1. “Einigkeit ist keine Neuigkeit”? – Wie Politikjournalismus den Sachfokus stärken kann
(dfjv.de, Gunter Becker)
Für das Magazin des Deutschen Fachjournalisten-Verbands analysiert Gunter Becker anhand von Debatten der Digitalkonferenz re:publica und eines Interviews mit Journalistik-Professor Tanjev Schultz die strukturellen Fehlentwicklungen im Politikjournalismus. Getrieben von Aufmerksamkeitsdruck fokussiere sich die Berichterstattung oft übermäßig auf Personalstreitigkeiten, Skandalisierungen und demoskopische Momentaufnahmen. Als Gegenmittel plädiert Becker für eine Stärkung des politischen Fachjournalismus.
2. So weit sind wir schon mit dem «KI»-«Journalismus»
(infosperber.ch, Marco Diener)
Auf der Schweizer Plattform “Infosperber” kritisiert Marco Diener das neu gestartete Nachrichtenportal “We-News” als extremes Beispiel für parasitären “KI-Journalismus”. Das von einem Unternehmen in Hongkong betriebene Portal lasse Texte automatisiert aus etablierten Medien zusammenkopieren und stelle ihnen fiktive Autorenprofile zur Seite. Zudem bebildere das Angebot reale Nachrichtenereignisse mit frei erfundenen, fehlerhaften KI-Grafiken.
3. Marieke Reimann kritisiert verzerrtes Bild von Ostdeutschland
(ndr.de, Alexandra Friedrich)
Die Journalistin und Autorin Marieke Reimann kritisiert im Gespräch mit dem NDR die anhaltende mediale Schieflage in der Berichterstattung über Ostdeutschland. Überregionale Medien würden ostdeutsche Realitäten oft auf Krisen, Jubiläen oder klischeehafte Abweichungen von einer westdeutschen Norm reduzieren. Zudem spiegele die deutliche Unterrepräsentation ostdeutscher Führungskräfte in Medienredaktionen ein gesamtgesellschaftliches Elitendefizit wider.
4. Landgericht Hamburg verbietet Abschreiben bei LTO
(lto.de, Simon Morgenstern)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) in eigener Sache berichtet, habe das Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung einen Onlineartikel der “Berliner Zeitung” verboten, da dieser wesentliche Elemente einer Urteilsbesprechung von “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann übernommen und damit dessen Urheberrechte verletzt habe. Das Gericht habe klargestellt, dass auch journalistische Gebrauchstexte unter den Schutz der sogenannten “kleinen Münze” fallen, sofern sich in Struktur, Wertung und Kontextualisierung die schöpferische Leistung des Autors wiederfinde.
5. Moldawiens Medienlandschaft: pluralistisch, fragil und unter Druck
(de.ejo-online.eu, Victor Gotisan)
Der Journalist und Medienforscher Victor Gotisan analysiert für das “Europäische Journalismus-Observatorium” die moldauische Medienlandschaft, die trotz guter Platzierungen in internationalen Pressefreiheits-Rankings von gravierenden strukturellen Schwächen geprägt sei. Ein extrem kleiner Werbemarkt führe zu einer prekären Abhängigkeit von ausländischen Fördermitteln. Außerdem würden Personalmangel, unzureichende Ausbildungskapazitäten und Einschüchterungen die redaktionelle Arbeit belasten.
6. Heimliches KI-Training: Amazon zerstört massenhaft alte Bücher
(derstandard.at, Peter Zellinger & Shiva Swist-Standl)
Anscheinend kaufe Amazon im großen Stil gedruckte Bücher auf, um Trainingsmaterial für eigene KI-Modelle zu gewinnen. In einem Logistikzentrum im US-Bundesstaat Nevada würden den Werken die Rücken abgeschnitten, um sie automatisiert einzuscannen und anschließend zu vernichten. Die systematischen Aufkäufe seltener und wissenschaftlicher Buchbestände durch Zwischenhändler seien mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum und in Österreich deutlich spürbar.
