Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Springers Politwerbung, Küche als Frontlinie, Softpower Musikdoku

1. MABB beanstandet politische Werbung in Springer-Podcast
(medien.epd.de)
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) habe auf Beschluss der Kommission für Zulassung und Aufsicht erstmals in Deutschland politische Werbespots in einem Podcast beanstandet. Das Verfahren richte sich gegen einen reichweitenstarken Politikpodcast der Axel Springer Deutschland GmbH, in dem bezahlte Werbung zum deutschen Gesundheitssystem mit klarem politischem Bezug ausgestrahlt worden sei. Gemäß Medienstaatsvertrag sei politische Werbung im Rundfunk sowie in rundfunkähnlichen Telemedien unzulässig.

2. US-Finanzministerium verwehrt Journalisten Akkreditierung für G20-Treffen
(spiegel.de)
Als Gastgeber des G20-Finanzministertreffens in Asheville habe das US-Finanzministerium mehreren Berichterstattern der “New York Times”, des “Wall Street Journal” und von “Bloomberg News” die Akkreditierung verweigert. Die betroffenen Medienhäuser hätten den Schritt als gezielten Versuch der Trump-Administration, sich öffentlicher Kontrolle zu entziehen und die Pressefreiheit zu untergraben, kritisiert. Der Vorfall reihe sich ein in eine fortlaufende Serie von juristischen Schritten, verbalen Angriffen und Subventionskürzungen der US-Regierung gegen kritische Medien.

3. Ringier bindet sich an OpenAI – aber Redaktionen behalten das letzte Wort
(kress.de, Marc Bartl)
Das Schweizer Medien- und Technologieunternehmen Ringier habe eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI geschlossen, um KI-Werkzeuge wie ChatGPT Enterprise gruppenweit in Redaktionen, auf Marktplatz-Plattformen und in IT-Teams zu integrieren. Laut Ringier-CEO Marc Walder diene die Technologie als Unterstützung für Arbeitsabläufe wie Recherche und Strukturierung, ersetze jedoch nicht das menschliche Urteilsvermögen und die redaktionelle Verantwortung für Veröffentlichungen. Der Enterprise-Vertrag garantiere eine Datenspeicherung innerhalb Europas und sehe ausdrücklich keine Lizenzierung von verlagseigenen Inhalten für das KI-Training vor.

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4. Die Tradwife: Wenn die Küche zur Frontlinie wird
(correctiv.org, Viera Zuborova)
“Correctiv” hat analysiert, wie autoritäre Regime und konservative Regierungen, insbesondere in Russland, Polen, Serbien und der Slowakei, das Phänomen der “Tradwife” als metapolitisches Instrument und Vorfeld-Propaganda nutzen. Im westlichen Social-Media würde die traditionelle Hausfrauen- und Mutterrolle oft als lifestylegetriebene, freie Entscheidung inszeniert. Im post-sozialistischen und autokratischen Kontext gehe es eher um den Abbau von Frauenrechten und die Einschränkung der reproduktiven Selbstbestimmung.

5. Die “Soft Power” des Musikdokumentarfilms
(de.ejo-online.eu, Yana Kuznietsova)
Klassische Kritiken von Musikalben lese im Streamingzeitalter kaum noch jemand. Ukrainische Musikjournalistinnen und -journalisten hätten deshalb umgesattelt und würden nun aufwendige Video-Essays und Dokus drehen, etwa beim Onlinemagazin “Slukh”. Statt nur Promis zu interviewen, würden sie in Archiven wühlen, Vorurteile über die eigene Kultur abbauen und vergessene Musikperlen wie beispielsweise den Funk der 1970er-Jahre zeigen. Das stärke nicht nur das eigene Selbstbewusstsein im Land, sondern wirke auch international als Botschafter.

6. “In der Unterhaltung sind echte Innovationen selten geworden”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit der eigenen Plattform zieht “DWDL”-Redakteur und Fernsehpreis-Juror Alexander Krei Bilanz und stellt fest, dass echte Innovationen auf der großen TV-Bühne aufgrund des Spardrucks Mangelware geworden seien. Frischen Wind gebe es vor allem im Reality-Bereich durch Formate mit neuem Dreh oder ohne Krawall sowie durch gelungene Modernisierungen etablierter Comedymarken wie “TV total” oder der “heute-show”. Krei wünscht sich für die Branche mehr Mut zu guten Ideen mit kleineren Budgets.

Eine Million pro Monat, Superlativ ist nicht super, Ave Maria in der Endzone

1. “Exxpress”-Schwesterportal “Nius” kostet Financier Gotthardt eine Million Euro pro Monat
(derstandard.at, Harald Fidler)
Der deutsche Software-Unternehmer Frank Gotthardt habe gegenüber der “Zeit” (nur mit Abo lesbar) offengelegt, dass ihn die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Plattform “Nius” monatlich rund eine Million Euro oder mehr koste. Die Betreibergesellschaft halte zudem die Mehrheit am österreichischen Onlineportal “Exxpress”. Trotz kumulierter Verluste im zweistelligen Millionenbereich in den vergangenen Jahren verteidige Gotthardt sein finanzielles Engagement als Gegenpol zum aus seiner Sicht belehrenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

2. Was sollte das eigentlich? Vor 5 Jahren startete Bild TV
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Fünf Jahre nach dem Sendestart von “Bild TV” rekapituliert Thomas Lückerath das Scheitern des linearen TV-Projekts des Axel-Springer-Verlags: “Boulevard-Journalismus der ‘Bild’ funktioniert maßgeblich über Zuspitzung in Schlagzeilen. Legendär sind Titelseite a la ‘Wir sind Papst’. Schlagzeilen, egal ob online oder gedruckt, die bleiben. Doch in mehrstündigen Live-Strecken versendet sich Gesagtes, lässt sich nur bedingt wiederholen. Bild TV lieferte viel Sendestrecke, aber das Medium lässt weniger Pointierung zu.”

3. Und am Wochenende ist Disco mit Peter
(taz.de, Doris Akrap)
Doris Akrap porträtiert die Magdeburger “Volksstimme” und deren Redaktionsalltag unter Chefredakteur Marc Rath. Trotz des digitalen Medienwandels und anhaltender Auflagenverluste behaupte sich das Blatt als auflagenstärkste Regionalzeitung Sachsen-Anhalts. Die Redaktion sehe sich und ihren bodenständigen Lokaljournalismus auch gegenüber politischem Druck und gesellschaftlichen Spannungen gut gerüstet.

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4. Juristin Brosius-Gersdorf fordert besseren Schutz vor Hass im Netz
(zeit.de)
Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf spreche sich im Interview mit dem “Tagesspiegel” für schärfere gesetzliche Vorgaben gegen Hetze und Desinformation auf Onlineplattformen aus. Soziale Netzwerke seien zwar ein demokratischer Gewinn für die freie Meinungsäußerung, brächten durch Anonymität jedoch erhebliche Gefahren mit sich. Sie plädiere daher für eine Verpflichtung der Plattformen, bei der Registrierung Klarnamen und Adressen der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen. Dies ermögliche später einen Auskunftsanspruch.

5. Medien und Boulevard: Der Superlativ ist nicht super
(fr.de, Tanjev Schultz)
Journalistik-Professor Tanjev Schultz kritisiert in seinem Beitrag für die “Frankfurter Rundschau” den inflationären Einsatz von Superlativen und Zuspitzungen in der Berichterstattung verschiedener Medien. Anhand von Artikeln über die vermeintlich “gefährlichste Schule Deutschlands” oder Schlagzeilen, die einzelne Politiker zum “gefährlichsten Mann” des Landes erklären, warnt Schultz vor einer Erosion journalistischer Standards. Die permanente Skandalisierung und Personalisierung führe zu einer sprachlichen Verrohung und drohe, das Publikum abzustumpfen.

6. Kinder von Robin Williams kämpfen gegen KI-Williams auf Social Media – bei Social Media
(spiegel.de)
Zwölf Jahre nach dem Tod von Schauspieler Robin Williams hätten seine drei Kinder den seit 628 Wochen stillgelegten Instagram-Account ihres Vaters reaktiviert. Sie würden der Flut an KI-generierten Fälschungen, die Stimme und Aussehen des Komikers imitieren, ein authentisches, verlässliches Archiv entgegensetzen wollen. Tochter Zelda Williams sehe darin die beste Handhabe, um das künstlerische Erbe ihres Vaters vor Verwässerung und Missbrauch zu schützen.

7. Ave Maria in der Endzone (mit Lorenz Meyer)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:02:44 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Gavin Karlmeier und der “6-vor-9”-Kurator analysieren bei “Haken dran” den Auftakt des US-Prozesses gegen Meta, in dem die Richterin den Versuch des Social-Media-Konzerns, den ehemaligen Mitarbeiter und Kronzeugen Arturo Béjar per Verfahrensantrag auszuschließen, abgewiesen habe. Béjar belaste die Unternehmensführung schwer. Er werfe Mark Zuckerberg vor, Profit und Verweildauer über den Schutz Minderjähriger gestellt zu haben. Außerdem geht es um die Untersuchungen gegen TikTok wegen riskanter Algorithmen-Tests bei Jugendlichen, um Metas smarte Kamerabrillen sowie um die Kontroverse um die W-Social-Plattformchefin Anna Zeiter.

Parasitärer “KI-Journalismus”, Verzerrtes Bild, Buchzerstörer

1. “Einigkeit ist keine Neuigkeit”? – Wie Politikjournalismus den Sachfokus stärken kann
(dfjv.de, Gunter Becker)
Für das Magazin des Deutschen Fachjournalisten-Verbands analysiert Gunter Becker anhand von Debatten der Digitalkonferenz re:publica und eines Interviews mit Journalistik-Professor Tanjev Schultz die strukturellen Fehlentwicklungen im Politikjournalismus. Getrieben von Aufmerksamkeitsdruck fokussiere sich die Berichterstattung oft übermäßig auf Personalstreitigkeiten, Skandalisierungen und demoskopische Momentaufnahmen. Als Gegenmittel plädiert Becker für eine Stärkung des politischen Fachjournalismus.

2. So weit sind wir schon mit dem «KI»-«Journalismus»
(infosperber.ch, Marco Diener)
Auf der Schweizer Plattform “Infosperber” kritisiert Marco Diener das neu gestartete Nachrichtenportal “We-News” als extremes Beispiel für parasitären “KI-Journalismus”. Das von einem Unternehmen in Hongkong betriebene Portal lasse Texte automatisiert aus etablierten Medien zusammenkopieren und stelle ihnen fiktive Autorenprofile zur Seite. Zudem bebildere das Angebot reale Nachrichtenereignisse mit frei erfundenen, fehlerhaften KI-Grafiken.

3. Marieke Reimann kritisiert verzerrtes Bild von Ostdeutschland
(ndr.de, Alexandra Friedrich)
Die Journalistin und Autorin Marieke Reimann kritisiert im Gespräch mit dem NDR die anhaltende mediale Schieflage in der Berichterstattung über Ostdeutschland. Überregionale Medien würden ostdeutsche Realitäten oft auf Krisen, Jubiläen oder klischeehafte Abweichungen von einer westdeutschen Norm reduzieren. Zudem spiegele die deutliche Unterrepräsentation ostdeutscher Führungskräfte in Medienredaktionen ein gesamtgesellschaftliches Elitendefizit wider.

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4. Land­ge­richt Ham­burg ver­bietet Absch­reiben bei LTO
(lto.de, Simon Morgenstern)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) in eigener Sache berichtet, habe das Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung einen Onlineartikel der “Berliner Zeitung” verboten, da dieser wesentliche Elemente einer Urteilsbesprechung von “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann übernommen und damit dessen Urheberrechte verletzt habe. Das Gericht habe klargestellt, dass auch journalistische Gebrauchstexte unter den Schutz der sogenannten “kleinen Münze” fallen, sofern sich in Struktur, Wertung und Kontextualisierung die schöpferische Leistung des Autors wiederfinde.

5. Moldawiens Medienlandschaft: pluralistisch, fragil und unter Druck
(de.ejo-online.eu, Victor Gotisan)
Der Journalist und Medienforscher Victor Gotisan analysiert für das “Europäische Journalismus-Observatorium” die moldauische Medienlandschaft, die trotz guter Platzierungen in internationalen Pressefreiheits-Rankings von gravierenden strukturellen Schwächen geprägt sei. Ein extrem kleiner Werbemarkt führe zu einer prekären Abhängigkeit von ausländischen Fördermitteln. Außerdem würden Personalmangel, unzureichende Ausbildungskapazitäten und Einschüchterungen die redaktionelle Arbeit belasten.

6. Heimliches KI-Training: Amazon zerstört massenhaft alte Bücher
(derstandard.at, Peter Zellinger & Shiva Swist-Standl)
Anscheinend kaufe Amazon im großen Stil gedruckte Bücher auf, um Trainingsmaterial für eigene KI-Modelle zu gewinnen. In einem Logistikzentrum im US-Bundesstaat Nevada würden den Werken die Rücken abgeschnitten, um sie automatisiert einzuscannen und anschließend zu vernichten. Die systematischen Aufkäufe seltener und wissenschaftlicher Buchbestände durch Zwischenhändler seien mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum und in Österreich deutlich spürbar.

Vorwürfe gegen Facebook-Mutter, KI-Betrug, Der mit den Medien tanzt

1. Schwere Vorwürfe gegen Facebook-Mutter zum Auftakt von Milliardenprozess
(spiegel.de)
In Kalifornien habe ein wegweisender Prozess mehrerer US-Bundesstaaten gegen den Social-Media-Konzern Meta begonnen. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, Minderjährige durch gezielte Design-Mechanismen wie Endlos-Scrollen oder Benachrichtigungsfluten systematisch abhängig und psychisch krank gemacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft verlange neben strukturellen Änderungen Strafzahlungen in Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar. Meta weise die Anschuldigungen zurück.

2. Schmeichelnd, wortgewandt und fake
(taz.de, Sara Piazza)
In einem persönlichen Erfahrungsbericht schildert Sara Piazza, wie Onlinebetrüger vermehrt Journalistinnen und Journalisten sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit KI-generierten Phishing-Kampagnen ins Visier nehmen. Mittels elaborierter, schmeichelhafter Analysen und gefälschter Einladungen zu Literaturfestivals würden die Kriminellen versuchen, Medienschaffenden Geld abzuluchsen. Piazza kommentiert: “Wenn man dazu bedenkt, dass es heutzutage durch aggressive Self-Publishing-Kolosse wie Amazon sehr einfach geworden ist, ein Buch ganz ohne Verlag online zu stellen, versteht man, dass die Scammer immer mehr potenzielle Opfer finden.”

3. Richtig lesen – aber wie?
(kontextwochenzeitung.de, Pauline Ammon)
Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart habe ihren Rückzug von allen Social-Media-Kanälen bekanntgegeben. Ausgerechnet dieser Social-Media-Post habe viel Aufmerksamkeit erfahren. Die Einrichtung begründe ihren Schritt damit, dass die Plattformlogiken und verkürzten Zuspitzungen dem Bildungsauftrag widersprächen und die gesellschaftliche Lesekompetenz schwächen würden. Pauline Ammon kommentiert: “Hinter dem Schritt mögen noble Gründe stehen, die schwindenden Lesefähigkeiten sind ein offenes Problem. Aber ein Lösungsansatz wird durch den Rückzug nicht ersichtlich. Und so liest sich das Statement zum Abschied vor allem als Eingeständnis von Resignation.”

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4. Face­book hat ver­bo­tene Posts nicht vor­sätz­lich langsam gelöscht
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe ein gegen den Meta-Konzern verhängtes Ordnungsgeld wegen der verspäteten Löschung von drei verbotenen Facebook-Beiträgen von 100.000 auf 75.000 Euro reduziert. Die beanstandeten Posts hätten rechtswidrige Falschbehauptungen über einen israelischen Soldaten enthalten und seien trotz gerichtlicher Untersagung über zwei Wochen lang online abrufbar geblieben. Während das Landgericht noch von vorsätzlicher Missachtung ausgegangen sei, habe das OLG das Versäumnis nur als grob fahrlässig eingestuft.

5. 7 Tipps für starke Personenmarken im Journalismus
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Im Blog der Medientage München beschreibt Lisa Priller-Gebhardt anhand des “Handelsblatt”-Projekts “Editorial Voices”, wie Redaktionen gezielt journalistische Personenmarken aufbauen. Entscheidend für den Erfolg seien unter anderem eine klare strategische Zielsetzung, die Identifikation von Fachthemen sowie die passgenaue Kanalwahl.

6. Zum 60. Geburtstag von Armin Wolf: Der mit den Medien tanzt
(derstandard.de, Hans Rauscher)
Anlässlich des 60. Geburtstags von Journalist und ORF-Moderator Armin Wolf würdigt Hans Rauscher im “Standard” nicht nur Wolfs prägende Interviewführung, sondern vor allem dessen Rolle als medienpolitischer und ethischer Vordenker. Rauscher zeichnet Armin Wolfs Haltung zu journalistischer Unparteilichkeit nach: Echter Qualitätsjournalismus dürfe sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen und müsse klare Kante für demokratische Grundwerte, Menschenrechte und Fakten zeigen.

Streit um TV-Debatte, Das Gehirn merkt es, Ungelöstes Sky-Dilemma

1. Streit um TV-Debatte: NDR wehrt sich gegen Vorwurf von CDU-Generalsekretärin
(n-tv.de)
Der NDR habe Vorwürfe von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann zurückgewiesen, den CDU-Spitzenkandidaten Daniel Peters kurzfristig von einer TV-Debatte zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ausgeladen zu haben. Hoppermann habe in einem Brief kritisiert, dass die Zuspitzung auf ein reines TV-Duell zwischen SPD und AfD den Wählerinnen und Wählern kein umfassendes Bild ermögliche. NDR-Chefredakteur Adrian Feuerbacher habe die Vorwürfe als haltlos bezeichnet und erklärt, dass das zweistufige Sendeformat bereits seit Monaten festgestanden habe und von allen Parteien vorab zugesagt worden sei.

2. Die Fehler häufen sich
(t-online.de, Annika Leister)
In einem Kommentar für den Newsletter “Tagesanbruch” kritisiert t-online.de-Reporterin Annika Leister den gegenwärtigen medialen Umgang mit der AfD. Anhand von Beispielen wie dem “Spiegel”-Cover über Ulrich Siegmund oder Beiträgen im “Focus” beschreibt sie, wie Medien zwischen Dämonisierung und Bagatellisierung schwanken. Was helfen könnte: “die Rückbesinnung auf das journalistische Handwerk: mehr Recherche, weniger über Stöckchen springen.”

3. Den Stift nicht verbieten lassen
(taz.de, Simone Schlindwein)
Die “taz” berichtet über eine weltweite Solidaritätskampagne für Ugandas prominentesten Karikaturisten und Regierungskritiker Jimmy Spire Ssentongo. Nachdem ein Gericht eine Geldstrafe von umgerechnet rund 7.000 Euro oder ersatzweise drei Monate Haft gegen den preisgekrönten Zeichner verhängt hatte, sammelten zivilgesellschaftliche Aktivistinnen und Aktivisten die Summe innerhalb von nur zwei Tagen. Der Fall verdeutliche den zunehmenden juristischen Druck auf Medienschaffende und Regierungskritiker in Uganda, zeige jedoch zugleich den starken Zusammenhalt und Widerstand der dortigen Zivilgesellschaft.

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4. Früher Einstieg in Social Media wirkt sich möglicherweise langfristig schlecht auf Schulleistung aus
(kinderaerzte-im-netz.de)
Eine im Fachjournal “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie untersuche die Auswirkungen eines frühen Social-Media-Einstiegs von Jugendlichen auf deren schulische Leistungen. Die Analyse der Daten von über 5.000 Schülerinnen und Schülern zeige, dass eine frühe Anmeldung bei Plattformen wie TikTok oder Instagram, oft weit vor dem gesetzlichen Mindestalter, mit messbar schwächeren Leistungen in Mathematik und der Landessprache einhergehe.
Weiterer Lesetipp: Auf Facebook zeigt “Statista” einige Daten der aktuellen “DAK Mediensucht-Studie 2026”: “Die pathologische Nutzung sozialer Medien unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt.”

5. Wow: RTL Deutschland und das ungelöste Sky-Dilemma
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
In einer Analyse für “DWDL” beschäftigt sich Thomas Lückerath mit den komplexen strategischen Herausforderungen von RTL Deutschland nach der Übernahme des Pay-TV-Senders Sky. Mit dem schleichenden Abschied vom klassischen Sky-Receiver und dem Fokus auf reine Streamingangebote verschwimme die Abgrenzung zwischen den Angeboten, was bereits intern für Verwirrung sorge. Zudem bringe die Positionierung von Sky Stream als vollwertiger TV-Provider heikle Interessenskonflikte mit wichtigen Partnern wie der Deutschen Telekom mit sich.

6. Fake Medien: Das Gehirn merkt es, es sagt uns nur nichts
(docma.info, Christoph Künne)
In einem Essay für “Docma” analysiert Christoph Künne anhand empirischer und neurowissenschaftlicher Studien, warum Menschen synthetische Medien kaum noch verlässlich von echten Inhalten unterscheiden können. Dies gelte, selbst wenn das Gehirn unterbewusste sensorische Abweichungen registriere. Für Journalistinnen und Journalisten sowie den Journalismus allgemein gewinne die verifizierbare Herkunft, Dokumentation und institutionelle Haftung für Inhalte an Bedeutung.

“FAZ” bedauert Frage, Bedrohte Synchronbranche, Bollywood-Ausflug

1. Tötung russischer Soldaten: FAZ bedauert Frage an Selenskyj
(medien.epd.de)
Der Evangelische Pressedienst berichtet, dass die “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) sich von einer Formulierung ihres Korrespondenten Michael Martens distanziere. Bei einer Pressekonferenz habe Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, wie Europa der Ukraine helfen könne, “mehr russische Soldaten zu töten”. Der Vorfall habe heftige Reaktionen in den Sozialen Medien nach sich gezogen. Die “FAZ” bedauere die “missverständlich formulierte” Frage.

2. Wie KI Synchronsprecher bedroht
(youtube.com, Filmriss, Video: 39:32 Minuten)
In diesem “Filmriss”-Video geht es um den Machtkampf zwischen der deutschen Synchronbranche und dem rasanten Vormarsch generativer Künstlicher Intelligenz. Bekannte Stimmen wie Charles Rettinghaus (unter anderem Jamie Foxx und Leornado DiCaprio), Giuliana Jakobeit (u. a. Keira Knightley) und Peter Flechtner (u. a. Ben Affleck) schildern die emotionale und handwerkliche Tiefe des Synchronschauspiels. Und sie kritisieren das ungefragte und oft rechtswidrige Training von Sprachmodellen mit ihren eigenen Stimmen.

3. Bahn frei für Bahn-Bashing?
(taz.de, Ambros Waibel)
Die “taz” befasst sich mit zwei aktuellen ZDF-Dokumentationen über die Deutsche Bahn (“Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?” sowie “Das Deutsche-Bahn-Desaster”). Beide Dokumentationen zögen am Ende ein ähnliches Fazit: Das Desaster bei der Bahn fungiere als Sinnbild für die verfehlte Infrastrukturpolitik und den Zustand der gesamten Bundesrepublik. “taz”-Redakteur Ambros Waibel erwähnt dabei auch die juristische Auseinandersetzung zwischen der Bahn und dem ZDF über redaktionelle Korrekturen und Fragen der Pressefreiheit.

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4. Wegen Fake News: Angriff auf Sanitäter in Rumänien
(orf.at)
Der ORF berichtet über einen schwerwiegenden Zwischenfall in Rumänien, bei dem Rettungskräfte von einer bewaffneten Gruppe mit Äxten und Steinen angegriffen worden seien. Auslöser sei eine virale Falschnachricht auf TikTok gewesen, laut der Sanitäter in Krankenwägen angeblich kleine Kinder rauben würden. Der ORF-Beitrag thematisiert den konkreten Fall, aber auch die daraus resultierende Debatte über eine stärkere Regulierung und Identitätspflicht in Sozialen Netzwerken.

5. Der Fall Karl Anders und die Frankfurter Rundschau
(journalistik.online, Alf Mayer & Horst Pöttker)
Alf Mayer und Horst Pöttker rekonstruieren das Verdrängen des Verlegers und Widerstandskämpfers Karl Anders aus der Geschichte der “Frankfurter Rundschau”. Anders habe das Blatt Mitte der 1950er-Jahre durch Kredite, kaufmännisches Know-how und den Aufbau des Druckgeschäfts vor dem Konkurs gerettet, sei jedoch nach einem Zerwürfnis mit Mitherausgeber Karl Gerold aus der offiziellen Zeitungschronik gestrichen worden. Die beiden Autoren diskutieren darüber, inwiefern das Ausblenden relevanter Fakten aus der eigenen Hausgeschichte eine Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten darstellt.

6. Mein bester Freund ist Bollywood-Star
(ardmediathek.de, Samuel Häde, Video: 34:00 Minuten)
Die “Y-Kollektiv”-Doku wirft einen Blick auf die Milliarden-Industrie Bollywood: “Y-Kollektiv-Reporter Samuel Häde begleitet seinen besten Freund und Bollywood-Schauspieler Anant Joshi exklusiv durch seinen Alltag – und trifft die deutsche Schauspielerin Lisa-Marie Spiegel, die in Mumbai vom Durchbruch träumt. Er erlebt hautnah, welchen Hype Bollywood-Stars in Indien auslösen und wirft einen Blick hinter die Kulissen auf die Menschen, die die Traumfabrik unter harten Arbeitsbedingungen am Laufen halten.”

Katastrophe von Ceuta, Social-Media-Verbot, Journalismus mit Lösung

1. Wie es zur Katastrophe von Ceuta kam
(belltower.news, Patrick Gensing)
Patrick Gensing argumentiert in einem Beitrag für “Belltower News”, dass die Katastrophe von Ceuta mit mindestens 88 Toten das tödliche Potenzial von Desinformation offenbart habe. Gezielte Falschmeldungen über ein spanisches Gerichtsurteil hätten die falsche Hoffnung geweckt, die Grenze sei offen. Dies habe zu lebensgefährlichen Handlungsanweisungen in Sozialen Netzwerken geführt. Gensing betont, dass Desinformation kein reines Wissens- oder Medienkompetenzproblem sei, sondern seine größte Sprengkraft dort entfalte, wo Armut herrscht.

2. Fünf erste Lehren aus dem Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine erste offizielle Evaluation des im Dezember 2025 gestarteten australischen Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren liefere laut netzpolitik.org keine Hinweise auf einen echten Erfolg der Maßnahme. Die meisten betroffenen Minderjährigen seien weiterhin auf Plattformen wie TikTok oder Instagram aktiv, da die Betreiber das Alter der Nutzerinnen und Nutzer nur punktuell überprüfen oder Kontrollen mit einfachen Mitteln wie falschen Altersangaben, VPNs oder der Hilfe von Eltern umgangen würden. Zudem würden viele Jugendliche auf Messenger oder Online-Games ausweichen.

3. Trump weist Berichte über Munitionsknappheit zurück
(taz.de)
US-Präsident Donald Trump habe Medienberichte über angebliche Engpässe bei Waffen und Munition infolge des Irankriegs scharf zurückgewiesen und den Urhebern vertraulicher Leaks mit langjährigen Haftstrafen gedroht. Wie die dpa unter Berufung auf Beiträge von CNN und der “Washington Post” berichtet, hätten Journalisten zuvor gemeldet, dass das US-Militär erhebliche Teile seiner Vorräte an Abfang- und Präzisionsraketen aufgebraucht habe.

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4. US-Gericht verdonnert Meta wegen Gefährdung von Kindern zu 567 Millionen US-Dollar Strafe
(spiegel.de)
Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico habe den Facebook-Mutterkonzern Meta zur Zahlung von 567 Millionen US-Dollar verurteilt. Meta gefährde die psychische Gesundheit von Jugendlichen und schütze sie nur unzureichend vor sexueller Ausbeutung, so das Gericht. Die Entscheidung folge der zweiten Phase eines richtungsweisenden Verfahrens. Bereits im März sei das Unternehmen zur Zahlung von 375 Millionen US-Dollar Schadensersatz verurteilt worden, womit sich der Gesamtbetrag auf 942 Millionen US-Dollar summiere.

5. “Bunte” muss Gegendarstellung von Karl-Theodor zu Guttenberg veröffentlichen
(sueddeutsche.de)
Das Landgericht Offenburg habe den Burda-Verlag dazu verurteilt, auf der Titelseite der Zeitschrift “Bunte” eine Gegendarstellung des ehemaligen Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg zu veröffentlichen. Anlass sei eine Schlagzeile aus dem Juli, in der fälschlicherweise über ein “Liebes-Aus” zwischen Guttenberg und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche berichtet worden sei. Die Kosten des Rechtsstreits trage der Burda-Verlag.

6. “Spiegel” will lösungsorientierten Journalismus stärken
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der “Spiegel” verstärke unter dem Label “Spiegel Solutions” seine Berichterstattung über lösungsorientierte Ansätze in Politik und Gesellschaft. Wie “DWDL” berichtet, soll die von Autorin Susanne Beyer vorangetriebene Initiative in allen Ressorts aufzeigen, wo gesellschaftliche Ansätze gelingen, ohne dabei den kritischen Blick auf Missstände aufzugeben. Als neues Format werde ein Streitgespräch in Form einer “Mediation” eingeführt, bei der gegensätzliche Diskutanten nach gemeinsamen Schnittmengen suchen. Den Auftakt bilde das Aufeinandertreffen von Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer und dem CDU-Politiker Sepp Müller (nur mit Abo lesbar).

Russland desinformiert, Weniger Frauen, KI-Bücher fluten den Markt

1. Russland verstärkt vor Landtagswahlen offenbar Desinformation
(spiegel.de)
Russland habe seine zentral gesteuerten Desinformations-Aktionen im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern drastisch verschärft. Die Kampagnen würden darauf abzielen, etablierte Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP) sowie Lokalpolitikerinnen und -politiker durch gefälschte Medienbeiträge gezielt zu diskreditieren und das politische Klima zu polarisieren.

2. Weniger Frauen in Führungspositionen
(verdi.de)
Eine aktuelle Auswertung des Vereins ProQuote Medien zeige, dass der Frauenanteil in den Führungsspitzen der Leitmedien seit dem Höchststand im Jahr 2023 kontinuierlich sinke. Die Vorstandsvorsitzende Helena Ott warne vor einem anhaltenden Abwärtstrend, der die mühsam erkämpfte Repräsentation von Frauen im Journalismus gefährde. Während die “taz” mit einem Frauenmachtanteil von knapp 62 Prozent weiterhin den Spitzenplatz belege, hätten andere Medienhäuser wie die “Süddeutsche Zeitung”, die “Welt” oder die “Zeit” Verluste verzeichnet.

3. Die Vermutung war richtig: Was eine neue Studie über KI-Bücher auf Amazon beweist
(buchmarkt.de, Patrick Meier)
Ein Forschungsteam habe in der Preprint-Studie “Generative AI floods and dilutes the market for books” anhand von über 14.000 selbstveröffentlichten E-Books nachgewiesen, dass die Flut KI-generierter Titel den Buchmarkt auf Amazon KDP massiv verwässert. Wie Patrick Meier berichtet, sei das Titelangebot zwischen 2023 und 2026 etwa um das 38-Fache gewachsen, während der Gesamtumsatz nur um das rund Neunfache gestiegen sei. Der Umsatz pro verkauftem Buch sei dadurch auch bei Titeln ohne KI-Anteil um durchschnittlich ein Fünftel gefallen. Besonders stark treffe dieser Verdrängungseffekt den Abodienst Kindle Unlimited.

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4. Klimaskepsis durch »Alternativmedien«? (PDF)
(journalistik.online, Luis Paulitsch)
Eine Fachuntersuchung des Medienethikers Luis Paulitsch in der Zeitschrift “Journalistik” analysiert die systematischen Methoden deutschsprachiger rechtsalternativer Medien zum Schüren von Klimaskepsis und Ablehnung der Energiewende. Anhand von Faktenchecks etablierter Prüforganisationen identifiziert der Autor vier zentrale Muster: “(1) Angriffe gegen klimawissenschaftlichen Konsens; (2) unseriöse Quellen und »Experten«; (3) irreführende Wiedergabe; (4) Diskreditierung politischer Gegner:innen.”

5. Audio oder Video? Wie sich Podcasting durch Plattformen verändert
(dfjv.de, Brigitte Hagedorn)
Die Podcasting-Landschaft verändere sich durch die wachsende Bedeutung von Videopodcasts und empfehlungsgetriebenen Plattformen wie YouTube oder Spotify nachhaltig. Wie Brigitte Hagedorn ausführt, böten Videopodcasts erhebliche Vorteile bei der Sichtbarkeit, Hörergewinnung und Weiterverwendung von Inhalten als Kurzvideos für Social Media. Dennoch verliere der klassische Audiopodcast aufgrund seiner unkomplizierten Verbreitung via RSS-Feed und seiner Stärke als alltägliches Begleitmedium nicht an Relevanz.

6. Christian Meier wird Weimers neuer Kommunikationschef
(dwdl.de, Alexander Krei)
Christian Meier, langjähriger Medienjournalist und ehemaliger Co-Chefredakteur von “Meedia” sowie Reporter bei der “Welt”, wechsele in die Politik: Er übernehme die Leitung des Kommunikationsstabs bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Meier folge auf Hero Warrings, der das Haus nach rund einem Jahr in Richtung freie Wirtschaft verlasse. Zusammen mit Christiane Uhlig soll Meier künftig die strategische Kommunikation verantworten.

Ceuta-Vorgeschichte, Interaktives Theater, Schlechter Lernfortschritt

1. Marokko sieht die Schuld bei Sozialen Medien
(tagesschau.de, Stefan Ehlert)
Nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta habe Marokkos Innenministerium Stellung bezogen und die Verantwortung vor allem auf gezielte Falschinformationen im digitalen Raum zurückgeführt. Wie ARD-Korrespondent Stefan Ehlert berichtet, seien den Ereignissen Aufrufe und Kampagnen auf TikTok, Facebook und Instagram über eine vermeintlich mühelose Einreise vorausgegangen.

2. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung wegen Arti­kel­serie über Helene Fischers Mut­ter­schaft
(lto.de, Xenia Piperidou)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass die Veröffentlichung einer sechsteiligen Artikelserie mit heimlich aufgenommenen Babyfotos von Helene Fischer in verschiedenen Magazinen desselben Verlags zwar rechtswidrig gewesen sei, der Sängerin jedoch kein Anspruch auf Geldentschädigung zustehe. Eine Entschädigung bei mehreren weniger schweren Eingriffen setze eine “wiederholte und hartnäckige” Verletzung des Persönlichkeitsrechts voraus. Da alle betroffenen Artikel erschienen seien, bevor dem Verlag die erste einstweilige Verfügung zugegangen sei, habe es an dieser Voraussetzung gefehlt, so das Gericht.

3. Frühes Social-Media-Konto = schlechtere Schulleistung?
(spiegel.de)
Eine im Fachblatt “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie der Universität Milano-Bicocca zeige, dass Jugendliche, die bereits ab der sechsten bis achten Klasse ein Social-Media-Konto besitzen, in standardisierten Leistungstests in Mathematik und der Muttersprache signifikant schlechter abschneiden als Mitschüler, die mindestens bis zur neunten Klasse (circa 14 bis 15 Jahre) damit warten. Dieser Leistungsunterschied entspreche laut Experten dem Lernfortschritt eines halben Schuljahres.

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4. Über Trauma sprechen: Interaktives Theater bereitet Journalismusstudierende vor
(de.ejo-online.eu, Glenda Cooper)
Die interaktive Methode des Forumtheaters lasse sich wirksam einsetzen, um Journalismusstudierende auf die emotionale und ethische Belastung von Trauma-Interviews vorzubereiten. Eine Begleitstudie zu mehrjährigen Workshops zeige, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Rollenspiele und einen Perspektivwechsel nicht nur vorgefasste Vorurteile hinterfragen, sondern auch praktische Empathie und Vertrauen aufbauen können. Der geschützte Raum helfe den Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, sensible Interviewtechniken zu entwickeln.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 259
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christina Elmer)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche schlägt einen Bogen von anstehenden Fachveranstaltungen bis hin zu medienpolitischen Entwicklungen. So stehe im September die 10. SciCAR-Konferenz in Dortmund an, die sich mit datenbasiertem Journalismus, KI-Anwendungen und der Kooperation zwischen Wissenschaft und Medien befasse. Zudem thematisiert der Newsletter aktuelle Stipendienprogramme für Lokal- und Klimarecherchen, Warnungen vor veränderten US-Visabestimmungen für ausländische Medienschaffende sowie neue Fortbildungs- und Unterstützungsangebote.

6. News-Charts: Wer Ikkimel vom TikTok-Thron verdrängte
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” hat Simon Pycha die aktuellen News-Charts auf TikTok zusammengestellt: Die “Tagesschau” habe sich in der Juli-Analyse der meistgesehenen journalistischen TikTok-Accounts den ersten Platz gesichert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen RTL West sowie “ZDFheute”. Neben dem Jugendwort des Jahres seien im Juli vor allem Blaulichtreportagen, Warnungen vor Vibrionen und Beiträge zu neuen Geldschein-Designs die reichweitenstärksten Themen gewesen.

Kanzleramt vs. Abgeordnetenwatch, Bahn kritisiert ZDF-Doku, Comedy

1. Wie das Kanzleramt gegen abgeordnetenwatch vorgeht
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Die Bundesregierung plane, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv einzuschränken. Doch bereits jetzt sei der Zugang zu Informationen oftmals erschwert. So erhebt die Organisation “Abgeordnetenwatch” in einem Text in eigener Sache schwere Vorwürfe gegen das Bundeskanzleramt: “Vor Gericht versucht das Kanzleramt schon jetzt, den Zugang zu Unterlagen zu erschweren – und behauptet: abgeordnetenwatch hat seinen eigenen IFG-Antrag gar nicht selbst gestellt.”

2. Deutsche Bahn kritisiert Hayali-Doku im ZDF als “unseriös”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Deutsche Bahn habe die am Dienstag ausgestrahlte ZDF-Dokumentation “Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?” von Dunja Hayali als “unseriös” und einseitig kritisiert. Der Film klammere Fortschritte aus, beruhe auf unzutreffenden Zahlen und stelle unfaire Vergleiche an. Das ZDF weise die Hauptkritik zurück und betone die journalistische Sorgfalt. Man habe jedoch online in der Streamingfassung nachträglich Korrekturen an Grafiken und Zahlenangaben vorgenommen.

3. Kulturstaatsminister Weimer will europäische Eigentümerstruktur für TikTok
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordere die Überführung der Social-Media-Plattform TikTok in eine europäische Eigentümerstruktur. Weimer sehe in einem “TikTok Europa” den effektivsten Weg, um europäisches Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzrecht gegenüber der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance durchzusetzen. Seine Kritik richte sich gegen den uneingeschränkten Zugriff chinesischer Behörden auf die Daten europäischer Nutzerinnen und Nutzer sowie gegen die Gratisnutzung journalistischer Inhalte.

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4. Erfolg für “New York Times” bei Streit mit Trump-Regierung
(taz.de)
Das US-Justizministerium habe nach juristischem Widerstand der “New York Times” (“NYT”) Vorladungen gegen mehrere Reporter zurückgezogen. Die Bundesstaatsanwaltschaft habe versucht, die Journalisten nach Enthüllungen über Sicherheitsmängel an der neuen Präsidentenmaschine von Donald Trump zur Aussage vor einer Grand Jury zu zwingen. Die “NYT” habe den Schritt als rechtswidrigen Einschüchterungsversuch kritisiert. Der zuständige Richter habe mit einer Nichtigkeitserklärung der Vorladungen gedroht, bevor die US-Regierung schließlich eingelenkt habe.

5. Das Comedy-Grundgesetz
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist formuliert in seinem Branchen-Newsletter “Setup/Punchline” 15 Thesen als “Comedy-Grundgesetz”. Er fordert darin, Stand-up-Comedy als eigenständige Handwerks- und Kunstform ernst zu nehmen. Sie müsse nach ihren formalen sowie strukturellen Kriterien und nicht bloß nach moralischen Aussagen oder bloßen Themen bewertet werden. Außerdem kritisiert Hiergeist das deutsche Feuilleton für dessen ahistorisches Verständnis und die reflexhaften Tucholsky-Zitate (“Satire darf alles”).
Weiterer Hörtipp: In Holger Kleins Podcast “Wrint” geht es fast zwei Stunden um “Geschichten aus dem Joke-Bergwerk” mit Bernhard Hiergeist (wrint.de, Audio: 1:44:48 Stunden).

6. Fame & Verlogen – Warum Influencer ständig lügen
(youtube.com, Sashka, Video: 19:52 Minuten)
Die Creatorin Sashka beschäftigt sich mit dem aktuellen Skandal um die Medfluencerin Alina Walbrunn, die auf einen Prank des YouTubers Marvin Wildhage reingefallen sei und für eine erfundene Krankheit (“postvirale nasale Hypersensibilität”) geworben habe. Sashka wertet Walbrunns bisherige Auffälligkeiten als Symptom eines strukturellen Problems in der Influencer-Blase.

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