Suchergebnisse für ‘statistik’

SPÖ-Skandal, “Funk”-Bilanz, Maas-Aufrüstung

1. Wer hat Schuld am SPÖ-Skandal?
(faktenfinder.tagesschau.de, Silvia Stöber)
Steckt die österreichische SPÖ hinter einer antisemitischen Kampagne gegen Herausforderer Sebastian Kurz von der ÖVP? Anscheinend hat ein SPÖ-Berater eine perfide Schmutzkampagne gestartet, die er unter anderem über eine anonyme Facebookseite befeuerte. Silvia Stöber versucht Licht ins Dunkel des österreichischen Wahlkampfs zu bringen. Lesenswert dazu ebenfalls Ingrid Brodnigs Beitrag “Die Wahrheit über anonyme Fanpages”, in dem sie anhand des konkreten Beispiels aufführt, wie gefährlich und rechtswidrig anonyme Seiten im Wahlkampf sind.
Auf “Telepolis” kommentiert Stefan Weber, der als Plagiatsgutachter u.a. die Diplomarbeiten von Bundeskanzler Christian Kern und Kanzleramtsminister Thomas Drozda überprüft hat: “Österreichs Politik dreht durch”.

2. Maas rüstet personell gegen Facebook & Co. auf
(spiegel.de, Fabian Reinbold)
Nach Informationen des “Spiegel” wird das Bundesamt für Justiz (BfJ) rund 50 Mitarbeiter für die Umsetzung des Facebook-Gesetzes von Justizminister Heiko Maas abstellen. Das Gesetz verpflichtet Plattformen wie Facebook oder YouTube unter anderem zum Aufbau eines wirksamen und transparenten Beschwerdemanagements. Die Hälfte der Mitarbeiter nehme die Arbeit bereits Anfang Oktober auf, wenn das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in Kraft trete. Dazu würden zwei Referate eingerichtet, eines für Grundsatzfragen und eines für Einzelfallverfahren. Weiterer Lesetipp: Markus Reuter auf netzpolitik.org mit: “Ab heute gilt das NetzDG – und das sind die Gefahren für die Meinungsfreiheit”.

3. Die traurige Bilanz des Jugendnetzwerks von ARD und ZDF
(welt.de, Christian Meier)
Letztes Jahr starteten ARD und ZDF ihr Jugendprogramm “Funk”. Dabei handelt es sich um ein Konglomerat aus mittlerweile rund 60 verschiedenen Video- und Audioformaten, die nur übers Netz und da vor allem über YouTube und Facebook verbreitet werden. 45 Millionen Euro war den Sendern der Verjüngungsversuch wert. Christian Meier hat sich die Zahlen genauer angeschaut und eine Zwischenbilanz gezogen. Niveau und Abrufzahlen seien bescheiden, dennoch lohne sich das Projekt für ARD und ZDF.

4. Die AfD in den Medien: Aufgeblasen am rechten Rand?
(netzpolitik.org, Constanze Kurz, Alexander Beyer )
Kanadische Forscher untersuchten über mehrere Monate die Erwähnungen der Rechtspopulisten und werteten dabei tausende von Artikeln des gesamten politischen Spektrums aus. Im Hinblick auf die letzten Monate vor der Wahl schreibt der am Forschungsprojekt beteiligte Politik- und Medienwissenschaftler Alexander Beyer: “Dass die traditionellen Medien eine übergroße Schuld am Erstarken der AfD hätten und zu einseitig wären, lässt sich als These wohl nicht mehr halten, wenn man die letzten Monate des Wahlkampfes mit dem Statistikauge betrachtet. Denn mit Blick auf die Mainstream-Medien und ihre Themensetzung zeigen sich signifikante Unterschiede bei der Erwähnung der Parteien und ihrer Themen — und gerade keine Übermenge an AfD-Berichten.”

5. Zahlen nur bei Empfang!
(faz.net, Michael Hanfeld)
Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass der Rundfunkbeitrag für Hotel- und Gästezimmer nur erhoben werden darf, wenn die Zimmer auch eine Empfangsmöglichkeit bieten. Eine Hostel-Betreiberin aus Neu-Ulm hatte darauf verwiesen, dass es in den Zimmern keine Fernseher, Radios und keinen Internetempfang gebe, war mit dieser Argumentation in den Vorinstanzen jedoch erfolglos geblieben. Es sei das erste Verfahren, in dem ein Kläger mit dem Einspruch gegen den Rundfunkbeitrag Erfolg hatte. Nach Informationen der “Neuen Juristischen Wochenschrift” (NJW) rolle das Bundesverfassungsgericht den Rundfunkbeitrag neu auf und habe dazu einen Fragenkatalog an alle Landesregierungen verschickt.

6. “Willicks weltweit”: “Jetzt haben wir es echt richtig scheiße”
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat sich die WDR-Produktion “Willicks weltweit” angesehen und sich danach den Ärger über die “dümmste Sendung im deutschen Fernsehen” und ihre Protagonistin von der Seele gerantet: “Ich kann ja verstehen, wenn eine Moderatorin Lust hat, mal eine Reise anzutreten in ein fernes Land, sagen wir mal Texas. Darf sie machen. Dafür verdient sie genug. Warum aber muss sie auf Senderkosten noch einen Redaktionskollegen, einen Kamera- und einen Tonmann mitnehmen, um in einer Woche Dinge herauszufinden, die nicht über den Hauch von Relevanz für die Menschen im Sendegebiet verfügen, von denen noch nicht einmal klar ist, ob sie so, wie sie präsentiert wurden, überhaupt wahr sind und nicht nur die abgelutschtesten der abgelutschten Klischees bedienen? Ich sage mal so: Bei RTL II würde man sich für solch einen Mist schämen.”

Moderatoren-Pachtverträge, TV ist out, Ungeliebte Landliebe

1. Hushpuppie-Pathos und Dauergeplärre im Wahlkampf
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester ist genervt vom Wahlkampf-Fernsehen mit immer denselben Politikmoderatoren der Riege Maischberger, Klöppel, Illner, Will und Plasberg: „Geht mit einem Moderationsposten für eine relevante politische Sendung ein 100-jähriger Pachtvertrag einher? Wie kommen Fernsehverantwortliche darauf, dass sich 30-jährige Vertriebsangestellte und 19-jährige Deutsch-Türken, die gerade ihr Abitur gemacht haben, durch ein homogenes Team bestens verdienender, sich in den Zirkeln der Elite bewegender Menschen Anfang/Mitte 50 vertreten fühlen könnten?“

2. Richtige Zahlen, voreilige Schlüsse
(correctiv.org, Inga Wonnemann)
In den vergangenen Tagen machten einige alarmistische Artikel zu Vergewaltigungen in Bayern die Runde. Inga Wonnemann hat sich die Zahlen näher angeschaut. Die Zahl der registrierten Sexualdelikte sei tatsächlich gestiegen. Man müsse die Daten allerdings einordnen und dürfe keine falschen Zusammenhänge herstellen.

3. Mit dem Zweiten sieht man rechter
(kreuzer-leipzig.de, Tobias Prüwer)
Im Leipziger Magazin „Kreuzer“ kritisiert Tobias Prüwer die ZDF-Doku „Radikale von Links“, bei der einiges durcheinander geraten sei. In der Leipzig-Berichterstattung seien ganze Stadtviertel verlegt und Straßenschlachten erfunden worden. Und als Stichwortgeber und Experte sei ausgerechnet ein AfD-Politiker aufgetreten, der im Film schlicht als „Politologe“ bezeichnet worden sei.

4. Die Qual vor der Wahl
(de.ejo-online.eu, Gerret von Nordheim)
In letzter Zeit gab es einige Fälle, in denen Meinungsforscher deutlich danebenlagen, ob beim Brexit, der Trump-Wahl oder einigen AfD-Landtagserfolgen. Die Meinungsforschungsinstitute verweisen auf die Unsicherheiten und Fehlertoleranzen, die von den Journalisten beim Weitertransport der Zahlen nicht angegeben worden seien. Nun haben Studierende der TU Dortmund untersucht, wie deutsche Printmedien mit Wahlumfragen umgehen. Wird Unsicherheit dort kommuniziert? Und wenn ja, wie? Und wird überhaupt die Quelle der Umfrage genannt?

5. „Fernsehen ist out. Die Schüler informieren sich über das Smartphone“
(journalist-magazin.de, Yvonne Zwirnmann)
Im neunten Teil der „journalist“-Interviewreihe zum Thema Fake News erzählt ein Gymnasiallehrer, welchen Einfluss Falschmeldungen im Klassenzimmer haben. Seine Resümee zum Thema Medienkonsum: „Fernsehen ist out. Die gesamte Informationsbeschaffung läuft über das Smartphone. Auch gedruckte Tageszeitungen werden immer weniger gelesen, das geht alles über Apps. Einige Schüler haben die Apps von Spiegel Online, „Tagesschau“ oder Süddeutscher Zeitung. Ganz gruselig wird es natürlich, wenn sie ihre Nachrichten nur auf Facebook beziehen, also nur das lesen, was andere Leute posten.“

6. kontertext: Ein bisschen Friede, ein bisschen sein
(infosperber.ch, Felix Schneider)
Nachdem das Magazin „Landlust“ in Deutschland ein großer Erfolg wurde, wollte man in der Schweiz nachziehen und warf die „Landliebe“ auf den Markt. Felix Schneider hat sich die aktuelle Ausgabe angeschaut und einige Sätze herausgepickt und kommentiert. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Es ist keine Liebesgeschichte geworden.

Kurz korrigiert (505)

Bild.de berichtet heute über die Ausgaben der Parteien im laufenden Bundestagswahlkampf …

Ausriss Bild.de - Parteien im Millionen-Euro-Check - Wer gibt was im Wahlkampf aus?

… und zieht dabei folgenden Vergleich:

Ausriss Bild.de - Verglichen mit dem US-Wahlkampf sind es nur Peanuts. Eine Millionenschlacht wird es trotzdem: Die deutschen Parteien werden im Bundestagswahlkampf 2017 zusammen über 65 Millionen Euro ausgeben. Zum Vergleich: Hillary Clinton und Donald Trump haben im US-Wahlkampf 2016 mit 507 Millionen Euro mehr als zehn Mal so viel ausgegeben.

Liebe Bild.de-Mathe-Cracks, wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Rechenschieber aneinandergekoppelt und nachgezählt: 507 Millionen Euro sind nicht mehr als das Zehnfache von 65 Millionen Euro.

Mit Dank an Malte H. für den Hinweis!

Nachtrag, 20. August: Mehrere Leser wiesen darauf hin, dass — abgesehen vom Rechenfehler durch Bild.de — der reine Vergleich der absoluten Summen wenig Sinn mache. Die USA seien deutlich größer, sie bestünden aus mehreren Staaten, es gebe dort deutlich mehr Wahlberechtigte. Daher hier eine Rechnung der Ausgaben pro wahlberechtigter Person in den USA und in Deutschland.

Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 waren etwa 227 Millionen Menschen wahlberechtigt. Bei der Bundestagswahl in Deutschland in diesem Jahr sind knapp 61,5 Millionen Menschen wahlberechtigt. Nimmt man die Ausgaben von 507 Millionen Euro (USA) beziehungsweise 65 Millionen Euro (Deutschland), die Bild.de angibt, ergeben sich 2,23 Euro/Wahlberechtigten in den USA und 1,06 Euro/Wahlberechtigten in Deutschland — also das 2,1-Fache.

Bild.de hat den Artikel in der Zwischenzeit korrigiert und schreibt nun allgemeiner von einem “Vielfachen”:

Die deutschen Parteien werden im Bundestagswahlkampf 2017 zusammen über 65 Millionen Euro ausgeben. Zum Vergleich: Hillary Clinton und Donald Trump haben im US-Wahlkampf 2016 mit 507 Millionen Euro ein Vielfaches ausgegeben.

Allerdings ist die Stelle noch immer falsch (und unsere Rechnung oben hinfällig). Denn die “507 Millionen Euro” für Donald Trump und Hillary Clinton zusammen sind viel zu niedrig angesetzt. Verschiedene Quellen geben verschiedene höhere Wahlkampfkosten an: Der “SRF” schreibt von 1,3 Milliarden Dollar für Clinton und 795 Millionen Dollar für Trump, bei “Bloomberg” sind es 1,191 Milliarden Dollar für Clinton und 647 Millionen Dollar für Trump, “Statista” prognostizierte Wahlkampf-Ausgaben von insgesamt 2,7 Milliarden Euro.

Nur in einem anderen Artikel findet man auch die “507 Millionen Euro”. Er stammt von Bild.de und erschien im September 2016, also zwei Monate vor der US-Wahl.

Mit Dank an Frank G., Matthias R., Klau P., @bottgus, @UP87, @bluekoblenz, @MtthsBrnkmnn und @tobiasf91 für die Hinweise!

Angstfigur Einwanderer, Puff-Gutscheine, Makaken-Selfie

1. „Medien haben gewalttätige Einwanderer als Angstfigur entdeckt“
(welt.de)
Für eine Studie zur Berichterstattung über Geflüchtete und Zuwanderer haben Wissenschaftler zwischen Januar und April dieses Jahres Artikel in überregionalen Zeitungen und TV-Beiträge aus den Hauptnachrichten analysiert. Die deutschen Medien hätten den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt, so das Fazit des Studienleiters. Deutsche Fernsehsender hätten im Vergleich zu 2014 viermal so häufig über Gewalt nichtdeutscher Tatverdächtiger berichtet, obwohl deren Anteil in der Kriminalstatistik in diesem Zeitraum lediglich um ein Drittel angestiegen sei. „Das führt zu einem verzerrten Bild und kann Vorurteile in der Bevölkerung anheizen“, warnt der leitende Medienwissenschaftler. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Vor allem die „Bild“-Zeitung berichte über Ausländer zumeist im Zusammenhang mit Kriminalität.

2. Wir haben das Skandalbuch ‘Finis Germania’ gelesen, damit ihr es nicht müsst
(vice.com, Niclas Seydack)
Niclas Seydack hat sich für “Vice” das umstrittene Buch “Finis Germania” angeschaut, das in eine Bestenliste rein- und eine Bestsellerliste rausgetrickst wurde. “Der Unterschied zu einer Landser-CD liegt weniger darin, was gesagt wird, als wie es gesagt wird. Sieferle nutzt eine wissenschaftlich-anmutende Sprache für sein unwissenschaftliches Gedresche vom “Mythos Vergangenheitsbewältigung”. Das macht Bücher wie Finis Germania so gefährlich – und für viele so faszinierend. Wer das Buch derzeit in Berliner Buchhandlungen kaufen will, wird vertröstet. Nicht, weil es die Geschäfte aus dem Sortiment genommen hätten – sondern, weil es ausverkauft ist.”

3. Puff-Gutscheine aus dem Elfenbeinturm: Medienforscher blamiert sich in der ARD beim Thema Fake-News
(meedia.de, Hendrik Steinkuhl)
Hendrik Steinkuhl kann der ARD-Doku „Im Netz der Lügen – Der Kampf gegen Fake News“ wenig Gutes abgewinnen. Der Film sei schlecht und liefere keine einzige originelle Erkenntnis zum Thema. Einen erheblichen Anteil daran habe der Medienforscher und Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger mit seinem Experiment, kontrolliert und geplant Fake-News in die Welt zu setzen. “Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schweiger lässt seine Mitarbeiterinnen im Dienst der Wissenschaft gegen Minderheiten hetzen, sagt aber vorher, dass sie genau das natürlich auf keinen Fall tun dürften. Er holt den Puff-Gutschein aus der digitalen Mottenkiste und entdeckt, oh Wunder, dass die Leute darauf hereinfallen. Und er sieht seine These von einer ungenügenden Quellenprüfung im Netz als bestätigt an, weil in seinem Experiment die Nähe zwischen Volksbeobachter und Völkischem Beobachter ja jedem hätte ins Auge springen müssen.”

4. Entenfleisch mit frischem Blut
(taz.de, Marina Mai)
Der deutschvietnamesische Journalist Trung Khoa Le betreibt seit neuneinhalb Jahren die zweisprachige Onlinezeitung “Thoibao.de” (Die Zeit), das größte vietnamesisch-sprachige Medienangebot aus Deutschland. Neun Jahre hätte er “schön” über Vietnam berichtet, seit ein paar Monaten schreibe er “die Wahrheit”. Nun fühlt er sich von Offiziellen in Vietnam und von einer Privatperson aus München bedroht und hat Strafanzeige bei der Berliner Polizei gestellt. „Iss zur Entspannung doch mal etwas Entenfleisch mit frischem Blut“, habe in einer an ihn gerichteten SMS gestanden, was in Vietnam als Todesdrohung gelte.

5. Kampf gegen deutsche Dominanz
(de.ejo-online.eu, Sebastian Bolsinger)
Die Medienlandschaft in Polen sieht sich weitreichenden Veränderungen ausgesetzt: Nach einigen Umstrukturierungen und Entlassungen im öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehen, soll nun der vermeintliche Einfluss deutscher Verlage auf die polnische Politik bekämpft werden. Die polnische Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ habe eine Gesetzesinitiative angekündigt. Details seien derzeit jedoch noch nicht bekannt. Wie sich die Bemühungen der polnischen Regierung, die Printmedien zu repolonisieren, insgesamt weiter entwickeln werden, sei im Moment schwer zu beurteilen.

6. “Ich wünschte, ich hätte die verdammten Fotos nie gemacht”
(sueddeutsche.de, Laura Hertreiter)
Vielleicht sind Sie im Netz schon mal dem Bild eines freundlich in die Kamera lächelnden Affen begegnet. Ein indonesischer Schopfmakake hatte einen Fotoapparat in die Hand bekommen, den Auslöser gedrückt und das wohl berühmteste Selfie der Welt geschossen. Für den Fotografen David Slater, der das Bild von einer seiner Reisen mitgebracht hat, könnte das erhebliche Lizenzeinnahmen bedeuten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die für ihre rabiaten Methoden bekannte Tierrechtsorganisation Peta zog 2015 vor Gericht und will sich im Namen des Affen die Erlöse aus der Verwertung des Fotos erstreiten. Eine letztgültige Entscheidung steht noch aus. Der Fotograf sei inzwischen offenbar pleite und müsse sich mit Aushilfsjobs über Wasser halten.

Unfehlbar, Spiegel Daily, Durchgetanzt

1. Journalisten machen keine Fehler. Sie werden bloß missverstanden.
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ Peter Huth teilte auf Facebook die Meldung des Online-Dienstes seiner Zeitung, wonach ein baden-württembergischer AfD-Landtagsabgeordneter empfohlen habe, Frauen zu verbrennen, um das Klima zu retten. Als Huth von Nutzern darauf hingewiesen wird, dass das Zitat nicht stimmt, macht er sich über die „Wortklauber“ und die „Superkorrekten“ lustig. Eine Entschuldigung will ihm schon gar nicht über die Lippen kommen. Stefan Niggemeier kommentiert den Vorgang: „Wegen Leuten wie Huth werden in vielen Redaktionen immer noch nicht Fehler korrigiert, sondern Missverständnisse beklagt. Wegen einer Haltung wie der von Huth gibt es oft noch keine klaren Routinen, wie mit Korrekturen umzugehen ist, und vor allem kein Gespür für die verheerende Wirkung, die Falschmeldungen und ein ungeschickter Umgang mit ihnen haben. Es ist eine Haltung aus einer Zeit, in der es noch nicht drauf ankam. In der die Hütte noch nicht an allen Ecken brannte.“

2. Links, jüdisch, divers
(taz.de, Frederik Schindler)
Ein neues Debattenmagazin will die „Diversität jüdischen Lebens jenseits der etablierten Institutionen“ zeigen: „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“. Es geht darum, jüdisches Leben abzubilden und kritisch zu reflektieren. Die erste Ausgabe widmet sich aber auch feministischen Themen. Das Heft soll halbjährlich erscheinen. Die ersten beiden Ausgaben sind durch öffentliche Mittel finanziert, danach ist man auf sich allein gestellt.

3. Weil wir im Jahr 2017 leben
(faz.net, Julia Encke & Karen Krüger)
Miriam Meckel ist Herausgeberin der „Wirtschaftswoche“ und Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Im Interview spricht sie unter anderem über Feminismus, Frauennetzwerke und Quotendiskussionen, über Donald Trump, Torsten Albig und Emmanuel Macron.

4. Am Dienstag kommt SPIEGEL DAILY
(spiegel.de)
Der „Spiegel“ startet heute eine neue digitale Tageszeitung: „Spiegel Daily“. Die Inhalte kommen von den Kollegen von Print, Online und TV und werden in Form von einer einzigen Ausgabe jeweils um 17.00 Uhr an die Leser ausgeliefert. Das Ganze kostet 2,49 Euro je Woche bzw. 6,99 Euro je Monat, für Abonnenten des digitalen Spiegels ist das Angebot kostenlos.

5. Die kleine Null möchte beim Schwimmmeister abgeholt und in die Y-Achse aufgenommen werden!
(nichperfekt.blogspot.de, Matthias Speidel)
Anlässlich der NRW-Wahl gab es auf „tagesschau.de“ eine Grafik zur Aussage „Hannelore Kraft versteht, was Menschen in NRW bewegt“: ein Liniendiagramm mit ganzen zwei Punkten, bei dem die Y-Achse nicht bei 0 beginnt. Das ist unsauber und unnötig, wie Matthias Speidel in seinem Blog bemerkt und wäre ein Fall für das von der „Tagesschau“ an anderer Stelle gepostete Tutorial für korrekte Statistiken.

6. Österreich: Verwirrung um “Dancing Stars”-Teilnehmer
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Was bei uns im Privatfernsehen als „Lets Dance“ bekannt ist, läuft in Österreich in ähnlicher Form im öffentlich-rechtlichen „ORF“ als „Dancing Stars“. Nun hat einer der Teilnehmer in einem Interview behauptet, dass der Sender ihm das Weiterkommen vertraglich zugesichert habe. Wenn dies stimmt, wäre dies Betrug an den Zuschauern, die Geld für ihre Voting-Anrufe zahlen.

Wikitribune, Weinskandal, Rekruten-Pizza

1. Wie Jimmy Wales mit dem Wikipedia-Prinzip den Journalismus retten will
(wired.de, Greg Williams)
Nun sagt auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales den Fake News den Kampf an und startet eine Community-getriebene Online-Nachrichtenplattform mit dem Namen „Wikitribune“. Das neue Nachrichtenportal soll über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden: „Wenn wir News mit Community-Beteiligung machen, sollte das auch mit Community-Beteiligung finanziert werden.“

2. IVW-Blitz-Analyse Zeitungen: Bild, BamS und WamS verlieren mehr als 10%, Gewinne für die Junge Freiheit und den Freitag
(meedia.de, Jens Schröder)
Die Verkaufsstatistik für überregionale Tageszeitungen im ersten Quartal fiel vor allem für das Haus Axel Springer schlecht aus: „Bild“ und „Bild am Sonntag“ verloren bei Abos und Einzelverkäufen laut IVW-Erhebung fast elf Prozent gegenüber dem Vorjahr, die “Welt am Sonntag” zehn Prozent.

3. Der «Blick» auf den Spuren der «Schweizermacher»
(medienwoche.ch, Nina Fargahi)
Die Schweizer Tageszeitung „Blick“ hat mit einer umstrittenen Aktion auf sich aufmerksam gemacht: Das Blatt forderte Flüchtlinge auf, einen „Integrationsvertrag“ abzuschließen, den man sich hat einfallen lassen. Nina Fargahi kommentiert: „Wenn das Anliegen wirklich ein einträchtiges Zusammenleben zum Ziel hat, dann sollte die schweizerische Bevölkerung als Ganzes in den Blick genommen werden, worunter auch die frisch zugezogenen Schutzsuchenden zählen. Weshalb dies hier nicht der Fall ist, lässt sich leider nur damit erklären, dass Kampagnenjournalismus auf Kosten der Schwächsten betrieben wird.“

4. Darum fahren Medien auf selbstzerstörende News ab
(welt.de, Christian Meier)
Snapchat hat seine ersten deutschen Partner vorgestellt, das sind „Bild“, „Spiegel Online“, „Sky Sport“ und „Vice“. Was den Snapchat-typischen Selbstzerstörungsmechanismus der Nachrichten anbelangt, bleibt Christian Meier in der „Welt“ gelassen und abgeklärt: „Wo sich der an klassischer Zeitungslektüre geschulte Mensch weiter abmüht, sein Lesepensum der vergangenen Woche abzuarbeiten, erleichtert hier eine Art informationeller Entschlackungsmodus das schlechte Gewissen. Was nicht innerhalb von 24 Stunden angeschaut wird, ist halt weg. Die nächste Nachricht kommt bestimmt.“

5. Sächsischer Weinskandal: DNN verklagt Sozialministerium
(flurfunk-dresden.de, Benjamin Kutz)
Der sächsische Weinskandal beschäftigt seit anderthalb Jahren die Medien. Nun geht es in die nächste Runde: Die “Dresdner Neusten Nachrichten” (“DNN”) verklagen das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz auf Herausgabe von Informationen. “DNN”-Chefredakteur Dirk Birgel: „Es wird Zeit, Ross und Reiter zu nennen. Das Ministerium muss endlich dem Verbraucherschutz genügen und die Namen der betroffenen Betriebe nennen. Das ist im übrigen auch im Sinne der vielen Betriebe, die sauberen Wein produzieren. Solange die schwarzen Schafe der Branche geschützt werden, liegt automatisch ein Generalverdacht auch auf allen, die keine Schuld trifft.“

6. Fast Food: Bundeswehrbung auf Pizzapackungen kostet 202.000 Euro
(netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Mehr als sieben Millionen Euro hat sich die Bundeswehr ihre YouTube-Serie „Die Rekruten“ kosten lassen. Davon entfielen 6,1 Millionen Euro auf den Werbe-Etat. Und damit auf Pizza-Kartons: Wie aus einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz auf „FragDenStaat.de“ hervorgeht, hat die Bundeswehr mehr als 200.000 Euro für mit Werbung bedruckte Pizza-Kartons ausgegeben, die man kostenlos an Pizzabäcker verteilen ließ.

Vercheckt

Es ist super, dass immer mehr Redaktionen und Organisationen und Gruppen und Einzelpersonen Fakten checken — egal, ob sie Schlagzeilen in Zeitungen, Behauptungen auf Websites oder Aussagen von Politikern überprüfen. Wenn beim Faktenchecken aber die Fakten nur einseitig betrachtet werden, bringt auch diese Zunahme an Faktencheckern nicht viel.

Am vergangenen Freitag hat “Correctiv” ein Interview des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner überprüft, genauer: eine Aussage Lindners zur Einbruchskriminalität.

“Richtig oder falsch?” Das “Correctiv”-Urteil ist ziemlich eindeutig:

(Was wohl für fünf Pinocchio-Nasenlängen notwendig ist? Eine Aussage, die “Besonders komplett falsch” ist?)

Doch so richtig richtig ist auch die Aussage von “Correctiv” nicht. Christian Lindner hat mit seiner Behauptung Recht und Unrecht — je nachdem, auf welchen Zeitraum man sie bezieht.

Der FDP-Vorsitzende selbst gab keinen Zeitraum an, als er vergangene Woche in einem Interview mit der “Bild”-Zeitung (“Bild-plus”-Artikel) über die Einbruchskriminalität in Nordrhein-Westfalen sprach:

Leben die Menschen in NRW weniger sicher als in anderen Bundesländern?

Lindner: “Ganz offensichtlich. Die Einbruchskriminalität ist massiv gestiegen, die Aufklärungsquote aber stagniert. Die Sicherheit der Menschen leidet darunter, dass wir einen Innenminister haben, der überwiegend damit beschäftigt ist, sich selbst zu verteidigen, statt die Sicherheit und das Eigentum der Bürger. Herr Jäger ist die Verkörperung des Misstrauensvotums der Menschen in unseren Rechtsstaat.”

“Correctiv” schreibt dazu:

Doch das ist nicht richtig. Anfang März stellte NRW-Innenminister Ralf Jäger die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 vor — und freute sich über den “deutlichen Rückgang” bei den Wohnungseinbrüchen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging im vergangenen Jahr um 15,7 Prozent zurück. Von gut 62.000 Fällen in 2015 auf gut 52.000 Fälle in 2016. So steht es in einer Pressemitteilung des Innenministeriums in NRW.

Das mit dem Rückgang stimmt zwar, wie man in der “Polizeilichen Kriminalstatistik für NRW 2016” (PDF, S. 116) nachlesen kann. Die dortige Statistik zeigt aber auch, dass die Zahl der Einbrüche in NRW in der Vergangenheit, mit Ausnahme von 2014, jedes Jahr zugenommen hat:


(Draufklicken für größere Version.)

Schaut man noch ein Stück weiter zurück (“Polizeiliche Kriminalstatistik — Kriminalitätsentwicklung in Nordrhein-Westfalen 2011”, PDF, S. 53), sieht man, dass die Fallzahlen Anfang des Jahrtausends höher waren als 2007, aber auch nicht so hoch wie heute:


(Draufklicken für größere Version.)

Nun wird es Christian Lindner bei seiner Aussage womöglich nicht um den Zeitraum seit 2002 gegangen sein. Für eine Beurteilung seiner Behauptung hätte man aber zum Beispiel gut die Zahlen seit 2010 nehmen können. Seitdem regiert Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen. Und seitdem ist auch der von Lindner kritisierte Innenminister Ralf Jäger im Amt. Aktuell ist Wahlkampf in NRW. Lindner wird es also vermutlich um die Leistung der rot-grünen Regierung gegangen sein. Seit der Amtsübernahme durch SPD und Grüne ist die Anzahl der Einbrüche um 17,44 Prozent gestiegen.

“Correctiv” vergleicht stattdessen die aktuellste Fallzahl mit der aus dem Vorjahr. An anderer Stelle gibt es auch noch einen Vergleich mit der Fallzahl von vor fünf Jahren (“Zwischen 2012 und 2016 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW um 2,9 Prozent gesunken”).

Nicht falsch verstehen: Wir sind nicht der Meinung, dass man Christian Lindners Aussage nur auf dem einen Weg überprüfen kann. Man kann es auch so machen, wie “Correctiv” es gemacht hat. Aber bevor man zum eindeutigen Faktencheck-Urteil “Komplett falsch” kommt, sollte man seinen Lesern vielleicht doch klarmachen, dass die Auswahl, die man getroffen hat, eben nur eine Auswahl abbildet. Und dass bei diesem Vorgehen immer die Gefahr besteht, eine Statistik nur einseitig zu betrachten.

Dass ein differenzierterer Faktencheck nicht schlecht gewesen wäre, zeigt ein Blick in die Kommentare auf der Facebook-Seite von “Correctiv”. Ein User schreibt dort:

Christian Lindner auf dem Niveau von AfD, Donald Trump und vielen anderen sogenannten Politikern. Fake News sind gruseligerweise auf dem Vormarsch. Aufklärung ist so wichtig.

Das mit der Aufklärung finden wir auch. In diesem Fall aber ganz anders.

Mit Dank an @schizzlmizzl für den Hinweis!

Nachtrag, 25. April: Auch zu unserem Faktencheck-Faktencheck gibt es den einen oder anderen Faktencheck (ehrlich, wir wollten mit diesem Blogpost keine endlose Faktencheck-Spirale in Gang setzen): Bei “reddit” schreibt der User rEvolutionTU, dass wir das Jahr 2010 nicht mit in die Rechnung hätten nehmen dürfen, weil Rot/Grün da erst ab Juli regiert hat.

Ein weiterer Kritikpunkt kommt vom SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber, der seinen Wahlkreis in Bonn hat:

Die Anmerkungen bei “reddit” beziehungsweise die von Ulrich Kelber zeigen unserer Meinung nach, dass der Grundgedanke unserer Kritik am “Correctiv”-Faktencheck der richtige war: Man kann bei der Auswertung einer Statistik nicht einfach einen Zeitraum rauspicken und dann sagen: “So ist es — und nicht anders” (beziehungsweise “Komplett falsch”). Daher bleiben wir bei unserer Kritik, sehen aber auch, dass man unserem Faktencheck noch einige Fakten hinzufügen kann.

Wein-Journalismus, US-Flugzeugträger, NRW-Einbrüche

1. Exklusiv: Journalismus zum Heulen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Hat der Mann, der im Verdacht steht, ein Attentat auf den BVB-Mannschaftsbus begangen zu haben, wirklich unter Tränen ein Geständnis abgelegt? Wer “Focus Online” liest, muss genau das annehmen. Das Problem: Das Bundeskriminalamt widerspricht dieser Behauptung mit deutlichen Worten. Das hält “Focus Online” jedoch nicht ab, erneut … Ach, lesen Sie selbst, was Boris Rosenkranz auf “Übermedien” dazu aufgeschrieben hat.

2. Mediennotizen #1: Petry/”Spiegel” und DJV
(daniel-bouhs.de)
Daniel Bouhs sieht in den Aussagen von Frauke Petry über die “Spiegel”-Reporterin Melanie Amann ein Symbol für das verstörte Verhältnis der AfD zu vielen Journalisten. Er hat dazu die Langfassung des Interviews von Doku-Filmer Stephan Lamby mit Frauke Petry herangezogen und eine Antwort von “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer eingeholt. Im zweiten Teil seines Blogbeitrags geht es um die Causa der Mafia-Rechercheurin Petra Reski, der vom “Freitag” die juristische Unterstützung in einer Rechtssache verweigert wurde, und die Frage, inwieweit diese von Verdi oder DJV geleistet worden wäre. Weiterführender Link: Die “FAZ” berichtet über Petra Reskis Fundraising zur Abdeckung der Kosten für den gegen sie angestrengten Rechtsstreit: Nicht allein gegen die Mafia.

3. Das Ende der Zukunft des Journalismus’
(medium.com/@lorz, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat konstatiert: “Ohne Vorstellung von einer digitalen Gesellschaft braucht es auch keinen entsprechenden digitalen Journalismus.” Seit rund zwei Jahren sei hierzulande ein Stillstand zu beobachten. Je mehr das Wort “Innovation” überstrapaziert werde, desto weniger trete diese im Journalismus ein. “Die traurige Ironie ist, dass wir in Deutschland mit den Öffentlich-Rechtlichen Einrichtungen besitzen, die mit rund 8.000 Millionen Euro im Jahr von der Gesellschaft ausgestattet werden, um Information und Unterhaltung zu organisieren. Das sind etwa 100 Euro pro Jahr pro Einwohner dieses Landes. Wo wären wir, wenn davon ein Euro pro Jahr pro Einwohner in Experimente, in Format- und Technologie-Entwicklung, in Open-Source-Software gesteckt würde?”

4. Falschmeldungen über US-Drohkulisse
(faktenfinder.tagesschau.de, Wolfgang Wichmann & Jenny Stern)
Der “Faktenfinder” der “Tagesschau” beschäftigt sich mit den widersprüchlichen Meldungen über die Flugzeugträger der US-Marine bzw. deren derzeitigen Aufenthaltsort. Die Meldung der südkoreanischen Agentur “Yonhap”, dass sich drei Flugzeugträger auf dem Weg nach Nordkorea befänden, sei falsch.

5. Journalisten zensieren sich selbst
(deutschlandfunk.de, Thomas Otto)
Eine aktuelle Studie des Europarates fördert Erschreckendes zu Tage: Weit mehr als jeder zweite befragte Journalist habe angegeben, in den letzten drei Jahren mindestens einmal das Opfer von Demütigung, Herabsetzung, Einschüchterungsversuchen, Verleumdung oder Schmutzkampagnen gewesen zu sein. Das Ergebnis dieser unschönen Entwicklung sei oftmals Selbstzensur.

6. Faktencheck: Christian Lindner behauptet, dass Einbrüche in NRW massiv zugenommen haben. Richtig oder falsch?
(correctiv.org, Jacques Pezet)
FDP-Chef Christian Lindner hat der “Bild”-Zeitung ein Interview gegeben. Dort wurde ihm unter anderem die Frage gestellt: “Leben die Menschen in NRW weniger sicher als in anderen Bundesländern?” Darauf entgegnete Lindner, dass die Einbruchskriminalität massiv gestiegen sei, während die Aufklärungsquote stagniere.
Jacques Pezet von “Correctiv” hat sich in den amtlichen Statistiken schlau gemacht und schreibt: “Zwischen 2012 und 2016 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW um 2,9 Prozent gesunken. Wir wissen nicht, wie FDP-Chef Christian Lindner zu der Auffassung gelangt ist, dass die Zahl der Einbrüche ‘massiv gestiegen’ sei. Jedenfalls — ist seine Behauptung komplett falsch.” Nachtrag, 22:10 Uhr: Zum Faktencheck von “Correctiv” hatten wir allerdings auch noch was zu sagen: “Vercheckt”.

Facebooks Gedankenlese, Unfallopfer, schleimiges Geldverdienen

1. Facebook will Gedanken lesen
(zeit.de)
Auf Facebooks hauseigener Entwicklerkonferenz „F8“ wird über spektakuläre Dinge gesprochen: Das Unternehmen arbeite daran, Hirnsignale direkt in Schrift umzuwandeln. Man wolle jedoch nicht wahllos Gedanken ausforschen. Dazu habe niemand das Recht, sagte die zuständige Facebook-Managerin. Ähnlich wie man viele Fotos mache und nur einige davon anderen zeige, “haben Menschen viele Gedanken und beschließen, nur einige davon zu teilen”. Nur solche Gedanken, die an das Sprachzentrum weitergeleitet würden, seien gemeint.

2. Fake News spielen im Alltag von Redaktionen eine große Rolle. Daniel Fiene berichtet
(blmplus.de, Elena Lorscheid)
Daniel Feine ist Journalist bei der „Rheinischen Post“ und dort auch für die „Digitalstrategie“ zuständig. In einem kurzen Interviewschnipsel berichtet er, wie Fakenews in den Alltag von Redaktionen eindringen und wie teilweise gezielt Falschinformationen über Journalisten verbreitet werden.

3. Beifahrer auf der Überholspur
(faz.net, Michael Hanfeld)
Jüngst wurde gemeldet, dass der frühere „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann die Taxi-Konkurrenz „Uber“ berät. Nun stellt sich heraus, dass Diekmanns früherer Arbeitgeber Axel Springer Anteile an dem Fahrdienst erworben hat. Michael Hanfeld fragt sich in der “FAZ”, wo das hinführt und ob die Kombination Sinn macht.

4. Augen auf bei der Bildauswahl: LVZ, DNN und Tag24 zeigen Unfallopfer unverpixelt
(flurfunk-dresden.de, Benjamin Kutz)
Bei der Berichterstattung über einen tödlichen Verkehrsunfall in Sachsen zeigten verschiedene Medien Bilder vom Unfallort, auf denen auch das Opfer unverpixelt zu sehen war. Die “LVZ” hat ein entsprechendes Bild auf Facebook gepostet, es später gelöscht, sich dafür entschuldigend, um es dann am nächsten Tag unverpixelt und im Großformat in der Zeitung abzudrucken.

5. Gut verdienen? Dis kannste nich bezahlen!
(schnipselfriedhof.de, Volker Strübing)
Immer wieder machen Statistiken die Runde, nach denen die Top-Verdiener als steuerlich schwerst belastete Menschen dargestellt werden. So auch in einer Studie des “Instituts der deutschen Wirtschaft”, das wie folgt mitteilt: “Diese knapp zehn Prozent der Top-Verdiener in Deutschland sind mit 48,2 Prozent fast für die Hälfte des gesamten Einkommensteueraufkommens verantwortlich, die 30 Prozent Spitzenverdiener demnach sogar für 79 Prozent.” Volker Strübig erklärt, warum er das Ganze für ein schönes Beispiel für „Tatsachenverdrehung durch Auslassung“ hält.

6. Wie Teenager Tausende von US-Dollar verdienen, indem sie Schleim über Instagram verkaufen
(onlinemarketingrockstars.de, Roland Eisenbrand)
Ein neuer Trend durchzieht Instagram: Schleim! Mittlerweile lassen sich dort mehr als 2,6 Millionen Posts zum Hashtag #slime finden und es haben sich „Slime-Influencer“ herausgebildet: 47.000 Posts stammen von Accounts mit mehr als 15.000 Followern. Roland Eisenbrand erklärt, was es mit dem rätselhaften Phänomen auf sich hat.

“Schwäbische Zeitung” verzichtet aufs Ermitteln

Oft ist der Ablauf so: Bei einem Verbrechen gibt es eine oder mehrere tatverdächtige Personen, dann ermitteln die zuständigen Behörden und am Ende steht hoffentlich fest, wer Täter oder Täterin, Krimineller oder Kriminelle ist. Das Ermitteln ist ein wesentlicher Bestandteil.

Gestern Abend hat Ekkehard Falk, Polizeipräsident von Konstanz, dem Gemeinderat Sigmaringen die Kriminalitätsstatistik der Stadt präsentiert. Darunter auch diese Zahlen, wie das Online-Portal der “Schwäbischen Zeitung” schreibt:

Die Polizei ermittelte im vergangenen Jahr knapp 950 Tatverdächtige. 426 von ihnen sind Ausländer, 292 Flüchtlinge.

Tatverdächtige. Nicht Täter.

Welche Überschrift passt da dann so gar nicht, schwäbische.de?

Aufs Ermitteln verzichtet die “Schwäbische Zeitung” offenbar.

Mit Dank an Martin B. für den Hinweis!

Nachtrag, 17:09 Uhr: Die “Schwäbische Zeitung” hat reagiert, die Überschrift lautet nun: “Jeder dritte Tatverdächtige ist ein Flüchtling”.

Blättern:  1 ... 10 11 12 ... 30