Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Programmreform mit Brechstange, Archivgesetz, Jugendwort Ragebait

1. Nius-Leak: Wie Julian Reichelt Abonnenten gewinnt
(correctiv.org, Dominik Lenze & Jean Peters & Lilith Wittmann & Carli Bess Kutschera)
Ein Datenleak nach einem Cyberangriff gewähre seltene Einblicke in das Geschäftsmodell des rechten Krawallportals von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt. Wie eine Auswertung interner Abozahlen zeige, gewinne “Nius” zahlende Kundschaft vor allem dann, wenn eigene Kampagnen und scharfe Kontroversen gefahren werden. Die geleakten Bearbeitungsverläufe von “Nius”-Artikeln würden zudem belegen, wie die Talkshow-Aussagen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther nachträglich sinnentstellend gekürzt worden seien.

2. DJV kritisiert Siegmunds Drohung gegen Köster und das ZDF
(dwdl.de, Alexander Krei)
Auf den Fluren des Magdeburger Landtags habe AfD-Politiker Ulrich Siegmund dem “heute-show”-Reporter Fabian Köster nahegelegt, sich bald einen neuen Job zu suchen, und mit einer Kündigung des Medienstaatsvertrags gedroht. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verurteile den Vorfall als “pure Einschüchterung” und Grenzüberschreitung. Besorgt zeige sich der DJV zudem darüber, dass Köster im Anschluss von einem Team des AfD-nahen Portals “Deutschland-Kurier” durch das Parlamentsgebäude verfolgt worden sein soll.

3. Betreff: gelöscht
(taz.de, Robert Matthies)
Nach Kritik von Fachverbänden habe Niedersachsens rot-grüne Landesregierung die Reform des Archivgesetzes von 1993 vorerst auf Eis gelegt. Der Entwurf der Staatskanzlei habe vorgesehen, dass behördliche E-Mails, SMS und Messenger-Chats künftig nicht mehr verpflichtend dem Landesarchiv zur Übernahme angeboten werden müssen, wenn sie nicht ohnehin in offiziellen Akten landen. Historiker und Archivare hätten vor einem massiven Transparenzverlust gewarnt.

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4. Programmreform mit der Brechstange
(verdi.de, Jochen Spengler)
Die geplante Programmreform beim Deutschlandfunk stoße intern wie extern auf massiven Widerstand. Mit dem Wegfall von sieben etablierten Fachformaten, darunter “Forschung aktuell”, “Büchermarkt” und “Europa heute”, verliere der Sender sein Alleinstellungsmerkmal der fundierten Fachredaktion. Das lineare Radio aus Furcht vor Relevanzverlust vorschnell zu schwächen, sei “Selbstmord aus Angst vor dem Tod”, findet Gastautor Jochen Spengler, ehemaliger Personalratsvorsitzender, Redakteur, Moderator und Korrespondent im Deutschlandradio.

5. W Social: Verifiziert heisst veroeffentlicht
(metacheles.de, Sascha Pallenberg)
Die als vertrauenswürdige europäische X-Alternative beworbene Plattform W Social stehe wegen massiver DSGVO-Mängel unter Druck: Trotz des Versprechens, Daten von Nutzerinnen und Nutzern nach einem Ausweisscan über die Partner-App “W Identity” nicht öffentlich zuzuordnen, seien sensible Verifikationsdaten in frei zugänglichen Repositories des Netzwerks gelandet. Tech-Blogger Sascha Pallenberg sieht darin ein strukturelles DSGVO-Problem. Besonders heikel sei der Vorgang, da auch EU-Institutionen auf die Plattform gewechselt seien.

6. »Ragebait« ist Jugendwort des Jahres
(spiegel.de)
Bei der jährlichen Onlineabstimmung des Langenscheidt-Verlags zum Jugendwort des Jahres habe sich der Begriff “Ragebait” mit 36,5 Prozent der Stimmen gegen “Peak” und “Crashout” durchgesetzt. Der wörtlich als “Wut-Köder” übersetzte Begriff beschreibe Inhalte im Internet, die gezielt auf Provokation, Empörung und algorithmische Reichweite durch Streit setzen. An der Abstimmung für 11- bis 20-Jährige hätten sich nach Verlagsangaben rund eine Million Menschen beteiligt.

Linke gegen Reiche, Ganz andere Dimension?, Drastischer WDR-Umbau

1. Linke gegen Reiche
(lto.de, Hasso Suliak)
Die Partei Die Linke ziehe mit einem Eilantrag und einem Organstreitverfahren gegen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor das Bundesverfassungsgericht. Anlass sei ein Video auf dem offiziellen Instagram-Kanal des Ministeriums, in dem Reiche der Partei nach der Wahl in Berlin vorwerfe, Enteignungen zu planen, der Organisierten Kriminalität ein Forum zu bieten und offen Antisemitismus zu leben. Staatsrechtler bewerten die Klage und den möglichen Ausgang unterschiedlich.

2. “Dann bekommt der Skandal eine ganz andere Dimension”
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Neue Recherchen von t-online.de zu den IFG-Akten im Fall des Deutschen Buchhandlungspreises setzen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer weiter unter Druck. Weimer habe zentrale Dokumente, die zur Streichung dreier linker Buchhandlungen von der Liste des Preises führten, pauschal zur Verschlusssache erklärt, angeblich um Methoden des Verfassungsschutzes zu schützen. Ein interner Mailwechsel mit dem Bundesinnenministerium lege jedoch nahe, dass diese Geheimschutzgründe vorgeschoben sein könnten.

3. 400 Programme weniger
(taz.de, Ann-Kathrin Leclere)
Der WDR plane einen drastischen Umbau seines Programmangebots: Bis 2030 solle die Zahl der Angebote, darunter Social-Media-Kanäle, Fernseh- und Hörfunkformate, Newsletter und Websites, von 600 auf 300 halbiert werden. Insgesamt betreffe die Streichung sogar 400 Programmangebote des öffentlich-rechtlichen Senders. Zudem würden altersbedingt frei werdende Stellen zu einem Drittel nicht nachbesetzt und Budgets für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduziert. Fernsehdirektor Ingmar Cario begründe die Einschnitte mit der rasanten Verschiebung zur digitalen Mediennutzung und schwindenden linearen Reichweiten.

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4. Expertin Prainsack über Social-Media-Konzerne: “Dieselben Strategien wie die Tabakindustrie”
(derstandard.at, Isabell Rosenkranz)
Die Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack forscht zu den Themen Soziale Medien, Jugendliche und Gesundheit und hat entsprechende Studien in der renommierten Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlicht. Im Interview mit der Journalistin Isabell Rosenkranz vergleicht sie die Plattformkonzerne mit der früheren Tabaklobby. Die Unternehmen würden Risiken bestreiten und Regulierung blockieren. Statt die Verantwortung Jugendlichen zuzuschieben, brauche es laut Prainsack globale Abkommen nach Vorbild der WHO-Tabakkonvention sowie gesetzliche Hürden wie Mindestalter und Schulverbote.

5. Wenn freie Medien “Lieblingsfeinde” sind
(verdi.de, Bärbel Röben)
Auf einer medienpolitischen Fachtagung von Verdi und Deutschem Gewerkschaftsbund in Berlin haben Medienschaffende über die zunehmende Bedrohung unabhängiger Berichterstattung durch rechtsextreme Kräfte diskutiert. Autorin Anne Rabe und Verdi-Vorstand Christoph Schmitz-Dethlefsen hätten vor falscher Neutralität gewarnt: Wer antidemokratischen Kräften unwidersprochen Sendezeit einräume, mache sich mitschuldig. Nötig sei eine klare Haltung auf Basis der Verfassung. Ergänzend hätten Medienexpertinnen und -experten anhand von Beispielen aus Polen und Großbritannien gezeigt, wie schnell Demontage- und Polarisierungsprozesse voranschreiten.

6. Frühere Trump-Sprecherin Leavitt wechselt zu Fox News
(spiegel.de)
Die ehemalige Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt heuere ab November als politische Kommentatorin bei Fox News an. Der konservative US-Sender begründe die Personalie mit Leavitts Insiderwissen aus dem Präsidentschaftswahlkampf und dem Weißen Haus. Offen bleibe, ob sie parallel weiter als externe Beraterin für Donald Trump agieren wird. Der Wechsel setze die enge personelle Verflechtung zwischen der Trump-Administration und Fox News fort.

Zweifel an Weimer, Rückzug der Frauen, CDU im medialen Fokus

1. Dokumente wecken Zweifel an Weimers Darstellung
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Interne Akten des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), die sich t-online.de über das Informationsfreiheitsgesetz beschafft habe, würden Wolfram Weimer belasten. Der Kulturstaatsminister habe beim Deutschen Buchhandlungspreis drei von einer unabhängigen Jury nominierte linke Buchläden nach Einschaltung des Verfassungsschutzes von der Preisträgerliste streichen lassen. Entgegen Weimers öffentlicher Darstellung habe die zuständige BKM-Fachabteilung intern zunächst ausdrücklich empfohlen, dem Juryvotum zu folgen.

2. Frauen ziehen sich aus dem Netz zurück
(taz.de, Amelie Sittenauer)
Aus Furcht vor digitaler und bildbasierter sexualisierter Gewalt würden einer repräsentativen Studie des Deutschen Frauenrats zufolge zwei Drittel der Frauen in Deutschland ihre Online-Aktivitäten einschränken. Bei jüngeren Frauen (18 bis 39 Jahre) liege der Anteil sogar bei 76 Prozent. Jede Fünfte habe bereits Erfahrungen mit sexualisierten KI-Fälschungen gemacht. Dieser massive Rückzug aus dem digitalen Raum gefährde die gesellschaftliche Teilhabe und damit die Demokratie unmittelbar. Der Deutsche Frauenrat und Der Deutsche Juristinnenbund würden deshalb deutliche Nachbesserungen am geplanten Gewaltschutzgesetz fordern.

3. “Radikalität zerstört jede Gesprächskultur”
(journalist.de, Jan Freitag)
“Spiegel”-Autor und Talk-Moderator Markus Feldenkirchen betont im Interview mit dem “journalist”, dass Vertrauen in den Journalismus vor allem durch akribische Faktentreue, Berechenbarkeit und innere Disziplin entstehe. Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der AfD würden eine besondere Besonnenheit erfordern: “Den aggressiven Diskursstil der AfD selbst zu übernehmen, wäre aus meiner Sicht kontraproduktiv. Also sage ich: Ruhe bewahren, freundlich sein, höflich bleiben und immer faktenbasiert argumentieren. Falls ich mit diesem Ansatz nicht mehr alle Menschen im Land erreiche, dann ist das eben so.”

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4. CDU im medialen Fokus
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 31:38 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, welche Rolle Medien beim Blick auf die CDU spielen. Es geht um Zuspitzungen und Dramatisierung, aber auch um die Frage, welche Rolle die Partei selbst dabei spielt. Mit Moderator Sören Brinkmann diskutieren der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und Katharina Hamberger vom Deutschlandfunk.

5. Politische Bildung braucht freie Medien
(djv.de, Philipp Blanke)
In einem Impulsvortrag vor dem Parlamentskreis Politische Bildung hat Philipp Blanke aus dem Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands davor gewarnt, dass die Erosion unabhängiger Medien auch das Fundament politischer Bildung untergrabe. US-amerikanische und chinesische Plattformkonzerne würden den Informationsraum dominieren. Sie entzögen Verlagen Werbeeinnahmen und würden durch polarisierende Algorithmen Emotionen, “Fake News” und Hass gegen Medienschaffende begünstigen. Blanke fordert die rechtliche Gleichstellung von Tech-Konzernen mit Medienunternehmen.

6. Prime-Alt­kunden zahlen vor­erst wieder weniger
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof habe die Preisanpassungsklausel in den AGB von Amazon Prime für unwirksam erklärt, da sie widersprüchlich formuliert gewesen sei und Kundenrechte bei Preiserhöhungen im Unklaren gelassen habe. Infolgedessen passe Amazon den Beitrag für Altkunden mit unveränderten Verträgen von vor Mitte September 2022 vorübergehend wieder auf das alte Niveau an. Ob bereits gezahlte Mehrbeträge erstattet werden müssen, sei damit noch nicht entschieden.

Böhmermann macht Schluss, “SZ”-Verleger vergleichen sich, VW

1. Weißes Haus verwehrt Journalisten von MS NOW, CNN und Politico den Zugang
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump habe Reportern von MS NOW (ehemals MSNBC), CNN und “Politico” den Zutritt zum Weißen Haus untersagt und deren Presseausweise einziehen lassen. Trump werfe den Medien vor, Falschmeldungen über seine Regierung zu verbreiten, und habe angekündigt, weitere Medienhäuser auszuschließen. Die betroffenen Redaktionen sowie die White House Correspondents’ Association hätten den Schritt als rechtswidrigen Angriff auf den ersten Verfassungszusatz und das Recht der Bevölkerung auf unabhängige Information verurteilt.
Weiterer Lesetipp: Gemeint sind wir alle: “Nach Druck aus den USA stellt das Tech-Kollektiv Autistici/Inventati seinen Dienst ein. Damit verschwindet auch der Blog unserer Autorin.” (taz.de, Anne Roth)


2. Jan Böhmermann macht Schluss mit dem “ZDF Magazin Royale”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nach dann 187 Ausgaben beende Jan Böhmermann sein “ZDF Magazin Royale” am 18. Dezember, um Raum für ein neues wöchentliches Showkonzept zu schaffen. Außerdem sei eine für Anfang 2027 geplante Tour des in der Sendung mitwirkenden Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld abgesagt worden. Das ZDF befinde sich laut Programmdirektorin Nadine Bilke in Gesprächen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Böhmermann ab Sommer 2027. Vorerst laufe der Vertrag zum Jahresende aus.

3. Medien müssen Zugang zu VW-Werksgelände erhalten
(djv.de, Alexander Schaub)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Entscheidung des Volkswagen-Konzernvorstands, Journalistinnen und Journalisten den Zutritt zum Wolfsburger Werksgelände beim bundesweiten Automobil-Aktionstag am heutigen Montag zu verwehren. Laut der Gewerkschaft IG Metall habe die Konzernführung selbst eine Pool-Lösung untersagt, was der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster als schwerwiegenden Eingriff in die freie Berichterstattung kritisiert. Angesichts der historischen Krise des Autobauers dürfe die Veranstaltung kein “Closed Shop” sein.

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4. SZ-Verlegerfamilie Friedmann: Millionenschwerer Vergleich nach AZ-Insolvenz
(kress.de, Wolfgang Messner)
Die Verlegerfamilie Friedmann, Miteigentümer des Süddeutschen Verlags, habe sich nach einem jahrelangen Rechtsstreit auf einen 15-Millionen-Euro-Vergleich geeinigt, um Ansprüche aus der Pleite der Münchner “Abendzeitung” aus dem Jahr 2014 beizulegen. Hintergrund seien Patronatserklärungen gewesen, für deren Verbindlichkeiten die Erben laut Land- und Oberlandesgericht München trotz formaler Befristung nachträglich haften müssten. Ein vollständiger Abschluss des Verfahrens werde nicht vor Ende 2026 erwartet.

5. Rammstein-Betrüger soll Missbrauchsaffäre der Band für Spendenaufruf genutzt haben
(morgenpost.de, Andreas Gandzior)
Vor dem Amtsgericht Tiergarten müsse sich ein 48-jähriger Mann wegen Betrugs verantworten. Er soll die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann im Juni 2023 ausgenutzt haben, um unter dem Motto “Hilfe für Rammstein Anwalts-Opfer” online Spenden zu sammeln. Unter dem falschen Vorwand, einer angeblich abgemahnten Frau den juristischen Beistand gegen die Band zu finanzieren, seien über 10.000 Euro zusammengekommen, die der Angeklagte laut Amtsanwaltschaft jedoch für private Zwecke veruntreut habe.

6. Wie Tiktok die sozialen Medien aufmischte
(n-tv.de)
Zum zehnjährigen Bestehen der chinesischen Ursprungs-App Douyin blicken ntv.de und die dpa auf den beispiellosen Siegeszug von TikTok zurück. Entscheidend für den Erfolg sei nicht das Videoformat, sondern der Bruch mit dem klassischen “Social Graph” gewesen: Statt Inhalte gefolgter Profile kuratiere ein hochsensibler Algorithmus anhand der Verweildauer in Millisekunden einen hyperpersonalisierten “Interest Graph”, den US-Konzerne mit Instagram Reels und YouTube Shorts rasch kopiert hätten. Das Unternehmen hinter TikTok stehe jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen unter dauerhaftem Regulierungsdruck.

Geisterstadt W Social, ARD räumt ab, Stuttgarter Geschichtsamputation

1. W Social Netzwerk: Fake-Zahlen, Rassismus und Totenstille!
(metacheles.de, Sascha Pallenberg)
Der Tech-Blogger Sascha Pallenberg beschreibt das als europäische Twitter-Alternative gestartete Netzwerk W Social als scheiternde “Geisterstadt”. Eine Auswertung der öffentlich einsehbaren Daten zeige, dass über 90 Prozent der knapp 30.000 registrierten Konten inaktiv seien und auf der Plattform manipulierte Interaktionszahlen angezeigt würden. Zudem warnt Pallenberg vor einer bedenklichen politischen Schieflage.

2. “Der wahre Hauptgegner ist der Faktor Zeit”
(turi2.de, Markus Trantow)
Die Geschäftsführung des “RedaktionsNetzwerk Deutschland” (“RND”) um Denni Klein und Lina Timm betont im Interview, dass Verlage sich nach massiven Reichweitenverlusten durch Google-Updates aus der Abhängigkeit großer Plattformen befreien müssen. Das “RND” setze deshalb voll auf bezahlte Abos, regionale Inhalte und direkte Kundenkontakte über eigene Newsletter statt auf flüchtige Klicks. Um mit dem rasanten KI-Wandel mitzuhalten, investiere der hinter dem “RND” stehende Verlag Madsack Millionen in eine moderne Datenplattform.

3. Was braucht junger Journalismus?
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Beim Sommerfest der Jugendpresse Deutschland habe “Zeit-Online”-Chefredakteur Jochen Wegner über Nachwuchsförderung, Berufseinstiege und die Transformation des Journalismus gesprochen. Er rate jungen Interessierten heute nur dann zum Weg in den Journalismus, wenn sie eine unbedingte Leidenschaft für Recherche, Wahrheitsfindung und Storytelling mitbringen. Neben der Erschließung neuer Ausspielwege sei die rasche Aneignung technologischer Werkzeuge mittlerweile überlebenswichtig.

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4. Geschichtsamputation
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich & Johanna Henkel-Waidhofer)
Dem Archiv im Stuttgarter Pressehaus drohe das Aus. Ende des Monats verlasse der letzte verbliebene Archivar die Abteilung. Was aus den jahrzehntealten, sorgsam verschlagworteten Beständen werden soll, lasse die neue Eigentümerin, die Neue Pressegesellschaft aus Ulm, auf Anfrage komplett unbeantwortet. Vor Ort gehe derweil die Befürchtung um, dass Teile des Schatzes bereits entsorgt worden und historische Fotobestände im Schredder gelandet seien.

5. Fünf Autorinnen und ein Autor auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis
(spiegel.de)
Die Jury des Deutschen Buchpreises habe die sechsköpfige Shortlist für das Jahr 2026 bekannt gegeben: Nominiert seien Werke von Shida Bazyar (“Die Lücken”), Franziska Gänsler (“Orca”), Valeria Gordeev (“Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle”), Elias Hirschl (“Schleifen”), Peggy Mädler (“Selbstregulierung des Herzens”) und Dana Vowinckel (“Anton und Alma”). Insgesamt habe das Gremium 205 Neuerscheinungen gesichtet. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung werde am 5. Oktober im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse verliehen.

6. Die ARD räumt ab, Überraschungen im Serien-Bereich
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel fasst bei “DWDL” die “Nacht der Kreativen” des Deutschen Fernsehpreises zusammen, bei der vor allem die ARD Grund zum Feiern hatte: Gleich sieben der elf Auszeichnungen für die Gewerke hinter der Kamera seien an Produktionen des Ersten gegangen. Der ARD-Film “Die Nichte des Polizisten” habe sogar doppelt abgeräumt, für Buch und Schnitt.

Mob gegen Presse, Macht der Beeinflussung, Nackte Tatsache

1. Mob gegen Presse
(taz.de, André Zuschlag)
Nach Recherchen über zwei extrem rechte AfD-Kandidierende für die Oldenburger Kommunalwahl sei das freie “taz”-Duo Aljoscha Hoepfner und Mieke Wolke massiven Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Neben gezieltem Online-Doxxing, Beleidigungen und Diffamierungskampagnen durch rechte Influencer habe eine der Porträtierten vor Veröffentlichung des Artikels mutmaßlich Hoepfners Wohnadresse ausgespäht. “Wir gehen davon aus, dass der Zweck dieses Einschüchterungsversuchs war, die Veröffentlichung des Artikels zu verhindern”, so Hoepfner.

2. AfD-Rundfunkpläne in Sachsen-Anhalt: RSF prüft rechtliche Schritte
(reporter-ohne-grenzen.de)
Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen-Anhalt kündigt die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) Gegenwehr an, sollte die AfD ihre Pläne zum Rundfunkabbau umsetzen: “Wir nehmen die Ankündigungen der AfD ernst und bereiten uns deshalb schon jetzt auf mögliche staatliche Eingriffe in die Rundfunkordnung vor”, so RSF-Geschäftsführer Christian Mihr: “Sollte eine künftige Landesregierung die Rundfunkstaatsverträge kündigen und sich abzeichnen, dass die dann entstehende Rundfunkordnung keine umfassende und freie Meinungsbildung mehr erlaubt, werden wir entsprechende rechtliche Schritte einleiten.”

3. Mit ihrem Verbot helfen Meta und Google der AfD
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Als Reaktion auf strengere EU-Transparenzvorgaben hätten Digitalkonzerne wie Meta und Google bezahlte politische Anzeigen in Europa verboten. Vor den anstehenden Landtagswahlen in drei Bundesländern habe dies zwar positive Effekte, zwinge Parteien im Internet jedoch vollends in die organische Plattformlogik. Da Algorithmen vor allem emotionale Zuspitzung, Wut und Polarisierung belohnen, profitiere hiervon überproportional die AfD, schreibt Ingo Dachwitz bei netzpolitik.org.

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4. “Das ist keine Welt, in der wir leben wollen”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Die Klimaforscherin Friederike Otto erklärt im Gespräch mit dem “journalist”, wie die Zuordnungsforschung den direkten Einfluss der menschengemachten Erderwärmung auf Extremwetterereignisse wie Starkregen und tödliche Hitzewellen nachweist. Von Medien fordert Otto eine konsequentere Berichterstattung: Journalistinnen und Journalisten sollten Extremwetter verlässlich in den Klimakontext einordnen, Desinformation und deren finanzielle Hintermänner klar benennen sowie sozial gerechte, lebenswerte Lösungen in den Mittelpunkt stellen.

5. Propaganda: Die Macht der Beeinflussung
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Gespräch mit dem Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien” analysiert die Historikerin Alexandra Bleyer die Mechanismen moderner Propaganda. Einst wertneutral als werbende Überzeugungskommunikation verstanden, diene der Begriff heute vor allem als polarisierender Kampfbegriff. Propagandistische Strategien würden auf emotionale Schwarz-Weiß-Bilder, selektive Auslassungen und psychologische Schwachstellen setzen. Um Manipulationen wirksam zu begegnen, seien sowohl ein reflektiertes Medienpublikum als auch ein professioneller Journalismus unverzichtbar.

6. News-Charts: Nackte Tatsachen sorgen für Reichweiten-Furore
(dwdl.de, Simon Pycha)
In den aktuellen “Publisher Charts” von “DWDL” für TikTok hätten die Redaktionen von “Tagesspiegel” und “rbb24” im August außergewöhnliche Reichweitenerfolge durch ihre Berichterstattung über den Berliner “World Naked Bike Ride” erzielt. Während Medienhäuser freizügige Inhalte wegen strenger Plattformrichtlinien meist vorsorglich zensieren oder meiden würden, habe der “Tagesspiegel” Verpixelungen durch gezielte Kameraperspektiven geschickt umgehen können und mit rund 117,8 Millionen Aufrufen einen Allzeitrekord der “DWDL”-Auswertung für journalistische Accounts erreicht.

Springers Politwerbung, Küche als Frontlinie, Softpower Musikdoku

1. MABB beanstandet politische Werbung in Springer-Podcast
(medien.epd.de)
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) habe auf Beschluss der Kommission für Zulassung und Aufsicht erstmals in Deutschland politische Werbespots in einem Podcast beanstandet. Das Verfahren richte sich gegen einen reichweitenstarken Politikpodcast der Axel Springer Deutschland GmbH, in dem bezahlte Werbung zum deutschen Gesundheitssystem mit klarem politischem Bezug ausgestrahlt worden sei. Gemäß Medienstaatsvertrag sei politische Werbung im Rundfunk sowie in rundfunkähnlichen Telemedien unzulässig.

2. US-Finanzministerium verwehrt Journalisten Akkreditierung für G20-Treffen
(spiegel.de)
Als Gastgeber des G20-Finanzministertreffens in Asheville habe das US-Finanzministerium mehreren Berichterstattern der “New York Times”, des “Wall Street Journal” und von “Bloomberg News” die Akkreditierung verweigert. Die betroffenen Medienhäuser hätten den Schritt als gezielten Versuch der Trump-Administration, sich öffentlicher Kontrolle zu entziehen und die Pressefreiheit zu untergraben, kritisiert. Der Vorfall reihe sich ein in eine fortlaufende Serie von juristischen Schritten, verbalen Angriffen und Subventionskürzungen der US-Regierung gegen kritische Medien.

3. Ringier bindet sich an OpenAI – aber Redaktionen behalten das letzte Wort
(kress.de, Marc Bartl)
Das Schweizer Medien- und Technologieunternehmen Ringier habe eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI geschlossen, um KI-Werkzeuge wie ChatGPT Enterprise gruppenweit in Redaktionen, auf Marktplatz-Plattformen und in IT-Teams zu integrieren. Laut Ringier-CEO Marc Walder diene die Technologie als Unterstützung für Arbeitsabläufe wie Recherche und Strukturierung, ersetze jedoch nicht das menschliche Urteilsvermögen und die redaktionelle Verantwortung für Veröffentlichungen. Der Enterprise-Vertrag garantiere eine Datenspeicherung innerhalb Europas und sehe ausdrücklich keine Lizenzierung von verlagseigenen Inhalten für das KI-Training vor.

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4. Die Tradwife: Wenn die Küche zur Frontlinie wird
(correctiv.org, Viera Zuborova)
“Correctiv” hat analysiert, wie autoritäre Regime und konservative Regierungen, insbesondere in Russland, Polen, Serbien und der Slowakei, das Phänomen der “Tradwife” als metapolitisches Instrument und Vorfeld-Propaganda nutzen. Im westlichen Social-Media würde die traditionelle Hausfrauen- und Mutterrolle oft als lifestylegetriebene, freie Entscheidung inszeniert. Im post-sozialistischen und autokratischen Kontext gehe es eher um den Abbau von Frauenrechten und die Einschränkung der reproduktiven Selbstbestimmung.

5. Die “Soft Power” des Musikdokumentarfilms
(de.ejo-online.eu, Yana Kuznietsova)
Klassische Kritiken von Musikalben lese im Streamingzeitalter kaum noch jemand. Ukrainische Musikjournalistinnen und -journalisten hätten deshalb umgesattelt und würden nun aufwendige Video-Essays und Dokus drehen, etwa beim Onlinemagazin “Slukh”. Statt nur Promis zu interviewen, würden sie in Archiven wühlen, Vorurteile über die eigene Kultur abbauen und vergessene Musikperlen wie beispielsweise den Funk der 1970er-Jahre zeigen. Das stärke nicht nur das eigene Selbstbewusstsein im Land, sondern wirke auch international als Botschafter.

6. “In der Unterhaltung sind echte Innovationen selten geworden”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit der eigenen Plattform zieht “DWDL”-Redakteur und Fernsehpreis-Juror Alexander Krei Bilanz und stellt fest, dass echte Innovationen auf der großen TV-Bühne aufgrund des Spardrucks Mangelware geworden seien. Frischen Wind gebe es vor allem im Reality-Bereich durch Formate mit neuem Dreh oder ohne Krawall sowie durch gelungene Modernisierungen etablierter Comedymarken wie “TV total” oder der “heute-show”. Krei wünscht sich für die Branche mehr Mut zu guten Ideen mit kleineren Budgets.

Eine Million pro Monat, Superlativ ist nicht super, Ave Maria in der Endzone

1. “Exxpress”-Schwesterportal “Nius” kostet Financier Gotthardt eine Million Euro pro Monat
(derstandard.at, Harald Fidler)
Der deutsche Software-Unternehmer Frank Gotthardt habe gegenüber der “Zeit” (nur mit Abo lesbar) offengelegt, dass ihn die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Plattform “Nius” monatlich rund eine Million Euro oder mehr koste. Die Betreibergesellschaft halte zudem die Mehrheit am österreichischen Onlineportal “Exxpress”. Trotz kumulierter Verluste im zweistelligen Millionenbereich in den vergangenen Jahren verteidige Gotthardt sein finanzielles Engagement als Gegenpol zum aus seiner Sicht belehrenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

2. Was sollte das eigentlich? Vor 5 Jahren startete Bild TV
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Fünf Jahre nach dem Sendestart von “Bild TV” rekapituliert Thomas Lückerath das Scheitern des linearen TV-Projekts des Axel-Springer-Verlags: “Boulevard-Journalismus der ‘Bild’ funktioniert maßgeblich über Zuspitzung in Schlagzeilen. Legendär sind Titelseite a la ‘Wir sind Papst’. Schlagzeilen, egal ob online oder gedruckt, die bleiben. Doch in mehrstündigen Live-Strecken versendet sich Gesagtes, lässt sich nur bedingt wiederholen. Bild TV lieferte viel Sendestrecke, aber das Medium lässt weniger Pointierung zu.”

3. Und am Wochenende ist Disco mit Peter
(taz.de, Doris Akrap)
Doris Akrap porträtiert die Magdeburger “Volksstimme” und deren Redaktionsalltag unter Chefredakteur Marc Rath. Trotz des digitalen Medienwandels und anhaltender Auflagenverluste behaupte sich das Blatt als auflagenstärkste Regionalzeitung Sachsen-Anhalts. Die Redaktion sehe sich und ihren bodenständigen Lokaljournalismus auch gegenüber politischem Druck und gesellschaftlichen Spannungen gut gerüstet.

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4. Juristin Brosius-Gersdorf fordert besseren Schutz vor Hass im Netz
(zeit.de)
Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf spreche sich im Interview mit dem “Tagesspiegel” für schärfere gesetzliche Vorgaben gegen Hetze und Desinformation auf Onlineplattformen aus. Soziale Netzwerke seien zwar ein demokratischer Gewinn für die freie Meinungsäußerung, brächten durch Anonymität jedoch erhebliche Gefahren mit sich. Sie plädiere daher für eine Verpflichtung der Plattformen, bei der Registrierung Klarnamen und Adressen der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen. Dies ermögliche später einen Auskunftsanspruch.

5. Medien und Boulevard: Der Superlativ ist nicht super
(fr.de, Tanjev Schultz)
Journalistik-Professor Tanjev Schultz kritisiert in seinem Beitrag für die “Frankfurter Rundschau” den inflationären Einsatz von Superlativen und Zuspitzungen in der Berichterstattung verschiedener Medien. Anhand von Artikeln über die vermeintlich “gefährlichste Schule Deutschlands” oder Schlagzeilen, die einzelne Politiker zum “gefährlichsten Mann” des Landes erklären, warnt Schultz vor einer Erosion journalistischer Standards. Die permanente Skandalisierung und Personalisierung führe zu einer sprachlichen Verrohung und drohe, das Publikum abzustumpfen.

6. Kinder von Robin Williams kämpfen gegen KI-Williams auf Social Media – bei Social Media
(spiegel.de)
Zwölf Jahre nach dem Tod von Schauspieler Robin Williams hätten seine drei Kinder den seit 628 Wochen stillgelegten Instagram-Account ihres Vaters reaktiviert. Sie würden der Flut an KI-generierten Fälschungen, die Stimme und Aussehen des Komikers imitieren, ein authentisches, verlässliches Archiv entgegensetzen wollen. Tochter Zelda Williams sehe darin die beste Handhabe, um das künstlerische Erbe ihres Vaters vor Verwässerung und Missbrauch zu schützen.

7. Ave Maria in der Endzone (mit Lorenz Meyer)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:02:44 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Gavin Karlmeier und der “6-vor-9”-Kurator analysieren bei “Haken dran” den Auftakt des US-Prozesses gegen Meta, in dem die Richterin den Versuch des Social-Media-Konzerns, den ehemaligen Mitarbeiter und Kronzeugen Arturo Béjar per Verfahrensantrag auszuschließen, abgewiesen habe. Béjar belaste die Unternehmensführung schwer. Er werfe Mark Zuckerberg vor, Profit und Verweildauer über den Schutz Minderjähriger gestellt zu haben. Außerdem geht es um die Untersuchungen gegen TikTok wegen riskanter Algorithmen-Tests bei Jugendlichen, um Metas smarte Kamerabrillen sowie um die Kontroverse um die W-Social-Plattformchefin Anna Zeiter.

Parasitärer “KI-Journalismus”, Verzerrtes Bild, Buchzerstörer

1. “Einigkeit ist keine Neuigkeit”? – Wie Politikjournalismus den Sachfokus stärken kann
(dfjv.de, Gunter Becker)
Für das Magazin des Deutschen Fachjournalisten-Verbands analysiert Gunter Becker anhand von Debatten der Digitalkonferenz re:publica und eines Interviews mit Journalistik-Professor Tanjev Schultz die strukturellen Fehlentwicklungen im Politikjournalismus. Getrieben von Aufmerksamkeitsdruck fokussiere sich die Berichterstattung oft übermäßig auf Personalstreitigkeiten, Skandalisierungen und demoskopische Momentaufnahmen. Als Gegenmittel plädiert Becker für eine Stärkung des politischen Fachjournalismus.

2. So weit sind wir schon mit dem «KI»-«Journalismus»
(infosperber.ch, Marco Diener)
Auf der Schweizer Plattform “Infosperber” kritisiert Marco Diener das neu gestartete Nachrichtenportal “We-News” als extremes Beispiel für parasitären “KI-Journalismus”. Das von einem Unternehmen in Hongkong betriebene Portal lasse Texte automatisiert aus etablierten Medien zusammenkopieren und stelle ihnen fiktive Autorenprofile zur Seite. Zudem bebildere das Angebot reale Nachrichtenereignisse mit frei erfundenen, fehlerhaften KI-Grafiken.

3. Marieke Reimann kritisiert verzerrtes Bild von Ostdeutschland
(ndr.de, Alexandra Friedrich)
Die Journalistin und Autorin Marieke Reimann kritisiert im Gespräch mit dem NDR die anhaltende mediale Schieflage in der Berichterstattung über Ostdeutschland. Überregionale Medien würden ostdeutsche Realitäten oft auf Krisen, Jubiläen oder klischeehafte Abweichungen von einer westdeutschen Norm reduzieren. Zudem spiegele die deutliche Unterrepräsentation ostdeutscher Führungskräfte in Medienredaktionen ein gesamtgesellschaftliches Elitendefizit wider.

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4. Land­ge­richt Ham­burg ver­bietet Absch­reiben bei LTO
(lto.de, Simon Morgenstern)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) in eigener Sache berichtet, habe das Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung einen Onlineartikel der “Berliner Zeitung” verboten, da dieser wesentliche Elemente einer Urteilsbesprechung von “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann übernommen und damit dessen Urheberrechte verletzt habe. Das Gericht habe klargestellt, dass auch journalistische Gebrauchstexte unter den Schutz der sogenannten “kleinen Münze” fallen, sofern sich in Struktur, Wertung und Kontextualisierung die schöpferische Leistung des Autors wiederfinde.

5. Moldawiens Medienlandschaft: pluralistisch, fragil und unter Druck
(de.ejo-online.eu, Victor Gotisan)
Der Journalist und Medienforscher Victor Gotisan analysiert für das “Europäische Journalismus-Observatorium” die moldauische Medienlandschaft, die trotz guter Platzierungen in internationalen Pressefreiheits-Rankings von gravierenden strukturellen Schwächen geprägt sei. Ein extrem kleiner Werbemarkt führe zu einer prekären Abhängigkeit von ausländischen Fördermitteln. Außerdem würden Personalmangel, unzureichende Ausbildungskapazitäten und Einschüchterungen die redaktionelle Arbeit belasten.

6. Heimliches KI-Training: Amazon zerstört massenhaft alte Bücher
(derstandard.at, Peter Zellinger & Shiva Swist-Standl)
Anscheinend kaufe Amazon im großen Stil gedruckte Bücher auf, um Trainingsmaterial für eigene KI-Modelle zu gewinnen. In einem Logistikzentrum im US-Bundesstaat Nevada würden den Werken die Rücken abgeschnitten, um sie automatisiert einzuscannen und anschließend zu vernichten. Die systematischen Aufkäufe seltener und wissenschaftlicher Buchbestände durch Zwischenhändler seien mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum und in Österreich deutlich spürbar.

Vorwürfe gegen Facebook-Mutter, KI-Betrug, Der mit den Medien tanzt

1. Schwere Vorwürfe gegen Facebook-Mutter zum Auftakt von Milliardenprozess
(spiegel.de)
In Kalifornien habe ein wegweisender Prozess mehrerer US-Bundesstaaten gegen den Social-Media-Konzern Meta begonnen. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, Minderjährige durch gezielte Design-Mechanismen wie Endlos-Scrollen oder Benachrichtigungsfluten systematisch abhängig und psychisch krank gemacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft verlange neben strukturellen Änderungen Strafzahlungen in Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar. Meta weise die Anschuldigungen zurück.

2. Schmeichelnd, wortgewandt und fake
(taz.de, Sara Piazza)
In einem persönlichen Erfahrungsbericht schildert Sara Piazza, wie Onlinebetrüger vermehrt Journalistinnen und Journalisten sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit KI-generierten Phishing-Kampagnen ins Visier nehmen. Mittels elaborierter, schmeichelhafter Analysen und gefälschter Einladungen zu Literaturfestivals würden die Kriminellen versuchen, Medienschaffenden Geld abzuluchsen. Piazza kommentiert: “Wenn man dazu bedenkt, dass es heutzutage durch aggressive Self-Publishing-Kolosse wie Amazon sehr einfach geworden ist, ein Buch ganz ohne Verlag online zu stellen, versteht man, dass die Scammer immer mehr potenzielle Opfer finden.”

3. Richtig lesen – aber wie?
(kontextwochenzeitung.de, Pauline Ammon)
Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart habe ihren Rückzug von allen Social-Media-Kanälen bekanntgegeben. Ausgerechnet dieser Social-Media-Post habe viel Aufmerksamkeit erfahren. Die Einrichtung begründe ihren Schritt damit, dass die Plattformlogiken und verkürzten Zuspitzungen dem Bildungsauftrag widersprächen und die gesellschaftliche Lesekompetenz schwächen würden. Pauline Ammon kommentiert: “Hinter dem Schritt mögen noble Gründe stehen, die schwindenden Lesefähigkeiten sind ein offenes Problem. Aber ein Lösungsansatz wird durch den Rückzug nicht ersichtlich. Und so liest sich das Statement zum Abschied vor allem als Eingeständnis von Resignation.”

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4. Face­book hat ver­bo­tene Posts nicht vor­sätz­lich langsam gelöscht
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe ein gegen den Meta-Konzern verhängtes Ordnungsgeld wegen der verspäteten Löschung von drei verbotenen Facebook-Beiträgen von 100.000 auf 75.000 Euro reduziert. Die beanstandeten Posts hätten rechtswidrige Falschbehauptungen über einen israelischen Soldaten enthalten und seien trotz gerichtlicher Untersagung über zwei Wochen lang online abrufbar geblieben. Während das Landgericht noch von vorsätzlicher Missachtung ausgegangen sei, habe das OLG das Versäumnis nur als grob fahrlässig eingestuft.

5. 7 Tipps für starke Personenmarken im Journalismus
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Im Blog der Medientage München beschreibt Lisa Priller-Gebhardt anhand des “Handelsblatt”-Projekts “Editorial Voices”, wie Redaktionen gezielt journalistische Personenmarken aufbauen. Entscheidend für den Erfolg seien unter anderem eine klare strategische Zielsetzung, die Identifikation von Fachthemen sowie die passgenaue Kanalwahl.

6. Zum 60. Geburtstag von Armin Wolf: Der mit den Medien tanzt
(derstandard.de, Hans Rauscher)
Anlässlich des 60. Geburtstags von Journalist und ORF-Moderator Armin Wolf würdigt Hans Rauscher im “Standard” nicht nur Wolfs prägende Interviewführung, sondern vor allem dessen Rolle als medienpolitischer und ethischer Vordenker. Rauscher zeichnet Armin Wolfs Haltung zu journalistischer Unparteilichkeit nach: Echter Qualitätsjournalismus dürfe sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen und müsse klare Kante für demokratische Grundwerte, Menschenrechte und Fakten zeigen.

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