Suchergebnisse für ‘the’

Herbeizitiert

Wenn die Mitarbeiter von Bild.de nicht wissen, was sie so auf ihre Website packen könnten, gucken sie, was ihre britischen Kollegen schreiben:

Der deutsche IT-Spezialist, Daniel Domscheit-Berg, behauptet in seinem Enthüllungs-Buch: Julian drohte damit, mich "zu jagen und zu töten". Das zitiert die britische Sonntagszeitung "The Sunday Times" aus dem in der kommenden Woche erscheinenden Buch.

Ja. Aber warum zitiert Bild.de, was die “Sunday Times” zitiert — und guckt nicht einfach selbst in das Buch, das in Deutschland in der vergangenen Woche erschienen ist?

Mit Dank an Christoph G.

Monica Lierhaus, Wetten, dass..?, Lenßen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Qualitätsjournalismus à la Tagesspiegel”
(kaperbrief.org)
In Berlin wird ein Gesetzentwurf über die Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben per Volksentscheid angenommen. Tagesspiegel.de veröffentlichte am Sonntagabend trotzdem einen Meinungsartikel, der behauptete, die Initiative habe nicht die erhoffte Mehrheit gefunden. Inzwischen wird der betreffende Artikel auf einen anderen Artikel (“Ägypten nach Mubarak”) umgeleitet.

2. “Top, der Thommy geht”
(fernsehlexikon.de, Michael Reufsteck)
Michael Reufsteck vergleicht den bei “Wetten, dass..?” abtretenden Thomas Gottschalk mit dem FC Bayern München. Als “einzige logische Wahl für die Nachfolge” sieht er Hape Kerkeling.

3. “Schicksale, die man und derer man sich bedient”
(dradio.de, Christian Floto)
Der Auftritt von Monica Lierhaus bei der Gala der Goldenen Kamera im ZDF: “Warum wurde in einem solchen Rahmen auf diese inszenierte Weise und nicht anders massenmediale Öffentlichkeit von vulnerabelster Privatheit zugelassen?”

4. “Fernsehnostalgie im Jurassic-TV”
(philibuster.de, Nadia Shehadeh)
Nadia Shehadeh verstört eher die Reaktionen auf den Auftritt von Monica Lierhaus: “Von nichts sind wir weiter entfernt als von der ‘Normalität’, die Lierhaus mit ihrem Auftritt einforderte, denn Normalität hieße: Eine Abbildung unserer Lebenswelten, die immerhin in etwa unserer Realität entspräche – inklusive all der darin vorkommenden Lebensweisen und -situationen, die von der Normal-Hegemonie unseres Abziehbild-Mensch-Ideals abweicht.”

5. Interview mit Henning von der Osten
(markheywinkel.de)
Mark Heywinkel spricht mit Henning von der Osten, Development Executive bei der TV-Produktionsfirma Constantin Entertainment: “Scripted Reality ist eine eigentlich deutsche Erfindung. Constantin Entertainment produziert dieses Genre überaus erfolgreich mit eigenen Firmen im Ausland.”

6. “#30 – Lenßen der Film”
(fern-gesehen.com, Video, 17:10 Minuten)
Lars Golenia zeigt und beurteilt die schauspielerischen Leistungen in “Lenßen – Der Film”.

Ups, verpflaumt!

Wer Henryk M. Broder kennt, der ahnt, dass der hauptberufliche Polemiker nur so halb bei der Sache war, als er heute auf “Welt Online” die ARD anfiel: Schon die Anrede “Hallo, ARD!” fiel eher moderat aus, noch dazu hat er niemanden mit Hitler oder Goebbels verglichen — Broder war also regelrecht entspannt.

Aber ein Anliegen scheint es ihm schon gewesen zu sein, die ARD-Verantwortlichen darauf hinzuweisen, dass sie am Donnerstagabend “Mubaraks Rede an sein Volk verschlafen” hätten:

Heute war Kai Pflaume mit seinem “Star-Quiz” dran. Und was er mit seinen La-Ola-Promis aus Film, Funk und Fernsehen zu bieten hatte, das war so aufregend, so atemberaubend, so einmalig, so grandios, so sensationell, so spannend, dass Sie sich nicht dazu durchringen konnten, das Quiz für eine Sondersendung abzubrechen und nach Kairo zu schalten, wo gerade Geschichte passierte.

Broder warf den Verantwortlichen vor, sie hätten “Kai und seine Pflaumen weiter raten lassen”, während das ZDF die Rede Mubaraks ausreichend gewürdigt habe.

Im Ersten, so Broder weiter, sei nichts dergleichen zu sehen gewesen:

Als es sich dann kurz vor 23 Uhr ausgequizt und Kai Pflaume seine Geiseln endlich freigelassen hatte, meldete sich Tom Buhrow mit einer Sonderausgabe der “Tagesthemen”, die drei Minuten dauerte.

In seinem milde temperierten Wutbrief hatte Broder ein winziges Detail übersehen: Die ARD hatte das verdammte “Star Quiz” um 21.46 Uhr für eine 24-minütige Sonderausgabe der “Tagesthemen” unterbrochen (nachzusehen in der ARD-Mediathek). Deswegen endete das “Star Quiz”, das wegen eines “ARD Brennpunkts” mit einer Viertelstunde Verzögerung gestartet war, überhaupt erst um kurz vor 23 Uhr.

Diese Informationen scheinen im Laufe des Vormittags auch bei “Welt Online” angekommen zu sein — Broders Text jedenfalls wurde um kurz nach 12 kommentarlos offline genommen. Broder selbst bewirbt sie aber noch in seinem Blog “Die Achse des Guten”.

Mit Dank auch an Kritiker123 und Peter.

Nachtrag, 12.39 Uhr: Broder bittet die “liebe ARD” um Entschuldigung.

Bayern 3, Wikileaks, Frauenquote

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Da-dam-da-dam-da-daaaa-daaa”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Andreas Bernard)
An einem Mittwoch im Januar hört Andreas Bernard den Radiosender Bayern 3: “Unablässig werden die Hörer darüber belehrt, dass schicksalhafte Autoritäten über ihr Dasein entscheiden: das Wetter, der Stau, der Vorgesetzte, die große weite Welt.”

2. “Erst Waldi dann WikiLeaks”
(blogmedien.de, Horst Müller)
Horst Müller stört es, dass ARD und ZDF gelungene Dokumentationen “unter geplantem Ausschluss des ganz überwiegenden Teils der Zuschauerschaft” erst in der Nacht senden.

3. “Weltmacht Wikileaks? – Krieg im Netz”
(mediathek.daserste.de, Video, 44:05 Minuten)
Die Dokumentation “Weltmacht WikiLeaks?” wurde am Mittwochabend um 23.45 Uhr gesendet. Sie beleuchtet den bisherigen Weg der Enthüllungsorganisation Wikileaks und lässt Julian Assange, Daniel Domscheit-Berg und Kristinn Hrafnsson zu Wort kommen.

4. “The Al Jazeera Effect”
(foreignpolicy.com, Hugh Miles, englisch)
Journalisten staatlicher ägyptischer TV-Sender geben ihren Job auf, weil dort eine ganz andere Version der Realität gezeigt wird. “While Al Jazeera was showing hundreds of thousands of people calling for the end of the regime, Egyptian TV showed humdrum scenes of traffic quietly passing by; when Al Jazeera reported hundreds of people queuing for bread and petrol, Egyptian TV showed happy shoppers with full fridges using footage filmed at an unknown time in the past.”

5. “Sport Bild-Watch (14)”
(el-futbol.de, Sidan)
Sidan liest die “Sport Bild”: “Wann immer Karl Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß erwähnt werden, dann ‘fordern’ (Rummenigge) oder ‘drohen’ (Hoeneß) sie etwas, und der Geforderte oder Bedrohte lautet immer van Gaal. Die Botschaft ist klar: diese Männer stehen für Erfolg und sind Erfolg gewöhnt, der Misserfolg stört sie, und der Misserfolg liegt nicht an ihnen, sondern nur am Trainer.”

6. “Teppichetagen”
(themenriff.de, Martina Pickhardt)
Martina Pickhardt beschreibt ihre Erfahrungen mit der Frauenquote.

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Wagners Beste

Seit der Verleihung der “Goldenen Kamera” am Samstagabend scheint es im deutschen Medienbetrieb nur noch ein Thema zu geben: Das Comeback der TV-Moderatorin Monica Lierhaus nach einer schweren Krankheit.

Auch Franz Josef Wagner nahm sich ihrer Geschichte an und schrieb an die “liebe Monica Lierhaus”:

Sie waren die beste Sportreporterin, cool, frech. (…)

Ich denke, dass Sie heute die noch bessere Monica Lierhaus sind. Die wahre. Die coole. Die Fighterin.

Zu dieser Einschätzung muss Wagner in den letzten Jahren gekommen sein — im Juni 2006 hatte er anlässlich der Fußball-WM nämlich noch eine ganz andere Meinung über Frau Lierhaus’ Qualitäten als Sportreporterin:

Liebe Monica Lierhaus,

in dem Drama “22 Männer und ein Ball” sind Sie, offen ins Gesicht gesagt, eine Fehlbesetzung. In Serien wie “Die Augenchirurgin” oder “Die Gletscherforscherin” wären Sie wunderbar. Auch als Expertin für die Bauchspeicheldrüse würden Sie eine gute Figur abgeben. Ihr Fußballgeplapper dagegen ist unterirdisch.

Für mich haben Sie die Stimme einer Sparkassenangestellten. Ich denke nicht, daß Ihnen ein Spieler erzählt, wie verzweifelt er ist. Ich denke, daß man einer strengen Frau wie Ihnen überhaupt nichts erzählt.

Wagner schloss damals mit den Worten “Man sagt, Frauen können alles. Auch Fußball?”. Seit wann genau er diese Frage mit “Ja” beantwortet, ist nicht überliefert.

Anonymisierung, Türkenbanden, Tahrir-Platz

6 vor 9

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1. “Wer bei bild.de anonymisiert wird, den kennt bald die ganze Welt”
(lampmann-behn.de/lbr-blog)
Das Blog der Kölner Rechtsanwälte Lampmann, Behn & Rosenbaum zeigt an einem konkreten Beispiel auf, welchen Schutz eine Anonymisierung bei bild.de bieten kann.

2. “Wie die Krone die Angst vor ‘Türkenbanden’ schürt”
(kobuk.at, Yilmaz Gülüm)
Yilmaz Gülüm fragt anlässlich eines Artikels in der “Kronen Zeitung” über einen Überfall bei der Polizeidirektion Wien nach, ob es sich bei den Tätern tatsächlich um eine “skrupellose” Bande von “Türken” handelt, deren Taten “mittlerweile zur Tagesordnung” gehören.

3. “Bericht aus dem Gericht: Die ethnische Zugehörigkeit des Angeklagten tut hier nichts zur Sache”
(mainpost.de, Anton Sahlender)
Anton Sahlender, Leseranwalt der “Mainpost”, entschuldigt sich nach einer Beschwerde beim Presserat, dass seine Zeitung die ethnische Zugehörigkeit eines Angeklagten ohne “begründeten Sachbezug” nannte. “Es lässt sich leider nicht ausschließen, dass mit den Informationen im Beitrag Vorurteile gegen jene Minderheit geschürt werden konnten oder entstanden sind.”

4. “Im Würgegriff der Exklusivität”
(pushthebutton.de, Hardy Prothmann)
“Aus Kairo berichtet Matthias Gebauer” steht über einem Artikel von “Spiegel Online”. Hardy Prothmann analysiert den Text und vergleicht ihn mit anderen Quellen.

5. “Assange oder Die Zurichtung einer Kanaille”
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal über das Bild, dass “Bild” von Julian Assange pflegt: “Dessen schillernder Charakter ist der ideale Transmissionsriemen für Abrechnung & Auflage.”

6. “How Many People Are in Tahrir Square? Here’s How to Tell”
(wired.com/dangerroom, 1. Februar, englisch)
Wie viele Millionen Menschen passen eigentlich auf den Tahrir-Platz in Kairo?

Lierhaus, Focus, Dschungelcamp

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Monica Lierhaus”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Chefredakteur Kai Gniffke kann für die “Tagesschau” keine Relevanz im Gala-Auftritt von Monica Lierhaus erkennen. “Aber es war und ist bis heute von so hohem Gesprächswert, dass wir diesen Auftritt in der Tagesschau am Sonntag haben mussten.”

2. “Jugend schreibt”
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Nachwuchskräfte im Journalismus brauchen konstruktive Kritik, um besser zu werden: “Angesichts der chronischen Unterbesetzung vieler Lokalredaktion mag es fast wie ein Wunschtraum klingen, aber irgendjemand sollte eigentlich noch mal vor Veröffentlichung über jeden Text drübergucken — besonders über die von Berufsanfängern, die noch nicht mal theoretisch mit journalistischer Ethik in Kontakt gekommen sind.”

3. “Kann der Focus titeln?”
(dieganzewahrheit.org, Thomas Weiss)
Thomas Weiss liest die aktuelle “Focus”-Titelgeschichte “Kann der Islam Freiheit?”: “Die Focus-Empfehlung, um weitere Nahost-Kriege zu verhindern: Lieber keine Demokratie für die Ägypter. Ist auch besser für die Urlaubsplanung.”

4. “Sonderform des Irrsinns”
(idowa.de, Martin Balle)
Martin Balle denkt im “Straubinger Tagblatt” darüber nach, warum die RTL-Sendung “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” so viele Zuschauer anziehen konnte: “Sie schauen es deshalb an, weil es bei vielen den eigenen emotionalen und geistigen Möglichkeiten so passgenau entspricht. In ihrem persönlichen Entfremdungsgeschehen sitzen sie seit Jahren mit denselben Menschen in denselben Büros in derselben Langeweile. Aber ausbrechen können sie nicht – wie die im Dschungel-Camp, die Abläufe sind streng reglementiert, und wer die Regeln verlässt, der wird entlassen.”

5. “Was wir von gekauften und verkauften Links halten”
(googlewebmastercentral-de.blogspot.com)
Florian Allwein und Uli Lutz vom Search Quality Team bei Google erklären ihren Standpunkt zum Linkhandel. “Links zu kaufen und zu verkaufen schadet den Benutzern von Google, die die bestmöglichen Suchergebnisse erwarten.”

6. “Endlich: n-tv weitet Ägypten-Berichterstattung aus!”
(claushesseling.de, Screenshot)

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Da ist die Tür!

Mit dem Verständnis von juristischen Themen (Menschenrechts-Chartas, Gesetze, Strafprozessordnungen) haben sie’s bei “Bild” nicht so. Was spätestens dann ein bisschen blöd wird, wenn die Zeitung über juristische Themen zu berichten versucht.

Heute sieht das Ergebnis so aus:

Kachelmann-Prozess: Richter wirft Alice Schwarzer aus dem Gerichtssaal.
Jörg Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn hatte bei der Zeugenaussage einen Sachverständigen gefragt, ob dessen Rechtsbeistand eine Empfehlung von Alice Schwarzer gewesen sei. Der Sachverständige hatte verneint und betont, keinen Kontakt mit der Feministin gehabt zu haben. Schwenn beantragte daraufhin die Vernehmung der “Bild”-Gerichtsreport-Praktikantin als Zeugin.

Oder, wie “Bild” es heute formuliert:

Dann wendet Schwenn sich triumphierend der Journalistin zu: “Das bedeutet, dass es mit der Beobachterrolle der Zeugin Schwarzer ein Ende hat.”

Nur Sekunden später fordert Richter Michael Seidling die “Emma”-Herausgeberin zum Gehen auf: “Frau Schwarzer, ich darf Sie bitten, den Saal zu verlassen, weil Sie als Zeugin in Betracht kommen.”

DER RICHTER WIRFT ALICE SCHWARZER AUS DEM SAAL!

Laut Strafprozessordnung darf sie nicht mehr im Zuschauerraum sitzen – bis über den Antrag von Schwenn entschieden ist.

Der letzte Satz ist richtig — und lässt die Empörung im vorherigen Satz und der Überschrift um so alberner wirken. Nach ihrer möglichen Zeugenaussage (bei der sie als Journalisten noch dazu vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen dürfte), dürfte Schwarzer dann wieder ganz normal im Zuschauerraum Platz nehmen.

Alice Schwarzer lässt sich von “Bild” mit den Worten zitieren, das Ziel von Kachelmanns Anwalt sei es, “alle Journalisten im Saal loswerden, die ihm nicht passen”.

Das mag sein. Aber dass man nicht unbedingt im Saal sein muss, um über den Prozess zu berichten, müsste Frau Schwarzer selbst doch am besten wissen.

Mit Dank an noir, spot, Robert W., Sebastian A. und Tim G.

Jugendreporterin im Zwielicht

Es ist ja immer alles noch schlimmer, als man glaubt.

Am Dienstag hatten wir berichtet, dass eine Jugendreporterin des Kölner “Express” eine Agenturmeldung gekürzt und die Handlung von der Uni Bremen an die Bochumer Uni verlegt hatte, um den Text dann unter ihrem eigenen Namen auf express.de zu veröffentlichen.

Doch das war, wie Eduard Zimmermann zu sagen pflegte, leider kein Einzelfall: Alle drei Artikel, die die junge Frau bisher auf express.de veröffentlicht hatte (einer davon auch im gedruckten “Express”), waren Plagiate.

Im Juli schrieb sie über den “tödlichen Trend ‘Binge-Drinking'” und formatierte dazu eine Pressemitteilung der DAK um. Das Ergebnis nannte sie ein “X-Scout-Interview” mit einem DAK-Experten.

Anfang Januar kürzte sie für eine Reportage über eine Hebamme, die junge Mütter betreut, einen ddp-Artikel, der fast exakt ein Jahr zuvor bei “FR Online” veröffentlicht worden war. Um den Bericht für die Jugendseite der Kölner Boulevardzeitung relevant zu machen, siedelte sie die Hebamme dazu kurzerhand von Offenbach nach Gummersbach um und machte die 22-jährige Mutter vier Jahre jünger.

Schon eine winzige Google-Suche nach der zitierten Uni-Mitarbeiterin bzw. der Hebamme hätte weitergeholfen: Das jeweils erste Suchergebnis verrät die tatsächliche Wirkungsstätte der Damen. Das sieht schon gefährlich danach aus, als ob die “Express”-Redaktion die Werke der jungen Reporter überhaupt nicht betreut.

Auf unsere Anfrage erklärte die Online-Redaktion des “Express”:

Wir entschuldigen uns für diesen bedauerlichen Vorfall und werden die Sache mit der jungen Teilnehmerin unserer X-SCOUTS-Aktion sowie dem zuständigen Redakteur besprechen.

Unsere Mitmach-Aktion läuft seit mehreren Jahren sehr erfolgreich: Junge Menschen bekommen die Möglichkeit, über ihre Themen zu berichten, Promis zu treffen und erste Erfahrungen in der journalistischen Arbeit zu sammeln. Es wäre schade, wenn durch diesen bisher einmaligen Vorfall andere X-SCOUTS unter einen Generalverdacht kämen. Sie können sicher sein, dass wir die Sache sehr ernst nehmen und auch mit den Teilnehmern der Aktion besprechen werden.

Alle drei Texte wurden anschließend bei express.de offline genommen.

Mit Dank auch an Richard S.

Jay Khan’s doch noch

Beliebtheit wird offenbar seit einiger Zeit in der neuen Einheit “Fans bei Facebook” gemessen. Dementsprechend schlug das, was die Landau Media AG heute zu berichten hatte, ein wie eine Bombe:

Dschungel-Stars auf Facebook: Jay Khan verliert Online-Fangemeinde

Die öffentlich zur Schau gestellte Dschungelcamp-Affäre von Tariq Jay Khan mit Indira Weis hat der Popularität beider Sternchen im sozialen Netzwerk Facebook geschadet. Die Zahl der Jay Khan Fans stürzte von fast 7.300 auf 600 ab. Indira Weis belegt mit 2.905 Fans den undankbaren vierten Platz. (…) Selbst der mit dem Silbermedaillengewinn belohnte Thomas Rupprath erreicht nur rund 1.100 Fans (…)

Zahlreiche Online-Medien verbreiteten die Horrornachricht vom plötzlichen Facebook-Gesichtsverlust von Jay Khan munter weiter, darunter Bild.de (inzwischen gelöscht), taz.de, die Onlineauftritte von “Berliner Morgenpost” und “Augsburger Allgemeine”, Welt.de und viele andere.

Abgesehen davon, dass Thomas Rupprath nur Dritter wurde und deshalb wohl eher als “Bronzemedaillengewinner” bezeichnet werden darf, hat die Landau Media AG — laut eigener Auskunft einer der führenden Anbieter im Bereich Medienbeobachtung und Medienresonanz-Analysen in Deutschland — jedoch auch einen richtig groben Fehler begangen: Statt die Anzahl der Fans der offiziellen Facebook-Seite von Jay Khan an zwei verschiedenen Zeitpunkten zu messen, hat Landau Media die 7.300 Fans (Stand: 28. Januar) der offiziellen Seite mit den 617 Fans einer völlig anderen, inoffiziellen Jay-Khan-Fan-Seite (womöglich diese hier) verglichen.

Die offizielle Facebook-Seite des Sängers hat in Wirklichkeit überhaupt keine Verluste hinnehmen müssen. Im Gegenteil: Dank des Medienrummels von heute konnte Jay Khan die Zahl seiner Facebook-Anhänger sogar noch einmal kräftig erhöhen (Stand: 17.46 Uhr):

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Immerhin express.de und mopo.de waren clever genug, selbst nachzuschauen. Sie schrieben beide:

Wir haben nachgeschaut und zwei Fanseiten von Jay Khan gefunden. Auf seiner offiziellen Seite hat er noch 7664 Fans. (Stand 2. Februar 2011, 12 Uhr).

Mit Dank an Rene W., Diana B., Kieler, Timo H., Anne, Moritz N. und Björn Sch.

Nachtrag, 22.40 Uhr: Die “Augsburger Allgemeine” hat sich Bild.de inzwischen angeschlossen und den Artikel über Jay Khans Facebook-Verluste ohne Erklärung gelöscht.

2. Nachtrag, 4. Februar: Morgenpost.de und Welt.de haben den ursprünglichen Artikel jeweils durch einen neuen mit dem Titel “Jay Khan hat mehr Facebook-Anhänger als gedacht” ersetzt, in dem der Fehler transparent erklärt ist. Auf Welt.de findet sich trotzdem noch eine falsche Version, die wohl automatisch aus der Printausgabe übernommen wurde.

3. Nachtrag, 4. Februar: Landau Media verteidigt sich in einer Fußnote folgendermaßen:

Die Fanpage-Seite von Tariq Jay Khan wurde zum Punkt der Auswertung offline gesetzt (28.01.2011) und erst am 01.02.2011 wieder online gestellt.

Das erklärt trotzdem nicht, warum Landau Media einfach ohne Hinweis einen Vergleich mit einer anderen Fan-Page durchgeführt hat.

4. Nachtrag, 4. Februar: Landau Media spricht in einem neuen Update, das dennoch mit dem Datum von gestern versehen ist, inzwischen von einer “Achterbahnfahrt für Jay Khan”. Dass Landau Media selbst Jay Khan durch einen Vergleich zweier verschiedener Fanseiten ohne Hinweis und die mitgelieferte, äußerst subjektive Begründung auf die “Achterbahnfahrt” geschickt hat, scheint aber immer noch nicht angekommen zu sein.

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