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Die Zombie-Autos der Stars

Express.de veröffentlichte heute einen Artikel über die “Autos der Stars”. Denn:

Bevor die Saison beginnt, lohnt sich ein Blick in die Garagen der Kicker.

In diesen Garagen stehen nämlich viele, oft teure Autos — Mario Gomez und Franck Ribéry fahren z.B. einen Audi Q7, Lukas Podolski einen Audi RS6 und dann gibt es auch noch ihn hier:

Ein richtiger Autonarr ist Thorsten Frings von Werder Bremen: VW Touareg, Wiesmann GT und ein Hummer gehören zu seiner Auto-Sammlung.

Der Satz war verräterisch, denn Torsten (ohne “H”) Frings spielt gar nicht mehr für Werder Bremen. Express.de hat ihn inzwischen zum “Ex-Bremer” umetikettiert (und seinen Namen korrigiert), aber das ändert nichts daran, dass der Text schon älter ist. Wie ein Untoter geistert er seit längerem mit kleinen Abweichungen durch die Online-Auftritte des DuMont-Schauberg-Verlags:

  • Gestern zum Beispiel ebenfalls bei express.de (dort ist der Frings-Satz auch noch unkorrigiert).
  • Im Mai im Internet-Auftritt der “Frankfurter Rundschau” (der Artikel muss vor Kurzem überarbeitet worden sein, denn der Frings-Satz fehlt plötzlich, es sind aktuelle Fotos enthalten und der Vorspann spricht von der bald startenden Bundesligasaison).
  • Am 12. November 2010 wiederum bei express.de.
  • Am 20. August 2010 bei mopo.de.
  • Am 27. Mai 2010 beim “Berliner Kurier” (irritierenderweise auch mit aktuellen Fotos und dem Hinweis auf den Saisonstart, aber auch immer noch mit “Thorsten Frings”).
  • Und am 27. Mai 2010 beim “Kölner Stadtanzeiger”, was womöglich den Ausgangspunkt der Rundreise darstellt.

Doch Fußballer sind nicht die einzigen Stars, deren Autos regelmäßig hervorgeholt und in Klickstrecken herumgereicht werden: Auch die “Flitzer der Promis” waren im Laufe der Jahre schon beim “Berliner Kurier”, dem “Kölner Stadtanzeiger”, dem “Express” und der “Kölnischen Rundschau” im Einsatz.

Sollte der eine oder andere Promi sein Auto mal wechseln, erfahren Sie es sicher nicht bei den Online-Medien von DuMont-Schauberg.

Mit Dank an Martin T.

Blau und Weiß, wie lieb ich Dich

Was macht man als Online-Portal der “Pforzheimer Zeitung”, wenn man für einen Artikel über Fans des Karlsruher SC ein Bild braucht, aber (aus was für Gründen auch immer) keines zur Hand hat?

Man zeigt natürlich je einen Fan von Borussia Dortmund und Schalke 04 und anonymisiert das Ganze ein bisschen:

KSC-Fans (Symboldbild) wehren sich - bislang - erfolgreich gegen ein Gesichtserkennungsprojekt, das die Gesichter der Besucher des Wildparkstadions aufgenommen hätte.

(Originalbild z.B. bei der “Augsburger Allgemeinen”.)

Mit Dank an Jonathan O.

Nachtrag, 29. Juli: pz-news.de hat die Bildunterschrift geändert:

Automatisierte Gesichtserkennung in deutschen Fußballstadien? Noch müssen dies der Dortmund- und Schalke-Fan auf diesem Symbolbild nicht fürchten, auf die Fans des Karlsruher SC könnte solch ein Projekt im Wildparkstadion bald zukommen.

Offensichtlich ist in Pforzheim tatsächlich kein Foto von Karlsruher Fans verfügbar.

Super!, Urs Meier, Elmar Theveßen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wie BILD am SONNTAG aus Fehlern Profit schlägt”
(danielbroeckerhoff.de, Tina Schober)
Tina Schober beleuchtet die Hintergründe zu einem in der “Bild am Sonntag” abgedruckten Foto eines siebenjährigen Mädchens aus Thüringen, das ermordet wurde. “Die Redaktion entschuldigt sich also für ein falsch abgedrucktes Foto – und belohnt sich mit einem Exklusiv-Bild.”

2. “Ein Schweizer Opfer packt aus”
(sonntagonline.ch, Nadja Pastega)
Ex-Fußballschiedsrichter Urs Meier erzählt, was ihm widerfuhr, nachdem er 2004 England ein Tor aberkannte. “Britische Journalisten haben in Portugal recherchiert, ob ich dort eine Ferienwohnung oder ein Haus besitze. Sie wollten mir nachweisen, dass ich mal Geld genommen habe oder korrupt war. Meiner Ex-Frau haben sie 30000 Pfund geboten, weil sie eine Story machen und mich in die Pfanne hauen wollten. Meinem damals 14-jährigen Sohn haben sie auf dem Schulweg abgepasst. Sie wollten wissen, von welcher englischen Mannschaft er Fan sei. Wenn er über seinen Vater rede, würden sie organisieren, dass er zu einem Spiel seiner Lieblingsmannschaft gegen Manchester United eingeladen werde.”

3. “Die Macht der Boulevard-Zeitungen”
(echo-online.de, Klaus Thomas Heck)
Klaus Thomas Heck erinnert an die Boulevardzeitung “Super!”, die Anfang der 1990er-Jahre in Ostdeutschland erschien: “Ein Jahr lang kübelt die Zeitung, die im englischen Tabloid-Format erscheint, eine widerliche Mischung aus Übertreibungen und Halbwahrheiten aufs Papier, dann endet die Ära von ‘Super!’ am 24. Juli 1992 wegen sinkender Auflagen. Doch viele ihrer Redakteure landen später problemlos bei anderen Medien. Franz Josef Wagner ist heute Kolummnist für ‘Bild’. Und auch die Verleger von ‘Super!’ haben ihr ostdeutsches Abenteuer gut überstanden. Sie hießen Hubert Burda – und Rupert Murdoch.”

4. “Plädoyer zur Abschaffung des Terrorexperten. Selten waren so viele so schnell auf dem Holzweg”
(blogs.taz.de/arabesken, Karim El-Gawhary)
Die ersten Spekulationen von Terrorexperten nach den Anschlägen in Norwegen befassen sich mit möglichen islamischen Tätern, obwohl es dafür keine konkreten Anhaltspunkte gibt (BILDblog berichtete, siehe dazu auch Stefan Niggemeier).

5. “BILD.de vs. Elmar Theveßen: die fragwürdige Degradierung eines renommierten Journalisten zum Möchtegern-Experten”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Für “Bild” ist ZDF-Journalist Elmar Theveßen ein “Möchtegern-Experte” und darum “Verlierer des Tages”. Ralf Marder: “Ich meine, dass man hier zu weit über das Ziel hinausgeschossen ist und sich vielleicht auch mal an die eigene Nase fassen sollte.” Siehe dazu auch die Stellungnahme von Elmar Theveßen im ZDF-Blog.

6. “Der ZEIT-Online-Totenrechner: 1500 deutsche Opfer in Norwegen”
(blog.dummy-magazin.de)
“Auf Deutschland mit seinen 80 Millionen Menschen umgerechnet, würde dies fast 1500 Tote in einer Nacht bedeuten”, schreibt Christoph Bertram auf zeit.de zu den Opfern in Norwegen. Das dummyblog erweitert die Umrechnung: “Wieso bei der Umrechnung der Opfer auf Deutschland aufhören? Viel eindrucksvollere Ergebnisse verspricht der Vergleich mit China. 90 Norweger entsprechen 24000 Chinesen!”

Fettnäpfchen, Koks, Arnautovic

6 vor 9

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1. “Bitte ins Fettnäpfchen treten”
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig glaubt, dass “die sogenannten Polittalkshows” nur noch am Rande etwas mit Politik zu tun haben: “Stattdessen wird Politik oder besser: Parlamentarismus simuliert. Diese Sendungen sind billig, journalistisch anspruchslos und haben nur ein Ziel: Möge doch bitte irgendjemand in irgendeines der vorbereiteten Frage-Fettnäpfchen treten.”

2. “Die Wahrheit über das Pekinger Tiananmen-Massaker”
(infosperber.ch, Peter Achten)
Peter Achten, langjähriger Fernost-Korrespondent für das Schweizer Fernsehen und Radio, blickt zurück auf die als Tian’anmen-Massaker in die Geschichte eingegangenen Ereignisse von 1989 in Peking. “Der ganze Studentenprotest wurde mangelhaft begleitet, nicht zuletzt deswegen, weil sich sehr viele Journalisten aus dem Ausland aus einem ganz anderen Grund in Peking aufhielten. (…) Viele eingeflogene Korrespondenten berichteten ohne jede Sachkenntnis sensationsgeil vom Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens.”

3. “Zerstörungskraft des Boulevards”
(freitag.de, Nick Davies)
Nick Davies schreibt über den vor wenigen Tagen verstorbenenen Sean Hoare, der als erster Mitarbeiter von “News of the World” öffentlich zugab, Abhörpraktiken angewendet zu haben. “Es muss die restliche Fleet Street in Angst versetzt haben, als er anfing zu reden – er hatte mit einigen der mächtigsten Namen im Boulevard-Journalismus Koks genommen, es ihnen ver- und abgekauft.”

4. “Böse Briten, gute Deutsche?”
(stern.de/blogs, Hans-Martin Tillack)
“Wenn nun von abgehörten Telefonen als Recherchemethode in Deutschland bisher nichts bekannt ist, liegt dies so oder so kaum daran, dass hiesige Journalisten allesamt solch ethischen Vorbilder sind. Sondern eher daran, dass in Deutschland, anders als auf den britischen Inseln, kein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen nationalen Boulevardblättern tobt. Aber hier wie dort scheint es manchen Redaktionen offenbar profitträchtiger, Klatsch und Tratsch zu rapportieren, als über echte Missstände zu recherchieren.”

5. “Warum der Hinweis auf das Web 2.0 als Ausweg für junge Journalisten naiv ist”
(frei.djv-online.de, Michael Hirschler)
Michael Hirschler antwortet auf den Beitrag von Michael Stepper: “Auch im Web 2.0 und der Internetwirtschaft gibt es einen weiten Armutsgürtel aus ‘Web-2.0-/Social-Media-/Google+-‘ und sonstigen Beratern, die mit Startups von Wirtschaftsförderung zu Wirtschaftsförderung betteln gehen müssen und längst nicht immer einen Abnehmer bzw. ‘Inkubator’ finden.”

6. “Werder-Profi steht wohl doch auf Tatoos und Silikon”
(meedia.de)
Die “Seitenblicke”-Redaktion legt zur Frage, ob ein Interview mit dem Fußballer Marko Arnautovic stattgefunden hat oder nicht, eine Audio-Datei vor. “Der Profikicker könnte jetzt natürlich behaupten, dass nicht er die Stimme am Telefon ist, sondern ein Imitator.” Auf der Website von Arnautovic ist weiterhin zu lesen, “dass er mit keiner österreichischen Zeitung ein Interview geführt hat”.

Murdoch, Henri-Nannen-Preis, Beamtenstuben

6 vor 9

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1. “Der britische Umsturz”
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier analysiert die aktuellen Vorgänge rund um den Medienkonzern News Corp: “Es scheint, als sei Großbritannien von einer Besatzungsmacht befreit worden. Ein Bann ist gebrochen, und die Reaktionen sind so heftig, dass man fragen muss, ob es sein kann, dass das Land in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht von Thatcher, Major, Blair, Brown und Cameron regiert wurde, sondern von Murdoch, Murdoch, Murdoch, Murdoch und Murdoch.” Siehe dazu auch den Entschuldigungsbrief von Rupert Murdoch im Original und “im Original” (wirres.net, englisch).

2. “Franz Josef Wagners Weisheiten (3)”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Hat bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft eine Schwedin einer Französin “mit ihrem Fußballschuh ins Gesicht” getreten, wie Franz Josef Wagner schreibt? Nein.

3. “BILD diktiert den Körperkult”
(filmrisss.blogspot.com)
Das “Bild”-Drehbuch zu Michelle Hunziker und ihrem Bodyguard in fünf Zeilen zusammengefasst.

4. “Die Debatte um den Henri-Nannen-Preis 2011”
(reporter-forum.de, PDF-Datei, 346 kb)
Das “Reporter-Forum” arbeitet die Debatte um den verliehenen und gleich wieder aberkannten Henri-Nannen-Preis auf. “Weil diese Debatte so lehrreich ist, haben wir einen Reader mit den wichtigsten Beiträgen zusammengestellt. Und zudem drei Autoren gebeten – sie sind selbst nicht Teil des Gemenges -, die Standpunkte einzuordnen: Bernhard Pörksen, Professor aus Tübingen, Georg Brunold, Experte für literarische Reportagen, und Nora Berning, eine junge Narratologin.”

5. “Ein stummer Schrei nach Liebe”
(philibuster.de, Michael Stepper)
Michael Stepper schreibt an junge Journalisten: “Seid mir nicht böse, Ihr jungen Journalisten, aber vielleicht habe ich da auch einfach etwas falsch verstanden: Ihr fordert tatsächlich, dass Euch die Verleger die Hintern pudern, weil Ihr einen Traum vom unabhängigen Journalismus träumt?” Auch ältere Kollegen kommen zur Sprache: “Immer wieder sehe ich die Bilder in den einschlägigen Branchenmagazinen. Bilder von alternden Journalisten, die mit traurigen Gesichtern vor Ihren Verlagsgebäuden stehen und noch traurigere Transparente in die Luft halten. Pappschilder die Aufschriften tragen wie: ‘Tarifflucht ist unmoralisch!’ oder ‘Unsere Arbeit ist mehr wert!’ Und die dann nach der Demo wieder in ihre Redaktionsbüros wandern – die längst Beamtenstuben ähneln – und sich wundern, dass dieses Internet ihren Job so ruhelos gemacht hat.”

6. “Ein staatenloser Deutscher, gefangen in der Schweiz”
(welt.de, Marc Neller)
Tontechniker Peter Wilk versucht vergeblich, Deutschland zu beweisen, dass er ein Deutscher ist. “Wilk ist in Gelsenkirchen geboren, in Essen aufgewachsen, seine Eltern waren Deutsche, er hat seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr geleistet. Er hat 30 Jahre in Deutschland verbracht, mehr als die Hälfte seines Lebens.”

Bild  

Nur gucken, nicht anfassen!

“Japan, ihr habt’s verdient”, schreibt “Bild” heute an die Adresse der japanischen Fußballfrauen, die gestern Abend in Frankfurt die Weltmeisterschaft gewonnen haben.

Aber so ganz scheint die Zeitung das Aus der Deutschen im Viertelfinale noch nicht verwunden zu haben, wie die Titelseite zeigt:

Japan Weltmeister! Passt gut auf unsere "Spirale" auf! Japan ist Frauen-Weltmeister! 5:3 nach Elfmeterschießen im Finale gegen die USA. Aber den Pokal (sieht aus wie eine Spirale) haben euch die deutschen Mädchen nur geliehen...

Von aller Überheblichkeit mal ab: Es ist einfach Quatsch, dass “die deutschen Mädchen” den Japanerinnen den Pokal “nur geliehen” hätten.

Der Fußballweltverband FIFA schreibt in seinen “50 Fakten zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft” (PDF):

Für jede Weltmeisterschaft wird eine eigene Trophäe hergestellt, die der Sieger behalten darf, dies im Gegensatz zum FIFA WM-Pokal, der stets im Besitz der FIFA bleibt.

Insofern stimmt auch nicht, was “Bild” weiter schreibt:

Die letzten Deutschen, die den Pokal bis zur WM 2015 in Kanada anfassen durften, sind OK-Chefin Steffi Jones und Renate Lingor, Weltmeisterin von 2003 und 2007. Sie tragen die Pokal-Spirale ins Stadion.

Denn selbst wenn “wir” 2015 wieder Weltmeister würden, würden “unsere Mädels” eine andere Version des Pokals in Empfang nehmen, als die, die die Japanerinnen gestern in die Höhe gereckt haben.

Mit Dank an Stefan K.

Nocebo-Effekt, Norderney, Spiegel Online

6 vor 9

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1. “Geheime Pressekonferenz im ‘Dortmunder Kreis'”
(blog.telefacts.tv, Thomas Schweres)
Die Einladung zu einer Pressekonferenz der Polizei Dortmund geht exklusiv an einen “Dortmunder Kreis”. Der Leiter der Pressestelle, Wolfgang Wieland, sagt Thomas Schweres warum: “Wenn ich die Sache per Pressemitteilung rausgegeben hätte, müsste ich gleich eine Schul-Aula mieten und die Straße für Übertragungswagen sperren lassen.”

2. “Medienpolitik während der WM”
(taz.de, J. Kopp & M. Völker)
Interviews mit Spielerinnen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden “nach Steinzeitmethoden” autorisiert. “Das gesprochene Wort wird hier nicht nur nicht respektiert, sondern verfälscht.” (…) “Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und etliche Manager von Spielerinnen waren der Meinung, man könne der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild oktroyieren, die Presse führen und bevormunden.”

3. “FCB-Fans griffen in Bern Journalisten an”
(20min.ch, Lukas Mäder)
In Bern werden Journalisten und Fotografen von Fußball-Hooligans angegriffen.

4. “Vorgestellt: Top-Themen 2011”
(derblindefleck.de)
Die Initiative Nachrichtenaufklärung gibt “die Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen und Nachrichten im Jahr 2011” bekannt. Mit dabei ist die “Bankenrettung ohne wirksame parlamentarische Kontrolle”, der “Doping im Fußball” oder der “Nocebo-Effekt”: “Schon das Wissen über Nebenwirkungen von Medikamenten und über Krankheitsverläufe kann Symptome auslösen.”

5. “Wulff mimt Urlaubsidylle für ZDF-Sommerinterview”
(welt.de)
Bundespräsident Christian Wulff fliegt für ein “Sommerinterview” mit dem ZDF kurzfrisitig nach Norderney. Noch ist er aber gar nicht im Urlaub: “Tatsächlich verbringt der Bundespräsident mit seiner Frau Bettina und den Kindern den Sommer auf der Ostfriesischen Insel – allerdings erst in ein paar Wochen.”

6. “SpOn-Politiker-Fotos”
(fuckyeahsponpolitikerfotos.tumblr.com)
Fotos von Politikern auf “Spiegel Online”.

Interview-Promotion

Selten wurde in der breiten Öffentlichkeit soviel über richtiges Zitieren diskutiert wie heute. Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis etwa musste gerade schmerzhaft erfahren, dass Anführungszeichen nicht ganz so bedeutungslos sind, wie ihr Spitzname “Gänsefüßchen” nahelegen könnte; andere prominente Politiker stolperten darüber, dass sie Aussagen anderer in ihren Promotionen als eigene ausgegeben haben.

Im Journalismus ist das alles anders, wie uns “Zeit Online” beweist, wo sich seit gestern folgende, relativ dramatische Überschrift findet:

ZDF-Sportchef: "Der Frauenfußball wird wieder von der Bildfläche verschwinden"

Die Anführungszeichen sind brav an ihrem Platz, und man kann “Zeit Online” auch nicht vorwerfen, sich die Aussagen des ZDF-Sportchefs Dieter Gruschwitz angeeignet zu haben. Eher…

…umgekehrt:

ZEIT ONLINE: Der Frauenfußball wird nach der WM in Deutschland also wieder von der Bildfläche verschwinden? Ihre Bundesligaspiele werden weiterhin wohl nicht im bundesweiten TV zu sehen sein und die Olympia-Qualifikation fürs kommende Jahr haben die Frauen verpasst.

Gruschwitz: Da haben Sie Recht. Schon bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 waren die Frauenfußballspiele eine attraktive Programmware für uns. Aber auf dieser großen Bühne werden die deutschen Fußballerinnen in London 2012 nicht vertreten sein. Das Ausmaß des Olympia-Startverlusts wird in seinen vielschichtigen Auswirkungen von einigen noch gar nicht so richtig wahrgenommen.

Mit Dank an Jakob V.

Nachtrag, 17.15 Uhr. Der Interviewer sagt, im Gespräch habe Gruschwitz seine Aussage “Der Frauenfußball wird wieder von der Bildfläche verschwinden” wiederholt und gesagt, dass er sie teile.

Marko Arnautović, Christoph Keese, Busen

6 vor 9

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1. “Irgendwas mit Medien: Vermischte Bemerkungen zur Krise des Journalismus”
(novo-argumente.com, Tobias Prüwer)
Tobias Prüwer fasst verschiedene Diskussionen über den Journalismus erhellend zusammen. Zum Beispiel zum iPad: “Mit Erstaunen konnte man feststellen, wie sich seit Anfang des letzten Jahres Journalisten wie Verleger überschlugen mit Prognosen für ein prosperierendes Geschäft dank iPad. Keiner kannte das Gerät, aber die Redaktionen wurden nicht müde, schon vor Erscheinen zu schwärmen und Zukunft zu erträumen, und bei der Präsentation applaudierten Journalisten zuhauf! Das war ja auch zu schön: Man muss nichts ändern, mit Apple-Magie würden schon genug Anwender plötzlich für Publikationen zahlen, die sie in Printform nie erworben hätten. Nun, da das Coffee-Table-Accessoire auf dem Markt ist, scheint diese Euphorie verflogen zu sein.”

2. “Google plant die Super-Datenbank”
(tarzun.de, Klaus Peukert)
Klaus Peukert analysiert Texte mit Schlagzeilen wie “Google plant die Super-Datenbank” (sueddeutsche.de) und “Google will Nutzerprofile direkt verkaufen” (zeit.de, inzwischen geändert).

3. “Alles Lüge!”
(taz.de, Judith Pape)
“Bild” behauptet, es gäbe “konkrete Pläne” von DFB und ARD, Frauenfußball zukünftig in der “Sportschau” am Samstag zu senden. Axel Balkausky, Sportkoordinator der ARD, dementiert: “Alles falsch, ich halte es derzeit für ausgeschlossen, dass wir regelmäßig Spielberichte aus der Frauen-Bundesliga zeigen. Wie bisher werden wir den Frauen-Fußball in den dritten Programmen abbilden.”

4. “Arnautovic vs. Seitenblicke-Magazin”
(derstandard.at, red)
Hat Fußballspieler Marko Arnautović ein Interview geführt mit dem Magazin “Seitenblicke”? Auf seiner Website ist zu lesen: “Marko Arnautovic weist darauf hin, dass er mit keiner österreichischen Zeitung ein Interview geführt hat und die Behauptungen daher vollkommen aus der Luft gegriffen sind.”

5. “Lieber Christoph Keese”
(sixtus.cc)
Mario Sixtus schickt Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs bei Axel Springer, eine Rechnung in der Höhe von 1070 Euro, weil dieser in einem Beitrag für sein Blog presseschauder.de die Lizenzbedingung eines von ihm geschossenen Fotos nicht eingehalten hat. Keese hält dagegen den Betrag von 50 Euro angemessen, denn “dies hier ist ein privater Blog mit ein paar hundert Lesern” (in den Kommentaren).

6. “Riesen-Busen steht gutem Journalismus im Weg”
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Hektor Haarkötter prüft die Schlagzeile “Riesen-Busen rettet Urlauberin vor Ertrinken” (tz-online.de) auf ihren Wahrheitsgehalt.

Haarte Zeiten für Wayne Rooney

Es gibt Geschichten, die schreiben sich fast von alleine. Die Sache mit Wayne Rooney, dem britischen Fußballspieler, der sich vor sechs Wochen Haare transplantieren ließ, aber heute scheinbar mehr Glatze hat als vorher, ist so eine Geschichte. Es brauchte nur eines Fotos, auf dem man einen klaren Blick auf die aktuellen Haarverhältnisse auf Rooneys Schädel werfen konnte, und keiner Recherche. Boulevardmedien in aller Welt, von Bild.de über die “Sun” bis “Spiegel Online”, machen sich mit unverhohlener Häme über den scheinbaren Misserfolg der Operation lustig.

“Trotz Moos nix los”, feixt “Spiegel Online”, wo sich offenbar schlecht bezahlte Mitarbeiter damit trösten, dass man sich mit Geld doch nicht alles kaufen kann: “Fußballstar Wayne Rooney hat Tausende Pfund in eine Haartransplantation investiert. Die Resultate sind äußerst spärlich.” Zunehmend müsse sich Rooney “eingestehen, dass die Transplantation wohl wenig bis gar nichts gebracht hat”.

Die Konkurrenz von Bild.de titelt: “Bei Rooney wächst kein Gras mehr…”, zweifelt am “langfristigen Erfolg der Behandlung” und meint, Rooney hätte die 11.000 Euro, die die Umpflanzung der Haare angeblich gekostet hat, besser für einen “schönen Urlaub” ausgegeben: “Mit Sonnencrème für die Glatze…”.

Die Online-Redaktion der “Rheinischen Post” diagnostiziert: “Transplantation ohne Wirkung”. Grundlage dafür ist ein Bericht des Sport-Informationsdienstes, dessen Haar-Experten heute meldeten: “Wayne Rooney (25), englischer Fußball-Nationalspieler in Diensten von Manchester United, muss sich wohl mit dem Gedanken an eine Glatze abfinden.”

In einem Wort: nein.

Vermutlich wird Rooney sogar damit gerechnet haben, zum jetzigen Zeitpunkt weniger Haare zu haben als vor dem Eingriff. Die Leute, die solche Transplantationen anbieten oder vermitteln, weisen nämlich ausdrücklich auf folgenden Umstand hin: Einige Wochen nach der Operation fallen die meisten verpflanzten Haare (und teilweise sogar einige alte Haare) zunächst einmal aus. Die Wurzeln bleiben aber erhalten. Erst nach etwa drei bis vier Monaten beginnt das neue Haar zu wachsen; abgeschlossen ist das alles nach rund einem Jahr.

Was hätte das für eine nette Geschichte werden können, wenn man das aufgeschrieben hätte: Ein Lehrstück an einem prominenten Beispiel, mit weniger Häme über den doofen reichen haarlosen Fußballspieler, aber voller Hoffnung für Menschen, die an Haarausfall leiden. Es hätte halt jemand recherchieren müssen, anstatt bloß auf- und abzuschreiben, was jeder sieht und sich (fälschlicherweise) denkt, aber wer sollte das tun? Journalisten?

Mit Dank an Andreas K.!

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