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“6 vor 9”-Sonderausgabe zu den aktuellen Geschehnissen in der Türkei

1. Wie der Putschversuch zwei Journalistinnen berühmt machte
(sueddeutsche.de, Hakan Tanriverdi & Carolin Gasteiger)
Die “SZ” berichtet von zwei Journalistinnen, die das aktuelle Geschehen zu Personen der türkischen Zeitgeschichte gemacht hätte. Tijen Karaş, Nachrichtensprecherin beim regierungsfreundlichen Fernsehsender TRT, musste im Fernsehen eine Botschaft der Putschisten verlesen, während die Aufständischen ihre Waffen auf sie richteten. Başak Şengül moderierte sogar noch weiter, als bereits Soldaten im Gebäude waren. Ihre letzten Worte lauteten: “Ich möchte das Studio nicht verlassen.”

2. Putschisten besetzen Medien, töten Fotograf
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” verurteilt das Vorgehen der Putschisten in der Türkei. Bei dem gescheiterten Umsturzversuch am Wochenende hatten aufständische Soldaten die Sitze mehrerer wichtiger Medienhäuser besetzt. Außerdem kam es zu Angriffen auf Journalisten, die als vermeintliche Putsch-Sympathisanten verdächtigt wurden, darunter der CNN Türk-Reporter und der Istanbul-Korrespondent der “Hürriyet”. Der Fotograf Mustafa Cambaz von der Zeitung Yeni Safak wurde von Soldaten erschossen, die auf eine Menschenmenge feuerten.

3. Putschversuch in Echtzeit: Wie Erdogan vom Netz profitiert hat
(spiegel.de, Christoph Seidler)
Der türkische Präsident ist in der Vergangenheit oft als Gegner des freien Internets aufgetreten. Nun haben ihm die sozialen Medien dabei geholfen, im Amt zu bleiben. Christoph Seidler schreibt dazu: “Natürlich ist es ironisch, dass ausgerechnet Erdogan von sozialen Netzwerken profitiert. Zehntausende missliebige Webseiten hat die türkische Regierung sperren lassen. Wieder und wieder hat der Präsident Front gemacht gegen Twitter, Facebook, YouTube und Co., vor allem nach den Gezi-Protesten. Nun haben ihm diese Dienste beim Erhalt seiner Macht entscheidend mitgeholfen.”

4. Warum sich die Öffentlichkeit nicht mehr aussperren lässt
(rp-online.de, Susanne Hamann)
Susanne Hamann macht darauf aufmerksam, dass sich die Öffentlichkeit nicht mehr aussperren lässt. Während des Putschversuchs in der Türkei seien die sozialen Medien und teilweise auch das Fernsehen gesperrt worden. Trotzdem hätte die ganze Welt verfolgen können, was in den Straßen Ankaras und Istanbuls vor sich ging: Per Livestream auf dem Smartphone.

5. Beim Putschversuch fehlte ein echter Nachrichtensender
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Nach Markus Ehrenberg offenbart der nächtliche Putschversuch in der Türkei erneut Schwächen in der Live-Berichterstattung. ARD und ZDF würden nur sehr sporadisch senden. Bei N-tv und N24 sei ebenfalls wenig zu sehen. Ehrenberg denkt über die möglichen Gründe nach.

6. Die Welt geht unter? Der “Tatort” bleibt
(welt.de, Christian Meier)
Auch “Welt”-Medienredakteur Christian Meier sieht das Verhalten von ARD und ZDF kritisch und stellt die Frage, wie es sein kann, dass der bestfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt bei einem solch dramatischen Ereignis wie dem Putschversuch in der Türkei einfach mit seinem lange geplanten Programm weitermache. “ARD und ZDF werden Jahr für Jahr mit acht Milliarden Euro finanziert. Da sollte zumindest auf dem ‘Ereigniskanal’ Phoenix das Programm umgeworfen werden. Doch da lief ‘Unter Eisbären — Überleben in der Arktis’.” Nachtrag: Marcel Pohlig hat zum Artikel von Christian Meier einige kritische Anmerkungen.

Intransparenz, Rutschunfall, Wortallergien

1. „Honorare offenlegen!“
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber vom “Tagesspiegel” hat sich mit dem Justiziar des Südwestrundfunks unterhalten, der in der ARD federführend für das Rundfunkgebührenrecht zuständig ist. Es geht um den geheimnisvollen ARD-Vertrag mit Ex-Fußballprofi Mehmet Scholl. Huber erkundigt sich danach, wann die ARD die vielbeschworene Transparenz walten lasse und die Honorare ihrer Experten, Moderatoren und anderer Vertragspartner offenlege: “Ist das nicht ulkig? Ich weiß, was jeder Intendant einer ARD-Anstalt verdient, aber das Honorar für Mehmet Scholl oder Anne Will bleibt ein Sendergeheimnis.”

2. Männer machen Medien
(medienwoche.ch)
“Medienpranger.ch” versteht sich als Blog gegen sexistische Berichterstattung in Schweizer Medien. Die Autorinnen des Watchblogs haben für die “Medienwoche” einen Gastbeitrag verfasst, in dem sie ihre Motive erklären und auf typische Muster frauenfeindlicher Berichterstattung und Rollenklischees hinweisen, die sie als die Wurzel des Problems betrachten.

3. Wo war BILD?
(djv.de, Hendrik Zörner)
Auf der Ausstellungseröffnung “PresseFoto Hessen-Thüringen 2015” gab es bereits bei der Eröffnung kritische Worte über die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen von Bildjournalisten. Hendrik Zörner macht für die Abwertung des Fotografenberufs auch die “BILD” und die von ihr erfundenen “Leser-Reporter” verantwortlich. “Und die Bildjournalisten, die für BILD arbeiten? Ihre Honorare liegen bei rund 50 Euro pro Foto – eine Unverschämtheit gegenüber den fürstlichen Gagen, die die Leser-Reporter bekommen. Wie lange wollen sich die Kollegen Springers Honorarpolitik noch gefallen lassen?”

4. 10 Texte zur Journalistenausbildung – Jetzt geht es ans Auswerten
(journalist.de)
Die Branchenseite “journalist.de” und das Onlinemagazin “vocer.org” haben im Mai gemeinsam eine Serie zur Ausbildung von Journalisten gestartet. Mittlerweile sind zehn Teile zusammengekommen, in denen vor allem junge Journalisten erzählen, welche Inhalte für eine zeitgemäße Ausbildung wichtig sind. In einer Übersicht werden die Beiträge vorgestellt und verlinkt.

5. Rutschunfall bei „Netzwerk Recherche“-Recherche
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Wenn Paul-Josef Raue, langjähriger Zeitungschef, Mitverfasser des Werks „Das neue Handbuch des Journalismus“ und Autor von Artikeln wie Recherchiere immer, von der Jahrestagung des „Netzwerkes Recherche“ berichtet, bei der er selbst auf dem Podium saß, freut man sich besonders auf eine spätere Einordnung. Raue hat dies auf “kress.de” getan und dabei eine ganze Reihe von Personen genannt und zitiert, die gar nicht auf der Veranstaltung waren.

6. Noch und nöcher
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
RND-Kolumnistin Ulrike Simon leidet unter Wort-Allergien. “Content” ist eines dieser Allergene. Zum anaphylaktischen Schock kommt es bei Simon jedoch, wenn Interviewpartner nachträglich das Wörtchen “noch” einfügen.

Der Tod eines Toreros in Zeitlupe

Am vergangenen Samstag starb bei einem Stierkampf in Spanien ein Torero. In der Arena von Teruel stach ein Stier dem 29-jährigen Matador Victor Barrio mit einem Horn in die Brust. Manche Portale berichten, dass dabei Barrios Herz verletzt worden sei, andere schreiben, Lunge und Halsschlagader seien getroffen worden. Jedenfalls starb Victor Barrio an den Folgen seiner Verletzung noch vor Ort — alles gut dokumentiert, da der Stierkampf live von einem spanischen TV-Sender übertragen wurde.

Der letzte Todesfall eines Stierkämpfers in einer Arena liegt bereits 31 Jahre zurück. Und so erhoben manche Nachrichtenseiten den Unfall vom Samstag direkt zum Jahrhundertereignis:


(“Kölnische Rundschau”)


(n-tv.de)


(“Mitteldeutsche Zeitung”)

(Schade, liebe Jahrhundertjournalisten, leider habt ihr die große Chance vertan, aus Victor Barrios Tod gleich ein Jahrtausendereignis zu machen.)

Als wäre das — in Kombination mit mehr oder weniger detaillierten Beschreibungen des Vorfalls und Fotos vom verletzten, leblosen Victor Barrio — nicht schon Sensation genug, wollten manche Redaktionen ihrer Leserschaft nicht die Möglichkeit nehmen, einem Menschen beim Sterben zugucken zu können.

“N24” zeigt beispielsweise in einem Video in Zeitlupe, wie der Stier Barrio aufspießt. Genauso die “BZ”. Die “Huffington Post” bindet Aufnahmen von Victor Barrios Tod gleich in zwei Artikeln ein und will nicht darauf verzichten, in einem der Texte noch einmal extra auf das Material hinzuweisen, damit auch ja niemand etwas verpasst:

Eine Sequenz des Videos zeigt Barrio in Großaufnahme, bereits am Boden liegend, noch leicht zuckend. Es ist extrem würdelos. Diese Szene haben die russischen Propagandisten von “Sputnik” ebenfalls veröffentlicht. (Auf Links zu und Screenshots von den Videos haben wir bewusst verzichtet.)

Und auch Bild.de zeigt Victor Barrio beim Sterben. Auf der Startseite hat das Portal mit diesem Teaser für den Artikel geworben:

(Unkenntlichmachung durch uns.)

Dank der Taktlosigkeit einiger deutscher Redaktionen, können das nun auch alle anderen von zu Hause aus am Computer.

Mit Dank an Daniel W.!

Kummerreportagen, Mördergage, Talkshowzirkus

1. Tom Kummers unlautere Textcollagen
(nzz.ch, Boas Ruh)
Der Schweizer Journalist Tom Kummer wurde lange Zeit für seine exklusiven Interviews mit illustren Promis gefeiert. Umso größer war das Entsetzen, als sich im Jahr 2000 herausstellte, dass Kummer viele seiner Interviews frei zusammenfantasiert oder aus vorhandenem Material zusammengebaut hatte. Das mediale Beben war erheblich: Die verantwortlichen Chefredakteure des SZ-Magazins wurden gefeuert. Kummer selbst verklärte seinen Betrug gerne zur Kunstform. 2005 verpatzte Kummer seine zweite Chance mit einer weiteren Täuschung, wie der “Spiegel” schrieb. Nun fand Kummer für seine Texte erneut Abnehmer. Medien wie “reportagen” oder die “Weltwoche” haben anscheinend ungeprüft Reportagen des notorischen Wiederholungstäters veröffentlicht. Die “NZZ” hat die Kummer-Reportagen untersucht und festgestellt, dass sie zwar nicht komplett zusammenfantasiert, aber eine Melange aus abgekupferten Texten anderer Autoren sind.

2. Das Gegenteil von Lügenpresse
(derstandard.at, Noura Maan, Fabian Schmid)
Die rechte Pegida-Bewegung bedient sich besonders gerne der sozialen Netzwerke, um ihre Inhalte zu vermitteln und neue Anhänger zu requirieren. Noura Maan und Fabian Schmid haben das Social-Media-Verhalten der Bewegung untersucht und sich unter anderem angeschaut, welche Links von Pegida auf Facebook geteilt werden. Eine spannende Analyse, die möglich wurde durch eine Kooperation mit Wissenschaftlern des Alexander-von-Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin im Rahmen eines von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts zu “Wissenschaft und Datenjournalismus”.

3. Krankenpfleger Niels H.: TV-Produktionsfirma zahlte Serienmörder 5000 Euro Honorar
(spiegel.de)
Der Krankenpfleger Niels H. hat Patienten mit Medikamenten in einen lebensbedrohlichen Zustand gebracht, um sie danach zu reanimieren und sich selbst als Retter zu gerieren. Für ein im WDR ausgestrahltes Interview soll der mittlerweile wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilte Mann einen Betrag von 5.000 Euro erhalten haben. Der WDR hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Sendung für die weitere Ausstrahlung gesperrt.

4. “Nicht in Ordnung, nur weil man es immer macht”
(lto.de, Constantin Baron van Lijnden)
Die “Sächsische Zeitung” hat angekündigt, in Zukunft stets die Nationalität von Straftätern nennen zu wollen – auch, wenn es Deutsche sind. Dies kollidiert jedoch wahrscheinlich mit Richtlinie 12.1 des Pressekodex. Danach ist eine derartige Nennung nur zulässig, wenn ein begründbarer Sachbezug zu der Meldung besteht. Die “Legal Tribune Online” hat den Presserats-Geschäftsführer im Interview gefragt, ob der Presserat bald reihenweise Artikel der Sächsischen Zeitung beanstanden wird.

5. nr-Jahreskonferenz 2016
(netzwerkrecherche.org)
Der Verein “Netzwerk Recherche” ist ein Journalistenzusammenschluss, der nach eigenen Angaben für die Interessen jener Kollegen eintritt, die oft gegen Widerstände in Verlagen und Sendern intensive Recherche durchsetzen wollen. Am Wochenende hat man sich zur Tagung getroffen. Ein Team angehender Journalisten hat das Geschehen in einem ausführlichen Live-Blogbeitrag dokumentiert und zahlreiche Abstracts, Videobeiträge und Tweets der Veranstaltung zusammengestellt.

6. Lasst sie reden
(taz.de,Philipp Daum)
Steffen Bothe hat ein etwas anderes Hobby. In den letzten 20 Jahren hat er nach eigener Schätzung etwa 800 Talkshows besucht. “taz”-Autor Philipp Daum hat sich mit dem TV-Dauergast zum Fernseh-Marathon getroffen: Vier Talkshows in drei Tagen, zusammen wurden es 13,5 Stunden in Fernsehstudios.

Lichtspiel, Trauerspiel, Fußballspiel

1. Warum will keiner tolle Filme sehen?
(zeit.de, Kaspar Heinrich)
Vom dröhnenden Stroboskospspektakel bis zur elegischen Künstlerbiografie, vom melancholischen Boxerdrama bis zum lustvollen Wolfwerdungsfilm: So wild und experimentierfreudig wie zurzeit hätte sich das deutsche Kino lange nicht mehr gezeigt. Und so weiblich überhaupt noch nie. Filmkritiker Kaspar Heinrich fragt sich, warum die Zuschauer oft trotzdem ausbleiben.

2. Böttinger vs. Podolski: So erfinden Kölner Zeitungen einen Streit
(stefan-fries.com)
Von einer absurden Geschichte weiß Stefan Fries auf seinem Blog zu berichten: Bettina Böttinger habe dem Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview gegeben, das vom Kölner Express verfälscht zusammengefasst worden sei. Der Fußballer Lukas Podolski habe den Text genauso falsch verstanden wie vom Express beabsichtigt und einen wütenden Tweet gegen Böttinger losgelassen. Daraufhin habe Böttinger dem Express ein Interview gegeben, in dem “sie alles richtig stellte, was sie nie falsch gemacht hat”.

3. Von Opdi & Scholli und anderen vergebenen Möglichkeiten
(jensweinreich.de)
Jens Weinreich hat sich die öffentlich-rechtlichen Moderationsgespanne der Fußball-EM genauer angeschaut. Besonders bei Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl beklagt er die permanent verschenkten Möglichkeiten. “Opdenhövel ist eher ein Nummerngirl, er kann selten den Eindruck erwecken, wirklich interessiert an einem für das Publikum gewinnbringenden Gespräch zu sein und seinem Experten-Partner mehr als ein, zwei floskelhafte Sätze zu entlocken. Scholl wirkte meines Erachtens meist unterfordert, schon 2014. Dabei zählt Scholl zweifelsfrei zu den intelligentesten Fußballern seiner Generation.”

4. Den Journalisten auf die Finger schauen
(de.ejo-online.eu, Susann Eberlein)
Anfang des Jahres wurde die Medienkritikseite “Übermedien” gestartet (Slogan: “Medien besser kritisieren”), die mittlerweile bereits 1.600 zahlende Abonnenten hat. Mitgründer Boris Rosenkranz zieht im Interview ein Fazit des ersten halben Jahres und verrät, was er sich für die Zukunft wünscht. (Offenlegung: Der 6vor9-Kurator schreibt gelegentlich als Gastautor für “Übermedien”)

5. Medienpranger – Ein Blog gegen sexistische Berichterstattung
(medienpranger.ch)
Eine Arbeitsgruppe des feministischen Kollektivs “Aktivistin.ch” hat einen Blog gegen sexistische Berichterstattung in Schweizer Medien gegründet. Vorrangiges Thema ist das Sammeln und Hinterfragen von Artikeln, die Frauen und Männer auf ihr Geschlecht reduzieren. Am Ende des Jahres will man im Rahmen einer kleinen Zeremonie den “Goldenen Tampon” an das Medium mit dem sexistischsten Artikel des Jahres verleihen.

6. Uefa lässt Video-Collage sperren
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der Webkünstler Kurt Prödel hat in einem Kurzvideo alle deutschen Elfer des Spiels gegen Italien übereinandergelegt. Der witzige Clip verbreitete sich extrem schnell im Netz, bis die UEFA davon Wind bekam und ihn löschen ließ. Mittlerweile ist sogar Prödels Twitterseite verschwunden.

Prestigefrage, Frauenfrage, Haltungsfrage

1. Justiz blockt Neonazi-Watchblog
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Der “Tagesspiegel” berichtet über das Neonazi-Watchblog “Störungsmelder”, das seit neun Jahren bei den Kollegen von der “Zeit” gehostet werde. Dort würde fortlaufend über die rechte Szene berichtet, auch wenn sie mal nicht im Fokus der Öffentlichkeit stünde. Zuletzt beispielsweise über einen “Identitären”-Aufmarsch in Berlin, Verbindungen von Russlanddeutschen zur extremen Rechten und eine Sonnenwendfeier im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm. Doch die “im besten Sinn journalistische Arbeit” hätte einen empfindlichen Dämpfer bekommen: Das Verwaltungsgericht Augsburg sehe im “Störungsmelder” kein Presseorgan und habe deshalb einem der Autoren die Auskunftsrechte gegenüber Behörden verweigert.

2. Benjamin Carter Hett: “Für den Spiegel ist das eine Prestigefrage”
(wolfgangmichal.de)
Das neue Buch des US-amerikanischen Historikers Benjamin Carter Hett über den Reichstagsbrand stellt die These vom Einzeltäter in Frage. Diese sei in den fünfziger Jahren vom “Spiegel” in die Welt gesetzt worden, so Wolfgang Michal auf seiner Seite. Nun ducke sich der “Spiegel” weg und sähe keinen Grund zur Selbstkorrektur. Während Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust in der “Welt am Sonntag” fünf Druckseiten für Hetts Buch freigeräumt hätte, sei es dem “Spiegel” bis heute keine Zeile wert. Wolfgang Michal hat mit dem Autor über die Gründe gesprochen und ihn nach den Ergebnissen seiner Recherchen gefragt.

3. Hartmut Schneider: „Blessuren gelten als Statussymbol“
(augenzeugen.info, Frank Überall)
Seit Jahren hält Hartmut Schneider photographisch Aufmärsche und Veranstaltungen von Neonazis fest – zu journalistischen, aber auch zu Dokumentationszwecken. Frank Überall hat ihn im Interview u.a. gefragt, warum er so viel Zeit auf solchen Veranstaltungen verbringen würde, auch wenn damit meist kein Geld zu verdienen sei. Schneider berichtet von aus dem Ruder gelaufenen Demos der Rechtenszene und erklärt, warum Deeskalation aus seiner Sicht nicht immer das Mittel der Wahl ist. So wünscht er sich zum Beispiel ein schnelleres und beherzteres Eingreifen den Polizei: “Ich habe in meiner langen Tätigkeit noch nie beobachtet, dass ein rechtsextremistischer Störer einen Platzverweis erhielt. Dagegen werden mir regelmäßig Platzverweise angedroht, weil ich angeblich die Arbeit der Polizei störe.”

4. Die FAZ, Jürgen Kaube und die Frauen
(www.rnd-news.de, Ulrike Simon)
Jürgen Kaube ist einer der vier Herausgeber der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und dort zuständig für das Feuilleton. RND-Autorin Ulrike Simon wirft Kaube in ihrer neuesten Kolumne vor, ein Problem mit Frauen zu haben. Konkreter Anlass ist die Versetzung einer Redakteurin. Ulrike Simon hat sich im Hintergrund umgehört und spekuliert über die Gründe.

5. ROG-Korrespondent freigelassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Erol Önderoglu, seit 20 Jahren Korrespondent und Repräsentant von “Reporter ohne Grenzen” in Istanbul, wurde am 20. Juni zusammen mit anderen Menschenrechtsverteidigern verhaftet. Der Anlass: Önderoglu hatte sich an einer Solidaritätsaktion für die pro-kurdische Zeitung “Özgür Gündem” beteiligt. Nun ist er auf Anordnung eines Istanbuler Gerichts freigelassen worden. Die Anschuldigungen wegen angeblicher “Terrorpropaganda” würden aber weiterhin aufrechterhalten.

6. Michael Jackson und die Kinder
(perlentaucher.de, Thomas Groh)
Das amerikanische Klatsch- und Schmuddelmagazin “RadarOnline” hat den Polizeibericht der Hausdurchsuchung bei Michael Jackson aus dem Jahr 2003 veröffentlicht. “RadarOnline” würde unterstellen, es seien üble Bilder missbrauchter Kinder aufgefunden worden. Deutsche Medien wie die “Deutsche Welle” oder der “Rolling Stone” hätten die Meldung ungeprüft übernommen. Es handele sich jedoch bei den im Polizeibericht aufgeführten Büchern um bei Online-Buchhändlern frei verfügbare und keineswegs justiziable Werke. Thomas Groh dazu in seinem Schlussabsatz: “In erster Linie ist diese ganze Angelegenheit vor allem ein Lehrstück über journalistische Kultur im Zeitalter potenzierter Empörungswilligkeit. Es zeigt sich, mit welchen kleinen semantischen Verschiebungen sich ein Maximum an öffentlicher Welle hervorrufen lässt. Wer der Ansicht ist, dass die Behörden bei Michael Jackson Folter- und Missbrauchsmaterialien gefunden hat, geht seiner eigenen voyeuristischen Fantasie und der eigenen spekulativen Lust auf den Leim.”

7. Offener Brief an die AfD Bayern
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Ausnahmsweise heute ein siebenter Link: Der in seiner Niedertracht schwer zu ertragende Facebook-Post der AfD-Bayern und die Antwort des BILDblog-6vor9-Kurators darauf.

Diversität, Popularität, Kriminalität

1. Alle zusammen gegen die Einfalt: Über Teilhabe in den Redaktionen
(vocer.org, Marianna Deinyan & Christian Fahrenbach)
In einem Dossier über die Zukunft der Journalistenausbildung geht es über Teilhabe in Redaktionen. Journalismus habe ein “Diversity-Problem”: zu mittelschicht, zu deutsch, zu blass. Die deutsche Gesellschaft finde kein Abbild mehr in den Redaktionen. Einige Initiativen würden zeigen, wie es ginge. Um weiter das gesamte Publikum zu erreichen, müsse jedoch mehr passieren. Von Quoten halten die Autoren nichts und fordern allgemein: “Geben wir einer anderen Art Nachwuchs eine Chance: Ohne Germanistik-Studium, aus dem Ausland oder aus einer ärmeren Familie. Sicher ist das anfangs aufwendiger in der Betreuung. Dafür gibt es plötzlich neue Themen, einen frischeren Blick und den Draht in bisher kaum in den Redaktionen vertretene Communities.”

2. Sieben Tage und Schluss? Mediatheken aufnehmen und Sendungen speichern
(irights.info)
Das Phänomen ist bekannt. Man will sich eine Sendung eines öffentlich-rechtlichen Senders im Internet anschauen, aber, zu spät, der Beitrag ist bereits gelöscht bzw. “depubliziert”. Die Urheberrechtsplattform “irights.info” stellt einige Angebote und Werkzeuge vor, die dabei helfen, Sendungen auch später sehen zu können.

3. Causa Lovoo: Was bisher geschah – und was den Verantwortlichen droht
(heise.de, Holger Bleich, Ronald Eikenberg)
Gegen die Dating-Plattform “Lovoo” wird ermittelt: Das LKA Sachsen durchsuchte bei einer Razzia insgesamt 16 Objekte, darunter die Lovoo-Geschäftsräume in Dresden, Berlin und Privatwohnungen. Gegen drei Personen hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehle erwirkt. Auslöser der Ermittlungen soll ein “c’t”-Artikel aus dem Jahr 2015 gewesen sein. Der Redaktion war ein 50 Gbyte großes Datenpaket mit belastendem Material zugespielt worden. “Heise.de” berichtet vom neuesten Stand der Causa Lovoo.

4. Das Analysesystem von Die Welt deutet die Klicks um
(netzpiloten.de, Shan Wang)
Die “NiemanLab”-Redakteurin Shan Wang schreibt über das interne Bewertungssystem der “Welt”, das jedem veröffentlichten Artikel auf Basis von fünf Komponenten einen Wert zuweist. Bewertungskriterien seien Seitenaufrufe, Verweildauer auf der Seite, Video-Aufrufe, Social-Media-Traffic und Bounce Rate. Neben diesen technischen Aspekten erfährt man aber auch wie die “Welt” vorgeht, um ihre Talkshow-Zusammenfassungen klicktechnisch anzuschieben: Da es rechtliche Einschränkungen den Autoren schwermache, relevante Videos zu verlinken, produziere man kurze Video-Zusammenfassungen der Gäste und der diskutierten Themen. Was in einem Fall zu einem zweiten Platz bei den Artikelaufrufen geführt habe.

5. RBB Abendschau: viel Werbung für Aufstockung – und keine einzige kritische Stimme
(gleditschstrasse.de)
In Berlin Schöneberg wird ein Wohnkomplex modernisiert und Gebäude aufgestockt. Für die dort lebenden Mieter ist das mit viel Lärm, Dreck und Ärger, aber auch mit teureren Mieten verbunden. Nun hat die “RBB Abendschau” in einem Zweiminüter über das Aufstockungsprojekt berichtet. Die Mietergemeinschaft wirft dem Sender vor, ein einseitiges und eher werbendes Filmchen produziert zu haben, in dem ihre Kritik keine Berücksichtigung findet.

6. Online-Assistent Doliio: Zu klug, um wahr zu sein
(spiegel.de, Sebastian Meineck)
In den letzten Wochen machte die App “Doliio” von sich reden, die dank ausgeklügelter KI im Namen des Nutzers Kontakte pflegen, Geburtstagswünsche ausrichten und sogar Dates klarmachen sollte. Sebastian Meineck ist der Sache nachgegangen und hat nur einsilbige Antworten auf seine Nachfragen bekommen. Beim Lesen des Artikels ahnt man warum.

#AfDfrei, Ulfkottismus, Fußballmilliarden

1. Ulrich Wickert: “Journalisten betreiben Selbstzensur”
(kress.de, Frank Hauke-Steller )
Ulrich Wickert kann auf eine lange Karriere als Journalist zurückblicken, zunächst als Korrespondent in den USA und Frankreich, danach lange Jahre als Anchorman der Tagesthemen. Jüngst hat er den Essayband “Medien, Macht, Verantwortung” herausgebracht, in dem er eine Rückbesinnung auf die eigentliche Aufgabe des kritischen Journalismus fordert: Aufklärung. Im Interview mit “kress.de” erklärt Wickert, warum es um den Journalismus derzeit schlechter stehe als vor 30 bis 40 Jahren und welche politische Einflussnahme er für einen “Skandal” hält.

2. Kurs in Kapitalismus
(de.ejo-online.eu, Kurt W. Zimmermann)
Kolumnist Kurt W. Zimmermann hat sich die Bilanzen der fünf großen Schweizer Verlage angesehen und kommt zum Ergebnis: “Das einzige Medienunternehmen, das kapitalistischen Kriterien genügt, ist Tamedia. Hier macht das Bodenpersonal für die Besitzer wirklich Cash. Das Schlussfeld bewegt sich in Richtung unternehmerischen Hobbywesens. Warum beschäftigt man so viele Mitarbeiter, wenn die keine Kohle bringen? Das hat schon etwas leicht Resignatives.”

3. Inhaftierte Journalisten freilassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des Deutschland-Besuchs von Präsident Ilcham Alijew fordert “Reporter ohne Grenzen” Aserbaidschan auf, alle inhaftierten Journalisten freizulassen. „So sehr sich Aserbaidschan auch als modernes, weltoffenes Land präsentieren will: Hinter der schönen Fassade unterdrückt das Regime von Präsident Alijew jede kritische Regung“, so der ROG-Geschäftsführer. Derzeit säßen in der Kaukasus-Republik mindestens drei professionelle Journalisten und vier Blogger wegen ihrer Tätigkeit im Gefängnis.

4. Medien und die AfD: Zeit für eine Pause?
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Mathias Meisner fragt im “Tagesspiegel”, ob die AfD in den Medien zu oft zu Wort kommen würde. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hat die Frage mit einem “Weniger ist manchmal mehr” beantwortet: “Journalisten haben einen Informationsauftrag, der selbstverständlich die AfD mit einschließt. Journalisten haben aber auch die Aufgabe, Nachrichten auf ihren Informationswert hin abzuklopfen.” Für sich hat Meisner gestern auf Twitter einen #AfDfrei-en Tag ausgerufen und erhielt viele positive Reaktionen darauf.

5. Udo Ulfkotte & die Mutter, die ihren Sohn essen musste
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Udo Ulfkotte macht in vielerlei Hinsicht von sich reden, ob als Autor eines umstrittenen Bestsellers zum Thema Journalismus bei einem irrlichternden Verlag oder mit Artikeln auf der Webseite eben dieses Verlags. Stefan Niggemeier von “Übermedien” hat sich die jüngste “Enthüllung” Ulfkottes angeschaut: Eine unbelegte Geschichte, die als Klassiker der Schauermärchen in vielerlei Variationen existiere, von Shakespeare bis South Park.

6. Britisches Modell
(sueddeutsche.de, Raphael Honigstein)
Wer in England das Runde auf dem eckigen Bildschirm sehen will, zahlt viel und bekommt recht wenig, berichtet Raphael Honigstein in der “Süddeutschen Zeitung”. Sagenhafte 2,17 Milliarden Euro im Jahr habe Premier-League-Chef Richard Scudamore in der kommenden Saison allein aus den nationalen Rechten herausgeholt. (Wer jetzt denkt, davon seien wir Deutschen weit entfernt: Die “FAZ” berichtet aktuell vom Poker um die Bundesligaübertragung, bei dem es ebenfalls um astronomische Beträge geht.)

Comics, Gauland, Erpressung

1. Journalisten mit Feder und Tusche
(de.ejo-online.eu, Katja Engel)
Wissenschaftsjournalistin Katja Engel ist aufgefallen, dass in Comics zunehmend ernsthafte Geschichten erzählt würden, ob von Bootsflüchtlingen, die ihre Rettung in einer Fahrt übers Mittelmeer suchen oder Sportlerinnen in Somalia, die von der Terrormiliz drangsaliert werden oder der Nazi-Szene. Ernsthafte Geschichten über Kriege, Flucht und soziale Missstände im Format der Comic-Reportage. In ihrem Artikel stellt Engel exemplarisch zwei Werke vor.

2. “Frontal 21”-Chefin Ilka Brecht: “Investigation hilft in der Glaubwürdigkeits-Debatte”
(kress.de, Bülend Ürük)
Das vom “ZDF” wöchentlich ausgestrahlte politische Magazin “Frontal21” wurde 2001 als Nachfolger der Magazine “Frontal” und “Kennzeichen D” gestartet. Der Branchendienst “Kress” hat mit Ilka Brecht gesprochen, die das Magazin leitet und moderiert. Es geht um Gegenwind aus Wirtschaft und Politik, die Zusammenarbeit mit Medienpartnern, Satire und die wohl unvermeidlichen Themen Quote und Reichweite.

3. Nach diesen Regeln arbeiten Journalisten
(tagesschau.de, Julian Heißler)
AfD-Vize Gauland beklagt die Arbeitsweise der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Julian Heißler von “tagesschau.de” fragt, ob die Redakteure – wie von Gauland behauptet – gegen Regeln der Berichterstattung verstoßen haben und liefert eine Übersicht, was im politischen Journalismus üblich ist. In diesem Zusammenhang beachtenswert auch der ausführliche Beitrag von Hardy Prothmann, der sich im Rheinneckarblog mit der “Causa Nachbar” auseinandersetzt.

4. Dudelfunk nicht bekämpfen, sondern anpassen! Zur Kritik am Formatradio.
(zebrabutter.net, Theo Wurth)
Theo Wurth rechnet mit dem “Dudelfunk” ab: Radiosender würden kaum noch unterscheidbare Klangfarben haben, mindestens alle vier Stunden gemäß Durchschnitts-Verweildauer ihre “aktuellen Hits” wiederholen, den Hörer mit leeren Superlativ-Claims bombardieren, Content auf unter 1:30 Min. herunterbrechen und das gesamte immergleiche 24/7-Programm in einen streng geführten Sendeablauf stopfen. Derartiges Radio sei allenfalls seichtes Begleitmedium und vom Scheitern bedroht.

5. Philippinen: Duterte rechtfertigt Morde an Journalisten
(spiegel.de)
“Nur weil du ein Journalist bist, bist du von Attentaten nicht ausgenommen, wenn du ein Hurensohn bist”, so die Worte des neuen Präsidenten der Philippinen, mit denen er Anschläge auf Journalisten verteidigte. Journalisten, die die Wahrheit berichteten, werde nichts passieren. Korrupte Journalisten rette das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht. Die Journalistengewerkschaft der Philippinen reagierte entsetzt und auch die Organisation Reporter ohne Grenzen hat sich zu Wort gemeldet.

6. Uefa greift ins TV-Programm ein
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Wer die Fußballspiele der Euro 2016 zeigen will, muss vorproduzierten Uefa-Content ausstrahlen. Der Leiter der Schweizer “Medienwoche” dazu: “Letztlich lassen sich die Sender erpressen von der Uefa, die ihr begehrtes Produkt Euro 2016 als Einfallstor nutzt für die Platzierung von Content Marketing.”

Facebook-Falle, Silicon-Valley-Duell, “Hochwatergate”

1. Märtyrer für die einen, Mörder für die anderen
(tagesspiegel.de, Lissy Kaufmann)
Bei der Berichterstattung in den Konfliktgebieten Westjordanland und Gaza gibt es verschiedene Wahrheiten. Die israelische Journalistin Lissy Kaufmann berichtet von der schwierigen Lage in der Region. “Journalisten sind immer Teil des Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis in den besetzten Gebieten.”

2. Die Facebook-Falle
(de.ejo-online.eu, Thomas Schmidt)
Facebook kontrolliert maßgebliche Strukturen, Ressourcen und Kanäle der öffentlichen Meinungsbildung, sagt Kommunikationswissenschaftler Thomas Schmidt. Es fehle an Transparenz darüber, wie Grundregeln definiert werden und welche Verzerrungen dadurch entstehen könnten. Facebook verstärke die selektive Wahrnehmung (“Filterblase”). Das Netzwerk verweigere journalistische Verantwortlichkeit und verstecke sich hinter der trügerischen Neutralität der Algorithmen. Damit müsse man sich auseinandersetzen: In der Wissenschaft und im öffentlichen Diskurs.

3. No Varoufake!
(freitag.de, Sebastian Puschner)
Die griechische Medienlandschaft gilt als verkrustet und aussichtslos. 20 Prozent arbeitslose und 30 Prozent unbezahlte Journalisten, monatelange Wartezeiten auf Honorare, Selbstzensur, so beschreibt das Medienprojekt “Athens Live” selbst die derzeitige Situation. Und dennoch will “Athens Live” den Start wagen. Beim Crowdfunding sind zwar nur 23.000 statt der angestrebten 60.000 Euro angekommen, aber man gibt sich wild entschlossen. Auftrieb gab dem 13-köpfigen Team außerdem das vielbeachtete Interview mit dem griechischen Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis.

4. Geld vs. Geld
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Die “Süddeutsche Zeitung” berichtet von einem besonders schillernden Medienfall. Der Rechtsstreit zwischen dem früheren US-Wrestler Hulk Hogan und dem Klatsch-Blog Gawker arte in ein Duell zwischen Silicon-Valley-Milliardären aus: ebay-Gründer vs. Paypal-Gründer.

5. Faulheit kostet Menschenleben
(wetterkanal.kachelmannwetter.com, Jörg Kachelmann)
Jörg Kachelmann kritisiert die Öffentlich-Rechtlichen: Man hätte die Naturkatastrophe mit den durch Regenfälle und Hochwasser bedingten Flutwellen ignoriert. Tote hätten vermieden werden können. Kachelmann begründet seine Kritik, aber es ist viel Wut und Polemik im Spiel. Die ARD hat die Kritik nach einem Bericht des “Spiegel” zurückgewiesen.

6. Diese Sache, die die AfD und Donald Trump gemeinsam haben, wird Dich überraschen
(lampiongarten.wordpress.com, Sebastian Baumer)
Sebastian Baumer fragt sich, warum so häufig über “AfD” und “Trump” berichtet werde. Er glaubt, der Sache auf den Grund gekommen zu sein: “Die AfD und Donald Trump haben eine Sache ganz definitiv gemeinsam: Dich. Dass Du diese beiden Themen zuverlässig klickst und andere Themen nicht. Du bist als begieriger Leser und Weiterverbreiter von Artikeln über die AfD und Donald Trump das wichtigste verbindende Element. Wahrscheinlich hilfst Du damit diesen Leuten auch, auf jeden Fall aber sorgst Du mit Deiner Aufmerksamkeit dafür, dass fortlaufend weiter über sie berichtet wird.”

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