Umfragensorge, Dessauer Fischfilet, Informationsfreiheitzulöschengesetz

1. Marktforscher fordern mehr Sorgfalt bei Berichten über Umfragen
(horizont.net, Sabine Hedewig-Mohr)
Der „Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute“ hat sich in einem offenem Brief an die Medien gewandt: „Seit einiger Zeit nehmen wir mit großer Sorge wahr, dass in Zeitungen und Zeitschriften, in Radio- und Fernsehberichten sowie in der Onlineberichterstattung Umfrageergebnisse vermehrt als repräsentativ bezeichnet werden, auch wenn diese nicht repräsentativ sind. Dies ist ein unhaltbarer Zustand.“

2. Entwicklungsministerium: Löschen statt offenlegen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Als das Entwicklungsministerium eine Anfrage nach dem Terminkalender des Ministers bekam (gemäß Informationsfreiheitsgesetz), wurde dies von der Behörde verweigert. Darauf schaltete sich die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit ein. Das Ministerium reagiert. Jedoch nicht, indem es den Terminkalender zur Einsichtnahme freigab, sondern indem es ihn löschte. Nun teilt die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit mit, sie sei mit dem Vorgehen des Ministeriums zwar nicht einverstanden, fühle sich aber nicht mehr zuständig: Da es die Daten nicht mehr gebe, sei auch das Informationsfreiheitsgesetz nicht mehr anwendbar.

3. Haltungsfragen
(journal-nrw.de, Andrea Hansen)
„Darf ich als Journalist privat auf eine Demo gegen die AfD gehen, wenn ich auch über die Partei berichte? Wie viel Haltung kann mein Artikel enthalten, wie viel davon braucht er sogar? Und was ist das überhaupt: Haltung? Was ist Meinung, und wo ist der Unterschied zwischen beiden?“ Andrea Hansens Beschäftigung mit journalistischen Haltungsfragen erscheint im aktuellen Medien- und Mitgliedermagazin des Deutschen Journalisten-Verband NRW, ist aber auch online verfügbar.

4. Trolle hetzen mit rassistischen Sprüchen gegen Rap-Video der Berliner Polizei
(motherboard.vice.com, Dennis Kogel und Sebastian Meineck)
Die Berliner Polizei hat ein Musikvideo auf Youtube veröffentlicht, bei dem es um Vielfalt, Verständigung und Miteinander geht („KBNA – Füreinander da!“). Nun überfluten rechte Trolle den Kommentarbereich mit negativen und rassistischen Aussagen und versuchen, die Kampagne zu diskreditieren. Nach „Motherboard“-Recherchen geht dies vor allem auf ein bekanntes Forum zurück, in dem die Trolle die Aktion publik machten und koordinierten.

5. Die brasilianische Lügenfabrik
(spiegel.de, Julia Jaroschewski)
Ein Fake-News-Skandal erschüttert Brasilien. Es geht um Hunderttausende gekaufte Falschnachrichten auf WhatsApp im Wahlkampf. Sowohl Linke als auch Rechte würden im brasilianischen Wahlkampf mit schmutzigen Tricks kämpfen. Und der findet zunehmend auf WhatsApp statt: Brasilien ist für den Messengerdienst weltweit einer der größten Märkte und zur wichtigsten Onlinefront im Wahlkampf geworden.

6. „Feine Sahne Fischfilet“ – Theater nimmt Ausladung zurück und entschuldigt sich
(mz-web.de)
Es gibt Bewegung in der Causa „Feine Sahne Fischfilet“, zumindest an einer Stelle: Das Anhaltische Theater in Dessau hat seine Konzertabsage zurückgezogen und sich bei der Band offiziell entschuldigt: „Nach der heftigen öffentlichen Diskussion hat die Theaterleitung verstanden, dass der Diskurs über Kunst nur geführt werden kann, wenn die Kunst sich unbedingt in aller Freiheit präsentieren kann.“ Währenddessen hält die Stiftung Bauhaus Dessau weiter an ihrer Absage fest.