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Großbrand Cumhuriyet, Zentrum für Politisches Spektakel?, Abmahn-Fotos

1. “Die ‘Cumhuriyet’ bekommen sie nicht”
(zeit.de, Can Dündar)
Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Tageszeitung “Cumhuriyet”, Can Dündar, erzählt, wie er und der “Cumhuriyet“-Herausgeber Akın Atalay vor anderthalb Jahren vor der Entscheidung standen, in die Türkei zurückzukehren oder ins Exil zu gehen. „Wir diskutierten wie bei einem Großbrand, ob wir uns hineinstürzen und die Freunde und Kollegen retten oder besser von außen Wasser herbeischaffen sollten. Wir rangen um die Entscheidung zwischen Haft und Exil.“

2. Gesellschaft des Spektakels
(deutschlandfunk.de, Manuel Gogos, 49:40 Minuten)
Im Deutschland-Feature geht es um die teilweise als sehr aggressiv empfundenen und nicht immer unumstrittenen Politaktionen des „Zentrums für Politische Schönheit“ (ZPS). Der Autor beobachtet die Kampagnen-Arbeit – vom ersten Brainstorming über die Stoffentwicklung bis zur Logistik ihrer Großproduktionen. Und er stellt sich Fragen: Sind die Mitarbeiter und Komplizen des ZPS die Helden unsrer Tage, weil sie mit ihrer Kunst erzwingen, was die Politik nicht schafft? Heiligt der Zweck jedes Mittel? Oder ist alles nur Theater, bei dem Flüchtlinge und Parlamentarier unbewusst zum Teil einer Inszenierung werden?

3. Thank you for your music
(taz.de, Steffen Greiner)
Das kostenlose und in einer sechsstelligen Auflage erscheinende Popkultur- und Musikmagazin „Intro“ wird nach mehr als einem Vierteljahrhundert eingestellt. Die Digitalerlöse hätten nicht die dramatisch schrumpfenden Werbeerlöse in der Printausgabe ausgleichen können, wie Chefredakteur Daniel Koch in seinem Abschied erklärt.
Auf Facebook blickt der ehemalige „Intro“-Redakteur und „Deputy Editor in Chief” Linus Volkmann noch einmal auf seine „Intro“-Zeit zurück: „Produktionsnächte bis morgens, nach Mitternacht nur noch die In-Crowd um sich, ein Gefühl von Gang, das sich ausbreitete, man war die Ramones mit Stiften.“

4. Heute mächtig, morgen schmächtig
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Die diversen Datenschutz-Skandale scheinen Facebook nichts anhaben zu können: Das soziale Netzwerk ist mächtiger denn eh und konnte im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von fast 50 Prozent verbuchen. Doch kein Digitalplayer ist unsterblich, wie Rainer Stadler in seiner Kolumne anhand von Beispielen ausführt: „Wer die Übermacht eines Akteurs fürchtet, braucht manchmal bloss Geduld. Das Problem erledigt sich von selber.“

5. AfD-Politiker und Rechtsanwalt Dubravko Mandic verurteilt
(badische-zeitung.de, Frank Zimmermann)
Der AfD-Politiker und Rechtsanwalt Dubravko Mandic veröffentlichte auf Facebook eine geschmacklose Fotomontage: Eine historische Aufnahme der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, auf der die Köpfe angeklagter Nazigrößen durch die Konterfeis aktueller Politiker ersetzt wurden. Fünf von ihnen wehrten sich per Strafantrag und bekamen nun Recht: Mandic wurde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

6. Wikipedia-Abmahnungen für Panoramabild ohne Urheberrechtsschutz
(steigerlegal.ch, Martin Steiger)
Bilder sind im schweizerischen Urheberrecht nur geschützt, wenn sie individuellen Charakter haben und eine gewisse Schöpfungshöhe aufweisen. Trifft dies nicht zu, kann der Fotograf keinen Schadensersatz verlangen, wenn ein Bild von ihm ohne Zustimmung verwendet wird. Dies musste ein Fotograf aus Deutschland lernen, der für die Verwendung seiner Wikipedia-Bilder kostenpflichtige Abmahnungen durch eine Schweizer Anwältin versenden ließ und vor Gericht unterlag. Wobei sich der Lerneffekt wohl in Grenzen hält, denn der Fotograf scheint nach dem Urteil weiterhin auf das Erlösmodell Abmahnung zu setzen.

“Spiegel +” Reloaded, DSGVO für Fotografen, “In” mit Photoshop-Skills

1. Gutes lesen, mehr verstehen — wie wir das neue SPIEGEL+ entwickeln.
(medium.com/@devspiegel)
Dem „Spiegel“ ist es trotz allerlei Herumexperimentierens bislang nicht gelungen, sein Bezahlangebot „Spiegel plus“ zu etablieren. Das soll sich nun ändern: Noch im Sommer will man mit einem neuen Bezahlmodell an den Start gehen. Wie das aussehen soll und welche Gedanken dahinter stehen, erklärt ein erstaunlich offener und selbstkritischer Blogbeitrag.

2. Wissen zur DSGVO – 7 Tipps für Fotografen
(ipcl-rieck.com, Lars Rieck)
Ab dem 25. Mai 2018 gilt die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die sich auch auf Fotografen und Fotografinnen auswirkt. Medienrechtler Lars Rieck hat die undankbare Aufgabe übernommen und die komplizierte Lage sortiert. Sein Fazit: Digitale Street Photography, Sportfotografie, Konzertfotografie, Hochzeitsfotografie und alle Bereiche, die absichtlich oder unabsichtlich Personen abbilden, werden bis auf weiteres nur noch unter Eingehung eines ganz erheblichen Risikos möglich sein. Um juristischen Ärger (und hohe Geldbußen) zu vermeiden, sollten Fotografen daher einen Blick auf die sieben Tipps werfen, die Rieck am Ende seines Beitrags zusammenfasst.

3. „In“ lässt Träume mit Photoshop wahr werden
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Wer das das Klatschblatt „In“ durchblättert, könnte es auch für ein verhindertes Fachmagazin für Photoshop-Nerds halten, die darüber spekulieren, mit welchen technischen Tricks all die gefälschten Bilder, Montagen und Retuschen entstanden sind. Mats Schönauer zeigt beeindruckende Vorher-/Nachher-Bilder zum „Tuschelthema“ Jennifer Aniston und Brad Pitt.

4. Markt der Sonntagszeitungen schrumpft dramatisch
(wuv.de, Franz Scheele)
Großbritannien ist traditionell ein starker Markt für Sonntagszeitungen, doch das hat nun ein Ende: Seit 2010 hat sich die Gesamtauflage mehr als halbiert. Schuld daran ist natürlich die verstärkte Nutzung von Online-Angeboten, aber auch die Verlagerung auf die Print-Samstagsausgabe.

5. “Fake News als Kampfansage”
(faktenfinder.tagesschau.de, Jan-Christoph Kitzler)
Die journalistische Karriere des Tommaso Debenedetti fand ein jähes Ende, als sich herausstellte, dass seine Interviews mit Schriftstellern wie Gore Vidal und Philipp Roth erfunden waren. Seitdem verbreitet er auf Twitter unter falschem Namen Falschmeldungen, auf die auch schon große Medien hereingefallen sind. Angeblich, um „Nutzer und Journalisten auf ihre Verantwortung aufmerksam machen“.

6. Florian Klenk, Chefredakteur vom „Falter“ – Folge 362 aus Österreich
(jungundnaiv.de)
Tilo Jung hat den Chefredakteur des Wiener Stadtmagazins „Falter“ Florian Klenk zum Interview getroffen. Alleine schon die erste Minute ist feinstes Politkabarett: Klenk spricht über den Twitter-Hashtag „#answerlikekurz“, der sich über die ausweichende Rhetorik von Bundeskanzler Sebastian Kurz lustig macht. Und liefert in einer Stegreif-Stellungnahme zur Frage: „Wie ist das Wetter heute?“ eine fast bühnenreife Performance.

Halbmarathon, ganzer Fehler, Der Fall Methadon, “Monitoring”

1. Berliner Halbmarathon: Anschlagsmeldung auf Verdacht
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Hat die Polizei einen Terror-Anschlag auf den Berliner Halbmarathon verhindert, wie „Welt“ und später „Bild“ berichteten? Nein, hat sie nicht. Das liegt aber daran, dass keiner geplant war. Stefan Niggemeier berichtet von einer „Anschlagsmeldung auf Verdacht“.

2. US-Heimatschützer planen weltweites Monitoring von Journalisten
(netzpolitik.org, Constanze Kurz)
Das amerikanische Heimatministerium beabsichtigt nach Medienberichten, eine Datenbank mit Überwachungs-Informationen zu annähernd 300.000 Journalisten, Bloggern, Korrespondenten und Herausgebern anzulegen. Bedenken von Kritikern weist das Heimatschutzministerium via Twitter als „Verschwörungstheorien“ von „Aluhutträgern“ zurück.

3. Der Fall Methadon
(deutschlandfunk.de, Martina Keller, Audio, 27:33)
Wenn man manchen Erzählungen Glauben schenkt, wirkt Methadon in der Krebsbehandlung wahre Wunder. Doch ist die Substanz wirklich der erhoffte Krebskiller? Der womöglich aus Profitinteressen der Pharmaindustrie kleingehalten wird, wie im Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ (ARD) angedeutet? Medizinjournalist Marcus Anhäuser hat untersucht, wie sich die Methadon-Berichterstattung von „Plusminus“ ausgewirkt hat. Außerdem hat der „Deutschlandfunk“ in seiner halbstündigen Produktion Mediziner und die „Plusminus“-Redaktion selbst zu Wort kommen lassen. Eine nachdenklich machende Sendung über Schwierigkeiten und Besonderheiten der Berichterstattung bei Medizinthemen.

4. Twitter, ich bin es so leid…
(couchblog.de, Nico Brünjes)
Couchblogger Nico Brünjes hat sich den Frust von der Seele gerantet über Twitters Ankündigung, den Third-Party-App-Entwickler die Schnittstellen zu entziehen.

5. Ohne Ergebnis
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gestern Abend trafen sich der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zur vierten Runde der Tarifverhandlungen. Zuletzt hätten die Verleger für die nächsten beiden Jahre je 1,3 Prozent mehr geboten. Ein Angebot, das unter der Inflationsrate läge und deshalb abgelehnt worden sei. Ende des Monats will man sich erneut zusammensetzen.

Weiterer Lesetipp: Patrick Guyton schreibt in der „taz“ über den Streik der Zeitungsredakteure in Bayern: „Frustration hoch, Stimmung gut“

6. Die »alternativen Fakten« für Österreichs Medien
(noemix.twoday.net, Michael Nöhrig)
Im Konkurrenzkampf der beiden größten österreichischen Gratis-Tageszeitungen prahlt „ÖSTERREICH“ mit Auflagenzahlen, die um ein Drittel höher sind als die Gesamtleserzahl. Michael Nörig hat den Krieg der Balkengrafiken aufgedröselt.

Der Troll-Journalismus übernimmt

Ein Gastbeitrag von Alf Frommer

Der Journalist Jens Jessen war bisher wohl vor allem Kollegen und “Zeit”-Lesern ein Begriff. Seit dieser Woche kennt ihn zumindest das netzaffine Deutschland zur Genüge: Seine provokative Titelgeschichte über das Ende des Mannes …

Ausriss der Zeit-Titelseite - Schäm dich Mann

… trifft zielgenau sowohl den Nerv der Zeit als auch einen Ton, der Aufmerksamkeit garantiert. Jessen schreibt vom “Triumph des totalitären Feminismus”, vom “Schema des bolschewistischen Schauprozesses”, dem “das System der feministischen Rhetorik” folge, vom “feministischen Volkssturm”, “diesem Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen”. Es folgten Kritik und Entsetzen in sozialen Netzwerken und Online-Artikeln.

Im Journalismus sind die Troll-Mechanismen der Kommentarspalten nun sogar in Leitartikeln von seriösen Medien zu finden. Trolle sind sattsam bekannt, weil sie jede noch so respektvolle Diskussion im Netz durch hanebüchene Beiträge in ihr genaues Gegenteil umkehren. Aussagen, Behauptungen und Meinungen, die im Grunde nur stören und zerstören wollen, machen eine sinnvolle Lösungssuche vollkommen unmöglich. Was man früher an den “Klowänden des Internets” bewundern durfte, blickt einem heute von der Titelseite einer journalistischen Institution entgegen.

Genau dies hat Jens Jessen gemacht: Provoziert und verzerrt, um nach Aufmerksamkeit zu heischen. Und er ist damit beileibe nicht allein. Schon vor drei Jahren hatte sich die damalige “Welt”-Journalistin Ronja von Rönne vor dem Feminismus nach eigener Aussage geekelt. Das Thema taugt sowieso hervorragend für Troll-Journalismus, weil man damit zumindest den Nerv vieler Männer treffen kann, die sich benachteiligt fühlen. Das Genre ist gar nicht dafür da, ernstgemeinte Beiträge abzuliefern, sondern soll nur die Aufmerksamkeitsökonomie bedienen. Gut ist, was Klicks, Auflage und Reichweite bringt. Es geht nicht um die Qualität des Debattenbeitrags, sondern um Quantität. Ob radikale Positionen wie “Ekel” oder der weinerliche Abgesang auf den Mann eine wichtige gesellschaftliche Diskussion weiterbringen, ist komplett egal. Hauptsache, man ist im Gespräch — nicht mit Menschen mit anderen Meinungen, sondern in der öffentlichen Wahrnehmung. Das macht den Troll-Journalismus so banal wie gefährlich.

Der Godfather of Troll-Journalismus ist und bleibt natürlich Julian Reichelt. Der “Bild”-Chef hat das System perfektioniert und in Serienreife gebracht. An ernsthafter Diskussion ist “Bild” nicht interessiert, es geht nur darum, gesellschaftliche Reizpunkte zu setzen. Alarmismus, wohin man blickt. Aktuell nutzt Reichelt dazu gern Gesundheitsminister Jens Spahn, der im Grunde ein Troll der Politik ist: Spahn hat die (Internet-)Mechanismen genauso verinnerlicht wie viele Medienvertreter. Er setzt mit kurzen harten Statements (“Hartz IV bedeutet nicht Armut”) sogenannte Diskussionen in Gang, die zu nichts führen. Das Duo Reichelt/Spahn arbeitet Hand in Hand, erst vor zwei Tagen wieder auf der “Bild”-Titelseite:

Ausriss der Bild-Titelseite - Groko-Minister tritt Debatte los - Sorge um Recht und Ordnung in Deutschland

Sie zeichnen das Bild eines Deutschlands, in denen kriminelle Clans die Städte übernommen haben, der Islam unsere christliche Kultur zerstört oder niemand mehr Diesel fahren darf. Alles Unsinn oder so nicht wahr. Aber es geht ja nicht um die Sache, sondern darum, den Ton zu setzen und die Agenda zu bestimmen.

Was man bei “Bild” getrost als moderne Erweiterung des Geschäftsmodells verstehen kann, sorgt für Nachdenklichkeit, wenn auch Medien wie “Welt” oder “Zeit” Troll-Journalismus nutzen. Zwar hat schon Maxim Biller in “Tempo” in seinen “100 Zeilen Hass” mehr polarisiert als abgewägt, doch “Tempo” war halt “Tempo” und Billers Kolumne mehr Kunstform als Debattenbeitrag. Wir können uns darauf einstellen, dass wir nun öfter Artikel wie jene von Jessen oder von Rönne sehen werden. Aber was bringt es? Oft nicht mal den Schreibern selbst etwas. Oder kann sich jemand an irgendeinen relevanten Artikel von Ronja von Rönne aus den vergangenen drei Jahren erinnern? Genau.

Methode Spitzer, Bauer Willis Frust, “taz”-Innovationslücken

1. Die Methode Spitzer
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Bücher von Manfred Spitzer tragen gerne besorgniserregende, wenn nicht alarmistische Titel, ob “Cyberkrank!”, “Vorsicht Bildschirm!” oder, sein wohl bekanntestes Werk, “Digitale Demenz“. Nun sorgt Psychiater und Hirnforscher Spitzer mit „Einsamkeit“ und den angeblichen Einsamkeitsauslösern Internet und Digitales erneut für Diskussionen. „Spiegel“-Kolumnist Christian Stöcker kritisiert die „Methode Spitzer“, bei der oftmals selektiv zitiert werde und Korrelation mit Kausalzusammenhang verwechselt werden würde. „(…)es wäre doch schön, wenn wir die wirklich dringend notwendige Debatte über das, was die Digitalisierung mit uns macht, und das, was wir mit ihr anstellen, auf einer anderen, konstruktiveren Basis führen könnten als unter dem Mantra: “Selektiv ausgewählte und tendenziös interpretierte Studien zeigen, dass früher alles besser war.”

2. „Der Wahnsinn mit…
(bauerwilli.com, Alois Wohlfahrt)
Das ZDF hat eine Reportage produziert, die sich mit dem Export von Weizen nach Afrika befasst („Der Wahnsinn mit dem Weizen“) und hat dazu auch „Bauer Willi“ besucht. Der Landwirt hat sich für das Filmteam viel Zeit genommen, doch nun, da die Sendung ausgestrahlt wurde, sieht er sich getäuscht und als „nützlicher Idiot“ missbraucht: „Von den guten und offenen Gesprächen bei mir auf dem Hof war nichts übrig geblieben. Statt dessen wurden Zusammenhänge konstruiert, die ich schon vorher kommentiert hatte und die ich auch heute noch für falsch halte.“

3. Der grösste Internet-Hetzer der Schweiz wohnt in einer Villa in Riehen
(tageswoche.ch, Renato Beck & Gabriel Brönnimann)
Die Schweizer „TagesWoche“ hat versucht, mit dem „härtesten rechtsradikalen Troll“ Kontakt aufzunehmen. Als es endlich gelang, kniff er jedoch: „(…) der Mann, der seit Jahren ungestraft im Netz verleumdet, erniedrigt und hetzt, blockt ab, wenn man ihn auf sein Treiben anspricht. Der grösste Internethetzer der Schweiz ist kleinlaut, wenn man ihn konfrontiert. Er ist einer der härtesten Kerle, wenn er hinter seinem Bildschirm sitzt und Menschen öffentlich diffamiert. Zu seinem Tun stehen kann er nicht.“

4. Neue Welten
(sueddeutsche.de, Anna von Garmissen)
Die Zukunft von Regionalzeitungen in der digitalisierten Welt ist ungewiss. Viele Zeitungen kämpfen mit Auflagenrückgängen und schwindenden Werbeerlösen. Die “Ibbenbürener Volkszeitung” stemmt sich dem Trend mit einem neuen Verkaufsmodell entgegen: Die Leser können sich ihr Wunsch-Abo aus Themenwelten zusammenstellen. Wer alle beziehen will, erhält für vergleichsweise bescheidene 15 Euro den kompletten Zugang. Anna von Garmissen hat sich das Ibbenbührener Experiment näher angeschaut und mit den Ressortleitern und Ressortleiterinnen gesprochen, die dort Kapitäne genannt werden.

5. Die Lücke im Innovationsreport der taz
(medium.com, Lorenz Matzat)
Die „taz“ hat in einem lesenswerten und schonungslos offenen Report die eigenen Schwachstellen aufgedeckt. Dabei geht es u.a. um die inhaltliche Weichenstellung für die Zukunft, um gerechte Löhne für die Journalisten und verpasste Chancen bei der Digitalisierung. Datenjournalist Lorenz Matzat hat den Abschnitt über die Neugründung der „taz“ im Netz besonders aufmerksam gelesen und fragt: „Woher soll die Fähigkeit kommen, “Innovation” umzusetzen? Und ist das alles ohne intensiven Geldeinsatz, personellen Wechsel und grundlegenden Wandel möglich?“

6. “Tatort” ohne Ton: Keine Überraschungen an der Krimi-Front
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat das Experiment gewagt und sich den neuesten “Tatort” ohne Ton angeschaut. Die Überraschung: das wenig Überraschende.

Mesale Tolu halbfrei, Goldener Günter, Zurückgedöpfnert

1. „Ich bin müde, aber glücklich“
(faz.net)
Die Journalistin Mesale Tolu wurde gestern in der Türkei nach mehr als sieben Monaten Untersuchungshaft freigelassen. Eine Entlassung mit Komplikationen: Trotz der gerichtlichen Anordnung wurde sie zunächst in einer Polizeiwache in Istanbul festgehalten. Außerdem erfolgte die Freilassung nur unter Auflagen: Tolu muss sich jeden Montag bei den Behörden melden. Außerdem wurde ein Ausreiseverbot gegen sie verhängt.
Dazu auch: Mesale Tolu bleibt politische Geisel (Reporter ohne Grenzen)

2. Der Goldene Günter 2017 für die Peinlichkeiten des Jahres
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Die Redaktion des Medienmagazins “dwdl.de” kürt die Peinlichkeiten des vergangenen Medienjahres mit einem Negativ-Preis: dem “Goldenen Günter”. Hintergrund der seit 2008 vergebenen Auszeichnung sei eine Aussage des ehemaligen ARD-Programmdirektors Günter Struve. Dieser hatte eine Sendung mit der Künstlerin Lady Bitch Ray als “ziemlich ui-jui-jui” bezeichnet. Diesmal unter den würdigen Gewinnern: Der ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling, eine pampige Stellungnahme des Sky-Kundenservice, eine „TV Movie“-Filmkritik ohne Sichtung des Films, Mehmet Scholl, der Discovery Channel sowie ein homophober Kommentar. (In einer Bilderstrecke lassen sich Gewinner und Begründungen durchklicken.)

3. “Trump lässt sich eine gute Story nicht durch Fakten kaputtmachen”
(sueddeutsche.de, Jannis Brühl)
Aaron Sharockman ist der Chef der Faktencheck-Webseite “Politifact” und hat in den vergangenen sieben Jahren allerhand an Lügen erlebt. Im Interview erzählt er von seinen Lieblingslügen und warum Politiker immer dreister flunkern.

4. Polnische Medien-Startups füllen wichtige Nische aus
(de.ejo-online.eu, Paulina Pacula)
In Polen kam es in den letzten Jahren zur Gründung einiger unabhängiger Medieninitiativen. Das “Europäische Journalismus-Observatorium” (EJO) hat sechs dieser Startups untersucht: Wie finanzieren sich diese Projekte? Wie erreichen sie Rezipienten? Und wie innovativ sind sie im Hinblick auf die Herausforderungen des Medienmarktes?

5. Weltweit 65 Medienschaffende getötet
(reporter-ohne-grenzen.de)
2017 wurden weltweit mindestens 65 Journalisten, Bürgerjournalisten und andere Medienmitarbeiter in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit hervor. 326 Medienschaffende weltweit sind zum Jahresende wegen ihrer Tätigkeit in Haft. Knapp die Hälfte von ihnen sitzt in nur fünf Ländern im Gefängnis: in China, der Türkei, in Syrien, dem Iran und Vietnam.

6. “Keiner will den Öffentlich-Rechtlichen Textelemente verbieten”
(deutschlandfunk.de, Stefan Koldehoff)
Der Axel-Springer-Chef und Anführer der Zeitungsverleger Mathias Döpfner stört sich am konkurrierenden Textangebot der Öffentlich-Rechtlichen und spricht auch gerne mal von “Staatspresse”. Das Deutschlandfunk-Gespräch mit ihm hat ein geradezu episches Ende: “Und wenn unser Interview gleich beendet ist und gesendet dann auch, dann nicht abtippen, nicht zusammenfassen, sondern einfach nur ein Bild von Ihnen, eine Überschrift und einen Audiobutton?” Döpfner daraufhin: “Vielleicht ein kleiner hinführender Text, der so ein bisschen zusammenfasst, was wir besprochen haben, und dann der Hinweis auf unsere Sendung, genau, ja.”
Spoilerwarnung: Der Deutschlandfunk hat seinem Wunsch nicht entsprochen.

Klöckner-Klau, Katzenberger-Magazin, Straßenbahn des Todes

1. Medienminister will ARD ohne „Tagesschau“
(mz-web.de, Hagen Eichler)
Wie die “Mitteldeutsche Zeitung” berichtet, will der für Medien zuständige Landesminister Sachsen-Anhalts, Staatskanzleichef Rainer Robra (CDU), das “Erste” in seiner jetzigen Form abschaffen. Als nationaler Sender reiche das ZDF aus. Die ARD solle stattdessen “ein Schaufenster der Regionen” werden. Dazu auch: ein Interview der “Mitteldeutschen Zeitung” mit Robra. Nachtrag, 12:16 Uhr: Eine Information, die zur Nur-noch-ZDF-Forderung des CDU-Politikers nicht verlorengehen soll: Rainer Robra sitzt seit Juni 2002 im Fernsehrat — des ZDF.

2. Wie viel Klöckner steckt in Julia Klöckners Text?
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die CDU-Politikerin Julia Klöckner hat Anfang Oktober einen Gastbeitrag in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” veröffentlicht. Thema: der Föderalismus in Deutschland. Die Jusos aus Mainz konnten nun zeigen, dass Klöckner einige Sätze und Gedanken aus einem bereits 2007 erschienenen Aufsatz fast wörtlich übernommen hat, ohne die Quelle anzugeben. Boris Rosenkranz ist der Sache nachgegangen und hat für seinen Text auch mit dem Pressesprecher der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion gesprochen. Dessen Rechtfertigungen machen alles noch schlimmer.

3. kontertext: Kurzer Abstieg in die Provinz
(infosperber.ch, Mathias Knauer)
Der Musikwissenschafter, Publizist und Filmemacher Mathias Knauer beklagt den Zustand der Schweizer Kuturredaktionen und macht dies am Umgang der Medien mit dem jüngst verstorbenen Komponisten Klaus Huber fest: “Die Nachrufe, die man in Schweizer Zeitungen zu lesen bekam, bieten ein Schulbeispiel für den desolaten Zustand der Musikpublizistik in diesem Land.”

4. Auch Daniela Katzenberger bekommt eigenes Magazin
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Seit längerer Zeit gibt es von “Gruner + Jahr” das Magazin “Barbara” mit Barbara Schöneberger. Nun folgt die “Bauer Media Group” dem Trend der personalisierten Zeitschrift und bringt ein Magazin über die Reality-Show-Darstellerin Daniela Katzenberger auf den Markt. Das Heft erscheint mit einer Druckauflage von 100.000 Exemplaren und wird 2,99 Euro kosten. Doch damit ist der Trend der Personality-Zeitschrift nicht am Ende: Nächstes Jahr will “Gruner + Jahr” ein Heft über den Moderator und Entertainer Joko Winterscheidt auf den Markt bringen (“Joko”).

5. Straßenbahn des Todes
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Wenn Lukas Heinser sich mit Social Media beschäftigt, fühlt er sich in die “Straßenbahn des Todes” versetzt, in der alle die Gedanken der anderen hören können. Er will sich diese destruktive Social-Media-Kakophonie nicht länger antun und steigt, zumindest temporär, aus. “Natürlich interessiert es Facebook und Twitter kein bisschen, wenn ihnen ein unbedeutender Blogger aus Bochum alle verfügbaren Mittelfinger zeigt, aber: Hey, immerhin bin ich Blogger! Immerhin hab ich hier ein Zuhause im Internet. Und wenn mir einer auf den Teppich pisst, kann ich ihn achtkantig rauswerfen.” Transparenzhinweis: Lukas hat viele Jahre BILDblog verantwortet.

6. CNN trifft AstroTV
(youtube.com, Hans Kirchmeyr, Video, 5:25 Minuten)
Was der österreichische Onlinesender “oe24.tv” am Wahlnachmittag veranstaltet hat, war … nun ja … bemerkenswert. Ein fünfminütiger Zusammenschnitt zeigt eine wilde Mischung aus Pseudonachrichtensendung, Kaffeesatzleserei, Horserace-Berichterstattung und kompetent vorgetragener Inkompetenz.

Die bigotten Hüter des Persönlichkeitsrechts

Vor einer Woche hat Bild.de einen für Bild.de bemerkenswerten Satz geschrieben:

BILD zeigt das Gesicht des blonden Mädchens nicht, das Original-Foto ist nach wie vor auf Sarahs Facebook-Seite zu sehen.

In dem Artikel, aus dem dieser Satz stammt, ging es um ein Foto, das Sängerin Sarah Lombardi auf ihrer Facebook-Seite gepostet hat. Es zeigt ihren zweijährigen Sohn, von hinten aufgenommen, der zu einem etwa ähnlich alten Mädchen schaut, das Mädchen guckt zurück. Sarah Lombardi hat dazu “Casanova” geschrieben.

Es folgte viel Empörung in den Kommentaren, wobei der Tenor meist der gleiche war: “Das eigene Kind schützen, aber ein anderes Kind zur Schau stellen — geht gar nicht!” Die Bild.de-Redaktion berichtete über all das, legte ein Emoji über das Gesicht des Mädchens und schützte dadurch deren Rechte. Nicht die schlechteste Entscheidung, die die “Bild”-Medien in letzter Zeit getroffen haben.

Aber ganz gewiss keine aus Überzeugung.

Heute berichtet “Bild” in der Bundesausgabe über einen tragischen Unfall an einem Vulkankrater in der Nähe von Neapel. Ein Elfjähriger ist dort in ein Loch gefallen, aus dem heiße Gase aufsteigen. Der Junge starb noch am Unfallort. Und auch seine beiden Eltern, die versuchten, ihren Sohn zu retten, kamen ums Leben.

Die “Bild”-Mitarbeiter, die vor sieben Tagen noch betonten, dass sie “das Gesicht des blonden Mädchens” nicht zeigen, drucken heute in Millionenauflage Fotos von der 42-jährigen Mutter, von dem 45-jährigen Vater und auch von dem elfjährigen Kind — alle ohne Verpixelungen:

Ausriss Bild-Zeitung - Überschrift des Artikels - Drei Tote in Italien - Familien von Vulkan-Loch verschluckt - dazu die Fotos der Verstorbenen
(Die Unkenntlichmachungen bei der Mutter, dem Vater und dem elfjährigen Jungen stammen von uns, die Unkenntlichmachung bei dem zweiten Kind im obersten Foto stammt von “Bild”.)

Die Art und Weise, wie “Bild” in diesem Fall berichtet, ist wahrlich kein Einzelfall. So gut wie jeden Tag findet man in dem Blatt — ob nun in der Bundesausgabe oder in einer der 24 Regionalausgaben — Fotos verstorbener Menschen, ohne Unkenntlichmachung, ohne Rücksichtnahme auf Persönlichkeitsrechte, ohne Interesse daran, was all das mit Angehörigen und Freunden macht.

Mit Dank an @DPRuettler für den Hinweis!

Wahlsoftware-Debakel, Cato der Neurechte, Schweizer Kaffee

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1b. Die Bundestagswahl kann manipuliert werden
(zeit.de, Kai Biermann & Holger Stark)
Noch im Januar sagte der Bundeswahlleiter, man habe die Bundestagswahl technisch so abgesichert, “dass sie gegen alle Manipulationsversuche geschützt ist”. Nun sind einem 29-jährigen Informatiker, der gerade seinen Master an der Uni Darmstadt macht, besorgniserregende Schwachstellen bei der Software „PC-Wahl“ aufgefallen, die eine Manipulation der Bundestagswahl möglich machen. Die „Zeit“ hat daraufhin Experten vom Chaos Computer Club (CCC) gebeten, die Qualität von “PC-Wahl” zu prüfen. Mit doppelt erschreckendem Ergebnis, denn die Hacker halten auch die mittlerweile eingeleiteten Gegenmaßnahmen für wirkungslos.
Weitere Informationen liefert der netzpolitik.org-Beitrag “Wahlmanipulation für Anfänger: Auswertungssoftware hat Sicherheitsprobleme”

2. Stürme von gestern
(sueddeutsche.de, Johan Schloemann)
„Cato“ heißt das neue Magazin, das sich mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren vornehmlich an eine rechtskonservative Leserschaft wendet. Das Blatt komme vordergründig “nicht als lautes Kampfblatt daher, sondern als kultivierte, sinnliche Sammlung von Essays, Features und Feuilletons.” Hinter der gediegenen Hülle würden allerdings führende Köpfe der neuen Rechten stecken. Johan Schloemann dröselt die besorgniserregenden Verbindungen auf.
Weitere Leseempfehlung: Andreas Speits Beitrag in der „taz“ “Wie einst in Rom”

3. Russische Drahtzieher sollen bei Facebook Anzeigen geschaltet haben
(spiegel.de)
Facebook hat 470 mutmaßlich russische Konten gesperrt, die im US-Wahlkampf rund 3.000 Anzeigen mit politischen Botschaften geschaltet haben. Das sei bei einer tiefer gehenden Untersuchung zum russischen Einfluss auf die US-Präsidentenwahl festgestellt worden, so Facebook in einem Blogeintrag.

4. Wie Tschechien gegen Fake News kämpft
(de.ejo-online.eu, Zuzana Veselková)
Auch Tschechien ist von “Fake News” betroffen: Laut einer Studie glaube ein Viertel der Tschechen pro-russischen Falschmeldungen. Zuzana Veselková erklärt die Hintergründe und erzählt, wie Regierungsstellen und private Initiativen gegen die Propaganda angehen.

5. Tagesschau als Sprachrohr des Cafetier-Verbands
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
In der Schweiz sorgt ein „Tagesschau“-Beitrag des SRF für Empörung: Statt seriöser Nachrichten habe die Schweizer „Tagesschau“ einen zweieinviertel-minütigen Beitrag produziert, den die PR-Abteilung des „Cafetier-Verbands“ (eine Lobbyvereinigung Schweizer Gastronomen) nicht besser hätte selber machen können, wie Urs P. Gasche kritisiert.

6. Der blaue Riese treibt die Medien vor sich her
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Facebook versucht, immer weitere Bereiche unseres sozialen Alltags zu erobern. Aktuell über einen fest verankerten Button zum „Marketplace“. Der Vorstoß bedroht nicht nur Plattformen wie Ebay, sondern sei auch eine potentielle Gefahr für Medienhäuser, so Nick Lüthi: „Das vor noch nicht so langer Zeit für teures Geld zurückgekaufte Anzeigengeschäft droht den Verlagen ein zweites Mal verloren zu gehen, diesmal einfach digital.“

TV-Duell-Nachlese, AfD-Kaperung, BKA-Daten-Desaster

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(bildblog.de)
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1b. Große kress.de-Übersicht: Die wichtigsten Kommentare zum TV-Duell
(kress.de, Bülend Ürük)
Wie bewerten die Chefredakteure der großen und kleinen Medien den Ablauf des gestrigen TV-Duells zwischen Angela Merkel und Martin Schulz? “kress.de” hat die Reaktionen der Medienmacher gesammelt und in einer großen Übersicht zusammengefasst. Weitere Lesetipps:
Die Angst der Moderatoren vor dem Mob (“SZ”)
„Wir haben Koalitionsverhandlungen gesehen“ (“FAZ”)
Legen wir uns wieder hin (“Spiegel”)

2. „Die Partei“ kapert 31 geschlossene Facebookgruppen von AfD-Fans
(blog.zeit.de, Tobias Dorfer)
Die Satirepartei “Die Partei” hat nach langer Vorbereitung mehr als 30 AfD-nahe Facebook-Gruppen übernommen. Die Gruppen wurden anscheinend bereits vor elf Monaten infiltriert. Nach Erlangung der Administratorenrechte konnten die neuen Admins die ursprünglichen Gründer rausschmeißen und die Gruppen umbenennen. Die Aktion wird vor allem bei Anhängern und Sympathisanten der Spaßpartei gefeiert, es gibt aber auch Kritik. So bezeichnet Sascha Lobo die Kaperung als lustig, aber kontraproduktiv: “Demokratisch kämpfen gegen die AfD? Unbedingt. Aber nicht auf eine Art, die nichts bedeutet als Unterhaltung für diejenigen, die ohnehin auf die AfD herabsehen und trotzige Aktivierung derjenigen, die ihr nahestehen.”

3. Geduld ist jetzt die falsche Forderung
(deutschlandfunk.de, Gerwald Herter)
Die Panne beim G20-Gipfel habe gezeigt, dass die Datenbanken des BKA dringend neu organisiert werden müssen, kommentiert Gerwald Herter im “Deutschlandfunk”. Bereits 2012 hätten Untersuchungen ergeben, dass teilweise bis zu 90 Prozent der Einträge über politisch motivierte Kriminelle rechtswidrig oder falsch waren. Geduld sei jetzt die falsche Forderung. Einfach werde es jedoch nicht: “Das INPOL-Daten-Desaster zeigt, wie schwierig es sein kann, Datenbanken zu pflegen, wenn Informationen von vielen verschiedenen Stellen eingegeben werden. Auf europäischer Ebene dürfte das noch schwieriger werden, angesichts von Sprachproblemen und unterschiedlichen Standards.”

4. Deutsches “Mad” wird 50: Zappadoing!
(tagesspiegel.de, Marc Vetter)
Die deutschsprachige Ausgabe der Satirezeitschrift “Mad” feiert dieses Jahr ihren fünfzigsten Geburtstag. Marc Vetter zeichnet die Geschichte des Kultmagazins nach, von den Anfängen in den 1960ern, den goldenen 1980ern mit Auflagen von mehr als 300.000 Exemplaren und dem Sinkflug in die Jetztzeit, in der das Gaga-Magazin nur noch quartalsweise erscheint und nur noch etwa 12.000 Leser findet. Sollte es nicht wegen einer Lizenzpanne zurückgerufen und eingestampft worden sein, wie gerade beim aktuellen August-Heft.

5. Skandal um 1Live-„Experiment“: WDR-Erklärung verhöhnt Homosexuelle
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Johannes Kram hat sich über eine Sendung der WDR-Jugendwelle “1Live” gleich doppelt geärgert: Zuerst über die nach seiner Meinung nach misslungene Grundidee und fehlerhafte Konstruktion der Sendung “Lesbe trifft Homo-Ehe-Gegnerin”. Und dann über die sich anschließende Erklärung des WDR. Kram fragt: “Ist es auch ein „Argument“, einem Juden zu sagen, dass das, was er ist, Sünde ist, ist es auch ein Argument einem Schwarzen zu sagen, er müsse ja nicht schwarz sein, wenn er nicht wolle. Wieso denken sie, dass sie das mit einer Lesbe machen können, wie können sie auch nur auf die Idee kommen, hier von „Lebensmodellen“ zu sprechen, die sich „begegnen“? Wo bitte ist der Erkenntnisgewinn?”

6. Kurzgesagt – In a Nutshell: Mit Erklärvideos zum zweitgrößten Youtube-Channel aus Deutschland/
(omr.com, Torben Lux)
Im “OMR”-Podcast erklärt Youtuber Philipp Dettmer, wie es ihm gelungen ist, 4,6 Millionen Abonnenten für seinen Youtube-Kanal “Kurzgesagt – In a Nutshell” zu gewinnen, warum er auf die sogenannte “Keyword-Optimierung” verzichtet und weshalb er sich keinem Multi-Channel-Network angeschlossen hat.

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