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Routine

Zuerst ein kurzes Quiz: Überlegen Sie sich mal, wie wohl die Frage gelautet haben könnte, auf die die folgende Antwort der Schauspielerin Sophie Schütt passt:

“Der ganze Schönheitswahn nervt, weil er uns Frauen enorm unter Druck bringt. Wir können dem kaum standhalten. (…) Jede Frau hat Körperzonen, die ihr nicht besonders gefallen und die sie gerne verändern würde. Natürlich geht mir das auch so. Ich würde allerdings nur an mir etwas verändern wollen, wenn ich selbst darunter leide, aber nicht wenn es der Schönheitswahn oder mein Beruf von mir abverlangt. (…) Eine natürliche Frau mit Ausstrahlung ist doch viel attraktiver als eine künstlich geschnitzte Barbie. Ich bin eine ganz normale Frau und das sind meine Zuschauerinnen auch.“

Und? Sind Sie auch auf so Larifarifragen wie “Frau Schütt, fühlen Sie sich eigentlich schön?”, “Frau Schütt, sind Ihre Brüste echt?” oder “Frau Schütt, was halten Sie grundsätzlich vom Schönheitswahn?” gekommen? Gut.

Aber der Reihe nach: Am 20. und 21. Dezember zeigt Sat.1 den Zweiteiler “Schöne Witwen küssen besser”, und damit der TV-Movie auch gebührend ankündigt werden kann, hat Sat.1 (wie üblich) vorab ein paar Videokassetten an Medien-Redaktionen verschickt, auf denen (das kommt vor) nicht die endgültige Endfassung zu sehen ist. Im Fall des Sat.1-Zweiteilers etwa gibt es auf der Vorab-VHS Szenen, die in der endgültigen Endfassung nicht mehr auftauchen, weil der Film am Ende zu lang wurde, und deshalb Szenen weggelassen wurden, die für die Handlung nicht so wichtig sind. Eine der weggelassenen Szenen zeigt Hauptdarstellerin Sophie Schütt nackt. Und hier beginnt unsere Geschichte.

Denn am gestrigen Mittwoch sah die “Bild”-Titelseite so aus:

Im dazugehörigen Artikel hatte “Bild” auf die Titelfrage sogar eine Antwort. Sie lautete (wie könnte es anders sein): Nein, sie ist nicht “nicht schön genug fürs TV”. Und in “Bild” lautete sie ähnlich, nämlich so:

“‘Der Zweiteiler wurde am Ende zu lang. Wir haben diese Szenen weggelassen, weil sie für die Handlung nicht so wichtig sind’, so SAT1-Sprecherin Kristina Faßler gestern.”

Und man hätte es dabei belassen (oder die ganze Story lassen) können: kein Skandal nirgends, nur Routine – weshalb bei “Bild”, garniert mit ein paar Splitterfasernacktbildern, auch noch steht:

BILD erfuhr: Der Produktion kamen nach den Dreharbeiten Zweifel, ob die Nacktszenen für die Schauspielerin vorteilhaft sind. Deshalb wurden sie später rausgeschnitten.”

Die Formulierung “BILD erfuhr” ist natürlich ein wenig schwammig und unglaubwürdig so ganz ohne Hinweis, wer das wo und wann zu wem gesagt haben könnte. Aber sie ist noch nichts gegen das, was “Bild” heute, noch riesengrößer als am Vortag, auf die Titelseite schreibt. Nämlich dies:

Und mal abgesehen davon, dass von der angeblichen “Nackt-Zensur” überhaupt keine Rede sein kann (s.o.), ist auch die Formulierung “Jetzt wehrt sich Sophie Schütt” irgendwie übergeigt. Denn zitiert wird Schütt in “Bild” ausschließlich mit den bereits eingangs zitierten Worten. Und dass sie sich darin auch nur ein klitzekleines Bisschen gegen die rausgekürzten Szenen “wehrt”, wie “Bild” behauptet, ist Schütts Worten überhaupt nicht anzumerken – womöglich, weil es gar nicht stimmt. Fairer formuliert: Falls sich Schütt unwahrscheinlicherweise wirklich gegen die gekürzte Szene “wehrt”, wie “Bild” behauptet, dann jedenfalls nicht in “Bild”.

Nachtrag, 12.12.04: Der Netzeitung sagte eine Sat.1-Sprecherin übrigens, Schütts Bemerkungen in “Bild” seien eine Kritik am allgemeinen Schönheitswahn, nicht am Sender.

neu  

Christiansen und der Hundesalon

Eins vielleicht vorweg: Sabine Christiansen gehört — wie Stefan Raab — nicht zu denjenigen Prominenten, deren Leben von der “Bild”-Zeitung mit Sympathie begleitet wird.

Am Dienstag berichtete “Bild”, dass die Fernsehmoderatorin gemeinsam mit Promi-Friseur Udo Walz einen Hundesalon in Berlin eröffnen werde. Wörtlich:

Die Talk-Queen wird am Donnerstag zur Eröffnung des Hundesalons „Sparks – dogs and more“ in Berlin (Uhlandstraße 181–183) erwartet, den sie als stille Teilhaberin an der Seite von Promi-Figaro Udo Walz (60) betreibt.

Heute, am Donnerstag, schreibt “Bild”:

Wie BILD am Dienstag exklusiv berichtete, ist auch TV-Moderatorin Sabine Christiansen (47) an diesem Salon beteiligt. Das ließ die TV-Lady allerdings sofort dementieren.

Sie sei keine Teilhaberin, sondern lediglich Schirmherrin für einen Teil der Einnahmen, die zu Gunsten notleidender Tiere verwendet werden.

Das ist falsch. Die Nachrichtenagentur AP meldete schon am Dienstag um 14.25:

[Christiansens] Referent Frank Jungbluth dementierte am Dienstag eine Meldung der “Bild”-Zeitung, wonach Christiansen den Salon in dieser Woche gemeinsam mit dem Prominentenfriseur Udo Walz eröffne. Christiansen sei lediglich zu einem kleinen Anteil stille Teilhaberin an dem Salon, einem Projekt von Walz, sagte Jungbluth. (…)

Auch die Pressesprecherin des Hundesalons “Sparks – dogs and more” in Berlin, Martina Conrad, widersprach dem Bericht der “Bild”-Zeitung. Der Salon habe vor einigen Tagen zunächst als Fachgeschäft für Tieraccessoires eröffnet. Nach dem Umbau der Räumlichkeiten sollte ein Pflegeangebot für Hunde hinzukommen. Ein Termin stehe noch nicht fest. Christiansen werde nicht im Salon erwartet.

Was Christiansen also dementieren ließ, war die Behauptung von “Bild”, Christiansen werde den Salon gemeinsam mit Walz am heutigen Donnerstag eröffnen. Sie dementierte nicht, dass sie stille Teilhaberin sei, sie bestätigte es sogar. Ihr Anteil beträgt 1250 Euro, das sind lächerliche zwei Prozent.

All das hindert “Bild” nicht daran, völlig irreführend schon in der Überschrift zu fragen:

Warum stehen Sie nicht zu Ihrem Hundesalon?

(Nun ja: Sie steht dazu.)

“Bild” weiter:

BILD wollte gestern bei Frau Christiansen nachfragen.

1. Warum haben Sie dementiert, daß Sie am Hundesalon von Udo Walz finanziell beteiligt sind?

2. Ist es Ihnen peinlich, daß Sie an einem Hundesalon beteiligt sind?

3. Ist Ihre Glaubwürdigkeit jetzt beschädigt?

Punkt 1: Sie hat es nicht dementiert, sie hat es bestätigt.

Punkt 2: Nein, ihr Sprecher sagte am Dienstag, Christiansens Einnahmen sollten “zu 100 Prozent in einen Sozialfonds fließen, aus dem tierärztliche Rechnungen bedürftiger Menschen bezahlt werden”, weil gerade für ältere Menschen Hunde häufig eine soziale Funktion hätten.

Punkt 3: Hä?

Und hat eigentlich die “Bild”-Zeitung, die offenbar sowohl am Dienstag als auch am Donnerstag falsch über den Fall berichtet hat, eine Glaubwürdigkeit, die jetzt beschädigt sein könnte?

Drogenattacke auf Raab

Stefan Raabs Idee, eine Mutter zu zeigen, die die Schultüte ihrer Tochter hält, und sie als “perfekt getarnte Drogendealerin” zu veralbern, kann man für einen gelungenen Witz oder für eine geschmacklose Entgleisung halten. Den Spruch als “Drogen-Attacke auf dem Schulhof” bezeichnen, wie bild.de es tut, kann man nicht.

Schall & Rauch

Der bild.de-Artikel, um den es hier geht, trägt die Autorenzeile “Von THOMAS KRALICEK und VIM VOMLAND”, aber so richtig wundern würde es uns nicht, wenn sich herausstellte, dass er eigentlich von Günther Kralitscheck und Wim Womland geschrieben wurde.

Es geht darin um Reiner Calmund, der aufregende neue Fernsehpläne haben soll. Es wäre allerdings erstaunlich, wenn die Angaben des Artikels über die angebliche neue Show stimmen würden, denn im übrigen stimmt ungefähr nichts in dem Stück.

Mal abgesehen davon, dass die Casting-Show “Big Boss” mit Calmund alles andere als ein Erfolg ist (kein Wort davon bei “Bild”). Und dass das Zitat eines anonymen Pro-Sieben-Menschen, man sehe in ihm “einen Erfolgstypus”, weil der Dicke Volksnähe ausstrahle, doch nicht ganz nach einem konkreten Job-Angebot klingt. Und dass das gleiche für das Zitat des RTL-Unterhaltungschefs gilt, der gesagt haben soll: “Wir können uns mit Herrn Calmund sehr gut eine weitere Zusammenarbeit vorstellen.”

Also mal abgesehen davon, heißt der RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger und nicht “Senger”, wie bild.de schreibt. Und der Deutschland-Chef von Endemol heißt Borris Brandt und nicht “Boris Brandt”, wie bild.de schreibt. Und die Produktionsfirma der ARD-Talkshow “Sabine Christiansen” heißt TV21 und nicht “Sabine Christiansen Production”.

Und jetzt sind wir sehr gespannt, wann der Selbstverständliche-Standards-Beauftragte bei bild.de seinen Dienst antritt und die schlimmsten Fehler korrigiert. (Ach so, und ob es die beschriebene neue Show mit “Calli” je geben wird, natürlich.)

Update, 11.25 Uhr: Sämtliche Fehler stehen auch in der gedruckten “Bild”. Und immer noch online.

Update, 14.35 Uhr: Der Selbstverständliche-Standards-Beauftragte von bild.de hat offenbar immer noch nicht seinen Dienst angetreten. Womöglich ist er mit Burn-Out-Syndrom krank geschrieben. Allerdings verbreitet inzwischen die Nachrichtenagentur ddp die “Bild” Meldung mitsamt der darin enthaltenen Fehler weiter. Das muss Chefredakteur Kai Diekmann meinen, wenn er “Bild” als “DAS LEITMEDIUM” bezeichnet: “Bild” schreibt die Fehler auf, und alle anderen schreiben sie ab.

Update, 20.10 Uhr: Ts. Alle Fehler wie gehabt. Schrecklicher Verdacht: Es gibt gar keinen Selbstverständliche-Standards-Beauftragten bei “Bild”.

Update, 9. Dezember, 0.00 Uhr: Was etwas beunruhigend ist: Der eine Autor des Fehler-Textes, Thomas Kralicek, 38, ist nicht irgendein unterbezahlter bild.de-Hilfsarbeiter, sondern neuer “Ressortleiter Show” bei “Bild”. Vorher war er bei RTL Newmedia für die People-Berichterstattung veranwortlich. RTL Newmedia ist eine Tochter von RTL. RTL ist der Laden, bei dem Tom Sänger (nicht “Senger”) Unterhaltungschef ist. Und der andere Autor des Fehler-Textes, Vim Vomland, ist auch nicht irgendein unterbezahlter bild.de-Hilfsarbeiter, sondern — laut “Bild”-Schwesterblatt “Welt” — eine “Bild”-Reporter-Legende. (Danke an Franz K. für den Hinweis!)

Hinter vorgehaltener Hand

Nein, wir haben keinen Gegenbeweis. Nein, die 150 Euro, die das Hamburger Büro der Fotoagentur Colourpress von uns verlangen würde, wenn wir ein Paparazzifoto von Kurt Russell aus dem Colourpress-Angebot abdrucken wollten, sind uns zuviel.

Zu sehen ist Russell auf dem unscharfen Foto übrigens nackt.

Zu sehen ist er so auch auf der letzten Seite der heutigen “Bild”-Zeitung (fotografiert beim privaten Sonnenbad mit Frau Goldie Hawn auf der Terrasse einer Palafito Master Suite des Hotelito Desconocido im mexikanischen Puerto Vallarta). Und weil Russell auf dem Paparazzifoto bis auf eine Baseballkappe wirklich ganz nackt ist, hat “Bild” ein anderes Foto aus der selben Serie derart geschickt montiert, dass Hawns linke Hand Russells Gemächt verdeckt. Und so steht’s auch in “Bild”:

“Kurt Russell (…) und sein Kurti (hinter Goldies Hand) unter mexikanischer Sonne”

Betextet sind die Fotos von Christiane Hoffmann. Und Hoffmann weist noch einmal darauf hin, dass Russells Geschlechtsteil (O-Ton: “sein faltiger Kurti”) “in BILD schamvoll unter Goldies Hand versteckt” sei. Allerdings hat Hoffmann das Foto offenbar auch ohne Goldies Hand gesehen, denn sie schreibt:

“(…) dahinter befindet sich deutscher Durchschnitt,
ca. 14,67 Zentimeter”

Und schon deshalb, weil Russell unseres Wissens auf dem ohnehin unscharfen Paparazzifoto nicht mit einem eregierten Penis abgelichtet wurde, hat Christiane Hoffmann wahrscheinlich (in Anspielung auf diese oder jene “Bild”-Meldung) nur einen Witz machen wollen. Man könnte auch sagen: Sie hat gelogen. Hat ohne Grund, ohne Not, ohne nachzudenken die Wahrheit einer überflüssigen Pointe geopfert! Saß also bei der Arbeit und füllte ihre “Ich weiß es”-Kolumne mit Wörtern, die keinen Sinn haben!! Mit Zeilen, die sie sich einfach nur ausgedacht hat!!! Oder, nun ja, mit mindestens einem Halbsatz, von dem wir ziemlich sicher wissen, dass er überhaupt nicht stimmt – auch wenn wir uns diesmal den Gegenbeweis (nicht nur aus Kostengründen) sparen.

Hitler

“Hitler” macht sich hierzulande meistens ziemlich gut in einer Überschrift, das Wort “geheim” auch, “UFO” immer. Und “Bild” hatte es am gestrigen Montag geschafft, alle drei Wörter in einer einzigen Schlagzeile unterzubringen und schrieb also:

“Historiker enthüllen: Hitlers geheime UFO-Pläne”

Und natürlich sind – um das vorweg zu sagen – die erwähnten UFOs keine Fortbewegungsmittel Außerirdischer, wie das Wort “UFO” im alltäglichen Sprachgebrauch suggeriert, sondern bloß bombentragende, fürs Radar unsichtbaren, tragflächenlose „Flugkreisel” mit Propeller an der Unterseite, Düsenantrieb und einem Cockpit mit Plexiglas-Kuppel, wie auch “Bild” die Enthüllungen einer Doku des “renommierten TV-Senders ‘Discovery'” zusammenfasste, auf welcher der komplette Artikel beruhte und die, wie “Bild” nicht mal unerwähnt ließ, bloß “neue, größenwahnsinnige Details” zu bieten hat.

Worin genau die neuen “Details” bestehen, machte “Bild” zwar in ihrer Berichterstattung nirgends deutlich. Aber egal, denn Tatsache ist: “Hitlers geheime UFO-Pläne” waren damals, vor ungefähr 60 Jahren, fraglos geheim. Inzwischen sind sie es aber nicht mehr so. Und mehr dazu würde hier auch definitiv zu weit führen – oder noch weiter.

Tatsache ist aber außerdem, dass die Geschichten und Verschwörungstheorien rund um “Hitlers geheime UFO-Pläne” insbesondere in der Neonazi-Szene verbreitet sind und werden, wie man, wenn man will, vielleicht am besten beim “Informationsdienst gegen Rechtsextremismus”* von Margret Chatwin nachlesen kann. Aber auch das führt hier vielleicht zu weit. Schließlich handelte es sich bei der “Bild”-Geschichte doch im Grunde nur um eine Art Programmhinweis (bei dem “Bild allerdings in ihrem Mitteilungsbedürfnis über die “bizarren Wunderwaffen” völlig zu erwähnen vergaß, wann, wo oder wieso der “Discovery Channel” die Doku zeigt/gezeigt hat/zeigen wird), oder? Außerdem ist “Bild” ja heute bereits wieder bei ganz anderen Themen angelangt und berichtet lieber über:

“Hitlers irre Wunder-Waffen”

Mit Dank an Thomas H., Adrian J., Daniel. R., Henrik T., Denis M., Rainer M. und andere für die Hinweise.

Nachtrag, 13:23:
Okay, überall dort im Lande, wo die gestrige “Hitler”-Story sogar die Titelschlagzeile war, stand (anders als z.B. in der Berlin-Ausgabe) offenbar auch ein Hinweis, dass die Doku vom “Discovery Channel” am 18.12. ausgestrahlt werde. Beim “Discovery Deutschland” weiß man davon allerdings auf Nachfrage nichts. Auch im Programmablauf ist nichts dergleichen verzeichnet. Aber das muss ja noch nichts heißen…

Nachtrag, 15:37:
Zum Glück weiß ein “Bild”-Sprecher auf Nachfrage Genaueres: So ging die Berichterstattung in “Bild” offenbar zurück auf eine Veröffentlichung im britischen “Daily Express”, der am 5.12. über die TV-Doku berichtete, die wiederum im britische Spartensender “Discovery Science” am 18.12. um 20 Uhr (Ortszeit) ausgestrahlt werde – womit (nachdem bei Bild.de – Nachtrag, 8.12.2004 – nachträglich sogar der Hinweis “am 18. Dezember im TV” hinzugefügt wurde) wenigstens das soweit geklärt ist.

*) inzwischen leider offline

In eigener Sache

Erfreulicherweise sind wir bei den “Deutsche Welle International Weblog Awards 2004” (kurz “The Bobs”) vom Publikum zum besten journalistischen Weblog in deutscher Sprache gewählt worden. Wir danken allen, die für uns gestimmt haben.

“BamS” ist lieb zu ihren Nächsten

Am 6. Dezember ist “Nikolaus”. Und wer wissen will, was es mit dem Heiligen Nikolaus auf sich hat, dessen mutmaßlicher Todestag vor über 1.600 Jahren am 6. Dezember gefeiert wird, kann das hier sehr schön nachlesen. Und wer dann noch wissen möchte, was aus dem Nikolaus geworden ist, klicke bitte hier. Oder hier. Oder aber hier und hier: ein schnapsnasiger, vollständig säkularisierter Weihnachtsmann in Coca-Cola-Rot eben, was manche schlimm finden, angesichts des echten, legendären, heiligen Bischofs Nikolaus von damals, im 4. Jhd., aus Myra in der Türkei, dem heutigen 70-Millionen-Staat, in dem inzwischen weniger als 0,2 Prozent Christen leben und über den (Achtung Überleitung!) in der gestrigen “BamS” folgendes zu lesen war:

Zwar kann nicht wirklich die Rede davon sein, dass in der Türkei Christen “schikaniert” würden (jedenfalls nicht stärker als die über 69 Millionen Moslems im Land), wie auch der zur Schlagzeile gehörige, dreiseitige “Bild am Sonntag-Report” deutlich machte. Zusammenfassend hießt es dort: “Rechtlich ist das alles sehr kompliziert hier, man wird auch genau kontrolliert. Aber das wird alles aufgewogen durch die sehr freundliche und menschliche Art der Türken.” Und im dazugehörigen “BamS”-Interview sagte Kardinal Karl Lehmann sogar ausdrücklich, es habe “der einzelne in der Türkei das Recht, seinen Glauben frei zu wählen”. Doch obwohl wir spätestens aus dem “BamS”-Report wissen, dass es aufgrund einer rigiden Trennung von Religion und türkischem Staat alle Glaubensgemeinschaften schwerer haben als anderswo, stand neben der Illustration einer in Ketten gelegten Bibel (siehe oben oder hier):

“In der Türkei, dem Land der prächtigen Moscheen, wird der christliche Glauben durch eiserne Gesetze angekettet”

Und das ist so scheinheilig, das wir (Ende des Exkurses!) wieder zurückkommen können zum Heiligen Nakolaus Nikolaus, der ja in der katholischen Kirche sogar als “apostelgleich” verehrt wird und bis 1969 mit einem “allgemein gebotenen Feiertag” bedacht wurde usw.: Denn zehn Seiten vor dem lobbyistisch anmutenden “Christen”-Text, der so oder so ähnlich (nur eben mit einer angemesseneren Überschrift) auch in jedem Kirchenblättchen abgedruckt sein könnte, stand in der “BamS” noch was ganz anderes – über den “Nikolaus” “Nakolaus” nämlich, “der ganz besondere Männerwünsche wahr werden lässt”…

Und darüber (siehe Ausriss) haben sich der Herrn Lehmann und andere Bekannte aus dem illustren Bibelkreis von “BamS”-Herausgeber Kai Diekmann dann bestimmt noch viel mehr gefreut, hohoho…
 
 
Nachtrag: Bei Bild.de gibt’s mittlerweile außerdem noch dies, bzw. dies, dies, dies, dies, dies, dies, dies, dies, dies, dies und dies, in der Montags-“Bild” wiederum eine “Nikomaus” als barbusiges Seite-1-Girl (ohne Abb.).

Sie sind noch nicht unter uns

Wir wollen Sie zwar nicht unnötig beunruhigen, würden Sie aber trotzdem bitten, sich mal kurz diesen Text auf Bild.de durchzulesen.

Bevor Sie sich jetzt panisch fragen, wo Sie eine Gasmaske herkriegen und schon mal den Atemschutz rauskramen, der seit der letzten SARS-Epidemie irgendwo rumliegt, entspannen Sie sich. Es wird zwar aus dem “Bild”-Text nicht deutlich, aber die “Todes-Bakterien”, die angeblich unsere Erde bedrohen sind noch nicht frei gesetzt. Nicht mal “die Proben aus dem All”, von denen da die Rede ist, die “möglicherweise tödliche Mikroben!” enthalten, existieren. Es gibt lediglich den Plan, sie auf dem Mars zu sammeln und zur Erde zu schicken. Deshalb müsste Jeffrey Kargel von der Geologischen Aufsichtsbehörde der USA korrekter Weise und anders als auf Bild.de auch in etwa so zitiert werden:

“Bevor wir Proben vom Mars holen oder bemannte Missionen auf den Mars schicken, müssen wir die Maßnahmen zum planetarischen biologischen Schutz überdenken.”

Wer das jetzt noch spannend findet, der kann das selbstverständlich in der Online-Ausgabe der “Times” nachlesen.

Mit Dank an Lutz K. für den sachdienlichen Hinweis.

Schlechte Scherze machen nur die anderen

Ralf Schumacher ist (bzw. war) laut “Bild” gemeinsam mit dem Unternehmen Beate Uhse Österreich an einer Gesellschaft beteiligt, “die 2005 den Sexmarkt in Slowenien erobern will” (“Bild”). ProSieben-Moderator Stefan Raab nannte Schumacher diese Woche deshalb “Porno-Ralle” sowie dessen Ehefrau “Hard-Cora” und fand das lustig.

Schumacher war verständlicherweise anderer Meinung. Sein Manager hat nun offenbar eine Abmahnung an Raab geschickt. “Was Stefan Raab mit meinem Namen und dem meiner Frau aufgeführt hat, war mir eindeutig zu persönlich”, lässt sich Schumacher zitieren.

Auch “Bild” ist empört über solch “schlechte Scherze” und dokumentiert im Text zur Titel-Story ein Beispiel für Raabs “Porno-Spott”:

“Ralf Schumacher verkauft jetzt in Slowenien Beate-Uhse-Puppen – oder wie er sagt: Einspritzer.”

Ach ja – und dass “Bild” bereits in der Ausgabe vom Montag, also noch vor Raabs erster Sendung in dieser Woche, eine Fotomontage abdruckte, auf der ein Rennwagen mit leicht bekleideten Frauen und Beate-Uhse-Logo zu sehen war und vorschlug: “So (…) könnte der neue Trieb- – äh – Dienstwagen von Ralf Schumacher (29) aussehen”, dass “Bild” außerdem witzelte, Schumacher wolle bei seinem nächsten Rennen “die Konkurrenz verblasen”, sowie zwei Tage zuvor bereits die Hoffnung geäußert hatte, dass Schumacher bei seinem Investment “am Ende nicht stöhnen” müsse – das alles kann sich der geneigte Bild.T-Online-Leser (und Schumachers Manager) über die zum “Porno-Zoff”-Artikel gehörenden Links noch einmal genauer sehen.

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