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dpa  

Wie in Bluewater einmal nichts passierte

Die Deutsche Presse-Agentur dpa meldete heute morgen um 9:38 Uhr:

Los Angeles (dpa) – In der kalifornischen Kleinstadt Bluewater soll es nach einem Bericht des örtlichen Senders vpk-tv zu einem Selbstmordanschlag gekommen sein. Es habe in einem Restaurant zwei Explosionen gegeben, berichtete der Sender. Die Polizei sei im Einsatz und habe das Restaurant evakuiert. Ob Menschen zu Schaden kamen, sei unklar. Das Restaurant wirkte auf ersten Bildern nicht zerstört. Die Täter wurden von dem Sender als arabisch-stämmig beschrieben.

Um 9:59 Uhr ergänzte die Nachrichtenagentur ihre Meldung mit:

Ein Sprecher der Feuerwehr in der Kleinstadt Bluewater an der Grenze zum Bundesstaat Arizona bestätigte der Deutschen Presse- Agentur dpa, dass es in einem Restaurant zwei Explosionen gegeben habe. Sie hätten sich gegen 2300 Uhr Ortszeit (0800 MESZ Donnerstag) ereignet.

Um dann um 10:06 Uhr alles zu dementieren:

Los Angeles (dpa) – TV-Berichte über einen Anschlag in der kalifornischen Kleinstadt Bluewater scheinen falsch zu sein. Ein Polizeisprecher in Bluewater dementierte, dass es einen Anschlag gab. Vermutlich habe es sich um einen gefälschten Bericht gehandelt.

Passiert ist: gar nichts. Berichte über den Anschlag gibt es nach der Meldung durch die dpa: einige.

Gehen wir auf die Suche nach dem TV-Sender “vpk-tv”, der von der dpa als Quelle genannt wird. Wer auf Google oder Bing nach “vpk-tv” sucht, findet den Sender nicht. Vielleicht aber stösst er auf den Wikipedia-Eintrag KPVK-TV, der gestern, am 9. September 2009, angelegt wurde. Dort wiederum findet sich ein Link zur Website vpk-tv.com, wo gleich ein Video in Endlosschlaufe startet, das, was für ein Zufall, ein Selbstmordattentat in Bluewater, Kalifornien zum Thema hat.

In diesem Video tritt eine Nachrichtensprecherin auf, die einen aufgeregten Bericht ansagt, in dem Reporter, Polizisten, Opfer und sogar Täter vorkommen. Es wird erklärt, dass sich eine deutsche Gruppe von Rappern namens “Berlin Boys” in einem Video im Internet zur Tat bekannt hätten. Das Video gibt es tatsächlich, bereits seit gestern ist es auf MySpace und auch auf YouTube zu sehen.

Es fragt sich, warum denn ein “Sprecher der Feuerwehr in der Kleinstadt Bluewater an der Grenze zum Bundesstaat Arizona” der dpa bestätigte, dass es um 23 Uhr Lokalzeit zwei Explosionen gegeben habe. Auf der Website bluewatercity.com steht im Abschnitt “Public Safety” eine Telefonnummer der Feuerwehr (weit wichtiger und grösser darüber die “Mosquito & Vector Control”). Hat der dpa-Journalist diese angerufen?

Leider ist die Domain bluewatercity.com (whois.net) so echt wie vpk-tv.com (whois.net), nämlich gar nicht. Beide Websites wurden am 29. Juni 2009 registriert, lediglich die Adressen und die E-Mails unterscheiden sich, die Fax-Nummer ist sogar die Gleiche.

Doch auch ohne diese Indizien könnte man zum Schluss kommen, dass es diesen TV-Sender gar nicht gibt. Denn aus all diesen Quellen (inklusive den Videos der angeblichen Rapgruppe “Berlin Boys”) schreit ein Wort: Fälschung! Es gibt keine Quelle, die tatsächlich für ein einigermassen geübtes journalistisches Auge so aussieht, als wäre sie echt. Auf amerikanischen Nachrichtenseiten ist auch nichts dazu zu finden. In Deutschland hingegen verbreitet sich die Meldung noch immer, der dpa und ihren blinden Kopierern wegen. Als unter Dutzenden herausgepickte Beispiele sind welt.de, morgenpost.de, nordsee-zeitung.de, sz-online.de oder das wiesbadener-tagblatt.de zu nennen.

Auf Twitter produzieren die Nutzer @JFKindling (erste Twitter-Nutzung: 16. Juni 2009), @kimmieblu (erste Twitter-Nutzung: 26. Mai 2009) und @NormanKlein75 (erste Twitter-Nutzung: 23. Juni 2009) die Berichterstattung zum Stichwort #bluewater im Alleingang.

Von dort aus verlinkt wird ein Augenzeugenbericht auf YouTube, angelegt vom Nutzer KindlingerEscapePlan, der bisher noch nie ein Video hochgeladen hatte.

Um 10:48 Uhr, als allen schon klar ist, dass es sich bei der Meldung nur um eine virtuelle Realität handelt, kommt eine weitere dpa-Meldung:

Los Angeles (dpa) – Entwarnung in der kalifornischen Kleinstadt Bluewater: Am späten Mittwochabend (Ortszeit) berichtete der örtliche Sender vpk-tv, es habe einen Selbstmordanschlag in dem Restaurant Artisan Diner gegeben. Die Täter seien arabisch-stämmig.

Nach einer Stunde stand fest, es war ein böser Scherz: Drei deutsche Rapper hätten sich Bombenattrappen umgebunden und seien in das Restaurant gestürmt, um Medienaufmerksamkeit zu erlangen. Die Behörden kündigten ein hartes Vorgehen gegen die Deutschen an, berichtete der Sender.

Ein Sprecher der örtlichen Polizei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass die drei Männer festgenommen wurden. Details des Vorfalls seien weiterhin nicht ganz klar. Es habe jedenfalls keine echte Explosion gegeben.

(Achtung Redaktionen: Bei den drei deutschen Rapper soll es sich nach Angaben des Senders um die Berlin Boys handeln. Die weitere Berichterstattung läuft im Ressort Vermischtes)

Warum sich die dpa auch im dritten Bericht noch auf einen “örtlichen Sender” verlässt, den es offenkundig gar nicht gibt, ist ein Rätsel. Ebenso liegt noch im Dunklen, wer der dpa von der angeblichen Festnahme von drei Männern erzählte.

Vor zwei Tagen meldete die dpa, sie wolle sich künftig zunehmend für User Generated Content öffnen. Warum? Das ist doch, wie sich heute gezeigt hat, längst der Fall.

Mit Dank an Benjamin N.

Nachtrag, 15:45 Uhr: Auf der Website vpk-tv.com wird das Spiel jetzt aufgelöst. Sie zeigt zwei “Making-of”-Videos und die beiden “Bluewater Attack”-Videos. Es handelt sich bei dem doppelten Fake (es gab in Bluewater weder einen Selbstmordanschlag, noch einen vorgetäuschten Selbstmordanschlag durch deutsche Rapper) um eine PR-Aktion zu dem Film “Shortcut To Hollywood”. In der Pressemitteilung dazu heisst es:

“VPK”, der Sender, von dem Sie jetzt gehört haben werden, existiert nicht. Die “Berlin Boys” mit ihrem Song “Hass” hat es nie gegeben. Es gibt auch keine Stadt “Bluewater”, und es gab auch nie einen Polizisten, Bürgermeister oder Feuerwehrmann, die dort am Telefon geantwortet haben. Es sind amerikanische Schauspieler mit komischen Mützen auf. Es gab keinen “Rainer Petersen” bei diesem erfundenen Sender aus einer erfundenen Stadt – nein, Rainer wird morgen aus Kreuzberg anrufen – aber geben tut es ihn deswegen noch lange nicht. Nichts davon gibt es. Selbst im Impressum des Senders steht in schlechtem Englisch, dass dies alles nicht existiert.

(Do You) Remember The Time

Fast hätten die Leser von Bild.de einen Tag ohne Neuigkeiten vom “King Of Pop” verbringen müssen.

Aber nur fast:

Seit Kurzem kursiert ein Video im Internet, das Jackson von einer Seite zeigt, die uns oft verborgen blieb: ganz normal und frei von Zwängen.

Anders als sonst hat Bild.de das Video nicht mit dem eigenen Logo versehen und online gestellt, sondern direkt von YouTube eingebunden.

Und das macht es einem besonders leicht, herauszufinden, was für einen Zeitraum Bild.de mit “seit Kurzem” meint:

06 April 2007
Knapp zweieinhalb Jahre.

Mit Dank an Robert, Andre S. und Can K.

Internet-Manifest, Gran Canaria, Strunz

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Internet-Manifest”
(internet-manifest.de)
Die von verschiedenen Bloggern und Journalisten aufgestellten 17 Behauptungen, wie Journalismus heute funktioniert, polarisieren und werden ausgiebig in News und Blogs diskutiert.

2. “Zeitungen gehen Web-Satire auf den Leim”
(spiegel.de, pat)
Die bengalische Boulevardzeitung “Manab Zamin” nimmt eine Satire von “The Onion” auf und verbreitet sie unter ihren Lesern als die Wahrheit. Neil Armstrong soll auf Basis einiger “Clips bei YouTube” zum Schluss gekommen sein, er sei “gar nicht auf dem Mond gelandet, sondern auf einer Bühne in New Mexiko”.

3. “Gran Canaria: TV zeigt Homo-Sex in Dünen”
(queer.de, dk)
Der spanische TV-Sender Telecinco, mehrheitlich in Besitz von Mediaset (Silvio Berlusconi), filmte Touristen heimlich beim Sex im Freien und zeigte die Bilder am Samstagabend.

4. “Schlechter Journalismus und Facebook”
(neunetz.com, Marcel Weiß)
Marcel Weiß analysiert einen Artikel über Facebook auf dem Newsnetz-Portal bazonline.ch. Ein Journalist habe mal wieder das “Ich-habe-eine-These-und-bastle-mir-dazu-anekdotische-Fakten-Spiel gespielt, und zwar in der beliebten Nicht-passende-Fakten-werden-angepasst-Edition.”

5. “Der Mantel des Schweigens beim WDR”
(ruhrbarone.de, David Schraven und Marvin Oppong)
David Schraven und Marvin Oppong entdecken “beim WDR in Köln einen ähnlichen Fall” wie “in der Causa Heinze”. Doch im Gegensatz dazu “wurde dieser nicht in der Öffentlichkeit verhandelt, sondern in aller Stille bereinigt. Beim WDR mag man das Schweigen wohl.”

6. “Eine Zeitung für alle, voller Optimismus”
(abendblatt.de, Claus Strunz)
Ein Leser vertritt die Meinung, dass “Eyecatcher, d. h. auflagensteigernde Überschriften” nicht “in eklatantem Widerspruch zur Realität bzw. zum Inhalt des eigentlichen Artikels” sein sollten. Claus Strunz, Chefredakteur des “Hamburger Abendblatts”, antwortet: “Wir berichten fair, ehrlich und professionell. (…) Ihr Argument, wir überspitzten Überschriften zu sehr, um Auflagenerfolge zu erzielen, zielt ins Leere.”

B.Z., Bild  etc.

Schock: Madonnas Bühnenkollabitis chronisch!

Vielleicht sollte Madonna mal was Herzhaftes essen. Schweinshaxe statt Algen etwa. Oder mit ihren 50 Jahren einfach kürzer treten.

Ja, vielleicht.

Unzählige Stunden hat Madonna schon in Fitness-Centern verbracht, um ihre Muskeln zu stählen und das Altern zu stoppen. Eine Fitness-Fanatikerin. Mit Diät-Wahn. Makrobiotisch, ihr Zauberwort. Kein Fleisch, keine Milch, kein Zucker. Kurz: Was schmeckt, ist verboten.

Naja, und?

Doch nun zahlt Madonna dafür Tribut.

Ach ja? Oh ja!

“Bild”, “B.Z”, “Basler Zeitung”, “Express”, “Bunte”, “Blick” und, ach, alle berichten, dass Madonna bei ihrem Konzert in Sofia zusammengebrochen (oder genauer: fast zusammengebrochen) sei. Sie haben das aus der britischen Boulevardzeitung “Sun”, und die hat nicht nur diverse anonyme “Insider”, sondern auch ein Beweis-Video, auf dem man sieht, wie sie nach hinten an einen ihrer Tänzer sinkt und erst, nachdem er sie besorgt geschüttelt hat, weitertanzt:

“Man könnte meinen, es gehört zur Choreographie”, heißt es am Anfang im Bild.de-Videobericht, aber anscheinend wollte niemand ernsthaft dieser abwegigen Möglichkeit nachgehen. Da das also ebenso auszuschließen ist wie die Möglichkeit, dass all diese professionellen Journalisten weltweit einfach irgendeinen Unsinn nachplappern, muss es wohl so sein, dass Madonna auf ihrer Tour jedesmal an derselben Stelle im Programm, wenn ein Michael-Jackson-Doppelgänger auftrat, ohnmächtig zusammengebrochen ist, fast so, dass man meinen könnte, es gehöre zur Choreographie:

Gegen den Wahnsinn der Medien dürfte allerdings auch eine Nahrungsumstellung von Algen auf Haxen nicht viel ausrichten.

Mit Dank an lennet!

Jackson, Landesbanken, Pollmer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “RTL trickst ‘Bild’ & Co. mit Michael-Jackson-Fake-Video aus”
(bartlspielt.de)
Am Dienstag war auf YouTube ein Video zu sehen, in dem jemand, der an Michael Jackson erinnert, aus einem Leichenwagen steigt. Das Video online gestellt hat der TV-Sender “RTL” für einen Bericht des Boulevard-Magazins “Explosiv” namens “Wie leichtgläubig sind Verschwörungstheoretiker?”, der heute Abend um 18 Uhr gezeigt wird. Bild.de berichtete darüber und zeigt sich nun enttäuscht.

2. “Kaum Auskünfte – Sonderzahlungen bei den Landesbanken”
(ndr.de, Video, 6:49 Minuten)
Ein Report der medienkritischen Sendung “Zapp” über das große Schweigen bei den deutschen Banken.

3. Udo Pollmer besucht Journalistenschüler
(axel-springer-akademie.de, Nina Trentmann)
Der Ernährungsexperte Udo Pollmer warnt Journalistenschüler der Axel-Springer-Akademie vor “Skandal-Studien” und bringt ihnen bei, “wie manipulierbar wissenschaftliche Untersuchungen sind”. “Quatsch” sei zum Beispiel “der von Journalisten viel zitierte Body Mass-Index” – “genauso gut könne man bei einer Frau die Körbchengröße mit dem Schädelumfang verrechnen, um den IQ zu bestimmen.”

4. “Der neue alte Journalismus”
(kaliban.de)
“Ich sorge mich nicht um den Journalismus. Bedarf gibt es in dieser komplexen Welt genug. Man wird, jetzt und in Zukunft, seine Zielgruppen finden, wenn man Journalismus als Service versteht. Wenn man seinen Lesern objektiv und verständlich die Welt erklärt. Wenn man sich vorurteilsfrei bemüht, die Stärken jedes Medienkanals zu nutzen. Wenn man die Leser ernst nimmt und auf sie hört.”

5. “Briefkasten leer”
(presseverein.ch/blog)
Als hätten die Schweizer Zeitungsverlage nicht schon genügend Probleme, erhalten sie jetzt auch noch ein Ultimatum der Verträger ihrer Blätter. Rund 60 Zeitungsverträgerinnen und -verträger versammelten sich um 4 Uhr morgens vor dem Zürcher Volkshaus und verlangten eine Rücknahme der angekündigten Lohnsenkungen von bis zu 20 Prozent.

6. “25 things journalists can do to future-proof their careers”
(econsultancy.com/blog, englisch)
Was Journalisten tun können, um ihre Karriere in Zukunft zu sichern.

Berliner Zeitung, taz-Boykott, Focus

6 vor 9

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1. “Zitiert: Offener Brief der Redaktion der ‘Berliner Zeitung'”
(mediencity.de)
In der Redaktionsversammlung beschliesst die “Berliner Zeitung” einstimmig einen offenen Brief an ihre Verleger. Daraus: “Der Vorbesitzer Mecom hat die Zeitung ‘ausgequetscht wie eine Zitrone’; so hat es Chefredakteur Vorkötter Ende Juni formuliert. Wir haben uns aber nicht drei Jahre den Zumutungen David Montgomerys und seines Statthalters Josef Depenbrock widersetzt, um nun ähnliche Pläne erneut vorgesetzt zu bekommen.”

2. “‘Focus’ arbeitet an neuem wöchentlichen Ableger”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Eine von mehreren Projektgruppen beim Wochenmagazin plant “einen völlig neuen ‘Focus'”: “Statt nur auf Fakten, Fakten, Fakten zu setzen, soll in dem neuen Ableger Platz sein, um in längeren Geschichten stärker in die Tiefe zu gehen.”

3. “Axel Springer wäre beinah ins Kloster gegangen”
(welt.de, Heimo Schwilk)
Welt.de (Verlag: Axel Springer) schreibt über ein Buch, in dem der Verleger erwähnt wird und spart dabei nicht mit Lob: “Der Autor Uwe Wolff widmet sich in einem längeren Kapitel dieser wenig bekannten Seite von Axel Springers Persönlichkeit. Wolffs Biografie ist ein Meilenstein in der Geschichte der Spiritualität des 20. Jahrhunderts und dabei spannend wie ein Roman geschrieben.”

4. Diskussionen zum Boykott der “taz”
(epd.de, dan)
Lorenz Maroldt, einer der Chefredakteure des Berliner “Tagesspiegel”, mahnt hinsichtlich des Leichtathletik-WM-Boykotts der “taz”, “es könne nicht sein, dass sich Journalisten mit einer solchen Aktion wichtiger nehmen als das Interesse ihrer Leser”. Und für Claudio Catuogno von der “Süddeutschen Zeitung” stehen “auf der einen Seite die Einschränkung unserer persönlichen Freiheit und auf der anderen das wichtigste Sportereignis dieses Jahres auf der Welt”.

5. “Schuld ist immer der Pressesprecher”
(nzz.ch, sig.)
Die “NZZ” arbeitet den “Fall Borer” aus dem Sommer 2002 auf, bei dem der Verlag Ringier für Falschaussagen 10’000 Franken bezahlt hat: “Medienskandale fordern Opfer, aber anders, als man gemeinhin denkt. Die fehlbaren Journalisten sind jeweils sehr rasch wieder im Geschäft.” So arbeiten Ralph Grosse-Bley und Frank A. Meyer derzeit in führenden Positionen bei Ringier.

6. “Laser + Sound test-0”
(youtube.com, Video, 2:10 Minuten)
Aus dem Ishikawa-Komuro Lab der Universität Tokio: Ein Notizblock und ein Laserstrahl.

Blumentopf, Journalistik, Flashmob

1. “Die nach unten offene Richterskala”

(kleinreport.ch)

Klare Worte des Branchendienstes Kleinreport an die Spitze der Schweizer Printbranche. Die “Verleger in vierter und fünfter Generation” würden sich ans Taschentuch klammern und in ihren Zeitungen vom Übel der Gratiskultur jammern: “Man braucht kein Prophet zu sein, um zu sehen, dass die Schweizer Printbranche mit solch larmoyantem Personal an der Spitze nirgends mehr einen Blumentopf gewinnen wird.”

2. “Journalistik, ein Leerfach”

(sueddeutsche.de, Detlef Esslinger)

Detlef Esslinger rät Menschen, die Journalisten werden wollen, davon ab, irgendwas zu studieren, das “nach ihrem Traumberuf” benannt ist. Stattdessen schlägt er vor: Volkswirtschaft, Jura, Biologie, Orientalistik, Sinologie, Indologie.

3. “Meister der Enteignung”

(taz.de, Kai Schächtele)

Für den freien Journalisten sieht Kai Schächtele eigentlich nur zwei Auswege aus der finanziellen Misere: “Entweder passt er seinen Arbeitsaufwand dem Honorar an und steckt weniger Zeit in die Recherche. Oder er sucht nach besser bezahlten Alternativen: Die PR-Branche etwa spannt freie Journalisten dafür ein, ihre Botschaften in die Medien zu hieven.” Damit entsteht aber “ein irreparabler Schaden” an der Glaubwürdigkeit der Verlage.

4. “Wenn der Chef PR-Artikel schreibt…”

(buergler.net, Patrick Bürgler)

Patrik Müller, Chefredaktor des Sonntag (AZ Medien), schreibt unter dem Kürzel “pmü.” in seiner Zeitung einen Artikel darüber, dass Roger und Mirka Federer die Zeitschrift Wir Eltern (AZ Medien) abonnieren. Müller macht zwar transparent, dass die beiden Titel vom gleichen Verlag sind, doch als Leser fragt sich Patrick Bürgler nun bei jedem Text von Müller: “Wem könnte er damit einen Gefallen erweisen wollen?”

5. “Eine Woche ohne Google – ein Aufruf für mehr Vielfalt”

(eine-woche-ohne.de)

Der Journalist Albrecht Ude ruft in einem neuen Blog dazu auf, einfach mal eine Woche auf alle Dienste von Google zu verzichten. Damit könne man “die echte Vielfalt des Netzes” entdecken.

6. “BouncE Flash Mob @ Gröna Lund”

(youtube.com, Video, 1:53 Minuten)

Ein Flashmob im Vergnügungspark Gröna Lund in Stockholm.

Piratenpartei kämpft für Bärtewandel

Irgendwie lag die Überschrift nah, die die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” (HAZ) am Freitag in der Druckausgabe über ihren Artikel über die Piratenpartei setzte:

Und dann doch ganz fern. Denn in dem Stück geht es gar nicht um aufkommende Stürme, die das Parteiboot zum Kentern bringen lassen könnten, auch nicht in irgendeinem metaphorischen Sinne, sondern um ihre erstaunliche Popularität im Netz und die Vorstellung der Filme und Plakate, mit denen sie vor der Bundestagswahl für sich wirbt.

Aber das ist nicht das einzig Merkwürdige an dem Artikel, den Michael Grüter, der stellvertretende Leiter der Berliner Redaktion der “HAZ”, geschrieben hat. Er beginnt so:

Zum Schluss ertönt erst ein friesisches Volkslied, vorgebracht in einer kraftvollen Rock-Version, und dann die Hymne der neuen Partei: “Alle, die mit uns den Bundestag kapern, müssen Piraten mit Bärte sein.” Die Leadsängerin Lena Simon, ihr fehlt das besungene Attribut, singt unverdrossen weiter: “Freiheit, Gleichheit, Demokratie, die haben Bärte, wir kämpfen für sie!” Danach fließt Rum in Maßen.

Höhö, diese Deppen, “Piraten mit Bärte”, und die singt das einfach “unverdrossen” mit, die Frau Simon, auch ohne das “besungene Attribut”.

Was natürlich daran liegen könnte, dass Grüter den Text einfach nicht richtig verstanden hat und sich nicht die Mühe machen wollte, ihn zum Beispiel im, äh: Internet nachzuschlagen. Die Hymne geht nämlich so:

Alle, die mit uns den Bundestag entern
Müssen Piraten mit Werten sein
Freiheit, Gleichheit, Demokratie
Wir haben Werte, wir haben Werte
Wir haben Werte und kämpfen für sie

Nachtrag, 17. August. Die “HAZ” hat den Artikel heute online verbessert — zunächst vorübergehend durch schlichtes Ersetzen der “Bärte” durch “Werte”, was eher unglücklich war für Lena Simon:

Mit Dank an Torben F., David Jonathan S. und Matthias S.!

Lokaljournalismus, ZDF, Mosley

1. “Rupert Murdoch – die Kapitulation”

(perlentaucher.de, Thierry Chervel)

Thierry Chervel mit einem exzellenten Artikel über Verleger, die ihre Produkte in den letzten Jahrzehnten behandelten “wie x-beliebige Dosenfabriken”: “Noch argumentieren Journalisten und Verleger so, als würde das Netz sich im wesentlichen aus ihren Inhalten päppeln. Aber in Wirklichkeit ist es heute eher umgekehrt: Man liest in den Zeitungen Geschichten, die man zum ersten Mal zwei Tage zuvor im Internet fand. Oft in Blogs, denen sie wiederum von Lesern und anderen Whistleblowern zugetragen wurden.”

2. “Schafft das ZDF ab”

(cicero.de, Alexander Kissler)

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen kostet jährlich fast so viel, wie Deutschland an die EU zahlt. Alexander Kissler ist darum dafür, das Zweite Deutsche Fernsehen abzuschaffen.

3. “Panne im neuen heute-Studio”

(youtube.com, Video, 7:11 Minuten)

Nach 5:30 Minuten im Video streikt das neue ZDF-Studio. Der Ausschnitt ist aus der Sendung “heute in Europa”, Moderatorin die bemitleidenswerte Hülya Ökzan.

4. “Party mit Folgen”

(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)

“Die Bild-Zeitung berichtete offenherzig über Mosleys Präsenz auf einer Party mit Sadomaso-Elementen. Der Formel-1-Chef klagte – und einigt sich jetzt mit Springer.”

5. “Wir waren Heimat”

(blog-cj.de, Christian Jakubetz)

“Statt also sich die Schlaglöcher der Umgehungsstraße genau anzusehen, statt die Menschen zu Wort kommen zu lassen, statt also kurz gesagt: das alltägliche wahre Leben abzubilden, liest, hört und sieht man in den Lokalmedien häufig ebenso Langweiliges wie Irrelevantes: Haushaltspläne werden in epischer Breite seziert (ganz so, als ob irgendein Normalbürger der Unterschied zwischen einem Vermögens- und einem Verwaltungshaushalt interessieren könte), Bürgermeister, Landräte und Abgeordnete dürfen sich nahezu ungehindert ausbreiten und dazwischen immer und immer wieder dröger Termin- und Verlautbarungsjournalismus.”

6. “Die Lokalreporter: Mitschreiben auf muensterland.de”

(muensterland.de)

“Sie möchten Pressemitteilungen veröffentlichen? (…) Zögern Sie nicht und werden Sie Lokalreporter! Schreiben Sie unserer Redaktion – wir freuen uns auf Ihre Nachricht!”

Murdoch, taz, Neues Deutschland

1. “Murdoch vows to charge for all online content”

(ft.com, Kenneth Li and Andrew Edgecliffe-Johnson, englisch)

Die News Corp. gibt im jüngsten Quartal einen Verlust von 203 Millionen US-Dollar bekannt. CEO Rupert Murdoch kündigt nun an, für alle Online-Inhalte seiner Zeitungen und Fernsehsender Geld zu verlangen: “If we’re successful, we’ll be followed by all media.”

2. taz protestiert gegen Akkreditierungwahn bei Leichtathletik-WM

(taz.de, Markus Völker)

“Die taz wird als einzige Tageszeitung nicht von der Leitathletik-WM berichten. Grund dafür: Journalisten müssen sich für die Akkreditierung überprüfen lassen wie Schwerverbrecher.”

3. “Bild.de zeigt die Fußball-Bundesliga”

(meedia.de, Alexander Becker)

Bild.de kooperiert mit dem Bezahlsender Sky und zeigt “immer montags ab 0 Uhr die Spielberichte zu sämtlichen Liga-Partien des Wochenendes als Video”.

4. “Why Most Journalists Are Democrats”

(psychologytoday.com/blog/scalliwag, Barbara Oakley)

Barbara Oakley bloggt auf psychologytoday.com über Journalisten, die den Wunsch haben, anderen zu helfen.

5. “Sinnlich erfahren, wie wichtig Zeitung sein kann”

(neues-deutschland.de)

Die sozialistische Tageszeitung Neues Deutschland will “Jugendliche mit dem Medium Zeitung verbandeln”: “Irgend etwas scheint dran zu sein an dem Haufen bedruckten, täglich neu erscheinenden Papier. Leser informieren sich über Neues aus ihrem Ort bzw. irgendwo auf der Welt … und lesen, was ‘die da oben’ beschlossen haben und was auf die ‘kleinen Leute’ zukommt, (…)”

6. “Ben Stiller is online”

(youtube.com, Video, 2:13 Minuten)

Endlich ist auch Schauspieler Ben Stiller online. Er präsentiert seine gutgelaunte Familie und macht gleich mal Status-Updates. Bei Facebook und bei Twitter.

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