Problematisches Googlegeld, Superverlag Facebook, Amerikas Puls

1. Warum Google kein Partner für Journalisten sein kann
(medium.com, Lorenz Matzat)
Google schüttet im Rahmen des Medien-Innovationsfonds „Digital News Initiative“ (DNI) eine Summe von 150 Millionen Euro an Verlage und Journalisten aus. Geld, das man laut Lorenz Matzat nicht annehmen sollte: „Ein im publizistischen Sektor so mächtiges Unternehmen kann meiner Meinung nach aus journalistischer Sicht kein Partner sein. Es kann vielmehr nur Gegenstand von Berichterstattung sein. Ein Journalist oder ein journalistisches Medium kann Google nur mit der nötigen kritischen Distanz gegenübertreten, sonst wird man von seiner Anziehungskraft auf die ein oder andere Weise vereinnahmt.“

2. US-Medien nach der Wahl: „Weniger prognostizieren, mehr verstehen“
(sueddeutsche.de, Johannes Kuhn)
In der amerikanischen Radiosendung „On The Media“ geht es unter anderem darum, welchen Erzählmustern Medien folgen und welche Mythen sie verbreiten, welche Gefahren Presse- und Meinungsfreiheit drohen und welche Rolle Technologie im Medienwandel spielt. Die „SZ“ hat mit Moderatorin Brooke Gladstone über die Erkenntnisse aus dem US-Wahlkampfberichterstattung gesprochen: „Vielleicht sollten wir mehr Reporter rausschicken. Aber es ist schwer, den Puls Amerikas zu fühlen: Alles ist am Ende anekdotisch, du kannst ‚die Wahrheit‘ nicht finden, weil du nicht jeden Bürger interviewen oder eine Umfrage mit ihm machen kannst. Vielleicht kommen wir aber langfristig dahin, dass wir weniger prognostizieren und mehr verstehen.“

3. Journalisten können sich nicht nach Wutbürgern richten
(deutschlandradiokultur.de, Hans-Dieter Heimendahl)
Hans-Dieter Heimendahl, Leiter der Hauptabteilung Kultur des Deutschlandradios Kultur, geht nochmal auf die Entscheidung der „Tagesschau“ ein, zunächst nicht über den Freiburger Mordfall zu berichten. Dies hatte vor ein paar Tagen zu einer Empörungswelle in den sozialen Medien geführt. „Wahrscheinlich haben sich auch schon vor dreißig Jahren Menschen über die Nachrichtenauswahl oder die Kommentare der Tagesschau aufgeregt. Aber sie konnten nur auf ihren privaten Tisch hauen. Heute können sie sofort in aller Öffentlichkeit ihrem Unmut Luft machen. Doch in Argumente hat sich die Wut durch die soziale Netzwerkerei noch nicht verwandelt. Und sie tut es auch nicht, wenn Hunderte oder gar Tausende die gleiche Wut haben.“

4. Wie die Medien Facebook zum Superverlag hochschreiben
(wolfgangmichal.de)
Was die Konkurrenz zu Facebook, YouTube und Co. anbelangt, befinden sich die Verleger in einem unlösbaren Dilemma: „Rechtlich und politisch wollen sie die Online-Plattformen dazu nötigen, Verlage zu werden, ökonomisch möchten sie genau das verhindern.“
Sollten aus den Internetplattformen Verlage werden, hätte dies für die Nutzer weitreichende Folgen, so Wolfgang Michal: „Sie werden durch die Verwandlung der Plattformen in Verlage zu Verlags-Mitarbeitern. Als Datenlieferanten, Blogger, Künstler, Werber, Journalisten etc. könnten sie für ihre Leistungen Geld, Beteiligung oder Mitsprache verlangen. Als Inhalte-Produzenten werden sie sich die Frage stellen, warum sie von den Plattformen so schlecht behandelt werden, warum sie für ihre Arbeit kein Honorar erhalten, warum sie ihre Rechte durch (rechtswidrige) Buy-Out-AGBs verschleudern müssen.“

5. Der Code der Neuen Rechten
(uebermedien.de, Michael Kraske)
Michael Kraske schreibt über den „Code der Neuen Rechten“. Etliche Redaktionen hätten bereits über das neurechte Netzwerk berichtet. Dennoch bliebe die Neue Rechte journalistisch schwer greifbar. Das Thema sei komplex, es brauche viel Erklärung, Akteure fänden sich parteiübergreifend.

6. „Wir vergraben uns in unseren Vorurteilen“
(zeit.de, Anant Agarwala)
Stanford-Professor Sam Wineburg hat eine Studie vorgelegt, die allerhand über die Internet-Leichtgläubigkeit von amerikanischen Schüler und Studenten zu Tage fördert. Diese würden oft nicht erkennen, ob Informationen wahr oder falsch sind. Doch nicht nur junge Leute seien von dieser speziellen Art von Leichtgläubigkeit betroffen. Eine weitere Studie, die 2017 publiziert werden soll, zeige ähnliche Ergebnisse für Akademiker mit Doktortitel: „Mit Bildung kommt Arroganz. Wir alle halten uns für viel schlauer, als wir sind, wenn es ums Internet geht.“