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Legaler Link, Forderung gegen Forderungen, Dreckschleuder

1. Sieg für die Pressefreiheit
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Wie netzpolitik.org berichtet, wurde der Journalist Fabian Kienert vom Landgericht Karlsruhe freigesprochen. Er habe mit der Verlinkung auf die Seite linksunten.indymedia.org nichts Verbotenes getan. Der Freispruch sei allerdings noch nicht rechtskräftig. Kienerts Schlusswort fällt trotz des Freispruchs etwas bitter aus: “Leider lässt sich der Großteil des Schadens nicht mehr korrigieren. Die Hausdurchsuchung mit ihren Konsequenzen und mit ihrer einschüchternden Wirkung auf die Arbeit von zahlreichen Journalist:innen, insbesondere in freien Radios, hat stattgefunden”.
Dazu ein Hörtipp aus dem Mai: In der ersten Folge des Doku-Podcasts “Systemeinstellungen” geht es um die Geschichte hinter den Razzien bei Radio Dreyeckland (netzpolitik.org, Anna Biselli & Chris Köver & Ingo Dachwitz & Sebastian Meineck, Audio: 49:43 Minuten)

2. Ich fordere: Der Forderungsjournalismus muss sterben!
(uebermedien.de, Arne Semsrott)
“Übermedien” veröffentlicht einen Auszug aus dem neuen Buch “Machtübernahme – Was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren? Eine Anleitung zum Widerstand” von Arne Semsrott. Er schreibt darin unter anderem über “Forderungsjournalismus” am Beispiel von CDU-Politiker Jens Spahn: “Wenn ein Politiker etwas fordert, ist das in der Regel erst mal keine Nachricht. Vor allem – aber nicht nur -, wenn diese Person Jens Spahn ist. Die Forderung kann zu einer Nachricht werden, wenn dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: wenn die Forderung politisch relevant ist und wenn die fordernde Person bestimmte Kompetenzen im Hinblick auf diese besitzt. Eine Forderung kann auch dadurch politisch relevant sein, dass ein Politiker einer demokratischen Partei eine menschenfeindliche Forderung stellt. In jedem dieser Fälle müssen Forderungen aber eingeordnet und kontextualisiert werden. Das dauert zwar länger und macht eine Meldung möglicherweise nicht exklusiv, aber dafür besser.”

3. Die Dreckschleuder der Geschassten
(taz.de, Andreas Speit)
Wie Andreas Speit berichtet, bietet das Online-Magazin “Deutschland Kurier” den umstrittenen AfD-Europawahlkandidaten Maximilian Krah und Petr Bystron trotz ihrer Verbindungen zu China und Russland sowie eines Auftrittsverbots durch die AfD-Spitze weiterhin eine Plattform für den Wahlkampf. Speit hat sich angesehen, wer und was hinter dem “Deutschland Kurier” steckt und mit welchen Themen dort Stimmung gemacht wird.

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4. Mit einem 12-Punkte-Plan gegen Desinformation
(reporter-ohne-grenzen.de)
In einem “New Deal für das Recht auf Information” (PDF, englisch) formuliert die Organisation Reporter ohne Grenzen zwölf Vorschläge, wie die EU den Zugang zu verlässlichen Informationen fördern kann. Die Ideen umfassen die Förderung von Qualitätsjournalismus, die Schaffung eines gemeinwohlorientierten digitalen Raums und den Schutz kritischer Stimmen. Zu den Maßnahmen gehören außerdem die Priorisierung verlässlicher Quellen auf Online-Plattformen, die Einführung einheitlicher Regeln für alle Medien und der verstärkte Schutz von Medienschaffenden vor Überwachung und Bedrohung.

5. Datenschützer legen Beschwerde gegen Meta wegen KI-Trainings mit Nutzerdaten ein
(spiegel.de)
Die Datenschutzorganisation Noyb habe in elf europäischen Ländern Klagen gegen Meta eingereicht, um das Unternehmen dazu zu zwingen, vor der Verwendung von Nutzerdaten für das Training von KI-Systemen die ausdrückliche Zustimmung der Nutzerinnen und Nutzer einzuholen. Noyb argumentiere, dass die derzeitige Praxis des Mutterkonzerns von Facebook und Instagram gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoße, da lediglich eine Widerspruchsmöglichkeit eingeräumt werde. Meta hingegen halte die eigene Praxis für rechtmäßig und berufe sich auf ein berechtigtes Interesse.
Weiterer Lesetipp: Ihre Daten bei Facebook und Instagram für KI: So widersprechen Sie (verbraucherzentrale.de).

6. “Der nächste Quantensprung kommt”
(journalist.de, Jan Freitag)
Jan Freitag hat mit ZDF-Sportchef Yorck Polus über die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und die damit verbundenen Herausforderungen gesprochen. Polus geht auf den technischen Fortschritt im Sportjournalismus ein und betont die Notwendigkeit von Qualität im Kampf gegen Falschmeldungen. Zum Thema Künstliche Intelligenz sagt er: “Das ist Wahnsinn, was da auf uns zurollt! Das menschlich zu händeln, wird die große journalistische Herausforderung der nächsten Jahre sein. Denn Sie sehen ja jetzt schon, wie schwer es ist, manipulierte Bilder ohne technisches Equipment von echten zu unterscheiden.”

BSW in “Wahlarena”, 11 Jahre nach Snowden, Bookstagram-Berühmtheit

1. BSW darf in die “Wahlarena”
(taz.de)
Vergangenen Freitag hatten wir in den “6 vor 9” unter Hinweis auf einen Artikel der “FAZ” geschrieben: “Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nicht zur ARD-Sendung ‘Wahlarena 2024 Europa’ eingeladen werden muss, da der zuständige WDR das Recht habe, die Diskussionsteilnehmer selbst zu bestimmen.” Diese Entscheidung wurde nun vom Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen in Münster aufgehoben – das BSW darf in die “Wahlarena”.

2. 11 Jahre nach Snowden: Weiter systematische staatliche Verfolgung von Whistleblowern aus Militär und Geheimdiensten
(whistleblower-net.de)
Vor elf Jahren veröffentlichten die “Washington Post” und der “Guardian” Geheimdienstdokumente, die Edward Snowden zuvor Journalistinnen und Journalisten zugespielt hatte. Anlass für das “Whistleblower-Netzwerk”, an die damit verbundene Thematik zu erinnern und dabei auf eine Lücke im Whistleblower-Schutzgesetz hinzuweisen, die die Bereiche der nationalen Sicherheit und der Nachrichtendienste vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausnimmt.

3. Verhaftet für die Wahrheit? Frankreichs Pressefreiheit unter Druck
(de.ejo-online.eu, Leon Müller & Theo Steinbach)
Leon Müller und Theo Steinbach sehen die Pressefreiheit in Frankreich auf vielfältige Weise geschwächt und gefährdet: “Rechtskonservative Milliardäre, wie Bolloré, versuchen, ein Medienimperium zu schaffen. Das Vertrauen in die Medien ist gering, während es häufiger zu Gewalt gegenüber Journalist:innen kommt. Zudem ist die Frage, in welchen Fällen Journalist:innen ausspioniert werden dürfen, nicht endgültig geklärt.”

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4. “Der Beruf des Journalisten hat an Glamour verloren”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Beim “Fachjournalist” spricht Helene Endres, Leiterin des “Spiegel”-Ressorts Job und Karriere, über die Veränderungen und Herausforderungen im Journalismus, darunter die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie die Bedeutung von Diversität in Redaktionen. Sie betont, dass Arbeit ein zentraler Bestandteil der Identität ist und plädiert für flexible Arbeitsmodelle wie die Vier-Tage-Woche. Endres reflektiert auch über ihre eigene Karriere, den Wandel in der Medienbranche und die Notwendigkeit, journalistische Unabhängigkeit und ethische Standards zu wahren.

5. Wo bleibt das Sommerloch?
(freischreiber.de)
Im Juni-Newsletter des Berufsverbands freier Journalistinnen und Journalisten Freischreiber werden wichtige Entwicklungen in der Medienlandschaft zusammengefasst, Fortbildungen, Stipendien und Preise vorgestellt sowie kommende Veranstaltungen angekündigt.

6. Klaus Willbrand: Deutschlands berühmtester Bookstagrammer ist 82
(web.de, Isabella A. Caldart)
Isabella A. Caldart hat sich mit dem Social-Media-Phänomen Klaus Willbrand unterhalten: “Der 1941 geborene Antiquar aus Köln hat innerhalb von nur zwei Monaten über 23.000 Followerinnen und Follower auf TikTok und sogar über 63.000 auf Instagram gesammelt, was ihn zu einem der größten Bookstagrammer im deutschsprachigen Raum macht.”

TikToks Verhalten, Causa Fornoff, Welle von Overblocking

1. Warum nicht Tiktok und Co über Demo­k­ratie ent­scheiden sollten
(lto.de, Chan-jo Jun & Jessica Flint)
“Tiktok drosselte den Account von AfD-EU-Kandidat Maximilian Krah. Das mag wegen fragwürdiger Videos nachvollziehbar sein – transparent ist es nicht.” Bei “Legal Tribune Online” analysieren und bewerten Chan-jo Jun und Jessica Flint das Verhalten der Videoplattform aus rechtlicher Sicht. Demnach sollte der Staat die Regulierung solcher Fälle nicht den digitalen Giganten überlassen, sondern selbst klare gesetzliche Grundlagen schaffen.

2. HateAid reicht Beschwerde gegen TikTok ein
(spiegel.de)
Die Organisation HateAid habe bei der Bundesnetzagentur eine Beschwerde gegen TikTok eingereicht, weil die Meldefunktion der Plattform gegen Artikel 16 des Digital Services Act verstoße. HateAid kritisiere, dass der Meldeweg von TikTok nicht nutzerfreundlich und schwer zugänglich sei, was es Betroffenen von Hate Speech erschwere, Inhalte zu melden.

3. ZDF-Moderator Fornoff muss Posten räumen
(n-tv.de)
Der Journalist Matthias Fornoff muss seinen Posten als Leiter der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen räumen und wird voruassichtlich künftig ohne Führungsverantwortung in der ZDF-Chefredaktion arbeiten. Zu den Gründen teilte das ZDF der Deutschen Presse-Agentur mit: “Vorausgegangen waren Beschwerden über Fehlverhalten gegenüber Kolleginnen. Das ZDF hat diese geprüft und stellt dabei stets hohe Ansprüche an seine Führungskräfte. Matthias Fornoff hat Fehler eingestanden und die getroffene Entscheidung des ZDF akzeptiert.”

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4. Eine Welle von Overblocking rollt heran
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck beschreibt in der Mitschrift seines Vortrags auf der re:publica 2024 die zunehmende Tendenz zum Overblocking im Internet, bei dem im Namen des Jugendschutzes auch harmlose und bildende Inhalte gefiltert werden. Er nennt konkrete Beispiele, bei denen durch rigide und oft intransparente Filterregeln wichtige Inhalte blockiert und damit Grundrechte eingeschränkt werden. Meineck fordert mehr Transparenz, menschliche Moderation und Medienkompetenz, um die Informations- und Partizipationsrechte von Kindern und Jugendlichen zu schützen.

5. Freier Sender Radio Z in Gefahr?
(verdi.de, Peter Nowak)
Radio Z aus Nürnberg sieht sich durch die angekündigten Kürzungen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien in seiner Existenz bedroht, da wichtige finanzielle Zuschüsse wegfallen könnten. Der Sender hoffe nun auf die Solidarität seiner Hörerinnen und Hörer, um die wegbrechenden Mittel durch neue Vereinsmitglieder auszugleichen. Gleichzeitig sei auch das Freie Radio Lora in München von finanziellen Problemen betroffen und kämpfe um eine gesicherte Finanzierung.

6. Wagenknecht-Partei muss nicht zu ARD-“Wahlarena” eingeladen werden
(faz.net)
Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nicht zur ARD-Sendung “Wahlarena 2024 Europa” eingeladen werden muss, da der zuständige WDR das Recht habe, die Diskussionsteilnehmer selbst zu bestimmen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass das BSW in anderen öffentlich-rechtlichen Wahlsendungen ausreichend berücksichtigt werde, und sich die Sendung auf Parteien beschränke, die bereits im Europäischen Parlament vertreten seien.

Repräsentativität, Klebstoff zum Pizzabacken, Kochshowsättigung

1. Repräsentativität und Realität
(netzpolitik.org, Juli Katz)
Juli Katz schreibt bei netzpolitik.org über die Problematik der Repräsentativität von Online-Befragungen, wie sie beispielsweise bei der viel diskutierten “Trendstudie” zur deutschen Jugend auftrete. Die Studie, die einen Rechtsruck unter Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen diagnostiziert und die von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde, basiere auf einer selbstrekrutierten Online-Umfrage, deren Repräsentativität von Experten angezweifelt werde. Katz betont, dass der Begriff “repräsentativ” oft ungenau sei, und Online-Befragungen häufig nicht alle relevanten Bevölkerungsgruppen abbilden könnten.

2. Politik in der Werbepause
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère & Ambros Waibel & Volkan Ağar & Joscha Frahm)
Die “taz” beschäftigt sich mit der Wahlwerbung im Fernsehen zur Europawahl. Die Autorinnen und Autoren haben sich drei Werbespots angesehen, von FDP, SPD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht, und dabei herausgefunden, “wer völlig freidreht und wer noch einmal Schach spielen lernen muss”.

3. Täuschend echt, authentisch falsch
(zeit.de, Anant Agarwala)
Anant Agarwala berichtet über den zunehmenden Einsatz von Deepfakes, bei denen künstlich erzeugte, gefälschte Audio- und Videoaufnahmen zur Manipulation von Wählerinnen und Wählern sowie zur Diffamierung politischer Gegner eingesetzt werden. Ein Start-up in Indien produziere solche Deepfakes für Politikerinnen und Politiker aller Parteien. Die Technologie sei leicht zugänglich und schwer zu erkennen, was die Verbreitung von Falschinformationen und die Gefahr einer gesellschaftlichen Polarisierung erhöhe.

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4. Google empfiehlt Klebstoff zum Pizzabacken
(spiegel.de)
In den USA habe Google seinen Suchmaschinendienst um KI-Übersichten erweitert, was zu teilweise kuriosen Ergebnissen führe. Nutzerinnen und Nutzer würden in Sozialen Medien reihenweise Beispiele peinlicher bis verstörender Fehler veröffentlichen. Der Grund: “Die KI-Software scheint in vielen Fällen seriöse Informationen nicht von Scherzen oder Satire unterscheiden zu können.”

5. Newsletter Netzwerk Recherche 233
(netzwerkrecherche.org, Barbara Junge)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einem Beitrag von Barbara Junge zur Frage, ob Medien mit ihrer Berichterstattung über Angriffe auf Politiker und Politikerinnen Nachahmungstaten provozieren. Daneben gibt es den gewohnten Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Kochshowsättigung bei Sat.1 & Co.: Schmeckt nicht, gibt’s nicht
(dwdl.de, Peer Schader)
Deutsche TV-Kochshows setzen häufig auf ähnliche Konzepte und einfache Rezepte, was bei “DWDL”-Kolumnist Peer Schader zu Übersättigung und Appetitlosigkeit führt: “Letztlich ist es beim Fernsehen wohl ähnlich wie beim Soßenkochen: Hauptsache, man bekommt Bindung rein. Und das gelingt den allermeisten Sendern mit ihren neuen Formaten derzeit aus nachvollziehbaren Gründen so gar nicht.”

KW 21/24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Was haben wir aus dem Fall Föderl-Schmid gelernt?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 30:51 Minuten)
Holger Klein und Stefan Niggemeier sprechen im “Übermedien”-Podcast über die Aufarbeitung der Plagiatsvorwürfe gegen Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin der “Süddeutschen Zeitung”: Wie konnte sich die Geschichte zum Skandal ausweiten? Was kann man Föderl-Schmid vorwerfen? Und was nicht? Und warum hat “Übermedien” nicht berichtet, obwohl die Redaktion von den Vorwürfen wusste?
Weiterer Hörtipp: Bei “BR24 Medien” fragt Nina Landhofer: “Machen wir es uns im journalistischen Alltag manchmal zu einfach? Brauchen wir mehr Regelungen darüber, wie man mit Quellen umgeht, wo man sie verlinkt, wo nicht, oder engt das zu sehr ein?” (ardaudiothek.de, Audio: 26:34 Minuten)

2. Masse statt Klasse? DGB-Kritik an Wirtschafts-TV
(sr.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 17:27 Minuten)
“Viel Kraft – wenig Biss”. So lautet das Fazit einer Studie der DGB-nahen Otto Brenner Stiftung zur Wirtschaftsberichterstattung in ARD und ZDF (PDF). Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer haben sich mit SR-Wirtschaftsredakteur Wolfgang Wirtz-Nentwig über die Kritik an der Fernsehberichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen unterhalten.

3. Im Todesmut der schlechten Quote mit Friedrich Küppersbusch
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 24:29 Minuten)
Was kann man im Superwahljahr von der Wahlberichterstattung im Fernsehen erwarten? Das hat Alexander Matzkeit den Politjournalisten und Fernsehproduzenten Friedrich Küppersbusch gefragt (Spoiler: nicht viel). Außerdem geht es um “Moral, TikTok und Deutschlands vier beste politische Interviewer:innen aller Zeiten” sowie die Doku über den Medienanwalt Christian Schertz.

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4. Journalismus unter Druck #4 – KI als Retter des Journalismus?
(youtube.com, Vera Linß, Video: 1:35:27 Stunden)
Bei der Heinrich-Böll-Stiftung wurde über die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) auf den Journalismus diskutiert: Welche Regeln brauchen wir, um das Beste aus der KI rauszuholen und Risiken zu minimieren? Als Expertinnen und Experten mit dabei: Stephan Weichert (Vocer Institut für Digitale Resilienz), Sascha Devigne (Chefredakteur “Studio 47”), Marie Todeskino (Mitglied der Chefredaktion bei Ippen Digital) und Ole Reißmann (Leiter KI in der “Spiegel”-Gruppe).
Weiterer Gucktipp: Unbedingt empfehlenswert ist die Keynote von Philipp “Pip” Klöckner auf dem OMR-Festival, einer Großveranstaltung zu digitalem Marketing und Technologie: “Wo wir in Sachen KI wirklich stehen und was uns erwartet” (youtube.com, Philipp Klöckner, Video: 46:49 Minuten).

5. Nachhaltigkeit und Emotion als Faktoren journalistischer Arbeitsqualität
(youtube.com, Marlis Prinzing, Video: 20:55 Minuten)
Bei der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik ging es um “Nachhaltigkeit in der Medienkommunikation. Ethische Anforderungen und praktische Lösungsansätze”. Nun hat der Veranstalter einige Mitschnitte online gestellt, darunter den Vortrag von Marlis Prinzing zum Thema “Nachhaltigkeit und Emotion als Faktoren journalistischer Arbeitsqualität”.

6. Eine kleine Geschichte der verlorenen Bücher
(geschichte.fm, Richard Hemmer & Daniel Meßner, Audio: 54:31 Minuten)
Bei “Geschichten aus der Geschichte” sprechen Richard Hemmer und Daniel Meßner diesmal über Bücher: “Allerdings nicht in erster Linie darüber, wie sie entstanden, sondern wie sie im Laufe unserer Geschichte immer und immer wieder zerstört wurden.”

“Nius” steigt beim “Exxpress” ein, Pocher, ChatGPT auf Einkaufstour

1. Julian Reichelts “Nius” steigt bei Wiener “Exxpress” ein
(derstandard.at, Harald Fidler)
Wie der “Standard” berichtet, steigt “Nius”, das rechtslastige Krawallportal des ehemalige “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt, beim österreichischen “Exxpress” ein. Die hinter “Nius” stehende Vius SE übernehme “zum Start einer Kooperation” 25 Prozent am “Exxpress”. Harald Fidler resümiert recht treffend: “Es wächst zusammen, was zusammengehört.”

2. Keine Bühne mehr für Pocher
(taz.de, Carolina Schwarz)
Der Entertainer Oliver Pocher hat bei einer SWR-Veranstaltung eine Zuschauerin gedemütigt und dies anschließend auf Instagram zur Schau gestellt. Der öffentlich-rechtliche Sender reagierte erst zögerlich, dann distanzierte er sich ein wenig. Ein Armutszeugnis, findet Carolina Schwarz in der “taz”: “Denn wer Menschen, die jahrelang mit Sexismus und anderen Diskriminierungsformen ihr Geld verdienen, eine Bühne bietet, der hat es nicht anders gewollt. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen wirklich Verantwortung übernehmen wollen, sollten sie künftig überlegen, wem sie eine Bühne bieten möchten.”

3. ChatGPT bekommt Zugriff auf »Wall Street Journal« und »Times«
(spiegel.de)
OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, habe eine Kooperation mit Rupert Murdochs News Corp geschlossen. Diese beinhalte den Zugriff auf aktuelle Artikel und Archivmaterial unter anderem des “Wall Street Journal”, der Londoner “Times”, der “New York Post” und der “Sun”. Ähnliche Vereinbarungen gebe es bereits mit dem deutschen Axel-Springer-Konzern, der französischen Zeitung “Le Monde” und der “Financial Times”.

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4. “Journalismus ohne Datenjournalismus wäre heute unvollständig”
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Christian Endt ist stellvertretender Leiter des Ressorts Daten und Visualisierung bei “Zeit Online”. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht er unter anderem über sein Verständnis von Datenjournalismus, die Herausforderungen und Chancen seines Berufs und die Frage, an welchen Stellen ihm Künstliche Intelligenz die Arbeit erleichtert.

5. Bundeskabinett beschließt Roths Entwurf zum Filmförderungsgesetz
(faz.net, Andreas Kilb)
Das Bundeskabinett habe den von Kulturstaatsministerin Claudia Roth vorgelegten Entwurf für ein neues Filmförderungsgesetz beschlossen, das Steuererleichterungen und Pflichtförderungen für Produktionsfirmen sowie eine Investitionsverpflichtung für Fernsehsender und Streamingdienste vorsehe. Das Gesetz stehe jedoch vor Herausforderungen: “Die Steueranreize will der Bund durch Erleichterungen bei der Körperschaftsteuer setzen, die den Ländern zusteht, welche dafür einen Ausgleich verlangen. Eine Einigung Roths mit den Sendern und Streamingdiensten steht ebenfalls noch aus.”

6. Die große Grundgesetz-Lobhudelei
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio: 4:01 Minuten)
Deutschlandfunk-Kolumnist Matthias Dell findet den Großteil der Beiträge zum 75-jährigen Bestehen des Grundgesetzes zu langweilig und meint, auch den Grund dafür zu kennen: “Der Jubiläumstext muss zwei Sachen gleichzeitig machen: informieren und feiern. Was zur Folge hat, dass das Informieren die Laune nicht zu sehr trüben darf. Man kennt das von privaten Geburtstagsfeiern – da sind Reden auf die Jubilarin auch nicht dazu gedacht, am Tag des Festes die problematischen Teile ihres Charakters herauszustreichen.”

7. 200.000 Euro Entschädigung nach KI-Interview mit Michael Schumacher
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Als siebter und zusätzlicher Link, weil in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Entschädigungszahlung der Funke Mediengruppe an Ex-Rennfahrer Michael Schumacher und dessen Familie wegen eines vermeintlichen, mit Hilfe von KI erfundenen Interviews: “Die Chefredakteurin verteidigte sich damit, dass sie mit ihrer Lügengeschichte lediglich den ‘Erwartungshorizont’ ihrer Leserschaft bedient habe. ‘Erwartungshorizont’ – das ist besorgniserregend zynisch, wie ich finde.”

Funkes teures KI-Interview, Schertz, “Aus Respekt vor Frau Johansson”

1. Funke zahlte Schumacher 200.000 Euro nach KI-Interview
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Das Funke-Magazin “Die Aktuelle” veröffentlichte im April 2023 ein vermeintliches Interview mit Michael Schumacher, das in Wirklichkeit von einer Künstlichen Intelligenz generiert wurde. Wie “DWDL” unter Berufung auf Informationen von “Übermedien” (nur mit Abo lesbar) berichtet, zahlte Funke der Familie Schumacher dafür eine Entschädigung in Höhe von 200.000 Euro. Außerdem habe der Medienkonzern laut “Übermedien” (nur mit Abo lesbar) der Chefredakteurin des Magazins gekündigt, sei damit aber vor Gericht bislang gescheitert.

2. “Weg­bomben” für die Gerech­tig­keit
(lto.de, Thomas Fischer)
Anfang vergangener Woche wiesen wir in den “6 vor 9” auf die ARD-Doku “Der Star-Anwalt: Christian Schertz und die Medien” hin. Rezensent Thomas Fischer, selbst prominenter Jurist, ist wenig begeistert. Trotz der Einblicke in Schertz’ berufliche Tätigkeit und zahlreicher Interviews mit bekannten Persönlichkeiten bleibe die Dokumentation oberflächlich und beantworte die zentrale Frage nicht überzeugend: “Selten sah man ein ‘Portrait’, das auf die selbstgestellte Frage ‘Wer ist dieser Mensch?’ so wenig Antwort gab.”

3. Umweltjournalismus weltweit in Gefahr
(verdi.de)
Die UNESCO-Studie “Press and planet in danger” habe die Gefahren und Herausforderungen für die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten, die über Umweltthemen berichten, untersucht. Zwischen 2009 und 2023 seien weltweit mindestens 749 von ihnen angegriffen worden, vor allem bei der Berichterstattung über Umweltproteste, Bergbau und Landkonflikte. Die Studie dokumentiere zudem, dass physische Angriffe und rechtliche Bedrohungen wie SLAPPs stark zugenommen hätten, wobei Frauen und Freiberufler besonders betroffen seien.

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4. Die Marginalisierung des Globalen Südens in der reichweitenstärksten Nachrichtensendung der USA
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
Ladislaus Ludescher weist in seiner Analyse darauf hin, dass die vielgesehene US-amerikanische Nachrichtensendung “ABC World News Tonight” dem globalen Süden, in dem 85 Prozent der Weltbevölkerung leben, im Jahr 2022 nur etwa drei Prozent ihrer Sendezeit widmete. Dies stelle eine erhebliche Marginalisierung dieser Regionen dar. Ludeschers Fazit: “Dem titelgebenden Anspruch, Weltnachrichten abzubilden, werden die ABC World News Tonight keinesfalls gerecht. Der Titel der Sendung ist für das untersuchte Jahr 2022 als irreführend zu bezeichnen.”

5. Himmlische KI-Versprechen und reale Nebenwirkungen
(background.tagesspiegel.de, Jürgen Pfeffer & Matthias Pfeffer)
Jürgen Pfeffer von der TU München und Matthias Pfeffer vom Council for European Public Space beschäftigen sich mit den Risiken und Herausforderungen, die mit der rasanten und unregulierten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz verbunden sind: “Schon lange steuern Algorithmen die Informationsflüsse und übernehmen immer stärker die Rolle von Gatekeepern der öffentlichen Meinung. Mit der automatisierbaren Erzeugung von Texten, Bildern, Videos, und jetzt auch Stimmen sind sie nun in der Lage, auch die Produktion der Informationen zu steuern, und zwar in einer Weise, die die Quellen verschüttet, aus denen sie sich speisen. Ungebremst führt diese Entwicklung direkt in eine Ära der strukturellen Desinformation.”

6. Hat OpenAI die Stimme von Scarlett Johansson kopiert?
(spiegel.de)
Weil OpenAI-Chef Sam Altman offenbar ein Fan des US-Films “Her” ist, in dem sich ein Mann in eine KI verliebt, wollte er die Stimme der Schauspielerin und “Her”-KI-Darstellerin Scarlett Johansson für den ChatGPT-Sprachassistenten lizenzieren. Johansson lehnte jedoch ab und war umso überraschter, als sie bei der Präsentation der neuen ChatGPT-Version ihre eigene Stimme als Sprachoption “Sky” hörte. OpenAI habe daraufhin geantwortet, dass die KI-Stimme von einer anderen Schauspielerin stamme, deren Namen man aber nicht nennen wolle. “Aus Respekt vor Frau Johansson” habe man die Stimme jedoch aus der Software entfernt.

Radiomoderator ruft zum Mord auf, Medienerziehung, Leben retten

1. Belgiens Regierungschef erstattet Anzeige nach Mordaufruf von Radiomoderator
(spiegel.de)
Ein belgischer Radiomoderator habe nach dem Attentat auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico seine Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer ähnlichen Aktion aufgerufen und sie ermutigt, den belgischen Premierminister zu töten. Wortwörtlich habe er gesagt: “An alle, die erwägen, Alexander De Croo zu erschießen, sich aber wegen der Sicherheitsvorkehrungen um ihn herum nicht trauen: Ihr seht, es ist möglich, einen Premierminister zu erschießen. Also sage ich: nur zu.” Der Moderator sei daraufhin suspendiert worden. Außerdem habe De Croo Strafanzeige erstattet.

2. Wenn die KI das Zeitungslayout macht
(deutschlandfunk.de, Bastian Brandau, Audio: 5:35 Minuten)
Die Redaktion der “Nordwest-Zeitung” setzt beim Layout auf die Kraft der Künstlichen Intelligenz. Der Deutschlandfunk hat nachgefragt, wie das funktioniert. Und mit Chefredakteur Ulrich Schönborn gesprochen, der die Entscheidung etwas einschränkt: “Aber es geht keine Seite raus, ohne dass noch mal ein Redakteur draufgeschaut hat. Es gibt sicherlich aber auch Bereiche, da wird man immer so ein bisschen nacharbeiten müssen.”

3. Leben retten – Berichterstattung über Suizid
(sr.de, Katrin Aue & Florian Mayer, Audio: 22:51 Minuten)
Thomas Niederkrotenthaler ist Suizidforscher und Professor für Public Mental Health an der Medizinischen Universität Wien. Katrin Aue und Florian Mayer haben mit ihm unter anderem über die neue Suizidpräventionsstrategie des Gesundheitsministeriums und die Suizidberichterstattung gesprochen. In diesem Zusammenhang sei auch an die “6-vor-9”-Empfehlung über den Umgang mit Suizid in Medien vom vergangenen Dienstag erinnert: Rufen Sie bitte später zurück (taz.de, Shoko Bethke).

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4. Antimuslimischer Rassismus in Sachsens rechten Telegram-Kanälen
(belltower.news, Nicola Eschen)
Die neue Ausgabe des EFBI Digital Reports (PDF) beschäftigt sich mit den Reaktionen der extrem rechten Telegram-Szene in Sachsen auf die Ereignisse vom und nach dem 7. Oktober 2023: “Wie wurden der terroristische Angriff der Hamas, die militärische Reaktion der israelischen Streitkräfte, aber auch die Solidaritätsdemonstrationen mit Palästina eingeordnet und kommentiert?” “Belltower News” hat eine vertiefende Analyse von Nicola Eschen vom Bündnis gegen anti-muslimischen Rassismus Sachsen daraus veröffentlicht.

5. Elaborated Report 2024 – Online-Risiken und elterliche Medienerziehung
(act-on.jff.de)
Der “ACT ON! Elaborated Report 2024” (PDF) beschäftigt sich mit “Online-Risiken und elterlicher Medienerziehung aus Sicht der 10- bis 14-Jährigen“. Rund 60 bis 75 Jugendliche pro Jahr in den Altersgruppen 10 bis 12 Jahre und 12 bis 14 Jahre wurden in Forschungsworkshops zu Themen wie Cybermobbing, Hatespeech, sexuelle Belästigung und Scamming befragt. Der Bericht enthält neben dem Analyseteil auch Schlussfolgerungen für die Medienkompetenzförderung und Medienerziehung.

6. Eigentum verpflichtet selbst uns
(taz.de)
Wie die “taz” in ihrem “Hausblog” berichtet, steht das Rudi-Dutschke-Haus, der ehemalige Sitz der Zeitung, vor einer denkmalgerechten Sanierung. Die geplanten Sanierungsarbeiten, darunter die Modernisierung der sanitären Anlagen und die Installation einer Photovoltaikanlage, sollen nicht nur das Gebäude erhalten, sondern auch die Mieteinnahmen sichern.

Höcke-Urteil, Schutz vor Ohrfeigen, Kollapsjournalismus

1. Höcke-Urteil: “FAZ” veröffentlichte “vorbereitete Meldung” zu früh
(dwdl.de, Manuel Weis)
Wie “DWDL” berichtet, ist der “FAZ” ein recht peinlicher Fehler unterlaufen: Eine vorbereitete Nachricht über eine Verurteilung von AfD-Politiker Björn Höcke sei veröffentlicht worden, obwohl das Urteil noch gar nicht gesprochen war. Anscheinend hatte jemand in der Onlineredaktion statt auf “Speichern” auf “Veröffentlichen” geklickt.
Ergänzung des “6-vor-9”-Kurators: Mittlerweile hat das Landgericht in Halle sein Urteil gesprochen: AfD-Rechtsaußen Höcke wegen Nazispruchs zu Geldstrafe verurteilt (spiegel.de).

2. Anlaufstelle zum Schutz publizistischer Arbeit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisationen Blueprint for Free Speech, Reporter ohne Grenzen, der Deutsche Journalisten-Verband, die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi, “FragDenStaat” sowie Aktion gegen Arbeitsunrecht haben eine Anlaufstelle zum Schutz vor missbräuchlichen Einschüchterungsklagen eingerichtet, von denen auch immer wieder Medienschaffende betroffen sind. Mit den sogenannten SLAPPs soll auch unliebsame Berichterstattung unterdrückt werden: “Die No-SLAPP-Anlaufstelle bietet Information, Beratung und Training, um potenziell Betroffene über ihre Rechte aufzuklären und sie bei der Verteidigung gegen solche SLAPP-Klagen zu unterstützen.”

3. Kollapsjournalismus
(lorenzmatzat.substack.com)
Lorenz Matzat kritisiert in seinem Beitrag, dass die deutsche Medienlandschaft der Klimakrise nicht die nötige Aufmerksamkeit und Dringlichkeit schenkt, sondern oft oberflächlich und neutral berichtet. Er fordert einen “Kollapsjournalismus”, der die drohenden gesellschaftlichen Zusammenbrüche offen anspricht: “Im Unterschied zum derzeitigen Verdrängungsjournalismus konfrontiert ein Kollapsjournalismus Entscheider:innen mit dem möglichen Zusammenbruch und fordert Auseinandersetzung ein, auch von seinen Leser:innen.”

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4. Blog gegen Desinformation verliert die Gemeinnützigkeit
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie netzpolitik.org berichtet, wurde dem Blog “Volksverpetzer” Ende April die Gemeinnützigkeit aberkannt. Das bedeutet konkret, dass Spenden an den “Volksverpetzer” nicht mehr steuerlich absetzbar sind und für das Projekt möglicherweise hohe Rückzahlungen anstehen. In Deutschland sei gemeinwohlorientierter Journalismus nicht als eigener Gemeinnützigkeitszweck anerkannt, weshalb derartige Projekte stets um ihren Status bangen müssten. Eine Petition fordert die Ampel-Koalition auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen und Rechtssicherheit für gemeinnützigen Journalismus zu schaffen.

5. Wie geht guter Lokaljournalismus, Ralf Heimann?
(open.spotify.com, Katharina Heimeier, Audio: 1:00:01 Stunden)
Im Podcast “Sendekritik” spricht die Medienwissenschaftlerin Katharina Heimeier mit Gästen über Journalismus und die Medienbranche. In der aktuellen Folge zu Gast: Ralf Heimann, Medienbeobachter (“Altpapier”), BILDblog-Autor (“Kleine Wissenschaft des Fehlers”) und Mitbegründer eines lokaljournalistischen Mediums für Münster (“Rums”). In dem Gespräch geht es unter anderem um den Newsletter als journalistisches Produkt, um Bezahlabos und die Frage, wie Heimann die Zukunft sieht.

6. Post zu Hummels’ angeblichem EM-Aus geht viral
(spiegel.de)
Ein Fake-Account auf X/Twitter mit dem Namen “Mats Hummels” verbreitete die Nachricht, dass der Fußballprofi nicht für die anstehende Europameisterschaft nominiert worden sei, was sich viral verbreitete, bevor eine “Community Note” den Post als falsch kennzeichnete. Bislang gibt es weder von der deutschen Nationalmannschaft noch von Hummels selbst eine offiziell verkündete Entscheidung zur EM-Nominierung. Das geänderte Verifizierungssystem von X mache es schwieriger, echte Accounts von Fake-Accounts zu unterscheiden.

Offener Brief gegen Kürzungen, Telefonseelsorge, Wutköder

1. Offener Brief zu Kürzungen beim MDR
(djv.de)
Verschiedene Journalistinnen und Journalisten haben sich in einem offenen Brief gegen die Kürzungspläne des MDR im Bereich der investigativen Recherche und der regionalen Hintergrundberichterstattung gewandt: “Wir fürchten um die publizistische Schlagkraft des MDR, um die Erfüllung unseres öffentlich-rechtlichen Auftrags und nicht zuletzt um das Vertrauen unseres Publikums. Daher fordern wir Sie auf, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen braucht es mehr statt weniger investigative, regionale politische Berichterstattung.” Die im Brief angesprochene Leitungsebene des Senders hat mit einer Stellungnahme reagiert, über die Medienjournalist Stefan Niggemeier schreibt: “Da wird schroff deklamiert, statt den Kollegen, die es gut meinen und viele Leute hinter sich gesammelt haben, denen der MDR offenbar nicht egal ist, ein Gesprächsangebot zu machen.”

2. Rufen Sie bitte später zurück
(taz.de, Shoko Bethke)
Viele Medien, darunter auch das BILDblog, verbinden ihre Berichterstattung zum Thema Suizide mit einem Hinweis auf die Telefonseelsorge. Dies helfe Menschen in akuten Krisen jedoch nur bedingt. Die Erreichbarkeit und die Eignung für akute Fälle würden von einigen Personen, die versucht haben, die Telefonseelsorge zu erreichen, kritisch gesehen. Auch die Telefonseelsorge selbst fühlt sich überlastet. Medien wie der “Spiegel” und neuerdings auch die “taz” verweisen daher auf verschiedene Hilfsangebote.

3. Meine Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen die verleumderische Hetze von BILD
(michael-wildt.de)
Michael Wildt, Professor für Deutsche Geschichte mit Schwerpunkt Nationalsozialismus, hat beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen einen seiner Ansicht nach verleumderischen Artikel der “Bild”-Zeitung eingelegt. Darin werde fälschlicherweise behauptet, er und weitere Unterzeichner einer Erklärung von Lehrenden an Berliner Universitäten würden “Juden-Hass-Demos” unterstützen. Der Artikel verdrehe laut Wildt bewusst die Tatsachen, da die unterzeichnete Erklärung lediglich den Polizeieinsatz an der Freien Universität Berlin kritisiere und das Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit verteidige.

Bildblog unterstuetzen

4. “Da kann man nur den Kopf schütteln”
(t-online.de, Amir Selim)
ZDF-Wettermoderator Özden Terli warnt nicht nur im Fernsehen, sondern auch in den Sozialen Medien vor den Folgen der Klimakrise. Amir Selim sprach mit ihm unter anderem über die aktuellen Temperaturrekorde. Außerdem geht es in dem Interview um die Fragen, welche konkreten Auswirkungen die hohen Temperaturen in Deutschland haben, worauf Terli bei seiner Berichterstattung Wert legt, und was Medien generell besser machen können.

5. »Wenn ich von links und rechts beschimpft werde, ist das genau richtig«
(spiegel.de, Markus Böhm)
Der “Spiegel” hat mit dem Youtuber Alexander Prinz gesprochen, der sich als “Dunkler Parabelritter” auf seinem Kanal mit politischen und kulturellen Kontroversen auseinandersetzt. Dabei fällt eine Parallele zum gestern verlinkten Interview mit der Aufklärungsseite “Volksverpetzer” auf, in dem Betreiber Thomas Laschyk erklärt, warum er oft reißerische Überschriften verwendet. Was für den einen reißerische Überschriften sind, sind für den anderen Vorschaubilder als Wutköder, über die Prinz sagt: “Von diesen wütenden Gesichtern würde ich gern wegkommen. Aber viele Leute klicken ohne solche Stilmittel nicht auf das Video. Und wenn mehrere Prozent der Zuschauer wegbleiben, ist das für den YouTube-Algorithmus und die weitere Verbreitung des Videos toxisch. Da kann die wochenlange Arbeit mehrerer Leute einfach untergehen.”

6. Wie Sie sehen, hören wir nichts
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:09 Minuten)
Boris Rosenkranz wollte sich beim NDR über den Hamburger Hafengeburtstag informieren, hatte aber Hörprobleme. Die lagen jedoch ausdrücklich nicht an ihm: “Beim Hafengeburtstag in Hamburg platziert der NDR seine Moderatorin direkt vor der schwimmenden Bühne. Wer hätte ahnen können, dass es da EIN BISSCHEN LAUT WIRD – und dass dann auch noch Scooter spielt!?”

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