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Strache-Video, Ventil oder Brandbeschleuniger, “heute-show”

1. Es geht alle an
(sueddeutsche.de, Kurt Kister)
Durften “SZ” und “Spiegel” das Strache-Video veröffentlichen, das vor zwei Jahren heimlich in einer Villa auf Ibiza aufgezeichnet wurde? Und spielt es eine Rolle, dass sie offenbar nichts über das Woher und Warum wussten? Kurt Kister wägt die Argumente gegeneinander ab und befindet: “Entscheidend ist, ob der Inhalt relevant ist. Dann gehört es in die Öffentlichkeit.”
Weitere Tipps zum Thema: Wie die SZ an das Videomaterial gelangt ist (sueddeutsche.de, Leila Al-Serori & Bastian Obermayer) und Wie der SPIEGEL das Strache-Video überprüft hat (spiegel.de). Und wer angesichts der ganzen Geschichte das Lachen verloren hat, kann es eventuell hier wiederfinden: So finden Sie versteckte Kameras in Ihrem Airbnb-Appartement (standard.at, Andreas Proschofsky).

2. Österreichs Medien und die Politik: Nicht für blöd verkaufen lassen
(derstandard.at, Hans Rauscher)
Der Sturz von Strache und Gudenus sei “nur eine Etappe im Kampf um Medien, die ihre Rolle in der Demokratie wahrnehmen”, findet Hans Rauscher im österreichischen “Standard”. Außerdem erklärt Rauscher die politisch-mediale Gemengelage: “Die “Krone” (und Fellners “Österreich”) haben die türkis-blaue Regierung hinaufgeschrieben und sind dafür mit Millionen in Form von Inseratengeld gefüttert worden. Die “Krone” wurde durch die unfassbare Dummheit von Strache und Co (“Die übernehmen wir mit russischem Geld”) vom Unterstützer zum Gegner der FPÖ. Seit sich René Benko, der Immobilientycoon und gute Bekannte von Sebastian Kurz, bei der “Krone” (und beim “Kurier”) eingekauft hat, betrachtet die “Krone” auch Kurz etwas skeptischer.”

3. Analyse der Rede von Sebastian Kurz
(threadreaderapp.com, Natascha Strobl)
Am Samstagvormittag trat Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nach der Veröffentlichung des sogenannten “Ibiza-Videos” zurück. Abends trat Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vor die Kameras, verkündete das Ende der Zusammenarbeit mit der FPÖ und kündigte Neuwahlen an. Natascha Strobl hat genau hingehört und die Kurz-Rede einer lesenswerten und lehrreichen Textanalyse unterzogen.

4. Ventil oder Brandbeschleuniger?
(facebook.com/moritz.gathmann)
“Bild”-Chef Julian Reichelt hat jüngst bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Schwarzkopf- und Hertie-Stiftung über die “Verantwortung im Journalismus” gesprochen (ja, wir mussten auch lachen). Moritz Gathmann hatte die Ehre, die Veranstaltung zu moderieren, und hat seine Eindrücke von dem Abend auf Facebook niedergeschrieben. Gathmanns Resümee: “Am Ende wirkt Reichelt auf mich wie ein Metzger, der sich an solchen Abenden nachdenklich gibt über die Frage, ob man Tiere essen solle. Und dann geht er am nächsten Tag wieder lustvoll an die Arbeit.”

5. Schädliche Neigungen
(message-online.com, Volker Lilienthal & Journalistik-Studierende der UHH)
Claas Relotius hat mit seinen gefälschten Artikeln vor allem dem “Spiegel” schweren Schaden zugefügt. Doch Relotius hat auch bei anderen Medien veröffentlicht, unter anderem bei der mittlerweile eingestellten “Financial Times” (Gruner + Jahr). Nun haben sich Volker Lilienthal, Professor für die “Praxis des Qualitätsjournalismus” an der Uni Hamburg, und ein Team aus Studenten und Studentinnen daran gemacht, die Relotius-Texte bei der “FTD” zu überprüfen. Eine der Einsichten: “Schon der frühe Relotius entwickelte schädliche Neigungen, er recherchierte seine Fakten nicht immer sorgfältig, er kupferte manchmal bei anderen ab, und er hübschte seine Storys gelegentlich auf, indem er Vor-Ort-Sein suggerierte und mutmaßlich auch Zudichtungen vornahm. Dies alles zu einer Zeit, als der damalige Mitzwanziger noch an der Hamburg Media School studierte bzw. kurz nachdem er dort Ende 2011 seinen Masterabschluss gemacht hatte.”

6. Liebe “heute-show”, wo ist deine Ambition geblieben?
(dwdl.de, Hans Hoff)
Anlässlich des bevorstehenden zehnten Geburtstags, hat Hans Hoff der “heute-show” einen Brief geschrieben. Dabei geht es um eine enttäuschte Liebe: “Mensch, “heute-show”. Du wirst zehn Jahre alt. Reiß dich mal am Riemen, mach mal das Kreuz gerade und schiel nicht immer nur nach Masse. Du warst doch mal eine ganz intelligente Form der Unterhaltung. Warst du nicht? Okay, dann war ich früher vielleicht anspruchsloser.”

Poschardt und VW-Diess im Bett, #RapToo, Umarmungen für Wiglaf

1. Die Auflagen-Bilanz der größten 82 Regionalzeitungen: Tagesspiegel einziger Gewinner dank E-Paper
(meedia.de, Jens Schröder)
Der Auflagenschwund der deutschen Lokal- und Regionalzeitungsbranche hat sich auch im ersten Quartal 2019 fortgesetzt: 81 Verlierer und lediglich ein Gewinner, so lautet die aktuelle Bilanz. Besonders übel hat es die Boulevardblätter erwischt mit einem Minus von teilweise über 20 Prozent (“Express”) im Vergleich zum Vorjahr. Jens Schröder führt alle Zahlen auf und kommentiert bemerkenswerte Entwicklungen.

2. Ein Schritt in Richtung #RapToo
(taz.de, Carolina Schwarz)
Die aktuellen Gewaltvorwürfe gegen einzelne Rapper könnten Auswirkungen auf die sonst eher unkritische Rap-Berichterstattung haben. Carolina Schwarz hat sich angeschaut, wie Musikblogs und andere Medien aus der Szene mit der Thematik umgehen.

3. Im Bett mit Herbert
(kontextwochenzeitung.de, René Martens)
Am 7. Mai überließ die “Welt” ihr Blatt dem VW-Konzern. An diesem Tag fungierte Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende von VW höchst offiziell als Chefredakteur neben Ulf Poschardt. Man möchte weinen, findet René Martens: “Dass sich die “Welt” mit Herbert Diess ins Bett gelegt hat, ist (…) nur konsequent — es ist aber auch Ausdruck einer generell problematischen Entwicklung im Journalismus. Die Grenzen zwischen klassisch redaktionellem Inhalt und Werbung verschwimmen vielerorts, etwa bei Beilagen zu Themen wie Gesundheit oder Reise, die dann als “Verlagsspezial” oder “Verlags-Sonderveröffentlichung” ausgewiesen werden.”

4. Die Lokalzeitung: “Das letzte Lagerfeuer in einer unüberschaubaren Welt”
(fachjournalist.de)
Marc Rath ist der Chefredakteur der “Landeszeitung für die Lüneburger Heide” und ein überzeugter Anhänger des Lokaljournalismus. Im Interview mit dem “Fachjournalist” erklärt er die Chancen und Herausforderungen in diesem Arbeitsumfeld. Es geht unter anderem um Glaubwürdigkeit und den digitalen Wandel.

5. Podcast-Pionier Matt Lieber: Deshalb ist das Podcast-Geschäft bald mehrere Milliarden wert
(omr.com, Martin Gardt)
Matt Lieber, Podcast-Pionier und Co-Gründer des Podcast-Labels Gimlet Media, hat sein Unternehmen für kolportierte 230 Millionen US-Dollar an Spotify verkauft. Im “OMR”-Podcast erzählt er von den Schwierigkeiten des Podcast-Markts, aber auch den enormen Wachstumschancen.

6. Ein Symbolbild und die Kritik daran
(deutschlandfunk.de, Christian Röther)
Christian Röther erzählt im “Deutschlandfunk”, was schiefgehen kann, wenn man bei der Bebilderung eines Beitrags nicht ganz genau aufpasst: Für einen Beitrag über Islamische Theologie suchte er ein passend verschlagwortetes Bild aus dem Fotoarchiv heraus und stellte es online. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte.

7. Wiglaf Droste: Grönemeyer kann nicht tanzen
(youtube.com, Wiglaf Droste)
Anlässlich des Todes des Satirikers und Schriftstellers Wiglaf Droste.

Lesenswerte und berührende Nachrufe gibt es von Friedrich Küppersbusch bei der “taz”, von Hans Zippert bei der “Welt” und Arno Frank beim “Spiegel”.

Mopo-“Strategie”, Monetarisierter “Checkpoint”, Europa-Spot der NPD

1. DuMonts Mopo ändert Print-Strategie: Boulevardblatt folgt bei Zeitungsthemen den Leserinteressen im Netz
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Beim Lesen kann man fast die uninspirierte Verzweiflung spüren, mit der das Haus DuMont die gedruckte Hauptausgabe der “Hamburger Morgenpost” “stärken” will: Um den Auflagenschwund der gedruckten Zeitung zu stoppen, sollen klickstarke Geschichten aus dem Netz gefischt und für die Zeitung aufbereitet werden. Wobei sich DuMont wohl komplett aus dem Zeitungsgeschäft zurückziehen will: Seit einigen Tagen wird in Medien über den Verkauf der DuMont-Zeitungstitel spekuliert.

2. 1000 durchgeschriebene Nächte
(tagesspiegel.de, Lorenz Maroldt)
2014 gründeten Stefanie Golla und Lorenz Maroldt vom “Tagesspiegel” einen täglichen Morgennewsletter aus Berlin: den “Checkpoint”. Tausend Ausgaben später kommt nun der nächste Schritt: die Vermarktung. Ein Abo des Newsletters kostet künftig monatlich 6,99 Euro, ein Jahresabo 5 Euro im Monat. Eine gekürzte Version des Newsletters soll jedoch weiterhin kostenlos erhältlich sein. Lorenz Maroldt nutzt die Gelegenheit, auf “1000 durchgeschriebene Nächte” zurückzublicken.

3. Auf Immer­wiedersehen!
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Dorothea Wagner)
Es gibt wenig Tröstlicheres, als sich stets ­dieselben Filme und ­Serien ­anzuschauen, findet Dorothea Wagner in ihrem Artikel über das sogenannte “Comfort Bingen”. Wagner fragt: “Verlieren mit dem Comfort Binge die Serien und Filme nicht ihren Sinn? Sind Witze nicht darauf ausgelegt, dass mich ihre Pointe überrascht, und lebt Spannung nicht davon, dass ich das Ende der Geschichte nicht kenne? Jein. Der US-Autor Steven Johnson beschreibt im Buch Neue Intelligenz, dass Unterhaltungsserien so kompliziert geworden sind, dass sie einen dafür belohnen, wenn man sie sich mehrmals anschaut, weil man erst dann alle Anspielungen verstehen und die Eleganz der verschiedenen verknüpften Handlungsstränge würdigen kann.”

4. Wirken sich Antibiotika auf Herz-Kreislauf-Risiken aus? Science Media Newsreel No. 47
(meta-magazin.org)
Im Wochenrückblick des “Science Media Center” geht es um die Forschungsergebnisse, über die in letzter Zeit besonders häufig in den Medien berichtet wurde. Dieses mal: “Längere Einnahme von Antibiotika erhöht Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung” (“European Heart Journal”), aufgegriffen unter anderem von “Stern”, “Focus” und “Deutschlandfunk”.

5. VGH Hessen: Hessischer Rundfunk muss Wahlwerbespot der NPD senden
(urheberrecht.org)
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH Hessen) hat entschieden, dass der Hessische Rundfunk (hr) einen Europawahl-Wahlwerbespot der NPD im Hörfunk senden muss. Der hr hatte die Ausstrahlung abgelehnt, weil der Werbespot den Straftatbestand der Volksverhetzung erfülle. Das Gericht sah dies anders: Die Zuschreibung krimineller Neigungen stelle noch kein “Absprechen des Achtungsanspruchs als Mensch” dar.

6. Die Freiheiten des Äthers
(deutschlandfunk.de, Kerstin Schweighöfer)
In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mögen Piratensender noch ein Thema gewesen sein. Heutzutage kann jeder einen “Radiosender” im Netz hochziehen oder sich per Podcast an die Welt wenden. Kerstin Schweighöfer erzählt in einem kurzen Abriss von den Anfängen der niederländischen Piratensender bis zur Jetztzeit.

Overblocked by Twitter, Stunk um “SZ”-Chefin, Disney und Lenin

1. Twitter sperrt jüdische Wochenzeitung
(sueddeutsche.de)
Twitter scheint derzeit ein extremes Overblocking zu fahren. In den vergangenen Tagen wurden immer wieder Accounts wegen unproblematischer Tweets gesperrt, unter anderem auch das Konto der Wochenzeitung “Jüdische Allgemeine”.
Weiterer Lesetipp: Twitter kippt nach rechts, ein Beitrag des Juristen Christian Säfken, der für einen alten Witz über die AfD gesperrt wurde und sich dies nicht gefallen lassen will.

2. Stunk im Turm
(taz.de, Anne Fromm)
“SZ”-Chefredakteurin Julia Bönisch veröffentlichte vor einigen Tagen im Branchenblatt “journalist” ihren persönlichen Blick auf den Journalismus. Dort hieß es: “Frau, Onlinerin, noch keine 40 — damit stehe ich für fast alles, was unbequem und lästig ist: für Veränderung, für Digitalisierung, für einen Generationenwechsel, der auch Frauen an die Spitze bringt.” Und in der Tat: Bönisch hat mit dem Text einen Großteil der Redaktion und sogar den Betriebsrat gegen sich aufgebracht.

3. re:publica 2019: Einige sagen Festival
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer schreibt über den Weg der re:publica von der Konferenz zum Festival, benennt die Höhe- und Tiefpunkte der Veranstaltung und das Comeback des “Handreichungs-Journalisten”. Sein Fazit mit Blick auf die Kritiker: “Sie wird es wohl niemand recht machen können, die rp, der sich nicht auf sie einlässt. Der sich vor allem nicht einlässt auf diesen wundervollen, bunten Haufen Mensch, der redet über Thesen der Politikwissenschaften, den Einsatz von Internet im Roten Kreuz, New Work, das Run DMC-Logo als Meme, gutes und schlechtes im Essen oder die Faszination von Raumfahrt. Ich kenne keinen Ort, an dem ich so viele, unterschiedliche Personen treffe, Anzugträger und aktivistische Programmierer und Schüler und Studenten und Kleinkinder und Youtuber und Politiker und Podcaster und Afrikaner und Amerikaner und Europäer und Rollstuhlfahrer und Astronauten.”

4. Zahlenkosmetik
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 6:21 Minuten)
Für Fernsehquoten und Zeitungsauflagen gibt es seit Jahren standardisierte Messmethoden. Bei Podcasts gibt es keine einheitliche Zählweise, was Vergleiche erschwert. Auch die Zahlen des “Morning Briefing”-Podcasts von Gabor Steingart sind äußerst umstritten. Podcastredakteur Marc Krüger (t-online.de) erläutert die technischen Schwierigkeiten beim Erfassen und Auswerten der Zahlen.

5. 49 der 100 erfolgreichsten Facebook-Posts zur Europawahl sind von der AfD
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
“BuzzFeed News” hat Facebook-Posts zur Europa-Wahl ausgewertet und ist dabei zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Allein 49 der 100 erfolgreichsten Facebook-Beiträge zur Europawahl kämen von der AfD. Die Partei habe damit 250.000 Interaktionen ausgelöst und sei fast zehnmal so erfolgreich wie alle restlichen im deutschen Bundestag vertretenen Parteien zusammengenommen.

6. Auf dem Weg zum Monopol: DISNEY – Ein Filmanalyse-Spezial
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 12:56 Minuten)
Nicht zuletzt durch strategische Zukäufe wird der Disney-Konzern immer mächtiger. Es sei erschreckend, wie sehr Marvel-, Pixar-, Star-Wars- und Avatar-Filme, aber auch Realverfilmungen von Disney-Klassikern das Kino beherrschen, findet Wolfgang M. Schmitt in seiner Filmanalyse. Lenin habe diese Art der Monopolentwicklung bereits vor 100 Jahr beschrieben.

Bild  

“Bild” lässt Kriminalität an Dresdens Schulen explodieren

Geht es darum, mit falschen Fakten Angst und Schrecken zu verbreiten, leben “Bild” und AfD in wunderbarer Symbiose. In Dresden konnte man das in den vergangenen Tagen gut beobachten: Eine AfD-Abgeordnete stellte eine Kleine Anfrage an die Sächsische Staatsregierung, die Dresdner Regionalausgabe der “Bild”-Zeitung berichtete über die Antwort des Staatsministeriums des Innern (PDF), und die Abgeordnete, die die Kleine Anfrage gestellt hatte, nutzte wiederum den “Bild”-Artikel für ihre Stimmungsmache. Bloß: “Bild” hat Zahlen verglichen, die man nicht vergleichen kann, dadurch falsche Schlüsse gezogen und diese zu einer Explosion der Kriminalität an Dresdens Schulen aufgeblasen.

Ausriss Bild-Zeitung - Kriminalität an Dresdens Grundschulen um 224 Prozent gestiegen

Im vergangenen Jahr ist die Kriminalität in Klassenräumen und auf Schulhöfen in unserer Stadt explodiert! Die erschreckenden Zahlen veröffentlichte Innenminister Roland Wöller (48, CDU) auf Anfrage der AfD.

Seinen Artikel teilt “Bild”-Redakteur Tom Rosin nach den verschiedenen Schularten auf. Zu den Grundschulen, dies es ja auch in die Titelzeile geschafft haben, schreibt er:

An GRUNDSCHULEN (1. bis 4. Klasse) gab es im vergangenen Jahr 107 Straftaten, im Jahr zuvor waren es dagegen nur 33. Das ist ein Anstieg von 224 Prozent.

Es handelt sich dabei nicht um Schulhofrangeleien. Ermittelt wurde u.a. wegen Körperverletzung, Brandstiftung und Diebstahl!

Beim Blick auf die Statistik (PDF, Grundschule (“GS”) gemeinsam mit Oberschule (“OS”) und Mittelschule (“MS”) in einer Datei, aber jeweils gesondert ausgewiesen) sieht man, dass die in “Bild” genannten Zahlen zu den Straftaten stimmen, und der “Bild”-Redakteur hat auch richtig gerechnet. Nur ist der Vergleich an sich schon falsch und damit auch die genannte Steigerung von 224 Prozent. In der Antwort des Staatsministeriums des Innern steht extra:

Recherchiert wurde für den Tatzeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2018 in der Kreisfreien Stadt Dresden. Zu beachten ist hierbei, dass bei verschiedenen Delikten (z. B. Körperverletzung gemäß § 223 Strafgesetzbuch [StGB] oder Diebstahl gemäß § 242 StGB) Aussonderungs- und Löschfristen von 24 Monaten bestehen und damit bei diesen Delikten valide Angaben nur noch für das Jahr 2018 zur Verfügung stehen.

Die Polizei in Sachsen löscht also bei bestimmten Delikten nach einer bestimmten Frist (hier: nach zwei Jahren) Straftaten aus ihrem System. Durch dieses Löschen sind die Zahlen zu den verschiedenen Jahren aus der Antwort zur Kleinen Anfrage schlicht nicht miteinander vergleichbar. Für 2018 sind allein schon wegen dieser Löschfristen mehr Straftaten aufgelistet als für die Jahre zuvor. Wir haben nachgeschaut: Tatsächlich werden Körperverletzungen (§ 223 StGB) und Diebstähle (§ 242 StGB) nur für 2018 genannt — in den Angaben zu 2014, 2015, 2016 und 2017 fehlen sie komplett. Und das macht einen deutlichen Unterschied: Bei den Dresdner Grundschulen findet man für 2018 18 Körperverletzungen und 24 Diebstähle, was zusammen bereits 42 der von “Bild” genannten 107 Straftaten sind.

Die besondere Löschfrist von zwei Jahren gilt aber auch noch für weitere Straftaten, so die Sächsische Staatskanzlei:

– Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung (§§ 185, 186, 187 StGB), soweit diese nicht eine nachhaltige Rufschädigung der Betroffenen zur Folge haben, öffentlich oder mittels Druckschriften begangen wurden oder sexuellen Bezug haben;

– Hausfriedensbruch (§ 123 StGB);

– Fahrlässige Körperverletzung (§ 230 StGB);

– Vorsätzliche Körperverletzung (§ 223 StGB) mit geringen Folgen;

– Sachbeschädigung (§ 303 StGB) bis zu einer Schadenshöhe von 100 EUR;

– Diebstahl und Unterschlagung bis zu einer Schadens-höhe von 100 EUR, soweit es sich nicht um Fälle nach §§ 243 und 244 StGB handelt;

– Erschleichen von Leistungen (§ 265a StGB);

– Betrug (§ 263 StGB) bis zu einer Schadenshöhe von 100 EUR.

An den Grundschulen waren es 2018 laut Statistik fünfmal § 185 StGB, einmal § 187 StGB, dreimal § 123 StGB und fünfzehnmal § 303 StGB. Will man die Straftaten des vergangenen Jahres also unbedingt mit jenen des Jahres 2017 vergleichen, müsste man von den 107 Straftaten 66 abziehen, da die jeweiligen Delikte wegen der Löschfristen nur im Jahr 2018 vorkommen. Die “Kriminalität an Dresdens Grundschulen” wäre dann also nicht innerhalb eines Jahres von 33 auf 107 Straftaten gestiegen, sondern von 33 auf 41; und damit nicht “um 224 Prozent”, sondern nur um 24 Prozent (doch es bleibt dabei: Der Vergleich ist an sich schon nicht sinnvoll).

Ähnlich falsch ist Rosins Vergleich zu den Dresdner Ober- und Mittelschulen. In “Bild” schreibt er:

Oder die 52 Straftaten vor zwei Jahren — 2018 waren es dann schon 173 — ein Plus von 233 %. Erpressungen, sexueller Missbrauch, gefährliche Körperverletzung waren dabei.

(In der Statistik zu den Ober- und Mittelschulen gibt es für 2018 keinen Fall des sexuellen Missbrauchs.)

Bei einem Vergleich auf Biegen und Brechen müsste man allerdings 97 von den 173 Straftaten aus dem Jahr 2018 abziehen, da sie zu den Delikten gehören, die wegen der Löschfristen 2017 gar nicht auftauchen können. Die Steigerung betrüge dann nicht 233 Prozent, sondern nur 46 Prozent.

An den Berufsschulen wäre es nicht das von Rosin genannten Plus von 77 Prozent, sondern von 9,3 Prozent. Und an den Gymnasien “stieg die Zahl der Straftaten” nicht, wie in “Bild” steht, “um 60 %”, sondern sank um 23 Prozent.

Und selbst ohne diese Fehler wäre eine Aussage wie “ist die Kriminalität in Klassenräumen und auf Schulhöfen in unserer Stadt explodiert” nicht wirklich passend, denn in der Antwort des Staatsministeriums des Innern steht auch:

Recherchiert wurde im Polizeilichen Auskunftssystem Sachsen nach Straftaten mit den Tatörtlichkeiten “Grundschule”, “Mittelschule/Oberschule” (nicht alle Mittelschulen wurden in Oberschulen umbenannt, so dass Mittelschulen und Oberschulen erfasst wurden), “Sonstige Schule” (Förderschulen werden nicht gesondert ausgewiesen), “Gymnasium” und “Berufsschule”.

Diese Auswertung erfolgte nach dem Tatortprinzip “Tatörtlichkeit = Schule”, so dass es sich bei den Opfern und ermittelten Tatverdächtigen nicht zwingend um Schüler bzw. Lehrer handeln muss, sondern möglicherweise auch
um andere Personen, welche sich zur Tatzeit auf dem Schulgelände aufhielten.

Da die Straftaten jeweils mit Datum aufgelistet sind, kann man nachschauen, welche von ihnen während der Schulferien, an Wochenenden oder Feiertagen begangen wurden — und somit nicht in der Schulzeit, sondern nur auf dem Schulgelände oder in der unmittelbaren Nähe. An den Grundschulen zum Beispiel waren es im vergangenen Jahr 23 (von 107) Straftaten, darunter besonders schwere Fälle des Diebstahls und sexueller Missbrauch von Kindern. An den Ober- und Mittelschulen registrierte die Polizei 16 (von 173) Straftaten, während die Schulen geschlossen waren.

Bei “Bild” gibt es diese Differenzierungen nicht. Stattdessen hat Redakteur Tom Rosin mit seinem Murks der sächsischen AfD-Fraktion eine traumhafte Vorlage geliefert, die die Abgeordnete Karin Wilke, die auch die Kleine Anfrage gestellt hatte, für ihre Angstmacherei verwendet:

Screenshot eines Posts der AfD-Fraktion - Karin Wilke - Kriminalität und Gewalt an Dresdner Grundschulen um 224 Prozent gestiegen

Mit Dank an @mschwarz87!

Rechts dominiert, Stolz auf digitales Unwissen, ZDF sendet “Partei”-Spot

1. Rechte Nutzer dominieren Diskurs
(tagesschau.de, N. Altland & P. Eckstein & L. Kampf & E. Kuch & J. Strozyk)
Eine Social-Media-Analyse offenbart Alarmierendes: Im digitalen Europawahlkampf würde eine verhältnismäßig kleine Gruppe rechter Nutzer die Themen setzen. Der Beitrag von tagesschau.de fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und zeigt, wie Rechte den Diskurs in den Sozialen Medien dominieren.

2. Medien an Politiker: “Wir haben keine Angst”
(derstandard.de, Helmut Brandstätter)
Jan Böhmermann teasert den Beitrag auf Twitter wie folgt an: “Der ehemalige Chefredakteur und jetzige Herausgeber des österreichischen @KURIERat @HBrandstaetter hat den Ari-Rath-Ehrenpreis erhalten und eine Rede gehalten, die sich alle Medienfuzzis nicht nur in Österreich dringend zu Herzen nehmen sollten.” Dem ist nichts hinzuzufügen.

3. Die Amerikaner feiern ihre Diversität – und hier wollen alle deutsch sein.
(planet-interview.de, Kaspar Heinrich)
“Planet Interview” hat mit dem künstlerischen Allround-Talent und Satiriker Shahak Shapira über dessen Arbeit gesprochen. Es geht unter anderem um Galgenhumor, Comedy-Vorbilder, seinen Pass und die Frage, warum Shapira Holocaust-Vergleiche ablehnt. Im zweiten Teil des Interviews geht es dann um Shapiras Comedy-Sendung bei “ZDFneo”.

4. Drei Elfer, eine Ecke
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo kritisiert die Unwissenheit, mit der Politiker bei Digitalthemen zu Werke gehen würden: “Es handelt sich hier nicht allein um das Versagen einzelner Figuren, sondern um ein systemisches Problem. Weil Digitalisierung komplex und diffus zugleich ist und für die große, nichtfachliche Öffentlichkeit im Detail nur schwer nachzuvollziehen — wird das Thema politisch zuerst inszenatorisch betrachtet: Was hört sich gut an? Was kann man medial gut verkaufen? Die Schamlosigkeit, digitales Unwissen offensiv zu zeigen und stolz drauf zu sein, bildet aber auch ein perfektes Einfallstor für Lobbyismus.”

5. Das Ding mit dem Journalismus
(medium.com, Lorenz Matzat)
Das “Manifest für einen Journalismus der Dinge” in seiner jetzigen Form soll ausdrücklich ein Diskussionsvorschlag sein. Lorenz Matzat nimmt das Angebot an und diskutiert die Thesen des Papiers. Sein Resümee: “Letztlich bleibt der Eindruck zurück, dass die Autor*innen des Manifests im »Journalismus der Dinge« einen Tausendsassa sehen wollen. Doch weder über seine Identität noch seine eigene Geschichte ist man im Klaren. Vielleicht gelingt es der zweiten Version des Manifests, dies klarer zufassen.”

6. Wahlwerbespot von “Die Partei” nun doch im ZDF
(sueddeutsche.de, Theresa Hein)
Nun wurde er doch ausgestrahlt, der Wahlwerbespot der “Partei”. In der vorherigen Version hatte die Partei darauf verzichtet, für sich zu werben und stattdessen auf das Thema Seenotrettung und die Organisation Sea-Watch aufmerksam gemacht. Nachdem ein Wahlaufruf für “Die Partei” angehängt wurde, wurde das Video vom ZDF abgenommen und gestern gesendet.

Fotos Getöteter zeigen? Für Ernst Elitz “eine richtige Entscheidung”

E. Behrendt (“Bild”-Leser) hatte neulich eine ziemlich gute Frage:

Nach dem Mord an einer jungen Frau in Thailand schrieb Leser E. Behrendt: “Können Sie mir erklären, warum Bilder des Opfers in unverpixelter Form gezeigt werden?”

Von dieser Zuschrift berichtete “Bild”-Ombudsmann Ernst Elitz am vergangenen Samstag im Blatt und bereits am Abend zuvor bei Bild.de. Der Leser bezieht sich auf die Berichterstattung von Anfang April über den Tod einer 26-Jährigen, für die die “Bild”-Medien mehrere Fotos von der Facebookseite des Opfers genommen und ohne jegliche Unkenntlichmachung veröffentlicht haben.

Natürlich findet Ombudsmann Elitz auch für diese Schweinerei eine Erklärung, damit er am Ende seines Textes einmal mehr verkünden kann, dass die Redaktion alles richtig gemacht habe:

Hier die Erklärung: Das Foto war aus dem öffentlichen, für jeden einsehbaren Sektor von Facebook, nicht aus einer geschlossenen Community übernommen worden. Es zeigt die Frau glücklich und lebensfroh. So wie sie sich selber sah.

Die Redaktion wollte, dass sie mit dieser sympathischen Ausstrahlung und nicht als anonymes Opfer eines Verbrechers in Erinnerung bleibt. Deshalb wurde sie auf dem Foto nicht unkenntlich gemacht.

Für mich war das eine richtige Entscheidung.

Nur spielt es bei den beiden Rechten, die in solchen Fällen wichtig sind — dem Persönlichkeits- sowie dem Urheberrecht –, überhaupt keine Rolle, ob das abgebildete Opfer “glücklich und lebensfroh” aussieht oder nicht. Es ist egal, wie sympathisch dessen Ausstrahlung auf den Fotos sein mag. Nicht die ästhetische Abwägung der “Bild”-Redaktion ist bei der Frage, ob die Aufnahmen gezeigt werden dürfen, relevant, sondern die Entscheidung der Familie.

Aus Erzählungen wissen wir, dass das Zeigen von Fotos, dazu noch unverpixelt, einen zusätzlichen, tiefen Schmerz bei Angehörigen hinterlassen kann — auch wenn die Personen auf Titel- und Startseiten “glücklich und lebensfroh” ausschauen. Den Familien wird von “Bild” die Kontrolle darüber entrissen, wie ihre Söhne und Töchter wahrgenommen werden. Manche von ihnen bringen die Kraft auf und wehren sich gegen diese Methoden von “Bild”. Erst vor wenigen Monaten hatten wir über zwei Fälle berichtet. In beiden hatten die Abgebildeten eine ausgesprochen “sympathische Ausstrahlung”. Und dennoch sind die Angehörigen gegen die Veröffentlichungen vorgegangen.

Richtigstellung: Julian Reichelt ist für uns keine Koryphäe

Am Montag hatten wir einen kleinen Auftritt bei der Republica. Gleich zu Beginn (ab Minute 1:39), zu dieser Folie …

Screenshot unserer Präsentation bei der Republica - darauf zu lesen: Einer kann heute leider nicht dabei sein

… sagte unser “6 vor 9”-Kurator Lorenz Meyer:

Der Abend beginnt für uns mit einer kleinen Enttäuschung. Wir haben eigentlich auf den dritten wichtigen Mann gewartet. Eine Koryphäe, eine Lichtgestalt des Journalismus. Er kann heute leider nicht dabei sein. Er ist in der Sophienstraße und hält einen wichtigen Vortrag.

Dazu erschien diese Folie:

Screenshot unserer Präsentation bei der Republica - darauf zu sehen: Eine Ankündigung der Schwarzkopf-Stiftung zu einer Veranstaltung mit Bild-Chef Julian Reichelt zum Thema Verantwortung im Journalismus

BILDblog-Leiter Moritz Tschermak sagte anschließend noch:

Das ist ziemlich schade, denn auf der Bühne mit Julian Reichelt zusammen zu sitzen — ich hatte einmal das Vergnügen — ist ein großes Erlebnis.

Heute Nacht erreichte uns dazu eine E-Mail von “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Ihm sei berichtet worden, dass wir bei unserem Auftritt bedauert hätten, “dass ich keine Zeit hatte, mit Ihnen auf der Bühne zu sitzen”, wir sollen “enttäuscht” gewesen sein. Reichelt: “Jetzt frage ich mich, ob mir da Ihre Einladung durchgerutscht ist oder ob Sie nur den Eindruck erweckt haben, ich hätte mich nicht zu Ihnen getraut. Sollte das der Fall sein, wäre ich zwar nicht überrascht, aber doch betrübt und würde um öffentliche Richtigstellung bitten.” In einer weiteren E-Mail schreibt Reichelt: “Ich habe mir das angesehen und finde, dass Sie hier eindeutig einen falschen Eindruck erwecken.”

BILDblog-Ombudsfrau Erna Belitz sagt dazu:

Der “Bild”-Chef hat Recht! Eine Einladung für den Termin bei der Republica wurde an Julian Reichelt nie ausgesprochen. Außerdem müssen noch weitere glasklar falsche Fakten richtiggestellt werden, die das BILDblog-Team bei der Republica verbreitet hat: Julian Reichelt ist keine Koryphäe und auch keine Lichtgestalt des Journalismus. Solch gravierende Fehler dürfen sich nicht wiederholen!

Steingarts Redaktionsschiff, Rechte Leichtgläubigkeit, “Partei”-Spot

1. Wir brauchen gute Manager an der Spitze von Redaktionen
(journalist-magazin.de, Julia Bönisch)
Julia Bönisch ist Mitglied der Chefredaktion der “Süddeutschen Zeitung” und für manche Kolleginnen und Kollegen der Branche ein Affront: “Frau, Onlinerin, noch keine 40 — damit stehe ich für fast alles, was unbequem und lästig ist: für Veränderung, für Digitalisierung, für einen Generationenwechsel, der auch Frauen an die Spitze bringt.” Im Medienmagazin “journalist” geht Bönisch der Frage nach, wie Redaktionen in digitalen Zeiten geführt werden müssen. Ihre These: “Die Digitalisierung fordert nicht nur von redaktionellen Mitarbeitern aller Bereiche, sondern auch von einem Chefredakteur, einer Chefredakteurin heute ganz andere Fähigkeiten als noch vor 20 oder 30 Jahren.”

2. Gabor Steingart gründet Media Pioneer Publishing GmbH / Axel Springer wird strategischer Partner
(mediapioneer.com)
Journalist und Autor Gabor Steingart kündigt auf seiner Firmenwebseite Großes an: Mit einem 40 Meter langen “Redaktionsschiff” will er ab 2020 täglich über die Spree schippern, inmitten des Berliner Regierungsviertels. Als “strategischen Partner” habe er den Axel-Springer-Verlag mit an Bord geholt. Der Medienkonzern sei mit 36 Prozent an der Neugründung beteiligt. Bislang hatte sich Steingart vor allem auf seinen Newsletter und den Podcast konzentriert.

3. Jan Fleischhauer wechselt zum “Focus”
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Wächst jetzt das zusammen, was zusammengehört? Nach dreißig Jahren verlässt Kolumnist und Redakteur Jan Fleischhauer den “Spiegel” und wechselt zu Burdas “Focus”.

4. ZDF lehnt Ausstrahlung des Sea-Watch-Spots der PARTEI ab
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Heute Abend hätte es beim ZDF eigentlich einen Spot der Partei “Die Partei” zu sehen gegeben, doch der Sender lehnte die Ausstrahlung ab. “Die Partei” hatte die Gestaltung des Videos der Organisation Sea-Watch überlassen. Der Clip genüge damit nicht den gesetzlichen Voraussetzungen für einen Wahlwerbespot, so das ZDF.

5. Alternative Fakten nur für Rechte?
(de.ejo-online.eu, Joachim Trebbe)
Der “Confirmation Bias”, also der Bestätigungsfehler, besagt, dass Inhalte, die den eigenen Vorstellungen und Standpunkten entsprechen, für glaubwürdiger und wahrhaftiger gehalten. Bei politischen Inhalten gelte dies besonders im rechten und rechtsextremen Milieu, wie eine neue Studie herausgefunden habe: “Die Autoren vermuten eine höhere Leichtgläubigkeit im rechten Milieu und eine Vorliebe gerade für Themen, die in den journalistischen Medien keine Chance haben.”

6. Allrad-LKWs, Hausmeister und Pilzsammler: Eine Liebeserklärung an Internetforen
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Eine der ganz großen Stärken des Internets sind die Foren, in denen sich Profis, Amateure und Liebhaber zu Spezialthemen austauschen. Viele Internetforen kommen ohne Erlösmodell daher und leben einzig von der Begeisterung der Beteiligten. Anna Biselli hat Forenbetreiber zu ihrer Motivation befragt. Der Artikel ist eine Liebeserklärung an die Foren geworden.

Glyphosat-Gutachten, Twitters Overblocking, Ausgeblitzt

1. Antwort per Allgemeinverfügung: Glyphosat-Gutachten wird herausgegeben
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Auf Druck der “Frag den Staat”-Aktivisten muss das Bundesinstitut für Risikobewertung sein unter dem Tisch gehaltenes Glyphosat-Gutachten rausrücken. Zumindest an die Tausenden Personen, die eine Anfrage über “Frag den Staat” in Gang gesetzt hatten. Die Antragsteller würden individuelle Zugangscodes für eine Website mit dem Gutachten erhalten, denn es bestehe weiterhin ein Veröffentlichungsverbot. Arne Semsrott kommentiert: “Alle rund 40.000 Personen, die ein Gutachten angefragt haben — und alle, die es noch anfragen — erhalten das Dokument. Uns soll aber trotzdem verboten bleiben, es zu veröffentlichen. Das ist schlicht und einfach absurd.”

2. “Gut gemeint, schlecht umgesetzt”
(taz.de Carolina Schwarz)
Die “taz” hat mit Karolin Schwarz über das sogenannte Overblocking bei Twitter gesprochen, mit dem der Mikrobloggingdienst gegen unschuldige Accounts vorgeht. Twitters Meldefunktion werde missbraucht. Es sei ein klassischer Fall von “gut gemeint, aber nicht gut umgesetzt.”

3. Allein gelassen
(sueddeutsche.de, Benedikt Frank)
Als Netflix die Serie “Tote Mädchen lügen nicht” veröffentlichte, in der es um einen Suizid geht, befürchteten Psychologen Nachahmungstaten. Keine unberechtigte Sorge, wie sich nun herausstellt: Nach dem Start der Serie hätten Suizide unter US-Teenagern laut einer Studie stark zugenommen.

4. Keine Blitzermeldungen mehr auf radioeins
(radioeins.de)
Radio Eins hat die Blitzermeldungen aus dem Programm geschmissen. Nachrichtenchef Jan Vesper bezeichnet sie als nicht mehr zeitgemäß. Die Verkehrsunfallstatistik für Berlin und Brandenburg sehe sehr düster aus. Eine der Hauptunfallursachen sei Raserei. Außerdem habe man nur noch selten Blitzermeldungen von Hörern erhalten, was die fehlende Akzeptanz bei den Hörern nahelege.

5. Hurra, es ist kein Mädchen!
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Prinz Harry und Herzogin Meghan haben einen Jungen bekommen. Anlass für Regenbogenexperte Mats Schönauer einen Blick in die Ankündigungs-Schlagzeilen der Regenbogenpresse zu werfen: “Hurra, es ist kein Mädchen!”

6. Starbucks-Becher in “Game of Thrones”-Folge: Sender klärt auf
(dnn.de)
Üble Schleichwerbung oder ein Versehen: In einer Folge der Fantasy-Serie “Game of Thrones” taucht ein Papp-Kaffeebecher mit Plastikdeckel einer internationalen Kaffeekette auf. Der Sender HBO kommentiert: “Der Latte, der in der Episode auftaucht, war ein Fehler. Daenerys hatte eigentlich einen Kräutertee bestellt.” Auch die Kaffeekette nutzt die Gunst der Stunde für eine launige Bemerkung: “Um ehrlich zu sein, wir sind überrascht, dass sie keinen Dragon Drink bestellt hat.”

7. Live-Mitschnitt unserer BILDblog-Jubiläumsveranstaltung
(youtube.com)
IN EIGENER SACHE: Ihr konntet gestern nicht auf der Republica sein oder habt den Livestream verpasst? Kein Problem: Hier gibt es den Mitschnitt unserer Session: Es ist ein wilder Ritt durch 15 Jahre “Bild”- und Boulevardbeobachtung, mit den übelsten Kampagnen, der schlimmsten Hetze und dem falschesten Katzenbenzin. Viel Spaß!

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