Suchergebnisse für ‘youtube’

Informationsunfreiheit, Oettinger, Hugh Grant

1. Zehn Jahre Informationsfreiheitsgesetz auf Bundesebene – Zeit für eine Weiterentwicklung.
(netzwerkrecherche.org, Manfred Redelfs)
Auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes auf Bundesebene bleibt viel zu tun, so Manfred Redelfs vom “Netzwerk Recherche”. Von Anfang an habe es sich um ein eher ungeliebtes Kompromissgesetz gehandelt, mit vielen Ausnahmeklauseln, langen Antwortfristen und Kostenrisiken. Ein Fazit der letzten zehn Jahre liefere die Analyse des Gesetzes, die von der Otto-Brenner-Stiftung zusammen mit der Initiative „Frag den Staat“ durchgeführt wurde. Und auch andere Erfahrungsberichte würden belegen, wie mühsam es für Journalisten immer noch ist, vom Staat Informationen zu erhalten.

2. Aleppo: Sind die Youtube-Filme aus dem Kriegsgebiet authentisch?
(blog.tagesschau.de, Christoph Tanneberger)
Im Blog der “Tagesschau” zeigt Christoph Tanneberger wie aufwändig die Verifikation von Videomaterial sein kann, besonders wenn es aus schwer zugänglichen Kriegs- und Krisengebieten kommt, wie in diesem Fall dem syrischen Aleppo.

3. Oettinger: Verleger sollen kritische Journalisten auf Linie bringen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
EU-Kommissar Günther Oettinger, in der Kommission unter anderem für digitale Wirtschaft zuständig, sprach am Montag auf dem Zeitungskongress vor den deutschen Verlegern. Ziemlich unverblümt forderte er sie auf, ihre Macht zu nutzen (bzw. zu missbrauchen), öffentlich Stimmung für ein Gesetz in eigener Sache zu machen: das sogenannte Leistungsschutzrecht. Stefan Niggemeier kommentiert den Vorgang auf “Übermedien” und kommt zum Schluss: “Oettinger will, dass die Verleger ihre Redaktionen auf Linie bringen, und dass er behauptet, es gehe selbstverständlich nicht darum, die „Redaktionsfreiheit“ einzuschränken, oder „Zensur“ zu betreiben, zeigt nur, dass er genau weiß, dass er hier gegen innere Pressefreiheit und Meinungsvielfalt in den Redaktionen argumentiert und Propaganda statt Journalismus fordert.”

4. Nach Anschlägen in Dresden: Droht Sachsen der linke Terror?
(patrick-gensing.info)
Patrick Gensing schreibt über die Legende vom linken Terror in Sachsen: Nach den Anschlägen in Dresden hätte nach Angaben des sächsischen Innenministers Markus Ulbig ein Bekennerschreiben vorgelegen, veröffentlicht auf der Internetseite “linksunten.indymedia.org”. Wer sich in dem Schreiben bekannt haben soll, hätte der Minister im ZDF nicht gesagt. Er hätte auch nicht erwähnte, dass die angeblichen Urheber das Schreiben bereits als Fälschung bezeichnet hatten. Nun mache die Nachricht die Runde, die Anschläge könnten von Linksradikalen verübt worden sein.

5. „vorwärts“ und nicht vergessen?
(carta.info, Klaus Vater)
Am 1. Oktober wird der “vorwärts” 140 Jahre alt. Der Politologe, Journalist und ehemalige stellvertretende Regierungssprecher Klaus Vater hat sich das “Central-Organ der Sozialdemokratie Deutschlands” (Untertitel der Erstausgabe vom 1.10.1876) angeschaut und lässt die letzten Jahrzehnte Revue passieren.

6. Ich mach seit 20 Jahren Interviews. Keins war so ein Desaster wie das mit Hugh Grant
(watson.ch, Simone Meier)
Simone Meier hat sich ihr Interview mit dem englischen Schauspieler Hugh Grant so schön ausgemalt, doch dann kommt alles anders.

heute-show, Zeitungshommage, #men4equality

1. Wirkungen und Nebenwirkungen der “heute-show”
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler hat für die Otto Brenner Stiftung die Studie „Quatsch oder Aufklärung? Witz und Politik in heute-show und Co“ verfasst. Im “Tagesspiegel” berichtet er über Wirkungen und Nebenwirkungen von Satiresendungen und geht der Frage nach, ob Formate wie „heute-show“ oder “extra 3” die Politikverdrossenheit fördern würden. (Ein Vorwurf, den der konservative Publizist Hugo Müller-Vogg und der Politikpsychologe Thomas Kliche unlängst erhoben hätten.) Gäbler kann diesem Generalverdacht nichts abgewinnen und sieht die Formate eher als politische Appetitmacher: “Sie ersetzen nicht den Journalismus, schon gar nicht sind sie der bessere Journalismus, aber sie fußen auf dessen Arbeit, ergänzen diese und spitzen zu. Im besten Fall sind sie eine vergnügliche Einstiegsdroge für politisches Interesse. Sie laden geradezu ein zu einer vertiefenden Weiterführung.”

2. Darüber redet man lieber nicht
(nzz.ch, Otfried Jarren)
Die Medienbranche und die Qualitätsfrage – kein einfaches Thema, wenn es nach Otfried Jaren geht, der eine Verweigerungshaltung der Medien diagnostiziert. Dies Verhalten räche sich: Die von der Medienbranche verweigerte Debatte um Publizistik, Journalismus und Qualität werde nun an anderen Orten sowie von Laien und mit anderen Argumenten geführt. Die Massenmedien würden auf den Social-Media-Prüfstand kommen. “Die Gesellschaft wird sich weiter ausdifferenzieren und noch mobiler werden. Damit steigt der Informations- und Kommunikations-, Bewertungs- und Orientierungsbedarf kontinuierlich weiter an – eine Chance für publizistische Medien. Das Zeitalter der Massenmedien, zumal der Massenproduktion, aber ist vorbei.”

3. Im Dialog: Michael Hirz im Gespräch mit Mathias Döpfner 23.09.2016
(youtube.com, Michael Hirz, Video, 29:07 Min.)
Wenn es um die Zukunft des Journalismus geht, gibt sich Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, optimistisch. In der “Phoenix”-Sendung “Im Dialog” spricht Döpfner über den Umbau des Verlagshauses Springer zu einem Digitalkonzern, die Chancen des Internets und den Journalismus als Geschäft.

4. Zeitungsleser: das Aussterben einer Gattung
(infosperber.ch, Jürg Müller-Muralt )
Michael Angele, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“, hat mit dem Buch “Der letzte Zeitungsleser” eine Hommage an die Zeitung vorgelegt. In seiner Rezension bezeichnet Jürg Müller-Muralt das Buch als “klugen, leicht wehmütigen Abgesang auf die Zeitung”. Mit seinem Büchlein habe Angele, wenn es denn einmal soweit sein sollte, der Lebensform Zeitung schon heute ein schönes Denkmal gesetzt.

5. Problemfall Männer-Events – und warum Männer Teil des Problems sind
(digitaletanzformation.wordpress.com, Robert Franken)
Veranstaltungen und Podien, auf denen lediglich Männer mit Männern sprechen, seien einseitig, unvollständig und nicht repräsentativ – und daher langweilig und irrelevant. Deshalb haben 25 Erstunterzeichner aus der Medienbranche öffentlich gemacht, dass sie künftig nicht mehr an reinen Männerpodien teilnehmen werden. Robert Franken für die Initiative (#men4equality): “Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind nicht als „Weiße Ritter“ unterwegs, die mehr Frauen auf Podien bringen wollen, jedenfalls ist das nicht unser vorrangiges Ziel. Frauen können das schließlich gut ohne uns. Wir sehen diesen Effekt daher eher als „Kollateralnutzen“. Uns geht es vor allem darum, dass Diskussionsrunden und Panels, an denen ausschließlich Männer teilnehmen, aus unserer Sicht schon vom Prinzip her uninteressant sind und deshalb von uns nicht besucht werden.”

6. Symbolstrecke des Grauens Teil 6: Pubertät
(fr-online.de)
In der “Symbolstrecke des Grauens” geht es diesmal um ausgesucht platte, unpassende und absurde Symbolfotos zum Thema Pubertät.

Ob rot, ob braun, Bild.de schreibt nur über blonde Frau’n

Am Montagabend gegen 20:15 Uhr muss wieder die tönende Sirene durch die Redaktionsräume von Bild.de geschrillt haben: “Achtung! Achtung! Bei ‘Wer wird Millionär’ sitzt eine Blondine auf dem Kandidatenstuhl. Ich wiederhole: eine Blondine!” Und schon machten die Mitarbeiter den Fernseher an und sich selbst ans Werk.

Bild.de veröffentlicht häufig eine Nachlese zur aktuellen “Wer wird Millionär”-Folge, vermutlich für all diejenigen, die sich brennend für das 17 Jahre alte TV-Format interessieren, aber dann doch nicht einschalten. Und am Montagabend sitzt dann eben eine junge Frau Günther Jauch gegenüber. Sie ist blond. Sie studiert Psychologie. Für Bild.de ist sie “Psycho-Blondi”:

Die Haarfarbe ist Bild.de besonders wichtig, wenn es um die “RTL”-Quizshow geht. Zumindest wenn sie in etwa blond ist und zu einer Frau gehört. “Sitzt eine Blondine bei ‘Wer wird Millionär'” könnte der Beginn eines ollen Blondinenwitzes sein, der bei einem Großteil des Bild.de-Publikums sicher gut ankommen würde.

Hier eine kleine Auswahl der Bild.de-Blondinenberichterstattung:





Das Netz lachte sich über die Jauch-Blondine kringelig.

All ihre Selbstironie („Und jetzt wäre es schön, wenn ich mal was wissen würde“ und „Hauptsache, ich blamier mich hier nicht“) half der Blondine aber nicht

Obwohl die Blondine in Jauchs Sendung ziemlich selbstbewusst wirkte

Auf YouTube hat die Blondine übrigens einen eigenen Kanal

lässt sich gerade zur Stuntfrau ausbilden und trägt ihr Haar rosa-blond

Die Blondine: „Ich bin nervös.“

Jauch belehrte die Blondine erst einmal

Die Blondine ruft ihren Freund an

“Bessere Publicity, als dass eine blonde Mode-Studentin […]”

Als die Blondine sich immer noch nicht entscheiden konnte

Er ließ die kichernde Blondine auf ihrem Stuhl sitzen

Als der Mann erzählte, dass er auch eine blonde Tochter habe

Die 50-Euro-Frage konnte die Blondine als erste Kandidatin aller Zeiten nicht richtig beantworten.

stürmte die Blondine auf Jauch zu

um der Blondine diese Blamage zu ersparen

grinste die blonde Rebecca

verabschiedete sich die blonde Rebecca dann aus der Sendung

Tagsüber verkauft die attraktive Blondine Versicherungen

An der ersten Frage scheiterte vor der Blondine zwar noch keiner

Diese Blondine war bei “Wer wird Millionänr” [sic] nicht auf den Kopf gefallen

eher wenig Verständnis für die junge Blondine

Die blonde Synchronsprecherin

will Jauch von der Blondine wissen.

Der war sofort Feuer und Flamme und machte der Blondine einen Vorschlag

Als sich die Blondine die Seitennaht genauer ansehen wollte, griff sie beherzt den Zipfel von Jauch’s Hemd

Die Blondine entschied sich fälschlicherweise für D.

Mühsam lavierte sich die Blondine durch den Fragendschungel

Deshalb hat die fußballbegeisterte Blondine wieder angefangen

Blond, hübsch und nicht bei jeder Frage immer sofort auf der Höhe

Die hübsche Blondine Verena

Die hübsche Blondine verstand die Frage nicht

Die hübsche Blondine lächelt verschmitzt

Da hatte die hübsche Blondine dem Moderator einen Zettel zugesteckt.

an dem Beruf der hübschen Blondine aus dem Harz

Außerdem bat er die hübsche Blondine darum

Die blonde Augenweide leitet die „Jodelschule Kreuzberg“ in Berlin.

Wenn man stattdessen mal nach brünetten “Wer wird Millionär”-Kandidatinnen sucht, bei denen die Haarfarbe für Bild.de eine Erwähnung wert war, ist die Ausbeute übrigens deutlich mauer:

“Buzzfeed”, Medienhuren, Mehrwert

1. „Die Homepage ist nicht mehr so wichtig“: „Mr. BuzzFeed“ Scott Lamb im Interview
(t3n.de, Carsten Christian)
Seit annähernd zehn Jahren gibt es “Buzzfeed”, eine bunte Mischung aus Blog, Nachrichtenticker und Online-Magazin voller Bilder und Videos und sogenannter “Listicles”. Mittlerweile hat die Seite nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Leser. Im Interview mit “t3n” erklärt Scott Lamb (Vice President International), was den Erfolg der Seite ausmacht und was sich andere Publisher von “Buzzfeed” abschauen können.

2. Missverständnis oder mangelnde Recherche?
(ndr.de, Janina Kalle)
Da ist wohl etwas schief gegangen: Ein “Spiegel”-Reporter hat eine Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Harvestehude besucht und später von Mobbing aus religiösen Gründen berichtet. Dabei hat es sich anscheinend nur um einen relativ profanen Streit um die Nutzung des Badezimmers gehandelt. Die Heimleitung zeige sich jedenfalls überrascht von den Mobbing-Vorwürfen, die Pressesprecherin sehe in dem Ganzen ein Missverständnis.

3. Cheatsheet: Programmierlose ddj tools
(datentaeter.de)
Marie-Louise Timcke studiert Datenjournalismus in Dortmund und ist Leiterin von “Journocode”, ein Projekt rund um “journalistisches Programmieren”. Auf einem “Cheatsheet” hat sie die nützlichsten Tools für Datenjournalisten zusammengestellt: von Recherche und Analyse bis hin zur grafischen Aufbereitung.

4. Gemischtes Doppel #5: Medienhuren
(ostpol.de, Inga Pylypchuk)
In Deutschland wird Medien oft der Kampfbegriff “Lügenpresse” entgegengeschleudert, in der Ukraine werden Journalistinnen und Journalisten oft als “Medienhuren” beschimpft. Anlass sei das Verhalten der TV-Redakteurin Marija Stoljarowa gewesen: Während einer Live-Sendung zum Gedenken an die Toten der Maidan-Revolution im vergangenen Winter sei plötzlich der Regieton eingespielt worden und man hätte hören können, wie Stoljarowa einen Kollegen aufforderte, „endlich diese Scheiße auszuschalten“. Seitdem macht der Hashtag “#Medienhure” die Runde, und alle Journalisten, die mit ihrer Tätigkeit angeblich der Ukraine schaden, werden entsprechend beschimpft. “Alle Presse-Vertreter können jetzt #Medienhuren werden, genauso wie sie in Deutschland #Lügenpresse wurden. Auch unabhängige Medien und investigative Korruptionsbekämpfer werden damit abgestempelt. Dabei ist eine weitere Gemeinsamkeit nicht zu übersehen: Diejenigen, die eine journalistische Verschwörung wittern, gehören in der Ukraine wie in Deutschland meist zum rechten Lager.”

5. Ich habe da einen Wunsch
(facebook.com, Dennis Horn)
Der Journalist Dennis Horn würde gerne den Begriff “Mehrwert” begraben. Wenn es bei Radio und Fernsehen um Online und Social Media ginge, würde stets ein anzustrebender “Mehrwert” ins Spiel gebracht. Dabei sei es einer dieser Begriffe, mit denen die Medien sich selbst in die Tasche lügen würden. “‘Mehrwert’ verhindert, die Stärken der jeweiligen Kanäle auszuspielen. Die wichtigste Frage ist: Was erwarten unsere Nutzer in einem neuen Kanal von uns? Was erwarten sie, wenn sie unser lineares Programm einschalten? Was erwarten sie, wenn sie unsere Website besuchen? Was erwarten sie, wenn sie unserer Facebook-Seite ein ‘Gefällt mir’ spendieren? Was erwarten sie, wenn sie unseren YouTube-Kanal abonnieren? Was erwarten sie, wenn sie uns bei Snapchat folgen? Nicht die Frage, ob der eine Kanal einen Mehrwert für den anderen hat, ist entscheidend — sondern ob ein neuer Kanal eine sinnvolle Ergänzung meiner Medienmarke ist und sie entsprechend stärken kann.”

6. Bedingt reformierbar
(sueddeutsche.de, Hans Hoff & Katharina Riehl)
Die Gebührenzahler investieren eine Menge Geld in die Öffentlich-Rechtlichen. Nun hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer gefordert, ARD und ZDF zusammenzulegen. Hans Hoff und Katharina Riehl ordnen das Ganze ein.

Heinz de Specht, Flüchtlingskinder, Apple-Brief

1. Nur din Job
(youtube.com, Video, 2:51 Min.)
Das Schweizer Kleinkunst-Trio “Heinz de Specht” rechnet in seinem neuesten Clip mit den Methoden der Boulevardblätter “Blick” und “Schweizer Illustrierte” anlässlich des Vierfachmords von Rupperswil ab. Im Video zeigen sie nicht nur einige reißerische Überschriften, sondern holen zum Gegenschlag aus und blenden Bilder der verantwortlichen Reporter und Chefredakteure ein. Aus dem Refrain: “…dann bist du kein Arschloch und auch keine dumme Sau, dann bist du kein Riesentrottel und auch keine Trottelfrau, dann bist du nicht pietätlos, bist nicht mal besonders grob, nein, dann bist Blick-Reporter und machst ja nur deinen Job.”

2. Überschrift: “Kinder verschwunden”
(ndr.de, Fiete Stegers)
Mit wenig schöner Regelmäßigkeit tauchen Schlagzeilen über in Deutschland verschwundene Flüchtlingskinder auf. Vor drei Tagen war es zum Beispiel die “Neue Osnabrücker Zeitung” (“NOZ”) mit “Fast 9.000 Flüchtlingskinder verschwunden”. Fiete Stegers ist für “Zapp” diesen Meldungen nachgegangen. Besonders von türkischer Seite hätte es viele Kommentare dazu gegeben, ein klarer Ursprung der türkischen Empörung könne jedoch nicht ausgemacht werden. Außerdem müsse man die Zahlen kritisch hinterfragen und in Relation setzen.

3. Der Gerüchte-Killer
(kontextwochenzeitung.de, Susanne Stiefel)
Als die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney vor einiger Zeit verkündete, dass in der Kaserne in Meßstetten Flüchtlinge untergebracht werden sollen, brach im Netz ein Shitstorm los. “Zollern-Alb-Kurier”-Lokaljournalist Michael Würz stemmte sich der Hetze mit sturer Beharrlichkeit und Geduld entgegen. Susanne Stiefel hat den Online-Redakteur besucht und sich mit ihm u.a. über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien und über Ethik und Verantwortung im Journalismus unterhalten.

4. Unser Jeff
(oxiblog.de, Kathrin Gerlof)
Kathrin Gerlof ist ein “Wirtschaftswoche”-Beitrag über den Amazon-Gründer Jeff Bezos negativ aufgefallen: Zu viel ungebrochene Bewunderung, zu wenig kritische Distanz und die ewig gleichen Gründermythen und Anekdoten: “Vielleicht liegt die Erfolglosigkeit so vieler Menschen auf der Welt nur daran, dass sie nicht über eine Garage verfügen. Und vielleicht zählt irgendwann mal irgendjemand all die Garagen in Vororten von Seattle oder anderswo zusammen, in denen Erfolgsgeschichten wie die von Amazon begonnen haben.”

5. No Comment – NPR deaktiviert Kommentarfelder unter den Artikeln
(netzpiloten.de, Shan Wang)
Das von manchen mit dem Deutschlandradio verglichene amerikanische “National Public Radio” (NPR) deaktiviert auf seinen Webseiten die Kommentarfunktion. Nicht, weil man den Moderationsaufwand scheut, sondern weil es sich nicht lohnen würde. Die kommentierenden Hörer befänden sich auf Facebook, wo man bereits mehr als fünf Millionen Likes für die “NPR”-Page eingesammelt hat und Twitter (mehr als 6 Millionen Follower).

6. Apple-Kommunikation: Mit vollem Mund spricht man nicht
(wuv.de, Peter Breuer)
Nachdem die Europäische Kommission Apple zu einer Steuernachzahlung von etlichen Milliarden Euro verdonnert hat (Rückforderung zu Unrecht erhaltener Steuervergünstigungen durch Apples Irland-Tricks), hat Apples CEO Tim Cook einen offenen Brief an seine europäischen Kunden geschickt. Peter Breuer hat das Schriftstück analysiert und findet ihn nicht besonders hilfreich.

25 lesenswerte Medienreflexionen zu #Rio2016

Die Olympischen Spiele 2016 in Rio nähern sich dem Ende. Zeit, ein medienkritisches Resümee zu ziehen. Wie sind die Medien mit dem internationalen Großevent umgegangen? Wie reagiert die Sportberichterstattung auf wachsende Kommerzialisierung, IOC-Einflussnahme und ständigen Dopingverdacht? Und wie steht es um die Themen Gleichberechtigung und Sexismus?

Wir haben 25 Artikel zusammengestellt, die einen kritischen Blick auf Zusammenspiel und Wechselwirkung von Medien und Sport werfen.

1. Medien-Porno bei Olympia
(tagesspiegel.de, Martin Einsiedler)
Das Bild vom entstellten Unterschenkel des Turners Samir Ait Said ging um die Welt – häufiger und expliziter, als es einem lieb sein kann, findet Martin Einsiedler im “Tagesspiegel”: “Es wäre gut, wenn die Lieferanten solcher Bilder verantwortungsvoller mit ihrem Material umgehen, ohne dabei zensorisch zu sein. Den verunglückten Sprung von Said hätte man auch zeigen können, ohne die Grenzen des Erträglichen zu überschreiten. So aber wirkte der Umgang mit dem Unfall vonseiten großer Teile der Medien wie ein billiger Porno: unästhetisch und auf den maximalen Effekt getrimmt.”

2. „Eine Beleidigung der Athleten“
(fr-online.de, Sebastian Moll)
Der US-Sender NBC erntet heftige Kritik für seine Aufbereitung der Olympischen Spiele als Reality-Show. Dahinter stecke ein hartes Marktkalkül: Die Mehrheit der Olympiabetrachter in den USA sei weiblich – die Männer würden sich weiter ihre Baseball- und Footballübertragungen anschauen. Um möglichst viel Werbung und “human interest” einbauen zu können, würden die Wettkämpfe von Rio in den USA auch niemals Live gezeigt.

3. Das teuerste Nischenprogramm aller Zeiten
(faz.net, Frank Lübberding)
Der Journalist Frank Lübberding ächzt in seiner TV-Olympia-Kritik über die Rund-um-die Uhr-Berichterstattung von ARD und ZDF. Zu viel, zu pausenlos, zu hektisch. Und wer schaut eigentlich das Nachtprogramm? Lübberding schlägt einen Reset vor: “Da wäre es durchaus eine interessante Überlegung, wenn bei den nächsten Spielen ein Nischensender wie Eurosport aus Tokio berichten würde. Es wäre ein wirkungsvoller Beitrag, um die Olympischen Spiele von ihrem derzeitigen Gigantismus zu befreien, der in dieser Form der grenzenlosen Berichterstattung seinen öffentlich-rechtlichen Ausdruck findet.”

4. Olympische Medien-Spiele: Innovatives Storytelling zu #Rio2016
(medium.com, Frederic Huwendiek)
In Zeiten von Olympischen Spielen drehen die Medien besonders hochtourig und versuchen mit kreativen Innovationen zu glänzen. Frederic Huwendiek berichtet in seinem fortlaufend aktualisierten Beitrag über spannende neue Ansätze des Storytellings, von 360-Grad-Video bis Roboterjournalismus.

5. So berichtet man über Frauen bei Olympia, ohne ein Sexist zu sein
(vice.com/de)
Die unpassenden Bemerkungen des ARD-Reportes Carsten Sostmeier bei seiner Reitkommentierung, für die er sich später entschuldigt hat, dienen der “Vice” sich mit sexistischer Sportberichterstattung während der olympischen Spiele zu befassen. Das Problem beginnt schon bei der Aufmerksamkeitsverteilung der Medien: “Über Sportlerinnen wird bei Weitem nicht so viel berichtet wie über Männer. In deutschen Medien liegt der Anteil meist unter 15 Prozent. Schlimm genug, dass diese Berichterstattung dann auch noch sexistische Kommentare, unangemessene Interviewfragen und Artikel über die körperliche Erscheinung beinhaltet.”

6. Olympia 2016: Leibwächter für ARD-Journalisten
(spiegel.de)
Der ARD-Journalist Hajo Seppelt hat in den letzten zwei Jahren ein staatlich organisiertes Dopingsystem in Russland aufgedeckt und wurde immer wieder bedroht. Bei Olympia in Rio steht der Investigativreporter nach “Spiegel”-Informationen unter Personenschutz: An seiner Seite bewegen sich, vermutlich auf Veranlassung des NDR, immer zwei Leibwächter, die teils zur brasilianischen Spezialeinheit “Batalhão de Operações Policiais Especiais” gehören, einer Elitetruppe der Militärpolizei von Rio de Janeiro.

7. Wir glotzen Olympia
(zeit.de, Stefanie Sippel, Tobias Potratz, Fabian Scheler & Oliver Fritsch)
Die “Zeit” hat eine launige Typologie der Olympia-Zuschauer zusammengestellt. Man unterteilt in “Ottonormalsportgucker”, “Olympia-Junkies”, “Schlaaand-Fans”, “Fußballnerds” und “Aussteiger”.

8. Rio verteidigt die olympische Scheinwelt
(derstandard.at, Susann Kreutzmann)
In Rio de Janeiro werde alles getan, um eine heile olympische Welt vorzugaukeln, findet Susann Kreutzmann. Doch die Realität lasse sich nur zeitweilig verbergen, nicht ganz aussperren. Das würden selbst die Athleten erfahren.

9. Olympia im TV: Blech für Bommes
(spiegel.de, Dirk Brichzi)
Nach elf Tagen Olympia und elf Tagen öffentlich-rechtlicher Sportberichterstattung verleiht Dirk Brichzi seine persönlichen Medaillen für Programmplanung, Ideenreichtum, Kommentatoren, Co-Kommentatoren, Gäste und TV-Maskottchen. Er verteilt Gold und… Blech.

10. Einfach mal abschalten
(tagesspiegel.de, Anett Selle)
Einfach mal abschalten, schlägt Anett Selle im “Tagesspiegel” vor. Olympia verkomme zum Imagefilm des Internationalen Olympischen Komitees. Mit seinen TV-Rechten verdiene das IOC etwa drei Viertel der fünf Milliarden Euro, die es zwischen 2013 und 2016 nach eigenen Angaben eigenommen haben wird. Und so kommt sie zum Schluss: “Das gibt dem IOC Macht, dabei kann es die Rechte nur deshalb teuer verkaufen, weil viele Zuschauer bei Olympia einschalten. Wem also nicht passt, was das IOC aus Olympia macht, kann sich wehren: Und einfach mal abschalten.”

11. Dilemma: Olympia-Freude vs. Doping
(ndr.de, Hendrick Maaßen, Video, 4:14 Min.)
Bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro geht es nicht nur um sportliche Leistungen und um die Athleten – es geht auch um Doping. “Zapp” hat sich mit dem Problem beschäftigt und unter anderem den Medienwissenschaftler Thomas Horky dazu befragt. Olympische Spiele seien laut Horky auch immer Unterhaltungsfernsehen. Und darum gelte es für die Kommentatoren und Journalisten, den Spagat zwischen Unterhaltung und angebrachter Kritik auszutarieren.

12. Andy Murray gibt einem Reporter die passende Antwort: Auch Frauen gewinnen Medaillen
(bento.de, Maria Wölfle)
Maria Wölfle berichtet für “Bento” über Fälle von Sexismus in der Sportberichterstattung, ob im Video-Interview, auf Medienseiten oder Twitter.

13. Stimmungslos
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Bei Gregor Keuschnig mag keine rechte Olympia-Stimmung aufkommen, was an den Fernsehmoderatoren und der medialen Inszenierung liege: “Wie man sich bei ARD und ZDF den medienkompatiblen Sportler vorstellt, konnte man am Sonntag bei einer Schaltung zum »Deutschen Haus« sehen. Elf Medaillengewinner saßen da nebeneinander und nun wollte der Reporter von jedem wissen, wie sie gefeiert haben, was es zu trinken gab, wie die Nachtruhe war, usw. Die Szenerie war an Peinlichkeit kaum zu überbieten; die Sportler, noch gezeichnet von den Feiern, als Pönitenten. Und dann wundert man sich, wenn keine Olympia-Stimmung vor dem Fernseher aufkommt.”

14. Das sind die 6 großartigsten Grafiken zu #Rio2016
(medium.com, Frederic Huwendiek)
Mit Datenvisualisierung lassen sich tolle Dinge umsetzen. Frederic Huwendiek hat die nationalen und internationalen Medien durchgescannt und stellt einige gelungene Grafiken zum Thema Olympische Spiele vor.

15. Olympia: So glanzlos senden ARD und ZDF
(maz-online.de, Imre Grimm)
“Schnarchige Betulichkeit wie zu Zeiten von Schwarz-Weiß-Fernsehen und Randsport-Reporter, die sich durch machohafte Ausfälle disqualifizieren. Plus: Probleme mit der Glaubwürdigkeit.” So empfindet Medienredakteur Imre Grimm die Sport-Berichterstattung von ARD und ZDF zu Olympia.

16. Reden bringt Silber, Plappern bringt Gold
(zeit.de, Mely Kiyak)
“Zeit”-Kolumnistin Mely Kiyak über die Berichterstattung in Zeiten der Olympischen Spiele: “Schweigende Athleten passen nicht ins Olympia-Fernsehen. Große Brüste und Hirnaussetzer hingegen schon.”

17. Sportjournalismus: Dopingberichterstattung im Abseits
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath)
Die Sportfakultät der TU München hat eine Onlinebefragung durchgeführt, an der sich 850 Sportjournalisten beteiligt haben. Die Daten flossen in die Studie „Wissen und Einstellung von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping“ ein. Das Fazit in Sachen Dopingberichterstattung: “Die Befragung zeigt, dass eine gegenüber dem Einzelsportler kritische und trotzdem Strukturen reflektierende Dopingberichterstattung nicht am Wollen der Sportjournalisten scheitert, sondern – neben defizitären Ressourcen – auch am Nicht-Können der Medienmitarbeiter liegt.”

18. Der Hashtag #CoverTheAthlete prangert sexistische Berichterstattung über Athletinnen an.
(jetzt.de, Christina Waechter)
Die Kampagne “Cover The Athlete” will ein Bewusstsein für Sexismus in der Sportberichterstattung schaffen und Journalisten für das Thema sensibilisieren. Schließlich werden weibliche Athleten, wie Christina Waechter berichtet, überdurchschnittlich oft von Reportern zu Dingen befragt, die mit ihrer sportlichen Leistung nichts zu tun haben: zu ihrem Privatleben oder ihrer Erscheinung. Waechter berichtet über die Kampagne, erzählt von einer Studie, die belegt, wie unterschiedlich über Sportler und Sportlerinnen berichtet wird und stellt einige Beispielfälle vor.

19. Heuchelei 24/7?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Am letzten Tag der Olympischen Spiele in Rio will das IOC einen eigenen globalen Fernsehkanal starten. 443 Millionen Euro hat man dafür bereitgestellt. Joachim Huber fragt im “Tagesspiegel”, was das Ganze soll: “Was wird da laufen, was soll erreicht werden? Propaganda Tag und Nacht, die Weißwaschung des Sports, der längst in der Grauzone agiert? Oder der Spagat, wie ihn ARD und ZDF Tag für Tag zelebrieren – Jubel und Jammer?”

20. Wie berichtet man über Sport, wenn man ihm misstraut?
(sueddeutsche.de, Josef Kelnberger)
Die Berichterstattung von ARD und ZDF aus Rio schwankt zwischen Begeisterung und Skepsis, stellt Josef Kelnberger fest. Die Öffentlich-Rechtlichen würden die moralische Empörung der Deutschen ernstnehmen und trotzdem alles tun, um Quote zu machen. Die moralische Empörung über die Auswüchse Olympias sei nirgendwo so stark wie in Deutschland: “eine Gegenreaktion auf die Überhöhung Olympias als Hort des Schönen und Guten”.

21. Nie ist Fernsehen so deutsch wie bei Olympia
(tagesspiegel.de, Katrin Schulze)
Katrin Schulze stört sich in ihrer Kolumne daran, dass sich ARD und ZDF bei Olympia auf Wettbewerbe mit deutscher Teilnahme konzentrieren würden: “Klar, eine Olympia-Übertragung kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Doch indem sich ARD und ZDF nur auf Deutschland fokussieren, machen sie sich und die Sportwelt unnötig klein.”

22. Diese drei Instagram-Kampagnen verdienen Gold
(horizont.net, Philipp John)
Philipp John kennt sich als Chef einer “Influencer-Marketing-Plattform” (es geht um Product Placement bei Youtubern) bestens mit Werbung aus und hat ein besonders Auge auf Social-Media-Kampagnen. In seinem Beitrag bei “Horizont” stellt er drei Kampagnen auf Instagram vor, die aus seiner Sicht Gold verdient hätten.

23. Markenschutz unter den Olympischen Ringen: Übertreibt das IOC?
(netzpiloten.de, Dev Gangjee)
Dr. Dev S. Gangjee ist Professor an der Rechtsfakultät der Universität Oxford und beschäftigt sich dort unter anderem mit Fragen des geistigen Eigentums und Markenrecht. In seinem Artikel hinterfragt er die olympischen Markenschutzrichtlinien: “Das IOC ist berechtigt, seine Marke gegen schädliche Nutzung zu schützen – solche, die Verwirrung erzeugt oder ungewünschte Assoziationen hervorruft. Trotzdem wird Olympia durch ein weltweites öffentliches Wohlwollen erhalten bleiben. Die Symbolik der Spiele existiert im Geist der Öffentlichkeit. Wenn das IOC all dieses Wohlwollen beansprucht, während es auch als Zensor wirkt, geht es zu weit.”

24. Zu wenige Frauen an den Mikros
(tagesspiegel.de, Gaby Papenburg)
Sport-Kommentatorinnen haben es nicht leicht im deutschen Fernsehen. Die olympischen Spiele in Rio belegen diese traurige Tatsache wie Gaby Papenburg mit Zahlen belegt. Unter den 169 für ARD und ZDF tätigen Journalisten seien nur wenige Frauen (33, um genau zu sein). Höre man genauer hin, dann würden das Sportgeschehen nur drei Frauen kommentieren.

25. ITV schaltet für eine Stunde alle Sender ab
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Am Morgen des 27. Augusts – also am Samstag in einer Woche – schaltet der britische TV-Konzern ITV alle sieben Fernsehsender für eine Stunde ab. Dahinter stecke in gewisser Art und Weise ein olympischer Gedanke, wie Thomas Lückerath auf “dwdl.de” schreibt.

Olympia-Gigantismus, Echtzeit-News, Anzeigenschwund

1. Das teuerste Nischenprogramm aller Zeiten
(faz.net, Frank Lübberding)
Der Journalist Frank Lübberding ächzt in seiner TV-Olympia-Kritik über die Rund-um-die Uhr-Berichterstattung von ARD und ZDF. Zu viel, zu pausenlos, zu hektisch. Und wer schaut eigentlich das Nachtprogramm? Lübberding schlägt einen Reset vor: “Da wäre es durchaus eine interessante Überlegung, wenn bei den nächsten Spielen ein Nischensender wie Eurosport aus Tokio berichten würde. Es wäre ein wirkungsvoller Beitrag, um die Olympischen Spiele von ihrem derzeitigen Gigantismus befreien, der in dieser Form der grenzenlosen Berichterstattung seinen öffentlich-rechtlichen Ausdruck findet.”

2. Britische Zeitungen: Gemeinsam gegen Facebook
(spiegel.de)
Seit Jahren verlieren Zeitungen Anzeigenkunden an Internetunternehmen wie Google und Facebook. In Großbritannien wollen sich nun Medienhäuser verbünden, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben: Die Zeitungen “The Sun”, ” The Guardian”, “The Daily Mail” und “The Times” wollen in einer “Machbarkeitsstudie” herausfinden, wie man das schrumpfende Anzeigengeschäft beleben kann.

3. Was immer geschieht, Sie sind live dabei
(faz.net, Fabienne Hurst)
Für den französischen Nachrichtensender “BFM TV” ist Schnelligkeit alles. Der private Nachrichtenkanal hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr der Echtzeit-Berichterstattung verschrieben und nimmt dabei in Kauf, auch falsche Informationen zu verbreiten. Fabienne Hurst hat sich für die “FAZ” den erfolgreichen, aber umstrittenen Kanal näher angeschaut und lässt u.a. Mitarbeiter und Verantwortliche zu Wort kommen.

4. Der albanische Medienmarkt: Zu klein zum Überleben?
(de.ejo-online.eu, Rrapo Zguri)
Albanien hat nur um die drei Millionen Einwohner, verfügt aber über eine relativ hohe Anzahl an Medienunternehmen: Mit 22 überregionalen Tageszeitungen wies das Land bis vor kurzem eine der höchsten Zeitungsdichten in der Region auf. Nun mache die Wirtschaftskrise den Medien jedoch schwer zu schaffen. In den vergangenen Monaten seien einige große Zeitungen und Fernsehsender eingestellt worden, so Rrapo Zguri in seinem Bericht über die derzeitige Lage der Medien in seinem Heimatland.

5. Olympische Medien-Spiele: Innovatives Storytelling zu #Rio2016
(medium.com, Frederic Huwendiek)
In Zeiten von Olympischen Spielen drehen die Medien besonders hochtourig und versuchen mit kreativen Innovationen zu glänzen. Frederic Huwendiek berichtet in seinem fortlaufend aktualisierten Beitrag über spannende neue Ansätze des Storytellings, von 360-Grad-Video bis Roboterjournalismus.

6. Last Week Tonight with John Oliver: Journalism (HBO)
(youtube.com, Video, 19:22 Min.)
In dieser Ausgabe der US-amerikanischen satirische Late-Night-Show “Last Week Tonight” nimmt sich John Oliver den Journalismus, insbesondere den Lokaljournalismus vor. Dem CEO der “Newspaper Association of America” David Chavern gefällt Olivers satirisch überspitzte Sichtweise ganz und gar nicht, wie seiner Stellungnahme zu entnehmen ist. Die Kolumnistin der “New York Times” Margaret Sullivan kommentiert dies wie folgt: “And I, in turn, have a suggestion for Mr. Chavern. When someone hilariously and poignantly celebrates the industry that you are paid to defend and protect, you ought to laugh at the funny parts and then simply say “thank you.” Or maybe nothing at all.”

Informationsgier, Newskanal, Push-up-BHs

1. Müssen wir sie als Helden sterben lassen?
(faz.net, Judith Brosel)
Judith Brosel fragt in der “FAZ”, ob wir zur Aufarbeitung von Taten wie dem Münchner Amoklauf unbedingt Gesicht und Name des Täters brauchen: “Einer meiner Klassenkameraden beging selbst einen Amoklauf, nachdem wir im Unterricht über Winnenden sprachen. Unsere Gier nach Informationen fordert Nachahmer geradezu heraus – warum wollen wir trotzdem alles über die Täter wissen?”

2. Brauchen wir einen öffentlich-rechtlichen Newskanal?
(br.de, Daniel Bouhs, Audio, 4:27 Min.)
Am Freitagabend sei die ARD-Tagesschau nahtlos in die Tagesthemen übergegangen, die bis nachts um ein Uhr informierten. Ähnlich sei es beim ZDF gelaufen. Damit hätten die Sender auch auf Kritik nach Nizza und dem Türkei-Putschversuch reagiert, als ihnen vorgeworfen wurde, zu wenig Sondersendungen angeboten, zu viel Normalprogramm gesendet zu haben. Daniel Bouhs fragt, ob das ausreicht und ob wir einen öffentlich-rechtlichen Newskanal brauchen.

3. Amoklauf verändert das Bild von München im Ausland
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Julian Dörr hat sich für die “SZ” durch die vielen internationalen Medienberichte zum Amoklauf von München geklickt und gibt in einer kleinen Presseschau die Sichtweise einiger ausländischer Medien wieder. Das Klischee von München als sicherster Stadt sei angekratzt…

4. Gestern in Reutlingen
(rkklha.wordpress.com, David Höhnerbach)
In Reutlingen kam es nach einem Streit zu einer Gewalttat, bei der die genaue Motivlage noch unklar ist. David Höhnerbach hat die lokale Berichterstattung dazu verfolgt. Er moniert die von den Medien verbreitete Erwähnung, um was es sich bei der Tat wohl nicht gehandelt habe: “Dabei geht es gar nicht um die in letzten Tagen vielfach diskutierte Frage, was Terror ist und was Amok, sondern dass ohne einen stichhaltigen Anhaltspunkt schon der mögliche terroristische Hintergrund erwähnt wird, nur um ihn dann zu negieren. Es stellt sich doch die Frage, warum derartige subtile Gefühle der Unsicherheit damit indirekt bestätigt werden. Denn es handelt sich doch um einen sehr seltsamen Effekt: ein blutiger Gewaltakt in der Öffentlichkeit, der vermutlich ohne politischen Hintergrund war, wird so in die Nähe des Terrors gerückt, obschon diese Nähe sogleich verneint wird.”

5. Dunja Hayali über die Arbeit beim ZDF
(youtube.com, Thilo Jung, Video, 1:15 Stunde)
Thilo Jung unterhält sich mehr als eine Stunde mit der Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunja Hayali. Unter anderem auch darüber, warum uns die Nationalität eines Täters so brennend interessiert: “Die Schüler haben mich gefragt, warum gestern in der Zeitung stand, dass ein Deutsch-Marrokaner etwas geklaut hat. Dann haben sie gesagt: Wenn das jetzt ein Deutsch-Schwede gewesen wäre, würde es da doch nicht stehen. Und dann dachte ich: Wow, das stimmt! Wie kann das sein?”

6. Das passiert, wenn ich nur noch Überschriften lese
(welt.de, Peter Praschl)
“Überschriften sind die Push-up-BHs im Journalismus”, behauptet Peter Praschl in seiner “Welt”-Glosse. Trotz gepimpter Schlagzeilen falle es immer schwerer, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen: “59 Prozent aller auf Twitter geteilten Artikel werden nie gelesen. Von keinem einzigen Menschen, nicht einmal von jenen, die sie geteilt haben. Es kann also durchaus sein, dass einem auf Twitter ein Text empfohlen wird, dessen Überschrift “Bessere Orgasmen durch ‘Pokémon Go'” verspricht, in dem aber bloß steht, dass Elvis Presley wieder einmal gesichtet wurde, und niemandem würde es auffallen.”

Außerdem: Unsere gestrige “6 vor 9”-Sonderausgabe mit ausgesuchten Medienlinks zum Münchner Geschehen.

“6 vor 9”-Sonderausgabe zu den aktuellen Geschehnissen in der Türkei

1. Wie der Putschversuch zwei Journalistinnen berühmt machte
(sueddeutsche.de, Hakan Tanriverdi & Carolin Gasteiger)
Die “SZ” berichtet von zwei Journalistinnen, die das aktuelle Geschehen zu Personen der türkischen Zeitgeschichte gemacht hätte. Tijen Karaş, Nachrichtensprecherin beim regierungsfreundlichen Fernsehsender TRT, musste im Fernsehen eine Botschaft der Putschisten verlesen, während die Aufständischen ihre Waffen auf sie richteten. Başak Şengül moderierte sogar noch weiter, als bereits Soldaten im Gebäude waren. Ihre letzten Worte lauteten: “Ich möchte das Studio nicht verlassen.”

2. Putschisten besetzen Medien, töten Fotograf
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” verurteilt das Vorgehen der Putschisten in der Türkei. Bei dem gescheiterten Umsturzversuch am Wochenende hatten aufständische Soldaten die Sitze mehrerer wichtiger Medienhäuser besetzt. Außerdem kam es zu Angriffen auf Journalisten, die als vermeintliche Putsch-Sympathisanten verdächtigt wurden, darunter der CNN Türk-Reporter und der Istanbul-Korrespondent der “Hürriyet”. Der Fotograf Mustafa Cambaz von der Zeitung Yeni Safak wurde von Soldaten erschossen, die auf eine Menschenmenge feuerten.

3. Putschversuch in Echtzeit: Wie Erdogan vom Netz profitiert hat
(spiegel.de, Christoph Seidler)
Der türkische Präsident ist in der Vergangenheit oft als Gegner des freien Internets aufgetreten. Nun haben ihm die sozialen Medien dabei geholfen, im Amt zu bleiben. Christoph Seidler schreibt dazu: “Natürlich ist es ironisch, dass ausgerechnet Erdogan von sozialen Netzwerken profitiert. Zehntausende missliebige Webseiten hat die türkische Regierung sperren lassen. Wieder und wieder hat der Präsident Front gemacht gegen Twitter, Facebook, YouTube und Co., vor allem nach den Gezi-Protesten. Nun haben ihm diese Dienste beim Erhalt seiner Macht entscheidend mitgeholfen.”

4. Warum sich die Öffentlichkeit nicht mehr aussperren lässt
(rp-online.de, Susanne Hamann)
Susanne Hamann macht darauf aufmerksam, dass sich die Öffentlichkeit nicht mehr aussperren lässt. Während des Putschversuchs in der Türkei seien die sozialen Medien und teilweise auch das Fernsehen gesperrt worden. Trotzdem hätte die ganze Welt verfolgen können, was in den Straßen Ankaras und Istanbuls vor sich ging: Per Livestream auf dem Smartphone.

5. Beim Putschversuch fehlte ein echter Nachrichtensender
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Nach Markus Ehrenberg offenbart der nächtliche Putschversuch in der Türkei erneut Schwächen in der Live-Berichterstattung. ARD und ZDF würden nur sehr sporadisch senden. Bei N-tv und N24 sei ebenfalls wenig zu sehen. Ehrenberg denkt über die möglichen Gründe nach.

6. Die Welt geht unter? Der “Tatort” bleibt
(welt.de, Christian Meier)
Auch “Welt”-Medienredakteur Christian Meier sieht das Verhalten von ARD und ZDF kritisch und stellt die Frage, wie es sein kann, dass der bestfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt bei einem solch dramatischen Ereignis wie dem Putschversuch in der Türkei einfach mit seinem lange geplanten Programm weitermache. “ARD und ZDF werden Jahr für Jahr mit acht Milliarden Euro finanziert. Da sollte zumindest auf dem ‘Ereigniskanal’ Phoenix das Programm umgeworfen werden. Doch da lief ‘Unter Eisbären — Überleben in der Arktis’.” Nachtrag: Marcel Pohlig hat zum Artikel von Christian Meier einige kritische Anmerkungen.

“Focus Online” fällt auf einen 85 Jahre alten Witz rein

Wenn eine, nun ja, Nachrichtenseite wie “Focus Online” ein Video veröffentlicht, in dem der Mitschnitt eines Gesprächs von 2003 zwischen der Besatzung eines Schiffs der US-Navy und einem Spanier zu hören ist, dann muss das schon ein besonderer Dialog sein. Die Leute bei “Focus Online” fanden das Ganze jedenfalls so gut, dass sie nur noch einen kurzen Aufsager vor die Unterhaltung gepackt haben und, zack!, raus damit:

Ein Funkgespräch, das offenbar Anfang 2000 entstanden ist, macht derzeit auf Facebook die Runde. Darin fordert ein Spanier ein Schiff der US-Navy auf den Kurs zu ändern. Der Schiffkapitän [sic] verlangt jedoch, dass der Spanier seine Route ändert. Dann wird es unendlich peinlich für den Kapitän.

Und tatsächlich ist das Gespräch recht kurios:

Spanier: Dies ist A-853, bitte ändern Sie Ihren Kurs um 15°, um eine Kollision zu vermeiden. Sie fahren direkt auf uns zu. Distanz: 25 nautische Meilen.

US-Navy: Dies ist der Kapitän eines Schiffs der United States Navy. Wir bestehen darauf, dass Sie Ihren Kurs um 15° Nord ändern, um eine Kollision zu vermeiden.

Spanier: Das halten wir nicht für möglich oder angemessen. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren Kurs um 15° Nord ändern.

US-Navy: Hier spricht Kapitän ***, Kommandeur des Flugzeugträgers U.S.S. *** [Auslassungen im Original], des zweitgrößten Flugzeugträgers der United States Navy. Wir werden von zwei Schlachtschiffen, sechs Zerstörern, fünf Kreuzern, vier U-Booten und Versorgungsschiffen begleitet. Wir sind aktuell unterwegs zum Persischen Golf, um in militärischen Manövern gegen den Irak teilzunehmen. Ich schlage nicht vor, ich befehle Ihnen, Ihren Kurs um 15° Nord zu ändern. Sonst sind wir gezwungen, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit dieser Flotte zu garantieren. Sie gehören zu einer verbündeten Nation, die Mitglied der NATO und der Koalition ist. Befolgen Sie sofort meinen Befehl und gehen Sie uns aus dem Weg.

Spanier: Hier spricht Juan Manual Salaas Alcantra. Wir sind zwei Personen, aktuell begleitet von unserem Hund, unserem Essen, zwei Bier und einem Kanarienvogel, der gerade schläft. Wir bekommen Unterstützung von “Coruna Daily Radio” und der “Maritime Emergencys Frequency no. 16”. Wie werden nirgends hingehen, da wir mit Ihnen vom Festland aus sprechen. Wir befinden uns im Leuchttum A-853 Finisterre an der galizischen Küste. Wir haben verdammt noch mal keine Ahnung, wo wir im Ranking der spanischen Leuchttürme stehen. Sie können jegliche Aktion vornehmen, die Sie für notwendig halten und verdammt noch mal mögen, um die Sicherheit Ihres Schiffs zu garantieren, das sonst an den Felsen zerschellen wird. Wir wiederholen noch einmal, dass das gesündeste und zu empfehlende Vorgehen eine Kursänderung von Ihnen um 15° ist, damit wir nicht miteinander kollidieren.

US-Navy: OK, angekommen, danke.

Nun könnte man misstrauisch werden, dass eine moderne Schiffsflotte keine ordentlichen Karten oder gut funktionierende Radar- und GPS-Systeme an Bord hat. Oder dass ein Navy-Kapitän Leuten, die er gar nicht kennt, davon erzählt, auf welcher Mission er und wie seine Flotte zusammengesetzt ist.

Tatsächlich ist das, was sich wie ein alter Witz liest, ein alter Witz. Die Geschichte vom wichtigtuerischen Navy-Kapitän, der großkotzig seinem Funk-Gegenüber droht, stammt in der von “Focus Online” verbreiteten Form mindestens aus den 1980er-Jahren. Eine abgewandelte Variante soll es bereits 1931 gegeben haben.

Es gibt verschiedene Versionen des Witzes: Mal ist es die U.S.S. Enterprise, die auf Kollisionskurs sein soll, mal die U.S.S. Missouri. Mal vor der Küste Neufundlands, mal vor Spanien. Es gibt einen eigenen Wikipedia-Eintrag zu der Geschichte. Eine schwedische Firma, die Navigationsgeräte herstellt, hat aus ihr einen Werbespot gemacht, genauso eine spanische Biermarke.

Man hätte also rausfinden können, dass mit der Funkaufnahme etwas nicht stimmt (“Focus Online” merkt zumindest an einer Stelle an, dass unklar sei, ob es sich bei dem Audiomitschnitt “um Originalaufnahmen handelt.”). 2009 hat sogar die US-Navy auf den “Lighthouse Joke” offiziell reagiert:

The following is being transmitted around the Internet as an event that really took place, but it never happened. It is simply an old joke like those found in popular magazines

Sieben Jahre später sind dann auch die Fake-Video-Verbreiter von “Focus Online” darauf reingefallen.

Mit Dank an Alexander F.!

Nachtrag, 14. Juli: Die Leute von “Focus Online” haben den Witz inzwischen verstanden und die Überschrift ihres Artikel entscheidend geändert:

Im Artikel ist ein neuer Absatz hinzugekommen:

Was FOCUS Online zunächst entgangen war: Es handelt sich dabei um Satire. Aufgrund des freundlichen Hinweises von “Bildblog” haben wir unseren Fehler nun bemerkt und korrigiert.

Ehrlich gesagt wäre unser “freundlicher Hinweis” aber gar nicht nötig gewesen. Die Mitarbeiter von “Focus Online” hätten sich einfach mal die Kommentare ihrer eigenen Leser anschauen müssen — da gab es von Anfang an reichlich Protest, dass es sich um einen alten Witz handelt.

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