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Fehlerkultur: Was Redaktionen von Piloten lernen können

Im zurückliegenden Jahr haben wir hier im BILDblog wieder viel über Fehler geschrieben. Aber was genau sind das eigentlich: Fehler? Wie häufig passieren sie? Wie entstehen sie? Und was können Redaktionen gegen sie tun? Unser Autor Ralf Heimann hat sich in einer achtteiligen Serie mit all dem Falschen beschäftigt. Heute der letzte Teil: Fehlerkultur und Korrekturen.

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Als Volontär habe ich von einem Kollegen den Satz gelernt: “Wir korrigieren nur, wenn einer anruft.” Ich hatte einen Fehler gemacht und jemanden gefragt, wie ich damit am besten umgehe. Dass man auf einen Fehler reagieren musste, kam selten vor, aber auch dann gab es noch mehrere Möglichkeiten, eine unangenehme Korrektur zu umgehen. Man sagte zum Beispiel: “Wir berichten morgen noch mal, und dann steht’s ja richtig in der Zeitung.” Natürlich erwähnte man dann am darauffolgenden Tag nicht, dass man zuvor einen Fehler gemacht hatte. Und das tat man auch dann nicht, wenn jemand anrief, der fand, da sei ja nun einiges durcheinander geraten. Dann konnte man sagen: “Wir kommen einfach zu Ihnen und machen die Geschichte noch mal aus Ihrer Perspektive.”

Führte wirklich kein Weg an einer Korrektur vorbei, bot sich immer noch die Formulierung “aufgrund eines technischen Fehlers” an.

Fairerweise muss man sagen: Das war vor 15 Jahren, und es gingen nicht alle so vor. Allerdings scheint dieser Umgang mit Fehlern heute immer noch recht üblich zu sein. Auch bei großen Medien sind die Auffassungen darüber, was man tun sollte, wenn Fehler passiert sind, sehr verschieden. In dem im Mai erschienenen Abschlussbericht (PDF) nach dem Betrugsfall Relotius schreibt die vom “Spiegel” eingesetzte Kommission:

Die Meinung darüber, ob Fehler in Texten im Nachhinein korrigiert werden sollen, gehen weit auseinander. Im Gegensatz zu SPIEGEL ONLINE, wo sich klare Regeln zum Umgang mit Fehlern entwickelt haben, gilt das fürs Heft nicht. Es existiert sowohl die Auffassung, Fehler sollten gar nicht erwähnt werden, als auch, jeder Fehler sollte korrigiert werden.

Der “Spiegel” ist damit nicht allein. In vielen Online-Medien hat sich zwar die Praxis etabliert, Fehler nicht nur richtigzustellen, sondern die Korrekturen auch transparent zu machen. Aber in Print-Produkten sind Korrekturmeldungen weiterhin eher die Ausnahme.

Auch international gibt es große Unterschiede. Der Journalistik-Professor Stephan Russ-Mohl schreibt in seinem Buch “Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde”:

In Amerika besteht seit langem ein Konsens, dass Fehler korrekturbedürftig sind und es der Glaubwürdigkeit von Redaktionen aufhilft, wenn sie diese freiwillig berichtigen. (…) Die grundsätzliche Bereitschaft, amerikanischer Nachrichtenmedien, Fehler zu berichtigen, hebt sich wohltuend von den Vertuschungsmanövern und vom Beschweigen der eigenen Unzulänglichkeiten in Europa ab.

Die “New York Times” etwa zeigt auf ihrer Website in einer Übersicht, welche Artikel online korrigiert worden sind. Am 8. Juni dieses Jahres, als ich diesen Text geschrieben habe, waren es fünf, am 7. Juni waren es sieben, am 6. Juni waren es 15. In derselben Rubrik sind auch die richtiggestellten Fehler aus der gedruckten Zeitung zu finden. Hier waren es am 8. Juni sieben, am 7. Juni elf und am 6. Juni acht.

In der “FAZ” habe ich zwischen dem 6. und 8. Juni eine einzige Fehlerkorrektur gefunden: Am 6. Juni berichtigte die Redaktion in ihrem Regionalteil auf Seite 30 eine Zahl.

Ausriss aus der FAZ - Korrektur - Die Facebook-Seite der hessischen CDU hat das 12.000 Abonnenten und nicht, wie in der Mittwochausgabe irrtümlich berichtet, 1200. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Die erkennbaren Unterschiede zwischen Online- und Print-Medien innerhalb Deutschlands deuten darauf hin, dass kulturelle Unterschiede zwischen den USA und Europa nur ein Teil der Erklärung sind. Offenbar spielt auch die Kultur innerhalb einer Redaktion eine wichtige Rolle.

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Je seltener eine Redaktion korrigiert, desto schmerzhafter wird die Berichtigung für die einzelnen Journalistinnen und Journalisten. Die Fehlerforscher Scott Maier und Colin Porlezza beschreiben die Situation als ein Gefangenendilemma:

Journalisten, die ihre Fehler gewissenhaft korrigieren, erscheinen weniger genau als ihre Kollegen, die ihre Fehler nicht eingestehen und keine Korrekturen vornehmen.

Eines wird sich allerdings nicht ändern lassen: Korrekturen werden für Einzelne auch dann unangenehm bleiben, wenn sie regelmäßig vorkommen. Für Redaktionen kann das sogar ein Vorteil sein, denn es steigert den Anreiz, sorgfältig zu arbeiten. Regelmäßige Korrekturen verhindern allerdings nicht, dass Journalistinnen und Journalisten ihre eigenen Fehler vertuschen. Das passiert schnell, wenn das Ziel ist, Fehler um jeden Preis zu vermeiden. Peter Klaus Brandl schreibt in seinem Buch “Crash-Kommunikation”:

Eine fehlerfeindliche Kultur geht davon aus, dass Fehler nicht sein dürfen und um jeden Preis verhindert werden müssen. Sie ignoriert damit schlicht die menschliche Fehlbarkeit. Das führt zum Vertuschen und Verschweigen von Fehlern

Im Journalismus sind die Folgen von vertuschten Fehlern oft überschaubar. Deswegen hat die Fehlerkultur in der Regel keine besonders hohe Priorität. In der Luftfahrt ist das anders. Dort ist man sehr viel weiter.

Eine wichtige Rolle spielt die Hierarchie. Angenommen im Cockpit sitzen zwei Piloten, ein sehr junger und ein erfahrener. Fragt man Menschen, was sie für sicherer halten — wenn der junge Pilot fliegt, und der erfahrene als Co-Pilot danebensitzt, oder umgekehrt –, antworten die meisten: Besser ist, wenn der erfahrene Pilot fliegt.

Tatsächlich ist es umgekehrt. Denn der Co-Pilot hat unter anderem die Aufgabe einzugreifen, wenn der Pilot einen Fehler macht. Der erfahrene Pilot wird nicht lange zögern, den jungen Kollegen auf einen Fehler aufmerksam zu machen, der jüngere Kollege umgekehrt vielleicht schon.

Auf den Journalismus übertragen bedeutet das: Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es nicht wagen, ihre Chefs zu kritisieren, und diese die wichtigsten Aufgaben dazu noch gern selbst übernehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit von Fehlern enorm. Leider ist beides oft gleichzeitig der Fall.

Wie Chefs sich richtig verhalten, um eine solche Situation zu verhindern, beschreibt Jan Hagen, Professor an der privaten Hochschule ESMT in Berlin. Er erforscht das Fehlermanagement in der Luftfahrt. Und was er über Piloten sagt, lässt sich so auch auf Redaktionsleiterinnen oder Chefredakteure übertragen:

Der Kapitän darf zum Beispiel nicht zu dominant sein, muss sich ein Stück zurücknehmen. Er soll den Informationsfluss managen und nicht derjenige sein, von dem der Informationsfluss ausgeht. Es ist nicht der Pilot gut, der viele Befehle gibt und Situationen schnell analysiert, sondern der, der viel fragt, viel Input einfordert und dann entscheidet. Ein weiteres wichtiges Instrument: Fehler sollten nicht bestraft werden.

Die ideale Fehlerkultur beschreibt Peter Klaus Brandl so:

Eine positive Fehlerkultur (Non-Blaming-Culture) setzt eine Unternehmenskultur voraus, die von Offenheit, Fairness und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Und die akzeptiert, dass Fehler zum Arbeitsalltag dazugehören.

Eine Besonderheit im Journalismus ist, dass der Begriff “Nestbeschmutzer” weit verbreitet ist. Es gilt als verpönt, Kolleginnen oder Kollegen zu kritisieren. Das ist ein Ergebnis des Abschlussberichts der Relotius-Kommission, und auch Medienforscher beschreiben das immer wieder.

Hans Mathias Kepplinger berichtet in seinem Buch “Totschweigen und Skandalisieren – was Journalisten über ihre eigenen Fehler denken” über eine Befragung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Journalisten, in der es um die Frage ging, ob man Kolleginnen und Kollegen namentlich nennen sollte, die einen gravierenden Fehler gemacht haben. 48 Prozent der Ingenieure sagten: Ja, das wäre in dem konkreten Fall angebracht. Aber nur 19 Prozent der Journalisten sahen das so. In einem Vergleich zwischen Journalisten und Wissenschaftlern zu einem anderen Fehlverhalten waren nur 5 Prozent der Journalisten dafür, Namen von Kolleginnen und Kollegen zu nennen, aber 61 Prozent der Wissenschaftler.

Diese Kultur ist im Journalismus anscheinend tief verwurzelt. Und das verstärkt das Problem. Kepplinger schreibt:

Journalisten schweigen zu Fehlern von Journalisten (…) vermutlich auch deshalb, weil das berufliche Umfeld dafür [Kollegenkritik] kein Verständnis hätte.

Im Umgang mit eigenen Fehlern offenbaren Journalistinnen und Journalisten ihr Selbstverständnis — und damit eben unter Umständen, dass dies nicht mehr ganz aktuell ist. Als das Internet im Journalismus noch keine Bedeutung hatte, und die Rollen klar in die der Sender (Journalisten) und die der Empfänger (Publikum) verteilt waren, bestand noch nicht die Notwendigkeit, auf Fehler zu reagieren. Man warf den Leserbrief einfach in den Müll. Damit war die Sache erledigt. Heute kann sich so etwas schnell zu einem Flächenbrand auswachsen. Aber viele Journalistinnen und Journalisten sind mit der veränderten Situation noch immer nicht vertraut.

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen beschreibt das in seinem Buch “Die große Gereiztheit” so:

In der redaktionellen Gesellschaft der Zukunft müssen Journalistinnen und Journalisten ihr Verhältnis zum aktiv und medienmächtig gewordenen Publikum grundsätzlich überdenken, dieses anders entwerfen, sich von der arroganten Simulation von Allwissenheit, der Rolle des Predigers, des Pädagogen und Wahrheitsverkünders verabschieden, zum Zuhörer und Moderator und gleichberechtigten Diskurspartner werden.

Heute können Journalistinnen und Journalisten einen Leserbrief nicht mehr in den Müll werfen, und dann ist Ruhe, weil sie gar nicht mehr gebraucht werden, um Dinge öffentlich zu machen. Wo nun jeder Publizist sein kann, werden sie gebraucht, um Informationen zu beschaffen, alles zusammenzutragen und zu bewerten, aber dann nicht mehr wie früher ein fertiges Produkt hinzustellen, an dem sich nur noch dann etwas ändert, wenn eine Korrektur sich nicht vermeiden lässt. In dieser veränderten Welt beginnt mit der Veröffentlichung eine neue Phase.

Der “kategorische Imperativ eines in dieser Weise verwandelten Journalismus” ist laut Bernhard Pörksen: “Begreife die eigene Kommunikation nie als Endpunkt, sondern immer als Anfang und Anstoß von Dialog und Diskurs.”

Damit verändert sich auch das Verständnis des journalistischen Produkts fundamental. Journalistinnen und Journalisten können nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, in der Lage zu sein, die komplizierte Welt auf Anhieb umfassend darzustellen. Sie versuchen im Idealfall, sich mit einer immer genauer werdenden Beschreibung der Wirklichkeit langsam zu nähern. In diesem Prozess sind Ergänzungen und Korrekturen kein peinliches Eingeständnis von dummen Fehlleistungen, sondern notwendige Schritte, um dem Ziel näher zu kommen, ein vollständiges Bild zu liefern.

David Broder, langjähriger Kolumnist der “Washington Post”, formulierte diesen Gedanken schon im Jahr 1987. Es geht um den Slogan der “New York Times”, der das Selbstverständnis der Zeitung zum Ausdruck bringt: “All the news that’s fit to print” (laut Wikipedia in etwa: “Alle Nachrichten, die es wert sind, gedruckt zu werden.”). Broder sagte:

Statt den Menschen “All the News That’s Fit to Print” zu versprechen, würde ich mir wünschen, dass wir immer wieder betonen: Die Zeitung ist eine teils hastige, unvollständige, unvermeidlich fehlerhafte und ungenaue Wiedergabe einiger der Dinge, von denen wir in den letzten 24 Stunden gehört haben. Wenn wir die Zeitung mit einem korrekten Label versehen würden, würden wir hinzufügen: “Aber es ist das Beste, was wir unter den gegebenen Umständen machen können, und morgen bringen wir eine korrigierte und aktualisierte Version.”

Alan Rusbridger, der ehemalige Chefredakteur des “Guardian”, zitiert Broder in seinem Buch “Breaking News – The Remaking of Journalism and why it matters now”. Über 30 Jahre nach Broders Aussage haben sich die Rahmenbedingungen verändert: Heute geht es nicht mehr nur um die Zeitung, und es dauert auch keinen ganzen Tag mehr bis zur nächsten Aktualisierung. Aber das alte Ideal des auf Anhieb allumfassend erklärenden journalistischen Beitrags hält sich noch immer. Rusbridger schlägt vor, journalistische Stücke nicht mehr als Werk zu verstehen, “das so bleibt, wie es geschaffen wurde”, sondern die “Bereitschaft zur Korrektur zu einem wesentlichen Instrument des Journalismus zu machen”. Die Korrektur oder Ergänzung wäre dann nicht mehr ein Makel, sondern der Hinweis darauf, dass man der Wahrheit noch etwas näher gekommen ist. Bliebe die Frage, ob das möglich ist. Alan Rusbridger schreibt, sein Instinkt sage ihm, “diese Art von Veränderung” sei “wahrscheinlich unvermeidlich”.

Korrektur, 11:27 Uhr: Anschauungsmaterial in eigener Sache: In einer ersten Version dieses Textes befand sich ein Absatz, in dem stand, dass es so aussehe, als habe die “FAZ” in ihrer Korrektur versucht, eine falsche Angabe zu einem Vertipper herunterzuspielen. Wir hatten dabei allerdings Abonnenten- und “Gefällt mir”-Angaben verwechselt — und dadurch selbst einen Fehler produziert. Wir bitten, dies zu entschuldigen. Den Absatz mit dem Fehler haben wir gelöscht.

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Teil 1 unserer “Kleinen Wissenschaft des Fehlers” gibt es hier, Teil 2 hier, Teil 3 hier, Teil 4 hier, Teil 5 hier, Teil 6 hier und Teil 7 hier. Oder alle Teile auf einmal hier.

Greta in vollen Zügen, Suizide der K-Pop-Stars, Nuhr Andersdenkende

1. Greta genießt’s in vollen Zügen
(taz.de, Gereon Asmuth)
Das Foto der auf dem Boden eines ICE sitzenden Greta Thunberg sorgt für Schnappatmung in den Sozialen Medien. Das liegt vor allem an einer unglücklichen Antwort der Deutschen Bahn, die Thunberg wohl zu Unrecht in ein schlechtes Licht rückt. Gereon Asmuth schreibt über ein PR-Desaster der besonderen Art. Oder wie Julia Reda auf Twitter sagt: “Die @DB_Presse erweckt den Eindruck, @GretaThunberg hätte ihr ICE-Foto gefaked und liefert damit Futter für Klimaleugner. Dass es um 2 verschiedene Züge ging, wird sich nie dort rumsprechen. So funktioniert Desinformation, herzlichen Glückwunsch.”
Weitere Lesetipps: Bei “Spiegel Online” fragt Arno Frank in seiner “Analyse einer Blamage”: “Liebe Bahn, wie kann man das so verbocken?” Und Martin Hoffmann erklärt in einem Twitter-Thread, warum “der Umgang mit dem Greta-Foto” ein Lehrstück darüber ist, “was in vielen Medien falsch läuft.”

2. SPD-Chefin Esken geht juristisch gegen Berichterstattung vor
(tagesspiegel.de, Georg Ismar)
Im ARD-Magazin “Kontraste” wurden schwerwiegende Vorwürfe gegen die neue SPD-Vorsitzende Saskia Esken erhoben, die sich auf ihre Zeit als Vizechefin des Landeselternbeirats Baden-Württemberg beziehen. Es geht vor allem um das angebliche Ausspionieren einer Mitarbeiterin und eine umstrittene Kündigung. Esken sei mit der Darstellung nicht einverstanden und habe laut “Redaktionsnetzwerk Deutschland” “presserechtliche Schritte auf Unterlassung, Widerruf und Gegendarstellung” gegen den RBB eingeleitet.

3. “Die Jüngeren sind unterversorgt”
(sueddeutsche.de, Stefan Mayr & Claudia Tieschky)
Die “Süddeutsche” hat sich mit SWR-Intendant Kai Gniffke über dessen Pläne mit dem Sender unterhalten. Dabei geht es um die Schwierigkeit, ein junges Publikum anzusprechen, ohne das alte zu verprellen, und das geplante Innovationszentrum: “Das wird eine Hexenküche sein, ein Inkubator für Ideen aus dem SWR, es soll mit Start-ups und Wissenschaft gemeinsame Projekte realisieren. Und es soll konkrete Aufträge angehen. Zum Beispiel: Bitte macht mal ein Konzept, wie wir dieses und jenes Milieu künftig erreichen, in dem wir Defizite haben.”

4. Kein Witz: Dieter Nuhr möchte die Debattenkultur retten
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Der Kabarettist Dieter Nuhr hat sich in einem Interview mit der “Rheinischen Post” (beim Bonner “General-Anzeiger” auch ohne Paywall) über die seiner Meinung nach unzureichende Debattenkultur beklagt (“Andersdenkende werden nicht mehr respektiert”). Johannes Kram kommentiert: “Das Interview hat einen seltsamen Beigeschmack, weil Dieter Nuhr hier unwidersprochen den Eindruck erwecken darf, er hätte mit dem, was er da beschreibt, nichts zu tun. Dabei ist es ja gerade Nuhr, der mit seiner Aggressivität verbunden mit seiner enormen Social-Media-Reichweite genau die Debattenkultur vergiftet, die er hier vorgibt, retten zu wollen. Und das in einer bemerkenswerten Perfidie.”

5. Twitter sperrt Polizei-Accounts in NRW
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Am Wochenende hat Twitter eine ganze Reihe von offiziellen Polizei-Accounts gesperrt. Bei den Sperren könne es sich um einen technischen Fehler handeln, so Dennis Horn, und dennoch sei es “offensichtlich, dass Twitter ein Problem mit Overblocking hat — und die Frage, wie gut es ist, dass private Unternehmen über Kanäle entscheiden, die für die Öffentlichkeit wichtig sind, bleibt aktuell.”

6. Wenn der mediale Druck zu groß wird
(deutschlandfunk.de, Kathrin Erdmann, Audio: 4:51 Minuten)
Innerhalb kurzer Zeit haben sich in Südkorea drei K-Pop-Stars das Leben genommen. Der Erfolg der Musikerinnen und Musiker scheint mit extrem hohem Druck verbunden zu sein. Das Management schreibe ihnen zum Beispiel ein Maximalgewicht von 50 Kilogramm vor und mische sich auch ansonsten in intimste Dinge ein. Der Chef einer K-Pop-Agentur: “In den Verträgen einer unserer Girlbands stand auch, dass sie keine Jungs treffen dürfen, aber es ist schwer, sie daran zu hindern, denn sie werden es trotzdem versuchen. Man muss sie dann kontrollieren, das kostet viel Geld. Größere Agenturen lassen ihre Manager sogar mit denen in einem Zimmer schlafen, damit sie keinen Blödsinn machen.”
(Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222 und 116 123) erreichen kannst.)

“The Buzzard”, Versteckte TikTok-Videos, Böhmermanns Abschied

1. Ein merkwürdiges Verbrechen
(spiegel.de, Thomas Fischer)
Der frühere Bundesrichter und heutige “Spiegel Online”-Kolumnist Thomas Fischer schreibt über den Tötungsdelikt von Augsburg und geht auch auf die Berichterstattung darüber ein: “Auf der Stecke bleiben dabei die Betroffenen: Die Tatopfer, aber auch die Beschuldigten. Sie werden zu Spielbällen einer willkürlich, zufällig und zynisch erscheinenden Konstruktion von Medien-Wirklichkeit erniedrigt. Auch die Wahrheit bleibt auf der Stecke, wenn Kriminalität nurmehr als Abfolge von ‘Unfassbarem’, als Anlass sich steigernden ‘Abscheus’, als unterhaltsame Serie über die schlimmsten Täter, die ärmsten Opfer und die härtesten Knäste wahrgenommen wird.”

2. Den Blick auf die Welt weiten – mit rechtsradikalen Blogs?
(uebermedien.de, Felix Huesmann)
“Mit Buzzard bekommst du einen ganz neuen Zugang zur Nachrichtenwelt. Eine App, die deinen Blick weitet für Perspektiven des ganzen Meinungsspektrums”, verspricht das Medien-Startup “The Buzzard” und sammelte bei einem Crowdfunding rund 170.000 Euro ein. Nun gibt es aber reichlich Gegenwind: In einer Art Prototyp gehörte zum “ganzen Meinungsspektrum”, das “The Buzzard” abbilden will, auch das rechtsextreme und islamfeindliche Blog “PI-News”. Mehrere prominente “The Buzzard”-Unterstützerinnen und -Unterstützer sind inzwischen abgesprungen, die Rechtfertigungen der Projektverantwortlichen machen es eher nur schlimmer. Felix Huesmann schreibt bei “Übermedien”: “‘The Buzzard’ hat es nach zweieinhalb Jahren laufenden Betriebs des Prototyps nicht geschafft, ein funktionierendes Konzept für den Umgang mit rechtsextremen, rassistischen und verschwörungstheoretischen Seiten zu entwickeln.”

3. “Kollegen sind immer mehr Drohungen ausgesetzt”
(sueddeutsche.de, Oliver Das Gupta)
Oliver Das Gupta hat sich mit Jamie Angus, dem Direktor der BBC World Service Group, über Journalismus in Zeiten des britischen Wahlkampfs, Drohungen gegen BBC-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, sowie Boris Johnsons Weigerung, dem bekannten Journalisten Andrew Neil ein Interview zu geben, unterhalten.

4. TikTok: Ich habe China kritisiert, dann wurden meine Videos versteckt
(vice.com, Sebastian Meineck)
Bei “Vice” wollten wissen: “Was passiert, wenn wir auf TikTok China kritisieren?” Daher postete Tech-Redakteur Sebastian Meineck mehrere Videos mit Hashtags wie #freexinjiang, #chinacables oder #culturalgenocide in dem Sozialen Netzwerk. Das Ergebnis seines Experiments: Videos, die aus der Hashtag-Suche der Smartphone-App verschwinden, wofür laut TikToks PR-Abteilung natürlich nur ein “Bug” verantwortlich sein soll.
Weiterer Lesetipp: “TikTok ist die angesagteste Video-App unter Kindern und Jugendlichen. Doch manche Nutzer verleiten ihre Zuschauer in Livestreams zu virtuellen Geldgeschenken — mit fragwürdigen Versprechungen”: Die dubiose Seite der TikTok-Welt (spiegel.de, Markus Böhm).

5. Das Coming-out einer Transgender-Chefin im WDR
(wdr.de, Andrea Moos, Video: 4:16 Minuten)
Georgine Kellermann ist Chefin im WDR-Studio in Essen. Mit 62 Jahren hat sie ihr Coming-out als Transgender. Dass das für sie erst jetzt möglich ist, liege auch an ihrem Beruf: “Um die Welt fliegen und Geschichten erzählen — meine Angst war, dass das nicht mehr passieren würde. Ich war so glücklich in dem, was ich tat, dass meine Sorge einfach war: Wenn ich jetzt werde, wer ich bin, dass ich dann nicht mehr tun kann, was ich liebe.”

6. Böhmermanns Abschied: So war die letzte Ausgabe vom “Neo Magazin Royale”
(rnd.de, Imre Grimm)
Gestern lief die letzte Folge “Neo Magazin Royale” bei ZDFneo. Moderator Jan Böhmermann wechselt kommendes Jahr ins ZDF, also das richtige, große ZDF. Imre Grimm hat sich das “Neo Magazin Royale”-Finale angeschaut und überlegt, was Böhmermann fürs Hauptprogramm noch fehlt.

Queer.de unter Druck, Nichts gelernt, Im Zentrum des Shitstorms

1. “Queer.de” unter Druck
(taz.de, Eva-Maria Tepest)
Das LGBT-Medium queer.de wurde von einem christlichen Bildungsverein abgemahnt. Das “Zentralorgan der Homo-Lobby”, so die augenzwinkernde Selbstbezeichnung, habe angeblich falsche Fakten über den umstrittenen Verein verbreitet, der Homosexualität in seinen Lehrunterlagen schon mal als heilbare “Verirrung” bezeichnet. queer.de-Geschäftsführer Micha Schulze will trotz des juristischen Drucks an der Berichterstattung festhalten: “Kein anderes Portal berichtet so ausführlich und so hartnäckig über die neue gefährliche Allianz aus fundamentalistischen Christen und rechtsextremen Hetzern”.
Weiterer Lesehinweis zum Hintergrund des christlichen Vereins: Bildungsministerium verweist Sexualkundeverein aus Klassenzimmern (diepresse.com).

2. Angestachelt vom #AfD-Fanboy …
(twitter.com, Sebastian Pertsch)
Der Journalist und “Floskelwolken”-Mitbetreiber Sebastian Pertsch sieht sich einem Shitstorm aus der rechten Szene ausgesetzt. Er werde verbal angegriffen, beleidigt, mit Hass und Häme überzogen — und auch bedroht. Auf Twitter hat er in einem Thread seine Beobachtungen dazu notiert. Besonders bitter, dass sich anscheinend auch Leute dem Shitstorm (direkt oder indirekt) anschlossen, die es besser hätten wissen müssen: “Außerdem likten ein Ressortleiter des Spiegels, ein ehemaliger Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Mitarbeiter der WELT, ein Preisträger des Deutschen Radiopreises aus diesem Jahr und ein paar FDP- und CDU-Politiker die Hate-Posts, weil sie offensichtlich nicht in der Lage waren, die Hintergründe zu recherchieren.”
Weiterer Lesehinweis: Der Journalist Stefan Fries hat Ähnliches erlebt, auch was den Auslöser des Shitstorms betrifft.

3. Debatte um Meinungsfreiheit: Offenbar haben wir nichts gelernt
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Anlässlich der Debatte um Meinungsfreiheit fragt Matthias Schwarzer in seinem Kommentar, wann Journalistinnen und Journalisten endlich damit aufhören, ständig übers rechte Stöckchen zu springen. Und er fragt sich sowie seine Kollegen und Kolleginnen in den Medien: “Warum veranstalten wir schon seit Jahren ganze TV-Talkshows zu Themen wie Political Correctness und zu Scheindiskussionen, ob man heute eigentlich noch “Zigeunerschnitzel” sagen darf? Haben wir (und nein, das ist kein Whataboutismus) denn wirklich gerade keine anderen Probleme?”

4. “Fake-Nachrichten können die Wikipedia-Community nicht beeindrucken”
(spiegel.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz hat sich für “Spiegel Online” mit dem Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über die aktuellen Entwicklungen bei der Online-Enzyklopädie unterhalten. Es geht um Themen wie “Fake News”, Desinformationskampagnen und Diversität. Wales beklagt im Gespräch außerdem den nicht immer fairen Umgang mit den Wikipedia-Inhalten: “Natürlich sind wir zufriedener, wenn wir als Quelle genannt werden. Google macht das ganz gut. Wenn man aber Alexa fragt: “Wer ist Tom Cruise?”, dann liest sie die ersten zwei Sätze aus dem Wikipedia-Artikel vor, ohne dem Nutzer zu sagen, woher die Informationen stammen. Es wäre schlecht, wenn Leute meinten, dass die Wikipedia entbehrlich ist, weil Alexa ja alles weiß.”

5. Sibel Schick erzählt, wie es ist, wenn man ständig Morddrohungen bekommt
(vice.com, Marlene Halser)
Wie ist es, wenn man ständig Morddrohungen bekommt? Die Journalistin und Autorin Sibel Schick kennt dieses Gefühl leider viel zu gut. Bei “Vice” erzählt sie vom jüngsten Fall, als ihr Name auf einer Todesliste auftauchte: “Menschen, die noch nie Nachrichten von mehr als fünf unbekannten Personen gleichzeitig auf Twitter bekommen haben, denken immer: Mach das Handy aus, Problem gelöst. Aber so einfach ist es nicht. Ich bin ja als Person betroffen. Ich werde als Person bedroht und beleidigt und nicht als Social-Media-Account. Und mich selbst kann und will ich nicht ausschalten.”

6. Mit maximaler Erregung
(sueddeutsche.de, Bernd Graff)
“Titelbilder buhlen im Zeitschriftenständer um Aufmerksamkeit. Ein höchst dissonanter Chor ist das, doch darum will (und muss) jede Ausgabe neu und sensationell sein, versucht, auf unerhörte, nie gesehene Schätze in ihrem Inneren zu verweisen, will als das einzig lohnende Spektakel in diesem Überbietungskampf des Spektakulären erscheinen.” Bernd Graff stellt den Bildband “Titelseiten, die Geschichte schrieben” vor, in dem einige der eindrücklichsten Zeitschriftencover von 1949 bis heute zusammengestellt und abgebildet sind.

Mysteriöser AfD-“Wahlhelfer“, Filterblasen, Netflix-Blasphemie?

1. “Radikalisierung ist nicht erst durch das Internet entstanden”
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Kommunikationswissenschaftlerin Merja Mahrt forscht seit Jahren zu Filterblasen und Echokammern. Im Interview mit “Zeit Online” erklärt sie unter anderem, wie Empfehlungsalgorithmen zur Entstehung von Filterblasen beitragen: “Schauen Sie sich ein Video auf YouTube an, schlägt Ihnen das Portal vor, was Sie sich als Nächstes anschauen könnten, oder startet vielleicht sogar automatisch den nächsten Clip. Solche Empfehlungsalgorithmen sind in der Regel darauf trainiert, mehr vom Gleichen zu zeigen — sie sind nicht darauf programmiert, einen breiten Überblick zu geben. Dadurch bestätigen auch sie uns möglicherweise in unseren Meinungen.”

2. Wer hinter dem “Wahlhelfer” in Thüringen steckt: Der Mr. X der “freien” Medien
(correctiv.org, Till Eckert & Marcus Bensmann & Ulrich Stoll)
T-online.de berichtete jüngst über eine AfD-nahe und äußerst dubiose Wahlkampfzeitschrift in Thüringen, bei der es sich um verdeckte Parteienfinanzierung beziehungsweise Wahlkampffinanzierung handeln könnte. “Correctiv” und “Frontal21” haben den Fall weiterverfolgt und sich auf die Suche nach dem im Impressum angegebenen Herausgeber “Hanno Vollenweider” gemacht. Keine einfache Aufgabe, denn “selbst gegenüber seinen Vertrauten soll der Mann nicht seinen tatsächlichen Namen preisgeben. In der an Irrungen und Wirrungen inzwischen reichen Spendenaffäre der AfD dürfte das ein Novum sein. ”

3. Nikolaus Blome verlässt “Bild”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die “taz” beschäftigt sich mit dem Ausscheiden des stellvertretenden Chefredakteurs Nikolaus Blome bei “Bild”. Ein Rückzug aus “persönlichen Gründen”, bei dem viele über die wahren Hintergründe spekulieren würden. Eine kleine Spitze hat die “taz” in der Bildzeile versteckt, in der es heißt: “Nicht gerade die intellektuelle Spitze des deutschen Politjournalismus: Nikolaus Blome”.

4. Sind Serien über Gott, Teufel und Paradies Blasphemie?
(evangelisch.de, Till Frommann)
Auf der Suche nach neuen Filmstoffen und frischem Serienmaterial kommen Streaminganbieter wie Netflix und Amazon auch auf Geschichten mit im weitesten Sinn religiöser Thematik. Sind solche Serien blasphemisch? Tragen sie gar zur Trivialisierung des christlichen Glaubens und der Bibel bei? Till Frommann hat sich mit Pfarrer Sascha Heiligenthal über Gott, die Welt und Popkultur unterhalten.

5. Freie Journalisten beklagen erschwerte Recherche
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:13 Minuten)
Vor einigen Wochen hat sich der Journalist Christian Gesellmann bei Facebook die Wut über das prekäre Leben als freier Journalist von der Seele geschrieben: “Wenn vom Zustand der Pressefreiheit in Deutschland die Rede ist, dann geht es meist um Bedrohung von Journalisten durch Neonazis oder Diskriminierung durch Behörden. Das gibt es alles, und es ist ein Problem. Aber was das viel größere, viel mehr Autoren und andere freie Berufe betreffende Problem ist: unanständig niedrige Honorare und die Arschloch-Zahlungsmoral unserer Auftraggeber.” Der Deutschlandfunk hat die Thematik aufgegriffen und lässt Fachleute wie die Journalistikprofessorin Wiebke Möhring sowie Carola Dorner von der Gewerkschaft Freischreiber zu Wort kommen.

6. Das Märchen vom royalen Märchen
(spiegel.de, Patricia Dreyer)
Als Meghan Markle sich in den britischen Prinz Harry verliebte, sei sie von ihren Freunden gewarnt worden: “Als ich meinen Mann kennenlernte, waren meine Freunde wirklich happy für mich, weil ich so glücklich war. Aber meine britischen Freunde sagten: ‘Er ist bestimmt ganz toll — aber du solltest ihn nicht heiraten, die Boulevardpresse wird dein Leben zerstören.'” Patricia Dreyer beschreibt bei “Spiegel Online”, welchem medialen Psychoterror und welchen Angriffen durch die Boulevardpresse das royale Paar ausgesetzt ist.

“Landolf Ladig” alias Björn Höcke, Neue Klima-Mythen, “Unkorrekt”

1. Andreas Kemper über “Landolf Ladig” alias Björn Höcke (AfD) – Jung & Naiv: Folge 442
(youtube.com, Tilo Jung, Video: 1:49:14 Stunden)
Tilo Jung hat mit dem Soziologen Andreas Kemper über antidemokratische Tendenzen in der AfD gesprochen. Ab Minute 50 erzählt Kemper, wie er herausgefunden habe, dass AfD-Politiker Björn Höcke unter dem Pseudonym “Landolf Ladig” rechtsextreme Schriften verfasst habe (Auszüge beim Zentrum für Politische Schönheit). Ein auf vielen Ebenen empfehlenswertes und erkenntnisbringendes Gespräch, das man sich auch gut im Politikunterricht der Schulen vorstellen kann.
Weiterer Lesehinweis: Von wegen “Nazi-Methoden”: Die falsche Inszenierung von Bernd Lucke als Opfer (uebermedien.de, Andreij Reisin).

2. Die neuen Klimawandel-Mythen
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Wissenschaftsjournalist Florian Freistetter beschäftigt sich regelmäßig mit den Mythen und Falschbehauptungen zu Klimawandel und Klimakrise. In seinem Artikel schreibt er über die “neuen Klimawandel-Mythen” und die dahinterstehende Weltsicht. Diese ließe sich wie folgt beschreiben: “Wir können so weiterleben wie bisher und müssen uns nicht ändern, da alle Aktionen zum Klimaschutz “in Wahrheit” falsch, unnötig oder unwirksam sind. Es gäbe keinen Grund für Aufregung; es würde schon alles irgendwie gut gehen; in der Zukunft lasse sich das alles regeln und in der Gegenwart können wir uns daher entspannen. Was meiner Meinung nach ganz großer Quatsch ist.”
Weiterer Lesehinweis: In einem Gastbeitrag für “Spiegel Online” erklärt Klima- und Meeresforscher Stefan Rahmstorf: Darum schweigt die Bundesregierung zur wichtigsten Zahl beim Klimaschutz. Rahmstorfs Vorwurf: Deutschland genehmige sich besonders viel vom knappen Emissionsbudget: “Konkret bedeutet dies, dass wir fast doppelt so viel des CO2-Budgets beanspruchen, wie unserem Anteil an der Weltbevölkerung (1,1%) entspricht. So sieht es auch mit unseren aktuellen Emissionen aus: die sind pro Kopf doppelt so hoch wie im Weltdurchschnitt.”

3. Ahnungslose Polizisten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband zeigt sich verwundert über einen Polizisten auf der Frankfurter Buchmesse, der sich in einem Streit zwischen dem rechtsextremen Verleger Götz Kubitschek und einem Pressefotografen auf die Seite des Verlegers geschlagen habe: “Offen ist die Frage, warum die Frankfurter Polizei Beamte zur Buchmesse schickt, die nur rudimentäre Kenntnisse vom Presserecht haben.”

4. Schwarze Balken statt Schlagzeilen
(taz.de, Urs Wälterlin)
In Australien haben Medien in einer gemeinsamen Aktion gegen die wachsende Einschränkung der Pressefreiheit protestiert und zensierte Titelseiten mit schwarzen Balken abgedruckt. Viele der mittlerweile über 75 sogenannten Sicherheitsgesetze, die nach den Anschlägen in New York erlassen worden seien, würden die Arbeit von Journalisten erschweren oder verunmöglichen.
Weiterer Tipp: Stefan Fries kommentiert im Deutschlandfunk (Audio: 3:18 Minuten): “Die Kampagne ist auch deshalb ungewöhnlich, weil zwischen den großen Medienhäusern in Australien normalerweise starke Konkurrenz herrscht. Dass sie sich jetzt zusammentun, sollte die australische Regierung alarmieren, die die Proteste bisher nicht sonderlich ernstgenommen hat.”

5. Nuhr & Ökogans: Die Welt der Greta-Hasser anhand der Kolumne “Unkorrekt”
(volksverpetzer.de, Natascha Strobl)
Der selbsternannte “unkorrekte” österreichische Journalist Heinz Sichrovsky arbeitet sich in der “Kronen Zeitung” regelmäßig an den “Korrektheits-Ayatollahs, Umweltblockwarten und Geschlechtsverkehrsregulatoren” (Pressetext zur Buchpräsentation) ab. Aktuell in einer Kolumne, in der er auf wirre Weise Greta Thunberg, Recep Tayyip Erdogan, Jan Böhmermann und Dieter Nuhr zusammenrührt und gegen “Teenie-Ayatollahs” hetzt. Natascha Strobl kommentiert: “Alles in allem haben wir hier einen völlig ungefilterten und durch Verankerung in der Realität unberührten Gedankenstrom eines Mannes, der den Grip in der jetzigen Zeit verliert und damit nicht klar kommt. Statt scharfer Analyse oder Kritik wird versucht, sich die Welt einfach zurecht zu zimmern.”

6. Qualitätsramsch
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Die legendäre Zeitschrift “Sports Illustrated” hat mit Ross Levinsohn einen neuen Chef, und der will alles anders machen. “Aus der Sportjournalismus-Ikone soll eine billige Inhaltsfabrik werden”, wie es Jürgen Schmieder in der “Süddeutschen Zeitung” beschreibt. Dazu habe man die Hälfte der Vollzeit-Redakteure rausgeschmissen, an deren Stelle eine Hundertschaft freier Mitarbeiter treten soll. Guter Journalismus werde dort zukünftig nicht stattfinden, dieser sei von Levinsohn schlicht nicht gewollt: “Er will Ramsch produzieren und ihn unter Sports Illustrated als Qualität verkaufen.”

Weg mit den Weisheiten, Trick am Newsdesk, Altpapier “Motorwelt”

1. Weg mit den Weisheiten, her mit den Zwischentönen
(journalist-magazin.de, Barbara Hans)
Barbara Hans leitet “Spiegel Online” und gehört der Chefredaktion des “Spiegel” an. Sie hat in ihrem Leben schon viele ungebetene Ratschläge bekommen und vermeintliche Weisheiten über den Journalismus gehört. Ein paar davon hat sie sich notiert, um sie nun genüsslich zu demontieren. Und dabei fallen ein paar tatsächliche Wahrheiten ab.

2. Alter Trick am Newsdesk
(twitter.com, Jonas Leppin)
Jonas Leppin zeigt anhand von zwei Screenshots, wie Clickbait geht: “Alter Trick am Newsdesk: Wenn die Geschichte nicht so läuft, einfach mal die Zeile drehen.” Ein Fall von kühl kalkuliertem Populismus, den sich Journalistenschulen abspeichern sollten. Als Negativbeispiel.

3. SZ-Postfach: “Securedrop kann eine Art Lebensversicherung für Whistleblower sein.”
(get.torial.com, Stefan Mey)
Stefan Mey hat Vanessa Wormer von der “Süddeutschen Zeitung” interviewt, die dort das Darknet-Postfach für Whistleblower betreut. Um den Hinweisgebern ein hohes Maß an Anonymität zu bieten, ist eine Menge technischer Aufwand nötig. Trotzdem sollten die Whistleblower ein paar grundlegende Dinge beachten: “Das Wichtigste ist, uns nicht mit Geräten des Arbeitgebers zu kontaktieren, sondern private Geräte zu nutzen. Es macht auch immer Sinn, nicht das Netzwerk in der Privatwohnung oder am Arbeitsplatz zu nutzen, sondern in ein Café oder einen sonstigen Ort mit öffentlichem WLAN zu gehen.”

4. Deal.
(twitter.com/rezomusik)
Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli hat auf Twitter angeregt, den Tweets des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Rezo ist einverstanden: “Deal. Ab jetzt gibt ihm keiner mehr Reichweite und jede Zeitung, die ihn mit Reichweite pusht, wird 4 Wochen von uns allen nicht mehr gekauft. Hart für uns, weil er so erstaunlich dumme Sachen sagt. Hart für die Zeitungen, weil dumme Statements Klicks bringen. Aber schaffen wir.”

5. #40 Gutes Reden, schlechtes Reden – ein Talkshow-Talk
(deutschlandfunkkultur.de, Christine Watty, Audio: 48:55 Minuten)
Eine illustre Runde hat sich beim Kulturpodcast “Lakonisch Elegant” zum Meta-Talk über Talkshows zusammengefunden: die Medienprofis Eva Horn, Ferda Ataman, Arno Frank und Dirk von Gehlen. Es geht um die störenden Aspekte des Talkformats und um die Frage, was man besser machen könnte.

6. Für Selbstabholer
(sueddeutsche.de, Laura Hertreiter & Uwe Ritzer)
Das ADAC-Magazin “Motorwelt” ist nicht nur Europas auflagenstärkste Zeitschrift, sondern auch das führende Flachblatt für Treppenlifte, Flusskreuzfahrten und Seniorenbedarf. Aus Kostengründen soll das Magazin nur noch viermal im Jahr erscheinen. Der lustigste Satz des Artikels bei Süddeutsche.de: “Intern geht man beim ADAC davon aus, dass ein Viertel der Empfänger die Motorwelt ungelesen wegwirft.” (Lustig, weil es eigentlich fünf Viertel sein müssten.)

Funkes Thüringen-Rückzug, Chinas Mediensperre, Globuli-Abmahner

1. Print first
(taz.de, Anne Fromm)
Die Funke Mediengruppe ist einer der marktbeherrschenden Verlage für Regionalzeitungen. Besonders deutlich wird dies in Thüringen. Dort besitzt der Konzern die drei größten Zeitungen “Thüringer Allgemeine”, “Thüringische Landeszeitung” und “Ostthüringer Zeitung”. Das Quasi-Monopol hat seine Tücken, denn Funke will nun massiv sparen und reduzieren. “taz”-Medienredakteurin Anne Fromm ist besorgt: “Wenn die Funke-Zeitungen wegfallen oder zumindest viel weniger gelesen werden, weil sie nur noch digital zu haben sind, dann entsteht in weiten Teilen des Bundeslandes das, was sie in den USA “Nachrichtenwüste” nennen. Und das in dem Bundesland, wo der NSU seine Wurzeln hat. Wo die Höcke-AfD drei Monate vor der Landtagswahl in Umfragen mit gut 20 Prozent drittstärkste Partei ist. Wo Sozialforscher seit Jahren ein Verfestigen rassistischer Tendenzen bei rund der Hälfte der Bevölkerung beobachten.”

2. Heather Mills bekommt wegen Abhörskandal Entschädigung zugesprochen
(spiegel.de)
In Großbritannien haben Journalisten jahrelang Promis abgehört, darunter Heather Mills, früheres Model und Ex-Frau von Paul McCartney. Nun hat Mills nach eigener Aussage gemeinsam mit anderen Opfern “die höchste Entschädigungssumme in einem Fall von Verleumdung durch Medien erreicht, die jemals in der britischen Rechtsgeschichte verhängt wurde”.

3. China blockiert deutsche Medien
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:49 Minuten)
China sperre im Internet immer mehr deutschsprachige Inhalte, darunter “Spiegel Online”, “Tagesschau”, “FAZ”, “SZ” und ZDF (ZDF.de und auch heute.de scheinen allerdings doch in China abrufbar zu sein). Markus Pfalzgraf, China-Korrespondent der ARD, vermutet dahinter den Versuch der chinesischen Regierung, die Proteste in Hongkong kleinzuhalten.

4. Ein Text zieht falsche Schlussfolgerungen aus von Menschen produzierter CO2-Menge
(correctiv.org, Nina Breher)
In den Sozialen Medien zirkuliert ein Text, der belegen soll, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt. Das Problem: Die im Text genannte Quelle gibt es nicht, und auch der Rest der Anekdote — einschließlich der Schlussfolgerungen — stimmt nicht, wie “Correctiv” im Faktencheck feststellt.

5. Arzneimittelhersteller schickt Anwaltsschreiben zum konstruktiven Austausch
(journalist-magazin.de, René Martens)
Wie könnte man als Homöopathie-Hersteller reagieren, wenn jemand behaupten würde, die Homöopathie habe über den Placebo-Effekt hinaus keine Wirkung? Ein kleiner Tipp: Typische Reaktionen wären ignorieren oder diskutieren. Ein mächtiger Globuli-Fabrikant hat sich für die dritte Variante entschieden und schüchtert Homöopathie-Kritiker per Anwaltsschreiben ein.

6. Böses Internet? Vom Verschwinden von Humor-Institutionen
(dwdl.de, Miguel Robitzky)
“DWDL”-Zeichner Miguel Robitzky reagiert auf den Aus des “MAD”-Magazins und dem Karikaturen-Ausstieg der “New York Times”: “Es müssen von Verlagen und Redaktionen Geschäftsmodelle für professionelle komische Kunst gefunden werden, die ausschließlich online stattfinden oder zumindest analoge wie digitale Medien gleichzeitig bedienen. Formate, die an das Tempo der heutigen Zeit angepasst sind, die das Internet nicht als Konkurrenz und Miesmacher, sondern als Chance und Teil von sich verstehen und nicht bloß geklaute Tweets auf Tafeln abschreiben, um sie dann auf Instagram zu posten. Sonst enden wir noch wie die CDU und das kann nun wirklich keiner wollen!”

Seelische Hornhaut der “Kronen Zeitung”, Jürgs-Nachruf, Velerkultur

1. Presserat rügt “Krone” wegen erfundenen Interviews mit Witwe
(derstandard.at)
Sie muss zentimeterdick sein, die seelische Hornhaut bei der österreichischen “Kronen Zeitung”. Dort hat man in Zusammenhang mit dem Todesfall eines Kärntner Gastronomen nicht nur ein unverpixeltes Familienfoto samt minderjähriger Tochter veröffentlicht. Nein, man hat auch noch ein erfundenes Interview mit der Witwe zusammenfantasiert. Nachdem es eine Rüge vom Presserat gab, versicherte der “Kronen”-Chef, man werde in Zukunft “noch behutsamer und vorsichtiger vorgehen”. “Noch” …

2. Pierre M. Krause: “Auch ein Auslacher ist ein Lacher”
(dwdl.de, Kevin Hennings)
“DWDL” hat sich mit dem TV-Moderator Pierre M. Krause über dessen Late-Night-Format (“Pierre M. Krause Show”), einen potenziellen Senderwechsel und die Notwendigkeit einer täglichen Late-Night unterhalten.
Tipp: Wem Krauses sehenswerte SWR3-Latenight bislang entgangen ist: In der ARD-Mediathek gibt es einige der vergangenen Sendungen.

3. 7500 Zeichen am Tag
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Ende vergangener Woche ist der Journalist Michael Jürgs nach einer schweren Krebserkrankung im Alter von 74 Jahren verstorben. Jürgs war ein journalistischer Frühstarter und schon mit 23 Feuilleton-Chef bei der Münchner “Abendzeitung”. Stationen bei “Tempo” und “Stern” folgten. Daneben schrieb Jürgs einige Sachbücher und Biografien (unter anderem den Bestseller “Der Fall Romy Schneider”) und moderierte die NDR-Talkshow. Hans Leyendecker erinnert an einen bemerkenswerten Journalisten und Publizisten.
Weiterer Tipp: Jürgs gab “Zapp” 2013 ein Interview über die “Zukunft des Journalismus”. Hintergrund war der Verkauf verschiedener Springer-Regionalzeitungen an die Funke Mediengruppe.

4. “Der Satiriker darf erst mal alles”
(spiegel.de, Elisa von Hof)
Dominik Bauer ist Teil des Karikaturisten-Duos “Hauck und Bauer” und dort für den nicht-zeichnerischen Part zuständig. Im Gespräch mit “Spiegel Online” geht es um den Karikaturen-Ausstieg der “New York Times”, die Bedeutung der Sozialen Medien, Shitstorms und Beifall von der falschen Seite.

5. Hinterzimmer-Politik
(uebermedien.de, Andreas Püttmann)
“Übermedien” fragt regelmäßig nach dem persönlichen “Hasswort”. Für den Politikwissenschaftler und freien Publizisten Andreas Püttmann ist es der Begriff von der “Hinterzimmer-Politik”.

6. Wir sind das Medienmagazin “journalist” und haben auf unserem Juli-Cover das Wort “Journalismus” falsch geschrieben. Argh.
(twitter.com/journ_online)
Kein Medium ist vor Rechtschreibfehlern oder unglücklichen Formulierungen gefeit. Das Medienmagazin “journalist” atmet den Schmerz über einen Lapsus weg, indem es auf Twitter die Kolleginnen und Kollegen nach ähnlichen Schnitzern fragt. Die Ergebnisse sind teilweise ganz lustig und zugleich beruhigend. Schließlich machen wir alle mal einen Veler.

Facebooks Moderatoren-Hölle, Liebeserklärung, Schnüffelverlage

1. Liebeserklärung an einen geschundenen Beruf
(journalist-magazin.de, Thomas Hauser)
In einer bemerkenswerten Rede macht Thomas Hauser, Herausgeber der “Badischen Zeitung”, dem Journalismus einerseits eine Liebeserklärung, spart andererseits nicht mit Tadel: “Der Superlativ ist die Sprachform der Marktschreier in Marketing und Propaganda. Wer jede Maus als Elefanten beschreibt, hat für den großen Dickhäuter keine Worte mehr. Was ist das für ein Land, in dem Springers “Bild” das meistzitierte Medium ist, ihr Verleger als BDZV-Präsident die Branche ermahnt, sich selbst aber einen großen amerikanischen Finanzinvestor ins Haus holt und in dem der Philosoph Peter Sloterdijk vom Magazin “Cicero” zum einflussreichsten Intellektuellen des Jahres 2018 ausgerufen wird — streng wissenschaftlich ermittelt, versteht sich.”

2. Facebooks Moderatoren-Hölle in Florida
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Im amerikanischen Magazin “The Verge” berichten ehemalige Facebook-Moderatoren von ihrer Arbeit. Nicht nur die Arbeitsbedingungen seien verheerend, auch die psychische Beanspruchung sei gewaltig.
Weiterer Tipp: “The Verge” hat eine dreizehnminütige Videoreportage zu dem Fall veröffentlicht. Der Warnhinweis zu Beginn steht dort übrigens nicht ohne Grund. Es ist teilweise schwer zu ertragen, was die Facebook-Moderatoren erzählen: Inside the traumatic life of a Facebook moderator (“The Verge”/Youtube, Video: 13:32 Minuten).

3. Eine Wahl ohne Auswahl
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Bei einer Wahl hat man die Wahl, oder? Nun ja, das mag in den allermeisten Fällen zutreffen, bei der Wahl des NDR-Intendanten gilt diese Regel allerdings nicht. Boris Rosenkranz berichtet von einem intransparenten und problematischen Verfahren, das einer dringenden Reform bedarf.

4. Nachrichten aus der WG-Küche
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 5:30 Minuten)
Volontärinnen des Bayerischen Rundfunks haben ein neues Nachrichtenformat für Instagram entwickelt und dort schon mehr als 40.000 Follower gewinnen können. Helene, Sophie und Ann-Kathrin hatten die Idee zur “News-WG”. Gedreht wird nicht im Studio, sondern in der Wohnung. Der “Deutschlandfunk” hat mit Ann-Kathrin Wetter gesprochen, die als Redakteurin zuständig ist für die Wohngemeinschaft mit Nachrichtenwert.

5. Verlage!
(konstantinklein.com)
Konstantin Klein hat mit einem Tool untersucht, wie Medienseiten mittels sogenannten Trackern ihre Besucher überwachen. Bei “Spiegel Online” sind gar 65 dieser Digitalschnüffler im Einsatz. Klein kommentiert: “Ihr seht also, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, warum ich euer Gejammer über die bösen, bösen Datensammler von der anderen Seite des Atlantik zumindest scheinheilig finde. Und ihr solltet sehen, warum in Zeiten der Datensammelwut der Einsatz von Trackblockern nichts als Notwehr derer ist, die auf ihre Daten aufpassen und sie nicht jedem in die Hand drücken wollen.”

6. Podcasts des Monats
(sueddeutsche.de)
Genau passend zum Wochenende stellt die “Süddeutsche” eine Auswahl hörenswerter Podcasts vor. Dabei ist etwas aus dem Schlagerkosmos, ein fiktionales Format, ein Reisepodcast, etwas Literarisches und ein Format über psychologische Phänomene.

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