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“Bild”-Leser wissen mehr

Eine Gruppe von Deutschen hat in Bahrain einen russischen Spaceshuttle entdeckt, der dort unbeachtet in der arabischen Wüste vor sich hin lag. Es soll eine Sensation sein. Schön. Irgendwie ein Grund zur Freude.

Ganz besonders für die “Bild”-Zeitung, denn die drei Jungs, die so clever waren, dem Kronprinzen Scheich Salman bin Hamad al-Khalifa das Geheimnis zu entlocken, waren nicht irgendwelchen Deutschen, nein:

Jetzt haben BILD-Leser einen der russischen Raumgleiter in der arabischen Wüste gefunden!

Glückwunsch. Wohl dem Blatt, das so weitgereiste und geschickte Leser hat. Wer herausfinden will, wie diese Leute dazu kamen, mal eben so mit dem Kronprinzen zu plaudern (“Guten Tag, wir sind “Bild”-Leser und wollen Herrn Scheich Salman bin Hamad al-Khalifa sprechen, bitte”?), wird in dem “Bild”-Artikel allerdings nicht fündig. “Spiegel Online” jedoch hat dazu ein paar Antworten:

Ein Düsseldorfer TV-Team stieß bei Dreharbeiten zur Formel 1 in Bahrein zufällig auf das Gerücht vom russischen Spaceshuttle…

Genauer gesagt handelt es sich um die Firma von Chris G. Meier, der sonst für “Blitz”, “taff”, “RTL-Explosiv” etc. arbeitet.

Aber wer weiß, womöglich ist er auch “Bild”-Leser.

Danke an die BILDBlog-Leser Patrick C. und Simon R.

Sieben Monate später

Es sind ja nicht alle “Bild”-Geschichten falsch. Manche sind einfach nur alt.

17. Februar 2004, MSNBC:

4. März 2004, CBS:

14. März 2004, Spiegel Online:

23. September 2004, Bild:

Danke an Oliver B.!

Ja, wir können beamen!

Hans Bewersdorff, der Mann, der uns Schlagzeilen brachte wie: “NASA entdeckt Musikplanet”, “Kommunikations-Code der Außerirdischen entschlüsselt”, “Knacken Hummer den Code des ewigen Lebens?”, “Pilze haben den Sex erfunden!” und “See-Gurken sind unsere Verwandten!” hat eine neue gute Nachricht für uns:

Nun weiß der aufmerksame “Bild”-Leser, dass Teaser wie “Wie bei Star Trek: Ja, wir können jetzt beamen” meistens bedeuten, dass wir (zumindest noch) nicht beamen können wie bei Star Trek. Und richtig: Am Ende des zugehörigen Artikels hat sich, wie üblich, die Aussage in eine Frage verwandelt:

Beamen wie in „Raumschiff Enterprise“. Wird dieser alte Science-Fiction-Traum jetzt endlich wahr?

Doch dazwischen verleiht “Bild” seiner Meldung mit der Angabe “wie das Fachmagazin ‘Nature’ berichtet” Seriösität. Vielleicht stimmt also wenigstens das Kleingedruckte?

Nö. “Bild” schreibt:

Mit Hilfe von Lichtteilchen (Photonen) transportierten die Forscher Datenmengen über eine Entfernung von mehr als 600 Meter über die Donau. Bei dem in der Fachwelt als Quanten-Teleportation bekannten Vorgang wurden … ohne Kabel oder Funk die in Photon A vorhandene Information wie von Geisterhand auf Photon B am anderen Donauufer übertragen.

Richtig ist: Von Datenmengen kann keine Rede sein und die Formulierung “ohne Kabel” stimmt nur, wenn man das 800 Meter lange Glasfaserkabel vernachlässigt, mit dem Sender und Empfänger verbunden waren und in dem das Experiment stattfand.

Das geglückte Teleportieren scheint trotzdem ein erstaunlicher wissenschaftlicher Durchbruch gewesen zu sein. Aber was die Möglichkeit angeht, dass der “Traum der Menschheit”, wie “Bild” schreibt, wahrwerden könnte: “Augen zu und Sekunden später auf Mallorca wieder aufwachen, vielleicht sogar an einem Südseestrand”, zitieren wir Spiegel Online:

Inzwischen haben Physiker gezeigt, dass dieses Verfahren nicht nur mit Lichtteilchen, sondern auch mit Atomen funktioniert – aber wohl niemals auf größere Gegenstände oder gar komplette Lebewesen angewandt werden kann.

Mist.

Mit sachdienlichen Hinweisen von Marc K. und anderen.

Moderne Märchen

Am 5. August berichtete “Bild” im Zusammenhang mit der Diskussion um längere Arbeitszeiten Beunruhigendes:

Kommt das etwa bald für alle? Als erste Firma in Deutschland hat der Süßwaren-Hersteller Nappo die 60-Stunden-Woche eingeführt! Ab sofort lässt die Firma die 150 Mitarbeiter im Werk Krefeld regulär 40 Stunden pro Woche arbeiten. Darüber hinaus muss jeder Beschäftigte zusätzlich 20 Überstunden in der Woche machen. Zuschläge werden dafür nicht gezahlt. Die Branchen-Gewerkschaft NGG läuft Sturm gegen die irre langen Arbeitszeiten! Sprecherin Brigitte Bresser: „Was die Nappo-Geschäftsleitung da macht, ist gesetzeswidrig. Wir haben bereits das Amt für Arbeitsschutz eingeschaltet.“

Laut “Spiegel Online” war das, gelinde gesagt, irreführend:

Kein Wort in “Bild” davon, dass sich Belegschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung so gut wie einvernehmlich auf den Deal geeignet hatten.

Tatsächlich habe sich NGG über einen “klaren Gesetzes- und Tarifbruch” beschwert. Dabei ging es allerdings darum, dass die Überstunden nur wie normale Arbeitsstunden vergütet werden sollten sowie gegen die Verteilung der 60 Stunden auf fünf statt, wie vorgeschrieben, sechs Tage in der Woche. Diese Umstände seien inzwischen geändert worden:

Schon am 4. August … fanden die Krefelder eine neue Abmachung, von der Betriebsrat und Geschäftsführung nunmehr beteuern, dass sie “sich im gesetzlichen und tariflichen Rahmen bewegt”. … Zu keinem Zeitpunkt also drehte sich der “Nappo-Skandal” um die Tatsache, dass 60 Stunden lang gearbeitet wurde, wie “Bild” suggerierte.

Die Überschrift des “Spiegel Online”-Artikels über den von “Bild” aufgedeckten “Skandal, der keiner war”: “Nappo und das Märchen von der 60-Stunden-Woche”.

Päpstlicher als der Papst

Die “Bild”-Zeitung war stolz. Am Freitag meldete sie “exklusiv” unter der Überschrift: “Papst geißelt Feminismus”: “Papst Johannes Paul II. sagt dem weltweiten Feminismus den Kampf an!”

Diesmal war es wirklich eine Exklusiv-Meldung, eine weltweite sogar. Es lag aber nicht an den göttlichen Beziehungen der “Bild”-Reporter. “Bild” hatte nach Angaben der Katholischen Nachrichtenagentur KNA einfach als “einzige ausländische Zeitung in Rom” entgegen der journalistischen Gepflogenheiten “die Sperrfrist für die Berichterstattung über den Text gebrochen”.

Die “Bild”-Meldung war aber auch in anderer Hinsicht “exklusiv”: Ihr Zitat, der Vatikan werfe dem Feminismus vor, “die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau abzuschaffen” kommt im Text nicht vor. Der deutsche Radio-Vatikan-Chef Pater Eberhard von Gemmingen sagte, die Darstellung von “Bild” sei “völlig falsch”. Es gehe nicht um den Feminismus, sondern ausdrücklich um einen “gewissen Feminismus”, der Papst fordere u.a. die gesellschaftliche Aufwertung der Frau. “Ich glaube”, sagte von Gemmingen, “dass es das Gescheiteste wäre, gegen den ‘Spiegel’ und gegen die ‘Bild-Zeitung’ eine Einstweilige Verfügung zu beantragen!” Gegen den “Spiegel” auch? Aber ja. “Spiegel Online” hat die Meldung, wie üblich, erst einmal aus der “Bild”-Zeitung übernommen. Differenzierter wurde die Berichterstattung erst viel später.

Blind abgeschrieben

Außer auf seine Auflage ist “Bild” ganz besonders stolz darauf, die meistzitierte deutsche Zeitung zu sein. Und warum ist “Bild” die meistzitierte deutsche Zeitung? Weil sie so viele Exklusivmeldungen hat? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur, weil alle anderen so blöd sind, bei ihr abzuschreiben. “Spiegel Online” zum Beispiel:

“Das Mittelfeld ist nicht kreativ genug. Wir haben keinen Häßler und Littbarski mehr. Und wir sind nicht mehr schnell genug”, sagte [Klinsmann] der “Bild”-Zeitung, “da kann nur Lahm mithalten. Das ist zu wenig. Da ist einiges versäumt worden, das korrigiert werden muss.”

Ja, all das stand in “Bild”. Aber erzählt hat es “Klinsi”, wie gesagt, vor knapp drei Wochen dem Sport-Informations-Dienst (sid). Bei dem ist auch der “Spiegel” Kunde. Obwohl er sich das Geld sparen könnte — er hat ja “Bild” abonniert.

An der Quelle

“Benzinpreis hat in den Ferien fast Rekord-Hoch”, berichtete “Bild” am Samstag, und zwar “laut Infodienst EID”. Bei Reuters wird eine Meldung draus: “‘Bild’: Benzinpreise fast wieder auf Rekordhoch.” Im Text steht: “Die Benzinpreise in Deutschland liegen nach Informationen der ‘Bild’-Zeitung fast wieder auf Rekordniveau” bzw. dann im zweiten Satz: “Die Zeitung berichtete am Samstag unter Berufung auf den Erdöl-Informationsdienst (…)” (siehe u.a. auch Spiegel Online).

Und die Rumsbums-“BamS” schreibt: “Nach Erkenntnissen des Erdöl-Informations-Dienstes (EID) liege der Preis für ein Liter Superbenzin in Deutschland durchschnittlich bei 1,20 Euro, berichtete BILD.”

Ceuta-Vorgeschichte, Interaktives Theater, Schlechter Lernfortschritt

1. Marokko sieht die Schuld bei Sozialen Medien
(tagesschau.de, Stefan Ehlert)
Nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta habe Marokkos Innenministerium Stellung bezogen und die Verantwortung vor allem auf gezielte Falschinformationen im digitalen Raum zurückgeführt. Wie ARD-Korrespondent Stefan Ehlert berichtet, seien den Ereignissen Aufrufe und Kampagnen auf TikTok, Facebook und Instagram über eine vermeintlich mühelose Einreise vorausgegangen.

2. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung wegen Arti­kel­serie über Helene Fischers Mut­ter­schaft
(lto.de, Xenia Piperidou)
Der Bundesgerichtshof habe entschieden, dass die Veröffentlichung einer sechsteiligen Artikelserie mit heimlich aufgenommenen Babyfotos von Helene Fischer in verschiedenen Magazinen desselben Verlags zwar rechtswidrig gewesen sei, der Sängerin jedoch kein Anspruch auf Geldentschädigung zustehe. Eine Entschädigung bei mehreren weniger schweren Eingriffen setze eine “wiederholte und hartnäckige” Verletzung des Persönlichkeitsrechts voraus. Da alle betroffenen Artikel erschienen seien, bevor dem Verlag die erste einstweilige Verfügung zugegangen sei, habe es an dieser Voraussetzung gefehlt, so das Gericht.

3. Frühes Social-Media-Konto = schlechtere Schulleistung?
(spiegel.de)
Eine im Fachblatt “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie der Universität Milano-Bicocca zeige, dass Jugendliche, die bereits ab der sechsten bis achten Klasse ein Social-Media-Konto besitzen, in standardisierten Leistungstests in Mathematik und der Muttersprache signifikant schlechter abschneiden als Mitschüler, die mindestens bis zur neunten Klasse (circa 14 bis 15 Jahre) damit warten. Dieser Leistungsunterschied entspreche laut Experten dem Lernfortschritt eines halben Schuljahres.

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4. Über Trauma sprechen: Interaktives Theater bereitet Journalismusstudierende vor
(de.ejo-online.eu, Glenda Cooper)
Die interaktive Methode des Forumtheaters lasse sich wirksam einsetzen, um Journalismusstudierende auf die emotionale und ethische Belastung von Trauma-Interviews vorzubereiten. Eine Begleitstudie zu mehrjährigen Workshops zeige, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Rollenspiele und einen Perspektivwechsel nicht nur vorgefasste Vorurteile hinterfragen, sondern auch praktische Empathie und Vertrauen aufbauen können. Der geschützte Raum helfe den Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, sensible Interviewtechniken zu entwickeln.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 259
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christina Elmer)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche schlägt einen Bogen von anstehenden Fachveranstaltungen bis hin zu medienpolitischen Entwicklungen. So stehe im September die 10. SciCAR-Konferenz in Dortmund an, die sich mit datenbasiertem Journalismus, KI-Anwendungen und der Kooperation zwischen Wissenschaft und Medien befasse. Zudem thematisiert der Newsletter aktuelle Stipendienprogramme für Lokal- und Klimarecherchen, Warnungen vor veränderten US-Visabestimmungen für ausländische Medienschaffende sowie neue Fortbildungs- und Unterstützungsangebote.

6. News-Charts: Wer Ikkimel vom TikTok-Thron verdrängte
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” hat Simon Pycha die aktuellen News-Charts auf TikTok zusammengestellt: Die “Tagesschau” habe sich in der Juli-Analyse der meistgesehenen journalistischen TikTok-Accounts den ersten Platz gesichert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen RTL West sowie “ZDFheute”. Neben dem Jugendwort des Jahres seien im Juli vor allem Blaulichtreportagen, Warnungen vor Vibrionen und Beiträge zu neuen Geldschein-Designs die reichweitenstärksten Themen gewesen.

Kanzleramt vs. Abgeordnetenwatch, Bahn kritisiert ZDF-Doku, Comedy

1. Wie das Kanzleramt gegen abgeordnetenwatch vorgeht
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Die Bundesregierung plane, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv einzuschränken. Doch bereits jetzt sei der Zugang zu Informationen oftmals erschwert. So erhebt die Organisation “Abgeordnetenwatch” in einem Text in eigener Sache schwere Vorwürfe gegen das Bundeskanzleramt: “Vor Gericht versucht das Kanzleramt schon jetzt, den Zugang zu Unterlagen zu erschweren – und behauptet: abgeordnetenwatch hat seinen eigenen IFG-Antrag gar nicht selbst gestellt.”

2. Deutsche Bahn kritisiert Hayali-Doku im ZDF als “unseriös”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Deutsche Bahn habe die am Dienstag ausgestrahlte ZDF-Dokumentation “Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?” von Dunja Hayali als “unseriös” und einseitig kritisiert. Der Film klammere Fortschritte aus, beruhe auf unzutreffenden Zahlen und stelle unfaire Vergleiche an. Das ZDF weise die Hauptkritik zurück und betone die journalistische Sorgfalt. Man habe jedoch online in der Streamingfassung nachträglich Korrekturen an Grafiken und Zahlenangaben vorgenommen.

3. Kulturstaatsminister Weimer will europäische Eigentümerstruktur für TikTok
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordere die Überführung der Social-Media-Plattform TikTok in eine europäische Eigentümerstruktur. Weimer sehe in einem “TikTok Europa” den effektivsten Weg, um europäisches Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzrecht gegenüber der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance durchzusetzen. Seine Kritik richte sich gegen den uneingeschränkten Zugriff chinesischer Behörden auf die Daten europäischer Nutzerinnen und Nutzer sowie gegen die Gratisnutzung journalistischer Inhalte.

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4. Erfolg für “New York Times” bei Streit mit Trump-Regierung
(taz.de)
Das US-Justizministerium habe nach juristischem Widerstand der “New York Times” (“NYT”) Vorladungen gegen mehrere Reporter zurückgezogen. Die Bundesstaatsanwaltschaft habe versucht, die Journalisten nach Enthüllungen über Sicherheitsmängel an der neuen Präsidentenmaschine von Donald Trump zur Aussage vor einer Grand Jury zu zwingen. Die “NYT” habe den Schritt als rechtswidrigen Einschüchterungsversuch kritisiert. Der zuständige Richter habe mit einer Nichtigkeitserklärung der Vorladungen gedroht, bevor die US-Regierung schließlich eingelenkt habe.

5. Das Comedy-Grundgesetz
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist formuliert in seinem Branchen-Newsletter “Setup/Punchline” 15 Thesen als “Comedy-Grundgesetz”. Er fordert darin, Stand-up-Comedy als eigenständige Handwerks- und Kunstform ernst zu nehmen. Sie müsse nach ihren formalen sowie strukturellen Kriterien und nicht bloß nach moralischen Aussagen oder bloßen Themen bewertet werden. Außerdem kritisiert Hiergeist das deutsche Feuilleton für dessen ahistorisches Verständnis und die reflexhaften Tucholsky-Zitate (“Satire darf alles”).
Weiterer Hörtipp: In Holger Kleins Podcast “Wrint” geht es fast zwei Stunden um “Geschichten aus dem Joke-Bergwerk” mit Bernhard Hiergeist (wrint.de, Audio: 1:44:48 Stunden).

6. Fame & Verlogen – Warum Influencer ständig lügen
(youtube.com, Sashka, Video: 19:52 Minuten)
Die Creatorin Sashka beschäftigt sich mit dem aktuellen Skandal um die Medfluencerin Alina Walbrunn, die auf einen Prank des YouTubers Marvin Wildhage reingefallen sei und für eine erfundene Krankheit (“postvirale nasale Hypersensibilität”) geworben habe. Sashka wertet Walbrunns bisherige Auffälligkeiten als Symptom eines strukturellen Problems in der Influencer-Blase.

Dobrindts Pläne, Burda fusioniert, Irritierendes Autokraten-Interview

1. Dobrindt will Transparenz-Plattformen aus dem Weg räumen
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Recherchen des MDR zufolge plane das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) eine weitgehende Beschneidung des Informationsfreiheitsgesetzes. Wie aus internen Vermerken hervorgehe, wolle das Ministerium Auskunftsrechte für Medien und Abgeordnete stark einschränken. Durch eine Ausweispflicht solle es Anbietern wie “FragDenStaat” unmöglich gemacht werden, Anträge für Bürgerinnen und Bürger zu stellen. Außerdem sei geplant, die Stelle beim Datenschutzbeauftragten, die Personen unterstützt, wenn Behörden Infos verschweigen, abzuschaffen.
Weiterer Lesetipp: Auch der Deutscher Journalisten-Verband (DJV) zeigt sich schockiert über die Pläne des Innenministeriums: “Das ist eine Liste der Grausamkeiten”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster, “die niemals Realität werden darf. Das wäre das faktische Ende der Informationsfreiheit.”

2. Warum Medien mehr Rechte haben als sie denken
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 38:42 Minuten)
Jost Müller-Neuhof ist “Tagesspiegel”-Redakteur und rechtspolitischer Korrespondent des Blatts. Er hat den Eindruck, dass sich Journalistinnen und Journalisten zu schnell von Behörden abwimmeln lassen. Doch was können Medienschaffende von Behörden erwarten? Und was können sie verlangen? Darüber spricht Müller-Neuhof mit Deutschlandfunk-Redakteurin Brigitte Baetz.

3. Burda fusioniert BurdaVerlag und BurdaForward – Stefan Ottlitz wird Digitalchef
(turi2.de)
Der Burda-Konzern baue seine Strukturen grundlegend um und lege den BurdaVerlag sowie die Digitalsparte BurdaForward zu einem integrierten Medienhaus zusammen. Damit löse das Unternehmen die bisherige Trennung zwischen Print und Online auf. Angebote wie der gedruckte “Focus” und “Focus Online” sollen zu gemeinsamen Marken verschmelzen, das Medienhaus soll in Sparten wie Lifestyle, Yellows und Screens gegliedert werden. Neuer Digitalchef und Markenverantwortlicher für “Focus” werde Medienmanager Stefan Ottlitz, der zuvor eine führende Position beim “Spiegel” bekleidet hatte.

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4. Schauspielerin Caro Cult verklagt Produktionsfirma nach Kündigung
(t-online.de)
Schauspielerin Caro Cult habe 2024 kurz vor Drehbeginn eine ARD-Hauptrolle verloren, nachdem sie der Produktionsfirma ihre Schwangerschaft mitgeteilt habe. Der Streit vor dem Arbeitsgericht Berlin sei mit einem Vergleich geendet, bei dem Cult die Hälfte der Gage zugesprochen worden sei. Die Produktion rechtfertige die Umbesetzung mit organisatorischen Hürden und Mutterschutzauflagen. Die Schauspielerin ordne das Vorgehen anders ein: Ihr sei unter anderem abgesprochen worden, als Schwangere den nötigen “Sex-Appeal” für die vorgesehene Rolle zu besitzen.

5. “Presse”-Redaktionsausschuss “irritiert” von CEO Nowaks Vučić-Interview
(derstandard.at, Oliver Mark)
Rainer Nowak, Geschäftsführer der “Presse” und Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen, habe zum Start seiner neuen Reihe “Rainer Nowaks Meisterklasse” den serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić interviewt, dabei jedoch auf kritische Nachfragen zu dessen autoritärer Politik verzichtet. Der “Standard” hat Nowak dazu befragt: “Warum starten Sie die neue Reihe ausgerechnet mit einem Autokraten, der von vielen sogar als Diktator gesehen wird und der mit Gewalt gegen Proteste der Bevölkerung und der Opposition vorgeht?”

6. Keine Gel­dent­schä­d­i­gung für Helene Fischer wegen Baby­fotos
(lto.de, Shayan Mirmoayedi)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, habe der Bundesgerichtshof (BGH) im Fall einer Klage von Sängerin Helene Fischer gegen den Sender RTL entschieden. Die Veröffentlichung von Paparazzi-Fotos, die Fischer beim Stadtbummel mit ihrem Neugeborenen zeigen, verletze zwar ihr Persönlichkeitsrecht, begründe jedoch keinen Anspruch auf Geldentschädigung. Für eine solche Entschädigung fehle es an der erforderlichen Schwere des Eingriffs, da die Aufnahmen keine intimen Momente zeigen würden, und RTL positiv berichtet habe. Zudem sehe der BGH die Beeinträchtigung durch eine vom Sender abgegebene strafbewehrte Unterlassungserklärung als ausreichend ausgeglichen an.

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