Suchergebnisse für ‘statistik’

E-Bikes, Landlust, Harald-Schmidt-Show

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die ‘Bild’-Botschaft: Hier bist du auf du und du mit den Stars”
(funkkorrespondenz.kim-info.de)
Dieter Anschlag zählt von Montag bis Samstag 79 “Stars” in “Bild”: “Aufs Jahr hochgerechnet wäre das ein ‘Star’-Gehalt von immerhin 4108 Nennungen.”

2. “Kundenservice im Journalismus: Fehler der Nachrichtenagentur ausbügeln? Denkste!”
(kundenkunde.de)
Wie “Trainer Jürgen” mal auf verschiedenen Zeitungsportalen “ab der 63. Minute auf volle Offensive” setzte. “Nur gut, dass wir in diesem Land diese riesengroße Vielfalt an Qualitätsmedien haben – man sollte wirklich ALLES tun, um dieses extrem wertvolle Gut zu schützen. Nicht.”

3. “Vom Glück des Gedeihens”
(faz.net, Uta Rasche)
Ein Porträt der Chefredakteurin der Zeitschrift “Landlust”, Ute Frieling-Huchzermeyer: “Dass die Redakteure allesamt Frauen sind, hat sich so ergeben: ‘Wenn sich ein passender Mann bewerben würde, hätte ich nichts dagegen’, sagt die Chefin. Die Hälfte des interdisziplinär aufgestellten Teams hat bei der ‘Landlust’ volontiert. Manche haben Gartenbau studiert, einzelne stammen vom Bauernhof, eine Ökotrophologin ist dabei, eine Geographin, aber auch Innenarchitektinnen, Germanistinnen und Kunsthistorikerinnen.”

4. “Jenseits der Hysterie”
(neukoellner.net, Patrick Schirmer Sastre)
Das von “Bild” vorabgedruckte Buch “Neukölln ist überall” von Heinz Buschkowsky in der Rezension eines Lokalblogs: “Die in der ‘Bild’-Zeitung vorgestellten Thesen sind tatsächlich im Buch zu finden. Es darf aber niemanden überraschen, dass gerade diese Zeitung sich große Mühe gegeben hat, die argumentierenden und einordnenden Passagen wohlweislich zu übersehen. Im Grunde ist es einfach: Wer Buschkowsky aufgrund der Auszüge in der ‘Bild’ als Rassisten oder Agitator schimpft, ist auf die boulevard’sche Darstellung der Bild-Zeitung reingefallen, nicht auf den Bürgermeister.”

5. “Unfallrisiko Elektrofahrrad: Geschickte Versicherungs-PR”
(blog.br.de/quer, Video, 5:16 Minuten)
Gemäß der bayerischen Unfallstatistik im ersten Halbjahr 2012 sind E-Bikes nicht gefährlicher als normale Fahrräder. In den Medien ist das aufgrund erfolgreicher PR anders zu lesen. Versicherer hoffen auf eine Pflichtversicherung für E-Bikes, wie es sie für Mofas gibt.

6. “Harry 42 – 25.09.02 – Schröder und Fliege – Axel Stein”
(youtube.com, Video, 43:24 Minuten)
Harald Schmidt liest in der “Harald-Schmidt-Show” vom 25. September 2002 die Zeitschrift “Fliege” und überlegt, welche Sendungen die ARD einsparen könnte. Als Gast: Axel Stein.

Eisen und Blech

Im August wurde bekannt, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer plant, den Kommunen freie Hand bei der Wahl ihrer Autokennzeichen zu lassen. Durch Gebietsreformen ausrangierte Ortskürzel sollen wieder vergeben werden können, völlig neue Kennzeichen sollen möglich werden.

Ein willkommener Anlass für “Welt Online”, heute eine zehnteilige Bildergalerie mit den “seltensten Städtekürzeln” zu veröffentlichen.

Gut, grafisch ist das ein bisschen mau:

Aber es gibt ja auch noch einen Begleittext, in dem unter anderem das hier steht:

In mehreren Bun­des­län­dern wünschen sich Kommunen, alte Kenn­zei­chen wieder ausgeben zu können – etwa “PL” für das säch­si­sche Plauen statt “V” für Vogtland. Die Fe­rien­in­sel Usedom möchte ihren Bürgern “USE” anbieten. In Bran­den­burg macht sich Ei­sen­hüt­ten­stadt für die Wie­der­ein­füh­rung des Kfz-Kenn­zei­chen EA stark.

Wenn Eisenhüttenstadt wirklich das Kennzeichen “EA” bekäme, wären wohl die Bewohner zweier Städte sauer: Zum einen die Menschen aus Eisenhüttenstadt, die gerne ihr altes “EH” wiederhätten, zum anderen die Menschen aus Eisenach, die im Moment noch “EA” haben.

Nachzulesen unter anderem in der Bildergalerie von “Welt Online”:

Mit Dank an Markus E.

Nachtrag, 9. September: “Welt Online” hat den “EA”/”EH”-Fehler bereits gestern transparent korrigiert.

Allerdings haben uns mehrere Leser auf verschiedene Ungereimtheiten der Top 10 hingewiesen: So wird “PS” (“Welt Online” schreibt “Platz 7”, gemeint ist aber: Platz 6) nicht nur an die Einwohner der Stadt Pirmasens (25.422 Zulassungen) vergeben, sondern auch für den Landkreis Südwestpfalz verwendet, wo es laut Kraftfahrtbundesamt (PDF) weitere 76.134 Zulassungen gibt. Selbiges gilt für “AN” (Platz 7, Stadt Ansbach: 26.592, Landkreis Ansbach: 149.845 Zulassungen) und “CO” (Platz 8, Stadt Coburg: 26.669, Landkreis Coburg: 66.369).

Dafür fehlen in der Liste St. Ingbert, das – obwohl zum Saarpfalz-Kreis (“HOM”) gehörig – ein eigenes Nummernschild (“IGB”) hat und mit 26.380 Zulassungen eigentlich auf Platz 4 liegen müsste, und Büsingen am Hochrhein, eine deutsche Exklave inmitten von Schweizer Territorium, wo es nur etwa 700 Mal das eigene Nummernschild “BÜS” gibt, obwohl die Stadt zum Landkreis Konstanz (“KN”) gehört.

Mit Dank an David W., Thomas W. und Klaus W.

Antiwählerfrühstück, Prinzessin, Euro

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Ankara: Syrien hat weiteres Flugzeug beschossen”
(tagesspiegel.de, Andrea Nüsse)
In Syrien habe sich eine “Art Medienkrieg zwischen staatlicher syrischer Propaganda und Leitmedien wie den arabischen Sendern ‘Al Dschasira’ und ‘Al Arabija’ etabliert”, schreibt Andrea Nüsse. “Am Anfang des Konfliktes wiesen Medien noch oft darauf hin, dass es schwer sei, objektive Nachrichten zu erhalten, weil keine ausländischen Reporter ins Land gelassen würden. Mittlerweile übernimmt die westliche Politik und Presse oft ohne Einschränkung die Darstellungen bewaffneter Kämpfer vor Ort und der ‘citizen reporter’.”

2. “Ein bisschen Tratsch muss sein”
(sueddeutsche.de, Ekkehard Müller-Jentsch)
Vor dem Landgericht München stritten am Montag die Anwälte von Roberto Blanco, “Bunte” und “Bild am Sonntag” um die Berichterstattung zu einer Hochzeit und um einen zwischen Blanco und “Bunte” geschlossenen Exklusivvertrag.

3. “Tausche Hirn gegen Verantwortung”
(fernsehkritik.tv, Fernsehkritiker)
Zur am 1. Juli stattfindenden Wahl eines Oberbürgermeisters in Halle lädt die MDR-Sendung “Querformat” zu einem “Antiwählerfrühstück” ein und offeriert ihren Zusehern “palettenweise belegte Brötchen und Kaffee”. “Diejenigen, die nicht wählen wollen, werden nur vorbei kommen, um sich ein kostenloses Frühstück abzuholen. Und schlimmer noch: Möglicherweise werden manche Bürger, die eigentlich zur Wahl entschlossen sind, nun durch die Aussicht auf Kaffee und Brötchen davon abgehalten.”

4. “Mehr Kitsch geht nicht”
(faz.net, Jonathan Schaake)
Die ZDF-Dokumentation “Endlich Prinzessin” (zdf.de, Video, 44 Minuten) über Kate Middleton und Charlene Wittstock in der Kritik: “Der Film von Ulrike Grunewald und Annette Tewes bietet flaches Royaltainment, das auf jeglichen Blick hinter die Fassaden verzichtet.”

5. “Liebe Noch-Euro-Mitbürger!”
(ftd.de, Horst von Buttlar)
Horst von Buttlar macht sich Gedanken über die optische Gestaltung der Krise des Euro.

6. “Der Mann in unserer Garage”
(tagesanzeiger.ch, Michael Hermann)

Thüringer Allgemeine, Roma, ZDF-Strand

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Roma, aber glücklich”
(taz.de, Paul Hockenos)
Paul Hockenos findet es “höllisch schwierig”, über Sinti und Roma zu schreiben, ohne in Klischees abzugleiten. “Wer allerdings über die Not hinausschaut, findet viele integrierte Roma aus der Unter- und Mittelschicht, die es aus dem Getto herausgeschafft haben. Wer schreibt über sie? Niemand. Es wäre schließlich nicht fesselnd genug. Das ist nicht alles: Es gibt eine nicht unerhebliche Anzahl von Slowaken, Rumänen, Ungarn und anderen, die genauso arm sind.”

2. “Brief der Redaktion der Thüringer Allgemeinen an ihren Chefredakteur Paul-Josef Raue”
(thueringerblogzentrale.de)
Die Redakteure der “Thüringer Allgemeinen” fordert von ihrem Chefredakteur Paul-Josef Raue unter anderem die “Wiedereinführung einer täglichen Redaktionskonferenz”. “Redaktionskonferenzen, wie sie in allen relevanten Zeitungen zur bewährten Praxis gehören, wurden formlos abgeschafft. Redaktionelle Belange werden allenfalls im kleinsten Kreis Ihres Stellvertreters und der beiden Desk-Chefs besprochen. In den Telefonrunden des Regional-Tisches mit den Lokalredaktionen wird diktiert statt kommuniziert.”

3. “Am ZDF-Strand”
(fr-online.de, Christoph Albrecht-Heider)
“Wie im Fernsehgarten, aber nicht wie bei einer Fußball-EM” fühlt sich Christoph Albrecht-Heider angesichts des von Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn gestalteten Rahmenprogramms auf Usedom. “Wer sich für Sport interessiert, sieht mit dem Ersten besser.” Siehe dazu auch “Twitter-Gemeinde sehnt sich bei der EM 2012 nach Kerner und Co beim ZDF” (derwesten.de, Sebastian Weßling), “ZDF: Massive Ton-Probleme beim EM-Einstand” (dwdl.de, Alexander Krei) und “Kein guter Tag für den ZDF-Kommentator Thomas Wark” (mediensalat.info, Ralf Marder)

4. “Drei gute Gründe gegen Leserreporter”
(bernetblog.ch, Kathrin Herrmann)
“1. Realität wird zur Unterhaltung, 2. Denn sie wissen nicht, was sie tun, 3. Schneller, höher, weiter: Leserreporter sind Teil der wachsenden Beschleunigung im Journalismus.”

5. “Warum ich meine Statistiktools ab sofort deaktiviert habe”
(schmalenstroer.net)
“Ich habe mich dazu entschlossen, hier die Statistikfunktionen abzuschalten und ab sofort auch nicht auf die Followerzahlen und die Facebook-Likes auf meinen Seiten zu achten. Ich bin gespannt, wie dies mein Blog verändern wird.”

6. “Fußballspiele live selbst kommentieren – oder anderen dabei zuhören”
(marcel-ist-reif.de)

dapd  

Gemischtes Doppel (2)

Die Pressestelle des Hessischen Statistischen Landesamtes hatte offenbar bereits den einen oder anderen Clown gefrühstückt, als sie am Freitag diese Pressemitteilung veröffentlichte:

Mineralwasser für Mathematiker
Mineralwassererzeugung auf Rekordniveau

Nein, auch in Zukunft wird Mineralwasser natürlich nicht nur von Mathematikern getrunken. Doch in Hessen wurde 2011 so viel Mineralwasser getrunken, dass es dem Inhalt eines Würfels mit der Kantenlänge von knapp 114 Metern entspricht; eine Seite dieses Würfels hätte die Fläche von zwei nebeneinander liegenden Fußballfeldern, oder dem Inhalt einer Kugel mit dem Durchmesser von 141 Metern – der Durchmesser der Kugel hätte die Höhe des City-Hochhauses (früher Selmi–Hochhaus genannt) am Platz der Republik in Frankfurt am Main. Auf diese Weise lässt sich die in Hessen gewonnene Mineralwassermenge veranschaulichen.

Wem da noch nicht der Schädel brummte, der bekam anschließend noch ein paar konkretere Informationen zu lesen, wie etwa diese hier:

Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes haben die hessischen Quellenbetriebe im Jahr 2011 insgesamt 1,467 Milliarden Liter natürliches Mineralwasser gewonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor.

Leider geriet die Pressemitteilung nicht nur in die Hände von Mathematikern, sondern auch an den Hessischen Landesdienst der Nachrichtenagentur dapd.

Und der machte einen durchaus beliebten Denkfehler:

Die hessischen Quellbetriebe haben im vergangenen Jahr fast doppelt so viel Mineralwasser gewonnen wie im Jahr zuvor. Mit 1,467 Milliarden Litern wurde ein Plus von 42 Prozent verzeichnet, wie das Statistische Landesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Mit Dank an Alan Smithee.

Die Rheinpfalz, Negerpuppe, Thomas Knüwer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Offener Brief”
(anders-anziehen.blogspot.de, Smilla Dankert)
Smilla Dankert schreibt an “Die Rheinpfalz”, in der ein mit ungefragt verwendeten Bildern bestückter Artikel über ihr Blog abgedruckt ist.

2. “Die Pyro-Show der fleischgewordenen Bild-Zeitung”
(schwatzgelb.de, Hanno)
In der ARD-Sendung “Hart aber fair” zündet Johannes B. Kerner eine Schaufensterpuppe an, um die Gefährlichkeit von Bengalischem Feuer nachzuweisen. “Nachdem Kerner zur Versachlichung den bekleideten Torso der Puppe kurzerhand zu einem gefallenen kleinen Kind erklärt hatte, bilanzierte er das wenig überraschende Ergebnis, indem er mit reichlich Tremolo in der Stimme feststellte, dass ‘das Kind in Flammen steht’ und diesem jetzt nicht mehr zu helfen sei.”

3. “Würden wir Selbstmordbilder zeigen, bekämen wir jeden Suizid dokumentiert”
(persoenlich.com, Benedict Neff)
Hansi Voigt, Chefredakteur von 20min.ch, gibt Auskunft über den Umgang mit Leserfotos: “Wenn wir oft Tramunfälle zeigen, bekommen wir Bilder von jedem Tramunfall zugeschickt. Würden wir Selbstmordbilder zeigen, bekämen wir jeden Suizid dokumentiert. Die Leute erleben die Welt nun mal durch ihre Handy-Kameras. Es ist an den Redaktionen, verantwortungsvoll mit den anvertrauten Dokumenten umzugehen.”

4. “Niemand weiß, wie viele Migranten es in Deutschland gibt”
(blog.zeit.de/open-data, Tobias Jochheim)
Tobias Jochheim will herausfinden, “wie viele Menschen mit Migrationshintergrund in welchem Bundesland leben. (…) Wir hatten mit einem Zeitaufwand von einer halben Stunde gerechnet. Daraus wurden drei Wochen.”

5. “Wenn schon falsch, dann richtig!”
(qlod.org, Nilzenburger)
Nilzenburger verbessert den Artikel “Ray Cokes – so könnte Fernsehen sein” von Thomas Knüwer.

6. “Im Auge des Shitstorms”
(spiegel.de, Jochen Brenner)
Ein Besucher einer Lesung von Sarah Kuttner ruft die Polizei, weil er sich von der Verwendung von Wörtern wie “Negerpuppe”, “Schlauchbootlippen” und “Wurstlippen” verletzt fühlt; er wirft Kuttner vor, eine Rassistin zu sein. Die “Hamburger Morgenpost” macht daraus einen “Eklat”, weitere Medien nehmen die Geschichte auf.

Axel Springer, Impfkritik, Öl

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Drei Leben: Axel Springer”
(youtube.com, Video, 89 Minuten)
Ein Film von Manfred Oldenburg, Jobst Knigge und Sebastian Dehnhardt teilt das Leben von Axel Springer in drei Teile auf: Verleger, Feindbild, Privatmann.

2. “Ein deutsches Prangerschema”
(vocer.org, Hans Mathias Kepplinger)
Hans Mathias Kepplinger widmet sich der Skandalisierung: “In Deutschland geht es bei der Skandalisierung von Personen meist um Geld und geldwerte Vorteile, gelegentlich auch um die NS-Zeit und den Umgang damit. (…) Besonders deutlich wird die Fixierung der Deutschen auf geldwerte Vorteile im Fall von VW: Zum Skandal wurde nicht, dass die Mitarbeiter ihre Frauen betrogen hatten, sondern dass das Unternehmen dafür bezahlt hatte. In den USA wäre es umgekehrt gewesen.”

3. “Impfen ist gut und die Erde eine Scheibe”
(scilogs.de, Boris Hänßler)
Boris Hänßler schreibt über Impfkritik.de, ein “Portal für unabhängige Impfaufklärung”. “Das Portal wird von dem Medizinjournalisten Hans Tolzin betrieben, der anhand vieler Studien und Statistiken eindrucksvoll belegt, was für ein Unsinn Impfen eigentlich ist. Oder zumindest, wie tückisch Medizinjournalismus sein kann.”

4. “Geografie und Skandal”
(pselbst.de)
Schweröl im sibirischen Fluss Angara, der nicht in den Baikalsee mündet, wie verschiedene Medien schreiben, sondern ein Abfluss daraus ist.

5. “Porn panic!”
(guardian.co.uk, Martin Robbins, englisch)
Die “Daily Mail” sorgt sich um den Pornokonsum Jugendlicher: “The problem with the Mail’s campaign is that it is built on a combination of pig-headed ignorance and breath-taking hypocrisy.”

6. “Warum man Frauen unmöglich ‘nicht mitmeinen’ kann”
(herrmeyer.ch)
“Wer von acht Mitarbeiterinnen und acht Mitarbeitern als ‘sechzehn Mitarbeitern’ spricht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht misogyn veranlagt, sondern praktisch: Er möchte banalerweise einfach zum nächsten Satz übergehen.”

Tattoos, Günter Wallraff, Notwehr

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Stigma Tattoo: Pseudowissenschaftliche Vorurteilskonstruktion”
(novo-argumente.com, Tobias Prüwer)
Tobias Prüwer bezweifelt eine Studie, die “den Zusammenhang zwischen Tätowierungen, Piercings und Alkoholkonsum” untersuchte und zu einen Artikel auf Focus.de geführt hatte. Weiter geht es um eine ältere Studie über die “vorgeblich herausragenden sexuellen Aktivitäten von Tätowierten”. “Vielleicht sind Menschen, die sich Farbe in die Haut stechen lassen, einfach offener gegenüber anderen Aktivitäten, in denen der Körper eingesetzt wird? Eventuell haben Menschen mit mehr Sex eher Lust auf bunte Hautbilder? Gegebenfalls neigen Tätowierte zu Übertreibungen, wenn es um das alte Rein-Raus-Spiel geht?”

2. “In 80 Fehlern um die ‘Welt'”
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Hektor Haarkötter studiert Zahlen und Statistiken in “Welt Aktuell”: “Weder erfährt man, wieviele Leute eigentlich befragt wurden (also die Stichprobe), noch auf welche Bezugsgruppe hier denn nun hochgerechnet werden soll (StatistikerInnen sprechen hier von der ‘Grundgesamtheit’): Alle Bundesbürger, alle Steuerzahler, alle Erwachsenen?”

3. “Kam Ali aus Ost-Berlin?”
(welt.de, Michael Behrendt und Dirk Banse)
Michael Behrendt und Dirk Banse setzen sich ausführlich mit der Vergangenheit von Günter Wallraff auseinander. Unter anderem geht es um eine Mitarbeit von Journalist Frank Berger am Bestseller “Ganz unten”, den “Stasi-Akten als mutmaßlichen Agenten des DDR-Geheimdienstes” ausweisen.

4. “Hasskommentare dürfen nicht publiziert werden”
(politblog.tagesanzeiger.ch, Johanne Gurfinkiel)
Johanne Gurfinkiel fordert, dass Leserkommentare “vor der Publikation gelesen und nicht mehr sofort veröffentlicht werden”: “Die Meinungsfreiheit darf nicht als Instrument für Hasspropaganda missbraucht werden. In diesem Sinne sind auch die Regeln in Bezug auf ein redigierendes Eingreifen vor der Veröffentlichung der Kommentare zu erstellen.”

5. “Notwehr gegen Paparazzo”
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Das Oberlandesgericht Hamburg beschließt: “Der Schlag gegen die Kamera ist grundsätzlich geeignet, ein rechtswidriges Fotografieren zu beenden. Die bisherigen Feststellungen ergeben auch nicht, dass dem Angeklagten ein milderes Mittel zur Verfügung gestanden haben könnte.”

6. “Klaus erklärt: 50 Jahre BILD”
(youtube.com, Video, 1:55 Minuten)
Wie “Extra 3” 2002 den 50. Geburtstag von “Bild” feierte.

Bild  

Hartz-IV-Sauerei-Sauerei

Gegen Hartz-IV-Empfänger zu hetzen, gehört bei “Bild” ja schon immer zu den Königsdisziplinen. Insofern ist diese Schlagzeile auf der gestrigen Titelseite eigentlich fast schon normal:

Sauerei

Im ausführlichen Artikel auf Seite 2 behauptet “Bild”:

Noch nie wurde so viel geschummelt und getrickst!

Erschreckende Hartz-IV-Bilanz: Im letzten Jahr wurden gegen 912 377 Hartz-IV-Drückeberger Sanktionen verhängt – REKORD! Wie geschummelt und gelogen wird, welche Strafen drohen, in welchen Bundesländern am meisten getrickst wird.

Es wurden allerdings nicht gegen “912.377 Hartz-IV-Drückeberger” Sanktionen verhängt, sondern insgesamt 912.377 einzelne Sanktionen. Laut Bericht der Bundesagentur für Arbeit (Excel-Datei) verteilen sich die auf gerade einmal 151.377 Leistungsberechtigte. Das bedeutet, dass je nach Lesart nur 3,4 bis 4,5 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger überhaupt sanktioniert wurden.

Nun ist es zwar korrekt, dass die Jobcenter 2011 insgesamt mehr Sanktionen verhängt haben als etwa im Jahr davor, doch “Bild” selbst muss einräumen, dass es in den meisten Fällen nicht um “Tricksereien” oder “Schummeleien” ging:

Meistens wurden im vergangenen Jahr Strafen verhängt, weil die Hartz-Empfänger Meldefristen nicht eingehalten haben (582 253), also z. B. trotz Einladung nicht beim Jobcenter erschienen.

“Zeit Online” erklärt genauer, was die sanktionierten Hartz-IV-Empfänger denn so angestellt haben:

In den meisten Fällen hatten die Hartz-IV-Empfänger der Statistik zufolge gegen sogenannte Meldepflichten beim Jobcenter verstoßen, erschienen also beispielsweise nicht zu Terminen. In anderen Fällen weigerten sie sich, eine Arbeit, Ausbildung oder Weiterbildungsmaßnahme anzutreten oder brachen diese ab.

Die Betrugsfälle beim Bezug von Hartz IV sind hingegen zurückgegangen. Die BA leitete 177.500 Straf- und Bußgeldverfahren wegen Missbrauchs beim Arbeitslosengeld II ein. Das waren knapp 22 Prozent weniger als 2010.

“Die reinen Missbrauchsfälle und Betrugsfälle steigen nicht an. Wir haben überwiegend Meldeversäumnisse, das hängt auch mit der guten konjunkturellen Entwicklung zusammen”, sagte der Sprecher [der Bundesagentur für Arbeit]. Ein einfaches Meldeversäumnis löse noch keinen Betrugsfall aus.

Die gestiegene Anzahl der Sanktionen hängt also hauptsächlich damit zusammen, dass es einfach mehr Termine gibt, die verpasst werden können. Die Betrugsfälle hingegen gehen – und das kann man nicht genug betonen – deutlich zurück. Ebenfalls “Zeit Online” berichtete darüber bereits vor einem Monat:

Die Agentur für Arbeit hat weniger Hartz-IV-Empfänger beim Täuschen erwischt. Innerhalb eines Jahres sank die Zahl der eingeleiteten Verfahren um 50.000.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband wirft “Bild” in einer Stellungnahme “unverantwortliche Stimmungsmache” vor:

“Hier wird ohne jede empirische Grundlage auf unverantwortliche Art und Weise gegen Millionen Menschen gehetzt und ein Bild der schmarotzenden Massen geschürt, das mit der Realität nichts zu tun hat”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Todesflughafen, Shitstorm, Lobbyarbeit

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Fasanenbrust im Brotmantel: Nicolai Kwasniewski vom Spiegel Online erhält unseren Preis für das abscheulichste Stück Luftfahrtjournalismus”
(pilotundflugzeug.de, Jan Brill)
Jan Brill nimmt den Artikel “Der Todesflughafen von Warren Buffett” von “Spiegel Online” auseinander: “Herr Kwasniewski, Sie nehmen den Unfalltod von fünf Menschen als Anlass und Hintergrund für ein tagespolitisches Rührstück und versäumen es vor lauter Weltanschauung Ihre Leser über den Unfall oder dessen Hintergründe zu informieren.”

2. “Kleines Shitstormlexikon für Einsteiger”
(raventhird.de)
Eine Typologie der Teilnehmer eines Shitstorms.

3. “Im Schweizer Fernsehen”
(nzzfolio.ch)
Das NZZ Folio vom März 2012 widmet sich dem Schweizer Fernsehen. Verschiedene Texte behandeln das Tagesprogramm, den Vorabend, den Hauptabend und die Nacht.

4. “Lobbyisten erfolgreich: Leistungsschutzrecht soll kommen”
(lobbycontrol.de)
Hintergründe zur Lobbyarbeit der Presseverlage Burda und Springer, die das Leistungsschutzrecht für Presseverleger erfolgreich in die Regierungskoalition getragen hat.

5. “Die Achse des Boulevards”
(nzz.ch, Rainer Stadler und Beat Gygi)
Die Boulevard-Aktivitäten der Verlage Axel Springer und Ringier in Osteuropa. “Nun arbeiten Ringier und Springer daran, ihre starke Stellung im Pressesektor auf den Online-Markt auszuweiten.”

6. “Statistisch berechnet: Im Jahr 2034 erscheint die letzte gedruckte Tageszeitung”
(journalistiklehrbuch.wordpress.com, Klaus Meier)
“Die Statistik sagt uns voraus: 2022 werden noch ca. 11 Millionen Exemplare verkauft – und 2034 ist dann Schluss.”

Blättern:  1 ... 19 20 21 ... 30