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Berlusconis Kontrolle, Unfaires übers Fairness-Abkommen, Globaler Süden

1. Berlusconi-Konzern erhält volle Kontrolle bei ProSiebenSat.1
(spiegel.de)
Die italienische Medienholding MediaForEurope, geführt von Pier Silvio Berlusconi, habe sich die Mehrheit an ProSiebenSat.1 gesichert und halte nun über 75 Prozent der Anteile. Damit erhalte der Konzern umfassende Kontrolle über das Unternehmen und könne einen Beherrschungsvertrag abschließen. Berlusconi habe angekündigt, den Standort Deutschland zu stärken, und betone, die redaktionelle Unabhängigkeit wahren zu wollen.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Was uns droht, kennen wir aus Italien: ‘Bunga-Bunga-TV’. Sexistische Shows, rechtspopulistische Stimmungsmache, seichte Unterhaltung. Bis am Ende nur noch Entertainment und Propaganda übrig sind. Inhalte, die den Eigentümern nützen und ihrer politischen Agenda dienen.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:09 Minuten)

2. “Fairness-Abkommen” Köln: Medien schreiben schon wieder BILD-Lügen ab!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk kritisiert in seinem Beitrag für den “Volksverpetzer”, dass Medien wie “Bild”, “Welt” und “Focus” das Kölner “Fairnessabkommen” zwischen demokratischen Parteien fälschlich als “Maulkorb” oder “Asyl-Schweige-Pakt” darstellen. Das Abkommen verpflichte die unterzeichnenden Parteien lediglich zu einem respektvollen Umgang im Wahlkampf. Es verbiete keineswegs Diskussionen über Migration. Selbst seriöse Medien hätten diese Falschdarstellungen übernommen.

3. Frieden, Feinde, AfD
(taz.de, Ambros Waibel)
Bei der “Berliner Zeitung” stehe ein erneuter Wechsel in der Chefredaktion an: Ab November übernehme Philippe Debionne, zuletzt Chefredakteur beim umstrittenen “Nordkurier”. Auch bei anderen Medien wie der “Welt” würden sich personelle und inhaltliche Verschiebungen nach rechts zeigen, was die Frage aufwerfe, ob es um politische Tendenzen oder bloß um die geschäftliche Ausschlachtung gesellschaftlicher Polarisierung geht.

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4. Die mediale Vernachlässigung des globalen Südens
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 36:39 Minuten)
Der Globale Süden komme in Medien kaum vor, weder in den privaten noch in den öffentlich-rechtlichen, obwohl dort 85 Prozent der Weltbevölkerung leben. Wie kommt es zu dieser verengten Perspektive? Darüber diskutiert der Kulturwissenschaftler Ladislaus Ludescher mit der Journalistin Sham Jaff und dem Deutschlandfunk-Nachrichtenchef Marco Bertolaso.

5. Auftakt zum langfristigen Schwerpunkt “Theater und Journalismus”
(correctiv.org)
Das Schauspiel Köln und “Correctiv” bringen ab dem 10. September das Stück “Geheimplan gegen Deutschland – Ein Nachspiel” auf die Bühne und zeigen es auch per Livestream. Die Aufführung basiere auf der “Correctiv”-Recherche zum geheimen Treffen rechtsextremer Akteure in Potsdam und thematisiere die Folgen für Gesellschaft und Politik. Die Inszenierung sei zugleich der Auftakt einer langfristigen Kooperation von “Theater und Journalismus”, bei der investigative Recherchen künstlerisch umgesetzt werden sollen.

6. Bald Mindestalter für soziale Medien?
(zdfheute.de, Dorthe Ferber & Jan Henrich)
Die Bundesregierung habe eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt, um bis Sommer 2026 Vorschläge für besseren Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum zu erarbeiten. Angesichts hoher Bildschirmzeiten und wachsender Risiken wie Extremismus oder Abhängigkeit sollen die Fachleute auch über Altersgrenzen für Soziale Netzwerke diskutieren.

Eklat um Donnepp Media Award, Kein selbstschießendes Auto, Privatsache

1. Donnepp Media Award wegen Antisemitismusvorwürfen aberkannt
(epd.de)
Im vergangenen Januar wurden die vom “Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises” gestifteten Donnepp Media Awards verliehen. Ein Preis ging an die Abiturientin Judith Scheytt, die sich unter anderem kritisch mit der deutschen Nahost-Berichterstattung beschäftigt. Nun sei Scheytt der Preis aberkannt worden. Ihr werde vorgeworfen, die Hamas-Rhetorik auszublenden und Israel pauschal Kriegsverbrechen vorzuwerfen. Scheytt hat dem auf Instagram widersprochen. Es sei “nicht die Aufgabe von Medienkritik, Verständnis für militärische Operationen zu zeigen.” Teile der Jury seien deutlich gegen die Aberkennung der Preises gewesen. Und auch die für ihren Medienjournalismus ausgezeichnete Mit-Preisträgerin Annika Schneider ist spürbar entsetzt: “Die Vereinsvertreter haben sich offensichtlich mit ihrer Arbeit und ihren Themen nicht ausreichend auseinandergesetzt, weder vor noch nach der Preisverleihung. Sonst hätten sie gewusst, dass die Auszeichnung Kritiker auf den Plan rufen wird – und sich dafür besser gewappnet. Sonst hätten sie verstanden, dass ihr Einknicken genau die Schieflage beweist, die Judith Scheytt immer wieder kritisiert.” Mit bemerkenswerter Konsequenz gibt Schneider nun ihren eigenen Preis zurück: “Ich möchte mich nicht für ‘guten Medienjournalismus’ auszeichnen lassen von einem Verein, der dessen Prinzipien selbst nicht einhält.” Sie werde Statue und Urkunde zurücksenden und die erhaltenen 5.000 Euro zurücküberweisen.

2. Nein, in China gibt es keine selbstschießenden Polizeiautos
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Medienberichte über selbstschießende Polizeiautos in China würden auf einer Fehlinformation beruhen, berichtet Hans Kirchmeyr bei “Kobuk”. Ein falsch übersetzter chinesischer Bericht habe ein Kamerasystem mit einem “Schießgerät” verwechselt, das sich bei genauerer Prüfung lediglich als Notruf- und Überwachungstechnik entpuppt habe. Die Falschmeldung habe sich ausschließlich im deutschsprachigen Raum verbreitet, ausgelöst durch ein irreführendes Video des Contentanbieters “KameraOne”.

3. X sieht kein Problem, wenn Nutzer SA-Parole verwenden
(t-online.de, Lars Wienand)
Elon Musks Plattform X weigere sich weiterhin, deutschen Behörden Nutzerdaten herauszugeben, selbst in strafrechtlich relevanten Fällen wie der Nutzung von NS-Parolen. Die Staatsanwaltschaft ermittele deshalb inzwischen gegen mehrere X-Manager wegen möglicher Strafvereitelung. Die Social-Media-Plattform berufe sich auf angebliche Verstöße gegen Europarecht und fordere, dass deutsche Ermittler stattdessen den langwierigen Weg über US-Rechtshilfeabkommen gehen sollen.

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4. Rechtspopulist soll nach Beleidigung von taz-Reporter zahlen
(taz.de)
Wie die “taz” berichtet, muss der rechtspopulistische YouTuber Anthony Lee 100 Euro zahlen, um einer Anklage wegen Beleidigung zu entgehen. In mehreren Videos habe Lee den “taz”-Redakteur Jost Maurin massiv beschimpft, darunter mit Ausdrücken wie “Arsch” und “Idiot”. Die Staatsanwaltschaft sehe darin einen strafbaren Angriff auf die Menschenwürde. Maurin werte die Entscheidung als Signal gegen rechte Demagogie.

5. RTL Group will für Sky-Übernahme vier Mio. Aktien zurückkaufen
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die RTL Group plane, bis zu vier Millionen eigene Aktien zurückzukaufen, um eine “variable Kaufpreis-Komponente” für die Übernahme von Sky Deutschland abzusichern. Diese Komponente hänge vom künftigen Kurs der RTL-Aktie ab und könne bis zu 377 Millionen Euro betragen. Bertelsmann, Hauptaktionär der RTL Group, wolle dabei die Hälfte der angestrebten Aktien beisteuern.

6. Auch eine Promi-Hoch­zeit ist Pri­vat­sache
(lto.de, Hasso Suliak)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass Medien wie die “Bild”-Zeitung nicht identifizierend über nichtprominente Ehepartner von Prominenten berichten dürfen. Im konkreten Fall hatte der Ehemann von Ex-Model Nadja Auermann erfolgreich auf Anonymitätsschutz geklagt. Die Berichterstattung über seine Hochzeit mit Auermann habe seine Privatsphäre verletzt. Laut “Legal Tribune Online” stärke das Urteil den Persönlichkeitsschutz von Privatpersonen und dürfte künftige Promi-Berichterstattung in ähnlichen Fällen deutlich einschränken.

Berlusconi in Berlin, Medaille für Döpfner, Stammtisch-Feuilleton

1. Kulturstaatsminister Weimer empfängt Berlusconi in Berlin
(t-online.de)
Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 stehe vor der Übernahme durch die italienische Medienholding MediaForEurope (MFE) der Berlusconi-Familie. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe deshalb den MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi zu einem Gespräch ins Kanzleramt eingeladen, um über die Zukunft von ProSiebenSat.1 zu sprechen. “Meine Besorgnis kreist um die Frage, ob die journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit auch nach einem Eigentümerwechsel gewahrt bleibt”, habe Weimer bereits im Juli gegenüber dem “Spiegel” gesagt. Die bayerische Landesregierung und die zuständige Landesmedienanstalt ständen der Übernahme jedoch wohlwollend gegenüber.

2. Bild dir deinen Freund
(taz.de, Pauline Jäckels)
Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, soll von Israel mit der höchsten Ehrenmedaille ausgezeichnet werden – nicht für journalistische Leistungen, sondern wegen seiner öffentlichen Unterstützung Israels nach dem Hamas-Angriff. Kritiker würfen Döpfner vor, dabei die journalistische Distanz aufgegeben und stattdessen die israelische Regierungslinie einseitig verbreitet zu haben. Zudem stehe der Springer-Verlag in wirtschaftlicher Verbindung zu umstrittenen Siedlungsprojekten im Westjordanland.

3. Neubesetzungen im RBB verzögern sich
(verdi.de, Volker Nünning)
Volker Nünning hat sich mit den Personalien beim krisengeschüttelten RBB beschäftigt. Demnach könnten wichtige Führungspositionen länger unbesetzt bleiben, da der öffentlich-rechtliche Sender die Neubesetzungen mit dem laufenden Umbauprozess abstimmen wolle. Katrin Günther werde ihren Posten als kommissarische Programmdirektorin zwar Ende September abgeben, dem RBB aber voraussichtlich in anderer Funktion erhalten bleiben. Die Wahl ihrer Nachfolge könnte am 1. Oktober im Rundfunkrat erfolgen. Weitere Führungspositionen würden offenbar erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgeschrieben.

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4. Das Stammtisch-Feuilleton der “Zeit”
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Lisa Kräher kritisiert, dass ein Autor der “Zeit” in einem Essay versucht habe, den Aufstieg der Neuen Rechten zu erklären, indem er rechte Narrative über eine angeblich übergriffige linke Identitätspolitik weitgehend übernommen habe. Der Text von Jens Jessen operiere mit populistischen Klischees über Veganismus, Gendern und Diversity-Trainings. Besonders problematisch sei, dass Jessen linke Anliegen mit autoritären Umerziehungspraktiken verglichen habe, ohne zu differenzieren, was die politische Linke eigentlich sei.

5. Der nordische Medien-Sozialstaat – vorsichtiger Optimismus
(de.ejo-online.eu, Johann Roppen)
In den nordischen Ländern genössen öffentlich-rechtliche und vertrauenswürdige Medien weiterhin große Reichweiten und Unterstützung. Im Vergleich zu anderen Ländern führe das zu weniger Polarisierung und einem stabileren Medienkonsum. Trotz wachsendem Druck durch globale Internetkonzerne sei der Medien-Sozialstaat dort noch nicht verschwunden, was vorsichtigen Optimismus für eine gemeinsame, nachhaltige Zukunft ermögliche.

6. Bulo’s Beobachtungen: Was Verleger von Kolumnisten lernen können.
(turi2.de, Peter Böhling)
“turi2”-Kolumnist Peter “Bulo” Böhling macht sich Gedanken über die Zukunft der Verlage. Seine Prognose: “Die großen werden immer mehr mit den GAFAs ins Bett steigen und sich so im Ranking nach oben schlafen, das es schon wegen der Content-Anzeigen weiter geben wird, auf die Google & Co. vorerst sicher nicht verzichten wollen. Das wird den Markt immer stärker polarisieren und letztlich amerikanische Verhältnisse einleiten, wo schon jetzt ein Kampf der Gesinnungsgiganten tobt.” (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: “GAFA” ist die Abkürzung für die vier großen Internetkonzerne Google, Apple, Facebook und Amazon.)

KW 35/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was hat Döpfner mit Springer vor? Eine riskante Wette auf KI und Techbosse
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg & Nils Altland, Audio: 27:40 Minuten)
Bei “BR24 Medien” geht es um den eingeschlagenen KI-Kurs von Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Verlags, und die Frage, wie Springer Vorreiter beim KI-basierten Journalismus werden könnte. “Zapp”-Reporter Nils Altland ist skeptisch: “Anders als Mathias Döpfner glaube ich nicht, dass KI die Qualität der journalistischen Produkte verbessern wird. Vielleicht sehen das bei Axel Springer intern auch einige so. Aber Mathias Döpfner ist bei Springer so mächtig, dass er nicht mit viel Widerspruch rechnen muss.”

2. Lesen als Klassenfrage
(wdr.de, Audio: 8:17 Minuten)
Die Literaturwissenschaftlerin und Soziologin Caroline Amlinger spricht über neue Studien zum Leseverhalten in Deutschland und den USA. Demnach läsen besonders junge Männer, Menschen mit niedriger Bildung und Bewohner ländlicher Regionen kaum noch Bücher, während sich eine bildungsnahe “Reading Class” herausbilde, die Lesen als kulturelles Kapital nutze. Amlinger analysiert, warum Lesen für viele nicht mehr zum Alltag gehört, weshalb Hörbücher boomen, und welche Rolle finanzielle Anreize spielen könnten.

3. Wie Journalismus Vertrauen zurückgewinnen kann
(deutschlandfunkkultur.de, Christian Rabhansl, Audio: 21:22 Minuten)
In der Sendung “Lesart” spricht Christian Rabhansl mit zwei der drei Autorinnen beziehungsweise Autoren des Buches “Medien zwischen Macht und Ohnmacht” über die Ursachen des Vertrauensverlusts in den Journalismus. Nadia Zaboura und Rainer Nübel betonen, dass das Misstrauen nicht nur von der jungen Generation ausgehe, sondern auch mit dem Medienverhalten, der gesellschaftlichen Entfremdung und journalistischen Versäumnissen zusammenhänge. Sie fordern mehr Aufklärung über journalistische Arbeitsweisen, eine breitere Themen- und Gästeauswahl in Talkshows sowie einen Journalismus, der nicht nur Probleme benennt, sondern auch Lösungen diskutiert.

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4. Entpört euch! Politische Wut auf Social Media (und im Real Life) effizienter kanalisieren
(youtube.com, Hanna Klimpe, Video: 1:06:58 Stunden)
Die Kommunikationswissenschaftlerin Hanna Klimpe erklärt in ihrem Vortrag an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wie demokratische Empörung in den Sozialen Medien schnell zur ungewollten Verstärkung rechter Narrative führen kann. Anhand zahlreicher Beispiele und Studien zeigt sie, warum emotional geteilte Inhalte zwar für Sichtbarkeit sorgen, aber selten zu politischer Veränderung führen. Plattformlogiken, algorithmische Verstärkungen und performative Empörung untergrüben laut Klimpe die reale Handlungskraft. Sie plädiert für einen bewussteren Umgang mit digitalen Öffentlichkeiten und fordert mehr echte politische Beteiligung.

5. Warum rechte Podcasts so erfolgreich sind – Wolfgang M. Schmitt im Gespräch
(youtube.com, Matthias A. Narr, Video: 1:34:44 Stunden)
Im Gespräch mit Matthias A. Narr analysiert Film- und Medienkritiker Wolfgang M. Schmitt, warum rechte Podcasts derzeit besonders viel Resonanz erfahren. Es geht um apokalyptisches Denken, rhetorische Verführung und die Attraktivität vermeintlich ungeschminkter Meinungen. Schmitt erläutert, wie rechte Formate Gemeinschaft, Glaube und Identität inszenieren. Beide kritisieren eine zunehmende gesellschaftliche Entzweiung.

6. Warum Cutter am längeren Hebel gegen Content Creator sitzen
(youtube.com, Chan-jo Jun, Video: 28:24 Minuten)
Die Juristen Chan-jo Jun und Falk Reuter analysieren den öffentlich ausgetragenen Konflikt zwischen dem Streamer “Papaplatte” und dessen langjährigem Cutter. Themen, die dabei angesprochen werden, sind unter anderem ungeklärte Gewinnbeteiligungen, fehlende Verträge, das Urheberrecht und die Frage, ob mündliche Absprachen über Jahre hinweg bindend sind. Jun und Reuter erklären anschaulich, welche rechtlichen Aspekte bei gemeinsamer Contentproduktion zu beachten sind und warum es klug ist, kreative Kooperationen frühzeitig klar zu regeln, statt auf gut Glück zu improvisieren.

Russische Staatsmedien, Schwer geschwindelt?, “Algospeak” in LA

1. Russische Staatsmedien werden trotz Verbots in Deutschland stark genutzt
(spiegel.de)
Laut einer Studie des “Institute for Strategic Dialogue” lassen sich russische Staatsmedien auch drei Jahre nach dem EU-weiten Verbot weiterhin leicht erreichen und werden in Deutschland besonders stark genutzt. Trotz zehntausender monatlicher Zugriffe auf Seiten wie “RT” oder “Ria Nowosti” sei die Umsetzung der Sperren durch europäische Provider uneinheitlich geblieben.

2. Dating, Drehbuch, Daumenschrauben: Schwindel um “Schwer verliebt”?
(dwdl.de, Christian Richter)
Im Mittelpunkt der neuen “Telegeschichte(n)” von Christian Richter steht die erste Staffel der Sat.1-Kuppelshow “Schwer verliebt”. Kandidatinnen und Kandidaten hätten sich von der Produktionsfirma unter Druck gesetzt gefühlt und unnatürliche Szenen nachstellen müssen. Eine Lokalzeitung habe damals brisante Details aus den Verträgen veröffentlicht, was bundesweite Empörung über “Schwer verliebt” und Prüfungen durch Aufsichtsbehörden auslöste.
Weiterer Lesehinweis: Den ersten Teil der Geschichte gibt es hier.

3. Demopalooza
(zeit.de, Rose Tremlett).
Auf TikTok würden Aktivistinnen und Aktivisten in Los Angeles “Algospeak” verwenden, indem sie beispielsweise Demonstrationen als “Musikfestivals” tarnen, um nicht vom Algorithmus benachteiligt zu werden. Kritiker bezweifeln allerdings, dass diese Codesprache eine Zensur wirklich umgehen lasse. Dennoch könne “Algospeak” Bewegungen nützen, weil gemeinsame Schlagworte Sichtbarkeit schaffen. Es sei jedoch nicht klar, wie TikTok damit zukünftig umgehe.

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4. Wer kann sich das Lesen leisten?
(taz.de, Jonas Kähler)
In seinem Kommentar schreibt Jonas Kähler, dass junge Menschen trotz Social Media wieder mehr läsen, und die Buchbranche dadurch wachse. Problematisch sei jedoch, dass steigende Verkaufspreise und geschlossene Bibliotheken den Zugang zu Büchern erschweren würden, und so eine “Lesekrise” drohen könnte. Kähler fordert Maßnahmen wie niedrigere Preise sowie den Erhalt von Buchhandlungen und Bibliotheken.

5. Gamescom in Köln & Gesetz gegen SLAPP-Klagen
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 44:52 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” geht es um die größten Trends der Videospielmesse Gamescom und darum, wie vielfältig die Gamingwelt inzwischen geworden ist. In einem anderen Beitrag diskutieren Experten über das neue Gesetz gegen sogenannte SLAPP-Klagen, die Journalistinnen und Journalisten einschüchtern sollen. Weitere Themen der Sendung sind die Glaubwürdigkeit von Google-Rezensionen sowie die neue TV-Aufteilung der Fußball-Bundesliga zum Saisonstart.

6. Rolf Seelmann-Eggebert: Ehemaliger ARD-Adelsexperte ist tot
(ndr.de, Stefanie Grossmann & Eva-Maria Lemke)
Rolf Seelmann-Eggebert, langjähriger ARD-Adelsexperte, ist im Alter von 88 Jahren in Hamburg gestorben. Er berichtete über viele Jahre hinweg über Europas Königshäuser, prägte als Reporter und Korrespondent aber auch die Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent und Großbritannien. Der NDR würdigt ihn als vorbildlichen Journalisten, der das Programm über sechs Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet habe.

KW 34/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Springer-Chef Döpfner: Heikle Nähe zu Musk, Zuckerberg & Co
(youtube.com, Nils Altland & Nadia Kailouli & Paul Schwenn, Video: 22:18 Minuten)
Das “Zapp”-Gespräch mit Mathias Döpfner zeigt, wie der Springer-Chef den radikalen digitalen Umbau seines Verlags vorantreibt. Er arbeitet fast nur noch mit KI-Tools und dem Smartphone und sieht im digitalen Wandel große Chancen. Zugleich wird deutlich, dass er seit Jahren enge Kontakte zu Big-Tech-Größen wie Elon Musk und Mark Zuckerberg pflegt, obwohl deren Plattformen Springers Geschäftsmodell massiv unter Druck setzen. Kritisch bleibt die Frage, ob und wie Döpfner zwischen Innovation, Abhängigkeit und politischer Nähe zu Big Tech laviert, ohne Glaubwürdigkeit und demokratische Prinzipien zu gefährden.

2. Sensation! Die Macht des Boulevard
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 44:08 Minuten)
In der aktuellen Folge der “Medienversteher” sprechen Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer über den Boulevard-Journalismus. Es geht dabei um die Frage, warum schnelle Schlagzeilen und Geschichten über Stars so viele Menschen faszinieren, aber auch darum, wie Sensationslust, Übertreibungen und Verletzungen von Persönlichkeitsrechten das Vertrauen in Medien schwächen.

3. Sind Medien so divers wie die Gesellschaft?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 22:56 Minuten)
In der neuesten Ausgabe von “BR24 Medien” erörtert Nina Landhofer mit dem Aktivisten Raúl Krauthausen und der Medienwissenschaftlerin Christine Horz-Ishak, warum in Medienanstalten und Verlagen noch immer mehr Männer als Frauen arbeiten, Kolleginnen mit Migrationsgeschichte selten und Menschen mit Behinderung fast gar nicht zu finden sind.

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4. Der Fußball, die Medien und der Overload
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 37:35 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” spricht Christian Jakubetz mit Fußballkommentator Thomas Wagner über die Langeweile der Bundesliga, den “medialen Overload” und die Schattenseiten des Kommerz im Fußballgeschäft. Wagner berichtet, warum aus seiner Sicht viele Fans fußballmüde werden, welche Herausforderungen Reporter im Umgang mit Spielern haben und streut persönliche Anekdoten ein.

5. Spielerisch aktiv? Politisches Engagement und Gaming
(ardaudiothek.de, Michael Meyer & Kai Schmieding, Audio: 17:10 Minuten)
Gamer gelten oft als unpolitisch. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeichne jedoch ein anderes Bild: Auch Vielspieler würden sich für Politik interessieren, sich in Bürgerinitiativen engagieren und ein hohes Vertrauen in die Demokratie zeigen. Ob damit das Klischee widerlegt ist, diskutieren Michael Meyer und Kai Schmieding mit Studienautor Joachim Rother.

6. Nastassja Kinski – Geschichte einer Befreiung
(arte.tv, Marie-Gabrielle Fabre, Video: 53:29 Minuten)
Die Arte-Doku zeichnet den Lebensweg der Schauspielerin Nastassja Kinski nach, die schon als Jugendliche von Wim Wenders entdeckt wurde und mit Roman Polańskis “Tess” sowie Wenders’ “Paris, Texas” Weltruhm erlangte. Es ist die “Geschichte einer Befreiung”: Immer wieder zog sich Kinski überraschend aus dem Filmgeschäft zurück, um sich von ihrer Herkunft und später ihren Rollenbildern zu lösen.

Tausende Euro für Auskunft, Problematische Nähe, Wallraff

1. Wirtschaftsministerium will Tausende Euro für Lobby-Unterlagen zu Katherina Reiche
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche habe in diesem Sommer mehrere Lobbyakteure getroffen, darunter Vertreter ihres früheren Arbeitgebers, dem Verband kommunaler Unternehmen. Die Gesprächsinhalte seien nicht offengelegt worden. Die Plattform “abgeordnetenwatch” habe “auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) Einsicht in die Unterlagen zu den acht Terminen beantragt”. Doch Reiches Ministerium habe mit bis zu 4.000 Euro Gebühren gedroht, indem es den Antrag in acht Teile aufgeteilt habe. Kritiker würden darauf verweisen, dass solche abschreckenden Gebühren vom Bundesverwaltungsgericht bereits 2016 für rechtswidrig erklärt worden seien.

2. Portal von Reichelt und Gotthardt: Was ist “Nius” – und was wird den Machern vorgeworfen?
(tagesspiegel.de, Sven Lemkemeyer)
Beim “Tagesspiegel” geht es noch einmal um das rechtsgerichtete Krawallportal “Nius”. Dem von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und Geldgeber Frank Gotthardt betriebenen Portal werde vorgeworfen, rechtspopulistische Inhalte zu verbreiten, Fakten zu verzerren und als Sprachrohr der Partei “Werteunion” um den früheren Chef des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen zu dienen. Laut dem Medienwissenschaftler Markus Linden überschreite “Nius” gezielt Grenzen und nutze Praktiken der Desinformation.

3. Die problematische Nähe zwischen Kultur und Journalismus in Österreich
(kobuk.at, Philipp Wohltmann)
Bei “Kobuk” macht Philipp Wohltmann auf einen Missstand in der österreichischen Presselandschaft aufmerksam: “In der Kulturberichterstattung von Standard und Presse verschwimmen die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion. Dieselben Autor:innen bewerben Kulturveranstaltungen in bezahlten Anzeigen – und rezensieren diese danach im redaktionellen Kulturteil.”

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4. Solidarität mit inhaftierten Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und mehrere Exilmedien starten eine Postkartenkampagne für die in Aserbaidschan inhaftierte Journalistin Sevinj Vagifgizi, der selbst an heißen Tagen im Gefängnis ein Ventilator verweigert werde. Die Aktion soll auf unmenschliche Haftbedingungen und die zunehmende Repression gegen unabhängige Medien in Aserbaidschan aufmerksam machen. RSF fordert internationalen Druck, damit inhaftierte Medienschaffende freigelassen werden und um die Unterdrückung kritischer Stimmen zu beenden.

5. “Team Wallraff”: RTL muss nichts öffentlich richtigstellen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Hanseatische Oberlandesgericht habe im Streit zwischen den MK-Kliniken und RTL über eine acht Jahre alte Ausgabe von “Team Wallraff” überwiegend zugunsten des Senders entschieden. Eine öffentliche Richtigstellung müsse RTL demnach nicht veröffentlichen, da viele der von den MK-Kliniken kritisierten Passagen als zulässige Meinungsäußerungen oder wahre Tatsachen gewertet worden seien.

6. Lachende Fliegen und kippelnde Beine. Zum Ende der täglichen gedruckten taz
(czyslansky.net, Michael Kausch)
Michael Kausch erinnert in seiner persönlichen Glosse daran, wie sehr gedruckte Tageszeitungen einst zu seinem Alltag gehörten: vom Sportteil in der Kindheit bis zum eigenen Abo im Studium. Er blickt nostalgisch auf die Rolle der “taz” und anderer Blätter zurück, die es bald vorwiegend digital geben wird: “Mit wird etwas fehlen. Ich will gar nicht daran denken.”

Anziehendes Social-Media-Verbot, TikTok, Intendantin haftet

1. Die magische Anziehungskraft des Social-Media-Verbots
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck kritisiert, dass Medien sich einseitig auf die Forderung der Leopoldina nach einem Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren stürzen, obwohl die wissenschaftliche Begründung dafür schwach sei. Er hebt hervor, dass das Diskussionspapier eigentlich viel weiter gehe und das Geschäftsmodell der großen Plattformen grundlegend infrage stelle. Außerdem weist Meineck darauf hin, dass auch Eltern mit ihrem eigenen Verhalten eine zentrale Rolle spielen.

2. Kommt das euro­päi­sche TikTok Verbot?
(lto.de, Tamara Wendrich)
Die EU-Kommission habe im Mai 2025 festgestellt, dass TikTok gegen Teile des Digital Services Act verstoße, insbesondere bei Werbetransparenz und Jugendschutz. Nun würden der Plattform hohe Geldbußen von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes drohen, ein vollständiges Verbot gelte aber als unwahrscheinlich. Die Juristin und Journalistin Tamara Wendrich ist sich jedoch sicher: “TikTok wird nationale und europäische Judikativ- und Legislativorgane sowie politische Akteure in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.”
Weiterer Lesehinweis: Weißes Haus richtet offiziellen TikTok-Account ein: “Donald Trump hat wiederholt mit dem Ende von TikTok in den USA gedroht. Dann räumte er dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance eine Gnadenfrist ein, die er mehrfach verlängerte. Jetzt hat seine Regierungszentrale einen eigenen Account.” (spiegel.de)

3. Intendantin haftet für ihre Millionenausgaben
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg kommentiert die Entscheidung des Berliner Landgerichts, dass die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger persönlich für unrechtmäßige Ausgaben wie Bonuszahlungen und Zulagen hafte: “Das Urteil wird Auswirkungen für den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben. Künftig wird gehaftet. Und das macht nicht nur Sinn, sondern ist überfällig. Schließlich geht es um das Geld der Beitragszahler*innen, die sich – übrigens ebenfalls zu Recht – nicht aussuchen können, ob sie für die solidarisch finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien bezahlen wollen oder nicht.”

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4. Kartellamt genehmigt Verkauf von “Brigitte” und “Gala”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Bundeskartellamt habe den Verkauf der Zeitschriften “Brigitte”, “Gala” und “Eltern” von RTL Deutschland an die Funke Mediengruppe genehmigt. Die Anzeigenvermarktung solle jedoch bei der “Ad Alliance” bleiben, um eine zu starke Marktstellung von Funke zu verhindern. Da es im Segment der Frauenzeitschriften weiterhin ausreichend Wettbewerb gebe, sehe die Behörde keine wettbewerbsrechtlichen Probleme.

5. Britische Journalisten in den 2020ern: Wandel von Rollenverständnis, Werten und Berufsethik
(de.ejo-online.eu)
Das “European Journalism Observatory” unterhält sich mit der Journalismusforscherin Lea Hellmueller über die Ergebnisse des Berichts “UK Journalists in the 2020s”. Im Zentrum stehen die veränderten Rollenbilder britischer Journalistinnen und Journalisten, insbesondere der Generationenkonflikt zwischen objektivem Beobachten und aktivistischem Eintreten für Randgruppen. Zudem geht es um Fragen der Berufsethik, die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse sowie neue Sicherheitsrisiken im Journalismus.

6. Psychologie vermitteln – von der Forschung in den Alltag
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
Ulrike Bremm spricht im “Fachjournalist”-Interview mit dem Wissenschaftsjournalisten Jochen Metzger. Thema sind Metzgers Weg in den Journalismus, seine Spezialisierung auf Psychologie sowie seine Arbeitsweise zwischen Forschung, Alltagsvermittlung und Podcast. Außerdem geht es um den Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf seine Arbeit und um Ratschläge, die Metzger jungen Kolleginnen und Kollegen für ihre Berufswahl gibt.

7. Gipfel-Journalismus: Berichten im Zeitalter der Unberechenbarkeit
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:13 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass deutsche Medien internationale Gipfeltreffen wie das zwischen Donald Trump und Wladimir Putin analysieren, obwohl in Zeiten politischer Unberechenbarkeit kaum belastbare Aussagen möglich seien: “Jedem Kommentar über solch einen Gipfel oder Deal sollte ein Warnhinweis vorangestellt werden: ‘Achtung, die folgenden Einschätzungen können sich als völlig falsch erweisen. Und zwar bereits eine Sekunde, nachdem ich sie ausgesprochen habe.'”

Finfluencer, Berichte aus Nahost, Verschwindet die Rezension?

1. Komm in die Gruppe!
(taz.de, Houssam Hamade)
Bei “Finfluencern” handelt es sich um Influencer, die sich auf Finanzthemen spezialisieren und über Soziale Medien Tipps zu Geld, Börse oder Anlagemöglichkeiten geben. Manche von ihnen würden seriöses Wissen vermitteln, andere jedoch ihre Followerinnen und Follower in riskante Geschäfte treiben, zum Beispiel durch Fake-Gruppen auf Whatsapp oder Telegram. Laut Fachleuten und Behörden könnten bis zu 87 Prozent der Finanztipps in Sozialen Medien potenziell irreführend sein.

2. Du ärgerst dich über die Nahost-Berichterstattung? 10 Ideen, dagegen vorzugehen
(perspective-daily.de, Stefan Mey)
Viele Menschen würden der deutschen Nahost-Berichterstattung misstrauen und empfänden sie als einseitig. Stefan Mey listet bei “Perspective Daily” zehn konkrete Möglichkeiten auf, wie Bürgerinnen und Bürger aktiv Kritik äußern oder selbst Inhalte produzieren können, um für mehr Ausgewogenheit zu sorgen.

3. Pseudo-Journalisten als Anstifter zur Hetzjagd
(verdi.de, Ralf Streck)
In Spanien würden Journalistinnen und Journalisten beklagen, dass rechtsradikale Agitatoren mit offiziellen Presseausweisen im Parlament und in Sozialen Medien hetzen, Kolleginnen und Kollegen bedrängen und “Fake News” verbreiten. Eine Parlamentsmehrheit habe deshalb einen Verhaltenskodex beschlossen, der Sanktionen wie den Entzug von Akkreditierungen vorsehe. Trotzdem würden zentrale Akteure bislang unbehelligt bleiben, obwohl ihre Hetze zu rassistischen Pogromen beigetragen haben soll, und sie weiterhin im Auftrag rechtsextremer Medien agieren würden.

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4. Verschwindet die Rezension?
(kulturundkontroverse859.substack.com, Johannes Franzen)
Johannes Franzen verteidigt die klassische Rezension als eigenständige journalistische Form, die im Unterschied zu Interviews oder Porträts ein unabhängiges ästhetisches Urteil ermögliche. Er kritisiert, dass Verlage und Sender Plätze für diese Gattung wegen schlechter Klickzahlen abbauen, obwohl Kulturjournalismus schon immer weniger Reichweite hatte. Anhand von Beispielen zeigt Franzen, dass Rezensionen durch die Verbindung von persönlichem Urteil und tiefer Analyse Diskussionen anregen können.

5. So bleiben Medienmarken auch in Zukunft gefragt
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Carola Wargel (Ad Alliance) und Michael Fischer (Funke Mediengruppe) sprechen im Interview mit den Medientagen München darüber, wie klassische Medienmarken in einer von Google, Amazon und Meta dominierten Werbewelt sichtbar und relevant bleiben können. Sie betonen, dass journalistische Medien Vertrauen, Markenbindung und gesellschaftliche Relevanz schaffen, was kurzfristige Kampagnen der Tech-Plattformen nicht leisten können. Außerdem erklären sie, wie Print, crossmediale Inhalte, Events und neue Formate junge Zielgruppen ansprechen und Medienmarken erlebbar machen.

6. Vernachlässigen ARD und ZDF andere Sportarten?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 25:48 Minuten)
Der Medienforscher Michael Schaffrath von der TU München kritisiert, dass die Öffentlich-Rechtlichen zu viel Geld in die Berichterstattung über Fußball investieren und Randsportarten kaum berücksichtigen. Kann das noch lange gut gehen? Darüber diskutiert er im Podcast “Nach Redaktionsschluss” mit ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und Sascha Wandhöfer aus der “mediasres”-Redaktion des Deutschlandfunks.

Klöckners taz-Nius-Vergleich, Posting von Täterbildern, Mainstream-Kanu

1. Wertschätzung für Nius-Finanzier Gotthardt?
(tagesschau.de, Juri Sonnenholzner)
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner steht wegen eines Auftritts beim Sommerempfang der CDU Koblenz in die Kritik, der auf dem Firmengelände des Unternehmers Frank Gotthardt stattfand. Gotthardt ist auch Finanzier des rechtsaußen stehenden Portals “Nius”. Wie tagesschau.de weiter meldet, habe sich Klöckner bei dem Empfang nicht zu der Kritik am Engagement des Koblenzer Unternehmers bei dem umstrittenen Medienportal, das von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geleitet wird, geäußert. Sie habe aber andere bemerkenswerte Äußerungen getätigt, wie Eric Beres (SWR) und Lars Wienand (t-online.de) auf Bluesky berichten. So würden sich “taz” und “Nius” laut Klöckner “in Methodik nicht so sehr” unterscheiden, man müsse beide “ertragen”. Der “6-vor-9”-Kurator kommentiert ebenfalls auf Bluesky: “Wenn Julia Klöckner tatsächlich gesagt haben sollte, taz und das rechtsaußen stehende Hetzportal Nius unterschieden sich ‘in Methodik’ nicht so, ist das nicht nur faktisch falsch, sondern von atemberaubender Schamlosigkeit und beschmutzt in seinem Trumpismus Würde und Amt einer Bundestagspräsidentin.”
Dazu noch ein Hörtipp: Anke Petermann berichtet im Deutschlandfunk ausführlich von Klöckners Auftritt bei dem CDU-Sommerempfang (deutschlandfunk.de, Audio: 7:04 Minuten).

2. RSF: In Russland unerwünscht
(verdi.de)
Russland habe die NGO Reporter ohne Grenzen (RSF) zur “unerwünschten Organisation” erklärt. Die Zusammenarbeit mit RSF könne in Russland nun strafrechtliche Konsequenzen haben, obwohl die Organisation dort gar nicht präsent sei. Reporter ohne Grenzen habe angekündigt, sich trotz des Verbots weiter für die Pressefreiheit einzusetzen und gefährdete russische Journalistinnen und Journalisten, insbesondere im Exil, zu unterstützen.

3. Protest gegen Übernahme der britischen Zeitung “Telegraph”
(taz.de, Nicholas Potter)
Die geplante Übernahme der britischen Zeitung “The Telegraph” durch RedBird Capital stoße auf Kritik. Dem Investmentunternehmen werde eine Nähe zu chinesischen Staatsinteressen vorgeworfen. Organisationen, die sich für Menschenrechte und Pressefreiheit einsetzen, befürchten eine Gefährdung des Medienpluralismus und fordern eine unabhängige Prüfung der Einflussverhältnisse. RedBird bestreite jegliche chinesische Einflussnahme und wolle den “Telegraph” international ausbauen.

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4. Wann das Pos­ting von Täter­bil­dern strafbar ist
(lto.de, Anja Schmorl & Mustafa Enes Özcan)
Die Sängerin Liän habe einen mutmaßlichen sexuellen Übergriff in einem Parkhaus gefilmt und das Video später bei TikTok und Instagram veröffentlicht. Rechtlich problematisch sei dabei vor allem die nachträgliche Veröffentlichung. Zwar sei das Filmen selbst nicht strafbar, doch das spätere Posten könnte gegen § 201a Abs. 2 StGB und § 33 KunstUrhG verstoßen.

5. Böhmermann vs. Britt: Der große Streit um “Schwer verliebt”
(dwdl.de, Christian Richter)
In der neuesten Ausgabe der “Telegeschichte(n)” erinnert Christian Richter an einen denkwürdigen TV-Moment: Als Jan Böhmermann 2012 in seiner Talkshow “Roche & Böhmermann” die Sat.1-Kuppelshow “Schwer verliebt” und deren Moderatorin Britt Hagedorn scharf kritisierte, seien seine Argumente unscharf, die Vorwürfe aber berechtigt gewesen. “Schwer verliebt” habe übergewichtige Teilnehmerinnen und Teilnehmer in klischeehaften, teils entwürdigenden Szenen gezeigt. Trotz gegenteiliger Aussagen des Senders sprächen viele Hinweise für eine bewusste Inszenierung zulasten der Kandidatinnen und Kandidaten.

6. Feiger Kulturkampf: DAS KANU DES MANITU – Kritik & Analyse
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 14:07 Minuten)
Michael “Bully” Herbigs “Der Schuh des Manitu” gilt mit 11,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern als der erfolgreichste deutsche Filme nach dem Zweiten Weltkrieg und lockte sogar mehr Personen in die Kinos als die ursprüngliche Karl-May-Verfilmung. Nun ist mit “Das Kanu des Manitu” Jahrzehnte später der Nachfolger in die Kinos gekommen. Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat ihn sich angeschaut. Sein Fazit: “Bully strebt mit diesem Film erneut den Mainstream des Mainstreams an, tut aber mitunter so, als sei dies ein widerständiger Akt.”

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