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Kieler Nachrichten, Commerzbank, Schweden

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Kieler Nachrichten – Wir stellen richtig!”
(luebeck-kaempft.de, Niklas)
Die Gruppe “Lübeck-kämpft” hält die Berichterstattung der “Kieler Nachrichten” zu einer Demonstration am 16. Juni in Kiel für “einseitig und uninformiert”. Politiker Jost de Jager sei nicht im Verlauf von Rempeleien zu Boden gegangen, sondern lediglich über eine Rasenkante gestolpert (Video, ab 0:20 Minuten). De Jager habe sich auch nicht “als einziges Regierungsmitglied den Protesten” gestellt.

2. “Der ehrbare Trickser”
(spiegel.de, Beat Balzli, Christoph Pauly und Michaela Schiessl)
Der “Spiegel” schreibt auf Seite 12 in der Ausgabe 24/2010: “Der “Spiegel” hält seine Kritik an den auch als ‘Bilanzkosmetik’ bezeichneten Bilanzierungspraktiken der Commerzbank in wesentlichen Punkten nicht aufrecht. Beispielsweise gab es keine Ergebnisverbesserung durch eine Abwertung von Schulden in der Bilanz.” Eine ausführliche Korrektur ist am Schluss des Artikels nachzulesen.

3. “Krone.at bevorzugt magersüchtige Stars”
(kobuk.at, Agnes Köchl)
Agnes Köchl kritisiert die Schlagzeile “Lindsay Lohan futtert sich die Schenkel dick”.

4. “Tabu-Themen in Pakistan”
(n-tv.de, Video, 4:57 Minuten)
Ein Bericht über Journalistinnen in Pakistan, deren Beruf mit dem traditionellen Familienbild kollidiert.

5. “10 Gründe, warum wir – VIELLEICHT DOCH NICHT – Weltmeister werden”
(blogmedien.de, Horst Müller)
“Bild” stellte nach dem WM-Auftaktsieg von Deutschland euphorisch “10 Gründe, warum wir Weltmeister werden” zusammen. “Seit der 0:1-Pleite gegen Serbien am Freitagnachmittag sind sich ‘Bild’ und Co. allerdings nicht mehr ganz so sicher.”

6. “Unglaublich: Schwedin heiratet Schweden!”
(der-postillon.com)
“Wer hätte das gedacht? Im schwedischen Stockholm haben am Samstag eine Schwedin (32) und ein Schwede (36) geheiratet.”

Kopfschmerz garantiert

Es ist ein etwas verstörendes Video, das Bild.de da zeigt — und das liegt nur zu einem Teil an dem klischeebeladenen Off-Kommentar:

Engländer sind bekanntlich fußballverrückt und flippen schon mal aus, wenn es auf dem Platz nicht läuft. Dieser frustrierte Brite hier aber zeigt nach dem Unentschieden gegen Algerien: Wenn es um die Weltmeisterschaft geht, dann wollen sie sogar mit dem Kopf durch die Wand — oder durch das Glas.

Fußball-Frust: England–Fan zertrümmert sein Auto

Ob der Mann Brite, Engländer, fußballverrückt oder frustriert ist, können wir nicht sagen. Wohl aber, dass er ganz, ganz sicher nicht “nach dem Unentschieden gegen Algerien” mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe eingeschlagen hat:

Das Video steht nämlich seit Juli 2009 auf break.com und auf YouTube. Da war noch nicht mal klar, dass England bei der WM gegen Algerien spielen würde.

Head Vs Windshield

Mit Dank an Felix P.

Nachtrag, 22.40 Uhr: Bild.de hat den Off-Kommentar gegen ein vage zeitloses Gedicht (sic!) über englische Fußballfans ausgetauscht und die Dachzeile in ein mehrdeutiges “Das hat nichts mit Fußball zu tun” geändert.

2. Nachtrag, 21. Juni: Unser Leser Oliver H. hat ein paar Indizien zusammengetragen, die nahelegen, dass das Video in Australien entstanden sein könnte:

Ein AutokennzeichenErstens: Das KFZ-Kennzeichen des blauen Fahrzeugs links ähnelt den in Victoria und früher in South Australia verwendeten. Die britischen Kennzeichen verwenden seit Jahrzehnten andere Formate und sind auf der Heckseite ohnehin gelb.

Zweitens ist das Fahrzeug in der Mitte mit Sicherheit ein Ford Falcon XF, wie er nur für Australien von 1984 bis 1987 produziert worden ist.

Star Wars Kid forever!

Der Fall des “Star Wars Kid” ist ein Lehrstück für neue Öffentlichkeiten. Ein gestohlenes, peinliches Video wird 2003 auf Youtube ins Internet hochgeladen und wird unerwartet zum Klickerfolg. Unzählige Überarbeitungen folgen, das Medium “Webvideo” zeigt sein volles Potenzial. Millionen sehen und amüsieren sich über die unbeholfenen Versuche eines dicklichen Jungen aus Kanada, einen Lichtschwert-Kampf nachzuspielen.

Doch dieses Internet-Mem hatte auch eine Schattenseite, wie die Online-Ausgabe des “Standard” weiß:

Vielmehr verfiel der damals dreizehnjährige Kanadier in Depressionen und musste in eine psychiatrische Anstalt für Kinder. Daraufhin klagten seine Eltern 250.000 US-Dollar bei den Familien jener ehemaligen drei Klassenkameraden erfolgreich ein. Die Urteilsbegründung: Ghyslain musste, und muss auch heute noch, Belustigung und Spott durch seine High-School-Freunde und die Öffentlichkeit in großem Ausmaß ertragen.

Und was zeigt der Standard direkt darunter? Genau – das Video, das das Trauma ausgelöst hat. Ist halt zu drollig, da interessieren Persönlichkeitsrechte einfach nicht. Und wenn “Techcrunch”, “Huffington Post” und “Slashdot” den vollen Namen, Universität und Arbeitgeber des Medienopfers ohne jeden Anlass publizieren – warum sollte man in Österreich darauf verzichten?

Tagesschau, Tauss, ddp

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Nachrichten nach Gutsherrenart”
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig prüft in verschiedenen Fällen (Mixa, Tauss, Zumwinkel, Mohren, Wiedeking, Middelhoff, Garlichs) die Kriterien, zu denen sich die “Tagesschau” im Fall Kachelmann bekannt hat. Wann ist / wird eine Meldung relevant – und gilt das einheitlich?

2. “Der Tauss-Prozess: Die Berichterstattung”
(bruchsal.org, Rainer Kaufmann)
Eine Analyse der Berichterstattung zum Fall Tauss bei “Spiegel Online”, der “Stuttgarter Zeitung” und den “Badischen Neuesten Nachrichten”.

3. “ddp und der PR- Content”
(andremarty.com)
Nahost-Korrespondent André Marty wird von der ddp direct GmbH angefragt, ob er “multimedialen PR-Content” umfassend recherchieren möchte: “Alleine die Idee, Journalisten ‘gut aufbereitete PR- Inhalte’ anzubieten, spricht Bände. Was mich jedoch beunruhigt, ist die Dreistigkeit, mit der sich diese PR- Fuzzis im Jahr 2010 Journalisten anbiedern.”

4. “Warum sind die Kritiken bloß so schlaff?”
(welt.de, Sibylle Lewitscharoff)
Sibylle Lewitscharoff über den Literaturbetrieb, in dem “jeder mit jedem zumindest oberflächlich bekannt” ist. “Auch der schlachtbereite Kritiker wird unmerklich darin gehemmt, den vollen Becher seines Zorns und seiner Enttäuschung über einem Buch zu leeren, wenn er dem Menschen, der es geschrieben hat, einmal, zweimal, gar öfter begegnet ist.”

5. Mediafail
(mediafail.com, englisch)
“Expose the Worst of American Media: Find it. Post it. Fail it.”

6. “ZDF-Programmchef schützt Lobbyisten”
(heise.de/tp/blogs, Peter Muehlbauer)
Ein Beitrag von Martin Sonneborn in der “heute-Show” (Video, 3:43 Minuten) zieht eine Rüge von ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut nach sich.

Öffentlich gedemütigt

Zu den inoffiziellen Einstellungsvoraussetzungen bei “Bild” und Bild.de gehört eine ausgeprägte Ironieblindheit — also die Fähigkeit, das eigene Tun nicht mit dem, was man an anderen kritisiert, in Verbindung zu setzen. Anders könnten klassische “Bild”-Schlagzeilen im Stil von: “Diese schlimmen Fotos wollen wir nie wieder sehen” gar nicht entstehen.

Ach, Verzeihung: Das wissen Sie ja schon. Aber es stimmt ja auch weiterhin.

Es ist etwas passiert, was so “geschmacklos” ist, dass Bild.de das Wort gleich drei Mal in Überschrift und Artikel gebraucht. Darüber hinaus war es

Geschmacklos, menschenverachtend, schockierend: Drei Worte die das Treiben von Manolo Lama treffend beschreiben.

Manolo Lama ist ein spanischer TV-Reporter, der diese Woche in Hamburg war, um vom Finale der Europa League zwischen Atlético Madrid und FC Fulham zu berichten. In der Hamburger Innenstadt hatte er sich mit einigen spanischen Fußballfans um einen Obdachlosen geschart und diesem Geld in seinen Hut seine Schale geworfen.

Jedoch:

Doch dann ging’s los: Begleitet von höhnischen Kommentaren des Reporters trieben es die Fans immer doller – es folgten Schals, ein Handy, sogar eine Kreditkarte landen im Hut des Obdachlosen. Dessen Freude währte nicht lange – betroffen und verwirrt musste er mit ansehen wie die Spenden schnell wieder in den Händen ihrer Besitzer landeten.

Hört sich schlimm an, nicht wahr? Womöglich hat Bild.de mit “geschmacklos, menschenverachtend, schockierend” also noch nicht mal übertrieben.

Das … äh … Schöne ist: Als Leser von Bild.de muss man sich nicht blinde auf das Urteil der Redakteure verlassen und kann sich im Videoplayer sein eigenes Urteil bilden. Und je nach Veranlagung die “geschmacklose” “Demütigung” so oft wiederholen, wie man mag:

Geschmacklos! Spanischer Reporter demütigt Hamburger Obdachlosen

Mit Dank an Lukas K.

Nachtrag, 14.30 Uhr: Auch sueddeutsche.de zeigt die “unfassbare Entgleisung” als eingeklinktes YouTube-Video. Da kann man dann auch sehen, dass der Obdachlose – anders als von Bild.de und uns beschrieben – keinen “Hut” vor sich hat, sondern eine Metallschale.

Große-Bley, Rüttgers, Delling

6 vor 9

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1. Interview mit Ralph Große-Bley
(zeit.de, Ralph Pöhner und Peer Teuwsen)
Ex-“Bild”-Mitarbeiter und nun “Blick”-Chefredakteur Ralph Große-Bley, derzeit in den Schlagzeilen wegen einer zweiten Entschädigungszahlung an Thomas Borer, kennt ein “Sprichwort”, das an ein Zitat von Eric Schmidt erinnert: “Wenn Sie heute sehen, wie sich die Leute für irgendwelche Party-Sites fotografieren lassen, alkoholisiert, küssend, kniend, knutschend. Was man da zeigen darf, wird immer wieder aufs Neue eine spannende Frage sein. Es gibt ein Sprichwort: ‘Wenn du nicht willst, dass etwas über dich in der Zeitung steht, dann sorge dafür, dass es nicht passiert.'”

2. Interview mit Günter Netzer
(fr-online.de, Jan Freitag)
Günter Netzer über Gerhard Delling: “Er ist ein Spießer, so wie ich. Ein hochseriöser Junge, sprachlich auf dem allerbesten Stand. Man kann sich auf ihn verlassen. Delling hat diesen besonderen Humor, nie auf billigem Niveau.”

3. “Vertrauensvorschuss”
(taz.de, Max Dax)
Max Dax fragt sich, wie “der Vertrauensvorschuss, den Popkritiker benötigen, um als erkenntnisstiftende Instanz respektiert zu werden, wiederhergestellt werden” kann.

4. “TV-Berichterstattung zur NRW-Wahl”
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Dietrich Leder)
Dietrich Leder beurteilt die Fernsehbilder der NRW-Wahl mit dem abwesenden Jürgen Rüttgers: “Jene, die ihn – wie seine Parteifreunde Andreas Krautscheid oder Armin Laschet – in den Diskussionsrunden der nordrhein-westfälischen Spitzenkandidaten vertraten, rangen sich obskure Entschuldigungen ab, denen zufolge Rüttgers noch andere terminliche Verpflichtungen habe – am Wahltag!” Eine gegenteilige Meinung dazu vertritt Lorenz Jäger auf faz.net; er sieht im Schweigen Rüttgers am Wahlabend “die Kunst der Abdankung”.

5. “Nominierte Grimme Online Award 2010”
(grimme-institut.de)
23 Websites wurden für den Grimme Online Award 2010 vorgeschlagen.

6. “Ein britischer Forscher fordert mehr Privatsphäre für Tiere”
(zeit.de, Frauke Lüpke-Narberhaus)
“Tiere bauen Nester, verstecken sich in Höhlen, klettern auf Bäume. Sie wollen nicht gesehen werden. Statt dieses Verlangen zu respektieren, stellen ihnen Paparazzi mit Zoomobjektiven, Nachtsichtgeräten und Peilsendern nach.”

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… braucht für den Spot nicht zu sorgen

Vor inzwischen fünf Jahren hat die “taz” diesen Kinospot produzieren lassen, in dem “Bild” eine “unlautere vergleichende Werbung” sah. Die Axel Springer AG ging gerichtlich dagegen vor und bekam vor dem Land- und dem Oberlandesgericht Hamburg Recht. Im vergangenen Herbst hob der Bundesgerichtshof die Hamburger Urteile auf und entschied, dass der Spot gezeigt werden darf (BILDblog berichtete).

Genau wegen dieses Spots trafen sich die Prozessbeteiligten kürzlich vor Gericht wieder: Die “taz” hatte einen Zivilprozess gegen Springer angestrengt, um Entschädigung zu bekommen. Entschädigung für den Ausfall, der dadurch entstanden war, dass der aufwendig produzierte Spot wegen des Vorgehens von “Bild” sehr viel kürzer in den Kinos zu sehen war, als ursprünglich geplant.

Das Landgericht Berlin entschied jetzt, dass Springer den anteiligen Ausfall ersetzen muss: Laut “taz” 21.414,90 Euro zzgl. Zinsen, insgesamt 28.149,40 Euro. Der Verlag kann noch in Revision gehen, wonach es nach Aussage der “taz” im Moment aber nicht aussieht.

[via taz-Hausblog]

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Heiko Herrlichs stolze Kinder

Es ist keine leichte Situation für Heiko Herrlich, den Trainer des VfL Bochum: Nach einer Phase relativen Erfolgs zu Beginn des Jahres steht es sportlich nicht zum Besten; die Spieler kommen nach Kriterien zum Einsatz, die für Außenstehende häufig eher an Willkür denn an ein System erinnern, und Herrlichs Reaktionen auf die Leistungen der Mannschaft wirken in der Regel phrasenhaft und unkritisch.

BILD fragt Trainer Herrlich: Sind Sie noch der Richtige für Bochum?Diese Ausgangslage ermöglicht es der “Bild”-Zeitung, die Herrlich seit Wochen auf dem Kieker hat, seinen Rücktritt immer unverhohlener zu fordern.

Am Mittwoch war Pressekonferenz beim VfL Bochum: Heiko Herrlich stärkte seiner Mannschaft den Rücken und kritisierte die Kritiker von außerhalb. Als Joachim Droll, “Bild”-Abgesandter für den VfL, dann von Herrlich wissen wollte, ob ihm nicht langsam Selbstzweifel kämen, wurde der Trainer plötzlich grundsätzlich und referierte mit ruhiger Stimme (Video-Ausschnitt):

Wissen Sie, Herr Droll: Ich hab schon viele schwierige Phasen in meinem Leben durchgemacht, auch sportlich, glauben Sie mir das. Und das hier, die Situation treibt mir auf keinen Fall den Puls hoch — auch wenn Sie das morgen wieder ganz anders schreiben. Das macht ihr sowieso, wie ihr wollt: Ich weiß noch in Phasen, wo es sehr gut lief, wo ihr ein Interview mit mir machen wolltet und ich das abgelehnt hab’, weil ich gesagt hab’, die Mannschaft muss im Vordergrund jetzt stehen.

Und ich weiß auch, dass es da vielleicht ‘nen Bumerang gibt, ne? Weil ihr das halt nicht gewohnt seid, dass euch jemand die Stirn bietet und sagt: “Nö, ich möcht’ nicht bei euch in der Zeitung stehen.” Aber das ist für mich kein Problem, ich werd’ meinen Weg weiter gehen und werd’ aufrichtig bleiben.

(lange Pause)

Auch ohne euch. Können Sie einem Ihrer Chefredakteure sagen!

Man könnte Herrlichs Aussagen “überraschend” nennen, “aufrichtig” oder “selbstbewusst”. Einem “Bild”-Mitarbeiter fallen da jedoch ganz andere Adjektive ein, wie Droll sogleich bewies, als er zu Herrlich sagte: “Jetzt das wirkt schon ein bisschen dünnhäutig, sag ich Dir schon ganz ehrlich …”

Woraufhin Herrlich sich in seiner Bewertung der “Bild”-Zeitung zu immer weiteren Höhen aufschwang:

Nein! Das interpretieren Sie so! Überhaupt nicht! Ich weiß nur, was die letzten Wochen … die Art und Weise, wie ihr recherchiert habt. Wir unterhalten uns intern auch schon mit den Spielern. Und Günter Wallraff hat das schon vor langer, langer Zeit festgestellt: Da hat sich leider nicht viel geändert.

(lange Pause)

Und drücken Sie auf Aufnahme, dass ich’s meinen Kindern irgendwann zeigen kann: Euch gegenüber, Ihnen gegenüber bleib’ ich aufrichtig. Die werden stolz sein auf mich, irgendwann.

In Drolls Bericht über die Pressekonferenz kommt von all dem erwartungsgemäß nichts vor. Dort ist von einem “peinlichen Rundumschlag” die Rede.

Aber auch anderen Medienvertretern war Herrlichs Angriff auf “Bild” keine Zeile wert: Sie zitierten ihn lieber ohne Zusammenhang. Nur der “Südkurier” spricht von einer “Wutrede” gegen eine “nicht näher benannte Zeitung”.

Mit Dank an Jens M., Jörg L., Fabian F., Dominik M. und Stefan B.

Nachtrag, 14.55 Uhr: Die “Stuttgarter Nachrichten” wussten sogar, welche Zeitung Herrlich meint.

Entlassungen, Verlinkungen, Hersh

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1. “Fake TV: Reklame statt Recherche”
(ndr.de, Video, 7:48 Minuten)
Wie Bildmaterial, das im Auftrag von Firmen hergestellt wurde, seinen Weg in den Nachrichtenteil des Fernsehprogramms findet.

2. “Angriff ist die beste Verteidigung”
(medienspiegel.ch, Ugugu)
10 Tipps für von der Entlassung bedrohte Journalisten. Punkt 6: “Maximalforderungen aufstellen: Mehr Personal, 7 Wochen Ferien, mehr Mitarbeiterbeteiligung, mehr Weiterbildung. Je unrealistischer, desto besser. Minimalforderungen bereithalten: Keine Entlassungen, Teilzeitpensen, akzeptable Sozialpläne für freiwillige Ausreisser”.

3. “Deutschland ist im Zensieren Weltklasse”
(faz.net)
Eine Zusammenfassung der im zweiten Halbjahr 2009 von Regierungen gestellten Löschanträge und Datennachfragen, die Google auf google.com/governmentrequests veröffentlichte.

4. “Aktuelle Web-Tauglichkeit von ‘qualitäts’-journalistischen Artikeln – eine Kurzanalyse”
(goodyworks.com/blog, Michael Nordmeyer)
Michael Nordmeyer beanstandet “die unterbleibende Verlinkung in online veröffentlichten Artikeln” zur Zusammenstellung von Google in Online-Portalen und teilt einige von ihnen in “The Good”, “The Bad” und “The Ugly” ein.

5. “Seymour Hersh sagt, was guter Journalismus ist”
(drs2.ch, Audio, 25:19 Minuten)
DRS 2 trifft am Rande des Internationalen Kongress der Recherchierjournalisten in Genf auf den Investigativjournalisten Seymour Hersh.

6. “United Kingdom General Election”
(thedailyshow.com, Video, 10:39 Minuten, englisch)
Ein US-amerikanischer Blick auf die erste TV-Debatte zu den anstehenden britischen Unterhauswahlen.

Abmahnungen, Cicero, Freie Radios

6 vor 9

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1. “Abmahnrepublik Deutschland (I)”
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal sieht im deutschen Abmahnwesen eine ernste Einschränkung der Meinungsfreiheit; “durch Schocktherapie” sollen Publizisten mundtot gemacht werden. “Ohne Vorwarnung sind brachiale Summen im Spiel. Streitwerte von 100.000 Euro. Anwaltskosten von mehreren tausend Euro. Schadenersatz von vielen tausend Euro. Einschüchterungssummen. Das einstmals gute Recht der Abmahnung ist pervertiert.”

2. “Es ist ZEIT zu widersprechen II”
(freischreiber.de)
Der Berufsverband “Freischreiber” geht auf einzelne Punkte des Briefs ein, den der Zeit-Verlag kürzlich an seine freien Mitarbeiter verschickte. “Die Urheber zu enteignen und mit ihren Werken in Zukunft allein Kasse machen zu wollen, ist kein Geschäftsmodell, sondern eine Zumutung.”

3. “Linksruck bei ‘Cicero'”
(theeuropean.de, Alexander Görlach)
Der Ex-Online-Chef der Zeitschrift “Cicero”, Alexander Görlach, sieht mit dem von Michael Ringier an die Spitze gesetzten Michael Naumann (SPD) einen Linksruck durch das Blatt gehen. Naumann weist die Kritik zurück: “Es ist abgründig und totaler Quatsch, was in dem Artikel steht”. Er werde Görlach einen Brief schreiben und ihn über die “Grundregeln des Journalismus” aufklären.

4. “Eklat in Sachsen – Alle Freien Radios abgeschaltet”
(freitag.de/community/blogs/stefan-tenner)
Stefan Tenner berichtet, wie verschiedene Freie Radios in Dresden, Chemnitz und Leipzig am 17. April aus dem UKW-Netz verbannt wurden.

5. “The Future of News: Investigative Journalism”
(youtube.com, Video, 26:46 Minuten, englisch)
Bob Woodward (“Washington Post”) und Bill Buzenberg (“Center for Public Policy”) reden über investigativen Journalismus und die Möglichkeiten, ihn auch online zu betreiben.

6. “Fazsinierend”
(spreeblick.com, Johnny Haeusler)
Johnny Haeusler denkt darüber nach, wie er von Marcus Jauer im FAZ-Dossier “Deutsche Blogger” dargestellt wurde. “Beim nächsten Mal, wenn sich jemand anderthalb Stunden Gespräch mit ein paar handschriftlichen Notizen merken will, stelle ich ich ein Aufnahmegerät daneben und das Ergebnis online.”

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