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“Breaking-News”-Situationen, Kritisierte Abhöraktion, KI-Radio

1. Tagesschau24 bringt Nachrichten “rund um die Uhr”, aber nicht den ganzen Tag
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
In “Breaking-News”-Situationen wie dem Aufstand des russischen Warlords Jewgeni Prigoschin gegen die russische Militärführung wird häufig Kritik an der ARD, dem ZDF und dem öffentlich-rechtlichen Nachrichtensystem allgemein laut. Vor allem in Sozialen Medien werden dann gern Screenshots herumgereicht, die belegen sollen, dass sich in den Sendern niemand um die eigentlich wichtigen Themen kümmert, und dass beispielsweise statt aktuellen Infos aus Russland Dino-Dokus gezeigt werden. Ist der Vorwurf berechtigt? Frederik von Castell ist der Sache nachgegangen, hat auch beim NDR nachgefragt und eine, nun ja, selbstbewusste Antwort erhalten.

2. Der BJV fordert Aufarbeitung der Abhöraktion gegen ein Pressetelefon der “Letzten Generation”
(bjv.de)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, hat das bayerische Landeskriminalamt die “Letzte Generation” überwacht, was sich offenbar auch auf die Kommunikation mit Journalistinnen und Journalisten erstreckte. Nun meldet sich der Bayerische Journalisten-Verband zu Wort: “Wenn der Staat vertrauliche Telefonate mit Journalisten abhört, zerstört er die Grundlage für unsere Berichterstattung. Es muss jetzt umgehend aufgeklärt werden, wie es zu der Fehleinschätzung kommen konnte, Gespräche mit der Presse zu überwachen. Wir müssen wissen, ob die aufgezeichneten Telefonate mit Journalistinnen und Journalisten umgehend gelöscht oder weiterverwertet wurden.”

3. Vielfalt und Wettbewerb im Lokaljournalismus: Das Beispiel Dortmund
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Johanna Mack fasst eine Veranstaltung des Pressevereins Ruhr zusammen, bei der Medienschaffende die Situation der Lokalmedien in Dortmund und Umgebung seit dem Ende der “Westfälischen Rundschau” vor zehn Jahren diskutierten: Wie hat sich der Lokaljournalismus vor Ort verändert? Wie haben sich die Entwicklungen der vergangenen Jahre auf die Qualität der angebotenen Medieninhalte, die Meinungsvielfalt und die Demokratie ausgewirkt?
Transparenzhinweis: Auf dem Podium saß auch ein Vertreter von “RUMS”, dem digitalen journalistischen Angebot aus Münster. Dessen Chefredakteur Ralf Heimann hat bei uns unter anderem die Reihe “Kleine Wissenschaft des Fehlers” zur Fehlerkultur in Medien veröffentlicht.

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4. Alica Jung – ZDF-Reporterin und Moderatorin bei ZDFheute Live
(podcasters.spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 35:59 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Inside Medien” ist die ZDF-Reporterin Alica Jung zu Gast, die als “crossmediale Korrespondentin” im ZDF-Studio Washington arbeitet. Lisabell Shewafera nutzte die Gelegenheit und stellte Jung viele Fragen zu ganz praktischen Dingen des journalistischen Alltags und zu nützlichen Tipps für Medien-Interessierte.

5. bigFM will erstes KI-gesteuertes Radioprogramm Deutschlands starten
(radioszene.de)
Wie in der “Radioszene” zu lesen ist, will der private Hörfunksender bigFM im September dieses Jahres mit einem Radioprogramm an den Start gehen, das von einer Künstlichen Intelligenz generiert wird. Die technische Basis soll eine Softwarelösung namens RadioGPT eines US-Unternehmens bilden. Eine Verantwortliche des Senders kommentiert: “Das Komplexeste für uns wird neben der technologischen Umsetzung der eigene Rahmen für den ethischen Umgang mit diesen neuen Möglichkeiten sein. Und das alles steht und fällt natürlich mit der Frage: wie gut und emotional sind die deutschen Stimmen, die wir noch entwickeln?”

6. Fox News benennt Nachfolger für Scharfmacher Tucker Carlson
(spiegel.de)
Der US-amerikanische Fernsehsender Fox News hat sich vor einiger Zeit von seinem Zugpferd und Quotenbringer getrennt, dem rechtslastigen und zu Verschwörungserzählungen neigenden Moderator Tucker Carlson. Lange Zeit war unklar, wer dessen Nachfolger wird, doch das ist nun vorbei: Neuer Primetime-Moderator soll der 44-jährige Jesse Watters werden, der ebenfalls als sehr umstritten gilt.

Umstrittene Umfrage, Künstlicher Skandal, Silvio Berlusconi

1. Viel Medienecho für eine kleine Umfrage
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 8:15 Minuten)
Hält wirklich ein Drittel der Männer in Deutschland Gewalt gegen die Partnerin für “akzeptabel”, wie eine von vielen Medien verbreitete Umfrage es uns weismachen will? Die Statistikerin Sabine Zinn zweifelt an der Aussagekraft der Erhebung.
Weitere Lesetipps: Was ist wirklich dran an der Studie über Gewalt gegen Frauen? (t-online.de, Sonja Eichert) und Männer sollen Gewalt gegen Frauen gutheißen: Doch die “Studie” war nur eine Umfrage (berliner-zeitung.de, Franz Becchi).

2. Wie der NDR Karin Prien eine Rassismus-Debatte einbrockte
(uebermedien.de, Martin Niewendick)
Der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien wird wegen einer Äußerung über ihre Kabinettskollegin Aminata Touré Rassismus vorgeworfen. Zu Unrecht, meint Martin Niewendick, der die Fokussierung des NDR auf einen einzigen Satz Priens als Ursache für die Debatte sieht: “Es ist ein journalistischer Taschenspieler-Trick, sich durch eine geschickte Suggestivfrage bestimmte Antworten zu erschleichen. Besonders unseriös ist es, die Nachfrage in der veröffentlichten Version wegzulassen und so einen Skandal zu produzieren, der eigentlich keiner ist.”

3. Britisches Gericht ebnet den Weg zur Auslieferung
(netzpolitik.org, Johannes Gille)
Wie Johannes Gille bei netzpolitik.org berichtet, sieht es für Julian Assange nicht gut aus. Das jahrelange juristische Tauziehen könnte nach einem neuen Beschluss des Obersten Gerichtshofs in London bald mit einer Auslieferung an die USA enden. Es sei zu befürchten, dass Assange dort kein faires Verfahren erhalte. ARD-Korrespondent Christoph Prössl kommentierte dazu vor wenigen Tagen: “Assange hat über Kriegsverbrechen berichtet, er hat der Demokratie einen Dienst erwiesen. Diese Debatte muss nun geführt werden. Und ich hoffe sehr, dass Assange niemals ausgeliefert und bald freigelassen wird.” Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appelliert an den britischen High Court, Assange nicht an die USA auszuliefern. Der WikiLeaks-Gründer habe Kriegsverbrechen aufgedeckt und verdiene dafür Auszeichnungen und Anerkennung, so der DJV-Vorsitzende Frank Überall.

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4. Mediales Wirr­warr um sexual­straf­recht­liche Begriffe
(lto.de, Yves Georg)
In der medialen Diskussion um den Fall des Rammstein-Sängers Till Lindemann würden häufig Begriffe aus dem Sexualstrafrecht vorschnell und falsch verwendet, etwa wenn von “Missbrauch” die Rede sei. Strafverteidiger Yves Georg ordnet die Rechtslage und erläutert die juristischen Hintergründe der in der Berichterstattung immer wieder auftauchenden Zuschreibungen und Vorwürfe.

5. “Wir sagen ja zur KI – aber als Werkzeug”
(journalist.de, Kathi Preppner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat ein “Positionspapier bezüglich des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Journalismus” mit neun Regeln zum Umgang mit KI veröffentlicht (PDF). Außerdem fordert der Verband eine Vergütung für das sogenannte Text and Data Mining, also das automatisierte Auswerten großer Text- und Datenmengen. Im Interview mit Kathi Preppner erklärt DJV-Justiziarin Hanna Möllers, wie das funktionieren könnte.
Weiterer Lesetipp: Künstliche Intelligenz und der Journalismus: wie wir beim SPIEGEL darüber denken (devspiegel.medium.com).

6. Politiker und Medienmogul: Silvio Berlusconi ist tot
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der ehemalige italienische Ministerpräsident und Medienmogul Silvio Berlusconi ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Der für seine Ausschweifungen und Entgleisungen berüchtigte Berlusconi hatte ein milliardenschweres Wirtschaftsimperium aufgebaut, zu dem auch ein Medienkonzern gehört, der heute größter Anteilseigner von ProSiebenSat.1 ist.
Weiterer Lese- und Guckhinweis: Der “Spiegel” bietet eine kommentierte Fotostrecke mit den wichtigsten Lebensstationen Berlusconis.

Vom Macht­miss­brauch zum Betrug?, WhatsApp goes Telegram?, Assange

1. Vom Macht­miss­brauch zum Betrug?
(lto.de, Christian Rath)
Der Axel-Springer-Verlag fordert von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt eine Millionensumme, weil dieser gegen Verpflichtungen aus dem Aufhebungsvertrag verstoßen haben soll. Am heutigen Freitag soll ein sogenannter Gütetermin den Streit zwischen den beiden Parteien beilegen. Christian Rath ordnet den Fall juristisch ein und geht auch auf Reichelts Konflikt mit dem NDR ein.

2. Katrin Vernau wird definitiv nicht die nächste RBB-Intendantin
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die aktuelle Interims-Intendantin Katrin Vernau werde den RBB nur noch wenige Monate führen, dann werde eine neue Spitze gewählt. Ein Antrag, Vernau nachträglich auf die Liste bei der anstehenden Intendanzwahl zu setzen, habe im Rundfunkrat keine Mehrheit gefunden, berichtet Timo Niemeier bei “DWDL”. Sorgen um Katrin Vernau müsse man sich jedoch nicht machen, so Niemeier: “Nach ihrer Amtszeit beim RBB kehrt sie zurück zum WDR, wo sie als Verwaltungsdirektorin bislang schlicht beurlaubt ist. Ihr werden mittlerweile Ambitionen auf das Amt der WDR-Intendantin nachgesagt.”

3. WhatsApp führt Kanäle ein
(spiegel.de)
Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses des Messaging-Dienstes Telegram sind die zahlreichen Gruppen, die teilweise Hunderttausende von Mitgliedern umfassen. Offenbar will WhatsApp nun nachziehen und eine “Broadcast-Funktion” einführen. “So könnte WhatsApp zu einer Plattform für Onlinehetzer und Fake News werden”, kommentiert der “Spiegel”.

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4. Auslieferung von Assange rückt gefährlich nahe
(reporter-ohne-Grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich “zutiefst besorgt” über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs, die Berufung von WikiLeaks-Gründer Julian Assange gegen dessen Auslieferung an die USA abzulehnen. In den USA könnte Assange bis zu 175 Jahre Haft drohen. RSF-Geschäftsführer Christian Mihr appelliert deshalb an US-Präsident Joe Biden: “Lassen Sie die Anklage fallen, stellen Sie das Verfahren ein und ermöglichen Sie, dass Julian Assange umgehend freikommt.”

5. Trauma im Journalismus: Bilder, die bleiben
(mediummagazin.de, Jana Hauschild)
Viele Journalistinnen und Journalisten seien bei Recherchen traumatischen Ereignissen ausgesetzt, doch die wenigsten seien dafür gewappnet. In ihrem Beitrag im “medium magazin” schreibt Jana Hauschild darüber, warum das gefährlich ist, und was Experten und Betroffene empfehlen.

6. Lidl lohnt sich. Für Springer.
(uebermedien.de, Peter Breuer)
“Zum 50. Jubiläum fährt Lidl groß auf – mit einem missglückten Video, in dem Deutschlands Schlagerkönigin Helene Fischer durch den Supermarkt tanzt, und einer Anzeigenkampagne bei Springer, die bis in den redaktionellen Teil reicht.” Kommunikationsdesigner und Texter Peter Breuer analysiert die groß angelegte Werbekampagne des Discounters, die auch auf den Axel-Springer-Konzern setzt.

EU-Ansage an Twitter, Reschkes Fernsehen, Keine Frauen-WM im TV?

1. Twitter tritt laut EU aus europäischem Pakt gegen Desinformation aus
(zeit.de)
Twitter zieht sich offenbar aus einer freiwilligen Vereinbarung der Europäischen Union zur Bekämpfung von Desinformation im Internet zurück. EU-Kommissar Thierry Breton erklärte auf Twitter, die Verpflichtungen bleiben aber bestehen: “Du kannst weglaufen, aber du kannst dich nicht verstecken.” Über die freiwilligen Verpflichtungen hinaus werde der Kampf gegen Desinformation ab dem 25. August eine gesetzliche Verpflichtung im Rahmen des Gesetzes über digitale Dienste (DSA) sein.

2. Führungswechsel in Medienhäusern
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Kurt Sagatz befasst sich in seiner Kolumne mit den jüngsten Führungswechseln in großen Medienhäusern wie dem “Spiegel” und der “Bild”-Zeitung: Dirk Kurbjuweit hat Steffen Klusmann als Chefredakteur des “Spiegel” ersetzt; Marion Horn hat die Führung der “Bild”-Gruppe übernommen. Besondere Herausforderungen bei der Personalauswahl beständen beim öffentlich-rechtlichen RBB, der mit Programm-, Reichweiten- und Finanzproblemen sowie einer organisatorischen Neuausrichtung zu kämpfen habe: “Wer übernimmt schon gerne eine Sisyphos-Aufgabe?”

3. Bessere Regeln für Zugang zu Plattformdaten?
(podcast.leibniz-hbi.de, Johanna Sebauer, Audio: 38:31 Minuten)
Der Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union sieht unter anderem vor, dass große Online-Plattformen der Wissenschaft künftig “Forschungsdatenzugänge” gewähren müssen. Dies könnte ein wichtiger Schritt für die Erforschung zentraler Phänomene im Kontext digitaler Medien sein. Im “Bredowcast” diskutieren die Wissenschaftler Jan Rau und Vincent Hofmann, welche Aspekte des Gesetzes beachtet werden müssen, um es für die Forschung optimal zu nutzen.

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4. Anja Reschke: “Der weibliche Jan Böhmermann, was soll das sein?”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Senta Krasser hat sich mit Anja Reschke über deren Wechsel von der Fernsehjournalistin bei “Panorama” zum journalistischen Unterhaltungsformat “Reschke Fernsehen” unterhalten: Hat die juristische Auseinandersetzung mit Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt das Format beschädigt oder geadelt? Und woher nimmt Reschke “den Mumm, sich in die an Mächtigen und Blendern ebenso wenig arme Männerhumordomäne Late Night vorzuwagen?”

5. Keine Frauen-WM im TV? Darum streiten FIFA, ARD und ZDF
(ardmediathek.de, Fritz Lüders, Video: 6:47 Minuten)
Die Popularität des Frauenfußballs in Deutschland hat einen historischen Höhepunkt erreicht: Die Zuschauerzahlen der vergangenen Frauen-EM übertrafen zeitweise die der Männer-WM in Katar. Die bevorstehende Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland verspreche ein weiteres Highlight zu werden. Doch zwei Monate vor Beginn seien die Übertragungsrechte immer noch nicht geklärt. Fritz Lüders beleuchtet für das Medienmagazin “Zapp” die Kontroverse zwischen ARD, ZDF und FIFA und gibt einen Ausblick auf den möglichen Ausgang.

6. Torschlusspanik
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl werfen in ihrem Projekt “Floskelwolke” einen sprach- und medienkritischen Blick auf häufig verwendete Formulierungen. Diesmal geht es um den Begriff “Torschlusspanik”: “Der Begriff ist Jahrhunderte alt – und naheliegend: Als Städte noch von Mauern umschlossen und nur über Tore zugänglich waren, gab es Betriebszeiten. Schriftlich überliefert sind beispielsweise die Sperrzeiten des Hamburger Steintors, das im Jahr 1798 nur bis 23 Uhr geöffnet war. Viele andere Tore in Deutschlands schlossen oft schon zur Abenddämmerung. Reisende, die die Stadt besuchten, Arbeitende, die im Umland ihr Werk verrichteten, und Stadtbewohnende, die tagsüber einen Ausflug unternahmen, mussten sich sputen, rechtzeitig an- und reinzukommen.”

Elon Musk und Ron DeSantis, Toxische Texte, Trauriger Hofnarr

1. Der “Vogel” macht die Schlagzeilen jetzt selbst
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Isabelle Klein, Audio: 6:27 Minuten)
Elon Musk baut den Kurznachrichtendienst Twitter nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich um: Twitter bekommt eine deutlich rechte Schlagseite. Vergangene Nacht etwa ließ Musk Floridas ultrarechten Gouverneur Ron DeSantis dessen Präsidentschaftskandidatur auf Twitter verkünden (wenn auch mit viel “erbärmlichem Fiepen”, wie Arno Frank beim “Spiegel” berichtet (nur mit Abo lesbar)). Der Wandel vom Kurznachrichtendienst zum Medienhaus mit eigenen Inhalten sei auch für Europas Medienwächter interessant, sagt Mark D. Cole, wissenschaftlicher Direktor am Institut für europäisches Medienrecht in Saarbrücken/Brüssel.
Weiterer Lesetipp: “Ron DeSaster”: “Trumps aussichtsreichster Konkurrent Ron DeSantis hat seinen ersten Auftritt vermasselt. Schuld daran ist mit Elon Musk ausgerechnet der Mann, der Floridas Gouverneur groß machen wollte.” (t-online.de, Bastian Brauns)

2. “Spiegel”-Redakteure stellen sich hinter Chefredakteur Klusmann
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” und “Business Insider” berichten, brodelt es beim “Spiegel”. Die Geschäftsführung der “Spiegel”-Gruppe wolle Chefredakteur Steffen Klusmann loswerden. Dagegen formiere sich jedoch Widerstand: Etliche Redakteurinnen und Redakteure hätten einen Protestbrief an die “Spiegel”-Verantwortlichen sowie an die Mitarbeiter-KG verfasst. Gestern waren die Zahlen der “Spiegel”-Gruppe für das vergangene Jahr bekannt geworden. Trotz eines geringen Rückganges bei Umsatz und Gewinn habe man sich zufrieden gezeigt.

3. Bild-Zeitung: Toxische Texte?
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 34:52 Minuten)
Zu Gast im Medienpodcast “quoted” ist diesmal BILDblog-Leiter Moritz Tschermak. Nadia Zaboura und Nils Minkmar werfen mit ihm einen Blick auf die Rolle der “Bild”-Medien in der Vielfaltsgesellschaft: “Wie stellte und stellt sich die Berichterstattung der auflagenstärksten Tageszeitung über Menschen mit Einwanderungsgeschichte und Geflüchtete dar? Auf welche Weise werden hier Ressentiments geschürt, welche Mechanismen des Boulevard-Journalismus wirken dabei? Wo steht die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands heute?”
An dieser Stelle ein Hinweis auf das immer noch aktuelle Buch der BILDblog-Kollegen Mats Schönauer und Moritz Tschermak: “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

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4. Mit Recht gegen Hass im Netz
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Die Bundesregierung plant ein “Digitales Gewaltschutzgesetz”, um gegen Online-Hassrede vorzugehen. Nutzerinnen und Nutzer sollen Hass-Accounts auf Plattformen wie Facebook und Twitter melden und sperren lassen können. Ein Gesetzentwurf der Gesellschaft für Freiheitsrechte zielt darauf ab, Opferrechte zu stärken und beleidigende Inhalte unzugänglich zu machen. Helmut Hartung hat sich den Entwurf angesehen.

5. Übernimmt KI den Journalismus?
(wdr.de, Kevin Barth, Audio: 4:49 Minuten)
Der Burda-Verlag hat offenbar eine Sonderausgabe der Zeitschrift “Lisa – Kochen & Backen” komplett von Künstlicher Intelligenz (KI) generieren lassen. Das stieß auf heftige Kritik, etwa beim Bayerischen Journalisten-Verband, der den Verlag aufforderte, “das Vertrauen in journalistische Arbeit nicht dem Hype um künstliche Intelligenz zu opfern”. Beim WDR fragt Kevin Barth: “Übernimmt KI den Journalismus?”

6. Warum Arno Dübel Deutschlands traurigster Hofnarr war
(vice.com, Robert Hofmann)
Mit seinen provokanten und polarisierenden Äußerungen über sein Dasein als Arbeitsloser war Arno Dübel lange Zeit ein dankbares Thema für die Boulevardmedien, die mit der kalkulierten Empörung über “Deutschlands frechsten Arbeitslosen” (“Bild”) Auflage und Klicks generierten. Nun ist Arno Dübel im Alter von 67 Jahren verstorben. Robert Hofmann hat ihm einen lesenswerten Nachruf gewidmet, der Erinnerung, Medienanalyse und Gesellschaftskritik zugleich ist.

Staats­an­walt­schaft beharrt, Making Of “Boys Club”, Trash-Fernsehen

1. Staats­an­walt­schaft beharrt auf Ankla­ge­er­he­bung
(lto.de)
Wie vergangenen Freitag in den “6 vor 9” zu lesen war, hat das Landgericht Karlsruhe die Anklage gegen einen Redakteur des unabhängigen Senders Radio Dreyeckland (RDL) nicht zugelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, auf die Archivseite der verbotenen Plattform linksunten.indymedia verlinkt und damit eine verbotene Organisation unterstützt zu haben. Wie “Legal Tribune Online” berichtet, geht die Auseinandersetzung zwischen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und dem RDL-Redakteur nun in die nächste Runde: Die Staatsanwaltschaft habe Beschwerde gegen die Entscheidung des Landgerichts eingelegt.

2. Making Of Boys Club – Was bedeutet die Springer-Recherche für die Branche?
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 48:20 Minuten)
Seit Mitte April gibt es den Podcast “Boys Club”, eine achtteilige Hör-Produktion über “Macht & Missbrauch bei Axel Springer”. Für das einjährige Projekt haben die Macherinnen mit über 40 aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Springer-Verlags gesprochen und über 80 Stunden Material generiert (Transparenzhinweis: Auch wir vom BILDblog haben einige Worte zu den Methoden von “Bild” beigesteuert). Bei “Hinter den Zeilen” kommen Pia Stendera, Lena von Holt und Emily Ulbricht zu Wort, die für den Podcast verantwortlich sind. Sie erzählen von der Arbeit am Projekt, erklären, wie die Recherche auch sie verändert hat, und erläutern, was der Podcast über die gesamte Medienbranche aussagt.

3. Google muss Suchtreffer nur bei Nachweis von Falschangaben löschen
(spiegel.de)
Der Bundesgerichtshof habe ein wichtiges Urteil zum sogenannten Recht auf Vergessenwerden gefällt. Wer sich durch falsche Angaben in Suchergebnissen verleumdet sieht, müsse demnach selbst aktiv werden: “Die Karlsruher Richter dürften sich auch nach einem vorherigen, grundsätzlichen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gerichtet haben, wonach der Suchmaschinenbetreiber nicht verpflichtet ist, aktiv nach Artikeln mit Falschinformationen zu forschen. Der Betroffene hat demnach selbst nachzuweisen, dass die Angaben über ihn offensichtlich unrichtig sind.”

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4. Publisher entdecken TikTok
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Die Kurzvideo-Plattform TikTok ist auf dem besten Weg, ein relevanter Kanal für Verlage zu werden, meint Petra Schwegler und nennt in ihrem Beitrag einige Gründe dafür. Seit einiger Zeit werde TikTok durch längere Videoformate und Live-Streams für Verlage relevanter denn je. Die Plattform gehe mittlerweile sogar aktiv auf Verlage zu und biete ihnen ein Publisher-Tool an, das die Medienhäuser auch an den Einnahmen aus der Videowerbung beteiligen soll.

5. Start 2024: Caren Miosga soll auf “Anne Will” folgen
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der NDR hat sich offenbar auf eine Nachfolgerin für Anne Will für die Moderation des sonntäglichen Polittalks im Ersten geeinigt. Mit Caren Miosga besetze die ARD den Sendeplatz bereits zum dritten Mal mit einer Frau, die von den “Tagesthemen” kommt: “Den Anfang machte Sabine Christiansen, die bis 1997 die ‘Tagesthemen’ präsentierte und ab Anfang 1998 dann durch ‘Sabine Christiansen’ führte. 2007 gab Christiansen die Moderation ab – ihre Nachfolgerin wurde ‘Anne Will’, die dafür ihren Job bei den ‘Tagesthemen’ aufgab. Den frei gewordenen Platz bei den ‘Tagesthemen’ besetzte damals: Caren Miosga.”

6. Anja Rützel über gutes und schlechtes Trash-Fernsehen.
(turi2.de, Pauline Stahl, Audio: 35:05 Minuten)
Im “turi2”-Podcast spricht Trash-TV-Expertin Anja Rützel über gute und schlechte leichte Unterhaltung und erklärt, warum sie der “ZDF-Fernsehgarten” in den vergangenen Wochen “richtig erschüttert” hat, warum sie kein Fan davon ist, dass eine Datingshow wie der “Bachelor” schon eine Woche vorher im Stream zu sehen ist, und was sie beim “Eurovision Song Contest” über ihre internationalen Kolleginnen und Kollegen gelernt hat.

1,2 Milliarden Euro Strafe, CEO of Radikalisierung, Faktencheck-Flyer

1. Facebook-Konzern Meta soll 1,2 Milliarden Euro Strafe zahlen
(spiegel.de)
Der Hartnäckigkeit des österreichischen Datenschutzaktivisten, Autors und Juristen Max Schrems ist es zu verdanken, dass der Facebook-Mutterkonzern Meta wegen seiner Beteiligung an der US-Massenüberwachung zu einer Rekordstrafe von 1,2 Milliarden Euro verurteilt wurde. Schrems selbst Auf nyob.eu kommentiert: “Wir sind froh über diese Entscheidung nach zehn Jahren Rechtsstreit. Das Bußgeld hätte wesentlich höher ausfallen können, da die Höchststrafe bei über 4 Milliarden liegt und Meta zehn Jahre lang wissentlich gegen die DSGVO verstoßen hat, um Profit zu machen. Wenn die US-Überwachungsgesetze nicht geändert werden, wird Meta nun wohl seine Systeme grundlegend umstrukturieren müssen.”

2. Russische Journalistinnen mutmaßlich vergiftet
(tagesschau.de)
Laut Medienberichten klagten zwei russische Exil-Journalistinnen nach dem Besuch einer Konferenz des Kremlkritikers Michail Chodorkowski in Berlin über Vergiftungssymptome. Der Sachverhalt werde vom polizeilichen Staatsschutz bearbeitet, so ein Polizeisprecher. Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, fordert eine Reaktion der Bundesregierung: “Wenn sich herausstellt, dass Putin sogar vor Mordversuchen nicht zurückschreckt, ist eine klare Antwort des Auswärtigen Amtes unverzichtbar.” Darüber hinaus seien die Sicherheitsbehörden aufgefordert, den Schutz von in Deutschland lebenden exilrussischen Journalistinnen und Journalisten zu verbessern: “Wer in Deutschland Schutz sucht und findet, darf kein Freiwild für Putins Handlanger sein”, so Überall.

3. Wie erkenne ich Falschmeldungen?
(correctiv.org)
“Die Verunsicherung, die Falschmeldungen auslösen, ist beträchtlich. Sie spalten Gesellschaften, radikalisieren Menschen und führen im schlimmsten Fall sogar zu Gewalt.” Das Rechercheteam von “Correctiv” hat zehn kurze und prägnante Tipps zusammengestellt, wie man Falschmeldungen erkennen kann. Sie können auch als Faktencheck-Flyer heruntergeladen werden (PDF).

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4. 30 Jahre Welttag der Pressefreiheit: Hintergründe und aktuelle Herausforderungen
(de.ejo-online.eu, Roja Zaitoonie)
Vor 30 Jahren wurde der 3. Mai zum Welttag der Pressefreiheit erklärt. Seitdem organisiert die UNESCO, eine Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, eine jährlich stattfindende internationale Konferenz. In diesem Jahr fand die UNESCO-Konferenz in Punta del Este, Uruguay, statt. Roja Zaitoonie erläutert die Hintergründe des Welttags und stellt einige der Themen vor, die in Punta del Este diskutiert wurden.

5. CEO of Radikalisierung
(belltower.news, Martha Blumenthaler)
Gestern haben wir in den “6 vor 9” einen Text von Annika Brockschmidt über die verstörenden Äußerungen und die zunehmende Radikalisierung des Twitter-Eigentümers Elon Musk verlinkt, heute beschäftigt sich Martha Blumenthaler mit dem “CEO of Radikalisierung”. In ihrem Text geht sie auf die Wahl der Werbeexpertin Linda Yaccarino als neue Twitter-Chefin ein, die von einigen Musk-Fans wegen einer Verbindung zum Weltwirtschaftsforum heftig abgelehnt werde.

6. Von Nicaragua bis Wien
(taz.de, Thomas Schmid & Barbara Oertel)
Wie die “taz” mitteilt, ist der langjährige “taz”-Korrespondent und Zentralamerika-Experte Ralf Leonhard überraschend gestorben. Er sei am Wochenende tödlich verunglückt. Thomas Schmid und Barbara Oertel blicken in ihrem Nachruf auf Leonhards Persönlichkeit und Karriere zurück: “Mit Ralfs überraschendem Tod verliert die taz eine gewichtige Stimme”, heißt es dort. Dem können wir nur zustimmen. Ralf Leonhards Texte tauchten auch regelmäßig in unseren “6-vor-9”-Empfehlungen auf.

Zukunft von ZDFneo und KiKa, Peter ist sprachlos, Neue Twitter-Chefin

1. Werden ZDF Neo und KiKa überleben?
(taz.de, Jürgen Bischoff)
Neun Fernsehprogrammen drohe nach der jüngsten Reform des Medienstaatsvertrages gewissermaßen das Aus – sie wären nicht mehr gesetzlich abgesichert. Betroffen seien unter anderem Tagesschau24 sowie ZDFneo und der Kinderkanal (KiKa). Jürgen Bischoff fasst die nicht einfache Situation zusammen, die dem aktuellen Spardruck geschuldet sei.

2. “Tagesthemen” als “Tagesthema”: Für und Wider der Auswärts-Nachrichten
(dwdl.de, Peer Schader)
Zu bestimmten Anlässen begeben sich die “Tagesthemen” an Orte, über die sie sonst nur aus dem Studio berichten. So moderierte Caren Miosga erst kürzlich anlässlich der Wahl in der Türkei aus Istanbul. Für Peer Schader stellt sich die Frage, “ob das eine gute Idee ist, wenn die Redaktion einer klar strukturierten aktuellen Sendung wie den ‘Tagesthemen’ plötzlich in schöner Regelmäßigkeit ihre Liebe zur Monothematik entdeckt und dafür ihre übrigen Verpflichtungen herunterdampft.”

3. Das ist die neue Twitter-Chefin
(spiegel.de)
Lange hatte Twitter-Eigentümer Elon Musk davon gesprochen, dass er die Führung des Kurznachrichtendienstes abgeben wolle, aber noch keine geeignete Person gefunden habe. Das scheint sich nun geändert zu haben: Linda Yaccarino heißt die Auserwählte. Wer ist die Frau, die für Musk die großen Werbekunden zurück zu Twitter bringen soll?

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4. Allenfalls ein Meilenstein für den Whistleblower-Schutz
(whistleblower-net.de)
Mit eineinhalbjähriger Verspätung haben Bundestag und Bundesrat die EU-Whistleblowing-Richtlinie umgesetzt. Kosmas Zittel, Geschäftsführer des “Whistleblower-Netzwerks”, hat dabei gemischte Gefühle: “Das Hinweisgeberschutzgesetz stellt einen Meilenstein für den Whistleblowerschutz in Deutschland und eine Verbesserung gegenüber dem prekären Status quo dar. Das Ziel, die Rechte von Whistleblowern umfassend zu stärken, verfehlt es jedoch an einigen Stellen. Der Bedeutung von Whistleblowing für den Journalismus und damit den öffentlichen Diskurs wird es ebenso wenig gerecht.”

5. Wie geht eine bessere Drogenberichterstattung?
(deutschlandfunk.de, Pia Behme & Carina Schroeder, Audio: 34:55 Minuten)
Ein Hörer des Deutschlandfunks (Dlf) empfindet den Begriff “Drogenkranke” als bevormundend. Darüber und über andere problematische Aspekte der aktuellen Drogenberichterstattung spricht er mit der Journalistin Isabell Beer, dem Sozialarbeiter Norman Zipplies und Pia Behme von der Dlf-Sendung “Mediasres”.

6. Peter Urban weiß es doch auch nicht
(uebermedien.de, André Wieland, Video: 2:24 Minuten)
Seit 1997 hat der Radiomoderator und Musikjournalist Peter Urban fast jeden Eurovision Song Contest (ESC) im Ersten kommentiert und musste dabei oft das schlechte Abschneiden Deutschlands begründen. Pünktlich zu Urbans ESC-Abschied am vergangenen Wochenende gibt es bei “Übermedien” ein Best-of seiner Sprachlos-Sprechblasen.

Ex-“Bild”-Chef mit Pieptönen, Umstrittene Quelle, Hinweisgeber

1. ARD-Sendung über Ex-“Bild”-Chef ist wieder online – aber mit Pieptönen
(tagesspiegel.de, Tobias Mayer)
Der NDR musste eine Ausgabe von “Reschke Fernsehen” über den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt aus der Mediathek nehmen. Reichelt war juristisch gegen den NDR vorgegangen und das Landgericht Hamburg hatte per Beschluss verschiedene Äußerungen in der Sendung untersagt. Diese ist nun in einer überarbeiteten Fassung wieder abrufbar, mit einer vorangestellten Texttafel: “Diese Version ist eine bearbeitete Fassung. Einige Passagen sind derzeit Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzung. Sie sind vorläufig unkenntlich gemacht.”

2. Einigung beim Whistleblower-Gesetz
(deutschlandfunk.de, Antje Allroggen, Audio: 5:51 Minuten)
Mit fast zwei Jahren Verspätung und nach langem Hin und Her könnte in Deutschland bald das Whistleblower-Gesetz in Kraft treten, das auf eine EU-Richtlinie zurückgeht. Johannes Kuhn erklärt im Gespräch mit Antje Allroggen, welche Interessengruppen sich mit ihren jeweiligen Wünschen durchsetzen konnten.
Weiterer Lesetipp: Der Deutsche Journalisten-Verband hält den im Vermittlungsausschuss gefundenen Kompromiss zum Hinweisgeberschutzgesetz für unzureichend (djv.de, Hendrik Zörner).

3. Umstrittene Quelle: Polizei auf Social Media
(verdi.de, Julia Hoffmann)
Auch die Polizei nutzt Social Media für ihre Kommunikation. Ob jedoch Polizei-Accounts als Quellen für Journalistinnen und Journalisten geeignet sind, sei umstritten, da die Polizei ein eigenständiger Akteur in der öffentlichen Meinungsbildung ist. Der Medienwissenschaftler Michael Graßl hat die Kommunikation der Polizei in Sozialen Medien untersucht. Dabei geht es unter anderem um “kanalspezifische Unterschiede, Fehlerkultur und Corporate Influencer”.

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4. Erdogan verfolgt Journalisten auch im Exil
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen fordert ein Ende der systematischen Einschüchterung türkischer Medienschaffender im Exil: “Die Türkei braucht ein neues politisches Klima, das die Rechte von Medienschaffenden und die Pressefreiheit sowohl im Land selber als auch im Ausland respektiert. Wir fordern die künftige Führung der Türkei auf, die seit Jahren anhaltenden, unerträglichen Schikanen gegen türkische Journalistinnen und Journalisten im Exil zu beenden.”

5. Mehr Sichtbarkeit mit LinkedIn – Tipps für Fachjournalist:innen
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Verena Bender, Expertin für “Personal Branding”, betont in einem Interview mit dem “Fachjournalist”, dass Sichtbarkeit in der Medienbranche heute nicht nur für freie Journalistinnen und Journalisten, sondern auch für festangestellte Redakteurinnen und Redakteure unerlässlich ist. Als ausgebildete Journalistin und PR-Managerin hat sie einige Tipps, wie man seine Fachkompetenz mit Hilfe des Netzwerks LinkedIn erfolgreich präsentieren kann.

6. Große Gefühle, gute Geschäfte
(taz.de, Aida Baghernejad)
Buchempfehlungen auf TikTok seien zu einer Macht im Literaturbetrieb geworden, berichtet Aida Baghernejad, aber es gebe auch Arroganz und Hass, vor allem gegen junge Frauen. Baghernejad erklärt das Phänomen, das für die Buchbranche eine Chance sein kann, junge Käuferschichten zu erreichen, aber auch Gefahren birgt.

Kastrieren als Kulturtat, Verfahren gegen Friedrich, Twitter verlassen?

1. Sie kastrieren eines der besten österreichischen Medien und feiern das als Kulturtat
(uebermedien.de, Achim Thurnher)
Am 3. Mai erschienen fast alle österreichischen Tageszeitungen aus Protest mit ausschließlich weißen Titelseiten – eine Aktion der Zeitungsverleger (offener Brief dazu) gegen den Entwurf des neuen ORF-Gesetzes. Armin Thurnher, Mitbegründer und Herausgeber der Wiener Wochenzeitung “Falter”, kritisiert das Verhalten der Verleger, denen es bereits im Vorfeld gelungen war, das Online-Angebot des öffentlich-rechtlichen ORF einzuschränken: “Sie kastrieren eines der besten Medien auf dem österreichischen Markt und feiern das als Kulturtat. Man muss schon über eine besondere Art von Humor verfügen, um so etwas ernsthaft und im Stil eines Manifestes vorzutragen.”

2. Presserat leitet Verfahren gegen Holger Friedrich ein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Presserat hat offenbar ein Verfahren gegen den Verleger der “Berliner Zeitung”, Holger Friedrich, eingeleitet. Friedrich könnte gegen den Pressekodex verstoßen haben, indem er den Springer-Verlag darüber informierte, Informationen von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt erhalten zu haben. Alexander Krei kommentiert: “Für die ‘Berliner Zeitung’ könnte sich das Vorgehen des Verlegers noch als problematisch erweisen, denn wenn potenzielle Informanten bei der Zeitung fürchten müssen, dass geleakte Dokumente nicht vertraulich behandelt werden, wenden sie sich im Zweifel an eine andere Redaktion.”

3. Sollten Medien Twitter verlassen?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 32:29 Minuten)
Muss man sich von Elon Musk alles gefallen lassen? Wann ist der Punkt erreicht, an dem sich Medien und Redaktionen von Twitter verabschieden sollten? Darüber diskutieren Deutschlandfunk-Online-Multimedia-Chefin Nicola Balkenhol, ARD-Digitalexperte Dennis Horn und Brigitte Baetz von “mediasres”.

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4. Nie wieder Angst vor dem leeren Blatt: Die Arbeit mit ChatGPT
(fachjournalist.de, Aileen Gharaei, Audio: 19:55 Minuten)
Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeit im Journalismus? Welche Fähigkeiten brauchen Journalistinnen und Journalisten in Zukunft, um mit neuen Technologien umgehen zu können? Und wie wirkt sich das auf das Berufsbild aus? In dieser Folge des “Fachjournalist”-Podcasts befragt Aileen Gharaei die Journalistin Ulrike Köppen zu diesem Thema. Die Expertin diskutiert Chancen und Risiken von KI-Anwendungen im Journalismus, insbesondere am Beispiel von ChatGPT.

5. Millionen-Bußgeld gegen Telegram landet vor Gericht
(spiegel.de)
Im vergangenen Herbst verhängte das Bundesamt für Justiz ein Bußgeld in Millionenhöhe gegen Telegram. Der Messengerdienst habe kein ständig verfügbares Beschwerdeverfahren bereitgestellt, bei dem Nutzerinnen und Nutzer rechtswidrige Inhalte melden können. Außerdem habe Telegram keinen sogenannten Zustellungsbevollmächtigten benannt, an den deutsche Gerichte und Behörden Schriftstücke mit rechtsverbindlicher Wirkung senden können. Nachdem sich Telegram gegen die Vorwürfe gewehrt hat, werde nun das Bonner Amtsgericht über die Sache entscheiden.

6. Wie fotografiert man Menschlichkeit?
(monopol-magazin.de, Alexandre Kintzinger)
Im “Monopol”-Magazin erinnert Alexandre Kintzinger an Edward Steichen, einen der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts: “Vor 50 Jahren starb der Fotograf, der wie kaum ein anderer unser heutiges Verständnis von moderner Fotografie prägte. Vor allem etablierte er, dass auch dieses damals noch junge Medium eine Kunstform sein kann. Eine, die uns nicht nur ein Bild davon geben kann, wie die Dinge sind, sondern auch, wie sie sein könnten.” Der Text geht auch auf Steichens bekannteste Werke wie die Modefotografien für “Vogue” und “Vanity Fair” sowie seine Kriegsfotografien ein.

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