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ZDF vs. “Bild TV”, “Anmaßender Quatsch”, Kanye Wests Entgleisungen

1. RBB-Intendantin kündigt Trennung von Verwaltungsdirektor an
(epd.de)
Laut epd medien habe RBB-Interimsintendantin Katrin Vernau weitere personelle Konsequenzen aus der Affäre um mögliche Vetternwirtschaft und Verschwendung beim Rundfunk Berlin-Brandenburg angekündigt. Nach der Freistellung der Juristischen Direktorin sei nun auch geplant, den Vertrag mit dem Verwaltungsdirektor vorzeitig zu beenden und die Stelle neu auszuschreiben.

2. Bild TV durfte Ausschnitte aus “Berliner Runde” nicht live vom ZDF übernehmen
(rsw.beck.de)
Die 13-minütige Übernahme der “Berliner Runde” (ZDF) durch “Bild TV” am Abend der Bundestagswahl war urheberrechtswidrig. Dies habe das Oberlandesgericht Köln im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens entschieden. Auch unter Berücksichtigung des hohen Informationsinteresses der Öffentlichkeit sei diese “Live-Weitersendung” nicht erforderlich gewesen.

3. Wenn man plötzlich den Feind ins Haus lässt: Der Spiegel hat Bild-Chef Johannes Boie porträtiert
(kress.de, Marc Bartl)
Der “Spiegel” hat “Bild”-Chefredakteur Johannes Boie porträtiert. Beim kress.de gibt es eine Zusammenfassung des “Spiegel”-Artikels mit einigen interessanten Hintergrundinformationen aus dem Originalbeitrag, der hiermit ausdrücklich zur Lektüre empfohlen, allerdings nur mit Abo lesbar ist.

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4. Wenn ein “weißer, großer, deutscher” Reporter meint, er hätte Rassismus erlebt
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
In einem Kurzbeitrag bei rbb24 Inforadio schildert Reporter und Moderator Hendrik Schröder, wie er bei einem Friseurbesuch in Berlin-Neukölln kurz erlebt habe, “wie es ist, ob seiner Herkunft ausgegrenzt zu werden”. Bei “Übermedien” kommentiert Lisa Kräher die behauptete Diskriminierungserfahrung: “Ich nehme dem rbb-Autor ja ab, dass er sich in dieser Situation nicht wohl oder gar erniedrigt gefühlt hat. Es aber als ‘lupenreinen Rassismus’ zu bezeichnen, wie er dort im Frisörsalon behandelt wurde, und damit zu behaupten, er könne nachempfinden, welche Erfahrungen People Of Color in Deutschland machen, wie es ist, strukturelle Abwertung, Ausgrenzung und Unterdrückung aufgrund bestimmter Merkmale zu erleben – das ist einfach nur anmaßender Quatsch.”

5. Warum ist Factchecking wichtiger denn je für den Journalismus, Stefan Voß?
(newsfluence.podigee.io, Eva-Maria Schmidt, Audio: 38:22 Minuten)
Im Podcast “Newsfluence” ist Stefan Voß zu Gast, der bei der Deutschen Presse-Agentur die Abteilung Verifikation leitet. Voß erklärt, warum journalistische Grundfertigkeiten und Teamarbeit unerlässlich für jede Behauptungsüberprüfung sind, welche Tools dabei nützlich sein können, und inwiefern Factchecking auch ein Stück weit Community Management ist.

6. Zentralrat der Juden: Adidas muss sich von Rapper Kanye West trennen
(zeit.de)
Der Rapper Kanye West, einer der weltweit erfolgreichsten Musiker mit einem geschätzten Vermögen in Milliardenhöhe, fällt bereits seit einigen Jahren durch kontroverse und bizarre Aussagen auf. In letzter Zeit waren es verstärkt antisemitische Entgleisungen. Dagegen wendet sich nun der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und appelliert an den Sportartikelhersteller Adidas, die Geschäftsbeziehung mit West zu kappen. Auf Twitter und Instagram ist Kanye West bereits gesperrt.

Presseunfreiheit im Iran, Massenentlassungen?, Papierkrise

1. Wer Journalist ist, wird weggesperrt
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die landesweiten Proteste im Iran und die Reaktionen des iranischen Regimes darauf gehen laut Reporter ohne Grenzen (RoG) damit einher, dass immer mehr Medienschaffende in Gefängnissen verschwinden. Nur in China und Myanmar gebe es mehr Inhaftierte: “Wer derzeit im Iran auch nur unter Verdacht steht, journalistisch zu arbeiten, wird weggesperrt”, so RoG-Geschäftsführer Christian Mihr: “Teheran geht in einem alarmierenden Tempo gegen unabhängige Medienschaffende vor, momentan sind so viele von ihnen inhaftiert wie seit über 20 Jahren nicht mehr.”

2. Erster Prüfbericht wirft Ex-Intendantin Schlesinger Verstöße vor
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz & Joachim Huber)
Die vom RBB beauftragte Anwaltskanzlei hat einen ersten Zwischenbericht zur Affäre um Ex-Intendantin Patricia Schlesinger vorgelegt. Demzufolge soll Schlesinger unter anderem eine private Reise über den Sender abgerechnet haben. In einer Presseerklärung des Senders heißt es dazu: “So wurde etwa bei einer aus [Sicht der Kanzlei] objektiv nicht als dienstlich zu begründenden Reise nach London festgestellt, dass die ehemalige Intendantin Patricia Schlesinger diese Reise inklusive Verpflegungs- und Übernachtungskosten trotz des insgesamt fehlenden dienstlichen Charakters über den rbb abgerechnet und dabei zudem verschwiegen hat, dass sie in Begleitung ihres Mannes verreist war.”

3. Wie Katar vor der Fußball-WM mit der Presse umgeht
(deutschlandfunk.de, Maximilian Rieger, Audio: 5:15 Minuten)
Deutschlandfunk-Sportredakteur Maximilian Rieger berichtet von einer Recherchereise nach Katar. Vom Glanz der Metropole Doha und der WM-Glitzerwelt sei wenige Kilometer entfernt in der sogenannten Industrial Area nichts zu sehen und zu spüren. Und dann war da noch das Fahrzeug, das Rieger und weitere Journalistinnen und Journalisten gefolgt sei. Auf die engmaschige Überwachung reagiert die ARD, die während der WM aus Katar berichten wird, mit einem besonderen Tipp: “Wir raten grundsätzlich, keine privaten und dienstlichen Geräte mitzunehmen. Wir stellen allen Mitarbeitenden der ARD dienstliche Laptops und Handys vom SWR zur Verfügung, und die werden dann hinterher auch alle wieder plattgemacht.”

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4. Musk soll Massenentlassungen planen, Twitter beruhigt Mitarbeiter
(zeit.de)
Einem Bericht der “Washington Post” zufolge will Twitter-Eigentümer in spe Elon Musk bei dem Unternehmen etwa drei Viertel der Stellen streichen. Twitter selbst hatte einen Abbau von einem Viertel der Belegschaft ins Auge gefasst. Die Übernahme durch den Tech-Milliardär ist aber anscheinend immer noch nicht rechtsgültig vollzogen. Die von einer Richterin dafür verhängte Deadline läuft in einer Woche ab.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 214
(netzwerkrecherche.org, Kuno Haberbusch & Albrecht Ude)
Stets eine Empfehlung wert, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des Netzwerk Recherche (NR). Die neueste Ausgabe liefert einen Überblick über aktuelle Nachrichten, Veranstaltungen, Seminare, Stipendien und Preise. Außerdem gibt es eine Nachlese zur NR-Jahreskonferenz (Schwerpunkt: Recherche in Krisenzeiten) mit vielfältigem Material, Videos und Fotoeindrücken.

6. Mangelwirtschaft
(journalist.de, Anna Friedrich)
Die Verlage leiden unter steigenden Stromkosten, müssen sich aber auch noch mit dem Problem der Papierknappheit herumschlagen. Die Papiernachfrage steige auf dem gesamten Weltmarkt. Gleichzeitig hätten viele Papierfabriken ihre Produktion auf Verpackungsmaterial umgestellt. Anna Friedrich erklärt das erstaunlich vielschichtige Phänomen und hat bei Verlagen und Druckereien nachgefragt, wie sie mit der Papierkrise umgehen wollen.

Ohrenkneiferschorle als Enkeltrick?, Owsjannikowa, WM der Schande

1. #ohrenkneiferschorle: das ZDF Magazin Royale als Enkeltrick unter den TV-Magazinen
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Vergangene Woche (siehe die “6-vor-9”-Ausgabe vom 13. Oktober) beschäftigte sich Sascha Lobo in seiner “Spiegel”-Kolumne kritisch mit den jüngsten Böhmermann-Enthüllungen zum Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Nun schaut Thomas Knüwer kritisch auf die neueste Folge des “ZDF Magazin Royale” über Weingenuss und Weinanbau. Er wirft den Magazin-Machern und -Macherinnen schlechte Recherche, Falschinformation und fragwürdige Methoden vor: “Das ZDF Magazin Royale ist nicht das einzige Medienprodukt, das so agiert. Allen voran ist dies die Vorgehensweise des Axel Springer Konzerns, egal ob bei ‘Bild’, ‘Welt’ oder ‘Business Insider’. Doch auch andere Redaktionen tragen dazu bei, wenn sie inflationär von ‘Chaos’ schreiben, fragen wie ‘irre’ etwas ist oder dass eine Entwicklung Wahnsinn’ sei.”

2. Owsjannikowa aus Russland geflohen
(tagesschau.de)
Die russische TV-Journalistin Marina Owsjannikowa hatte Mitte März in einer Nachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens ein Anti-Kriegs-Plakat in die Kamera gehalten und war danach in einem ersten Schritt zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im August folgte eine Anklage, sie wurde unter Hausarrest gestellt, ihr drohen bis zu zehn Jahren Haft. Owsjannikowa sei nun mit ihrer Tochter aus Russland geflohen.

3. Wie der Fußball in die Wüste kam
(faz.net, Christoph Becker)
“FAZ”-Sportredakteur Christoph Becker findet lobende Worte für die “Sport-Inside”-Redaktion des WDR. Mit ihrer vierteiligen Doku-Serie “Katar – WM der Schande” offenbare sie die tatsächlichen Fakten und Bilder hinter der Heile-Welt-Inszenierung der Veranstalter.

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4. Online-Buchhandel in Deutschland legt weiter zu
(spiegel.de)
Pünktlich zum Start der morgen beginnenden Frankfurter Buchmesse gibt es neue Zahlen zu den Buchverkäufen in Deutschland. Der Umsatz im Internetbuchhandel sei im vergangenen Jahr deutlich gestiegen: Er habe mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes der Buchbranche ausgemacht. Gelitten habe jedoch erneut der stationäre Buchhandel, dessen Umsatzanteil auf 39 Prozent geschrumpft sei.

5. Die BBC wird 100: Vergangenheit groß, Zukunft ungewiss
(tagesspiegel.de)
Die renommierte und weltweit bekannte BBC, die “Mutter aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten”, wird 100 Jahre alt. Doch die Freude über das Jubiläum ist getrübt. Die britische Regierung zeige immer weniger Interesse an der Institution BBC: “Ihr runder Geburtstag markiert, bei allen schönen Worten, eine Zukunft auf ganz ungewissem Terrain.”

6. musste sterben
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl werfen im Rahmen ihres Projekts “Floskelwolke” einen sprach- und medienkritischen Blick auf vielbenutzte Formulierungen. Die oft in Überschriften verwendete Frage, warum eine bestimmte Person “sterben musste”, wird von ihnen als besonders zynisch empfunden: “1. Wie erwähnt muss niemand aus unnatürlichen Gründen sterben. Den suggerierten kausalen Zusammenhang gibt es nicht. 2. Die Frage ist suggestiv und deshalb manipulativ. Und 3. wird bei einer Tötung oft das Wording oder die Intention des Täters übernommen und die eigentlich betroffene Person wird ausgeblendet.”

Herbeigeböhmermannter Skandal, Meta auf der Terrorliste, Fußball

1. Der herbeigeböhmermannte Skandal
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo beschäftigt sich in seiner “Spiegel”-Kolumne kritisch mit den jüngsten Böhmermann-Enthüllungen über den Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik: “Die Schönbohm-Story ist in Wahrheit eine Böhmermann-Story. Sie handelt davon, dass eine zweifellos ungünstige, aber in erster Linie komplexe Situation zum Skandal vor allem einer einzelnen Person herbeigeböhmermannt wurde. Mit der möglichen Folge, dass durch das nach bisherigen Erkenntnissen stark übertriebene Skandalgebaren des ‘ZDF Magazin Royale’ früher oder später ein Überwachungsfreund an die Spitze des BSI gesetzt werden dürfte. Danke, Böhmi.”

2. Vor der Anhörung zum Hinweisgeberschutzgesetz
(whistleblower-net, Kosmas Zittel)
In mehreren Podcast-Interviews des Whistleblower-Netzwerks erläutern zwei Fachjuristen und ein Betroffener, warum sie beim Entwurf des neuen Hinweisgeberschutzgesetzes deutlichen Nachbesserungsbedarf sehen. Die Gesellschaft müsse Whistleblowern durch entsprechende rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen signalisieren, dass ihr Wirken erwünscht sei, so das Whistleblower-Netzwerk. Der vorgelegte Regierungsentwurf müsse dringend nachgebessert werden.

3. Krisen-Fest
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Der Kopp Verlag gilt als der größte rechte Verlag in Deutschland, auch wenn einem im Onlineshop allerlei Unverfängliches über “Die Geheimnisvolle Zirbeldrüse” oder “Die Heilkraft des Sellerie-Safts” begegne. Ein paar Klicks weiter stecke man jedoch mitten im Sumpf von Verschwörungserzählungen, Hetzschriften und rechtem Gedankengut. Anna Hunger berichtet über einen Verlag, dessen Lebenselixier Angst und Unsicherheit seien.

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4. Beruf: Reporter
(jungewelt.de, Felix Bartels)
Felix Bartels hat sich Michael Herbigs Verfilmung des Relotius-Skandals (“Tausend Zeilen”) im Kino angeschaut. Bartels hat einige Kritikpunkte an dem Film, darunter auch einen gesellschaftspolitischen: Ihm fehlt der Aspekt, “dass auch der Fall Relotius nur möglich wurde, weil ein linksliberales Publikum vorhanden war, das genau diese Sorte Geschichten lesen wollte. Denn es gehört zum Glauben dieses Milieus, dass Fake News und Parallelwelten ausschließlich an den Rändern des politischen Spektrums entstehen.”

5. Meta auf der Terrorliste
(taz.de, Barbara Oertel)
Seit März dieses Jahres sind Facebook und Instagram in Russland verboten. Nun habe Moskau den übergeordneten Konzern Meta, zu dem auch der Messengerdienst WhatsApp gehört, als “terroristische Organisation” eingestuft. Ob die Nutzung der entsprechenden Sozialen Netzwerke in Russland gefährlich ist, werde von russischen Juristen unterschiedlich beurteilt.

6. Neue Heimat für die Fußball-Bundesliga der Frauen
(tagesspiegel.de)
Der Deutsche Fußball-Bund hat die Medienrechte für verschiedene Ligen neu verkauft. Einschränkungen gebe es ab 2023 für Fans der 3. Liga der Männer, während das Fernsehangebot zur Frauen-Bundesliga größer werde. Und auch das Nationalteam der Frauen kann weiter an prominenter Stelle im TV verfolgt werden: “Freunde der Frauen-Nationalmannschaft müssen sich nicht umstellen. ARD und ZDF werden auch zukünftig die DFB-Auswahl zeigen, die ihnen zuverlässig gute Quoten bringt und bei der EM Rekorde aufgestellt hatte. Die öffentlich-rechtlichen Sender sicherten sich ein neues Rechtepaket bis 2026/27.”

Ausblick auf Katar, Geschnittene Laudatio, Lust und Leid im Theater

1. Das umstrittenste Sportereignis der Geschichte
(journalist.de, Ronny Blaschke)
Der Journalist Ronny Blaschke recherchiert häufig zu politischen Themen im Sport. Für den “journalist” hat er seine Sicht auf die im November bevorstehende Fußballweltmeisterschaft in Katar aufgeschrieben. Der Staat verhalte sich auch Medienschaffenden gegenüber äußerst restriktiv und kontrollsüchtig. Blaschke fragt sich: “Kann die WM dafür sorgen, dass Sportredaktionen hierzulande politische Fragen mehr in den Blick nehmen? Oder führt sie zu orientalistischen Klischees und einem Überlegenheitsdenken gegenüber dem Nahen Osten?”

2. Was Pressefreiheit meint und was nicht
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber spannt im “Tagesspiegel” einen Bogen von der “‘Spiegel’-Affäre” im Jahr 1962 bis zur Situation der Pressefreiheit in der Jetztzeit sowie zur Diskussion um das Medienbuch der Autoren Richard David Precht und Harald Welzer: “Das Buch folgt der einer Emotionalisierungskultur, so wie die AfD jedwede Empörung aufgreift. All das fällt unter Meinungsfreiheit, die eine Schwester der Pressefreiheit ist. Aber wie Bilder der AfD-Anhänger und von Welzer/Precht in der Lanz-Show provozieren sie die Gegenbilder von 1962 herauf, als eben das fundamentiert wurde, worauf AfD und Precht/Welzer mit Lust herumspringen.”

3. So viel Widerspruch
(arminwolf.at)
Auch der österreichische Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf hat das Buch “Die vierte Gewalt” von Precht/Welzer gelesen. Auf seinem Blog veröffentlicht Wolf eine eigentlich als Twitter-Thread geplante Rezension: “In dem Buch finden sich etliche bedenkenswerte Beobachtungen und Diagnosen und es ist sehr gut und flüssig geschrieben. Aber: Die Kernthese von den sich ‘selbstangleichenden’ Leitmedien ist schlicht unsinnig und die Argumentation voller Widersprüche.”

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4. ZDF schneidet Kritik an “AfD-Sympathisanten” aus Laudatio
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der Pianist Igor Levit wurde am Sonntag mit dem “Opus Klassik 2022” ausgezeichnet. Die Gala wurde vom ZDF übertragen, die Laudatio auf Levit hielt der Musiker Danger Dan, der unter anderem für sein Lied “Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt” bekannt ist. Seine Laudatio endete mit einer Bemerkung über “AfD-Sympathisanten” (“Ihr seid Vollidioten”), die das ZDF anscheinend als nicht von der Kunstfreiheit gedeckt ansah und aus der Aufzeichnung herausschnitt.

5. Queer, migrantisch, Perlenkette: Wo ist das Problem?
(uebermedien.de, Olivia Samnick)
In einer Instagram-Liveschalte berichtete Atay Küçükler, ein junger Journalist der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”, über die Landtagswahlen in Niedersachsen. Es folgten wütende Reaktionen, Beleidigungen, Hass. Gegenstand der Kommentare waren jedoch nicht inhaltliche Aspekte, es ging um Küçüklers Aussehen: Zum schwarzen Sakko trug er Perlenkette und Ringe. Olivia Samnick hat sich mit Atay Küçükler über die unangenehme Resonanz, aber auch den Zuspruch unterhalten.

6. Nichts für Feiglinge
(sueddeutsche.de, Christine Dössel)
“Ich führe mit dem Theater jetzt schon eine sehr lange Beziehung. Sie ist kinderlos geblieben und nicht unkompliziert. Oft treibt sie mich in den Wahnsinn. Aber es gibt auch nichts Besseres.” Die Theaterkritikerin Christine Dössel berichtet in der “Süddeutschen” von Freud und Leid ihrer Tätigkeit. En lesenswerter Einblick in eine journalistische Nische.

Döpfners Adidas-Eigeninteresse, Fretterode-Urteil, US-Podcast-Szene

1. Axel-Springer-Chef Döpfner soll “Bild”-Kampagne gegen Adidas initiiert haben
(spiegel.de)
Springer-Chef Mathias Döpfner steht erneut in der Kritik. Wie die “Financial Times” berichtet (Bezahlartikel, englisch), soll er eine “Bild”-Kampagne angestoßen und dabei in einem Interessenkonflikt gesteckt haben: “Bild” empörte sich zu Beginn der Corona-Krise über das Verhalten des Unternehmens Adidas – der Sportartikelhersteller wollte keine Mieten mehr zahlen. Wie sich nun herausstellt, hatte Döpfner als Miteigentümer eines Mietobjekts, für das dann keine Mietzahlung von Adidas mehr gekommen wäre, ein Eigeninteresse.

2. Äußerst milde Strafen im Fretterode-Prozess
(belltower.news, Nicholas Potter)
Im sogenannten Fretterode-Prozess standen zwei Neonazis wegen ihres lebensgefährlichen Angriffs auf Journalisten vor Gericht. Nicholas Potter hält die Strafen (im einen Fall ein Jahr auf Bewährung, im anderen 200 Arbeitsstunden) für zu niedrig und spricht von einem “Skandal-Urteil”: “Das schwache Urteil im Fretterode-Prozess ist investigativen Journalist*innen, die die extreme Rechte in Thüringen und darüber hinaus beleuchten, nun ein weiterer Schlag ins Gesicht. Und für die Neonazi-Szene ein großer Grund zur Freude.”
Weiterer Lesehinweis: Auch der Landesverband Thüringen des Deutschen Journalisten-Verbands äußert sein “Unverständnis über Urteil im Fretterode-Prozess”.

3. Medienschaffende in Frankreich wollen klimagerechter berichten
(deutschlandfunk.de, Nina Magoley & Christiane Kaess & Sebastian Wellendorf, Audio: 4:18 Minuten)
In Frankreich haben sich mehr als 500 Medienschaffende und rund 30 Redaktionen auf eine Charta zum Klimawandel verständigt (hier die englische Übersetzung), die eine neue Form der Klimakommunikation definiert. Klima und Ökologie sollen nicht mehr länger als eigene Rubrik behandelt, sondern zum “Prisma” werden, durch das auch viele andere Themen betrachtet werden sollen. Außerdem soll die Bebilderung von Klimaphänomenen kritischer überdacht werden.

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4. Neuer Kodex für Faktencheck-Organisationen
(correctiv.org)
Mehr als 40 europäische Faktencheck-Organisationen haben sich auf professionelle Standards zur Bekämpfung von Fehlinformationen geeinigt. Für Deutschland seien “Correctiv” und die dpa maßgeblich an dem Projekt beteiligt gewesen.

5. “Mama ist mein größter Fan”
(taz.de, Clara Engelien)
In der “taz” plädiert die promovierte Chemikerin, Youtuberin und TV-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim für mehr Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin­nen und -journalisten in politischen Redaktionen: “Das Problem ist, in politischen Formaten werden immer wieder Fachleute aus der Wissenschaft hinzugezogen als diejenigen, die mit Autorität etwas erklären, was nicht zur Debatte gestellt wird. Die Journalisten, die sie interviewen, sind selten gut genug vorbereitet, um sie kritisch hinterfragen zu können. Als Wissenschaftsjournalistin muss ich aber wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur übersetzen, sondern auch einordnen. Nicht jeder mit einem Professorentitel ist automatisch eine verlässliche Quelle.”

6. Marcus Schuler über die US-Podcast-Szene
(turi2.de, Marcus Schuler)
Marcus Schuler, USA-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, analysiert in seinem Gastbeitrag die US-Podcast-Szene und diagnostiziert ein Überangebot: Die Zahl der Podcasts sei seit 2018 förmlich explodiert – von damals 550.000 auf mittlerweile mehr als zwei Millionen. “Das macht es für neue Sendungen schwieriger, ein Publikum zu finden. Jede neue Show hat quasi ein kleineres Publikum als ihre Vorgänger”, so Schuler.

Konsequenzen in Kiel, Schönreden ist Quatsch, Lindners Porscheproblem

1. Konsequenzen in Kiel
(sueddeutsche.de)
Nach den Vorgängen beim rbb, gibt es nun – in einem etwas anders gelargerten Fall – auch personelle Konsequenzen beim ebenfalls öffentlich-rechtlichen NDR. Nach öffentlich gewordenen Beschwerden von Mitarbeitern im Landesrundfunkhaus in Kiel seien zwei Führungskräfte auf eigenen Wunsch vorerst von ihren Aufgaben entbunden worden. Zuerst hatte “Übermedien” darüber berichtet. Dort gibt es auch einen Ausschnitt aus einem NDR-Regionalmagazin zu sehen, in dem sich die Redaktion angesichts neuer Vorwürfe “fassungslos” zeigt. In einer weiteren Regionalsendung hatte das ganze Team aus Protest kurzzeitig das Studio verlassen und sich draußen versammelt.

2. Christian Lindners Porscheproblem
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Als eine “Transparenzverweigerung auf höchster politischer Ebene” bezeichnet netzpolitik.org die Weigerung von Finanzminister Christian Linder und dessen Ministerium, die SMS-Kommunikation Lindners mit dem Porsche-Chef herauszugeben. Der Fall werde vermutlich vor Gericht landen, das diesbezügliche Urteil könnte richtungsweisend sein, schreibt Alexander Fanta: “Wenn Richter:innen über die SMS und ihre Relevanz entscheiden, könnte daraus eine Grundsatzentscheidung mit dramatischen Folgen für die Verwaltung werden. Bislang landen selbst offenkundig bedeutende Nachrichten von Minister:innen nicht bei den Akten, sind weder für die Öffentlichkeit noch für die Nachwelt verfügbar.”

3. Prozess gegen ehemaligen MDR-Unterhaltungschef beginnt
(mdr.de)
Heute beginnt der Strafprozess gegen den ehemaligen MDR-Unterhaltungschef Udo Foht. Die Staatsanwaltschaft Leipzig werfe Foht in 13 Fällen Betrug, Untreue, Bestechlichkeit beziehungsweise Steuerhinterziehung vor. Bemerkenswert: Die Vorwürfe existieren seit mehr als zehn Jahren und hatten 2011 dazu geführt, dass Foht gekündigt wurde.

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4. “Schönreden ist jedenfalls Quatsch!”
(journalist.de, Jan Freitag)
“Berichterstattung, die beschreibt, was ist, wie es sich verbessern lässt und was das Einzelnen ebenso wie allen anderen bringt, ist zielführende Berichterstattung.” Im Interview mit dem “journalist” spricht Politökonomin Maja Göpel darüber, was Medien bei ihrer Klima­berichterstattung besser machen können. So sei es wichtig, Narrative zu hinterfragen, Begrifflichkeiten zu klären und gegebenenfalls die geeigneten Vokabeln zu finden.

5. Selbstjustiz vs. Glückloser staatlicher Kampf gegen den Hass
(belltower.news, Simone Rafael)
Wegen seiner laxen beziehungsweise kaum vorhandenen Kontrolle sei der Instant-Messaging-Dienst Telegram in Deutschland vor allem als Tummelplatz für Verschwörungsgläubige, Rechtsextreme und andere Demokratiefeinde bekannt. Nun lasse Telegram seine Nutzer und Nutzerinnen darüber abstimmen, ob man zukünftig mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten soll. Simone Rafael kommentiert: “Unklar bleibt, was Telegram mit der Umfrage bezwecken will: Will sich die Plattform zukünftige Entscheidungen bestätigen lassen? Soll hier Verantwortung auf die Nutzer*innen abgewälzt werden, die bei der Plattform liegt: Nämlich, wie sicher sich Menschen auf der Plattform fühlen dürfen? Ist das Basisdemokratie oder die Unterstützung von Selbstjustiz, weil andere Justiz ausgeschlossen wird? So oder so: An der Rolle Telegrams als Verbreitungsort für Hass wird sich so schnell wohl nichts ändern.”

6. “Katar will die Plattform Fußball politisch nutzen”
(deutschlandfunkkultur.de, Vera Linß & Marcus Richter, Audio: 8:03 Minuten)
Am 20. November beginnt die stark umstrittene Fußball-WM der Männer in Katar. Sportjournalist Ronny Blaschke erinnert die Redaktionen an ihre Verantwortung und macht eine einfache Rechnung auf: “Je schwärmerischer wir über Tore und Titel berichten, desto weniger Zeit haben wir letztlich für die Thematisierung von Menschenrechtsverletzungen.”

Desinformation, Unruhe in Kiel, Fernsehpreis-Nominierte

1. Massenweise falsche News-Seiten enttarnt
(zdf.de, Oliver Klein)
Bei einer neuen, groß angelegten Desinformationskampagne mit pro-russischer Propaganda hätten Unbekannte massenweise Webseiten großer Medienmarken wie “Bild”, “Welt”, “Spiegel” und t-online.de täuschend echt nachgebaut. Experten sprechen von der “größten Desinformationskampagne überhaupt”. Zuerst hatte t-online.de daüber berichtet: Putins Troll-Armee greift Deutschland an (t-online.de, Lars Wienand & Stefan Steurenthaler & Sophie Loelke).

2. Politische Einflussnahme im Funkhaus Kiel?
(deutschlandfunk.de, Audio: 6:56 Minuten)
Personen aus der NDR-Redaktion erheben schwere Vorwürfe gegen die Senderleitung des Landesfunkhauses Schleswig-Holstein. Die Berichterstattung im Sender orientiere sich zu stark an der Landespolitik, sie sei zu nah, zu unkritisch. Von einem “politischen Filter”, einem “Klima der Angst” und “Hofberichterstattung” ist die Rede (siehe dazu auch unsere “6-vor-9”-Ausgabe vom 29. August). Der Deutschlandfunk fasst den aktuellen Stand zusammen.

3. Deutschland: Mehrheit der Jugendlichen vertraut Medien nicht
(derstandard.at)
Einer Studie der Universität Bielefeld zufolge habe eine Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland kein Vertrauen in die herkömmlichen Medien. Und es zeige sich, dass der Konsum von Sozialen Medien mit einer größeren Verschwörungsneigung einhergehe: “Von den jungen Menschen, die ihre Informationen bevorzugt aus den sozialen Medien beziehen, zeigen demnach 37,6 Prozent eine starke Verschwörungsneigung. Bei denen, die sich überdurchschnittlich viel über öffentlich-rechtliche Medien informieren, sind es nur 5,4 Prozent”, berichtet der “Standard”.
Nachtrag: Die Journalisten Bent Freiwald und Stefan Fries schreiben bei Twitter über “gravierende handwerkliche Mängel” der Studie.

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4. Das Verschwinden der 85 %
(flurfunk-dresden.de, Ladislaus Ludescher)
In einem Gastbeitrag für das Medienblog “Flurfunk” macht der Wissenschaftler Ladislaus Ludescher auf ein bemerkenswertes Ungleichgewicht in der Berichterstattung der “Tagesschau” aufmerksam: “In der ersten Jahreshälfte 2022 wurde in der ‘Tagesschau’ über das britische Königshaus umfangreicher berichtet als über den globalen Hunger, und dem Sport mehr Sendezeit eingeräumt als allen Staaten des Globalen Südens zusammen. Diese Länder drohen nun ganz in der Nichtbeachtung zu verschwinden. Und das obwohl viele von ihnen aktuell von gewaltigen Katastrophen erschüttert werden.”

5. Gekommen, um sich abzuschaffen
(taz.de, Jan Zier)
Jan Zier war von 2016 bis 2021 Chefredakteur der Bremer “Zeitschrift der Straße” – Straßenzeitungen sind ihm daher ein besonderes Anliegen. Für die sehe es in Deutschland derzeit jedoch schlecht aus. Coronabedingte Umsatzausfälle, steigende Papierkosten und die Inflation sind nur einige der Gründe dafür. Ziers bitteres Fazit: “Es könnte sein, dass Straßenzeitungen am Ende mangels Nachfrage eingestellt werden. Und nicht deshalb, weil es keine Obdachlosen mehr gibt.”

6. “Zeit für Experimente”: Die Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis 2022
(deutscher-fernsehpreis.de)
Die Jury des 23. Deutschen Fernsehpreises hat nach eigener Angabe “herausragende Produktionen sowie journalistische und künstlerische Einzelleistungen der Programmsaison 2021/22 begutachtet” und zu fast allen Kategorien die Nominierten veröffentlicht: “Inklusive der Personenkategorien lautet die Verteilung: 25 Nennungen für das ZDF, 24 für die ARD, 16 für RTL Deutschland, acht für Netflix, sieben für ProSiebenSat.1, fünf für Sky, vier für MagentaTV und je eine für Amazon Prime und Welt.”

KW 34/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Instagram – Das toxische Netzwerk
(arte.tv, Olivier Lemaire, Video: 1:26:34 Stunden)
Anfangs war es nur eine kleine App zum Teilen von Fotos, mittlerweile nutzen eine Milliarde Menschen Instagram. Was so vermeintlich positiv und harmlos daherkommt, hat seine Tücken, wie eine Arte-Doku filmisch analysiert: “Die ungebremste Inszenierung der eigenen Person, die im Ozean des Konsums illusorisch Glück verspricht, beeinflusst das Leben der Menschen schleichend. Die Flut an Bildern schlägt in Übersättigung um, in eine nie endende Pornografie aus Klamotten, Gegenständen, Essen und muskulösen, sonnengebräunten, eingeölten Körpern.” Der Film geht der Frage nach, welche Einflüsse Instagram auf Individuum und Gesellschaft hat.
Weiterer Gucktipp: Beim öffentlich-rechtlichen Jugendkanal “funk” gibt es einen zehnminütigen Beitrag über Douyin, das chinesische TikTok: “Warum Douyin in China so erfolgreich ist, und wie die kommunistische Partei vorgeht, wenn sich User zum Beispiel kritisch gegenüber der Regierung äußern.”

2. Publizist, Aktivist, Nonkonformist
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff, Audio: 54:52 Minuten)
Günter Wallraff gilt vielen als Legende des Investigativjournalismus. Er schlich sich in Industrieunternehmen ein, schlüpfte in verschiedene Rollen und Identitäten und war “der Mann, der bei ‘Bild’ Hans Esser war”. Im Deutschlandfunk spricht Wallraff über seine bekanntesten Recherchen, zum Beispiel in der “Bild”-Redaktion oder bei McDonald’s, und gibt Einblick in sein Inneres: “Ich fühle mich Menschen nahe, die geächtet sind.”
Transparenzhinweis und Werbung in eigener Sache: 44 Jahre nach seinem eigenen Buch über “Bild” hat sich Wallraff für “Ohne Rücksicht auf Verluste”, das Buch meiner BILDblog-Kollegen Mats Schönauer und Moritz Tschermak, ausgesprochen: “Eine überzeugende und erschütternde Beweisführung.”

3. Das neue YouTube für Rechte?
(deutschlandfunkkultur.de, Vera Linß & Tim Wiese, Audio: 7:05 Minuten)
“Lange konnten rechtsextreme Inhalte auf Plattformen wie YouTube und Facebook ungehindert veröffentlicht werden. Gesetzesänderungen erschweren das nun. Menschen aus dem rechten Spektrum suchen nach Alternativen und werden fündig”, schreibt die Redaktion von Deutschlandfunk Kultur zu einem Gespräch mit Paula Matlach, Analystin beim ISD Germany. Matlach untersucht dort die Verbreitung von Desinformation und extremistischen Ideologien in deutsch- und englischsprachigen Ländern. Im Interview spricht Matlach über die von Rechten und Rechtsradikalen immer öfter genutzte Youtube-Alternative Odysee.
Weiterer Hörtipp: Im “Übermedien”-Podcast geht es um den radikalen Frauenfeind Andrew Tate: “Gut vier Millionen Follower hatte er auf Twitter, noch mehr auf Insta, bei Tiktok wurden seine Clips rund zwölf Milliarden Mal aufgerufen, und auf Google wird häufiger nach ihm gesucht als nach Kim Kardashian und Donald Trump zusammen! Wer ist dieser vor Ego platzende Muskelmann namens Andrew Tate? Und was macht ihn so erfolgreich?” Holger Klein spricht darüber mit Samira El Ouassil (uebermedien.de, Audio: 23:03 Minuten).

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4. Rebecca Barth, Journalistin, berichtet u.a. für die ARD aus der Ukraine
(medienmacherin.podigee.io, Freddie Schürheck, Audio: 51:59 Minuten)
Beim “Medienmacherin”-Podcast trifft Freddie Schürheck die Journalistin Rebecca Barth, die unter anderem für die ARD aus der Ukraine berichtet. In dem Gespräch geht um Barths journalistische Arbeit im Kriegsgebiet, ihre Verarbeitungsstrategien und die Frage, was sie immer wieder in die Ukraine zurückzieht.

5. Morde in Mexiko: Frei berichten trotz Lebensgefahr?
(ndr.de, Zapp, Anna Mundt & Lisa Maria Hagen, Video: 26:15 Minuten)
Mexiko gilt für Medienschaffende als eines der gefährlichsten Länder der Welt. “Was passiert da? Und wie kann man in einem solchen Land noch frei berichten?” Für ihren “Zapp”-Beitrag haben Anna Mundt und Lisa Maria Hagenin Mexiko Angehörige von Opfern getroffen, sie thematisieren die kritikwürdige Politik des Präsidenten und zeigen, “wie unzureichend das staatliche Schutzprogramm für Journalist:innen ist.”

6. Klare Vision statt Trends und Hypes – mit Podigee-Gründer Mati Sójka
(omrmedia.podigee.io, Vincent Kittmann, Audio: 30:11 Minuten)
2013 hatten Mati Sójka und Ben Zimmer eine brillante Geschäftsidee: Sie gründeten die Podcast-Hosting-Plattform Podigee. Zunächst beherbergten sie nur einige wenige Hörformate, nun seien es etwa 15.000 aktive Podcasts mit insgesamt rund 150 Millionen Downloads pro Monat. Im aktuellen “OMR”-“Podtalk” unterhält sich Vincent Kittmann mit Podigee-Gründer Sójka über dessen Unternehmen und die Podcast-Welt.
Passender Hörtipp dazu: Im Podcast “turi2 Clubraum” ist Sebastian Esser zu Gast, der mit Steady ein Finanzierungsportal anbietet, das auch für die Vermarktung von Podcasts genutzt werden kann (Aline von Drateln & Markus Trantow, Audio: 44:20 Minuten). Auch hier ein Transparenzhinweis: Wir vom BILDblog nutzen ebenfalls Steady.

Bild  

Nicht mal die Hälfte der Energie geht ins Recherchieren

Die “Bild”-Redaktion glaubt, mal wieder was entdeckt zu haben:

Ausriss Bild-Zeitung - Nicht mal die Hälfte des Etats geht ins Programm

Gemeint ist das Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. “Bild” schreibt dazu:

ARD, ZDF und Deutschlandradio verwenden weniger als die Häflte ihres Budgets fürs Programm. Das geht aus dem jüngsten KEF-Bericht (“Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten”) vom Februar 2022 hervor. Demnach beläuft sich der Gesamtaufwand über den Vierjahreszeitraum 2021 bis 2024 auf 38,3 Milliarden Euro. Davon gehen 16,65 Milliarden Euro (43,5 %) ins Programm.

Die Zahlen, die die Redaktion am Ende nennt, sind richtig – sie stehen so im erwähnten KEF-Bericht. Alles andere ist falsch.

Zweifel an der Behauptung, dass die Öffentlich-Rechlichten “weniger als die Hälfte ihres Budgets fürs Programm” verwenden, hätte “Bild” spätestens beim Erstellen dieser Grafik kommen müssen, die heute neben dem Artikel in der Zeitung zu finden ist:

Ausriss Bild-Zeitung - zu sehen ist ein Diagramm, in dem die verschiedenen Ausgabenbereiche der öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen sind, darunter Programmaufwand, Personal ohne Altersvorsorge, Sachaufwand, Altersvorsorge, Investitionen/Sonstiges, Programmverbreitung

“Bild” meint zu wissen, dass lediglich Gelder aus dem Bereich “Programmaufwand” für das Programm von ARD, ZDF und Deutschlandradio verwendet werden, eben 43,5 Prozent des Gesamtbudgets. Aber was ist zum Beispiel mit dem Bereich “Personal ohne Altersversorgung”? Sind das die Pförtnerinnen, die Hausmeister, das Kantinenpersonal – also all jene, die mit dem Programm nichts zu tun haben?

Im 23. Bericht der KEF, auf den sich die “Bild”-Redaktion bei ihrem Vorwurf bezieht, steht extra zu Beginn des Abschnitts “Programmaufwand” (PDF, Seite 92):

Die Kommission erfasst als Programmaufwand insbesondere Kosten für Produktionen, die außerhalb der Anstalten entstehen. Die Erläuterungen dazu sowie das methodische Vorgehen der Kommission sind im 22. Bericht ausführlich beschrieben (vgl. dort Tzn. 72 f.).

Also mal schnell in den 22. Bericht der KEF geschaut (PDF, Seite 80):

Die Kommission erfasst als Programmaufwand insbesondere Kosten für Produktionen, die außerhalb der Anstalten entstehen. Dazu gehören:

  • Ankauf fertiger Produktionen von Dritten,
  • Erstellung von Koproduktionen und Auftragsproduktionen,
  • Erwerb von Sende-­ und Übertragungsrechten, namentlich Sportrechten,
  • Leistungsvergütungen für freie Mitarbeiter,
  • Vergütungen für Urheberrechts­- und Leistungsschutzberechtigte.

Kosten von Eigenproduktionen sind nur zum Teil im Programmaufwand enthalten. Sie werden daneben auch aus dem Personalaufwand und dem Sachaufwand finanziert.

Das heißt: Die vielen festangestellten Redakteurinnen und Redakteure zum Beispiel, die jeden Tag dazu beitragen, dass es im Fernsehen, im Radio und online Programm geben kann, oder die Korrespondetinnen und Korrespondenten, die selbst Beiträge erstellen, oder die Nachrichtensendungen, Politmagazine und Dokumentationen, die in den Häusern entstehen und nicht von außen eingekauft werden, oder selbstproduzierte fiktionale Serien – die dafür anfallenden Kosten fehlen in der “Bild”-Rechnung.

Es gibt zweifelsohne eine Menge zu kritisieren am öffentlich-rechtlichen System. Man kann den Anstalten gern alles mögliche vorwerfen: die träge Behördenhaftigkeit, die Programmgestaltung oder eben einen falschen Einsatz des vielen Geldes. Aber dann wäre es doch keine schlechte Idee, vorher wenigstens einmal ordentlich in den dafür maßgeblichen Bericht zu schauen.

Gesehen bei @daniel_bouhs.

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