eine weitere Studie, die 2017 publiziert werden soll, zeige ähnliche Ergebnisse für Akademiker mit Doktortitel: “Mit Bildung kommt Arroganz. Wir alle halten uns für viel schlauer, als wir sind, wenn es ums Internet geht.”

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