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Der spektakulärste Wechsel aller Zeiten

Am Dienstag traute sich die Sportredaktion von “Bild” wirklich mal was: Während nahezu die ganze Fußball-Welt (einschließlich der Fußball-Bibel “Kicker”) davon ausging, dass der Spieler Diego von Werder Bremen zu Juventus Turin wechseln würde, vermeldete “Bild” “exklusiv”:

“BILD weiß…:

BILD weiß: Bayern und Werders Super-Star Diego (24) sind sich schon einig! Der Brasilianer soll in Kürze einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreiben. Juventus ist aus dem Rennen. (…) Der Wechsel nach Italien scheitert an Diego! (…)

Heute wollte Juventus erneut zu Verhandlungen nach Bremen fliegen. Vermutlich hatte Bayern Angst, dass die Turiner beim Gehalt doch noch mal ordentlich drauflegen.

Den Flug im Lear-Jet nach Bremen können sich die Italiener sparen. Diegos Vater ist aus München direkt nach Brasilien geflogen. Im Gepäck den spektakulärsten Wechsel aller Bundesliga-Zeiten!

In gewohnter Unbescheidenheit hieß es dann gleich zu Beginn des Textes: “Das ist der Transferhammer des Jahres!” Der Hammer bestand in der Information von Bild.de, es habe ein “Geheimtreffen” zwischen Diegos Vater und Berater sowie den Verantwortlichen des FC Bayern gegeben. Diego sei sich mit den Bayern einig und werde den Münchnern den Vorzug gegenüber Turin geben. Die Vereine müssten nur noch letzte Modalitäten klären. Und damit es sich der Leser auch bildlich vorstellen konnte, packte ihn die “Bild”-Fotomonteure gleich mal in das Trikot des FC Bayern.

Der “Transferhammer” hatte nur einen kleinen Haken: Diego dachte nicht im Traum daran, zu den Bayern zu gehen. Der “Kicker” schrieb bereits am Mittwoch:

Von einem offiziellen Angebot der Bayern, wie es die Bild-Zeitung berichtet und bereits Vollzug über den Transfer vermeldet hatte, wollte Diego nichts wissen. “Es gibt losen Kontakt zu den Bayern, aber nur über meine Berater”, erklärte der 2006 von Porto zu Werder gekommene Spieler. Auch Manager Uli Hoeneß schlägt in die gleiche Kerbe: “Wer sagt das, dass wir uns getroffen haben? Wir haben überhaupt nicht verhandelt.”

So richtig zugeben, dass die Exklusiv-Meldung eine Exklusiv-Ente war, mochte man bei “Bild” allerdings dann doch nicht. Und so war man nicht unglücklich, einen Schuldigen für das Exklusiv-Debakel präsentieren zu können. Der Papa war’s, Papa Diego. Denn der ist — ganz unbrasilianisch — ein Baron:

Papa Diego ist als Lügen-Baron aufgeflogen! Weil Djair da Cunha die Bayern gelinkt hat, ist der Wechsel geplatzt. Als Berater seines Sohnes verhandelte er noch vorgestern mit den Bayern-Bossen, obwohl er sich bereits mit Juventus Turin über einen Wechsel zum Saisonende geeinigt hat.

Bayern gelinkt — und, was fast noch schlimmer ist: “Bild” gelinkt! Kein Wunder also, dass man so jemandem nur die niedersten Motive unterstellen kann, die Frage nach dem “Warum” beantwortet sich für “Bild” jedenfalls ziemlich leicht:

Die Antwort: Reine Gier! Diego und sein Vater versuchten die Ablösesumme in die Höhe zu treiben, weil sie daran mit 15 Prozent beteiligt sind…

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Netzwerk Recherche

Am Montag hatten wir darüber berichtet, wie StudiVZ darauf reagiert, dass sich Medienvertreter in dem sozialen Netzwerk mit Fotos und Informationen über Jugendliche eindecken.

Logo der StudiVZ-Gruppe "Wenn ich tot bin, soll mein Bild nicht in die Bild-Zeitung!"Im Anschluss daran schrieben uns Leser, die fragten, wie sie einem solchen Bilderklau Vorschub leisten könnten (Korrektur von 16:19 Uhr: BILDblogger scheitert an der deutschen Sprache) einen solchen Bilderklau verhindern könnten. Eine richtige Antwort darauf hatten wir auch nicht, bis uns ein weiterer Leser schrieb, er habe gerade eine neue Gruppe bei StudiVZ gegründet: “Wenn ich tot bin, soll mein Bild nicht in die Bild-Zeitung!” Eine vielleicht etwas hilflose und symbolische Aktion, die aber immerhin auf das Problem aufmerksam macht.

Der folgende Tag allerdings zeigte, dass das Problem der Recherche in Sozialen Netzwerken kein “Bild”-spezifisches ist — und dass man nicht unbedingt tot sein muss, um unfreiwillig seine privaten Fotos in der Boulevardpresse wiederzufinden:

In Sankt Augustin hatte eine Schülerin offenbar einen Brandanschlag auf ihr Gymnasium geplant. Eine Mitschülerin stellte sich ihr in den Weg und wurde mit einem Messer verletzt. “Bild” berichtete am Dienstag groß über die “Heldin” und veröffentlichte dabei eine Kurz-Charakterisierung, die sich liest, als sei sie direkt aus dem Profil einen Sozialen Netzwerks zusammenkopiert:

Wer ist die hübsche Schülerin? Sie geht in die 11. Klasse und möchte später gerne in Paris studieren. Dennoch ist Ankes Lieblingsfach Englisch. Die begeisterte Tennis-Spielerin geht gerne shoppen, liest und reist viel. Raucher mag sie dagegen überhaupt nicht.

Auch der “Express” überrascht mit erstaunlichem Faktenwissen:

Ihr Opfer Janine, die davon träumt an der Sorbonne in Paris zu studieren, ist inzwischen in der Uni-Klinik notoperiert worden.

Beide Zeitungen haben nach eigenen Angaben den Namen der Verletzten geändert. Ihre Berichte sind mit Fotos des Mädchens garniert, auf denen das Gesicht verpixelt wurde. Es sieht ganz danach aus, dass sie aus dem Profil des Mädchens in einem Sozialen Netzwerk entnommen wurden. Auf Nachfrage erklärte SchuelerVZ, man prüfe gerade, ob die Fotos aus dem eigenen Angebot stammen.

Einen besonderen Einblick in den Arbeitsalltag von Boulevardjournalisten liefert ein Artikel in der “Rheinischen Post” (die in ihrer Printausgabe sogar den vollen Namen der 16-jährigen Tatverdächtigen angegeben hatte). Man meint, dem Autor Jürgen Stock seine Enttäuschung regelrecht anmerken zu können:

Alternativ hätte sie der “Rheinischen Post” kurz vor ihrem geplanten Amoklauf vielleicht auch einfach kurz ein paar biographische Notizen faxen können — das hätte Herrn Stock auch viel Zeit gespart.

Mit Dank auch an Falk E., Leonard E., Birgit H. und Fabian P.

sid  

Alles eine Frage der Wahrnehmung…

Letzte Woche hatte Bayern München in der Fußball-Bundesliga einen Rückstand von drei Punkten auf den VfL Wolfsburg. Diese Woche hat Bayern München ebenfalls einen Rückstand von drei Punkten auf den VfL Wolfsburg. Was ziemlich leicht erklärt ist, zumindest rechnerisch: Vergangenes Wochenende verloren beide Vereine, dieses Wochenende holten beide die volle Punktzahl. Trotzdem interessant, wie sehr ein Trainerwechsel (noch dazu eines Trainers, der in den Redaktionen nur so mittelbeliebt war) die Wahrnehmung verändert.

Der Sportinformationsdienst (SID) beispielsweise eröffnet den Bericht zum gestrigen Spiel der Bayern mit dem Satz:

Rückkehrer Jupp Heynckes hat Bayern München im Titelkampf die Hoffnung zurückgegeben.

Und fährt dann fort mit der Feststellung:

Während die Münchner wieder vom Titel träumen dürfen, rückt für Gladbach der Abstieg nach dem sechsten Spiel in Folge ohne Sieg immer näher.

Dabei ist die Ausgangslage seit vier Wochen unverändert; Bayern München hat seit dem 26. Spieltag immer genau drei Punkte Rückstand auf den Tabellenführer. Am 25. Spieltag war es sogar nur ein einziges Pünktchen, von “Titelträumen” und “neuen Hoffnungen” war damals aber nicht so viel zu lesen. Da hieß der Trainer ja auch noch irgendwie anders.

China, Hartmeier, Klingelschmitt

1. Interview mit Walter van Rossum

(heise.de/tp, Reinhard Jellen)

Der freie Autor Walter van Rossum übt massive Kritik an Politik und Medien in Deutschland. Er stellt einen “95 Prozent des Spektrums” abdeckenden “Konformismus mit der parlamentarischen Mitte” fest. Bei der Berichterstattung über die Ereignisse in Lhasa im März 2008 entsetzte ihn “die fast lückenlose Gleichschaltung”: “Da hat man so getan, als hätten barbarische chinesische Kommunisten friedlich demonstrierende Mönche niederkartätscht. Das war flächendeckend krasse Fehlinformation.”

2. “Chinas Führung setzt auf PR-Aktionen”

(derstandard.at)

Der chinesische Journalist Shi Ming glaubt, dass sich China vermehrt um die Lenkung der allgemeinen Meinung kümmern wird: “Es gibt nicht mehr den einen Mainstream. Die Lenkung der Meinungen ist also eine weitaus wichtigere Seite.” Die Zahl der Netzpolizisten wird auf 50.000 geschätzt.

3. Interview mit Christoph Berger

(interview-blog.de, Klaus-Martin Meyer)

Ein Gespräch mit dem Käufer von basicthinking.de: “Robert hat Basic Thinking natürlich sehr geprägt, aber unsere aktuellen Zugriffszahlen zeigen auch, dass es möglich ist, die Zahlen von damals sogar noch zu steigern.”

4. “Ist Klinsmann ein Opfer der Medien?”

(fnweb.de)

Josef Hackforth, Inhaber des Lehrstuhls an der TU München, fragt anlässlich eines Vortrags, ob der Journalismus beliebig geworden sei und ob Journalisten nicht auch bestraft werden müssten, wenn sie Fehler machen, durch die andere zu Schaden kommen: “Ärzte und Juristen werden belangt, wenn sie Fehler machen, Journalisten nicht”.

5. Interview mit Peter Hartmeier

(persoenlich.com, Christian Lüscher)

Der abtretende Chefredaktor des Tages-Anzeigers geht mit unzufriedenen Lesern um wie ein Hotelier: “Ich schickte Leuten, die sich durch unsere Zeitung verletzt fühlten, einen von Hand geschriebenen Brief und einen Blumenstrauss – selbst dann wenn wir im Recht waren.”

6. “Generation 50 plus links”

(taz.de, Klaus-Peter Klingelschmitt)

Klaus-Peter Klingelschmitt schafft das Kunststück der perfekten Anti-Internetaktivisten-Kolumne. Wer auch immer in Zukunft noch so eine schreiben will – hier ist alles drin und bis ins Detail ausgeführt: “Was wirklich zählt, ist das REALE Leben. Wir Älteren wissen das längst. Stellen wir uns doch einmal vor, die ganze Chat- und Bloggerei würde umgehend abgeschafft. Die Welt würde NICHTS vermissen.”

Bild  

Ohne Klinsmann wird das Unmögliche möglich

Vor zwei Tagen war die Welt echt noch eine schlechtere. Zumindest, wenn man Anhänger des FC Bayern München war. Bild.de ließ wissen, dass der Meistertitel in der Bundesliga “so gut wie weg” sei, die Kollegen der “Bild am Sonntag” gingen noch weiter:

Titel weg!

Was so ein Trainerwechsel aber dann doch alles ausmacht. Inzwischen, die Zeiten haben sich ja geändert (“Klinsi weg!”), traut Bild.de selbstverständlich Bayern wieder den Titel zu und startet eine entsprechende Umfrage:

“Klinsi ist weg! Holen die Bayern mit Heynckes jetzt doch noch die Schale?”

Selbst Oliver Kahn ist jetzt, wie “Bild” schreibt, endlich wieder frohen Mutes, wenn er an die Zukunft seines Ex-Vereins denkt.

“Bayern wird jetzt locker Meister”, zitiert Bild.de (exklusiv) den ehemaligen Bayern-Torwart — und suggeriert damit, Kahn führe dies irgendwie auch auf die Entlassung Klinsmanns zurück. Was aber ziemlicher Unsinn ist, weil Kahn noch nie etwas anderes geglaubt hat; auch nicht, als Klinsmann noch Trainer war. Noch einen Tag vor der Entlassung zeigte sich Kahn gegenüber “Sport 1” sicher:

“Bayern wird Meister, wenn Wolfsburg nicht gewinnt.”

Und auch, als die Bayern-Krise im Februar so richtig losging, war Kahn überzeugt, dass am Ende die Bayern vorne stehen würden. Mit dem “Klinsi-Aus” hat die Meinung des “Torwart-Titans” also nichts zu tun.

Der Frust beim gelegentlich als stur geltenden Klinsmann ob der letzten Monate muss übrigens groß gewesen sein. Klinsmann sei, so schreibt die “Süddeutsche Zeitung” heute auf ihrer Seite 3, im Laufe seiner Trainerzeit sogar auf ziemlich hohen Etagen von “Bild” vorstellig geworden, um um eine etwas weniger hämische Berichterstattung zu bitten.

Mit Dank an Jan D.

Klinsi will einfach nicht fliegen (2)

Nachtrag, 11.40 Uhr (obwohl am Anfang stehend): Mittlerweile ist Klinsi geflogen.

Also, nur für den Fall, dass Sie gerade etwas irritiert sein sollten: Jürgen Klinsmann ist unverändert Trainer bei Bayern München. Diese (banale) Feststellung nur für den Fall, dass Sie sich an einer Umfrage beteiligen wollen, die “Bild.de” gerade durchführt:

Wer könnte Klinsi als Trainer beerben?

Dabei ist die Frage der Nachfolge eines Trainers, der noch nicht einmal entlassen worden ist, schon brisant; so brisant sogar, dass man des Lesers Rat durchaus gebrauchen kann. Schließlich hatte man erst unlängst ein paar Kandidaten durchgenudelt, von Matthias Sammer bis hin zu irgendwelchen Italienern, über die sich angeblich Luca Toni sehr freuen soll.

Gekommen ist bisher keiner von denen, so dass Bild.de jetzt die zweite Kandidatenrunde aufmacht, mit dem Manko, dass der eine oder andere etwas, nunja, unerfahren als Trainer ist. Beispielsweise kommen die von Bild.de genannten Nachfolgekandidaten Paul Breitner und Mehmet Scholl auf zusammen genau null Spiele als Trainer (sieht man von Scholls Tätigkeit als Trainer der U-13 des FC Bayern ab). Und auch Stefan Effenberg und Oliver Kahn, von Bild.de ins Gespräch  gebracht, haben bisher noch nie irgendwo eine Mannschaft gecoacht. (Damit die Sammlung dann doch noch wenigstens halbwegs ernstzunehmen ist, fügt Bild.de außerdem hinzu: Ottmar Hitzfeld und Arsène Wenger, die sich immer gut machen, sowie den unvermeidlichen “Bild”-Darling Lothar Matthäus, der aktuell Trainer in Israel ist und angeblich sogar schon beim Lokalrivalen 1860 im Gespräch war).

Über Oliver Kahn schreibt übrigens heute auch die “Abendzeitung”, die von einem “Not-Konzept mit Scholl” wissen will, was sich aber ziemlich schnell als einfach mal dahinspekuliert erweist. Allerdings bleibt der AZ nicht sehr viel anderes übrig, als sich an der Scholl-Variante festzuklammern, weil die anderen beiden Kandidaten, die auch von “Bild” diskutiert werden, das eine oder andere Manko haben:

Paul Breitner: Zu sehr soll sich der Vorstandsberater ins Spiel gebracht haben – und Manager Uli Hoeneß einem Trainer Breitner skeptisch gegenüber stehen.

Oliver Kahn: Hat ein Traineramt immer ausgeschlossen, will Manager werden.

Dass Kahn gar nicht Trainer werden will (und das eigentlich auch gar kein Geheimnis ist), macht die Geschichte mit den Kandidaten natürlich ziemlich schwierig. Aber irgendwie muss man diesen Klinsmann ja loswerden können, auch ganz ohne Nachfolger. Das DSF ließ die Frage nach dem Nachfolger deswegen außen vor, zeigte sich am Sonntag in einem Beitrag für den “Doppelpass” ziemlich sicher: Es gehe nur noch um “die 3 W’s: Wann wird er rausgeworfen, wer wird ihn rauswerfen und wie wird man es ihm sagen”.

Was übrigens weder “Bild”, noch DSF, noch “Abendzeitung” einer weiteren Erwähnung wert fanden: Tabellenführer Wolfsburg verlor am Sonntag in Cottbus 2:0, der Abstand zwischen Bayern und Wolfsburg ist unverändert. Bei Bild.de heißt es dennoch unbeirrt: “Der Titel ist so gut wie weg.”

Mit Dank an Stefan H.

Nachtrag, Montag 10 Uhr: Der Einwand einiger unserer Leser, das DSF habe ja die Niederlage Wolfsburgs gar nicht erwähnen können, weil der “Doppelpass”  schon am Morgen gesendet wird, ist natürlich korrekt.

Transferleistung: Mangelhaft

Sechs Spieltage hat die Saison der Fußballbundesliga noch, da kann man natürlich schon mal anfangen aufzuschreiben, wer wohin wechselt — und wer vielleicht. Den angeblichen Wechsel von Nationalspieler Marko Marin nimmt Bild.de heute zum Anlass, in einer etwas unübersichtlichen Klickstrecke den Transfermarkt aufzuschlüsseln.

Allerdings wird wohl jeder Verein von einem eigenen Mitarbeiter betreut, die alle nicht miteinander reden dürfen:

So wechselt Ivica Olic ablösefrei zu Bayern München …

Bayern München - Zugänge: Ivica Olic (HSV; Angriff; ablösefrei)

… während der HSV für ihn noch elf Millionen bekommen soll (von wem auch immer):

Hamburger SV - Zugänge: ---; Abgänge: Ivica Olic (Bayern München; 11 Mio Euro)

(Richtig ist übrigens der ablösefreie Wechsel.)

Lukas Podolski wechselt bekanntlich zurück zum 1. FC Köln …

1. FC Köln - Zugänge: Lukas Podolski (Bayern München; Angriff; 10 Mio Euro)

… verlässt Bayern aber nach Bild.de-Informationen in Richtung HSV:

Abgänge: Lukas Podolski (HSV; 10 Mio Euro)

Und die Frage, warum (und wie) Ralf Fährmann von Eintracht Frankfurt zu Eintracht Frankfurt wechseln sollte, …

Eintracht Frankfurt - Zugänge: Ralf Fährmann (Eintracht Frankfurt; Tor; ablösefrei)

… stellt sich auch nicht mehr, wenn man weiß, dass er eigentlich von Schalke 04 kommt.

Abgänge: Ralf Fährmann (Eintracht Frankfurt; ablösefrei)

Mit Dank an Thomas P.

Nachtrag, 18 Uhr: Bild.de hat alle hier aufgeführten Fehler korrigiert.

Bild  

Bild dir deine Regeln…

Man hört ja immer wieder mal, man könne über die “Bild” denken, was man wolle, aber der Sportteil, der sei ja schon so richtig gut. Vermutlich ist diese Meinung auch deswegen entstanden, weil “Bild” gerne mal komplizierte Regularien auf den Punkt bringt. Oder es, wie im nachfolgenden Fall, zumindest versucht, mit Erfolg, den man bescheiden nennen darf.

Wer kommt wann in den Uefa-Cup

… fragt die Sportredaktion des Blattes heute — und nähme man es genau, müsste man antworten: niemand. Weil es den Uefa-Cup ab der kommenden Saison nämlich gar nicht mehr gibt und der Wettbewerb stattdessen umbenannt wird in die “Uefa Europa League”. Das alleine wäre nicht tragisch, allerdings stimmen nicht nur der Name des Wettbewerbs nicht, sondern auch ein paar andere Kleinigkeiten:

  • Die fairste deutsche Mannschaft komme in einen Topf mit Teams anderer Länder; aus diesem Topf werde dann ein zusätzlicher Startplatz ausgelost. Das war bis zu dieser Saison so. Inzwischen gibt es aber keine Verlosung mehr, sondern die drei Plätze gehen automatisch an die drei fairsten Nationen.
  • Bislang sei der fairste deutsche Verein der KSC, schreibt “Bild”. Das ist ein ziemlich exklusives “Wissen”. Tatsächlich wird die endgültige Wertung erst nach Saisonende bekanntgegeben. Und selbst dann, wenn man die bisherige Zahl der gelben und roten Karten als Maßstab verwenden würde, wäre die Einschätzung von “Bild” falsch. Denn es spielen noch ganz andere Komponenten eine Rolle in der Wertung der Uefa, beispielsweise das “Verhalten der Fans” oder der “Respekt vor dem Gegner”. Wer also momentan fairste deutsche Mannschaft ist, weiß nicht einmal die DFL selber.
  • Ob tatsächlich vier deutsche Mannschaften an der “Europa League” teilnehmen, hängt schließlich auch noch davon ab, ob der Bundesliga-Dritte sich für die Champions League qualifiziert — oder doch auch an der Europa League teilnimmt.

Mit Dank an Jan K.

Klinsi will einfach nicht fliegen

Über den Fußball-Lehrer Jürgen Klinsmann ist in letzter Zeit viel geschrieben, gesendet und spekuliert worden. Nicht alles war zutreffend, wie man rückwirkend sehr schön an einem Beispiel des Bayerischen Rundfunks erkennen kann. Dort hatte ein Sportreporter am Morgen nach der Niederlage der Bayern in Barcelona live auf Bayern 3 angekündigt, sich jetzt mal “ganz weit aus dem Fenster zu lehnen” – und mit aufgeregter Stimme angekündigt: “Ich gehe so weit und sage: Jürgen Klinsmann tritt heute zurück.” Klinsmann tat ihm bekanntermaßen den Gefallen nicht und irgendwie hatte man danach den Eindruck, die Stimmen der BR-Leute hätten an diesem Tag etwas belegter (enttäuschter?) als sonst geklungen.

Trotzdem trommelten die Sportredaktionen des Landes munter weiter. “Fliegt Klinsi, wenn…” (entsprechenden Anlass bitte hier einsetzen) hätte man als Überschrift eigentlich auch bis zum Saisonende auf Vorrat drucken oder als Template anlegen können. Half alles nix. Klinsi flog einfach nicht.

Vor allem bei der Klinsmann nicht übermäßig gewogenen “Bild” wuchs darob anscheinend zunehmend die Verzweiflung. Also ließ man wahlweise beispielsweise den Spieler Luca Toni schon über einen Nachfolger sprechen, Oliver Kahn einen “Geheimplan” mit Uli Hoeneß aushandeln und die Fans die Macht übernehmen:

Die Bayern-Krise: Können die Fans Klinsi stürzen?

Half wieder nix. Klinsmann sitzt immer noch da, ist unverschämterweise bei drei Punkten Rückstand auch noch der Meinung, dass man eine echte Chance auf die Meisterschaft habe und bereitet demonstrativ die nächste Saison vor. Den ganzen anscheinend vorhandenen Frust lässt die “Bild am Sonntag” heute raus. Wieder nichts mit dem Rausschmiss, die Bayern gewannen in Bielefeld, Klinsmann bleibt – also titelte man:

Danke, Klinsi! Ich muss dich nicht feuern

Einen weiteren Tiefschlag hatten die “Bild”-Leute indessen schon am Samstag von einem bekommen, den sie bis dato immer wieder gerne mal als Münchens next Top-Coach ins Gespräch gebracht hatten. Die “Bild”-Frage “Was läuft denn da mit Sammer?” hat Matthias Sammer bei Premiere ziemlich eindeutig (und: irgendwie etwas verärgert) beantwortet:

“Das ist frei erfunden. Es hat keinen Kontakt gegeben. Ich heiße auch nicht Oliver Kahn. Ich heiße Matthias Sammer und ich weiß davon nichts. Die Diskussion ist einfach unsäglich.  (…) Was soll ich da eigentlich dementieren? Vielleicht kommt ja irgendwann mal jemand, vielleicht nicht. Das ist doch alles Spekulation.”

Mit Dank an Martin E.

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Von Opfern schmutziger Gerichtsspektakel

Erinnern Sie sich an Andreas Türck?

Als die Staatsanwaltschaft vor dreieinhalb Jahren am Ende des Vergewaltigungs-Prozesses gegen den ehemaligen Fernsehmoderator Freispruch beantragte, kommentierte “Bild”, dass dieser Fall nie vor Gericht hätte landen dürfen. Der Moderator sei Opfer einer Justiz geworden, “die diesen Prozeß zuließ und vier Wochen lang ein schmutziges Gerichtsspektakel inszenierte”.

Dass Türck auch Opfer der Medien wurde und insbesondere einer großen deutschen Boulevardzeitung, kam “Bild” nicht in den Sinn. Über Wochen hatte die Zeitung genüsslich intimste Details ausgebreitet, ihn verurteilt und u.a. getitelt: “So hat Türck mich vergewaltigt”. In der “Bild am Sonntag” hatte ein Redakteur namens Stefan Hauck das Leben Türcks ein “erbärmliches Leben” genannt und erklärt, man müsse “kein Mitleid” mit ihm haben. Die Überschrift: “Hier steht Andreas Türck ein letztes Mal im Licht”.

Noch nachdem Türck freigesprochen wurde, behauptete “Bild”, es handele sich nicht um einen “Freispruch erster Klasse”, weil die Tat bloß nicht mit Sicherheit hätte bewiesen werden können, zählte auf, wie viel “Schmutz” an ihm hängen bleibe und fragte süffisant: “Der schöne Andreas ist 1,93 Meter groß, sportlich, schlank, lächelt gern — aber für was soll er jetzt sein Gesicht ins Fernsehen halten?” Später landete Türck wegen seines Prozesses in einer “Bild”-Kolumne mit der Überschrift “Peinliche Promis”.

Der Ruf eines unschuldigen Mannes war ruiniert. Daran, dass Andreas Türck in diesem Sinne zum Opfer wurde, hatte sicher die Justiz ihren Anteil. Aber am wirkungsvollsten war die “Bild”-Zeitung mit ihren riesigen, vernichtenden Schlagzeilen.

Die Zeitung hat, nicht nur in diesem Fall, jede Verantwortung für die Folgen ihrer Berichterstattung abgelehnt. Schon deshalb hat sie aus dem Fall Türck nichts gelernt. Es gab da für “Bild” nichts zu lernen.

Wie das Verfahren gegen die Sängerin ausgehen wird, die zur Zeit in Untersuchungshaft sitzt, weil ihr vorgeworfen wird, im Wissen um ihre HIV-Infektion ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, ist offen. Natürlich kann es sein, dass es — anders als der Prozess gegen Andreas Türck — mit einem Schuldspruch endet und die Frau für viele Jahre ins Gefängnis muss. Aber bislang ist gegen sie noch nicht einmal Anklage erhoben worden, und ihr Ruf ist schon vollends ruiniert.

Spätestens im Nachhinein wird man fragen müssen, in welchem Maß die Sängerin selbst oder die Justiz dafür verantwortlich ist. In welchem Maß “Bild” dafür verantwortlich ist, wird man “Bild” nicht fragen müssen. Schlimmstenfalls kann sich das Blatt ja darüber empören, dass die Justiz so ein “schmutziges Gerichtsspektakel” zuließ und eine Frau zum Opfer machte.
 

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