Großbrand Cumhuriyet, Zentrum für Politisches Spektakel?, Abmahn-Fotos

1. „Die ‚Cumhuriyet‘ bekommen sie nicht“
(zeit.de, Can Dündar)
Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Tageszeitung “Cumhuriyet“, Can Dündar, erzählt, wie er und der “Cumhuriyet“-Herausgeber Akın Atalay vor anderthalb Jahren vor der Entscheidung standen, in die Türkei zurückzukehren oder ins Exil zu gehen. „Wir diskutierten wie bei einem Großbrand, ob wir uns hineinstürzen und die Freunde und Kollegen retten oder besser von außen Wasser herbeischaffen sollten. Wir rangen um die Entscheidung zwischen Haft und Exil.“

2. Gesellschaft des Spektakels
(deutschlandfunk.de, Manuel Gogos, 49:40 Minuten)
Im Deutschland-Feature geht es um die teilweise als sehr aggressiv empfundenen und nicht immer unumstrittenen Politaktionen des „Zentrums für Politische Schönheit“ (ZPS). Der Autor beobachtet die Kampagnen-Arbeit – vom ersten Brainstorming über die Stoffentwicklung bis zur Logistik ihrer Großproduktionen. Und er stellt sich Fragen: Sind die Mitarbeiter und Komplizen des ZPS die Helden unsrer Tage, weil sie mit ihrer Kunst erzwingen, was die Politik nicht schafft? Heiligt der Zweck jedes Mittel? Oder ist alles nur Theater, bei dem Flüchtlinge und Parlamentarier unbewusst zum Teil einer Inszenierung werden?

3. Thank you for your music
(taz.de, Steffen Greiner)
Das kostenlose und in einer sechsstelligen Auflage erscheinende Popkultur- und Musikmagazin „Intro“ wird nach mehr als einem Vierteljahrhundert eingestellt. Die Digitalerlöse hätten nicht die dramatisch schrumpfenden Werbeerlöse in der Printausgabe ausgleichen können, wie Chefredakteur Daniel Koch in seinem Abschied erklärt.
Auf Facebook blickt der ehemalige „Intro“-Redakteur und „Deputy Editor in Chief“ Linus Volkmann noch einmal auf seine „Intro“-Zeit zurück: „Produktionsnächte bis morgens, nach Mitternacht nur noch die In-Crowd um sich, ein Gefühl von Gang, das sich ausbreitete, man war die Ramones mit Stiften.“

4. Heute mächtig, morgen schmächtig
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Die diversen Datenschutz-Skandale scheinen Facebook nichts anhaben zu können: Das soziale Netzwerk ist mächtiger denn eh und konnte im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von fast 50 Prozent verbuchen. Doch kein Digitalplayer ist unsterblich, wie Rainer Stadler in seiner Kolumne anhand von Beispielen ausführt: „Wer die Übermacht eines Akteurs fürchtet, braucht manchmal bloss Geduld. Das Problem erledigt sich von selber.“

5. AfD-Politiker und Rechtsanwalt Dubravko Mandic verurteilt
(badische-zeitung.de, Frank Zimmermann)
Der AfD-Politiker und Rechtsanwalt Dubravko Mandic veröffentlichte auf Facebook eine geschmacklose Fotomontage: Eine historische Aufnahme der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, auf der die Köpfe angeklagter Nazigrößen durch die Konterfeis aktueller Politiker ersetzt wurden. Fünf von ihnen wehrten sich per Strafantrag und bekamen nun Recht: Mandic wurde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 100 Euro verurteilt.

6. Wikipedia-Abmahnungen für Panoramabild ohne Urheberrechtsschutz
(steigerlegal.ch, Martin Steiger)
Bilder sind im schweizerischen Urheberrecht nur geschützt, wenn sie individuellen Charakter haben und eine gewisse Schöpfungshöhe aufweisen. Trifft dies nicht zu, kann der Fotograf keinen Schadensersatz verlangen, wenn ein Bild von ihm ohne Zustimmung verwendet wird. Dies musste ein Fotograf aus Deutschland lernen, der für die Verwendung seiner Wikipedia-Bilder kostenpflichtige Abmahnungen durch eine Schweizer Anwältin versenden ließ und vor Gericht unterlag. Wobei sich der Lerneffekt wohl in Grenzen hält, denn der Fotograf scheint nach dem Urteil weiterhin auf das Erlösmodell Abmahnung zu setzen.