Suchergebnisse für ‘fußball’

Frauenstimmen, US-Zoll-Harakiri, “Emma” und der Beifall von rechts

1. “Ich würde mich an ihrer Stelle nicht verbiegen”
(spiegel.de, Julia Köppe)
Dass Sportreporterin Claudia Neumann Spiele der Fußball-WM kommentiert, empfinden manche Männer geradezu als einen Frevel. Weil sie Frauen wie Neumann grundsätzlich die Kompetenz absprechen, andererseits weil sie angeblich ihre Stimme nicht mögen. Im Interview mit “Spiegel Online” erklärt ein Sprachforscher und Spezialist für den Stimmapparat, welche Rolle Sexismus dabei spielt. Und rät der Moderatorin bei ihrer Stimme zu bleiben und nicht absichtlich tiefer zu sprechen: “Auf keinen Fall, denn das wäre nicht authentisch und davon leben doch die Live-Kommentare. Die Zuschauer würden den Unterschied sehr schnell spüren. Frau Neumann würde dadurch weniger glaubwürdig, und das ist ja genau das, was ihr einige Kritiker vorwerfen. Ich würde mich an ihrer Stelle nicht für einige Hörererwartungen verbiegen.”

2. Titel-Framing, Facebook und die Medien
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff, Audio, 23:23 Minuten)
Beim “Deutschlandfunk” gibt es die komplette Mediensendung “mediasres” zum Nachhören. Unter anderem mit Beiträgen über die AfD und die Medien, das Titel-Framing der letzten “Spiegel”-Ausgabe, das Verhältnis von Facebook und den Medien und die mittlerweile ins dreißigste Jahr gehenden ZDF-Sommerinterviews.


3. Das ist eine spannende Frage, aber ich werde mich dazu nicht äußern.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre hat auf “Planet Interview” eine Pressekonferenz der ARD zusammengefasst und in Teilen dokumentiert. Gegenstand der Pressekonferenz waren u.a. der Telemedienauftrag, gemeinsame Plattformen mit privaten Anbietern, Sponsoring, Rundfunklizenzen, Angela Merkels erneutes Solo bei Anne Willm und warum die ARD von der FIFA die WM-Übertragunsrechte kauft.

4. “Die Zölle werden Entlassungen quer durch die amerikanische Zeitungslandschaft zur Folge haben”
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Weil sich eine amerikanische Papiermühle über die Subventionierung von Papierherstellern im benachbarten Kanada beschwerte, hat die US-Regierung kanadisches Papier mit Zöllen von bis zu 32 Prozent belegt. Wie so oft, ohne die Folgen zu bedenken, denn durch den Kostenanstieg droht einigen amerikanischen Tageszeitungen das Aus.

5. „Emma“ und der Beifall von rechts
(uebermedien.de, Laura Lucas)
Der Kommunikationswissenschaftler Luca Hammer hat sich für den Verein “Fearless Democracy” mit der Frage beschäftigt, ob die Zeitschrift “Emma” auch ein rechtes Publikum bedient, ob gewollt oder ungewollt. Dazu hat er sich die Follower von @EMMA_Magazin auf Twitter angesehen und ausgewertet. Zum Vergleich hat er feministische Magazine wie das “Missy Magazine” oder das österreichische “an.schläge” herangezogen. Der Datenanalyst konnte nachweisen, dass es ein rechtes Interesse an “Emma” gibt, das zudem wachse. Laura Lucas macht als einen Grund dafür die Berichterstattung der “Emma” verantwortlich und schreibt: “Eben weil gerade Rechtspopulisten die einfachen Antworten so lieben, sollten Medien differenziert berichten — auch feministische. Das schützt zwar nicht vor einer Vereinnahmung von rechts. Was in die Agenda passt, das wird instrumentalisiert. Umso mehr aber sollte es die Aufgabe eines feministischen Magazins sein, die Strategien der Rechtspopulisten zu entlarven.”

6. Robin Alexander ist gerade der wohl krasseste Politikreporter Deutschlands und hier steht warum
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Karsten Schmehl hat eine Theorie entwickelt, wie der allgegenwärtige Politikreporter Robin Alexander Deutschlands wichtigsten Politikern so nah kommen kann. Und er kann sie auch noch teen-gerecht im “Buzzfeed”/”Bento”-Style erklären: “Ich mache oft Spaß hier auf BuzzFeed, aber dieser Post ist kein Spaß. Ernsthaft: Der WELT-Reporter Robin Alexander ist aktuell der wohl krasseste Politikreporter, den Deutschland hat — und hoffentlich kann ich dir hier klar machen, warum.”

ORF-Diskussion, Mission Heimlich?, “Distracted Boyfriend”-Meme

1. ORF: Keine Kritik auf Social Media
(brodnig.org)
Die Journalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig hat aufgeschrieben, warum ihr die aktuellen Social-Media-Pläne des ORF nicht behagen. Grundsätzlich habe sie keine Probleme mit Social-Media-Guidelines, “die konkreten Formulierungen im aktuellen Entwurf sind aber so weitreichend, dass ich ein Missbrauchspotenzial fürchte, welches dazu führen kann, dass die Meinungsfreiheit und auch die öffentliche Debatte auf Facebook und Twitter leiden.”
Weiterer Lesehinweis: Der Kommentar von Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung “Falter”: Ein Knickserl vor der FPÖ (zeit.de)

2. Wie „Spiegel TV“ sich neu erfinden will
(haz.de, Imre Grimm)
Nach 30 Jahren geht es mit “Spiegel TV” auf dem gewohnten Sendeplatz bei RTL zu Ende. Wie geht es mit dem erfolgreichen politischen Magazin weiter? Chefredakteur Steffen Haug sowie Redaktionsleiterin und Moderatorin Maria Gresz erläutern ihre Pläne.

3. Faktencheck: Falschnachrichten über Migranten der Aquarius – Warum dieses Foto aus dem Kontext gerissen ist
(correctiv.org, Cristina Helberg)
Der katholische Theologe und Publizist David Berger wusste auf seinem rechtspopulistischen Blog “Philosophia perennis” Empörendes zu berichten: Angeblich hätten Flüchtlinge von Bord des Schiffes “Aquarius” Kleidung in den Müll geworfen, die das Rote Kreuz ihnen gegeben hat. Der Haken bei der Geschichte: Sie stimmt nicht.

4. So groß ist die Welt
(freitag.de, Klaus Raab)
In Raúl Krauthausens Talkshow “face to face” reden Gäste mit und ohne Behinderung über ihr Leben. Nun hat der nimmermüde Inklusionsaktivist, der unter anderem die “Sozialhelden” gegründet und die Landkarte mit rollstuhlgerechten Orten “Wheelmap” initiiert hat, den Grimme-Online-Award für seine Sendung bekommen.

5. Unbemerkt verabschiedet?
(faktenfinder.tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
Während der Fußball-WM wurden verschiedene unpopuläre Gesetze verabschiedet, ob mehr Geld für Parteien oder schärfere Regeln beim Urheberrecht. Steckt dahinter eine Strategie, um Diskussionen zu vermeiden? Spoiler: Ganz so einfach ist es wohl nicht.

6. Die Frau aus dem “Distracted Boyfriend”-Meme ist immer geschockt – und es ist so witzig!
(bento.de, Steffen Lüdke)
Kaum jemand, der das Bild auf Social Media noch nicht gesehen hat: Er und sie Händchen haltend, aber er dreht sich nach einer anderen um, was bei seiner Partnerin entsprechend für Empörung sorgt. Das Bild dient unzähligen Memes zur Verbreitung von mehr oder weniger einschlägigen Verrats- und Untreuebotschaften. Ein Twitternutzer hat sich die Mühe gemacht, in den anderen Stockfotos der Frau zu stöbern. Das Ergebnis ist schockierend!

Heung-Min Son muss zum Militär. Aber nur vielleicht und “kaum vorstellbar”

Bei Bild.de haben sie sich noch nie gut klingende und klickende Schlagzeilen von sowas Nebensächlichem wie Fakten kaputtmachen lassen. Auch in diesem Fall nicht:

Screenshot Bild.de - Ex-Bundesliga-Profi - Achtelfinale, sonst geht's zum Militär

Gemeint ist der südkoreanische Fußballer Heung-Min Son, der mit seiner Mannschaft heute bei der WM in Russland im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland antritt. Son und seine Teamkollegen können noch ausscheiden, aber auch ins Achtelfinale einziehen.

In Südkorea gibt es einen verpflichtenden Armeedienst, den alle Männer vor ihrem 29. Lebensjahr absolviert haben müssen. Auch Profi-Sportler. Es sei denn, sie erreichen in ihrer Sportart etwas, das dem Land Ruhm und Ehre bringt. Eine gute Platzierung bei einer Fußball-Weltmeisterschaft etwa könnte einem Sportler, der seinen Dienst noch nicht geleistet hat, diesen ersparen.

Mit Blick auf den 25-jährigen Son, der bis jetzt noch nicht beim Militär war, schreibt Bild.de:

Am Mittwochnachmittag will der koreanische Hoffnungsträger ausgerechnet gegen Deutschland das WM-Aus […] abwenden. Doch nicht nur das: Dem Ex-Hamburger und Leverkusener droht bei einem vorzeitigen Ausscheiden sogar das Militär!

Achtelfinale oder Armee, Weiterkommen bei der WM oder Kasernenleben — diese Entweder-oder-Behauptung hält bei Bild.de nur ein paar Zeilen lang. Ein erstes Rückrudern schon nach wenigen Absätzen:

Aber: Wird Son wirklich für die Armee eingezogen?

Kaum vorstellbar, dass die stolze Asien-Republik sein größtes Aushängeschild […] tatsächlich zum Militär verdonnert. In Südkorea ist der Kumpel von DFB-Jungstar Julian Brandt (22) ein Top-Star, Marken-Magnet, Botschafter, Frauenheld. 2015, 2017 und 2018 wurde der deutschsprechende Profi sogar zu Asiens Fußballer des Jahres gewählt.

Ja, “kaum vorstellbar”. Für eine Bild.de-Schlagzeile aber reicht’s noch.

Am Ende seines Artikels schreibt der Autor dann, dass es gar nicht sicher sei, dass Heung-Min Son zum Militär muss, sollten er und sein Team in Russland nicht das Achtelfinale erreichen:

Wenn das nicht klappt, hat “Sonny”, wie er genannt wird, noch zwei weitere Chancen: bei den Asien-Spielen im August oder beim Asien-Pokal im Januar 2019.

Andere Medien behaupten ebenfalls, dass Son definitiv zum Militär müsse, sollte Südkorea heute ausscheiden. “Zeit Online” zum Beispiel:

Screenshot Zeit Online - Achtelfinale oder Armee - Alle Südkoreaner müssen einen fast zweijährigen Militärdienst leisten. Auch Profifußballer wie Son Heung Min. Es gibt nur einen Ausweg: gegen Deutschland gewinnen.

Ganz so ausweglos ist die Situation für Heung-Min Son dann doch nicht.

Mit Dank an Frank D. für den Hinweis!

Angstmacher Seehofer, Wahlumfrage, Das Quaken der toten Ente

1. “Seehofer befeuert Misstrauen und Ängste”
(donaukurier.de, Klaus Meier)
Innenminister Horst Seehofer hat in einem Interview behauptet, es gäbe immer mehr Falschmeldungen. Die meisten Fake News würden seiner Ansicht nach in Deutschland produziert werden. Dem widerspricht der Eichstätter Journalismus-Professor Klaus Meier: “Horst Seehofer befeuert das Misstrauen und die Ängste von etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland, die der Propaganda der Rechten aufsitzen und denken, sie würden permanent manipuliert. Das ist für eine informierte und diskursive Öffentlichkeit nicht hilfreich, ohne die die Demokratie nicht atmen kann.”
Weiterer Lesehinweis: Auch der Vorsitzende des “Deutschen Journalisten Verbands” ist über die Aussagen Seehofers empört: “Ausgerechnet der Minister, der kraft seines Amtes die Grundwerte der Verfassung schützen soll, stellt die Pressefreiheit auf den Kopf, indem er uns Journalisten vorsätzliche Falschmeldungen unterstellt — unglaublich!” (djv.de, Hendrik Zörner)

2. „Heute“ und die Tiefen des „guten Boulevards“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Das österreichische Gratisblatt “Heute” machte mit der Aufsehen erregenden Meldung auf, nach der eine 91-jährige “Oma” von einem Flüchtling vergewaltigt worden sei. Dabei handelte es sich jedoch um eine Falschmeldung, wie das Blatt in einem Anhang eingestehen musste. Hans Kirchmeyer lobt das Blatt für seine transparente Dokumentation, es sei jedoch ein erheblicher Schaden angerichtet worden: “Kaum ein Leser kehrt zurück und liest die kleine Korrektur ganz am Ende des Artikels. Und in den “sozialen” Medien quakt die Ente untot weiter.”

3. Muss man bei der WM zu viele bittere Pillen schlucken, Frau Freitag?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
“Planet Interview”-Macher Jakob Buhre hat sich mit der Vorsitzenden des Sportausschusses Dagmar Freitag (SPD) unterhalten. In dem Gespräch geht es u.a. über die laufende WM, den Zwang, die FIFA zu finanzieren, die Verbindung von Coca-Cola und Sport und den Umgang des DFB mit der Trikot-Affäre.
Weiterer Lesehinweis, ebenfalls bei “Planet Interview”: das Gespräch mit Markus Harm, dem Sportpolitik- und FIFA-Experten des ZDF: Die Fußball-WM ist ein Corporate Event, es geht fast nur noch um Geld.

4. CSU bundesweit bei 18 Prozent?
(faktenfinder.tagesschau.de, Konstantin Kumpfmüller)
Würde die CSU bei bundesweiten Neuwahlen wirklich bei 18 Prozent liegen, wie “Bild” unter Berufung auf eine Umfrage des INSA-Instituts berichtete? Daran bestehen Zweifel, auch weil die Fragestellung problematisch ist. Heiko Gothe vom Meinungsforschungsinstitut Infratest kritisiert die Frage nicht nur wegen ihres Framings, sondern auch ganz grundsätzlich: “Mit der Abfrage von Parteien, die bisher im jeweiligen Wahlgebiet gar nicht wählbar sind und mit denen die befragten Personen gar keine Erfahrung haben, wird der hypothetische Charakter massiv gesteigert und die Befragten letztlich überfordert.”
Weiterer Lesehinweis: Keine eindeutige Mehrheit für CSU-Politik – Spiegel online interpretiert das aber anders (stefan-fries.com)

5. 18 Wege, über die dich Facebook trackt und verfolgt
(basicthinking.de, Christian Erxleben)
Vielen ist bekannt, dass Facebook seine Nutzer trackt, analysiert und verfolgt. Wie ausgeklügelt Facebooks Tracking-Verhalten funktioniert, zeigt ein 225-seitiges PDF-Dokument mit Antworten an den US-Kongress. Danach gebe es 18 Methoden und Verhaltensweisen, über die das Netzwerk seine Nutzer ausspäht. Das reicht von technischen Daten, wie dem Batteriestand des Geräts und den installierten Plugins, bis hin zu Mausbewegungen und Einkäufen.

6. “Guten Tag, bin ich da in der Sportredaktion?”
(spiegel.de)
Als ZDF-Redakteurin Claudia Neumann im deutschen Fernsehen ein WM-Spiel kommentierte, gab es wütende Reaktionen in den sozialen Medien. Einige (männliche) Zuschauer können es anscheinend nicht ertragen, wenn eine Frau als Sportreporterin arbeitet. Das ZDF berichtete von “Hass, Häme und Beleidigungen”. Ein Einzelfall? “Spiegel Online” hat Sportjournalistinnen nach ihren Erfahrungen gefragt. Und die erzählen u.a. von Vorhaltungen, Vorurteilen und blöden Kommentaren.

7. Leserbrief an den FAZ-Herausgeber Holger Steltzner
(facebook.com, Lorenz Meyer)
Außerhalb der 6-vor-9-Zählweise, weil aus der Feder des Kurators: Ein Leserbrief an den “FAZ”-Herausgeber Holger Steltzner wegen dessen Behauptungen zur Asyl- und Flüchtlingspolitik. “Ich ärgere mich gerade über Ihren Beitrag, weil er verzerrt, mit Unwahrheiten operiert und das gesellschaftliche Klima vergiftet.”

Offene Grenzen oder Sozialstaat? Was Milton Friedman wirklich meinte

“Bild”-Chef Julian Reichelt hat sich am Dienstag in einer Art Leitartikel an eine große Frage gewagt:

Ausriss Bild-Zeitung - Autos, Fußball, Politik - Was ist in diesem Sommer nur mit Deutschland los?

Die “drei Säulen Deutschlands” seien: Autos, Fußball und Stabilität. Und nun das: Autobosse landen im Knast. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wirke bei der Weltmeisterschaft in Russland “zu satt zum Gewinnen”. Und unsere Regierung …

Und unsere Regierung steht am Rande des Zusammenbruchs, weil man sich nicht einigen kann, wie wir die Grenzen sichern, die unseren weltweit einzigartigen Sozialstaat umgeben und beschützen sollen. Man könne nur eines haben, offene Grenzen oder Sozialstaat, hat der legendäre Ökonom Milton Friedman dazu gesagt. Beides zusammen sei auf Dauer unmöglich.

Ein Wirtschaftsnobelpreisträger (also: Friedman, nicht Reichelt), der uns vor die Wahl stellt: offene Grenzen oder Sozialstaat? Wer würde sich da schon für offene Grenzen und gegen “unseren weltweit einzigartigen Sozialstaat” entscheiden? Julian Reichelt wohl nicht. Ein anderer vermutlich aber schon: Milton Friedman.

Der Ökonom hat bei verschiedenen Gelegenheit über die angebliche Unvereinbarkeit von Sozialstaat und offenen Grenzen gesprochen; immer in leicht anderer Form (mal: “It’s just obviuos that you can’t have free immigration and a welfare state”, mal: “It is one thing to have free immigration to jobs. It is another thing to have free immigration to welfare. And you cannot have both.”), im Kern aber stets mit derselben Aussage. Das Zitat wird gern als Argument gegen offene Grenzen und gegen illegale Migration angeführt. Dabei war Friedman vor allem gegen eins: den Sozialstaat. In seinem Werk “Chancen, die ich meine” schrieb er, dass der “welfare state” einer der größten Feinde der Wirtschaft sei.

Illegale Migration hingegen könnte unter bestimmten Voraussetzungen für alle etwas Gutes haben, so Friedman. In einem Vortrag vor Studenten sagte er:

Why is it that free immigration was a good thing before 1914 and free immigration is a bad thing today? […] There’s a sense in which free immigration, in the same sense as we had it before 1914 is not possible today. Why not?

Because it is one thing to have free immigration to jobs. It is another thing to have free immigration to welfare. And you cannot have both. If you have a welfare state, if you have a state in which every resident is promised a certain minimal level of income, or a minimum level of subsistence, regardless of whether he works or not, produces it or not, then it really is an impossible thing. […]

Nobody would come unless he or his family thought he would do better here than he would elsewhere. And, the new immigrants provided additional resources, provided additional possibilities for the people already here. So everybody can mutually benefit. […]

Look, for example, at the obvious, immediate, practical case of illegal Mexican immigration. Now, that Mexican immigration over the border is a good thing. It’s a good thing for the illegal immigrants. It’s a good thing for the United States. It’s a good thing for the citizens of the country. But it’s only good so long as it’s illegal.

That’s an interesting paradox to think about. Make it legal and it’s no good. Why? Because as long as it’s illegal the people who come in do not qualify for welfare, they don’t qualify for social security, they don’t qualify for all the other myriads of benefits we pour out from our left pocket to our right pocket. So long as they don’t qualify they migrate to jobs. They take jobs that most residents of this country are unwilling to take. They provide employers with workers of a kind that they cannot get. They’re hard workers, they’re good workers, and they are clearly better off.

Für diesen ganzen Kontext war in “Bild” leider kein Platz.

“Welt”: Pseudoseriöses Unken über Mesut Özil in “Bild”

Fußballprofi Mesut Özil schlägt derzeit enorm viel Hass entgegen. Insofern ist die heutige “Welt”-Titelseite durchaus bemerkenswert:

Ausriss Welt-Titelseite - Deutschland hat Mesut Özil viel zu verdanken

Redakteur Christoph Cöln kommentiert im Blatt:

Seit Özils dummen, falschen Fotos mit Recep Tayyip Erdogan hat eine noch dümmere Hetzjagd auf den Fußballer eingesetzt. Er scheint in Deutschland Staatsfeind Nummer eins zu sein.

Cöln erwähnt “endlose Tiraden in den sozialen Netzwerken und Kommentarspalten”, den dumpfbackigen Auftritt des dumpfbackigen Mario Basler bei “Hart aber fair” am späten Montagabend und er schreibt über Lothar Matthäus:

Ähnlich pseudoseriös und verschwörerisch unkte Weltmeister Lothar Matthäus kürzlich. Özil fühle sich im Nationaltrikot nicht wohl, so Matthäus. Das ist infam.

Bei Welt.de ist die Passage zu Matthäus noch etwas länger:

Ähnlich pseudoseriös und verschwörerisch unkte Weltmeister Lothar Matthäus kürzlich. Özil fühle sich im Nationaltrikot nicht wohl, so Matthäus. Das ist infam. Die Aussage suggerierte, dass der in Gelsenkirchen geborene Sohn türkischer Einwanderer Identitätsprobleme hat, dabei spielt Özil seit seiner Jugend in der Nationalmannschaft, er ist einer ihrer verdientesten Repräsentanten.

Doch auch hier: kein Hinweis darauf, wo Lothar Matthäus “pseudoseriös und verschwörerisch” rumunken darf. Welche Redaktion ermöglicht sowas Infames? Wo kann Matthäus suggerieren, Özil habe Identitätsprobleme?

So sah die Titelseite der “Bild”-Zeitung gestern aus:

Ausriss Bild-Titelseite - Zwei Sätze, die uns bewegen - Lothar Matthäus knallhart: Özil fühlt sich nicht wohl im DFB-Trikot

Matthäus’ infames Rumunken bewegt die “Bild”-Mitarbeiter — und zwar so sehr, dass sie die unfundierte Fernanalyse auf Seite 1 gepackt haben.

Das Matthäus-Zitat auf der Titelseite ist allerdings nur der zwischenzeitliche Höhepunkt einer “Bild”-Kampagne gegen Mesut Özil. Die Redaktion lässt in letzter Zeit keine Möglichkeit aus, den Nationalspieler runter- und rauszuschreiben. Eine Auswahl aus den vergangenen Tagen:

10. Juni:
Screenshot Bild.de - Kritik an Nationalspieler - Mario Basler würde auf Mesut Özil verzichten

12. Juni:
Screenshot Bild.de - Nachgehakt - Özil denkt an sich, nicht an das Team!

13. Juni:
Screenshot Bild.de - Klartext von Effe - DFB hätte Özil & Gündogan rauswerfen müssen!
Screenshot Bild.de - Erste DFB-Pressekonferenz aus Russland - Wird Özil nur WM-Ersatz, Herr Löw?
Screenshot Bild.de - Wir haben Konkurrenzkampf - Löw will sich nicht auf Özil festlegen
Screenshot Bild.de - Protokoll zum ersten Training in Russland - Nachdenklicher Auftritt von Özil

14. Juni:
Screenshot Bild.de - Rekord-Nationalspieler stellt seine DFB-Startelf auf - Matthäus setzt zwei Jogi-Stars auf die Bank

Für Mesut Özil ist dagegen kein Platz!

15. Juni:
Screenshot Bild.de - Verpiss dich du Idiot - Theaterchef beschimpft Özil auf Twitter

16. Juni:
Screenshot Bild.de - Fifa-Pressekonferenz im Livestream - Bringt Jogi Reus für Özil?

17. Juni:
Screenshot Bild.de - 0:1 gegen Mexiko - Diese Pleite macht uns WM-Angst

Und Löw setzt auf seinen Liebling. Trotz Erdogan-Affäre, trotz der Pfiffe der eigenen Fans und der fehlenden Spielpraxis steht Mesut Özil (29) in der Startelf – wie in all seinen 26 WM- und EM-Spielen.

Screenshot Bild.de - Bild-Kommentar - Ich habe auf dem Platz keine Weltmeister gesehen

Und Özil?

Er ist ja seit dem Erdogan-Foto abgetaucht und zog das konsequent durch.

18. Juni:
Screenshot Bild.de - Zwei Weltmeister auf die Bank! So muss Jogi gegen Schweden aufstellen

ÖZIL RAUS! Seit 2009 hält Löw seinem Spielmacher Mesut Özil (29) die bedingungslose Treue! Belohnt wurde er dafür zuletzt nur noch sehr selten.

19. Juni:
Screenshot Bild.de - Körpersprache eines toten Froschs - Basler vernichtet Özil!

Und dann eben das bereits erwähnte Mätthäus-Zitat:
Screenshot Bild.de - Lothar Matthäus knallhart: Özil fühlt sich nicht wohl im DFB-Trikot

“Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt twitterte gestern Abend:

Screenshot des Tweets von Ulf Poschardt - Mesut Özil ist mit seiner introvertierten Melancholie und seiner existenziellen Sorge (Heidegger) deutscher und europäischer als die reaktionären Widerlinge, die ihn jetzt anzählen.

Auf unsere Frage, ob er dabei an bestimmte Leute oder auch Redaktionen denke, hat Poschardt leider nicht geantwortet.

Ebenfalls zum Thema:

Zensurmaschine EU, Themensetzung bei Talkshows, NR-Leuchtturm-Preis

1. “Diese Upload-Filter wären regelrechte Zensurmaschinen”
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Es ist soweit: Heute stimmt die EU über die Reform des europäischen Urheberrechts und damit auch über die umstrittenen Upload-Filter ab. Kern des dafür einschlägigen neuen Artikel 13: Online-Plattformen wie Youtube und Facebook sollen bereits im Moment des Uploads für etwaige Urheberrechtsverstöße ihrer Nutzer haften. Dem können sich die Plattformen nur entziehen, wenn sie Upload-Filter installieren, die jede Datei auf urheberrechtliche Unbedenklichkeit prüfen. Simon Hurtz hat sich mit der Europapolitikerin und Urheberrechts-Spezialistin Julia Reda unterhalten, die in der Regelung eine Gefährdung des freien Netzes sieht.
Weil es heute ein wichtiges Thema ist, hier drei weitere einschlägige Beiträge:
EU kopiert erfolgloses deutsches Gesetz (deutschlandfunk.de, Thomas Otto im Gespräch mit Isabelle Klein)
Lobbying für Leistungsschutzrecht: Günther Oettingers Doktrin (taz.de, Anne Fromm & Daniel Bouhs)
Die zehn Mythen des Leistungsschutzrechts (golem.de, Friedhelm Greis)

2. “Was bei Claudia Neumann passiert, sprengt alle Grenzen”
(spiegel.de)
Wenn Frauen (Männer)Fußball kommentieren, scheint bei einigen Männern alles auszusetzen. Das lässt sich auf unschöne Weise am Beispiel der Fußball-Kommentatorin des ZDF Claudia Neumann zeigen, die im Netz auf übelste Weise angegangen wird.

3. Leuchtturm-Preis 2018 für MeToo-Rechercheteam der ZEIT
(netzwerkrecherche.org)
Der “Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen” des “Netzwerk Recherche” geht in diesem Jahr an das MeToo-Rechercheteam der “Zeit”. Damit würdigt der Verein die Recherchen und Veröffentlichungen zur Affäre um Dieter Wedel. Die Vorsitzende von “Netzwerk Recherche”, Julia Stein: “Es ist den Autorinnen und Autoren der ZEIT zu verdanken, dass mit ihrer Recherche ein altes Wertesystem ins Wanken geraten ist: Was an Sexismus und bisweilen sogar an Despotismus lange hingenommen wurde, darf nun nicht mehr sein.”
Weiterer Lesehinweis der Vollständigkeit halber: Das Sternchen-System: Thomas Fischers Zeit-kritische Anmerkungen zum Medien-“Tribunal” gegen Dieter Wedel (meedia, Thomas Fischer vom 29.01.2018)

4. Abmahnungen bei Creative Commons: Wer, Warum, Was tun?
(irights.info, Paul Klimpel)
Manche Nutzer greifen zur Bebilderung ihrer Beiträge auf freie Inhalte zurück, die mit einer Creative-Commons-Lizenz versehen sind und erleben ihr blaues Wunder, wenn eine Abmahnung des Lizenzgebers bei ihnen eintrudelt. Der Rechtsanwalt Paul Klimpel erklärt die Thematik und gibt konkrete Tipps, worauf zu achten ist.

5. Großteil der Nothilfe für türkische Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Passend zum Weltflüchtlingstag hat “Reporter ohne Grenzen” veröffentlicht, wofür der Großteil der Nothilfe verwendet wurde: Für 111 verfolgte Journalisten, von denen 58 im Exil leben müssen. In einem Zweiminuten-Video stellt “Reporter ohne Grenzen” einige der betroffenen Journalisten vor. Lohnenswert, weil aus den abstrakten Zahlen plötzlich Gesichter werden.

6. Die Flüchtlinge waren nur eine Phase
(zeit.de, Theresa Krinninger, Carolin Ströbele, Julius Tröger, Andreas Loos und Alsino Skowronnek)
In letzter Zeit hatten viele den Eindruck, dass deutsche Talkshows von Flüchtlingsdebatten dominiert werden. “Zeit Online” hat sich an die Fleißaufgabe gemacht, die Themen und Quoten von 900 Sendungen auszuwerten: “Die überraschendste Erkenntnis war, dass 2017 und im ersten Halbjahr 2018 die Themen Islam, Flüchtlinge, Integration und Terrorismus eher unterrepräsentiert waren. Insofern trifft der Vorwurf die deutschen Talkerinnen und Talker zumindest zum falschen Zeitpunkt.”

Man muss jedoch erwähnen, dass sich die Rechercheure nach eigener Aussage bei der Zuordnung und Kategorisierung der Sendungen nur an den Sendungstiteln und nicht an den tatsächlichen Inhalten und/oder Teildebatten orientiert haben. Diese Überschneidungen könnten das statistische Ergebnis sicher verändern und das subjektive Empfinden mancher Zuschauer in einem anderen Licht erscheinen lassen.

“Einige wenige”

Wie hätte die “Bild”-Schlagzeile wohl ausgesehen, wenn Fußballnationalspieler Julian Brandt gestern nach der Niederlage gegen Mexiko stur in die Kabine marschiert wäre, ohne sich für seine jungen, weit angereisten Fans auf der Tribüne zu interessieren, die mit ihm ein Foto machen wollten?

Vielleicht so?

Arrogant-Brandt
Erst keine Leistung, dann kein Selfie

Nun hat Julian Brandt nach dem Abpfiff aber ein Foto mit einem Jungen gemacht, der ihn darum gebeten hatte: kurz das Handy genommen, in die Kamera gelächelt, fertig. Und schon empörten sie sich bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Brandt lacht in Fan-Kamera - Peinlich-Selfie direkt nach Mexiko-Pleite

Die Redaktion hielt das Ganze sogar für so bemerkenswert, dass sie eine Push-Nachricht zum Brandt-Selfie verschickte:

Screenshot Bild-Pushnachricht - Brandt lacht in Fan-Kamera - Peinlich-Selfie direkt nach Mexiko-Pleite

In der “Bild”-Zeitung ist die Sache heute ebenfalls ein großes Thema. Im Sportteil wird Brandt wie ein in fla­g­ran­ti erwischter Täter rot eingekringelt:

Ausriss Bild-Zeitung - Hummels stinksauer, Brandt macht Selfies

Einer macht sich offenbar weniger Sorgen. WM-Debütant Julian Brandt (22) sieht man nach dem Schulusspfiff im TV, wie er Selfies mit Fans macht. Und dabei lächelt …

… steht im Artikel. Und in der Bild-Unterschrift:

Nicht so clever nach einer Pleite: Julian Brandt macht ein Selfie mit einem deutschen Fan

Auf der “Bild”-Titelseite fragt Matthias Brügelmann, Leiter des “Bild”-“Sport-Kompetenzcenters” (ja, heißt wirklich so):

Was hat sich Brandt dabei gedacht, direkt nach dem Spiel grinsend Selfies zu machen?

Und im “Bild”-WM-Newsletter schreibt er:

Für mich wirkt das Grinsen in die Kamera einfach deplatziert nach einer historischen Blamage. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Empörung der “Bild”-Medien zum Verhalten von Julian Brandt übertrug sich gestern Abend allerdings nicht so recht auf die “Bild”-Leserschaft. Eher wunderten sich viele über die scharfen Worte von Bild.de über einen Fußballprofi, der freundlich zu seinen Fans ist.

Heute fragt die Redaktion:

Screenshot Bild.de - Gute Aktion oder unnötig - Was denke Sie über das Brandt-Selfie

Julian Brandt (22) macht nach der historischen WM-Auftaktpleite gegen Mexiko (0:1) auf dem Weg in die Kabine ein Selfie mit einem Fan.

Viele Fans verstehen nicht, warum man sich darüber aufregen kann. Einige wenige üben Kritik daran, dass der Leverkusen-Profi nicht direkt in die Kabine verschwunden ist und mit seinem Lachen in die Fan-Kamera den Eindruck vermittelt, dass die Niederlage gar nicht so schlimm gewesen sei.

“Einige wenige” — um nicht zu sagen: Bild.de.

Die Meinung der Bild.de-Leserschaft ist übrigens ziemlich eindeutig:

Screenshot Bild.de - Umfrage: Selfie mit Fan. Fanden Sie Julian Brandts Aktion in Ordnung? Ergebnis: 91 Prozent ja, sechs Prozent nein, drei Prozent unentschlossen

Mit Dank an @MGSVW und @finnpetersensh für die Hinweise!

Terrorgefahr Nummer 1: das Auto, Lynchjustiz, Sprachlicher Schrott

1. Der Berliner Straßenverkehr ist Barbarei!
(tagesspiegel.de, Stefan Jacobs)
Es soll und darf keine Aufrechnung von Toten geben, doch der Vergleich drängt sich auf: Auf der einen Seite wird ein Mordfall wie der an Susanna F. medial und politisch ausgeschlachtet und dient als Treibstoff für Hass und Hetze. Auf der anderen Seite kommen im Berliner Straßenverkehr binnen 24 Stunden zwei Kinder ums Leben und verschwinden in wenig aussagekräftigen Polizeistatistiken. Und alles geht weiter, als wäre nichts geschehen. Tote und Verletzte im Straßenverkehr sind anscheinend etwas, bei dem viele abgestumpft zur Seite schauen, weil es ihnen “normal” erscheint. Stefan Jacobs hat einen erschütternden und bewegenden Kommentar verfasst, der auch wegen der darin enthaltenen Wut und Bitterkeit ein Weckruf sein könnte. Für die zuständigen Stellen, Institutionen und Politiker, für uns alle: „Künftige Generationen werden sich wundern, wenn sie aus den Geschichtsbüchern von dieser Barbarei erfahren, die wir uns so lange schon antun.“ Man möchte diesen Beitrag vervielfältigen und per Helikopter über der Stadt abwerfen.

2. Angebliche Lynchjustiz nach TV-Reportage: RTL und die Unschuldigen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Hat RTL einem Unschuldigen unterstellt, ein Pädosexueller zu sein, und indirekt dazu beigetragen, dass ein anderer Unschuldiger zusammengeschlagen wurde? Einiges deutet darauf hin, wie Boris Rosenkranz auf „Übermedien“ ausführt.
Weiterer Lesetipp: Wie BuzzFeed News Deutschland zu sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch recherchiert (buzzfeed.com, Pascale Mueller & Daniel Drepper)

3. So ein Quatschgesetz
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo hat sich in seiner Kolumne das Leistungsschutzrecht für Presseverleger vorgenommen: „Das Leistungsschutzrecht ist ein realitätsfernes Quatschgesetz. Es soll bewirken, dass die Anzeige von Suchergebnissen von Verlagen kostenpflichtig wird. Hört sich nach einem Anti-Google-Gesetz an, ist aber viel größer, denn dadurch könnten Links im Netz kostenpflichtig werden. Kritiker nennen das LSR deshalb “Linktax”, also Linksteuer, zu entrichten allerdings an private Verlage.“ Ein lesenswerter Artikel, der vom Informationsgehalt weit über das übliche Kolumnenformat hinausgeht.

4. Ali Bashar oder Ali B.? Warum wir den Täter mit Namen nennen – Anmerkungen in eigener Sache
(allgemeine-zeitung.de, Christian Matz)
Bei der Berichterstattung zum Mordfall Susanna F. galt es wieder einmal, zwischen Persönlichkeitsrecht und öffentlichem Interesse abzuwägen. Die VRM Mediengruppe hat in allen ihren Printausgaben und Newsportalen einen Text veröffentlicht, der diesen Abwägungsprozess erläutert.

5. Der eigentliche BAMF-Skandal – erst der Rufmord, dann die Recherche?
(community.beck.de, Henning Ernst Müller)
Der Strafrechtler Prof. Dr. Henning Ernst Müller geht mit den Medien ins Gericht, die über den angeblichen Bremer BAMF-Skandal berichteten. Sein Schlussurteil: „Die Rechercheure von SZ, NDR und Radio Bremen haben etwas getan, was sie auf keinen Fall tun durften: Sie haben  Menschen mit Vorwürfen maximal geschadet, um eine Geschichte zu bringen, die schlecht recherchiert und unausgegoren war und damit den Rufmord vor die Recherche gestellt. Und als sich fast zwei Monate später herausstellt, dass sie daneben lagen, haben sie sich weder entschuldigt noch ihre ursprünglichen Berichte transparent berichtigt, sondern einfach geschrieben: „Zunächst hatte es geheißen“.“

6. “Das ist sprachlicher Schrott”
(sueddeutsche.de, Thomas Hummel)
Der Schriftsteller Jürgen Roth beschäftigt sich seit Jahren mit der Sprache rund um den Fußball. Den Fußballreportern empfiehlt er mehr Mut zum Schweigen: „In der Auslassung kann ein Gewinn liegen. Weil man damit zeigt, dass das Ereignis größer ist als die Worte, mit denen man es beschreiben möchte. Der Sport ist immer größer als das, was über ihn erzählt wird. Deshalb gibt es auch keine vernünftigen Fußballfilme. Weil das Spiel größer ist als jede künstlerische Bearbeitung.“
Weiterer Lesetipp: Statistiken sagen wenig über Sieg und Niederlage (deutschlandfunk.de, Matthias Jungblut)

Meinungsfreiheit-Upload-Filter, Risiko für Seppelt, No Peace bei Greenpeace

1. Upload-Filter: Meinungsfreiheit in Gefahr?
(ndr.de, Sabine Schaper & Daniel Bouhs)
Am 20. Juni entscheidet die EU über das neue Urheberrecht und damit auch die sogenannten Upload-Filter. Betreiber von Online-Plattformen müssen nach heutigem Stand unlizensiertes, urheberrechtlich geschütztes Material ihrer Nutzer entfernen, sobald sie davon Kenntnis erlangen. Mit Eintreten des neuen Urheberrechts müssen sie Upload-Filter einrichten, die es verhindern, dass derartiges Material überhaupt erst hochgeladen wird. „Zapp“ hat mit Befürwortern und Gegnern der geplanten Neuregelung gesprochen.
Weiterer Lesetipp: Jimmy Wales und Tim Berners-Lee warnen vor Uploadfiltern (golem.de, Friedhelm Greis)

2. Neuer Chef, neue Linie?
(taz.de, Anne Fromm)
In der Redaktion des „Greenpeace Magazins“ rumort es. Nun hat Greenpeace die langjährige Geschäftsführerin und Co-Chefredakteurin entlassen und den bisherigen Kommunikations-Chef der Organisation als neuen Geschäftsführer eingesetzt. Das ist insofern bemerkenswert, da die Redaktion eigentlich von Greenpeace unabhängig sein soll. Anne Fromm erklärt in der „taz“ die Hintergründe.

3. Coming-out von Jochen Schropp: Lieber STERN, Ihr habt es verbockt!
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Der „Stern“ hat unter der Überschrift „Ich bin Schwul“ eine in Briefform verfasste Coming-out-Erklärung des TV-Moderators und Schauspielers Jochen Schropp veröffentlicht. Johannes Kram kritisiert Verhalten und Berichterstattung der Medien: “Unter dem Vorwand, etwas, das selbstverständlich sein sollte, zu einer Selbstverständlichkeit zu verhelfen, machen sie das Gegenteil. Indem sie das Schwulsein zur eigentlichen News machen und nicht die Schwierigkeit, darüber zu reden, skandalisieren sie nicht die Verhältnisse, sondern das Schwulsein.”

4. Seppelt reist nicht nach Russland
(tagesschau.de, René Althammer)
Nach dem Hickhack um das ihm zunächst verweigerte Visum für die Fußball-WM in Russland, bleibt Hajo Seppelt nun doch überraschend zu Hause. Die Entscheidung traf die ARD nach einem Gespräch mit Außenminister Heiko Maas. Gefährdungsanalysen von u.a. BKA, LKA und der Nachrichtendienste hätten ein „unberechenbares Risiko” für den in Russland unbeliebten Sportreporter und Dopingexeperten ergeben.

5. Die Algorithmen-Hacker
(journalist-magazin.de, Sonja Peteranderl)
Künstliche Intelligenz und Machine Learning bestimmen immer mehr über uns. Ein Beispiel dafür ist der Schufa-Score, der über unsere Kreditwürdigkeit entscheidet. Doch wie funktionieren die dahinter steckenden Algorithmen? Das sogenannte „Algorithmic Accountability Reporting“ will genau das klären, auch um mögliche Schwachstellen aufzudecken.

6. fiftyfifty
(fiftyfifty-galerie.de)
Das Straßenmagazin „fiftyfifty“ wendet sich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit. Die sinkende Auflage würde das gesamte Hilfsprojekt der Organisation bedrohen. Fürs neue Heft hat man sich daher eine Aktion einfallen lassen: Alle Käufer erhalten einen Gutschein für ein Kunstwerk von Klaus Klinger, einem Künstler, der als „Pionier der Wandmalbewegung“ bezeichnet wird.

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