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Geier Sturzflug (3)

Die Auflagen von “Bild” und “Bild am Sonntag” sinken weiter deutlich:

Auflagenentwicklung von Bild und Bild am Sonntag im 2. Quartal seit 1998 - aktuell verkaufte Auflage von Bild: 1,55 Millionen, aktuell verkaufte Auflage von Bild am Sonntag: 0,83 Millionen

Damit ist die verkaufte “Bild”-Auflage — die seit 2017 übrigens nur noch zusammen mit der Auflage der “Fußballbild” ausgewiesen wird — so niedrig wie vor gut 65 Jahren. Die der “Bild am Sonntag” hat ungefähr das Niveau aus dem Jahr 1957, also kurz nach Gründung des Blatts, erreicht:

Auflagenentwicklung von Bild und Bild am Sonntag seit den 1950er-Jahren
(Draufklicken für größere Version)

Zum Gesamtbild gehört allerdings auch, dass Bild.de seit Jahren mehr und mehr Visits verzeichnen kann:

Entwicklung der Visits von Bild.de seit 2002 - aktuelle monatliche Visits von Bild.de: 397,52 Millionen

Die “Bild”-Medien haben erst vergangenen Monat den fünften Geburtstag des Bezahlangebots “Bild plus” gefeiert. Und gleichzeitig 400.000 “Bild plus”-Abonnenten. Diese zahlen, je nach Abo-Modell, zwischen 3,99 Euro und 12,99 Euro pro Monat. Viele sicher auch weniger, weil es immer wieder Kombi-Spar-Angebote gibt in Zusammenarbeit mit Streaming-, Mobilfunk- und Wasauchimmer-Anbietern.

Demgegenüber steht der Verlust von etwa 980.000 “Bild”-Käufern im selben Zeitraum, die nun nicht mehr rund 20 Mal im Monat am Kiosk zwischen 75 Cent und 1 Euro bezahlen, je nach Regionalausgabe.

Mathias Döpfner, Vorsitzender des Springer-Verlags, sagte vor wenigen Tagen im Interview mit “Meedia” zur Auflagen-Entwicklung von “Bild”:

Aktuell aber freuen wir uns bei Bild, dass der Rückgang etwas verlangsamt worden ist. Der Kurs von Julian Reichelt wird von vielen Lesern begrüßt.

Diese Wertschätzung des “Kurses von Julian Reichelt” bedeutet konkret, dass “Bild” nun nicht mehr 12,3 Prozent der harten Auflage (nur Einzelverkauf und Abo, ohne Bordexemplare im Flugzeug und andere Auflagen-Kosmetik) innerhalb eines Jahres verliert, sondern nur noch 10,5 Prozent — und damit weiterhin deutlich mehr als andere überregionale Tageszeitungen. Dazu auch von uns: herzlichen Glückwunsch!

Umsatzrechnung von Bild.de ist kein Gewinn

Wenn ein so prominenter und kostspieliger Transfer über die Bühne geht wie der von Fußballer Cristiano Ronaldo zum italienischen Klub Juventus Turin, hört man oft, dass der neue Verein die Ablösesumme doch eh bald wieder drin habe, allein durch Trikotverkäufe. Zu diesem Argument passt diese Geschichte von Bild.de aus der vergangenen Woche:

Screenshot Bild.de - Die Hälfte der Ablöse schon wieder reingeholt - Juve verkauft über 500.000 Ronaldo-Trikots an einem Tag

Nur ist die Schlussfolgerung leider falsch. Der Punkt mit den 500.000 Ronaldo-Trikots mag stimmen Schon der Punkt mit den 500.000 Ronaldo Trikots scheint nicht zu stimmen*. Dass Juventus Turin damit die Hälfte der Ablöse von 112 Millionen Euro schon wieder reingeholt hat, stimmt allerdings nicht. Schließlich gibt es einen Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn.

Die Bild.de-Rechnung ist recht simpel, zu simpel:

Juventus Turin profitiert schon vor Saison-Beginn von seinem neuen Mega-Star Cristiano Ronaldo (33)! In den ersten 24 Stunden nach Bekanntgabe des Transfers sollen die Norditaliener bereits über eine halbe Mio Ronaldo-Trikots verkauft haben. Das berichtet “Yahoo Sport Italy”, spricht von 520 000 verkauften Exemplaren.

Ein Trikot kostet je nach Edition zwischen 84,95 Euro (Kinder) und 144,95 Euro (“Home Authentic Jersey”).

84,95 Euro beziehungsweise 144,95 Euro multipliziert mit 520.000 ergibt 44,17 Millionen Euro beziehungsweise 75,37 Millionen Euro.

Nur: Verkauft Juventus Turin im eigenen Onlineshop ein Trikot für 84,95 Euro oder für 144,95 Euro, bleiben nicht 84,95 Euro oder 144,95 Euro bei Juventus Turin. Die Mehrwertsteuer, die in Italien für Fußballtrikots bei 22 Prozent liegt, geht davon ab. Die Näherinnen und Näher bekommen einen kleinen Anteil. Adidas als Produzent einen größeren. Das Material kostet was. Und so weiter. Wurde das Trikot in einem Sportgeschäft verkauft, bekommt der Händler noch was ab. Am Ende bleibt Juventus Turin zwar ein ordentlicher Betrag pro Trikot, allerdings deutlich weniger als von Bild.de behauptet.

Die Seite Sparwelt.de hatte zur Fußball-Europameisterschaft 2016 mal aufgeschlüsselt, wie sich der Preis für ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft zusammensetzt:

Screenshot Sparwelt.de -
(Draufklicken für größere Version)

Mit Dank an Daniel S. für den Hinweis!

*Nachtrag, 19:47 Uhr: Da waren wir wohl etwas zu leichtgläubig. Uwe Ritzer schreibt bei Süddeutsche.de zum Gerücht, dass Juventus Turin bereits am ersten Tag 300.000 oder sogar 500.000 Cristiano-Ronaldo-Trikots verkauft habe: “Alles Quatsch.” Er hat für dieses deutliche Urteil unter anderem mit Leuten von Adidas gesprochen, von dem einer sagt: “‘Kein Verein der Welt kann einen Top-Spieler allein durch Trikotverkäufe finanzieren.'”

Mit Dank an @pukitonator, @ichmeinjanur und Hannes S. für die Hinweise!

Unanständige Fragen, Rätselhaftes Verschwinden, Digitaler Nachlass

1. “Zeit” gerät nach Pro-und-Contra zur Seenotrettung in die Kritik
(sueddeutsche.de, David Denk)
Die “Zeit” hat mit einem Pro und Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung massive Kritik ausgelöst. Dabei ging es um die in der Überschrift formulierte Frage “Oder soll man es lassen?” und die “Contra”-Position der “Zeit”-Korrespondentin Mariam Lau. In der Digitalausgabe wurde die Überschrift mittlerweile in “Gut? Oder nur gut gemeint?” geändert. Die Redaktion will darin jedoch kein Eingeständnis eines Fehlers sehen, dem lägen nur “technische Gründe” zu Grunde …
In einem “SZ”-Kommentar kritisiert Heribert Prantl die “Zeit”. Man dürfe Menschen nicht als Sache betrachten und behandeln. So ein Pro und Contra sei vielleicht gut gemeint, aber nicht gut. Es relativiere die Menschenwürde. “Wer sich auf eine solche Denkweise einlässt, der landet bei der Folter und bei der Todesstrafe.”
Vor allem auf Twitter wurde der Beitrag intensiv diskutiert. Hier drei Threads, die verschiedene Aspekte beleuchten: Simon Hurtz kritisiert den Text von Mariam Lau, plädiert jedoch für mehr Argumente und weniger Furor: “Bringt es uns wirklich weiter, wenn wir die Zeit jetzt als bürgerliche Bild-Zeitung bezeichnen oder den Untergang des Journalismus heraufbeschwören? Das ist doch genau das angebliche Sprechverbot, das Rechte immer beklagen.” Julian Pahlke von “Jugend Rettet” reagiert mit einer eindringlichen Tweetabfolge über das Sterben im Mittelmeer, wie er es selbst als Augenzeuge erlebt habe: “Der Tod im Mittelmeer ist nicht, wie man immer glaubt, ein lautes Ereignis. Er kommt langsam und wird immer ruhiger. Er ist gerade deshalb so dramatisch weil er so ruhig ist.” Und laut Ingrid Brodnig illustriere die Frage der “Zeit” das Problem der “False Balance” im Journalismus. Journalisten seien darauf gedrillt, “beide Seiten” zu beleuchten. Dies führe im schlimmsten Fall dazu, dass menschenfeindliche Positionen denkbare Optionen werden: “Es ist ein Irrtum, dass ausgewogener Journalismus bedeutet, man gibt allen Meinungen Raum — egal wie menschenfeindlich oder faktenfern sie sind. Dieses Streben nach “alle Seiten müssen vorkommen” kann im Journalismus dazu führen, dass wir plötzlich Menschenrechte infrage stellen.”
Im Blog der “Zeit” haben sich die verantwortlichen Chefredakteure Sabine Rückert und Bernd Ulrich mit einer Art Stellungnahme an die Leser gewandt: “Wir bedauern, dass sich einige Leser in ihrem ethischen Empfinden verletzt gefühlt haben, und dass der Eindruck entstehen konnte, die ZEIT oder auch Mariam Lau würden einer Seenotrettung generell eine Absage erteilen.”
Das Bedauern der “Zeit”-Verantwortlichen scheint sich jedoch hauptsächlich auf sich selbst zu beziehen: Auf Twitter klagt Bernd Ulrich selbstmitleidig und passiv-aggresiv über die “flüchtlingsfreundliche Gemeinde”. Und trägt dazu bei, dass sich das Märchen von “Mordaufrufen” gegen “Zeit”-Redakteure verbreitet, was sich augenscheinlich auf “Titanic”-Chefredakteur Tim Wolff bezieht, der jedoch keineswegs zu irgendeiner Tötung aufgerufen, sondern eine unanständige Frage mit einer unanständigen Gegenfrage satirisch gespiegelt hat.
Nachtrag, 12:24 Uhr: Bernd Ulrich schreibt “nach einmal Drüberschlafen” bei Twitter: “Die Überschrift war ein, war mein Fehler” und kündigt einen eigenen Text zum Thema in der nächsten Ausgabe an.

2. EU-Politiker Axel Voss nutzt auf Facebook urheberrechtlich geschützte Fotos und verrät uns nicht, ob er sie bezahlt hat
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Axel Voss sitzt für die CDU im EU-Parlament und hat dort das neue und strengere Urheberrecht vorangetrieben. Das neue Gesetz soll unter anderem Plattformen dazu zwingen, urheberrechtlich geschütztes Material mittels Uploadfilter zu blocken und damit ein Veröffentlichen durch Unberechtigte unmöglich zu machen. “BuzzFeed News” hat sich bereits vor ein paar Tagen auf dem Facebook-Profil des Politikers umgeschaut und dort zahlreiche urheberrechtlich geschützte Bilder entdeckt. Auf Nachfragen, ob und wie eine Lizenzierung dieser Bilder erfolgt sei, reagierte das Büro des Politikers ausweichend. Doch nun passiert gerade ein Wunder: Wie auf magische Weise verschwinden immer mehr Einträge von Voss’ Facebook-Seite, bei denen derartige Bilder verwendet wurden.

3. „Mehr Kontrolle von außen“
(taz.de, Frederic Valin)
Die “taz” hat mit dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt gesprochen. Es geht um die aktuelle Fußball-WM, die Vergabe an Katar, diverse Substanzen und seine Entscheidung, nicht nach Russland zu fahren. Seppelts Resümee: “Die Doping- und Korruptionsskandale der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen. Sport ist bei weitem eben nicht der schöne Schein, den uns die Hochglanzbilder vorgaukeln. Auch im Fußball nicht. Nur, weil die Menschen die WM im Fernsehen gucken, heißt das noch lange nicht, das sie goutieren, was die Fifa macht. Einschaltquoten sind kein ethisches Argument.”

4. “Wie würde es im Netz aussehen, wenn es uns nicht gäbe?”
(golem.de, Jennifer Fraczek)
Die rund 40.000 Mitglieder der Facebook-Gruppe #ichbinhier schreiben Erwiderungen auf Hasskommentare. Im Interview mit Golem.de erklärt der Gründer der Online-Initiative Hannes Ley, wie er die Idee aus dem Netz in die echte Welt bringen will: “Unser Ziel ist es, ein Konzept für die Lehrerbildungsinstitute (LBI) zu entwickeln.”

5. Face­book-Chats sind auch nur Briefe
(lto.de, Bastian Biermann)
Der Bundesgerichtshof hat ein wichtiges Urteil zum sogenannten digitalen Nachlass gefällt und Eltern, die nach der Todesursache ihrer 15-jährigen Tochter suchen, Zugriff auf deren Facebook-Account gewährt. Damit habe das Gericht den digitalen Nachlass dem analogen gleichgestellt, so Bastian Biermann in seiner Einordnung des Urteils. Im Sinne der Rechtsklarheit sei es jedoch wünschenswert, dass der Gesetzgeber eine eindeutige Regelung zum digitalen Erbe treffe. Bis es soweit ist, rät Biermann zu Vorsorgemaßnahmen zu Lebzeiten.

6. Speechless Speech: Mark Zuckerberg
(webtapete.de)
Zum Wochenausklang noch etwas Leichtes: Der für seine “Musicless”-Videos (hier ein Beispiel) bekannte Sounddesigner und Vertonungskünstler Mario Wienerroither hat Mark Zuckerberg vertont.

Sprache der Flüchtlingspolitik, Kalte Liebe für Brexit, Lothars Siegtreffer

1. Monsterworte
(spiegel.de, Georg Diez)
Georg Diez schreibt über die Sprache der Flüchtlingspolitik: “Sie denken sich immer neue Monsterworte aus, diese Politiker, um ihre Verantwortung zu verschleiern, schreckliche, technokratische, sterile, bürokratische Maßnahmenworte, Umsetzungsworte, Tatenworte ohne Taten, denn es ist allein die Fiktion von Autorität, die in Worten wie “Masterplan” steckt oder “Ausschiffungsplattform” oder “Ankerzentren” — schlimmer noch, es sind Worte, die einen Rechtsbruch in abwaschbare Sprache verkleiden und so tun, als sei dieser tatsächliche Rechtsbruch die geeignete Maßnahme, um einen fiktiven Rechtsbruch zu bekämpfen.”
Weiterer Lesetipp: Bei “Flüchtlingsforschung gegen Mythen” diskutieren WissenschaftlerInnen Behauptungen aus der Flüchtlingsdebatte. Aktuell in der siebten Ausgabe.

2. Gegendarstellung
(martinsonneborn.de)
Gibt es im Europaparlament immer mehr Fraktionen und Fraktionslose, wie die “FAZ” einen CDU-Abgeordneten zitiert? Martin Sonneborn, fraktionsloses Mitglied im EU-Parlament (Die Partei), widerspricht dem in seiner “Gegendarstellung” und räumt mit aus seiner Sicht weiteren Lügen und Mythen auf.

3. Die kalte Liebe der Medien gegenüber dem Brexit
(nzz.ch, Felix Simon)
Europäische Medien zeichnen sich in Bezug auf den Brexit vor allem durch leidenschaftslose Distanz aus, schreibt Felix Simon. Laut einer neuen Studie würden Fernsehsender, Zeitungen und Online-Medien in acht europäischen Ländern neutral und faktenbasiert berichten — was sich von der Berichterstattung einiger grosser Zeitungen der Insel nicht unbedingt behaupten lasse.
Weiterer Lesetipp: Nach 26 Jahren im Amt tritt der englische Journalist Paul Dacre als Chefredakteur des konservativen Boulevardblatts “Daily Mail” zurück: Eine Pro-Brexit-Stimme wird leiser (nzz.ch, Rolf Hürzeler)

Und für Brexit-Interessierte die aktuelle Meldung: Brexit-Minister David Davis tritt zurück (spiegel.de)

4. Stichwortgeber für die rechte Blase
(taz.de, Lalon Sander)
“Bild” ist oft Stichwortgeber für die rechte Blase, übernimmt jedoch auch Meinungen von dort. Ein Beispiel dafür sei “Bild”-Boss Julian Reichelt höchstpersönlich, der mit seinen Tweets immer wieder Lautsprecher und Stichwortgeber für Deutschlands Rechte sei, so Lalon Sander in seiner “Right Trash”-Kolumne.

5. “Sie sollten Gott danken, dass es hier in Deutschland kein Fox News gibt”
(deutschlandfunkkultur.de, Mike Herbstreuth & Teresa Sickert, Audio, 15:59 Minuten)
Der US-Journalismusforscher Jay Rosen untersucht, wie sich das deutsche und das US-amerikanische Mediensystem voneinander unterscheiden. Zurzeit befindet er sich zu Studienzwecken in Deutschland. Bei “Deutschlandradio Kultur” spricht er über seine Eindrücke und Erkenntnisse: “Egal ob Sie religiös sind oder nicht, sollten Sie Gott danken, dass es hier in Deutschland kein Fox News gibt.”
Weiterer Lesetipp: Auf “Der rechte Rand” geht es aktuell um die Printversion des rechtskonservativen Onlineblogs “Tichys Einblick”. (der-rechte-rand.de, Robert Andreasch)

6. Siegtreffer
(twitter.com/LMatthaeus10, Lothar Matthäus)
“Bild” kritisiert den ehemaligen Fußballspieler Lothar Matthäus dafür, Putin die Hand geschüttelt zu haben, und der macht keine langen Worte, sondern antwortet mit einem Foto. In der Fußballsprache würde man wohl sagen: Siegtreffer!

Weiterwitzeln bei der Gebührenverschwendung

Perfektes Pointen-Ping-Pong im Highspeed-Modus. Weiterwitzeln!

So endete die auffallend positive “Bild”-TV-Kritik von Josef Nyary zur Sendung “WM Kwartira”, die derzeit im “Ersten” am späten Abend nach WM-Übertragungen läuft. Gastgeber Micky Beisenherz und Jörg Thadeusz seien “das schärfste Spottdrossel-Duo seit ‘Waldi’ Hartmann und ‘Dirty Harry’ Schmidt.” Sie stellten freche Fragen und hätten passende Gäste. Nyary war sehr angetan:

Ausriss Bild-Zeitung - TV-Kritik von Josef Nyary - Perfektes Pointen-Ping-Pong

Dieses Lob erschien am 20. Juni in der gedruckten “Bild” und bereits am Abend vorher bei Bild.de.

Am vergangenen Dienstag war Komiker Oliver Polak als einer von zwei Gästen im “WM Kwartira”. Seine Äußerungen über Lothar Matthäus, den er als “pädophilen Volltrottel” bezeichnete, sorgten verständlicherweise für viel Ärger.

In der heutigen “Bild”-Ausgabe schreibt auch Josef Nyary über Polaks Auftritt:

Ausriss Bild-Zeitung - Peinlich, ARD! Matthäus bepöbelt

Der Komiker Oliver Polak hat in der ARD-Spätshow “WM Kwartira” Lothar Matthäus als “Pädophilen” beschimpft. Einfach so.

Wörtlich sagte Polak über den Weltmeister von 1990: „In den letzten zwanzig Jahren war nichts mehr, wo man sagen kann: Respekt! Das ist einfach ein Volltrottel! Ein pädophiler Volltrottel!“

Er schreibt über Thadeusz und Beisenherz, die er einst für ein scharfes “Spottdrossel-Duo” hielt:

Und was machten die Moderatoren? Nichts!

Und er schreibt allgemein über “WM Kwartira”, das er vor zwei Wochen noch als “perfektes Pointen-Ping-Pong” bezeichnete:

Laut Programm soll Kwartira “unterhaltsam, informativ und meinungsstark” eine “humorvolle Fußball-Unterhaltung” liefern. Oder wie ich es nenne: Gebührenverschwendung.

Eine solche Kehrtwende bekommt bei “Bild” eigentlich nur Briefonkel Franz Josef Wagner hin. Und selbst der braucht dafür deutlich länger als zwei Wochen.

Medien über Mesut Özil: der Rassismus der Anderen

Kurz nach dem Ausscheiden bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland berichteten viele Medien vor allem über einen deutschen Nationalspieler: Mesut Özil. Es war schließlich auch etwas passiert nach dem letzten Gruppenspiel gegen Südkorea: Eine Person auf der Tribüne beleidigte Özil, vermutlich ausländerfeindlich. Der DFB schrieb uns auf Nachfrage, dass dem Verband Informationen vorliegen, die diesen Vorgang bestätigen. Özil ließ sich das nicht bieten. Torwarttrainer Andreas Köpke und ein Bodyguard mussten einschreiten.

Doch statt zu schreiben “Eklige Attacke gegen Mesut Özil” oder “Rassistischer Angriff auf Nationalspieler”, titelten die Redaktionen:

Screenshot BZ - Pleite gegen Südkorea - Özil legt sich nach WM-Aus mit deutschen Fans an
(bz-berlin.de)
Screenshot T-Online - Nach WM-Debakel - Özil legt sich mit deutschen Fans an
(t-online.de)
Screenshot Sky Sport - Der Weltmeister ist raus - Nach Peinlich-Aus: Özil legt sich mit den Fans an
(“Sky Sport”)
Screenshot Rheinische Post - Nach dem Spiel gegen Südkorea - Özil und Köpke legen sich mit deutschen Fans an
(“RP Online”)
Screenshot Focus Online - Nach WM-Debakel - Mesut Özil gerät mit deutschen Fans aneinander
(“Focus Online”)
Screenshot Express.de - Auch das noch - Mesut Özil gerät in Auseinandersetzung mit deutschen Fans
(Express.de)
Screenshot Huffington Post - Bodyguard musste ihn beruhigen - Özil zofft sich mit deutschen Fans
(“Huffington Post”)
Screenshot Mitteldeutsche Zeitung - Nach WM-Aus gegen Südkorea - Özil gerät mit deutschen Fans aneinander
(“Mitteldeutsche Zeitung”)
Screenshot Reviersport.de - Özil zofft sich nach der DFB-Pleite mit Deutschland-Fan
(“Reviersport”)

So, als ginge die Aggression von Özil aus; als hätte nicht zuerst irgendein Holzkopf ausländerfeindlichen Dreck von sich gegeben; als müsste ein Nationalspieler nach dem Ausscheiden bei einer WM alles hinnehmen, auch rassistische Anfeindungen; als dürfte er sich gegen die Beleidigung nicht wehren, ohne mit dieser Reaktion für Ärger zu sorgen.

Genau das behaupten “Bild” und Bild.de, wenn sie zwei Tage nach der Niederlage schlagzeilen:

Ausriss Bild-Zeitung - Özil - Zweimal Ärger und sonst nix

Ärger Nummer 1 laut “Bild”-Medien: das unsägliche Treffen von Mesut Özil und dessen Nationalmannschaftskollegen Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ärger Nummer 2: die Szene nach dem Südkorea-Spiel:

Emotionen zeigte Özil bei der WM nur einmal: Als er nach dem Aus vorm Spielertunnel von einem “Fan” beleidigt wurde, musste er von Torwart-Trainer Andy Köpke zurückgehalten werden.

Köpke zu BILD: “Der Fan hat ihn beschimpft. Ich habe Mesut zurückgezogen und zu dem Fan gesagt, er soll den Schnabel halten.” Nach BILD-Info sollen ausländerfeindliche Beleidigungen gefallen sein.

Die bewusste Teilnahme an einem Treffen mit einem Autokraten auf der einen Seite, eine Beleidigung durch eine fremde Person auf der anderen — für die Mitarbeiter von “Bild” und Bild.de alles dieselbe kritikwürdige Soße, die sie Özil vorhalten:

Es begann mit Zoff und endete mit Zoff. Und dazwischen war sportlich leider nix los.

“sportlich leider nix los” ist dann auch eine ausgesprochen negative Auslegung dessen, was Mesut Özil beispielsweise gegen Südkorea auf dem Spielfeld gezeigt hat. Er hat sicher kein überragendes Spiel gemacht, aber laut Statistiken deutlich mehr als “nix”: mit 110 Ballberührungen die zweitmeisten im deutschen Team, mit 95 Pässen ebenfalls die zweitmeisten, darunter sieben sogenannte “Key Passes”, also solche, die direkt zu guten Chancen führen. Mesut Özil war, glaubt man den Zahlen, gegen Südkorea einer der Besten einer insgesamt schwachen Mannschaft.

Und dennoch suchten zahlreiche Redaktionen Fotos von Özil aus, um das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft zu bebildern: Die “Welt” zeigte, “wie schwach Deutschland wirklich war”, und wählte für den Artikel ein Foto von Özil. Bei der “FAZ” brachten sie die Schlagzeile “Der deutsche Untergang” und wählten ein Foto von Özil (was die Redaktion später änderte). “Bild” schrieb bei Instagram “Peinlicher Auftritt” und wählte dazu ein Foto von Özil. “Pro Sieben” forderte ausschließlich Mesut Özil per Twitter zum Rücktritt auf (wofür sich der Sender später entschuldigte). “11 Freunde”-Chefredakteur Philipp Köster hat das alles drüben bei “Übermedien” detailliert aufgeschrieben.

Mit der sportlichen Leistung allein lässt sich die Wucht der Kritik an Mesut Özil nicht erklären. Vielleicht spielt eine angestaute Wut darüber, dass er die deutsche Nationalhymne nicht mitsingt, eine Rolle. Vielleicht das generelle Misstrauen gegenüber, der Hass auf Türken. Auf jeden Fall immer noch das Foto mit Erdogan. Karim Benzema, französischer Fußballer mit algerischen Wurzeln und früher Stürmer in Frankreichs Nationalmannschaft, sagte mal: “Wenn ich ein Tor schieße, bin ich Franzose, aber wenn ich keins schieße oder wenn es Probleme gibt, dann bin ich Araber.”

Am Sonntag erschien in “Bild am Sonntag” und bei Bild.de (dort inzwischen gelöscht) ein Kommentar von Hatice Akyün:

Ausriss Bild am Sonntag - Der Rassismus gegen Özil hat mich umgehauen

Sie kritisiert völlig zurecht die ausländerfeindlichen Parolen von AfD-Politikern gegen Mesut Özil. Zur Rolle der Medien verliert sie hingegen kein Wort, leider auch nicht zur Kampagne von “Bild” und Bild.de, die für den “Rassismus gegen Özil” mindestens ein nützliches Klima geschaffen hat.

Frauenstimmen, US-Zoll-Harakiri, “Emma” und der Beifall von rechts

1. “Ich würde mich an ihrer Stelle nicht verbiegen”
(spiegel.de, Julia Köppe)
Dass Sportreporterin Claudia Neumann Spiele der Fußball-WM kommentiert, empfinden manche Männer geradezu als einen Frevel. Weil sie Frauen wie Neumann grundsätzlich die Kompetenz absprechen, andererseits weil sie angeblich ihre Stimme nicht mögen. Im Interview mit “Spiegel Online” erklärt ein Sprachforscher und Spezialist für den Stimmapparat, welche Rolle Sexismus dabei spielt. Und rät der Moderatorin bei ihrer Stimme zu bleiben und nicht absichtlich tiefer zu sprechen: “Auf keinen Fall, denn das wäre nicht authentisch und davon leben doch die Live-Kommentare. Die Zuschauer würden den Unterschied sehr schnell spüren. Frau Neumann würde dadurch weniger glaubwürdig, und das ist ja genau das, was ihr einige Kritiker vorwerfen. Ich würde mich an ihrer Stelle nicht für einige Hörererwartungen verbiegen.”

2. Titel-Framing, Facebook und die Medien
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff, Audio, 23:23 Minuten)
Beim “Deutschlandfunk” gibt es die komplette Mediensendung “mediasres” zum Nachhören. Unter anderem mit Beiträgen über die AfD und die Medien, das Titel-Framing der letzten “Spiegel”-Ausgabe, das Verhältnis von Facebook und den Medien und die mittlerweile ins dreißigste Jahr gehenden ZDF-Sommerinterviews.


3. Das ist eine spannende Frage, aber ich werde mich dazu nicht äußern.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat auf “Planet Interview” eine Pressekonferenz der ARD zusammengefasst und in Teilen dokumentiert. Gegenstand der Pressekonferenz waren u.a. der Telemedienauftrag, gemeinsame Plattformen mit privaten Anbietern, Sponsoring, Rundfunklizenzen, Angela Merkels erneutes Solo bei Anne Willm und warum die ARD von der FIFA die WM-Übertragunsrechte kauft.

4. “Die Zölle werden Entlassungen quer durch die amerikanische Zeitungslandschaft zur Folge haben”
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Weil sich eine amerikanische Papiermühle über die Subventionierung von Papierherstellern im benachbarten Kanada beschwerte, hat die US-Regierung kanadisches Papier mit Zöllen von bis zu 32 Prozent belegt. Wie so oft, ohne die Folgen zu bedenken, denn durch den Kostenanstieg droht einigen amerikanischen Tageszeitungen das Aus.

5. „Emma“ und der Beifall von rechts
(uebermedien.de, Laura Lucas)
Der Kommunikationswissenschaftler Luca Hammer hat sich für den Verein “Fearless Democracy” mit der Frage beschäftigt, ob die Zeitschrift “Emma” auch ein rechtes Publikum bedient, ob gewollt oder ungewollt. Dazu hat er sich die Follower von @EMMA_Magazin auf Twitter angesehen und ausgewertet. Zum Vergleich hat er feministische Magazine wie das “Missy Magazine” oder das österreichische “an.schläge” herangezogen. Der Datenanalyst konnte nachweisen, dass es ein rechtes Interesse an “Emma” gibt, das zudem wachse. Laura Lucas macht als einen Grund dafür die Berichterstattung der “Emma” verantwortlich und schreibt: “Eben weil gerade Rechtspopulisten die einfachen Antworten so lieben, sollten Medien differenziert berichten — auch feministische. Das schützt zwar nicht vor einer Vereinnahmung von rechts. Was in die Agenda passt, das wird instrumentalisiert. Umso mehr aber sollte es die Aufgabe eines feministischen Magazins sein, die Strategien der Rechtspopulisten zu entlarven.”

6. Robin Alexander ist gerade der wohl krasseste Politikreporter Deutschlands und hier steht warum
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Karsten Schmehl hat eine Theorie entwickelt, wie der allgegenwärtige Politikreporter Robin Alexander Deutschlands wichtigsten Politikern so nah kommen kann. Und er kann sie auch noch teen-gerecht im “Buzzfeed”/”Bento”-Style erklären: “Ich mache oft Spaß hier auf BuzzFeed, aber dieser Post ist kein Spaß. Ernsthaft: Der WELT-Reporter Robin Alexander ist aktuell der wohl krasseste Politikreporter, den Deutschland hat — und hoffentlich kann ich dir hier klar machen, warum.”

ORF-Diskussion, Mission Heimlich?, “Distracted Boyfriend”-Meme

1. ORF: Keine Kritik auf Social Media
(brodnig.org)
Die Journalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig hat aufgeschrieben, warum ihr die aktuellen Social-Media-Pläne des ORF nicht behagen. Grundsätzlich habe sie keine Probleme mit Social-Media-Guidelines, “die konkreten Formulierungen im aktuellen Entwurf sind aber so weitreichend, dass ich ein Missbrauchspotenzial fürchte, welches dazu führen kann, dass die Meinungsfreiheit und auch die öffentliche Debatte auf Facebook und Twitter leiden.”
Weiterer Lesehinweis: Der Kommentar von Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung “Falter”: Ein Knickserl vor der FPÖ (zeit.de)

2. Wie „Spiegel TV“ sich neu erfinden will
(haz.de, Imre Grimm)
Nach 30 Jahren geht es mit “Spiegel TV” auf dem gewohnten Sendeplatz bei RTL zu Ende. Wie geht es mit dem erfolgreichen politischen Magazin weiter? Chefredakteur Steffen Haug sowie Redaktionsleiterin und Moderatorin Maria Gresz erläutern ihre Pläne.

3. Faktencheck: Falschnachrichten über Migranten der Aquarius – Warum dieses Foto aus dem Kontext gerissen ist
(correctiv.org, Cristina Helberg)
Der katholische Theologe und Publizist David Berger wusste auf seinem rechtspopulistischen Blog “Philosophia perennis” Empörendes zu berichten: Angeblich hätten Flüchtlinge von Bord des Schiffes “Aquarius” Kleidung in den Müll geworfen, die das Rote Kreuz ihnen gegeben hat. Der Haken bei der Geschichte: Sie stimmt nicht.

4. So groß ist die Welt
(freitag.de, Klaus Raab)
In Raúl Krauthausens Talkshow “face to face” reden Gäste mit und ohne Behinderung über ihr Leben. Nun hat der nimmermüde Inklusionsaktivist, der unter anderem die “Sozialhelden” gegründet und die Landkarte mit rollstuhlgerechten Orten “Wheelmap” initiiert hat, den Grimme-Online-Award für seine Sendung bekommen.

5. Unbemerkt verabschiedet?
(faktenfinder.tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
Während der Fußball-WM wurden verschiedene unpopuläre Gesetze verabschiedet, ob mehr Geld für Parteien oder schärfere Regeln beim Urheberrecht. Steckt dahinter eine Strategie, um Diskussionen zu vermeiden? Spoiler: Ganz so einfach ist es wohl nicht.

6. Die Frau aus dem “Distracted Boyfriend”-Meme ist immer geschockt – und es ist so witzig!
(bento.de, Steffen Lüdke)
Kaum jemand, der das Bild auf Social Media noch nicht gesehen hat: Er und sie Händchen haltend, aber er dreht sich nach einer anderen um, was bei seiner Partnerin entsprechend für Empörung sorgt. Das Bild dient unzähligen Memes zur Verbreitung von mehr oder weniger einschlägigen Verrats- und Untreuebotschaften. Ein Twitternutzer hat sich die Mühe gemacht, in den anderen Stockfotos der Frau zu stöbern. Das Ergebnis ist schockierend!

Heung-Min Son muss zum Militär. Aber nur vielleicht und “kaum vorstellbar”

Bei Bild.de haben sie sich noch nie gut klingende und klickende Schlagzeilen von sowas Nebensächlichem wie Fakten kaputtmachen lassen. Auch in diesem Fall nicht:

Screenshot Bild.de - Ex-Bundesliga-Profi - Achtelfinale, sonst geht's zum Militär

Gemeint ist der südkoreanische Fußballer Heung-Min Son, der mit seiner Mannschaft heute bei der WM in Russland im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland antritt. Son und seine Teamkollegen können noch ausscheiden, aber auch ins Achtelfinale einziehen.

In Südkorea gibt es einen verpflichtenden Armeedienst, den alle Männer vor ihrem 29. Lebensjahr absolviert haben müssen. Auch Profi-Sportler. Es sei denn, sie erreichen in ihrer Sportart etwas, das dem Land Ruhm und Ehre bringt. Eine gute Platzierung bei einer Fußball-Weltmeisterschaft etwa könnte einem Sportler, der seinen Dienst noch nicht geleistet hat, diesen ersparen.

Mit Blick auf den 25-jährigen Son, der bis jetzt noch nicht beim Militär war, schreibt Bild.de:

Am Mittwochnachmittag will der koreanische Hoffnungsträger ausgerechnet gegen Deutschland das WM-Aus […] abwenden. Doch nicht nur das: Dem Ex-Hamburger und Leverkusener droht bei einem vorzeitigen Ausscheiden sogar das Militär!

Achtelfinale oder Armee, Weiterkommen bei der WM oder Kasernenleben — diese Entweder-oder-Behauptung hält bei Bild.de nur ein paar Zeilen lang. Ein erstes Rückrudern schon nach wenigen Absätzen:

Aber: Wird Son wirklich für die Armee eingezogen?

Kaum vorstellbar, dass die stolze Asien-Republik sein größtes Aushängeschild […] tatsächlich zum Militär verdonnert. In Südkorea ist der Kumpel von DFB-Jungstar Julian Brandt (22) ein Top-Star, Marken-Magnet, Botschafter, Frauenheld. 2015, 2017 und 2018 wurde der deutschsprechende Profi sogar zu Asiens Fußballer des Jahres gewählt.

Ja, “kaum vorstellbar”. Für eine Bild.de-Schlagzeile aber reicht’s noch.

Am Ende seines Artikels schreibt der Autor dann, dass es gar nicht sicher sei, dass Heung-Min Son zum Militär muss, sollten er und sein Team in Russland nicht das Achtelfinale erreichen:

Wenn das nicht klappt, hat “Sonny”, wie er genannt wird, noch zwei weitere Chancen: bei den Asien-Spielen im August oder beim Asien-Pokal im Januar 2019.

Andere Medien behaupten ebenfalls, dass Son definitiv zum Militär müsse, sollte Südkorea heute ausscheiden. “Zeit Online” zum Beispiel:

Screenshot Zeit Online - Achtelfinale oder Armee - Alle Südkoreaner müssen einen fast zweijährigen Militärdienst leisten. Auch Profifußballer wie Son Heung Min. Es gibt nur einen Ausweg: gegen Deutschland gewinnen.

Ganz so ausweglos ist die Situation für Heung-Min Son dann doch nicht.

Mit Dank an Frank D. für den Hinweis!

Angstmacher Seehofer, Wahlumfrage, Das Quaken der toten Ente

1. “Seehofer befeuert Misstrauen und Ängste”
(donaukurier.de, Klaus Meier)
Innenminister Horst Seehofer hat in einem Interview behauptet, es gäbe immer mehr Falschmeldungen. Die meisten Fake News würden seiner Ansicht nach in Deutschland produziert werden. Dem widerspricht der Eichstätter Journalismus-Professor Klaus Meier: “Horst Seehofer befeuert das Misstrauen und die Ängste von etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland, die der Propaganda der Rechten aufsitzen und denken, sie würden permanent manipuliert. Das ist für eine informierte und diskursive Öffentlichkeit nicht hilfreich, ohne die die Demokratie nicht atmen kann.”
Weiterer Lesehinweis: Auch der Vorsitzende des “Deutschen Journalisten Verbands” ist über die Aussagen Seehofers empört: “Ausgerechnet der Minister, der kraft seines Amtes die Grundwerte der Verfassung schützen soll, stellt die Pressefreiheit auf den Kopf, indem er uns Journalisten vorsätzliche Falschmeldungen unterstellt — unglaublich!” (djv.de, Hendrik Zörner)

2. „Heute“ und die Tiefen des „guten Boulevards“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Das österreichische Gratisblatt “Heute” machte mit der Aufsehen erregenden Meldung auf, nach der eine 91-jährige “Oma” von einem Flüchtling vergewaltigt worden sei. Dabei handelte es sich jedoch um eine Falschmeldung, wie das Blatt in einem Anhang eingestehen musste. Hans Kirchmeyer lobt das Blatt für seine transparente Dokumentation, es sei jedoch ein erheblicher Schaden angerichtet worden: “Kaum ein Leser kehrt zurück und liest die kleine Korrektur ganz am Ende des Artikels. Und in den “sozialen” Medien quakt die Ente untot weiter.”

3. Muss man bei der WM zu viele bittere Pillen schlucken, Frau Freitag?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
“Planet Interview”-Macher Jakob Buhre hat sich mit der Vorsitzenden des Sportausschusses Dagmar Freitag (SPD) unterhalten. In dem Gespräch geht es u.a. über die laufende WM, den Zwang, die FIFA zu finanzieren, die Verbindung von Coca-Cola und Sport und den Umgang des DFB mit der Trikot-Affäre.
Weiterer Lesehinweis, ebenfalls bei “Planet Interview”: das Gespräch mit Markus Harm, dem Sportpolitik- und FIFA-Experten des ZDF: Die Fußball-WM ist ein Corporate Event, es geht fast nur noch um Geld.

4. CSU bundesweit bei 18 Prozent?
(faktenfinder.tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
Würde die CSU bei bundesweiten Neuwahlen wirklich bei 18 Prozent liegen, wie “Bild” unter Berufung auf eine Umfrage des INSA-Instituts berichtete? Daran bestehen Zweifel, auch weil die Fragestellung problematisch ist. Heiko Gothe vom Meinungsforschungsinstitut Infratest kritisiert die Frage nicht nur wegen ihres Framings, sondern auch ganz grundsätzlich: “Mit der Abfrage von Parteien, die bisher im jeweiligen Wahlgebiet gar nicht wählbar sind und mit denen die befragten Personen gar keine Erfahrung haben, wird der hypothetische Charakter massiv gesteigert und die Befragten letztlich überfordert.”
Weiterer Lesehinweis: Keine eindeutige Mehrheit für CSU-Politik – Spiegel online interpretiert das aber anders (stefan-fries.com)

5. 18 Wege, über die dich Facebook trackt und verfolgt
(basicthinking.de, Christian Erxleben)
Vielen ist bekannt, dass Facebook seine Nutzer trackt, analysiert und verfolgt. Wie ausgeklügelt Facebooks Tracking-Verhalten funktioniert, zeigt ein 225-seitiges PDF-Dokument mit Antworten an den US-Kongress. Danach gebe es 18 Methoden und Verhaltensweisen, über die das Netzwerk seine Nutzer ausspäht. Das reicht von technischen Daten, wie dem Batteriestand des Geräts und den installierten Plugins, bis hin zu Mausbewegungen und Einkäufen.

6. “Guten Tag, bin ich da in der Sportredaktion?”
(spiegel.de)
Als ZDF-Redakteurin Claudia Neumann im deutschen Fernsehen ein WM-Spiel kommentierte, gab es wütende Reaktionen in den sozialen Medien. Einige (männliche) Zuschauer können es anscheinend nicht ertragen, wenn eine Frau als Sportreporterin arbeitet. Das ZDF berichtete von “Hass, Häme und Beleidigungen”. Ein Einzelfall? “Spiegel Online” hat Sportjournalistinnen nach ihren Erfahrungen gefragt. Und die erzählen u.a. von Vorhaltungen, Vorurteilen und blöden Kommentaren.

7. Leserbrief an den FAZ-Herausgeber Holger Steltzner
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Außerhalb der 6-vor-9-Zählweise, weil aus der Feder des Kurators: Ein Leserbrief an den “FAZ”-Herausgeber Holger Steltzner wegen dessen Behauptungen zur Asyl- und Flüchtlingspolitik. “Ich ärgere mich gerade über Ihren Beitrag, weil er verzerrt, mit Unwahrheiten operiert und das gesellschaftliche Klima vergiftet.”

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