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Kleine Brücken unter Freunden

Vor über fünf Jahren gab es in BILDblog eine Serie namens “We are the champions”. Es ging darin um die “Bild”-Rubrik “Gewinner des Tages”, die damals vor allem einen Zweck hatte: sich selbst oder Freunden und Geschäftspartnern auf die Schulter zu klopfen. Nach der 46. Kür dieser Art haben wir mit der Reihe aufgehört (und die ungezählten Würdigungen von Helmut Kohl, dem Freund des Hauses und des Chefredakteurs, waren dabei nicht einmal mitgezählt).

Heute ist die Rubrik “Gewinner des Tages” immer noch häufig absurd, aber nicht mehr so lächerlich oder als PR-Instrument durchschaubar wie damals.

Die Atlantik-Brücke allerdings hat immer noch ihren festen Platz als “Gewinner” in “Bild” gepachtet. Die Atlantik-Brücke ist ein Verein, der das deutsch-amerikanische Verständnis fördern will — ein Ziel, dem sich auch die Axel Springer AG und jeder einzelne ihrer Journalisten verpflichtet haben. Kai Diekmann, der Chefredakteur von “Bild”, war bis vor wenigen Monaten Mitglied im Vorstand der Atlantik-Brücke (nicht, dass das je im Blatt erwähnt worden wäre).

“Bild”, 12. April 2002:

Gewinner

Ein Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft feiert 50-jähriges Jubiläum: die Atlantik-Brücke. Verdienst des Vereins: den Dialog zwischen beiden Ländern zu fördern, das politische und kulturelle Verständnis zu vertiefen. Der Vorsitzende Arend Oetker (63, Foto): “Es ist eine Brücke, die es immer wieder instand zu setzen gilt.”

BILD meint: Was zählt, ist Freundschaft.

“Bild”, 18. April 2002:

Gewinner

Ein Mann, der Brücken schlägt: Ex-US-Präsident George Bush (77) erhielt gestern im Berliner Schloss Charlottenburg den Eric-M.-Warburg-Preis. Die Laudatio hielt Außenminister Joschka Fischer. Mit dem Preis zeichnet der Verein Atlantik-Brücke Bushs Verdienste um die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA aus.

BILD meint: Transatlantisch!

“Bild”, 5. Mai 2003:

Gewinner

Wer über das deutsch-amerikanische Verhältnis redet, kommt an Dr. Beate Lindemann (60) nicht vorbei. Sie kriegt in Washington jeden Gesprächspartner an die Strippe. Die Geschäftsführerin des Vereins Atlantik-Brücke bemüht sich gerade in diesen Tagen um ein gutes Verhältnis zu Amerika. Eine wichtige Aufgabe, die sie mit viel Klugheit und Charme meistert.

BILD meint: Transatlantisch!

“Bild”, 3. Febuar 2004:

Gewinner

Ein Flugkapitän, der Brücken baut: Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber (56) erhält heute in New York den Vernon A. Walters Award für seine Verdienste um die deutsch-amerikanische Partnerschaft. Verliehen wird der Preis vom renommierten Verein Atlantik-Brücke.

BILD meint: Über den Wolken muss die Freundschaft wohl grenzenlos sein.

“Bild”, 11. Juni 2004:

Gewinner

CDU-Politiker Walther Leisler Kiep (78) ist der neue Ehrenvorsitzende des Vereins Atlantik-Brücke. Die Mitgliederversammlung (u. a. Otto Graf Lambsdorff, Hilmar Kopper, Rudolf Scharping) würdigten damit einstimmig Kieps Verdienste um die deutsch-amerikanische Verständigung. BILD meint: Verdiente Ehre!

“Bild”, 16. Juni 2005

Gewinner

Jetzt bekommt die Atlantik-Brücke Flügel: Dr. Thomas Enders (45), Vorstand beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, wird neuer Vorsitzender des Vereins. Amerika-Freund Enders studierte in Los Angeles, löst Dr. Arend Oetker nach fünf Jahren ab. Die überparteiliche Atlantik-Brücke e. V. setzt sich seit 1952 für die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA ein.

BILD meint: Viel Erfolg!

“Bild”, 1. Oktober 2005:

Gewinner

Drei hohe Ehrungen in zwei Monaten für Michael Otto (62): Erst der Bertelsmann-Preis für Jugend- Förderung, dann der Umweltpreis 2005 und jetzt in New York der Vernon A. Walters Award der “Atlantik-Brücke”. 54 000 Mitarbeiter des größten Versandkonzerns der Welt können stolz auf ihren Chef sein.

BILD meint: Otto – find’ ich gut!

“Bild”, 10. Oktober 2005:

Gewinner

Sie baut Brücken zwischen Deutschland und Amerika. Dafür erhält Dr. Beate Lindemann heute in Berlin das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Die Vize-Vorsitzende des Vereins “Atlantik-Brücke” hat u. a. ein Austauschprogramm ins Leben gerufen, das seit 1990 mehr als 3000 ostdeutschen Oberschülern einen einjährigen Aufenthalt in den USA ermöglichte.

BILD meint: Ehre, wem Ehre gebührt.

“Bild”, 15. Mai 2007:

Gewinner

Bei den Verhandlungen zur deutschen Einheit zwischen den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs und den beiden deutschen Staaten spielte Condoleezza Rice (52) 1990 eine entscheidende Rolle. Dafür bekommt die heutige US-Außenministerin am 31. Mai den Eric-M.-Warburg-Preis von der Atlantik-Brücke e. V. verliehen. Die Laudatio hält der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl.

BILD meint: Der Preis ist Rice!

“Bild”, 1. Juli 2009:

Gewinner

Ehrenvolle Aufgabe für Friedrich Merz (53): Der streitbare Politiker ist neuer Vorsitzender der angesehenen Atlantik-Brücke. Merz übernimmt das Amt von Airbus-Chef Enders. Die Atlantik-Brücke ist ein Zusammenschluss von Wirtschaftsführern, Politikern u. a. in Deutschland und den USA mit dem Ziel, die deutsch-amerikanische Freundschaft zu fördern.

BILD meint: Top-Mann für eine Top-Aufgabe!

“Bild”, 30. Juni 2010:

Gewinner

Der alte und neue Vorsitzende der Atlantik-Brücke heißt Friedrich Merz (54). Der Anwalt und Wirtschaftsexperte wurde gestern auf der Mitgliederversammlung des Vereins mit großer Mehrheit wiedergewählt. Die Atlantik-Brücke setzt sich seit ihrer Gründung 1952 für die deutsch-amerikanische Freundschaft ein.

BILD meint: Brückenbauer!

Bemerkenswert ist aber nicht nur, mit welcher Konsequenz “Bild” den Verein über Jahre im Blatt feiert, sondern auch, worüber die Zeitung lieber nicht berichtet. Der Wiederwahl von Merz, die ihn gestern erneut zum “Bild”-“Gewinner” werden ließ, waren nämlich erhebliche Auseinandersetzungen vorausgegangen. Von einer “Schlammschlacht” sprechen die “Süddeutsche Zeitung” und die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, Merz und der Ehrenvorsitzende Kiep hätten sich “wie die Kesselflicker” gestritten, schreibt die “Zeit”. Merz war am 1. Juni schließlich zurückgetreten; auch Kai Diekmann verließ danach den Vorstand. Er wurde laut einem Bericht der Zeitschrift “Capital” dann aber nachträglich Mitglied der Kommission, die einen Nachfolger für Merz finden sollte und, Überraschung: Merz fand. So gesehen hätte Diekmann sich gestern auch selbst zum “Gewinner” erklären können.

Von all den spektakulären Auseinandersetzungen aber fand sich kein Wort, keine Andeutung in der “Bild”-Zeitung, die sonst so gründlich und aufopferungsvoll das Wirken der einflussreichen Organisation begleitet. Das, nicht die Aufnahme in die Rubrik “Gewinner”, ist der wahre Dienst, den “Bild” für Freunde leistet: Schweigen.

Blumenkohl, Eier, Jolie

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Blumenkohl billiger”
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Michael Spreng über einen “Bild”-Redakteur, der dem Ministerium für Staatssicherheit seinen Einfluss demonstrierte, in dem er dafür sorgte, dass eine Meldung, der Blumenkohl werde billiger, zweimal nacheinander abgedruckt wurde.

2. “Schleichwerbung oder nicht Schleichwerbung, das ist hier die Frage!”
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
In der Zeitschrift “Jolie” verhilft Visagist Boris Entrup zu “Hollywood-Lips” mit “Star-Appeal”. “Doch wo Boris Entrup ist, kann der Kosmetikhersteller Maybelline Jade nicht weit weg sein. Und siehe da, gleich im Vorspann zum Artikel taucht der Firmenname auf. Dann noch einmal unter einem Zitat von Boris Entrup.”

3. “Journalistische Vergütungsregeln unexplained”
(filmjournalisten.de, Julian)
Julian weiß nicht recht, was er mit einem Flyer vom DJV zu Vergütungsregeln anfangen soll. “Dass es sich bei der Einheit für die Auflage um ‘Exemplare’ oder ‘Stück’ handelt, kann ich mir ja noch zusammenreimen, aber ob die mir zustehenden Summen Cent oder Euro bedeuten ist mir ebenso unbekannt wie die Frage, ob diese pro Zeichen, Wort, Zeile, Absatz, Artikel, Arbeitsstunde, Arbeitstag oder sonstwas bedeuten. Rein theoretisch könnte es sich bei der Vergütung also auch um Käselaibe pro Schaltjahr handeln oder um Kinokarten pro Quartal.”

4. Interview mit Wolfram Weimer
(fr-online.de, Joachim Frank und Daland Segler)
Der neue “Focus”-Chefredakteur Wolfram Weimer appeliert “an die Verlage, auf Qualität zu setzen” – das sei auch eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft. “Qualität, Glaubwürdigkeit, Evidenz. Hier müssen wir investieren – die Journalisten wie auch die Verlage.”

5. “Shock as EU says: ‘You can still buy a dozen eggs if you want'”
(tabloid-watch.blogspot.com, englisch)
Die Sonntagsausgabe der “Daily Mail” titelt: “EU to ban selling eggs by the dozen”. Ein Statement der EU dagegen: “Selling eggs by the dozen, for example, will not be banned.”

6. “Allah, Allah, Allah …Goooooooooool”
(blogs.taz.de/arabesken, Karim El-Gawhary, Videos)
“Deutschland-England auf arabisch.”

Ein zweites Mal zum Opfer werden

Pressekodex, Richtline 8.1:

(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (s. auch Ziffer 13 des Pressekodex) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. […]

(2) Opfer von Unglücksfällen oder von Straftaten haben Anspruch auf besonderen Schutz ihres Namens. […]

Pressekodex, Richtlinie 11.3:

Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.

*** Wurde sie tagelang eingesperrt und missbraucht? *** aus *** ist vermutlich eine Woche lang gefangen gehalten und sexuell missbraucht worden.Aber das ist graue Theorie. Bunt hingegen sind die Fotos, mit dem die Angehörigen einer verschwundenen jungen Frau aus Norddeutschland in der vergangenen Woche nach ihr gesucht hatten. Inzwischen ist die Frau wieder aufgetaucht, aber das hält die “Hamburger Morgenpost” natürlich nicht davon ab, die Fotos weiterhin auf ihrer Internetseite zu zeigen.

Und wenn die Polizei den Verdacht äußert, dass es sich um einen Fall von Freiheitsberaubung und ein Sexualdelikt handeln könnte, dann nennt die “MoPo” natürlich weiterhin den vollen Namen und Wohnort der jungen Frau und reichert diese Meldung mit mehreren Bildergalerien an, auf deren Fotos sie gut zu erkennen ist.

Mit Dank an Magnus K.

Gauck, Kachelmann, Migrationshintergrund

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bild.de, ein Alien und ein Rätsel”
(off-the-record.de, Olaf Kolbrück)
Bild.de tischt ein altbekanntes, angebliches “Alien” als “Top-Schlagzeile” auf.

2. “‘Bild’ hat tatsächlich England geschlagen”
(blogmedien.de, Horst Müller)
“Bild” hat den Sieg von Deutschland über England an der Fußball-WM vorausgesagt. An das “vorgegebene Drehbuch des Blattes” haben sich die Spieler aber “nicht akkurat” gehalten.

3. “Einig Zeitungsland”
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
“Ist Springer nicht mehr Springer?” fragt sich Hans Leyendecker angesichts der verlagsübergreifenden Unterstützung der Presse für den Bundespräsident-Kandidaten Joachim Gauck: “Kampf den Roten auf allen Ebenen war fast durchgängig die Parole. Es war schon eine Sensation, als sich Bild im Bundestagswahlkampf 1998 eher raushielt und weder für Helmut Kohl noch für Gerhard Schröder warb.”

4. “Die gebührenfinanzierte Presse”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Thomas Stadler sieht im von den Printverlagen geforderten Leistungsschutzrecht nichts anderes als “eine allgemeine Zwangsgebühr für Presseerzeugnisse”. “Man will eine GEZ für Verlage schaffen. Das Vehikel, das man hierfür bemüht, ist das Urheberrecht, aber um urheberrechtliche Fragen geht es im Grunde nicht.”

5. “Schuldig auf Verdacht”
(zeit.de, Sabine Rückert)
Jörg Kachelmann sitzt seit dem 20. März in Untersuchungshaft, weil die Staatsanwälte “unbeeindruckt von den Erkenntnissen der Gutachter” an der Darstellung der Klägerin festhalten. “In Zeitungen und Magazinen sind Artikel erschienen, die Kachelmanns Charakter fragwürdig erscheinen lassen und das Bild eines rücksichtslosen Egomanen zeichnen, der sich jahrelang in der Maske des sympathischen Sonderlings präsentiert hat.”

6. “Serbe, Albaner oder Schweizer?”
(nzz.ch, ras.)
“Vor einem Jahr berichteten die Agenturen über einen Einbruch, den ein ’27-jähriger Schweizer ohne Migrationshintergrund’ gestanden habe. Ab wann hat ein Schweizer keinen Migrationshintergrund mehr? Wenn er seit mehr als zehn Jahren eingebürgert ist? Wenn beide Elternteile schon den roten Pass erhielten?”

Schöner filetieren

In unserer kleinen Serie “Die etwas unglücklich platzierte Werbeanzeige” hat es mal wieder Bild.de erwischt:

Er brachte Mithäftling um, aß dessen Lunge: Frankreich: 30 Jahre Haft für Kannibalen [...] Bild Shop Küche: Kochen ist wieder Chefsache - Keramik-Messer-Set 49,99 Euro

Mit Dank an Tobias M.

Nachtrag, 19.20 Uhr: Bild.de hat die Anzeige für Messer durch eine für Navigationsgeräte ersetzt.

GNTM, SDA, ORF

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Ware Schönheit”
(zeit.de, Elisabeth Raether und Matthias Kalle)
Im “Zeit Magazin” ist ein langer Artikel zu den Verträgen rund um die Castingshow “Germany’s Next Topmodel” zu lesen. Keine, die bisher zum “Topmodel” gekürt wurde, sei heute Topmodel: “Die Gewinnerinnen sind ProSieben-Gesichter, Markenbotschafterinnen des Senders und der Show geworden.” Die Autoren sind bei der Recherche nicht auf Auskunftsbereitschaft gestossen: “Es scheint wie ein Kartell des Schweigens, mit festen, ungeschriebenen Regeln, und es verwundert, dass junge Frauen sich diesen Regeln unterwerfen, die im Leben eigentlich andere Optionen hätten.”

2. “Neulich im Propagandaministerium”
(diepresse.com, Christian Ortner)
Christian Ortner stört es, dass der ORF die geplante Abschiebung von Arigona Zogaj als “Vertreibung” bezeichnet. “Das ist keine semantische Petitesse, sondern jene Methode der Manipulation, mit der normalerweise Propagandaministerien arbeiten: Wenn die Zogais ‘vertrieben’ werden, dann kann man genauso gut Osama Bin Laden einen ‘Freiheitskämpfer’ nennen.”

3. “Geheimnisse an der frischen Luft”
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
Die “Süddeutsche Zeitung” löst mal wieder das Geheimnis um das Lächeln der Mona Lisa.

4. “Die Macht des Monopols”
(20min.ch, Ronny Nicolussi)
Seit drei Monaten ist die SDA die einzige Nachrichtenagentur der Schweiz. Ex-AP-Schweiz-Mitarbeiter Ronny Nicolussi zieht ein Fazit.

5. “Der Reporter, der aus der Kälte kam”
(blog.rhein-zeitung.de, Tim Kosmetschke)
Tim Kosmetschke über den Mann der ARD im “Mannschaftsquartier” der Fußball-Nationalmannschaft, Claus Lufen. “Es sind Orte wie Malente, Ascochinga und irgendwie auch Spiez, die die Fantasie deutscher Fußballfans beflügeln.”

6. “Fernsehprogramm von Juni 1971”
(retro-tv.de, Video, 22:48 Minuten)
Die 35. Ausgabe von Retro-TV mit der Spielshow “Wünsch Dir was” und den Fernsehserien UFO und “Alles dreht sich um Michael”.

Gottlobpreisung verbartelt

Gottlob, es war Gottlob!

Thorsten Dörting ist sich bei seiner TV-Kritik zum gestrigen WM-Spieltag auf “Spiegel Online” durchaus bewusst, dass er da gerade eine Grenze überschritten hat:

Wenn ein Journalistenschullehrer Namenswitze hört, meckert er, und wenn die Namenswitze unwitzig sind, dann tut der Journalistenschullehrer das gleich noch mal, aber das war jetzt nötig: Gerd Gottlob kommentierte das Spiel des Tages. Und, lieber Fußballgott, wir danken Dir dafür. Zack, der nächste schlechte Witz, wie übel ist das denn!?

Aber der Autor ist verzückt von der Unaufgeregtheit des Kommentators und dessen Einschätzung der Sachlage:

Gottlob hingegen war ganz norddeutscher Kommentator-Kühlschrank, ein Arbeiter im Garten des Sportsprech-Handwerks, ein Kerl, der zwar ein Wort wie “Wahnsinn” in den Mund nimmt, aber es so emotionslos ausspricht, dass Hal 9000 weinen würde vor Neid ob solcher Kälte (Wie gesagt, Sie haben sich ins Kulturressort verlaufen).

Irgendwann Mitte der ersten Halbzeit sagte Gottlob jedenfalls, dass man gar nicht mal so entspannt sein könne angesichts des Spiels der deutschen Mannschaft, und recht hatte er:

Man möchte Dörting in seinem (möglicherweise ironisch oder teil-ironisch gemeinten) Loblied auf den Reporter (“Viel Temperament, wenig Ahnung – das trifft auf so manchen Fußballreporter zu, nicht aber auf den ARD-Kommentator Gerd Gottlob”) ja kaum bremsen, aber es gibt da ein Problem:

Es heißt Tom Bartels und hat gestern im Ersten das Spiel Ghana – Deutschland kommentiert, wie uns die ARD-Sportredaktion auf Anfrage noch einmal bestätigte.

Das haben sie im Nachhinein auch bei “Spiegel Online” gemerkt und den Artikel sang- und klanglos noch ein bisschen viel irrer gemacht:

Zack, der nächste schlechte Witz, wie übel ist das denn!? Und noch dazu irreführend, weil Gerd Gottlob zwar der beste Kommentator der ARD ist, aber natürlich Tom Bartels das Spiel besprochen hat. […]

Herr Gottlob-Bartels hingegen war ganz Kommentator-Kühlschrank, ein aufrechter Arbeiter im Garten des Sportsprech-Handwerks, ein Kerl, der zwar ein Wort wie “Wahnsinn” in den Mund nimmt, aber es so emotionslos ausspricht, dass Hal 9000 weinen würde vor Neid ob solcher Kälte (Wie gesagt, Sie haben sich ins Kulturressort verlaufen).

Irgendwann Mitte der ersten Halbzeit sagte Herr Gottlob-Bartels jedenfalls, dass man gar nicht mal so entspannt sein könne angesichts des Spiels der deutschen Mannschaft, und recht hatte er:

Vorher:
Norddeutscher Kommentator-Kühlschrank: Viel Temperament, wenig Ahnung - das trifft auf so manchen Fußballreporter zu, nicht aber auf den ARD-Kommentator Gerd Gottlob: Der schilderte das Spiel Ghana-Deutschland so emotionslos, dass selbst Kubricks Supercomputer Hal 9000 vor Neid geweint hätte.

Nachher:
Kommentatoren-Kühlschrank im Ersten: Viel Temperament, wenig Ahnung - das trifft auf so manchen Fußballreporter zu, nicht aber auf den ARD-Kommentator Tom Bartels: Der schilderte das Spiel Ghana-Deutschland so emotionslos, dass selbst Kubricks Supercomputer Hal 9000 vor Neid geweint hätte.

Das muss dieser Qualitätsjournalismus sein, von dem man in letzter Zeit so viel hört: Sich erst bei der Suche nach einem Aufhänger vergreifen und diesen Unfug anschließend halbherzig zu korrigieren versuchen.

Mit Dank an C.S.

Nachtrag, 13.40 Uhr: “Spiegel Online” weist jetzt doch auf die Änderungen im Text hin. Mit dieser beeindruckenden … äh: Begründung:

Hinweis: Liebe Leser, in einer ersten Version dieser TV-Glosse wurde Gerd Gottlob als ARD-Kommentator des Spiels Deutschland gegen Ghana ausgewiesen. Dieses satirische Stilmittel führte allerdings viele von Ihnen in die Irre, so dass in der aktuellen Version korrekt auch Tom Bartels als Kommentator genannt wird.

Welt Kompakt, Seelmann-Eggebert, Twain

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das kompakte Honorarfrei-Experiment”
(gefuehlskonserve.de, Deef Pirmasens)
Freiberufler Deef Pirmasens will nicht während einem Tag für die “Welt Kompakt” arbeiten, weil er auf Anfrage per E-Mail erfährt, dass die Zeitung zwar gerne seine Arbeitsleistung zur Befüllung ihrer Spezialausgabe hätte, dafür aber nichts bezahlen möchte. Die Haltung hat sich inzwischen geändert, die angefragten Blogger sollen nun doch, “natürlich”, ein Honorar bekommen.

2. “Neuer Journalismus. Jetzt.”
(kopfzeiler.org, Johannes Kuhn)
Johannes Kuhn stellt “elf Selbstverständlichkeiten zur Zukunft einer lädierten Profession” zusammen.

3. “Na, det flutscht doch”
(holyfruitsalad.blogspot.com, creezy)
Wie auch Frau Indica wünscht sich die “bekennende königliche Hochzeitguckerin” creezy Adelexperte Rolf Seelmann-Eggebert zurück – “immer schön, wenn behauptet wird, eine Königin sei ohne Gatten zur Hochzeit erschienen, während dieser gleichzeitig mit ihr über den Teppich läuft als auch auf dem Balkon beim Empfang zu sehen ist.”

4. “Der erste Borderline-Journalist”
(epd.de, Diemut Roether)
Diemut Roether zum 100. Todestag von “early adopter” Mark Twain: “1874 soll er als erster Autor seinem Verlag ein maschinengeschriebenes Manuskript abgeliefert haben.”

5. “Nicht der Fußball ist schlecht, sondern das Fernsehen, das ihn zeigt”
(sportal.de, Daniel Raecke)
Daniel Raecke stellt eine “mangelnde Urteilsfähigkeit der Journalisten” an der Fußball-WM fest. “Wenn ein englischer Keeper einen Fehler macht, dann deshalb, ‘weil er ein Engländer ist’, was jede Wetteransagerin im deutschen Fernsehen so wiedergeben könnte, weil sich in Deutschland trotz zweier durch Torwartfehler verlorenen WM-Finals (1986 und 2002) die feste Überzeugung hält, dass selbst Sascha Kirschstein besser sei als David James und der DFB ‘nie ein Torwartproblem’ haben werde.”

6. “Why the tabloids enjoy Wimbledon”
(tabloid-watch.blogspot.com, englisch)
Tabloid Watch fragt sich, ob Boulevardmedien Frauentennis auch aus sportlichen Gründen wahrnehmen.

With Or Without You

Wundern Sie sich nicht:

Erst rätselhaft verletzt, dann operiert. Seit Wochen hat man nichts mehr von der berühmtesten Bandscheibe der Welt gehört.

Bild.de erklärt das gerne:

Jetzt sah ein BILD-Leser-Reporter U2-Sänger Bono (50) bei Burger King in Rom – der Superstar geht noch an Krücken!

Die gute Nachricht zuerst: Das Alter stimmt.

Die Zeitangabe “jetzt” ist – gemessen am zeitlichen Abstand von zwei Wochen – für Bild.de-Verhältnisse auch noch halbwegs passend.

Was also könnte noch falsch sein?

Bono. Der war nämlich nur ein Double:

Mit der Unterstützung von “The King” [Burger-King-Maskottchen] und der Doppelgänger von Bono und Richard Gere war eine Guerilla-Marketing-Aktion im Zentrum der Hauptstadt organisiert worden, die das Interesse und die Neugier der Menschen und Paparazzi angezogen hat.

[Übersetzung von uns]

Mit Dank an Ilja.

Nachtrag, 23. Juni: Bild.de hat den kompletten Artikel entfernt.

B.Z., Bild, Express, MSN  etc.

Mit bösem Willen und Spucke

Es geht ausnahmsweise mal nicht um die Leistung der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM, wenn die “B.Z.” schreibt:

Und plötzlich liegt ein dunkler Schatten auf dem Gute-Laune-Fest:

Nein, nach dem Doppelpunkt kommt etwas ganz anderes:

Beim Christopher Street Day (CSD) soll der ehemalige Big Brother-Kandidat Harald Fassanelli (43) mehrere Menschen vor Wut gebissen haben – dabei ist er HIV positiv!

Dieses “dabei”, das da etwas ungelenk in dem Satz rumsteht, ist verräterisch — impliziert es doch, dass die Infektion des Mannes in einem Zusammenhang mit seiner Tat steht. Und damit nicht genug: In Überschrift, Vorspann und dem (nicht sehr langen) Artikel erwähnt die “B.Z.” insgesamt vier Mal, dass der Mann HIV-positiv ist.

In einem weiteren Artikel schreibt sie:

Kurz vor Schluss des bunten Umzuges dann der Schock: ein HIV-Infizierter biss bei einem Streit acht andere Teilnehmer!

Und man fragt sich, ob der “Schock” wohl ausgeblieben wäre, wenn der Mann nicht durch frühere TV-Auftritte als HIV-positiv bekannt gewesen wäre.

Das heißt: Nein, man fragt es sich eigentlich nicht. Die “B.Z.” beantwortet das gerne:

Einem 36-Jährigen soll Fassanelli in den Oberarm gebissen haben, einem 27-Jährigen in die Hand. Die Verletzungen sollen nur oberflächlich sein, sodass eine Infektion mit dem HI-Virus als unwahrscheinlich gilt. Bei einem weiteren Opfer hingegen soll nach einem Biss Fassanellis die Schulter geblutet haben, so der Einsatzleiter der Polizei zu einem Reporter der RBB-Abendschau.

Haben Sie’s gemerkt? Mitten in diesem Absatz war ein Bruch — denn auch, wenn eines der Opfer geblutet hat, bleibt eine Infektion unwahrscheinlich: Im menschlichen Speichel kommen die HI-Viren in einer derart geringen Menge vor, dass sie nicht für eine Übertragung ausreicht.

Genau genommen weiß das auch die “B.Z.”, die in Ihrer Ausgabe jemanden zu Wort kommen lässt, der sich mit dem Thema auskennt:

Dr. Immanuel Hardtmann (45), Internist am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum (Schöneberg), Schwerpunktkrankenhaus für HIV: “Wenn ein HIV-Infizierter andere Menschen mit Biss-Wunden verletzt, ist eine Übertragung der Infektion theoretisch denkbar, jedoch nicht unbedingt wahrscheinlich. Speichel enthält keine nennenswerten Mengen an HI-Viren. Da für eine Übertragung entweder ungeschützter sexueller Verkehr oder Blut-zu-Blut-Kontakt erforderlich ist, müsste im Fall der Biss-Verletzung nicht nur eine Blutung bei dem gebissenen Opfer, sondern auch bei dem Täter, beispielsweise am Zahnfleisch, vorliegen.”

Selbst das ist nicht ganz sicher: Verschiedene Aidshilfen erklären, dass virushemmende Enzyme im Speichel dafür sorgen, dass selbst bei einer Verletzung oder Zahnfleischbluten das Infektionsrisiko gering sei.

Derartig rationale Erklärungen könnten natürlich etwas untergehen in einer Zeitung, deren Titelseite so aussieht:

Entsprechend übt sich auch der “Berliner Kurier” auf seiner Internetseite in Panikmache:

Die Opfer der Attacke werden die nächsten sechs Monate nicht wissen, ob sie nun eventuell angesteckt wurden. So lange dauert es, bis ein Arzt eine HIV-Infizierung definitiv ausschließen kann. Sollte Fassanelli eine offenen Wunde im Mund oder Zahnfleischbluten haben, ist eine Übertragung des Virus durchaus möglich.

Der Kölner “Express” versuchte sich an einer Formulierung, die mutmaßlich beruhigend klingen soll, jetzt aber implizit nahelegt, dass HIV durch Speichel übertragen werden könnte:

Die Opfer der Beißattacke mussten nicht ärztlich behandelt werden – auch eine HIV-Ansteckungsgefahr bestand nicht, da die Verletzungen nicht geblutet haben.

Auch “Bild” möchte offenbar nicht groß zur gesundheitlichen Aufklärung beitragen:

Der Big-Brother-Star biss wild um sich. Schlimmer noch: Er ist HIV-positiv…

Und weiter im Text:

Und zu seiner Entschuldigung: “Ich dachte in diesem Moment nicht daran, dass ich andere anstecken könnte.”

Wahnsinn, wenn es so wäre…

Wie verheerend die ungenau Berichterstattung zu diesem Thema ist, zeigt das Internet-Portal MSN, das all die impliziten Andeutungen endgültig zu expliziter Desinformation gerinnen lässt:

Der 43-Jährige schlug auf seinem Festwagen wild um sich und biss mehrere Personen - besonders brisant, weil Harald mit dem HI-Virus infiziert ist und ihn mit seinem Speichel übertragen könnte!

Mit Dank an Patrick D. und Manny.

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