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Döpfner und eine Ansage?, “Das System Nius”, KI-Verordnung

1. Mathias Döpfner: Ärger um angebliche AfD-Ansage von ihm an Friedrich Merz
(spiegel.de)
Ein Podcast des “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (“RND”) lege nahe, dass Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Vieraugengespräch zu einer Zusammenarbeit mit der AfD habe drängen wollen. Merz habe strikt abgelehnt, woraufhin Döpfner im Hinausgehen gesagt haben soll: “Das werden Sie noch bereuen.” In der ersten Folge von “Wenn Sie wüssten…” würden sich der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und “RND”-Chefredakteurin Eva Quadbeck auf gut informierte Personen und weitere Indizien berufen. Springer weise die Darstellung als “glatte Lüge” zurück und spreche von einer gezielten Rufmordkampagne. Auch der Vizeregierungssprecher bezeichne das Ganze als “absurde Gerüchte”.

2. Das System Nius – hauptsache gegen “links” 
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Kira Ayyadi argumentiert, dass sich die Kampagnen-Plattform “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt trotz anhaltender Millionenverluste nicht an klassischen Medienkennzahlen messen lasse, sondern an politischem Einfluss. Hauptfinanzier Frank Gotthardt habe laut Branchenschätzungen bereits rund 50 Millionen Euro in das Projekt gesteckt. “Nius” produziere eine emotionalisierte Gegenöffentlichkeit gegen eine angeblich übermächtige “Kulturlinke” und richte sich gezielt an ein konservatives Publikum, das es zu einer härteren Linie dränge. Damit übernehme das Portal laut Ayyadi eine Scharnierfunktion, die die Grenze zwischen Union und AfD rhetorisch aufweiche.

3. Droht ein Verbot von Indymedia?
(taz.de, Christian Rath)
Die Innenministerkonferenz dränge in einem einstimmigen Beschluss von Ende Juni auf ein Verbot der linksradikalen Website de.indymedia.org. Dafür zuständig wäre Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Die seit 2001 bestehende Plattform habe keine Redaktion und werde vor allem von linksradikalen Gruppen genutzt. Der Verfassungsschutz stufe sie seit 2022 als gesichert linksextremistisch ein. Christian Rath kommentiert: “Eigentlich ist de.indymedia.org für die Sicherheitsbehörden aber vor allem praktisch. An einem Ort können sie alle relevanten linksradikalen Aktionen und Debatten beobachten. Dennoch ist ein Verbot nicht völlig ausgeschlossen.”

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4. Urteil zur SZ-Berichterstattung über Konstantin Wecker
(sueddeutsche.de, Meredith Haaf)
Wie die “Süddeutsche Zeitung” in eigener Sache berichtet, habe der Liedermacher Konstantin Wecker eine einstweilige Verfügung gegen das Blatt erwirkt, die den Beitrag “Weckers vergessene Frauen” betreffe. Die Redaktion habe den Text, in dem drei Frauen sexuelle Erfahrungen aus sehr jungem Alter mit dem Sänger schildern würden, vorübergehend depubliziert. Weckers Argumentation, er könne sich nicht erinnern und daher nicht Stellung nehmen, sei das Gericht nicht gefolgt, habe aber das öffentliche Informationsinteresse verneint. Die “SZ” habe Berufung beim Kammergericht eingelegt.

5. Was gilt für Deep­fakes & Co?
(lto.de, Kristina Schreiber)
Kristina Schreiber erläutert, dass ab dem 2. August die Transparenzpflichten des Artikels 50 der KI-Verordnung greifen sollen, deren Einhaltung sich oft mit bloßem Auge prüfen lasse, weshalb rasch mit Abmahnungen und empfindlichen Bußgeldern zu rechnen sei. Betreiber wie Agenturen oder Verlage müssten dann KI-generierte oder manipulierte Deepfakes klar kennzeichnen. Nach dem begleitenden Code of Practice reiche ein Hinweis in der Bildunterschrift nicht, das Label müsse unmittelbar in Bild oder Video eingebettet sein. Für erkennbar künstlerische, satirische oder fiktionale Werke gelte eine abgeschwächte Pflicht.

6. Rätselraten um verschwundenen WM-Song
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Ein vollständig mit Künstlicher Intelligenz erzeugter, drastisch vulgärer Schlagersong der erfundenen Kunstfigur “Margot Huber” habe sich während der Fußball-WM der Männer zur inoffiziellen Hymne entwickelt und Millionen Aufrufe gesammelt. Nun sei er plötzlich von allen Plattformen verschwunden. Der Text besinge Nationalspieler wie Nick Woltemade in einem sexuellen Kontext. Der DFB zeige sich schockiert, sehe darin keine zulässige Satire und halte sich rechtliche Schritte offen. Medienrechtsanwalt Christian Solmecke halte den Text für wahrscheinlich justiziabel und betone, dass stets der Mensch hafte, der das Werk veröffentlicht.

7. Dieter Nuhr und die Meinungsfreiheit
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einer seiner vergangenen Sendungen von “Nuhr im Ersten” habe Dieter Nuhr in seinem Stand-up in einer Art über Frauenmorde gesprochen, die viele als geschmacklos empfanden, als Verhöhnung der Opfer. Besonders in den Sozialen Medien hagelte es Kritik. Die österreichische Zeitung “Der Standard” kritisierte Nuhr dafür, Witze über Femizide zu machen. Daraufhin verlangte Nuhrs Produktionsfirma, den Kommentar des “Standard” zu löschen. Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Fall.

“Nuhr gedroht”, Reiche unter KI-Verdacht, Kanzleramt bedauert

1. Nuhr gedroht
(taz.de, Florian Bayer)
Der Kabarettist Dieter Nuhr habe der österreichischen Zeitung “Der Standard” mit einer Klage gedroht, nachdem diese seinen Witz über Frauenmorde in “Nuhr im Ersten” kritisiert hatte, und Löschung des Kommentars verlangt. Auf Nachfrage der “taz” habe Nuhrs Produktionsfirma dann aber erklärt, man gehe “weder anwaltlich noch gerichtlich” gegen das Blatt vor. Florian Bayer ordnet den Fall in eine Häufung von Einschüchterungsklagen gegen österreichische Redaktionen ein. Im Fall Nuhr habe gerade die Klagedrohung die Geschichte erst groß gemacht, ganz im Sinne des Streisand-Effekts.

2. Wenn Jour­na­lismus zu Liti­ga­tion-PR wird
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Bei “Legal Tribune Online” wirft Felix W. Zimmermann dem “Spiegel” vor, seine Teilniederlage im Fall Christian Ulmen vor dem Oberlandesgericht Hamburg im eigenen Prozessbericht kleinzureden: “Der Spiegel hat in einem zentralen Punkt der Verknüpfung eines Deepfake-Verdachts mit dem Fall Ulmen eine Niederlage erlitten, die die gesamte Artikelarchitektur in Schieflage bringt. Niemand muss vom Spiegel verlangen, all diese Überlegungen gegen sich selbst episch auszubreiten. Erwarten durfte man aber eine Berichterstattung in eigener Sache, die keinen Angriff suggeriert, der nie stattgefunden hat; den wichtigsten Entscheidungsgrund nicht verschweigt und auch sprachlich journalistische Distanz wahrt.”

3. RT DE scheitert vor Gericht mit Klage gegen Sendeverbot
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe die Klage der RT DE Productions GmbH gegen das 2022 verhängte Sendeverbot abgewiesen und das Vorgehen der Medienanstalt Berlin-Brandenburg bestätigt. Die Behörde habe dem Unternehmen untersagt, das Programm ohne die erforderliche Rundfunkzulassung in Deutschland zu veranstalten. Das Unternehmen habe argumentiert, lediglich einzelne Sendungen für die russische Muttergesellschaft TV Novosti zugeliefert zu haben. Dem sei das Gericht jedoch nicht gefolgt.

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4. Bericht: Zwei Gastbeiträge von Ministerin Reiche unter KI-Verdacht
(n-tv.de)
Der “Spiegel” äußere den Verdacht, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche habe mehrere Gastbeiträge in großen Zeitungen mithilfe von Künstlicher Intelligenz verfasst. Betroffen seien zwei am 10. April erschienene Texte. Bei einem Beitrag im “Handelsblatt” sei rund das erste Drittel mit hoher Wahrscheinlichkeit vollständig von einer KI formuliert, ein Beitrag in der “FAZ” stamme zu etwa 70 Prozent von einer KI. Das Wirtschaftsministerium habe ausweichend reagiert und erklärt, Künstliche Intelligenz sei in der Politik ein alltägliches Werkzeug. Für das “Redaktionsnetzwerk Deutschland” hatte Felix Huesmann bereits am 18. Juni auf das Thema aufmerksam gemacht (nur mit Abo lesbar).

5. Wie die NZZ versuchte mich und mein Buch Staatsräsonfunk zu diskreditieren
(youtube.com, Fabian Goldmann, Video: 6:31 Minuten)
Der Journalist Fabian Goldmann kündigt an, juristisch gegen einen “NZZ”-Beitrag über sich und sein Buch “Staatsräsonfunk – deutsche Medien und der Genozid in Gaza” vorzugehen. Der Text enthalte aus Goldmanns Sicht über 30 Falschbehauptungen, etwa ein sinnentstellend abgeschnittenes Zitat sowie erfundene Angaben über sein Privatleben. In seinem Blog hat er alle 30 Textstellen des von ihm kritisierten “NZZ”-Artikels aufgegriffen und kommentiert.

6. “Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf”: Kanzleramt bedauert Merz-Posting zum WM-Aus
(tagesspiegel.de, Christopher Ziedler)
Ein Posting von Bundeskanzler Friedrich Merz auf X/Twitter, in dem er den deutschen Nationalspielern nach dem Aus bei der Fußball-WM für deren Einsatz dankte und sich “stolz” zeigte, habe angesichts der enttäuschenden Leistung der Mannschaft Spott bis in die eigene Partei ausgelöst. Aus dem Kanzleramt heiße es nun, der erste Tweet sei ein Versehen gewesen: “Falscher Tweet, falscher Zeitpunkt, falscher Knopf”. Im Bundespresseamt seien mehrere Varianten vorbereitet und in der Nacht die falsche veröffentlicht worden.

KW 26/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Der Politik-Erklärer (mit Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte)
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 58:09 Minuten)
Zu Gast bei den “Medienverstehern” Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz ist der “Politikerklärer” Karl-Rudolf Korte. An Wahlabenden gehe es ihm um die bundespolitische Einordnung, nicht um Sachpolitik, und gerade Live-Momente des Misslingens seien die interessantesten. Schultz bringt eine Medienkritik ein: Der Journalismus betone zu stark Streit, Macht und Strategie und vernachlässige die inhaltlichen Sachentscheidungen. Dies verstärke den Eindruck einer nur zerstrittenen Demokratie.

2. “Wenn das in Sachsen-Anhalt funktioniert, dann kann es überall funktionieren”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 46:06 Minuten)
In der Reihe “Nice & Nötig” spricht Annika Schneider mit dem Podcaster Christian Bollert über dessen Projekt “Dazwischen”, für das er eine halbe Million Euro Fördermittel eingeworben habe. Sein Team von detektor.fm veröffentliche seit März wöchentlich Podcast und Newsletter zu Sachsen-Anhalt, einer medial unterversorgten Region. Man setze dabei nicht auf Landespolitik, sondern auf Alltagsthemen. Anders als viele Medien, die von einer “Schicksalswahl” sprächen, blickt Bollert betont zuversichtlich auf das Bundesland.

3. Resonanz statt Reichweite: Journalismus in freier Wildbahn
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 29:09 Minuten)
Alexander Matzkeit spricht mit Alexander von Streit über dessen Projekt “Media Rewilding”, das untersuche, ob und wie Journalismus wieder sichtbarer werde, wenn er an öffentliche Orte wie Bühnen, Cafés oder Begegnungshäuser zurückkehrt. Von Streits These lautet, Journalismus solle weniger auf Reichweite als auf Resonanz setzen, also auf Beziehungen, die Vertrauen schaffen. In der Medienkritik bespricht Matzkeit das neue Arte-Erklärformat “Warum?”, dessen Frage-Rahmung er oft konstruiert findet.

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4. Wie macht man einen Podcast über die USA?
(deutschlandfunkkultur.de, Mike Herbstreuth, Audio: 37:58 Minuten)
Anlässlich des 250-jährigen Bestehens der USA beschäftigt sich die Reihe “Über Podcast” in einer Spezialfolge mit USA-Podcasts, die das Land erklären wollen. Zu Gast sind Rieke Havertz und Klaus Brinkbäumer vom “Zeit”-Podcast “OK, America?”. Sie schildern, wie sich ihr Blick gewandelt habe, etwa zur Frage, ob die US-amerikanische Demokratie in bekannter Form überlebt. Außerdem gibt es Hörtipps wie den BBC-“Americast” und den NPR-Podcast “Landslide”.

5. Sebastian Fitzek, wie schreibt man einen Thriller?
(youtube.com, Jochen Wegner & Christoph Amend, Video: 6:30:32 Stunden)
In der Fortsetzung ihres beim ersten Mal abgebrochenen Live-Podcasts sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend mit dem Bestsellerautor Sebastian Fitzek über dessen Handwerk. Anhand zweier aus dem Publikum gepitchter Plots zeigt Fitzek, wie ein Thriller über Figuren und Motivation gebaut wird. Zum Buchmarkt erklärt er, dass sein Geschäft die Bücher seien, nicht die teuren Shows. Ein Verlag bleibe für Vertrieb und Sichtbarkeit unverzichtbar (Achtung: Wie oft bei “Alles gesagt” sehr lang).

6. Wie wir mit KI manipuliert werden
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 21:07 Minuten)
Mats Schönauer zeigt in seinem YouTube-Video, welche KI-Fälschungen derzeit durch die Sozialen Medien geistern, von erfundenen Tierrettungen bis zu gefälschten Promitreffen, und gibt Tipps zum Erkennen. Verräterisch seien meist logische und physikalische Ungereimtheiten, unsinnige Schrift oder ein Blick auf Profil und Kommentare. Derlei KI-Inhalte würden die Grenze zwischen Fakt und Fiktion verwischen. Auf Erkennungstools solle man sich lieber nicht verlassen. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

KW 22/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Ist das NSDAP-Recherchetool des “Spiegel” wirklich verlässlich?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 17:42 Minuten)
Holger Klein unterhält sich mit Eva-Maria Schnurr, Leiterin des “Spiegel”-Geschichtsressorts, über das breit beworbene, durchaus auch mit Fehlern behaftete NSDAP-Recherchetool (nur mit Abo nutzbar): “Warum hat sich die Redaktion trotzdem für die Veröffentlichung einer unfertigen Datenbank entschieden? Warum steht das Tool, das auf öffentlichen Daten basiert, hinter der Paywall? Und geht die Relevanz der NSDAP-Datenbank über die der eigenen Familiengeschichte hinaus?”

2. Macht, Medien, Midterms
(youtube.com, Gregor Peter Schmitz, Video: 53:51 Minuten)
“Ein gespaltenes Land, ein aufgeheizter Wahlkampf: Wie wird über die USA vor den Midterms berichtet – den Zwischenwahlen, die für den Präsidenten entscheidend sind?” Darüber unterhält sich “Stern”-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz mit der deutsch-amerikanischen Politologin Cathryn Clüver Ashbrook und den “Stern”-Korrespondenten Jan Christoph Wiechmann und Leonie Scheuble.

3. Jung, blond, rechts … & KI-generiert
(youtube.com, Katharina Nocun, Video: 34:41 Minuten)
Katharina Nocun zeigt in ihrem re:publica-Vortrag, wie KI-generierter Content das politische Vorfeld der extremen Rechten verändert. Sie beschreibt eine Flut aus KI-Videos, Fake-Influencerinnen, erfundenen Talkshows, manipulierten Straßenumfragen, Meme-Ästhetiken und KI-Bildern. Nocuns Kernthese: Social Media werde durch Künstliche Intelligenz immer stärker zu einem Raum, in dem Fakt und Fiktion verschwimmen, und davon profitiere vor allem die rechtsextreme Szene.

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4. Lob der Presseschau
(youtube.com, Dax Werner & Moritz Hürtgen, Audio: 31:32 Minuten)
Im “Bohnigen Wachmacher” sprechen Dax Werner und Moritz Hürtgen satirisch über die geplante Programmreform beim Deutschlandfunk (DLF). Sie zeigen Verständnis für Veränderung, fürchten aber, dass durch größere Programmstrecken und neue Formate wie eine Drive Time geliebte Nischenformate an Eigenständigkeit verlieren könnten. Besonders verteidigen sie die DLF-Presseschau als langsames, eigenwilliges und gerade deshalb wertvolles Format. Die Sorge der beiden: Der besondere Deutschlandfunk-Sound könnte durch Reformen glatter und beliebiger werden.

5. Zur Lage des Journalismus – Im Gespräch mit Heribert Prantl
(youtube.com, Alexander Warzilek, 1:00:20 Stunden)
In dem Gespräch mit Heribert Prantl geht es um die Zukunft des Journalismus und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Prantl verteidigt ein starkes öffentlich-rechtliches System und spricht sich gegen eine Budgetfinanzierung aus. Öffentlich-rechtliche Medien sollten aus seiner Sicht nicht ausgehungert, sondern journalistisch gestärkt werden. Zugleich warnt Prantl davor, junge Zielgruppen mit zu stark vereinfachten Formaten zu unterschätzen. Öffentlich-rechtlicher Journalismus müsse zugänglich sein, dürfe aber nicht banal werden.

6. Russland ohne Internet
(yotube.com, Masha Borzunova, Video: 20:01 Minuten)
Die russische Exiljournalistin Masha Borzunova beschreibt in ihrem Arte-Beitrag, wie Russland seine digitale Abschottung weiter verschärfe. Neben blockierten oder gedrosselten Plattformen wie Instagram, YouTube, Twitter/X, WhatsApp und Telegram komme es inzwischen in vielen Städten zu Internetabschaltungen. Offiziell geschehe dies aus Sicherheitsgründen gegen Drohnenangriffe. Aber selbst regierungsnahe Blogger und Propagandisten würden an diesen Erklärungen zweifeln und einen Kurs Richtung “souveränes” russisches Internet fürchten.

Böhmermanns Kritik an der Kritik, Struktureller Sexismus, Jobfresser

1. Politischer Einfluss auf den ÖRR
(zdf.de, Jan Böhmermann, Video: 33:53 Minuten)
Jan Böhmermann widmet sich im “ZDF Magazin Royale” der politischen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ausgangspunkt sind Vorwürfe, dass ARD und ZDF zu teuer seien, zu groß oder zu links, sowie aktuelle Aussagen von Politikerinnen und Politikern wie Julia Klöckner, Wolfram Weimer und Markus Söder. Außerdem geht es um Fragen wie “Was bedeutet eigentlich ‘staatsfern’? Wie viele TV-Total-Nippel verträgt eine ZDF-Show? Und: Ist der Star-Moderator wirklich ein größeres Arschloch als ein Blauwal-Anus?”

2. Von Rocklegenden und Popfeen: Der strukturelle Sexismus im Musikjournalismus
(kobuk.at, Sarah Neururer)
Eine Analyse von mehreren hundert Artikeln bei “Rolling Stone”, “Musikexpress”, “Spiegel” und “Standard” zeige, dass männliche Musiker deutlich häufiger als “Legenden”, “Götter”, “Pioniere” oder “Genies” beschrieben würden. Künstlerinnen würden hingegen öfter verniedlicht, sexualisiert oder über Klischees wie “Prinzessin”, “Engel”, “Domina” und “Rotzgöre” eingeordnet. Sarah Neururers Fazit: “Solche Zuschreibungen prägen sich ein, sie schreiben alte Rollenklischees fort und sind sexistisch. Indem der Musikjournalismus unterscheidet, wer eine Legende sein darf und wer eine Fee bleibt, prägt er auch unser kulturelles Gedächtnis.”

3. Das nächste Virus geht schon viral
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert die mediale Aufregung um den Hantavirus-Ausbruch auf der “MS Hondius”. Obwohl laut Weltgesundheitsorganisation derzeit kein Pandemie-Szenario drohe, würden Schlagzeilen, Liveticker und Social-Media-Videos alte Corona-Bilder und Ängste reaktivieren. Medien sollten zwischen gesicherten Informationen und Spekulationen klar unterscheiden. Beim Thema Hantavirus heiße das, eher ruhig einzuordnen als im Breaking-News-Modus zu berichten.

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4. Frisst Künstliche Intelligenz die Jobs im Journalismus?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:48 Minuten)
Bei “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit Medienjournalist Marvin Schade vom “Medieninsider” über Stellenabbau bei “Bild” und “Spiegel”, wo Aufgaben in Produktion und Layout künftig automatisiert oder von Künstliche Intelligenz übernommen werden sollen. Schade sieht KI nicht grundsätzlich kritisch und hält sie etwa beim Redigieren für kleinere Redaktionen für nützlich.

5. Wer einen Chatbot betreibt, ist für dessen Lügen verantwortlich
(spiegel.de)
Das Oberlandesgericht Hamm habe entschieden, dass Betreiber von Chatsbots für deren falsche Aussagen haften. Im konkreten Fall habe der Chatbot einer Schönheitsklinik erfundene beziehungsweise unzutreffende Facharztbezeichnungen für Ärzte genannt. Das Gericht habe die Angaben als irreführende geschäftliche Handlung gewertet. Ähnlich habe zuvor schon das Landgericht Hamburg entschieden: Auch Plattformbetreiber wie X müssten für falsche Aussagen ihrer KI-Systeme einstehen.

6. Der ewige Streit um “moderne Medien”: Wie Straf­ver­fahren die Ste­no­grafie vor­an­brachten
(lto.de, Martin Rath)
Martin Rath zeichnet den Streit um ausführliche Protokolle in Strafverfahren medienhistorisch nach und zeigt, dass schon die Stenografie als “modernes Medium” juristische Machtfragen auslöste. Ausgangspunkt ist ein Fall des Bundesgerichtshofs von 1963, in dem eine stenografierende Anwaltsgehilfin zu Unrecht aus dem Gerichtssaal gewiesen worden sei. Außerdem geht es um frühere Auseinandersetzungen um Kurzschrift, Gerichtsprotokolle, parlamentarische Dokumentation und spätere Ton- und Filmaufnahmen in Prozessen.

Neue Betroffenheit, Enttäuschte Liebe, Richter vs. Pentagon

1. Neue Betroffenheit
(journalist.de, Anne Hünninghaus & Kathi Preppner)
Redaktionen würden verstärkt Journalistinnen und Journalisten suchen, die sich mit Sicherheitspolitik, Bundeswehr und Rüstungsindustrie auskennen. Gute Berichterstattung über Krieg und Krisen müsse sachlich einordnen, Begriffe erklären und Desinformation erkennen. Zugleich müssten die Interessen von Staat, Militär und Industrie kritisch voneinander unterschieden werden. Im Text von Anne Hünninghaus und Kathi Preppner schildern mehrere Medienschaffende, dass das öffentliche Interesse an diesen Themen und die eigene Betroffenheit deutlich zugenommen hätten.

2. Richter verbietet Pentagon das Aussperren von Journalisten
(spiegel.de)
Ein US-Richter habe dem Pentagon untersagt, die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten weiter einzuschränken, und die Wiederherstellung des freien Pressezugangs angeordnet. Das Gericht sehe in den neuen Pentagon-Regeln den Versuch, eine frühere richterliche Entscheidung zu umgehen. Hintergrund sei ein länger andauernder Konflikt über Pressefreiheit und Zugang zwischen dem US-Verteidigungsministerium unter Pete Hegseth und verschiedenen Medien.

3. Öffentlich-rechtliche Medien vor dem Großinquisitor
(taz.de, Rudolf Balmer)
Rudolf Balmer schildert, wie ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien in Frankreich zunehmend zu einem politischen Tribunal gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) geworden sei. Vor allem der rechtsnationale Kommissionssprecher habe die Anhörungen mit aggressiven und teils fehlerhaften Vorwürfen geprägt. Dem französischen ÖRR würden im Fall eines rechten Machtgewinns tiefgreifende Einschnitte bis hin zur Privatisierung drohen.

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4. So krass werdet ihr von NIUS und BILD manipuliert
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 36:44 Minuten)
“Bild” und “Nius” hätten mit einer erfundenen Geschichte über angeblich shoppen gehende Afghanen gezielt Wut auf Geflüchtete geschürt und damit rechtsextreme Narrative bedient. Mats Schönauer wirft beiden Redaktionen vor, solche Geschichten nicht nur ungeprüft oder bewusst verzerrt weiterzuverbreiten, sondern Korrekturen später zu verschleppen oder ganz zu unterlassen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

5. Fact-Checking: Zwischen Effizienz und Kontrolle
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Fact-Checking-Organisationen würden zunehmend Künstliche Intelligenz einsetzten, etwa beim Monitoring, bei der Recherche, in der Produktion und bei der Verbreitung von Korrekturen. In der Praxis zeige sich jedoch eine deutliche Skepsis hinsichtlich der Grenzen solcher Systeme. Ein zentrales Ergebnis einer Analyse sei, dass KI beim Fact-Checking nicht als eigenständiger Akteur verstanden werde, sondern ausschließlich als unterstützendes Werkzeug unter menschlicher Aufsicht.

6. Das Radio zwischen enttäuschter Liebe und neuem Aufbruch
(deutschlandfunk.de, Mathias Greffrath, Audio: 39:33 Minuten)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, besonders das Radio, befinde sich in einer tiefen Legitimations- und Formkrise, findet Mathias Greffrath in seinem Audioessay. Viele Wellen würden auf ihn routiniert, belanglos und vom Quotendruck entkernt wirken, während Podcasts, Plattformen und Algorithmen die Öffentlichkeit fragmentieren würden. Radio solle weniger beschallen und stärker Räume schaffen, in denen Menschen tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen. Es brauche mehr physische Präsenz außerhalb der Funkhäuser, neue gemeinwohlorientierte Funktionen und ein Auftritt jenseits bloßer Marktlogik.

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

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4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Klarnamenpflicht schadet, Portal gegen EU-Netzsperren, KI erfindet

1. Eine Klarnamenpflicht schadet der Demokratie
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
In seinem Beitrag bei netzpolitik.org kritisiert Markus Reuter die von Bundeskanzler Friedrich Merz geforderte Klarnamenpflicht im Internet. Eine solche Maßnahme schränke fundamentale Grundrechte wie die Meinungs- und Pressefreiheit massiv ein. Zudem gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein Zwang zur Offenlegung der Identität den digitalen Diskurs tatsächlich befriede.

2. US-Regierung entwickelt offenbar Portal gegen EU-Netzsperren
(spiegel.de)
Die US-Regierung arbeite an einem Portal namens freedom.gov. Die Website solle es europäischen Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, staatliche Netzsperren für illegale Inhalte wie Hassrede oder Terrorpropaganda zu umgehen. Der Vorstoß spiegele den grundsätzlichen Konflikt zwischen dem weitreichenden US-Verständnis von Meinungsfreiheit und strengeren europäischen Regulierungen wie dem Digital Services Act wider.

3. Die Gesellschaft des Verschwindens
(taz.de, Stephan Weichert)
In einem Essay für die “wochentaz” warnt der Medienwissenschaftler Stephan Weichert vor den weitreichenden gesellschaftlichen Folgen Künstlicher Intelligenz. KI läute das Ende des bisherigen Internets ein und treibe die schleichende Entkernung der Demokratie voran. Tech-Milliardäre würden die Technologie nutzen, um politische Diskurse zu manipulieren und menschliche Reflexion durch algorithmische Berechnungen zu ersetzen. Weichert fordert eine gemeinwohlorientierte KI-Entwicklung, klare Transparenzpflichten und digitale Resilienz.

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4. Wenn die KI Quellen erfindet
(verdi.de, Rudolf Stumberger)
In einem Selbstversuch schildert der Autor Rudolf Stumberger die Neigung Künstlicher Intelligenz zu digitalen Halluzinationen. So habe der Chatbot DeepSeek fiktive Aussagen erfundener Expertinnen generiert, nur um dem geforderten “journalistischen Stil” zu entsprechen. Auf kritische Nachfragen habe das System seine Fehler zwar eingestanden, im nächsten Schritt aber direkt neue falsche Quellen präsentiert. Eine Studie der Europäischen Rundfunkunion (PDF) belege dieses Problem.

5. ProSiebenSat.1 fährt in Österreich großes Sparprogramm
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die österreichische Tochter von ProSiebenSat.1 habe ein massives Sparprogramm angekündigt, nach dem rund neun Prozent der gesamten Belegschaft wegfallen würden. Dies entspreche dem Abbau von etwa 45 Arbeitsplätzen. Um die Kündigungen sozial abzufedern, verhandle das Management derzeit mit dem Betriebsrat über einen entsprechenden Sozialplan.

6. News & Politik – Podcasts hängen TV und Zeitungen ab
(spotify.com, Su Holder & Chris Guse, Audio: 39:43 Minuten)
In der aktuellen Folge des Branchen-Podcasts “Übers Podcasten” analysiert das Produzenten-Duo Su Holder und Chris Guse einen massiven Wandel im Hörverhalten in Deutschland. Laut einer neuen Studie von Seven.One Audio seien News-Formate mit 28 Prozent Marktanteil nun das meistgehörte Genre. Vor diesem Hintergrund diskutieren die beiden die rasant wachsende Relevanz von politischer Einordnung via Audio.

BBC wehrt sich gegen Trump, Falsche KI-Tiere, Schabowskis Zettel

1. BBC wehrt sich gegen Trumps Milliardenklage
(spiegel.de)
Donald Trump habe in Florida Klage gegen die BBC eingereicht. Der US-Präsident fordere 10 Milliarden US-Dollar von dem öffentlich-rechtlichen Sender, der sich dagegen wehre. Trump werfe der BBC vor, ihn in einer Dokumentation durch einen fehlerhaften Zusammenschnitt seiner Rede vom 6. Januar 2021, also vor dem Sturm auf das Kapitol, diffamiert zu haben. Obwohl der britische Sender den Schnittfehler eingeräumt und um Entschuldigung gebeten habe, sieht er keine rechtliche Grundlage für Trumps Klage.

2. Falschmeldungen schüren Ängste vor Muslimen
(tagesschau.de, Lena Maurer)
In Sozialen Medien würden sich aktuell massenhaft Falschinformationen über angebliche Vorfälle auf deutschen Weihnachtsmärkten verbreiten, berichtet Lena Maurer im ARD-“Faktenfinder”. Ziel dieser Beiträge sei es offenbar, gezielt Stimmung gegen Muslime und Migration zu machen. Videos von friedlichen, angemeldeten Demonstrationen zum Jahrestag des Sturzes des syrischen Assad-Regimes würden dabei fälschlich als Erstürmung von Weihnachtsmärkten dargestellt, aus dem Kontext gerissene Aufnahmen mit erfundenen Behauptungen verbreitet und KI-generierte Bilder zur Stimmungsmache genutzt.

3. Lüneburger Gericht: Rundfunkbeitrag ist rechtens – Kritik an Böhmermann kein Grund zur Befreiung
(landeszeitung.de)
Das Verwaltungsgericht (VG) Lüneburg habe mehrere Klagen sogenannter “Beitragsblocker” gegen den Rundfunkbeitrag abgewiesen. Diese hätten mit Hilfe von Musterformularen aus dem Internet argumentiert, die Öffentlich-Rechtlichen würden durch einseitige Berichterstattung etwa zum Krieg in der Ukraine oder zur Corona-Pandemie ihren Auftrag verfehlen. Das VG sei allerdings der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gefolgt, wonach die Beitragspflicht erst dann verfassungswidrig sei, wenn das Gesamtprogramm über längere Zeit die gebotene Vielfalt “gröblich verfehlt”. Eine pauschale Kritik an einzelnen Sendungen oder Beiträgen reiche nicht aus. Laut einer Gerichtssprecherin seien bei der Kammer über 100 weitere ähnlich gelagerte Verfahren anhängig.

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4. Streit um den Schabowski-Zettel: Stiftung muss Verkäufer nennen
(rsw.beck.de)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen habe entschieden, dass das Bonner Haus der Geschichte offenlegen müsse, von wem es den historischen Schabowski-Zettel für 25.000 Euro erworben hat. Geklagt hatte ein Chefreporter der “Bild”-Zeitung. Es gehe um jenen Sprechzettel, mit dem Politbüro-Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 die neue DDR-Reiseregelung verkündet und mit seiner Äußerung “sofort, unverzüglich” zumindest indirekt die Maueröffnung ausgelöst habe. Das Haus der Geschichte habe dem Verkäufer des Zettels Anonymität zugesichert. Laut OVG überwiege allerdings das verfassungsrechtliche Informationsinteresse der Presse das Vertraulichkeitsinteresse des Verkäufers.

5. Klima vor acht verpasst Spendenziel und will trotzdem ins Erste
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Verein “Klima vor acht” habe seine Spendenaktion beendet, allerdings statt der angepeilten 250.000 Euro nur rund 135.000 Euro einsammeln können. Mit dem Geld wolle er sich ins Werberahmenprogramm des Ersten einkaufen, um kurz vor der “Tagesschau” einen Spot zum Thema Klima und die Berichterstattung darüber zu platzieren. Allerdings bleibe unklar, ob dieser die Vorgaben des Medienstaatsvertrags für Wirtschaftswerbung erfüllen werde.

6. “Man vertraut der KI schon zu sehr”
(pr-journal.de)
Im Interview mit dem “PR-Journal” warnt Florian Amrhein, Pressesprecher der Heinz Sielmann Stiftung, davor, dass KI-generierte Tierbilder zunehmend professionelle Bilddatenbanken und Soziale Medien fluten würden und dabei oft biologisch falsch seien. So würden sie etwa eine falsche Anzahl an Gliedmaßen oder unrealistische Körperproportionen zeigen. Amrhein zitiert Tierfilmer Sielmann: “Künstliche Darstellungen fördern Unwissen. Heinz Sielmann hat einmal gesagt: Nur was man kennt, schützt man auch. Wenn dieser Bezug fehlt, fehlt auch das Verständnis und damit langfristig der gesellschaftliche Wille, Natur zu bewahren.”

Rechte Buchmesse, Grundrechte-Kahlschlag, Protest gegen Entlassung

1. Ein Besuch auf der rechten Buchmesse
(belltower.news, Jan Tölva)
Jan Tölva berichtet über die rechte Buchmesse “Seitenwechsel” in Halle, die Tausende Besucherinnen und Besucher angezogen und ein breites Spektrum extrem rechter Verlage und Akteure versammelt habe. Die Bandbreite habe von der Neuen Rechten (“Antaios”) und der “Identitären Bewegung” über das “Compact”-Magazin bis hin zu geschichtsrevisionistischen Verlagen gereicht. Tölva wertet die Messe als wichtigen Vernetzungserfolg für die Szene, auch wenn sie gesamtgesellschaftlich eine Randerscheinung bleibe.

2. Max Schrems kritisiert Grundrechte-Kahlschlag
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ingo Dachwitz schreibt bei netzpolitik.org über die scharfe Kritik des Datenschutzexperten Max Schrems an einer überraschenden DSGVO-Reform der EU-Kommission, die er als “Grundrechte-Kahlschlag” bezeichnet. Laut Schrems würfen die Pläne “40 Jahre europäische Grundrechtsdoktrin über den Haufen”. Er kritisiere das überhastete Vorgehen als “Trumpsche Gesetzgebungspraktiken” und mache die deutsche Bundesregierung mitverantwortlich, die zuvor weitreichende Einschnitte bei der DSGVO angeregt habe.

3. Italien: Protest gegen Entlassung von EU-Korrespondent
(verdi.de)
Der italienische EU-Korrespondent Gabriele Nunziati sei von seiner Nachrichtenagentur Agenzia Nova entlassen worden, nachdem er bei einer EU-Pressekonferenz eine kritische Frage gestellt habe. Nunziati habe gefragt, ob Israel für den Wiederaufbau des Gazastreifens aufkommen solle, ähnlich wie es von Russland für die Ukraine erwartet werde. Sowohl italienische als auch internationale Journalistenverbände hätten die Entlassung scharf verurteilt und sie eine “eklatante Missachtung der Grundprinzipien der Pressefreiheit” genannt.

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4. Fragwürdiges Antenne-Kärnten-Interview mit Missbrauchsopfer
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert ein Interview von Antenne Kärnten mit einem ehemaligen SOS-Kinderdorf-Kind, das sich freiwillig beim Sender gemeldet habe, um über seine Missbrauchserfahrungen zu sprechen. Die Redakteurin habe einfühlsam gewirkt, durch bohrende Detailfragen jedoch die Gefahr einer Retraumatisierung des Opfers in Kauf genommen. Die Anonymisierung sei schlampig gewesen, die Stimme nicht verfremdet worden und die Journalistin habe am Ende versehentlich den echten Vornamen des Betroffenen genannt.

5. Geschlechtergerechte Sprache: Wie deutsche überregionale Tageszeitungen nicht-binäre Personen darstellen
(de.ejo-online.eu, Allegra Knobloch)
Allegra Knobloch stellt eine Bachelorarbeit vor, die untersucht hat, wie überregionale Tageszeitungen aus Deutschland über nicht-binäre Personen berichten. Die quantitative Inhaltsanalyse von 61 Artikeln aus “taz”, “SZ”, “Welt”, “FAZ” und “Bild” habe ergeben, dass die Betroffenen trotz bekannter Wünsche in über der Hälfte der Beiträge (52 Prozent) fälschlicherweise mit männlichen oder weiblichen Bezeichnungen versehen worden seien. Die Untersuchung zeige außerdem, dass konservative Medien mehr als doppelt so oft misgendern wie progressive Medien.

6. Fake-KI-News über Basel: Die Spur führt zu einer Fitness-Kette aus Grossbritannien
(fairmedia.ch, Jeremias Schulthess)
Eine Recherche von “Fairmedia” und “Prime News” hat sich mit der Website basel-zeitung.com beschäftigt. Dabei handele es sich um ein KI-gestütztes “Fake-News”-Portal, das Artikel von seriösen Medien kopiere und Falschinformationen sowie erfundene Autoren veröffentliche. Obwohl die Seite kein Impressum angebe, würden alle Spuren auf eine internationale Fitness-Kette aus Großbritannien deuten. Ein Marketing-Professor vermute dahinter eine “Performance-Marketing-Kampagne”.

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