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1. “Wie wahr sind Fakten?” (sueddeutsche.de, Camilo Jiménez und Katja Riedel)
Ein Besuch bei den Faktenprüfern des Wochenmagazins “New Yorker”: “Wir verifizieren alles, sogar die Fiktion.”
2. “Ein paar Wünsche an Sportcast” (sportmedienblog.de)
Das Sportmedienblog wünscht sich von der Firma Sportcast, die “exklusiv das Bildsignal der 1. und 2. Fußball-Bundesliga” produziert, zum Beispiel eine Verbesserung der “Kamerapositionen, die in vielen Stadien der Liga viel zu tief gewählt sind”. “Wenn durch diese Fehlentscheidung bei der Konzeption ständig nur ein Achtel des Spielfelds zu sehen ist, hat man natürlich auch als armchair coach keinerlei Chance, Spiel, Aufbau und Taktik zu analysieren, weil sich das Spielerlebnis qua Bildregie nur auf Zweikämpfe und Torschancen reduziert.”
3. “Gordon Brown. GORDON BROWN!” (medienpiraten.tv, Peer Schader)
Ein Lob für die im TV-Senders ITV zu sehende 94-minütige Debatte zwischen den Spitzenkandidaten der Unterhauswahlen: “Das lag im Wesentlich daran, dass im Studio nicht vier Journalisten von vier Sendern darum kämpften, sich mit ihren Fragen zu profilieren, sondern mit Alastair Stewart lediglich ein Moderator stand, der den drei Parteiführern abwechselnd das Wort erteilte und entschied, wann die nächste Frage gestellt werden sollte. Er ließ ihnen genügend Zeit, um ihre Argument vorzubringen, unterbrach aber sofort bei Wiederholungen.”
4. “Es ist ZEIT zu widersprechen” (freischreiber.de)
Der Berufsverband “Freischreiber” dokumentiert eine vom Zeitverlag an Autoren und Autorinnen verschickte “Rahmenvereinbarung zur Übertragung von Rechten”. “Der Autorenvertrag, den die ZEIT im Moment ihren Autorinnen und Autoren vorlegt mit dem dringenden Wunsch, ihn zügig zu unterschreiben, hat aber nicht nur grammatikalische Mängel – er ist insgesamt inakzeptabel.”
5. “Jetzt SPON-App für’s iphone!” (stigma-videospiele.de)
Eine Erklärung, warum das Foto auf Seite 132 der Ausgabe 15/2010 des “Spiegel” als Symbolbild gekennzeichnet sein müsste. “Auch wenn ich von Apples genausowenig Ahnung wie von iphones habe, würde ich mal aus dem Bauch raus die Vermutung aufstellen, dass auf diesem Foto ein Junge vorgibt zu spielen indem er gebannt den Desktop eines Macs anstarrt, bei dem der Screenshot eines Shooters als Hintergrundbild eingerichtet wurde.”
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1. “Wie korrupt sind Journalisten?” (sprengsatz.de, Michael Spreng) Michael Spreng, ehemaliger Chefredakteur von “Bild am Sonntag”, erzählt, wie Automobilhersteller und Medienagenturen versuchten, ihn zu bestechen und denkt grundsätzlich über die Bestechungsgefahr im Journalismus nach. “Als besonders korruptionsbedroht gelten Auto- und Reisejournalisten. Noch gefährdeter aber sind Medizinjournalisten, weniger durch die Arzneimittelhersteller, sondern mehr durch die Produzenten der (eigentlich überflüssigen) Nahrungsergänzungsmittel.”
3. “Die Qualitätslüge” (medienspiegel.ch, Daniel Weber)
Daniel Weber, Chefredakteur von “NZZ Folio”, wundert sich, dass Verlagsmanager nicht müde werden, “zu beteuern, dass mit dem Abbau keineswegs ein Qualitätsverlust einhergehe. Sondern im Gegenteil eher das Gegenteil.”
4. Interview mit Stephen Shepard (focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert) Stephen B. Shepard von der CUNY Graduate School of Journalism zur Frage, wer heute alles Journalist ist. “Wenn man ein Blogger für die Hyperlocal Newswebsite in Brooklyn ist, ist man dann ein Journalist? Die Antwort lautet: ja!”
5. “iPad als Chance für Medienbetriebe” (netzwertig.com, A. Göldi und P. Sennhauser)
Nach einem enttäuschenden Test der iPad-Applikation der “Welt” fragen Peter Sennhauser und Andreas Göldi, welche Hoffnungen sich für die Medienkonzerne mit dem iPad erfüllen könnten. Und bleiben skeptisch: “Sie investieren nicht dort, wo sie gewinnen könnten – bei wirklich guten Inhalten – , sondern hoffen naiv auf eine künstliche Verknappung, die es nicht geben wird.”
6. “‘Explosiv’ bedient sich bei der ‘heute show'” (dwdl.de, Jochen Voß)
Ein Reporter mit einer schwarzen Baseballkappe versucht für das RTL-Boulevardmagazin “Explosiv” in Privatwohnungen Fotos für einen angeblichen Dienst “Homeview” zu machen (Video, 8:52 Minuten). Genau das hatte schon vor zwei Wochen die ZDF-“heute show” gemacht (Video, 4:07 Minuten).
Es ist nach Mittwoch, dem 30. März. Und unsere schöne blaue Erde kreist immer noch ruhig und ungestört um die Sonne.
Was war passiert, dass es zu so einer bahnbrechend langweiligen Situation kam?
Einiges. Wahrscheinlich ist irgendwo in Berlin ein Sack Erdnüsse umgefallen. Viel wichtiger allerdings: In der Schweiz wurde in einem Experiment ein lang erwarteter Meilenstein erreicht. Im LHC, dem “Large Hadron Collider”, wurde begonnen, Protonenstrahlen zu kollidieren, die eine bisher noch nie erreichte Energie von 7 TeV (Tera-Elektronenvolt) in sich vereinen.
Für uns Physiker ist das total knorke. Mehrere Jahrzehnte Arbeit, die Stück für Stück die Grenzen des Machbaren erweitert haben, zahlten sich endlich aus. Die Fingernägel tausender Forscher auf der ganzen Welt können endlich wieder nachwachsen. Denn endlich ist das größte, präziseste, tollste und superlativste Experiment der Menschheit, des Universums und des ganzen Rests angelaufen und produziert die heißersehnten Daten, in denen irgendwo spaciger Shit wie Supersymmetrie und Higgs-Boson schlummern.
Aber auch für die Presse ist das total knorke. Denn die darf aufs Neue beweisen, wie das mit dem Schuster und seinen Leisten funktioniert.
Bild.de titelte völlig bescheiden am 29. März, einen Tag vor den erwarteten 7-TeV-Kollisionen:
Das gefährlichste Experiment. Der Menschheit. So, so. Aber wie gefährlich genau? Physikalisch passiert im LHC nichts anderes, als das, was unbeobachtet auf unserem Lieblingsplaneten dauernd passiert. Im LHC sind es zwei Strahlen von hochenergetischen Teilchen, die auf Kollisionskurs gebracht werden. In der Natur sind es hochenergetische Teilchen aus dem Weltall, die mit den Molekülen der Atmosphäre oder spätestens in der Erdoberfläche kollidieren.
Jongliert man dabei ein wenig mit Zahlen herum (siehe die Sicherheitsanalyse vom CERN [PDF]), so kommt man darauf, dass alleine auf der Erde seit ihrer Entstehung so viele Kollisionen stattgefunden haben, wie während der Laufzeit von etwa 100.000 LHC-Experimenten. Geht man noch einen Schritt weiter und bezieht das restliche Universum ein, so kommt man gar auf etwa 10^31 LHCs was ca. 1048 Kollisionen entsprechen würde — eine Eins mit 48 Nullen!
Wenn irgendetwas Gefährliches bei solchen Kollisionen passieren könnte, dann wäre es auch schon in einigen der 1048 Ereignissen passiert — offensichtlich existieren wir aber noch und können immer noch süße Katzenvideos auf YouTube anschauen.
Wenn Herr Wagner also sagt, die Wissenschaftler könnten das Risiko nicht einschätzen, dann stimmt das so einfach schonmal nicht. Aber kurz zu dem von Bild.de als Experten zitierten selber: Walter Wagner ist der lustige Hawaiianer, “der sich selbst als Kernphysiker bezeichnet” — ob das so ist, sei mal dahingestellt. Einen Lebenslauf oder irgendeine Art von wissenschaftlicher Reputation sucht man vergebens. Kein Wunder, dass ihn die amerikanische Satire-Sendung “Daily Show” (ab 2:16) so einfach bloß stellen kann.
Ob man also eher auf einen der sehr wenigen suspekten, aber dafür nicht minder lautstarken Kritiker hört oder auf die vielen tausend Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit wissenschaftlichen Standards mit dem Thema auseinandersetzen — da entscheidet im Endeffekt wohl eher das Potential für die fetzigere Überschrift.
Übrigens hat Walter Wagner schon versucht, den LHC per Klage in Honolulu zu stoppen — das hat aber nicht geklappt, weil sich das Gericht nicht zuständig sah. Ähnlich verhält es sich auch in Deutschland, wo das Bundesverfassungsgericht eine Klage einer besorgten Bürgerin gar nicht erst zugelassen hatte. Sie wurde mit der Begründung abgelehnt, dass “auch die (vermeintliche) Größe eines Schadens — hier die Vernichtung der Erde” den Klagenden nicht von der Pflicht enthebt, einen möglichen “Zusammenhang zwischen der Versuchsreihe und dem Schadensereignis” ausreichend zu begründen. (Übersetzung in Normal-Sprech von Golem.de)
Neben einer fetzigen Überschrift sind besonders bei komplexen Themen aus der Physik Visualisierungen üblich. Bild.de ist bei bunten Visualisierungen natürlich ganz vorne mit dabei und zeigt in einem kleinen Einspieler vor dem Artikel, wie man sich das alles vernichtende Ergebnis vorstellt. Dort ist die Erde zu sehen, wie sie von einem lustigen Grafikeffekt aus dem Lieblings-Videobearbeitungs-Programm verschluckt wird (siehe Bild oben). Dass dieser Teil des Videos aus Schnipseln zweierPersiflagen auf genau diese LHC-Kritik zusammengeschnitten sind, stört hier anscheinend niemanden.
Die Schweizer Boulevardpresse ist da nicht viel besser und versucht nach einem Gespräch mit einem anderen Kritiker, dem Biochemie-Professor Otto E. Rössler, zusammenzufassen:
Ob da wohl jemand gerne Romane liest? Da war doch mal was mit CERN, Antimaterie und Bombe, Stichwörter mit denen man bestimmt nicht nur an der Flughafen-Sicherheitskontrolle, sondern auch in den Medien auffällt. Zwar wird auch am LHC Antimaterie produziert, das hat nur leider überhaupt nichts mit schwarzen Löchern zu tun.
Und bevor hier gleich wieder jemand “Aber Antimaterie!” schreit: Es wird viel mehr Antimaterie in der Atmosphäre produziert als im LHC. Und irgendwo in Amerika spielen immer noch Katzen auf Keyboards.
In einem anderen Artikel zum LHC führt Bild.de ein weiteres Steckenpferd der “Kritiker” an: die Strangelets.
Das ist weder eine Sitcom, noch ein Mixgetränk. Bei einem Strangelet soll es sich um ein Teilchen handeln, das normale Materie, wie wir sie kennen, in “strange” Materie umwandelt. Klingt seltsam? Die Idee ist gar nicht so weit hergeholt. Seltsame Materie ist auf fundiertem theoretischem Grund gebaut.
Nur auffressen wird sie uns nicht.
Als im Jahr 2000 mit dem Start des Relativistic Heavy Ion Collider (RHIC) erstmals die Strangelets aufkamen, wurde viel darüber diskutiert. Seitdem läuft der RHIC allerdings fleißig — und wir sind immer noch genauso seltsam wie vorher. Und die höhere Kollisionsenergie des LHCs macht es nur noch weniger wahrscheinlich, dass ein hypothetisches Strangelet gebildet werden könnte.
Schwarzes Loch, Strangelet, magnetische Monopole und Vakuumblasen. Alles wirklich hübscher Kram für dystopische Science-Fiction-Filme und reißerische Überschriften.
Nur nichts für die Realität.
Da sich dieses angstmachende Halbwissen aber so hartnäckig hält wie schwarze und rote Druckerfarbe auf manch grauem Papier, hat das CERN als Betreiber des LHCs neben einer Erklärungsseite den oben bereits erwähnten Sicherheitsreport in Auftrag gegeben. Dieser nimmt im Vorbeigehen allen Kritikpunkten den Wind aus den Segeln und kommt zu dem eindeutigen Schluss:
Vom LHC geht keine Gefahr für die Menschheit aus! (Wirklich!)
Ihr könnt also weiter beruhigt schwarze Punkte auf eure weißen Hunde malen, ohne dabei Angst haben zu müssen, dass der Hund davon aufgefressen wird.
Um euch die volle Packung Physik zu geben, für Interessierte zum Abschluss noch ein kleiner Ausflug in die Physik, warum schwarze Löcher und Erde einfach nicht zusammen passen:
Durch Masse entsteht Gravitation: Die Erde zieht den Apfel auf Newtons Kopf, die Sonne hält die Erde auf ihrer Umlaufbahn und unser Sonnensystem kreist wiederum um das Zentrum der Milchstraße. Ein schwarzes Loch ist nun ein Objekt, das eine so konzentrierte Masse und somit starke Gravitationskraft besitzt, dass nichts seinen Fängen entkommen kann. Keine starke Rakete, kein fliegendes Einhorn oder noch so buntes Licht entkommt dieser Kraft. Daher sein Name. “Schwarzes Loch”.
Die Entstehung eines schwarzen Loches setzt eine gewisse Startmasse voraus, z.B. einen großen Stern, der kollabiert. Beim LHC befinden wir uns aber im Bereich von zwei kollidierenden Mosquitos — was nach heutigem Verständnis bei Weitem nicht ausreicht. Spielt man aber ein wenig an den Rahmenbedingungen herum und sagt, man hätte noch ein paar zusätzliche Dimensionen neben den drei uns bekannten, dann ist es sogar theoretisch möglich, dass der LHC so genannte “mini schwarze Löcher” oder “Microscopic Black Holes” generiert.
Aber: Die sind instabil. Nach verdammt kurzer Zeit sind die wieder verdampft. Die Theorie sagt Verdampfungsdauern jenseits der (theoretisch) beobachtbaren Planck-Zeit voraus, also etwa halb so schnell, wie ein Augenzwinkern von Chuck Norris. Folgt man den Kritikern und geht davon aus, dass die bisher als richtig geltende Theorie falsch wäre und diese mini schwarzen Löcher wider Erwarten doch stabil sind, dann haben wir immer noch die Beobachtung:
Es gibt uns und Neutronensterne noch.
Hä? Neutronensterne? Kommen wir sofort zu …
Vorher noch etwas zu elektrischer Ladung: Etwas kann elektrisch geladen oder ungeladen sein (Elektronen z.B. sind einfach negativ geladen). Eine Ladung führt dazu, dass das Teilchen in einem Magnetfeld abgelenkt wird. Die Älteren unter den Lesern werden sich vielleicht noch an die Röhrenfernseher erinnern, die nach diesem Prinzip gearbeitet haben.
Würden jedenfalls elektrisch geladene mini schwarze Löcher durch Teilchenkollisionen entstehen können, so wäre irgendeines aus den aberwitzig vielen Kollisionen (s.o.) zur Erde gelangt. Dort sorgt dann das Erdmagnetfeld für eine Ablenkung und schließlich auch für das Stoppen. Das schwarze Loch hätte nun genug Zeit zu wachsen und die Erde zu verschlingen — das ist aber offensichtlich nicht passiert.
Es bleibt noch die Möglichkeit übrig, dass alle produzierten mini schwarzen Löcher ungeladen sind. Da kommen jetzt die Neutronensterne ins Spiel. Das sind astronomische Objekte, die extrem dicht sind. Durch ihre extrem hohe Dichte werden die kleinen Mini-Biester dann aber im Inneren gestoppt und würden sie langsam auffuttern.
Aber auch hier: Neutronensterne gibt es, also Bullshit.
Selbst wenn man sich also auf viele Argumente der Kritiker ein- und unwahrscheinliche Theorien zulässt, so überzeugt uns am Ende immer noch die Natur, die derlei “Experimente” schon seit Urzeiten in wesentlich größerer Anzahl durchführt. Und würde dabei etwas Gefährliches passieren, würde das Universum nicht so aussehen, wie es das jetzt tut.
Nicht zuletzt würden auch die süßen Pinguine auf der Erde nicht existieren. Und das kann ja nun echt keiner wollen.
Es sind “erschütternde Bilder”, die “im Herzen wehtun” — und die “Bild” natürlich deswegen trotzdem zeigt:
Dennis Hopper (73), einer der größten Hollywoodstars der Filmgeschichte, bricht auf offener Straße zusammen.
Der Schauspiel-Gigant (“Easy Rider”, “Waterworld”) ist todkrank. Er leidet an Prostatakrebs im Endstadium, wiegt nur noch 45 Kilo. Als er sein Haus in Venice Beach verlassen will, verlässt ihn die Kraft. Er fällt. Hoppers Assistentin eilt zu Hilfe, stützt dem Hollywoodstar den Kopf.
Weil “Bild” selbst das Entstehungsdatum der Bilder nennt (“einen Tag bevor der Weltstar Ende März einen Stern auf dem ‘Hollywood Walk of Fame’ bekam”), lässt sich leicht überprüfen, dass die Geschichte von dem armen, kranken Mann, der einfach zusammenklappt, höflich ausgedrückt, eine riesige Unverschämtheit ist.
Bei eben dieser Veranstaltung erzählte Hopper nämlich, was wirklich geschehen war:
Er sei auf dem Weg zum Auto gewesen, erzählt der Schauspieler, als jemand seinen Namen gerufen habe. Weil ihm die Stimme bekannt vorgekommen sei, habe er sich umgedreht und dabei die Schwelle auf der Straße übersehen. Unter den Mitleidsbekundungen der Zuschauer fährt Hopper fort, dass er sich nicht habe abstützen können, weil er keine Muskeln mehr habe: “Ich fiel direkt auf mein Gesicht, mit der Brille in der Hand, ich war ziemlich übel zugerichtet.”
Dann wendet er sich an die Paparazzi, die er schon zu Beginn seiner Ausführungen angesprochen hatte: “Ich weiß, Ihr habt einen harten Job, aber ihr könntet manchmal ein bisschen feinfühliger sein.” Die Zuschauer stimmen ihm lautstark zu.
Mit anderen Worten: Wenn da nicht ein Fotograf gestanden hätte, der den krebskranken Mann verunsichert hat, wäre Hopper vermutlich nie gestürzt und es gäbe gleich doppelt keine “erschütternden Bilder”, die Bild und andere Medien der Fotoagentur des Paparazzo abkaufen konnten.
Auch “Bild” zitiert übrigens aus Hoppers Schilderungen des Zwischenfalls:
“Ich fiel direkt auf mein Gesicht, mit der Brille in der Hand”, sagte Hopper.
Man darf also davon ausgehen, dass sie auch den Rest seiner Erklärungen kennen.
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1. “Die BILD-Geschichte um einen Po” (gregel.com)
Bild.de übernimmt ein YouTube-Video, versieht es mit Werbung und behauptet, eine darin zu sehende Frau würde ein Videospiel mit ihrem Po steuern. Dass das Unsinn ist, klärt sich in den von Bild.de nicht gezeigten Schlußsekunden des Videos auf.
2. “Benzin-Wut – Nunja …” (carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht widmet sich der “Bild”-Schlagzeile “Benzin-Wut”.
3. “Missbrauch am Odenwald-Internat” (zeit.de, Jana Simon und Stefan Willeke)
Die “Zeit” versucht aufzuklären, warum der bereits 1999 von der “Frankfurter Rundschau” aufgedeckte Missbrauch an der Odenwaldschule nicht von anderen Journalisten aufgegriffen wurde. “Fehleinschätzungen über die Dimension des Skandals, Desinteresses am Thema, die Unlust zu recherchieren – und gelegentlich das Bedürfnis, die Reformpädagogik gegen Angriffe zu schützen. Das berichten heute Journalisten, die damals für die Berichterstattung über Schulen verantwortlich waren.”
4. “Perfide Wettermacher” (nzz.ch, ras.)
Der Fall Jörg Kachelmann: Rainer Stadler nennt jene “Wettermacher der Öffentlichkeit”, die Behauptungen zu Tatsachen verkürzen, “Henker”. “Am einen Tag zeigt man Empörung über den Wettermann, weil er während eines kurzen öffentlichen Auftritts lachte oder lächelte. Am nächsten Tag gibt irgendein Hobby-Psychologe dem letztlich vieldeutigen Lachen eine simple Erklärung, möglichst mit moralisierendem Unterton.”
5. “Counterfeit Roth” (newyorker.com, Judith Thurman, englisch)
Der italienische Zeitungsjournalist Tommaso Debenedetti erfindet Interviews mit den Schriftstellern John Grisham und Philip Roth. Ans Licht kommt das erst, als Roth von einer italienischen Journalistin auf seine in “Libero” publizierten Aussagen angesprochen wird. “But I have never said anything of the kind!”
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1. “Der Verdacht” (faz.net, Harald Staun)
Harald Staun über Vorverurteilungen und Ferndiagnosen im Fall Jörg Kachelmann. “Welche Details aus Kachelmanns Biographie man in Zusammenhang mit dem Verdacht bringt, ist rückblickend völlig egal: im Zweifelsfall wird jede Freundlichkeit als Täuschung interpretiert.”
2. “Sind wir Putzerfische?” (sueddeutsche.de, Sonia Seymour Mikich) Sonia Mikich hat gelernt, sich für vieles fremdzuschämen, das als Journalismus durchgeht, “auch für die Fälle von Themenplacement im öffentlich-rechtlichen Fernsehen”. “Während Journalisten an ihrem Selbstverständnis herumrätselten, blühte die organisierte Meinungsmache, die Wachstumsbranche bevölkert von Consultants, Werbegurus und Spin-Doktoren.”
3. “Immer! Mehr! Untergang!” (welt.de, Matthias Wulff)
Matthias Wulff liest jede Woche “Artikel, an die man sich über den Tag hinaus erinnern wird” und mag die dauernde Klage über den Verfall des Journalismus nicht mehr hören. Die Arbeitsbedingungen hätten sich “dank Google und E-Mail” deutlich verbessert. “Ich möchte mich nicht daran erinnern, wie viel Lebenszeit ich am Kopierer verbracht habe, wie oft ich vom Archivar gehört habe, der gesuchte Ordner komme erst am Nachmittag, wie mühsam es bei der Recherche war, mit den richtigen Leuten schnell in Kontakt zu treten.”
5. “Warum wird die junge Frau geschont?” (cicero.de, Max Goldt) Max Goldt über YouTube-Videos, in denen “Ausraster” zu sehen sind und über die Sendung “Germany’s Next Topmodel” mit Heidi Klum (“dieser eisige Beauty-Apparatschik”). In einem zweiten Beitrag geht es um Blogs, empfohlen wird “German Joys” von Andrew Hammel.
6. “The Daily Mail song” (dananddan.com, Video, 2:47 Minuten)
Dan and Dan widmen den Schlagzeilen der britischen Zeitung “Daily Mail” einen Song.
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1. “Dauerschleife aus Berlin” (faz.net, Marcus Jauer)
Marcus Jauer über den unlösbaren Widerspruch zwischen Politikern und Journalisten in Berlin, “voneinander unabhängig und aufeinander angewiesen” zu sein – “weshalb sich beide Seiten offenbar darauf geeinigt haben, dass keiner fragt, ob etwas berichtet wird, weil es geschieht, oder nur etwas geschieht, weil es berichtet wird”.
2. “Kommt das EU-Einheitsbrot?” (narragonien.de)
Nein, das EU-Einheitsbrot kommt nicht. “Was BILD und MAZ nämlich nicht wissen oder vielmehr nicht wissen wollen, ist, dass die EU dem kleinen Bäcker um die Ecke überhaupt nichts vorschreiben will, sondern dass es eigentlich nur um große industrielle Backbetriebe geht.”
3. “7 Überlebenstipps für Verlage” (bastian.nutzinger.net)
Bastian Nutzinger gibt der Print-Branche ein paar Überlebenstipps. “Versteht euch doch einfach als Teil dieser Gemeinde und interagiert entsprechend mit Ihr. Nicht jeder Blogartikel da draußen ist Journalistengold, aber einige sind hochinteressant. Warum nicht darauf verweisen?”
5. Google und die Autorenrechte (carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht stört sich an der Aussage von Thomas Schmid, dass Google mit den Autorenrechten kaum weniger ignorant als China mit dem Informationsrecht umgehe. “Das Internet und Google haben unsere Nachrichtenwelt endlich de-oligopolisiert, Google hält sich an das bestehende Urheberrecht und Google befördert – etwa auch über YouTube – die Meinungsfreiheit ganz maßgeblich.”
6. Interview mit Wolfgang Kubicki (zeit.de, Stephan Lebert und Stefan Willeke)
In einem langen, lesenswerten Interview sagt Wolfgang Kubicki, wie sich eine Falschmeldung auf ihn auswirkte: “Ich dachte: Das muss jetzt sofort aufhören, und das hört nur auf – für deine Familie, für deine Mutter –, wenn du nicht mehr da bist. Ich habe in jener Nacht, vielleicht zehn Minuten lang, sehr intensiv überlegt, ob ich mir das Leben nehmen soll.”
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1. “So täuschen TV-Quizshows die Teilnehmer” (sf.tv, Video, 9:35 Minuten, teilweise Dialekt)
Die Sendung “Kassensturz” analysiert zusammen mit einer Zuschauerin einen Fall in einer Call-In-Sendung akribisch, rätselt mit um eine scheinbar nicht auflösbare “Bratwurst”, vergleicht die Stimmen verschiedener Anrufer miteinander und zählt das in einer Geldwanne aufgefangene Geld.
2. Interview mit René Grossenbacher (nzz.ch, Rainer Stadler)
Medienforscher René Grossenbacher über die Nennung von Quellen: “Es gibt eine Tendenz im Journalismus, zu verschleiern, dass die meisten Nachrichten von Interessengruppen und ihren PR-Apparaten aktiv an die Medien herangetragen werden.”
3. “Journalistische Mängel” (dwdl.de, Uwe Mantel)
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten beanstandet die Sender Sat.1, 9Live und DSF.
4. Interview mit Michael Kessler (medien-monitor.com, Tobias Jochheim) Michael Kessler spricht über Medienkritik (auch auf YouTube): “Ich will eine Nachricht so objektiv wie möglich einfach nur berichtet bekommen. Denn meine Meinung bilde ich mir dann selber. Ich brauche keinen Nachrichtensprecher, der mir das vorgibt und sagt: ‘Das war ja gerade ganz mies.'”
5. “Der sedierte Zuschauer” (meedia.de, Stefan Winterbauer)
Stefan Winterbauer bespricht den jüngsten Tatort, “ein Paradebeispiel für das Qualitäts-Missverständnis bei der ARD-Vorzeigereihe”.
6. “Get To Know An Internet Commenter” (mcsweeneys.net, Kevin Collier, englisch)
“Kevin Collier searches the Internet for people who comment a lot, then copies and pastes a fair representation of their output.”
Dieses Internet ist wirklich praktisch: Da “tauchen” einfach so Videos “auf”, die man dann weiterverarbeiten und als Videos ins Internet stellen kann. Man braucht also eigentlich nur ein paar Mitarbeiter, die den ganzen Tag die gängigen Videoplattformen (also: YouTube) im Auge behalten.
Zum Beispiel im Fall von Dawn Brancheau, der Tiertrainerin, die im Freizeitpark Seaworld in Orlando, Florida von einem Wal getötet wurde: Da sind die Mitarbeiter von Associated Press jetzt “im Internet” auf ein Video gestoßen, das den Angriff des Schwertwals zeigen “soll”, wie die Off-Sprecherin extra betont — so ganz sicher kann man sich ja auch nie sein bei diesem Internet.
Beispielsweise bei “RP Online” kann man sehen, was sich “vor den Augen der geschockten Besucher” abgespielt haben soll:
Und tatsächlich ist genau dieses Video erst am 3. März bei YouTube online gestellt worden.
Nur: Das Video schwirrt schon sehr viel länger durchs Internet. Es stammt nämlich von einem Zwischenfall Ende Juli 2004 im Seaworld-Park von San Antonio, Texas, als ein kahlköpfiger Tiertrainer (Dawn Brancheau war vom Wal an ihrem Pferdeschwanz gepackt worden) von einem Orca angefallen wurde, den Angriff aber unverletzt überstand.
Bei MSNBC.com kann man noch heute sehen, wie das damals aussah:
Das gleiche angeblich neue Video war wohl zwischenzeitlich auch bei dnewsvideo.de zu sehen gewesen, ist aber inzwischen verschwunden. Das echte Video von dem Zwischenfall soll auf Wunsch der Familie der Verstorbenen übrigens unveröffentlicht bleiben.
Vielleicht sollte AP in Zukunft einfach auf Internet-Videos als Quelle verzichten.
Außergewöhnliche oder unvorstellbare Ereignisse werden oft ein bisschen begreifbarer, wenn es Bilder davon gibt. Oder, wie man im Internet sagt: “pics or it didn’t happen”.
Insofern hilft es natürlich beim Verständnis der Ereignisse auf dem Kreuzfahrtschiff “Louis Majesty”, sich mithilfe von Videos selbst ein Bild der Lage machen zu können.
Oder, wie es Associated Press ausdrückt:
Auf YouTube sind nun drei Amateur-Videos aufgetaucht. Sie sollen die zerstörerischen Wellen zeigen, die das Kreuzfahrtschiff “Louis Majesty” am Mittwoch mit voller Wucht trafen.
In den YouTube-Videos, die als AP-Zusammenschnitt unter anderem bei stern.de und “RP Online” zu sehen sind und auch von RTL in verschiedenen Nachrichtensendungen und online gezeigt wurden, geht es hoch her.
So sieht man beispielsweise Außenaufnahmen, die die Wucht der Wellen erahnen lassen:
Auch auf der Brücke knallt es gewaltig:
RTL hat für seine Nachrichtensendung “Punkt 12” sogar noch ein weiteres Video entdeckt:
Diese und ähnliche Videos werden seit Mittwoch in großer Stückzahl hochgeladen. Mache wurden wieder gelöscht, andere aus dem Fernsehen, wo sie mit Berufung auf YouTube liefen, mitgeschnitten und erneut hochgeladen. Es ist kaum möglich zu sagen, was die Originalvideos sind.
Aber diese hier könnten es sein:
(Hochgeladen am 25. August 2007, laut Uploader an Bord der “Empire State” entstanden.)
(Online seit dem 23. Oktober 2007, vor der Küste Australiens gedreht.)
(Seit dem 22. Februar 2010im Netz, immerhin sogar auf der “Louis Majesty” gefilmt.)
Bei Stern.de weist seit 24 Stunden ein Leserkommentar auf die entsprechenden YouTube-Clips hin.
Unser Leser Dirk E. hat nach eigenen Angaben zehn Minuten gebraucht, um diese drei alten Videos zu finden. So viel Zeit hatten die Medien wohl nicht.
Mit Dank an adameus23, Sebastian F. und Dirk E.
Nachtrag, 13.10 Uhr: Stern.de hat das Video durch den Hinweis “Das Video ist nicht mehr verfügbar!” ersetzt.