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Robert Enke, Ron Paul, Drohnen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Nichts worauf man stolz sein muss”
(taz.de, Anna Stommel)
Anna Stommel fragt sich, warum “Bild” sich genau jetzt mit der Vergangenheit des Chefredakteurs der “Märkischen Oderzeitung” auseinandersetzt und liefert Hintergründe dazu. “Pünktlich zum 50. Jahrestag der Mauer? Oder weil sich im Land Brandenburg gerade ohnehin eine Enquete-Kommission mit der Geschichte der DDR auseinandersetzt?”

2. “Absturz ins Sommerloch”
(czyslansky.net, Tim Cole)
Mitarbeiter der “Daily Mail” halten die fiktive Serie “Terminus pour l’euro” (“la fiction de l’été”) der Zeitung “Le Monde”, in der man sich eine Schieflage der Bank “Société Générale” ausmalt, für echt und verbreiten sie weiter. “Dann setzte der normale Automatismus der Branche ein: Ein ums andere Blatt druckte die Meldung nach und bezog sich wiederum auf die Daily Mail.”

3. “Haben sich die Medien nach Robert Enkes Tod verändert?”
(11freunde.de, Alex Raack)
André Beem untersucht in seiner Magisterarbeit Artikel vor und nach dem Tod von Robert Enke. “Haben vor Enkes Tod noch acht Prozent aller Zeitungen negativ über Fußballer berichtet, waren es danach neun Prozent. Die Durchschnittsnote in der Spielerbewertung hat sich von 3,5 auf 3,6 verschlechtert, in einer Tageszeitung aus Hannover sogar von vorher 3,2 auf 4,1. Das hatte allerdings auch mit dem sportlichen Absturz von Hannover 96 zu tun.”

4. “Journalismus von oben”
(faz.net, Harald Staun)
Mini-Drohnen seien wie geschaffen für die Recherchemethoden des Boulevardjournalismus, schreibt Harald Staun: “Mikrokopter müssen nicht angemeldet werden, sie sind so leicht zu fliegen wie ein Modellflugzeug, leise und sensationell günstig. Nur eine Modellflughaftpflicht ist Pflicht, wegen der Absturzgefahr. Schon für 300 Euro bekommt man bei Amazon den Quadrokopter Parrot AR.Drone mit zwei Kameras an Bord, steuerbar mit jedem iPhone.”

5. “Ron Paul & the Top Tier”
(thedailyshow.com, Video, 4:20 Minuten)
Wie US-Fernsehsender beim Iowa Straw Poll 2011 den möglichen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul ignorieren: “How did libertarian Ron Paul become the 13th floor in a hotel?” Siehe dazu auch diese Diskussionen bei CNN (Video, 1:46 Minuten, englisch).

6. “How Journalists See Each Other”
(blog.digidave.org, englisch)

ndr.de  

Spanische Post

Hannover 96 muss am Donnerstag in der Qualifikationsrunde der Europa League gegen den FC Sevilla antreten.

Der spanische “El Diario de Sevilla” hat im Vorfeld schon mal über das Spiel der Hannoveraner beim 1. FC Nürnberg berichtet und dabei die Namen von Manuel Schmiedebach und Jan Schlaudraff falsch geschrieben: “Schmiedelbach” und “Schauldraff” steht da, weswegen sich “Der Platzwart” im 96-Blog der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” beklagt:

Die Tageszeitung “El Diario de Sevilla” hat dem 96-Sieg gegen Nürnberg sogar einen eigenen Artikel gewidmet, obwohl sich sportlich in Sevilla derzeit (fast) alles um das bevorstehende Stadtderby des FC gegen Real Betis dreht. Berichtet wird von einer Tormaschine (“El Noruego”) und den Spielern Schmiedelbach und Schauldraff. Schmiedelbach und Schauldraff klingt süß, aber nicht nach Gruppenphase. Der Donnerstag wird zeigen, ob es die beiden dabei belassen, oder ob sie sich unter ihren richtigen Namen bei den Spaniern nachhaltig in Erinnerung bringen wollen. Der Platzwart ist für eine Richtigstellung.

Das war offensichtlich zu kompliziert für ndr.de, wo es jetzt heißt:

Nein, als die ganz große Hürde auf dem Weg in die Gruppenphase der Fußball-Europa-League wird Hannover 96 von der Presse in Sevilla nicht angesehen. Zwar widmete die Tageszeitung “El Diario de Sevilla” dem 2:1-Erfolg der Niedersachsen am vergangenen Sonntag beim 1. FC Nürnberg einen eigenen Artikel. Neben einem Lob für 96-Angreifer Mohammed Abdellaoue (“eine Tormaschine”), fanden sich in diesem aber auch Sätze, die von wenig Respekt gegenüber dem Bundesligisten zeugen. “Schmiedebach und Schlaudraff klingt süß, aber nicht nach Gruppenphase”, war dort beispielsweise zu lesen.

ndr.de hat es also geschafft, den Hinweis auf einen Fehler falsch zu verstehen und ihn dann falsch abzuschreiben.

Mit Dank an Simon G.

Nachtrag, 18.55 Uhr: Unser Leser Day weist uns darauf hin, dass “El Noruego” mitnichten “Tormaschine” heiße, sondern “der Norweger”. Genau das ist Mohammed Abdellaoue.

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass diese Fehlübersetzung im eher humoristischen Blog vom “Platzwart” Absicht war und ndr.de auch das falsch verstanden hat.

Ich will dir fressen!

Das wird das Krümelmonster freuen: Kekse fallen jetzt unter “Sport”. Zumindest bei Bild.de:

Prinz Poldi völlig von der Rolle: Nationalspieler wirbt nicht mehr für Kekse

Dort heißt es:

Binde verloren, Auftakt verloren, und nun auch Werbe-Deal verloren: Für Kölns Lukas Podolski (26) kommt es gerade knüppeldick.

Gebäck-Riese Griesson de Beukelaer wirbt zukünftig nicht mit Prinz Poldi. Der neue TV-Spot für die “Prinzenrolle” wird ohne den Kölner Publikumsliebling ausgestrahlt.

Die (irgendwie) gute Nachricht für Lukas Podolski: Er hat seinen Werbe-Deal nicht “nun” oder “gerade” “verloren”, sondern bereits im Januar, als Griesson de Beukelaer ankündigte, “die Kommunikation der Marke Prinzen Rolle” in diesem Jahr “neu ausrichten” zu wollen.

Der Werbevertrag mit Fußballnationalspieler Lukas Podolski endete mit Ablauf des Jahres 2010.

Das hätten sie bei wuv.de, der Website des Branchenmagazins “Werben & Verkaufen”, vielleicht besser noch mal dazu schreiben sollen, als sie gestern den neuen Werbespot vorstellten und dazu kalauerten:

Griesson de Beukelaer: Prinz Poldi spielt keine Rolle mehr

Der “Kölner Stadtanzeiger” schrieb etwas ahnungslos (ab):

Kekse! Prinzenrolle mustert Podolski aus. Nach zwei Jahren Pause wirbt Griesson de Beukelaer erstmals wieder im Fernsehen für seine mit Schokocreme gefüllten Kekse. Lukas Podolski spielt in dieser Werbekampagne - Achtung, Wortspiel! - keine Rolle mehr.

Aber dort behaupteten sie wenigstens nicht, Podolski habe “nun” seinen Werbe-Deal verloren.

Mit Dank an Mr. X und Thomas D.

Gestatten, Presse-Pisser

Man kann Walter M. Straten von “Bild” gar nicht oft genug zitieren — zumindest was seine Aussagen gegenüber der “Süddeutschen Zeitung” kurz nach dem Selbstmord von Robert Enke angehen:

“Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein”, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, “ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht”.

So bewertete “Bild” gestern die Leistung von Bayer Leverkusen beim FSV Mainz 05:

Weil die prägenden Bilder des ersten Bundesliga-Spieltags die Aussetzer einiger Torhüter waren, titelte “Spiegel Online”:

Fußball-Bundesliga: Gestatten, Torwart-Trottel

Autor Christian Paul schwafelte unter anderem über Manuel Neuer:

Eine Erklärung für seinen Patzer gegen Mönchengladbach hatte Bayerns Torwart Manuel Neuer schnell gefunden. Er habe durch ein Handspiel außerhalb des Strafraums keine Rote Karte riskieren wollen, sagte der 25-Jährige zu der Szene aus der 62. Minute, die der Borussia den Siegtreffer in München ermöglichte. Äußerlich souverän parierte der mindestens 18 Millionen Euro teure Zugang die Fragen nach seinem missglückten ersten Bundesliga-Spiel für den Rekordmeister.

Bloß nicht darüber reden, wie unglücklich sein Fehlgriff am Strafraumrand aussah, den der Belgier Igor de Camargo per Kopf ausnutzte. Bloß nicht einräumen, wie sehr die Münchner die 0:1-Heimniederlage gegen den Außenseiter schmerzt.

(Dass Paul die Bayern gegen Borussia Mönchengladbach als “hoch überlegen” bezeichnet, wirft ganz nebenbei auch noch die Frage auf, ob er das Spiel überhaupt gesehen hat.)

Inzwischen hat “Spiegel Online” die Überschrift zu “Gestatten, Torwart-Tollpatsch” geändert. Ein Glück, dass es so viele Worte mit “T” gibt!

Mit Dank an Torsten B., C.W. und V.

Doku-Soap, Mailbox, 9Live

6 vor 9

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1. “Möglichst asozial”
(sueddeutsche.de, Christin Müller)
Eine ehemalige Mitarbeiterin einer Casting-Agentur erzählt, wie aktiv nach möglichen Kandidaten gesucht wird: “Man habe für die penetrierende Recherche wahllos in verschiedenen Dörfern angerufen, sei vom Gemeinderat an den Bürgermeister und von diesem dann weitergeleitet worden, im besten Fall eben zu einem fernsehtauglichen Schicksal, dass sich quotenstark ausschlachten lässt.”

2. “Doku-Soaps: Wahrheit als Ware”
(tagesspiegel.de, Barbara Sichtermann)
Das dokumentarische Fernsehen spalte sich in zwei Lager, schreibt Barbara Sichtermann: “Die seriösen Macher inklusive der Reporter auf der einen Seite, deren Ethos sie dazu verpflichtet, das Material nicht zu manipulieren, sondern so vorzuzeigen, wie sie es angetroffen haben. Und die Reality-Anbieter und Dokusoap-Macher auf der anderen Seite, die sich auf die Sehnsucht des Fernsehens und seines Publikums nach Realität draufsetzen und dann etwas präsentieren, was weit über die Unschärfe hinausreicht von der raffinierten Verzerrung bis zum dreisten Fake.”

3. “1234 – drin!”
(taz.de, Johannes Himmelreich)
Johannes Himmelreich schreibt über illegale Recherchepraktiken: “Man ruft bei einem Prominenten auf dem Handy an, und während es klingelt, wählt ein Kollege dieselbe Nummer, um an die Mailbox zu geraten; dann legt man auf, und der Kollege versucht die Nachrichten auf der Mailbox abzuhören, indem er PINs ausprobiert, etwa ‘1234’. Findet sich vielleicht ja eine Schlagzeile unter den Nachrichten auf so einer Promi-Mailbox.”

4. “Platzsperre für Reporter”
(sueddeutsche.de, Raphael Honigstein)
Wegen gescheiterten Lizenzverhandlungen dürfen britische Journalisten nicht aus Fußballstadien berichten: “Aktuelle Zwischenmeldungen (‘live updates’) via Twitter oder andere elektronische Dienste sind den Reportern beispielsweise nur in neun penibel festgelegten Zeitfenstern erlaubt. Es sei absurd, argumentieren die Journalisten, dass ihnen verwehrt sein soll, was dem Fan in der Reihe vor ihnen mit seinem Smartphone oder den nicht im Stadion anwesenden Kollegen erlaubt ist.” Mehr dazu ist auf guardian.co.uk zu lesen: Artikel vom 4. August / Artikel vom 5. August.

5. “Von Selbstfindung & Leidenschaft: Der Journalist als Marke”
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene)
“Es geht nicht darum ein großer Selbstdarsteller zu werden, sondern ein Profil zu bilden und damit zu werben.”

6. “Mach’s gut, Hot Button!”
(fr-online.de, Peer Schader)
9Live: Peer Schader blickt zurück auf den Hot Button, auf Tierarten wie den Laichkrautzünsler oder den Forstenlori und auf die Rolle der Landesmedienanstalten: “Nur wenige Jahre nach dem Programmstart und lediglich einigen tausend Nachweisen in Internetforen, wie 9live seine Zuschauer hinters Licht führt, reagierten die deutschen Medienwächter.”

MDR, Mario Basler, Kurt Tucholsky

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1. “Quote, Kohle, Skandale”
(sueddeutsche.de, C. Kohl und H. Leyendecker)
Die 20-jährige Geschichte des MDR: “Wenn Beobachter von draußen auf die zwei Jahrzehnte zurückblicken, reden sie meist über Politfilz, geschäftliche Sauereien, übelste Geldgeschichten und Stasi-Verwicklungen der Sender-Mannschaft.”

2. “Zeugnis”
(dwdl.de, Arnd Zeigler)
Arnd Zeigler bewertet Fußballmedien. Zu “Bild”-Experte Mario Basler notiert er: “Wortspielereien, die jedem Achtjährigen zu doof wären. Statt störender fachlicher Dinge wird auf Klischees aus der Stummfilmzeit herumgeritten.”

3. “Paying for News? It’s Nothing New”
(nytimes.com, Jeremy W. Peters, englisch)
Beispiele von Scheckbuch-Journalismus: “When the British journalist David Frost secured his interview with Richard M. Nixon in 1976, it was because he outbid his American competitors, offering the former president a staggering sum of $600,000.”

4. “Wer im Pressehaus sitzt…”
(oldenburger-lokalteil.de)
Der Oldenburger Lokalteil hält die Aufregung der Nordwest-Zeitung, eine Produktionsfirma habe “die freie Berichterstattung durch die NWZ einschränken wollen”, für übertrieben.

5. “Redakteur und freier Schriftsteller”
(textlog.de, Kurt Tucholsky, 1922)
Das Spannungsverhältnis zwischen Redakteur und freiem Mitarbeiter beschäftigte Kurt Tucholsky 1922: “Das Angestelltenverhältnis dem Verleger gegenüber ist nicht zu leugnen, und es involviert sicherlich die Pflicht, die Interessen des Verlages nach außen hin wahrzunehmen. Das geschieht aber häufig mit einer Rücksichtslosigkeit, die jede geistige Artverwandtschaft mit dem freien Schriftsteller leugnet und ein vorhandenes Vertragsverhältnis über das Kollegialitätsgefühl triumphieren läßt.”

6. “Techno? Angekommen!”
(technoarm.de, Martin Böttcher)
Martin Böttcher fragt sich, warum es ihm vergönnt ist, in der FAZ eine ganze Seite über Moritz von Oswald zu lesen: “So, wie einst die 68er den Marsch durch die Institutionen antraten, ist auch die ‘Generation Techno’ mittlerweile angekommen. Menschen so wie ich, die mit der Club-Kultur erwachsen geworden sind, die von ihr geprägt wurden, die wissen, was einem der Kreislauf aus Feiern, Musik, Erholen und wieder Feiern geben (und nehmen) kann, sitzen in den Redaktionen oder arbeiten als Reporter und Autoren.”

Die Zombie-Autos der Stars

Express.de veröffentlichte heute einen Artikel über die “Autos der Stars”. Denn:

Bevor die Saison beginnt, lohnt sich ein Blick in die Garagen der Kicker.

In diesen Garagen stehen nämlich viele, oft teure Autos — Mario Gomez und Franck Ribéry fahren z.B. einen Audi Q7, Lukas Podolski einen Audi RS6 und dann gibt es auch noch ihn hier:

Ein richtiger Autonarr ist Thorsten Frings von Werder Bremen: VW Touareg, Wiesmann GT und ein Hummer gehören zu seiner Auto-Sammlung.

Der Satz war verräterisch, denn Torsten (ohne “H”) Frings spielt gar nicht mehr für Werder Bremen. Express.de hat ihn inzwischen zum “Ex-Bremer” umetikettiert (und seinen Namen korrigiert), aber das ändert nichts daran, dass der Text schon älter ist. Wie ein Untoter geistert er seit längerem mit kleinen Abweichungen durch die Online-Auftritte des DuMont-Schauberg-Verlags:

  • Gestern zum Beispiel ebenfalls bei express.de (dort ist der Frings-Satz auch noch unkorrigiert).
  • Im Mai im Internet-Auftritt der “Frankfurter Rundschau” (der Artikel muss vor Kurzem überarbeitet worden sein, denn der Frings-Satz fehlt plötzlich, es sind aktuelle Fotos enthalten und der Vorspann spricht von der bald startenden Bundesligasaison).
  • Am 12. November 2010 wiederum bei express.de.
  • Am 20. August 2010 bei mopo.de.
  • Am 27. Mai 2010 beim “Berliner Kurier” (irritierenderweise auch mit aktuellen Fotos und dem Hinweis auf den Saisonstart, aber auch immer noch mit “Thorsten Frings”).
  • Und am 27. Mai 2010 beim “Kölner Stadtanzeiger”, was womöglich den Ausgangspunkt der Rundreise darstellt.

Doch Fußballer sind nicht die einzigen Stars, deren Autos regelmäßig hervorgeholt und in Klickstrecken herumgereicht werden: Auch die “Flitzer der Promis” waren im Laufe der Jahre schon beim “Berliner Kurier”, dem “Kölner Stadtanzeiger”, dem “Express” und der “Kölnischen Rundschau” im Einsatz.

Sollte der eine oder andere Promi sein Auto mal wechseln, erfahren Sie es sicher nicht bei den Online-Medien von DuMont-Schauberg.

Mit Dank an Martin T.

Blau und Weiß, wie lieb ich Dich

Was macht man als Online-Portal der “Pforzheimer Zeitung”, wenn man für einen Artikel über Fans des Karlsruher SC ein Bild braucht, aber (aus was für Gründen auch immer) keines zur Hand hat?

Man zeigt natürlich je einen Fan von Borussia Dortmund und Schalke 04 und anonymisiert das Ganze ein bisschen:

KSC-Fans (Symboldbild) wehren sich - bislang - erfolgreich gegen ein Gesichtserkennungsprojekt, das die Gesichter der Besucher des Wildparkstadions aufgenommen hätte.

(Originalbild z.B. bei der “Augsburger Allgemeinen”.)

Mit Dank an Jonathan O.

Nachtrag, 29. Juli: pz-news.de hat die Bildunterschrift geändert:

Automatisierte Gesichtserkennung in deutschen Fußballstadien? Noch müssen dies der Dortmund- und Schalke-Fan auf diesem Symbolbild nicht fürchten, auf die Fans des Karlsruher SC könnte solch ein Projekt im Wildparkstadion bald zukommen.

Offensichtlich ist in Pforzheim tatsächlich kein Foto von Karlsruher Fans verfügbar.

Super!, Urs Meier, Elmar Theveßen

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1. “Wie BILD am SONNTAG aus Fehlern Profit schlägt”
(danielbroeckerhoff.de, Tina Schober)
Tina Schober beleuchtet die Hintergründe zu einem in der “Bild am Sonntag” abgedruckten Foto eines siebenjährigen Mädchens aus Thüringen, das ermordet wurde. “Die Redaktion entschuldigt sich also für ein falsch abgedrucktes Foto – und belohnt sich mit einem Exklusiv-Bild.”

2. “Ein Schweizer Opfer packt aus”
(sonntagonline.ch, Nadja Pastega)
Ex-Fußballschiedsrichter Urs Meier erzählt, was ihm widerfuhr, nachdem er 2004 England ein Tor aberkannte. “Britische Journalisten haben in Portugal recherchiert, ob ich dort eine Ferienwohnung oder ein Haus besitze. Sie wollten mir nachweisen, dass ich mal Geld genommen habe oder korrupt war. Meiner Ex-Frau haben sie 30000 Pfund geboten, weil sie eine Story machen und mich in die Pfanne hauen wollten. Meinem damals 14-jährigen Sohn haben sie auf dem Schulweg abgepasst. Sie wollten wissen, von welcher englischen Mannschaft er Fan sei. Wenn er über seinen Vater rede, würden sie organisieren, dass er zu einem Spiel seiner Lieblingsmannschaft gegen Manchester United eingeladen werde.”

3. “Die Macht der Boulevard-Zeitungen”
(echo-online.de, Klaus Thomas Heck)
Klaus Thomas Heck erinnert an die Boulevardzeitung “Super!”, die Anfang der 1990er-Jahre in Ostdeutschland erschien: “Ein Jahr lang kübelt die Zeitung, die im englischen Tabloid-Format erscheint, eine widerliche Mischung aus Übertreibungen und Halbwahrheiten aufs Papier, dann endet die Ära von ‘Super!’ am 24. Juli 1992 wegen sinkender Auflagen. Doch viele ihrer Redakteure landen später problemlos bei anderen Medien. Franz Josef Wagner ist heute Kolummnist für ‘Bild’. Und auch die Verleger von ‘Super!’ haben ihr ostdeutsches Abenteuer gut überstanden. Sie hießen Hubert Burda – und Rupert Murdoch.”

4. “Plädoyer zur Abschaffung des Terrorexperten. Selten waren so viele so schnell auf dem Holzweg”
(blogs.taz.de/arabesken, Karim El-Gawhary)
Die ersten Spekulationen von Terrorexperten nach den Anschlägen in Norwegen befassen sich mit möglichen islamischen Tätern, obwohl es dafür keine konkreten Anhaltspunkte gibt (BILDblog berichtete, siehe dazu auch Stefan Niggemeier).

5. “BILD.de vs. Elmar Theveßen: die fragwürdige Degradierung eines renommierten Journalisten zum Möchtegern-Experten”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Für “Bild” ist ZDF-Journalist Elmar Theveßen ein “Möchtegern-Experte” und darum “Verlierer des Tages”. Ralf Marder: “Ich meine, dass man hier zu weit über das Ziel hinausgeschossen ist und sich vielleicht auch mal an die eigene Nase fassen sollte.” Siehe dazu auch die Stellungnahme von Elmar Theveßen im ZDF-Blog.

6. “Der ZEIT-Online-Totenrechner: 1500 deutsche Opfer in Norwegen”
(blog.dummy-magazin.de)
“Auf Deutschland mit seinen 80 Millionen Menschen umgerechnet, würde dies fast 1500 Tote in einer Nacht bedeuten”, schreibt Christoph Bertram auf zeit.de zu den Opfern in Norwegen. Das dummyblog erweitert die Umrechnung: “Wieso bei der Umrechnung der Opfer auf Deutschland aufhören? Viel eindrucksvollere Ergebnisse verspricht der Vergleich mit China. 90 Norweger entsprechen 24000 Chinesen!”

Fettnäpfchen, Koks, Arnautovic

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1. “Bitte ins Fettnäpfchen treten”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig glaubt, dass “die sogenannten Polittalkshows” nur noch am Rande etwas mit Politik zu tun haben: “Stattdessen wird Politik oder besser: Parlamentarismus simuliert. Diese Sendungen sind billig, journalistisch anspruchslos und haben nur ein Ziel: Möge doch bitte irgendjemand in irgendeines der vorbereiteten Frage-Fettnäpfchen treten.”

2. “Die Wahrheit über das Pekinger Tiananmen-Massaker”
(infosperber.ch, Peter Achten)
Peter Achten, langjähriger Fernost-Korrespondent für das Schweizer Fernsehen und Radio, blickt zurück auf die als Tian’anmen-Massaker in die Geschichte eingegangenen Ereignisse von 1989 in Peking. “Der ganze Studentenprotest wurde mangelhaft begleitet, nicht zuletzt deswegen, weil sich sehr viele Journalisten aus dem Ausland aus einem ganz anderen Grund in Peking aufhielten. (…) Viele eingeflogene Korrespondenten berichteten ohne jede Sachkenntnis sensationsgeil vom Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens.”

3. “Zerstörungskraft des Boulevards”
(freitag.de, Nick Davies)
Nick Davies schreibt über den vor wenigen Tagen verstorbenenen Sean Hoare, der als erster Mitarbeiter von “News of the World” öffentlich zugab, Abhörpraktiken angewendet zu haben. “Es muss die restliche Fleet Street in Angst versetzt haben, als er anfing zu reden – er hatte mit einigen der mächtigsten Namen im Boulevard-Journalismus Koks genommen, es ihnen ver- und abgekauft.”

4. “Böse Briten, gute Deutsche?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
“Wenn nun von abgehörten Telefonen als Recherchemethode in Deutschland bisher nichts bekannt ist, liegt dies so oder so kaum daran, dass hiesige Journalisten allesamt solch ethischen Vorbilder sind. Sondern eher daran, dass in Deutschland, anders als auf den britischen Inseln, kein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen nationalen Boulevardblättern tobt. Aber hier wie dort scheint es manchen Redaktionen offenbar profitträchtiger, Klatsch und Tratsch zu rapportieren, als über echte Missstände zu recherchieren.”

5. “Warum der Hinweis auf das Web 2.0 als Ausweg für junge Journalisten naiv ist”
(frei.djv-online.de, Michael Hirschler)
Michael Hirschler antwortet auf den Beitrag von Michael Stepper: “Auch im Web 2.0 und der Internetwirtschaft gibt es einen weiten Armutsgürtel aus ‘Web-2.0-/Social-Media-/Google+-‘ und sonstigen Beratern, die mit Startups von Wirtschaftsförderung zu Wirtschaftsförderung betteln gehen müssen und längst nicht immer einen Abnehmer bzw. ‘Inkubator’ finden.”

6. “Werder-Profi steht wohl doch auf Tatoos und Silikon”
(meedia.de)
Die “Seitenblicke”-Redaktion legt zur Frage, ob ein Interview mit dem Fußballer Marko Arnautovic stattgefunden hat oder nicht, eine Audio-Datei vor. “Der Profikicker könnte jetzt natürlich behaupten, dass nicht er die Stimme am Telefon ist, sondern ein Imitator.” Auf der Website von Arnautovic ist weiterhin zu lesen, “dass er mit keiner österreichischen Zeitung ein Interview geführt hat”.

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