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Kurz-Bilder, Bolsonaro-System, Sobessernicht-Interview mit Meuthen

1. Warum Sebastian Kurz beim EU-Gipfel auf den Fotos in Österreichs Medien so gut aussieht
(moment.at, Tom Schaffer)
Wenn der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz auf Fotos eine gute Figur abgibt, liege dies oft an seinem Mitarbeiter, dem Fotografen Arno Melicharek, der seinen Chef und Auftraggeber geschickt in Szene setze. Und daran, dass Agenturen und Redaktionen die Bilder des Kanzleramts-Fotografen nur allzu gern übernähmen, weil es Geld und Aufwand spare: „Wohlgemerkt ist all das kein Fehler von Melicharek, sondern einer von weiten Teilen der österreichischen Medienlandschaft. Die hat nicht nur keine journalistischen FotografInnen mitgeschickt, keine vor Ort beauftragt und viel zu oft auch keine anderen Bilder von anderen Agenturen übernommen, sondern uns dann auch noch (einmal mehr) PR-Fotos als unabhängige Berichterstattung verkauft.“

2. „Bild“, „Welt“ und „FAZ“ brechen ein, „Zeit“ mit Rekord
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die Print-Auflagenentwicklung im zweiten Quartal dieses Jahres verlief einmal mehr unerfreulich für viele Verlage: Zum generellen Abwärtstrend sei bei manchen Titeln der coronabedingte Wegfall der „Bordexemplare“ hinzugekommen, die kostenfrei auf Flügen verteilt werden. Beim „Focus“ seien allein durch den „Bordexemplar“-Effekt über 65.000 Exemplare, nun ja, abhanden gekommen, was das gewaltige Auflagen-Minus von 30,5 Prozent zumindest teilweise erkläre. Auch die Auflagen von „Bild“, „Welt“ und „FAZ“ seien eingebrochen, während die „Zeit“ einen neuen Allzeit-Rekord aufgestellt habe.

3. Mehr als aus der Zeit gefallen
(deutschlandfunkkultur.de, Timo Grampes, Audio: 6:51 Minuten)
Bei Deutschlandfunk Kultur geht es um den ersten Kinofilm des Komikers Otto Waalkes aus dem Jahr 1985. „Otto – Der Film“ wirke „mehr als aus der Zeit gefallen“ und enthalte Szenen, die von vielen als rassistisch empfunden würden. Der Politikwissenschaftler und Menschenrechtsaktivist Joshua Kwesi Aikins erklärt, warum das so sei: „Rassismus soll und muss thematisiert werden. Er darf gerne auch persifliert werden, denn er ist ja nicht nur tödlich und gewaltvoll, sondern auch extrem lächerlich.“ Dies müsse jedoch passieren, ohne den Rassismus „einfach nur plump zu wiederholen“.

Bildblog unterstuetzen

4. Prozessauftakt gegen Stephan B. – Die Verantwortung der Medien
(mdr.de, Roland Jäger)
Gestern hat der Prozess gegen Stephan B. begonnen, der am ersten Prozesstag unter anderem den Anschlag auf eine Synagoge in Halle gestanden hat. Während andere Angeklagte die öffentliche Aufmerksamkeit eher scheuen, wolle der von rechtsextremen Gedanken getriebene B. mit vollem Namen genannt werden und dürfe gern unverpixelt gezeigt werden. Auf diese Selbstinszenierung und politische Vermarktung der Tat sollten sich die Medien nicht einlassen, findet Roland Jäger vom MDR: „Weil er diese Theorien und Einstellungen nach wie vor versucht weiterzutragen, dauert das Attentat an. Es liegt in der Verantwortung von uns Prozessberichterstattern, den Opfern und Betroffenen gerecht zu werden – und die Ansichten des Angeklagten nicht weiterzuverbreiten. Nur so kann das Attentat wirklich enden.“

5. RSF-Quartalsbericht: Hetze und Desinformation
(reporter-ohne-grenzen.de)
Dass Brasilien in der Rangliste der Pressefreiheit lediglich auf Platz 107 von 180 Staaten steht, hat laut Reporter ohne Grenzen mit dem sogenannten Bolsonaro-System zu tun: „Während Brasilien so schwer von der Corona-Krise getroffen ist wie kaum ein anderes Land der Welt, sehen sich Journalistinnen und Journalisten mit einer beispiellosen Welle des Hasses konfrontiert. Anfang des Jahres hetzte vor allem Präsident Jair Bolsonaro selbst gegen Medienschaffende, in den vergangenen drei Monaten taten sich vor allem seine Familie, seine engsten Regierungsmitglieder und seine treue Online-Anhängerschaft hervor.“

6. Sommerinterview mit Jörg Meuthen: So besser nicht
(ndr.de, Sebastian Friedrich)
„Das Sommerinterview mit Jörg Meuthen ist ein Lehrstück, wie man besser nicht mit einem AfD-Politiker spricht“, so Sebastian Friedrichs Urteil über das 25-minütige Gespräch der ARD mit dem Bundessprecher der AfD. Der Interviewer habe es Meuthen zu leicht gemacht, zu wenig nachgefasst und ihm altbekannte Zitate von Parteikollegen vorgelegt, die ihn zu wenig herausgefordert hätten.

„Zum Glück ist die ‚Bild‘-Zeitung nicht (ganz) Deutschland“

Die letzte Seite der „Bild“-Ausgabe vom 2. April war eine besondere:

Ausriss Bild-Zeitung - Italien ist das Land, das am stärksten von der Corona-Katastrophe betroffen ist - Wir sind bei Euch! Siamo con voi!

Die Redaktion hatte einen Brief an alle Italienerinnen und Italiener geschrieben, auf Deutsch und auf Italienisch.

Die Idee kam ganz gut an bei den Kommentatoren italienischer Medien, der Inhalt hingegen überhaupt nicht.

Die Tageszeitung „il Giornale“ titelt beispielsweise: „‚Pizza, pasta, siamo con voi‘ Die vorgetäuschte Unterstützung der Deutschen“.

Screenshot ilgiornale.it - Pizza, pasta, siamo con voi - Il sostegno finto dei tedeschi

Federico Giuliani kommentiert dort:

Auf den ersten Blick mag es wie eine schöne, beruhigende Geste erscheinen. (…) Vergebliche Hoffnung, denn beim Lesen des Artikels, der auf der Website der deutschen Zeitung ins Italienische übersetzt wurde, stehen wir vor einer heuchlerischen Seite voller unterschwelliger Botschaften und voller Klischees.

„il Fatto Quotidiano“ sieht es ganz ähnlich:

Der Rest des „Bild“-Artikels, in dem zum Beispiel nie Coronabonds oder die Möglichkeit wirtschaftlicher Hilfe aus Deutschland erwähnt werden, ist eine Sammlung von Klischees, die das Bild Italiens in der kollektiven deutschen Vorstellung begleiten.

Am deutlichsten wird Paolo Valentino, Deutschland-Korrespondent von „Corriere della Sera“, der auflagenstärksten Tageszeitung in Italien. Die Überschrift seines Kommentars lautet: „‚Wir sind bei Euch‘. Die (heuchlerische) Seite der ‚Bild‘ über Italien und den Kampf gegen das Virus“.

Screenshot corriere.it - Siamo con voi - La pagina (ipocrita) della Bild sull Italia e la lotta al virus

Der „Bild“-Artikel sei laut Vorspann „eine Liste von (falschen) Solidaritätsbekundungen und Klischees, die zeigt, wie weit wir vom Konzept des Europäismus entfernt sind“.

Und ja, die Klischees. Mit aller Gewalt hat die „Bild“-Redaktion sie in ihren Brief gepresst. Er liest sich wie ein Skript eines ZDF-Samstagabendfilms, in dem Veronica Ferres und Jan Josef Liefers das „Dolce Vita“ und ein „Gelato“ in „Bella Italia“ genießen. Hach, und diese „Pasta“ und der „Vino“ — da finden die beiden doch glatt ihre „Amore“ wieder! Paolo Valentino schreibt:

Die übliche Liste von Klischees: Tiramisù, Rimini, Capri, Toskana, Umberto Tozzi und, für die Raffinierteren, Paolo Conte. Der Wunsch nachzueifern, die Jagd nach „Eurer Gelassenheit, Schönheit, Leidenschaft“. Die Kunst des Kochens, Pasta, Campari, Dolce Vita, fehlt nur die Mandoline. „Darum haben wir Euch immer beneidet.“ Als ob niemand in Italien arbeiten würde. Niemals. „Jetzt sehen wir Euch kämpfen. Sehen Euch leiden“, fährt „Bild“ fort und erinnert daran, dass es in Deutschland „gerade auch nicht leicht“ ist.

Und es geht noch weiter mit den Stereotypen:

Das Finale: „Wir sind in Gedanken bei Euch. Ihr schafft das. Weil Ihr stark seid. Italiens Stärke ist es, anderen Liebe zu schenken.“ Der Abschied am Ende ist ein Triumph des Stereotyps: „Ciao Italia. Wir werden uns bald wiedersehen. Auf einen Espresso, einen Vino rosso. Ob im Urlaub — oder in der Pizzeria.“ Ich habe es noch einmal gelesen. Da ist etwas, das nicht funktioniert: „Ihr schafft das. Weil Ihr stark seid.“ Also allein. Kein Hinweis auf die Solidarität, die man den Brüdern schuldet, denen die „Bild“ zuerkennt, dass sie Deutschland beim Wiederaufbau der Wirtschaft geholfen haben. Kein Hinweis auf die Bedrohung unserer gemeinsamen Heimat Europa. Kein Hinweis auf die Notwendigkeit, dass die reicheren Brüder den ärmeren helfen müssen.

Tatsächlich fällt im gesamten „Bild“-Brief nicht einmal das Wort „Europa“. Keine Erwähnung von „Solidarität“. Und man findet erst recht nichts, was irgendwie in Richtung finanzieller Unterstützung von Deutschland für Italien deutet, von „Coronabonds“ beziehungsweise „Eurobonds“ ganz zu schweigen.

Paolo Valentino kommentiert:

Bei allem Respekt, es ist eine heuchlerische und eigennützige* Seite, ein beschämendes Manifest des Egoismus, ein weiterer Beweis dafür, dass „Bild“ und Europäismus an entgegengesetzten Polen stehen.

Er sei nicht erstaunt, schreibt Valentino. Das sei bereits in der Wirtschaftskrise so gewesen, „als die Griechen laut ‚Bild‘ ihre Laster mit den Ersparnissen deutscher Rentner bezahlen wollten“.

Wir verzichten gerne auf solche Zuneigungsbekundungen. Zum Glück ist die „Bild“-Zeitung nicht (ganz) Deutschland, von dem wir in diesen Tagen konkrete Solidaritäts- und Hilfsbekundungen erhalten. Aber von dem wir bald Klarheit über die Mutter aller Fragen erwarten: die finanzielle Garantie zum Schutz des Binnenmarktes und der europäischen Wirtschaft. Der Rest ist triviales Gerede.

Mit Dank an Anna, Margherita und Th. K.!

*Nachtrag, 17. April: In einer ersten Version hatten wir das italienische Wort „pelosa“ mit „haarig“ übersetzt, was laut Wörterbuch grundsätzlich auch richtig ist. In dem Zusammenhang, in dem Paolo Valentino das Wort benutzt, dürfte aber eine weitere mögliche Übersetzung passender sein: „eigennützig“.

„Bild“ und „Welt“ verlieren, Mario Barths Versagen, Euphemismen

1. „Bild“ und „Welt“ rutschen ab, „Spiegel“ und „Focus“ stabil
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die neuen Quartalszahlen der Printmedien weisen teilweise schwere Auflagenverluste aus. Besonders gebeutelt sind die zwei Flaggschiffe des Axel-Springer-Konzerns: „Bild“ habe im Vergleich zum Vorjahr 9,6 Prozent verloren. Bei der „Welt“ sei es sogar ein Rückgang um 13,1 Prozent. Verloren habe auch die „FAZ“. Zu den „Gewinnern“ kann man „Handelsblatt“, „Spiegel“, „Focus“ und „Zeit“ rechnen, die ihre Auflagen halten oder sogar leichte Zuwächse verzeichnen konnten.

2. Ein russischer Milliardär stiftet sich den grössten Journalismuspreis der Welt
(medienwoche.ch, Herwig G. Höller & Benjamin von Wyl)
Eine halbe Million Franken lässt sich ein russischer Milliardär den nach ihm benannten Journalismuspreis „Fetisov Journalism Awards“ kosten. Was bewegte den Superreichen zu dieser Tat? Es hat etwas mit seiner Biographie, politischen Umständen und dem Verlangen nach Reputation zu tun. Aber warum die Schweiz, warum nur englischsprachige Beiträge, und was hat es mit den zwei kontroversen Jury-Mitgliedern auf sich? In ihrer spannenden Recherche sind Herwig G. Höller und Benjamin von Wyl all diesen Fragen nachgegangen.

3. „Journalisten sind wie Junkies“ – #5 | Rekonstruktion eines Medienversagens
(ardaudiothek.de, Bastian Berbner & Alexandra Rojkov, Audio: 49:33 Minuten)
In der aufwändigen und journalistisch sorgsam produzierten Podcastreihe „180 Grad: Geschichten gegen den Hass“ (NDR Info) geht es um die Frage, warum Populismus, Hass und Intoleranz immer mehr zunehmen und fast zu einer Spaltung der Gesellschaft führen. Die aktuelle Folge ist die „Rekonstruktion eines Medienversagens“. Es geht um die angebliche „Massenbelästigung“ im Kieler Sophienhof, einem Einkaufszentrum in der Innenstadt: „Als Oliver Pohl seinen Job als Pressesprecher der Kieler Polizei antritt, nimmt er sich vor, so transparent wie möglich zu sein. Er will den Journalisten sagen, was er weiß und darauf vertrauen, dass sie vernünftig mit den Informationen umgehen. Genau das macht er am Morgen des 26. Februar 2016 und bringt so einen Strudel aus Hysterie und Rassismus in Gang, der ihn zu dem macht, was er nie sein wollte.“

4. Friedliche Worte für Krieg
(taz.de, Eric Wallis)
Viele Redaktionen tun sich schwer, einen Krieg einen Krieg zu nennen, und verwenden stattdessen lieber Umschreibungen wie „Militäreinsatz“. So auch beim jüngsten Fall des „völkerrechtswidrigen Angriffskriegs“ der Türkei gegen die Kurden im benachbarten Syrien, wie es Eric Wallis beispielsweise eher bezeichnen würde: „Das Wort „Militäreinsatz“ ist ein Euphemismus und enthält den Rezipienten im Falle von Nordsyrien die entscheidende Kriegsbotschaft vor. Unter Militäreinsatz firmiert schließlich auch das Sandsäckeschleppen beim Oderhochwasser oder das Eskortieren von Handelsschiffen.“

5. Medizinische Fakten mit Mehrwert
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Das Magazin „Fachjournalist“ hat sich mit dem freien Medizinjournalisten Christoph Specht über seine Arbeit für n-tv, RTL oder das ZDF unterhalten. Eine abwechslungsreiche Tätigkeit mit teilweise minimalen Vorbereitungszeiten. Im Gespräch geht es um die immer wiederkehrenden Schwerpunktthemen, die laiengerechte Aufbereitung und Vermittlung, Recherchemethoden und Werte wie Objektivität und Neutralität. Es lohnt sich, das Interview komplett zu lesen. Zum Ende hin erklärt Specht mit einfachen Worten, warum die unterschiedlichen Statements von WHO-Instituten zu Glyphosat nur scheinbar so unterschiedlich ausfielen.

6. Mario Barth rechnet das Elektroauto kaputt – ein Versagen in 3 Akten
(watson.de, Philip Buchen)
„Mario Barth deckt auf“ heißt das pseudoaufklärerische RTL-Format, in dem der Comedian den dauerempörten und staatsverdrossenen Wutbürger mimt und vermeintliche Skandale aufdeckt beziehungsweise Missstände zu Skandalen hochjazzt. In seiner jüngsten Sendung ging es unter anderem um die Öko-Bilanz von Elektroautos. Dabei hat sich Barth anscheinend tüchtig verrechnet, Fakten falsch präsentiert und einseitig Experten befragt.
Weiterer Lesehinweis: Christian Vock kommentiert bei web.de: „Hier wird nicht fein differenziert, sondern möglichst grob drauflos geklopft. Hauptsache am Ende steht das Bild von „denen da oben“ und „uns da unten“. Glaubt man Barths Gesellschaftszeichnung, werden „wir“ von lauter unfähigen Politikern und bekloppten Bürokraten regiert, drangsaliert und ausgenommen. Kennste, wa, kennste?“

„Verlagsleitung BILD Gruppe“ hübscht „Bild am Sonntag“ bei Wikipedia auf

Auf der Wikipedia-Seite zu „Bild am Sonntag“ gibt es in der Regel kaum Änderungen. Im Januar wurde mal ein bisschen was ergänzt, davor im September 2018, davor im April und im Februar desselben Jahres. Also: alles recht ruhig. Aber vorgestern — da ging’s los. Ein Wikipedia-Benutzer mit dem Namen „Verlagsleitung BILD Gruppe“ fing an, den „BamS“-Eintrag zu überarbeiten, oder genauer: kritische Stellen abzuschwächen oder komplett zu löschen und positive PR-Passagen hinzuzufügen.

In einem ersten Schritt ergänzte der Benutzer am Montag diese zwei Absätze …

Die Bild am Sonntag (kurz: BamS) ist mit einer Auflage von 741.159 Exemplaren die reichweitenstärkste Sonntagszeitung Deutschlands. Sie ist die meist zitierte Sonntagszeitung und gehört mit Platz3 überhaupt zu den meist zitierten Medien Deutschlands.

Die Bild am Sonntag gehört zur BILD-Gruppe der Axel Springer SE. Die Axel Springer SE ist eines der größten multimedialen Verlagshäuser mit Hauptsitz in Berlin.

… und löschte diesen:

Die BamS ist familienfreundlicher konzipiert als die von Montag bis Samstag erscheinende „Bild“. Sie erscheint außerdem im kleineren Zeitungsformat „Nordisches Tabloid“.

Mit dem Kommentar „Abschnitt ergänzt, zuvor kein gesonderter Abschnitt zu Inhalt und Stil vorhanden“ fügte „Verlagsleitung BILD Gruppe“ dann dieses Marketinggeschwurbel ein:

Ziel der „Bild am Sonntag“ ist es, bereits am Sonntag die Themen zu setzen, über die Deutschland in der Woche spricht. Unter dem Claim „Deutschland am Sonntag — Bild am Sonntag“ möchte die Zeitung ein entspanntes Sonntagsgefühl bei ihren Lesern vermitteln. Dabei beinhaltet sie einen Mix aus aktuellen, politischen und unterhaltenden Themen. Diese spiegelt die Redaktion häufig aus persönlichen Perspektiven wider, um dem Leser eine hohe Identifikationsmöglichkeit zu bieten.

Und:

Darüber hinaus hat die Bild am Sonntag Deutschlands größten Sportteil, welcher sich als eigene Sportzeitung in der Mitte zum Herausnehmen befindet.

Außerdem kamen noch Angaben zum Verkaufspreis der „Bild am Sonntag“ hinzu und Informationen, wo man die Zeitung so kaufen könne. Am Montagnachmittag gab es dann auch den ersten Versuch, die „BamS“-Auflagenentwicklung ein bisschen aufzuhübschen. „Verlagsleitung BILD Gruppe“ löschte diese Grafik:

Screenshot einer Wikipedia-Grafik mit der fallenden Auflage der Bild am Sonntag

Der Bearbeitungskommentar dazu:

Die Basis, anhand welcher sich die Auflagenzahl bemisst, wurde in der Vergangenheit mehrfach geändert, daher macht ein Vergleich/ Diagramm wenig Sinn; zudem müssen diese Angaben kontinuierlich aktualisiert werden, weshalb ein Verweis auf IVW, wo aktuelle Auflagenzahlen, auch im Vergleich zu anderen Zeitungen abgerufen werden können, sinnvoller ist als Diagramme oder Ähnliches

Im selben Schritt machte der Benutzer aus …

Die Bild am Sonntag gehört ebenso wie die Bild-Zeitung zu den deutschen Zeitungen mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre.

… das hier:

Die Auflagen-Entwicklung der Bild am Sonntag verhält sich analog zum strukturellen Rückgang von Print-Medien.

Und das ist nicht nur Augenwischerei, sondern schlicht falsch. Die Auflage der „Bild am Sonntag“ verhält sich nicht „analog zum strukturellen Rückgang von Print-Medien.“ Der Auflagenverlust des Blattes ist viel dramatischer als der aller anderen Wochen- und Sonntagszeitungen (und auch aller überregionalen Tageszeitungen).

Andere Wikipedia-Benutzer intervenierten immer wieder und machten viele Änderungen rückgängig, etwa das Löschen der Auflagen-Grafik. Sie wiesen auch darauf hin, dass die Beiträge zu werblich seien:

Sie sind bereits einmal aufgefordert worden, Marketing- und Werbeeinträge zu vermeiden. Ich weise ausdrücklich noch einmal darauf hin, leider aus gegebenem Anlass. Wikipedia ist ausdrücklich keine Basis für verkaufsfördernde Maßnahmen, sondern ein Enzyklopädie-Projekt.

Das hielt „Verlagsleitung BILD Gruppe“ aber nicht davon ab, die Änderungen erneut einzubringen — zum Beispiel jene mit dem herausnehmbaren Sportteil und dem „BamS“-Claim und der Bereits-am-Sonntag-die-Themen-setzen-PR.

Am Dienstagmorgen folgte der nächste Versuch, die wenig schmeichelhafte Auflagen-Grafik aus dem Wikipedia-Eintrag zu tilgen und den Quatsch mit „analog zum strukturellen Rückgang“ unterzubringen. Der Bearbeitungskommentar dazu: „Aktualisierung von Angaben“. Eine Minute später wollte „Verlagsleitung BILD Gruppe“ mit dem Hinweis „unpassende Angabe“ das Kapitel „Kritik“ komplett löschen und mit ihm den Verweis auf die von „Bild am Sonntag“ ausgelöste „Medienkontroverse“ um Peter Lustig.

Dann sollten noch „Auszeichnungen“ hinzugefügt werden, woraufhin erstmal eine sechsstündige Sperre des Accounts folgte (Begründung: „kurze Pause zum Lesen der Hinweise auf der Diskussionsseite und den dort verlinkten Hilfeseiten“). Nach Freischaltung fügte „Verlagsleitung BILD Gruppe“ gestern Nachmittag weitere Auszeichnungen sowie Links zur „BamS“-Facebookseite und zu einem Lesershop hinzu. Anschließend gab es eine Sperre für eine Woche, da der Benutzer sein Konto trotz Aufforderung nicht verifiziert hatte.

So peinlich das alles sein mag — die Aktion war durchaus erfolgreich: Die Auflagen-Grafik ist aus dem Wikipedia-Eintrag verschwunden und die falsche Aussage, die „BamS“-Auflagenentwicklung verhalte sich „analog zum strukturellen Rückgang von Print-Medien“, nun drin. Das Kapitel „Kritik“ heißt inzwischen „Weblinks“. Und die Auszeichnungen werden (in einer deutlich abgespeckten Version) erwähnt.

Wir haben bei „Bild“-Sprecher Christian Senft nachgefragt, ob der Wikipedia-Benutzer „Verlagsleitung BILD Gruppe“ zum Axel-Springer-Verlag gehört und ob es gängige Praxis dort ist, Wikipedia-Artikel mit PR-Botschaften aufzupeppen. Bisher haben wir keine Antwort von ihm erhalten.

Auf eine der Fragen scheint es aber inzwischen eine Antwort zu geben. Auf der Benutzerseite von „Verlagsleitung BILD Gruppe“ steht inzwischen:

Dieses Benutzerkonto wurde gegenüber dem Support-Team mit einer E-Mail-Adresse von axelspringer.de verifiziert.

Damit ist der Account wieder freigeschaltet. Sie können jetzt also weitermachen.

Nachtrag, 14:03 Uhr: Nach Veröffentlichung dieses Beitrags wurden einige Änderungen auf der „BamS“-Wikipedia-Seite rückgängig gemacht. Zum Beispiel ist die Auflagen-Grafik nun wieder da. Momentan gibt es offenbar einen sogenannten Edit-War.

Nachtrag, 16:23 Uhr: „Bild“-Sprecher Christian Senft hat es bisher leider immer noch nicht geschafft, uns auf unsere zwei Fragen zu antworten. Dafür hat aber die Springer-Pressestelle dem Branchendienst „turi2“ zu der Sache geschrieben:

Wir wissen, dass Wikipedia für viele eine bedeutende Quelle der Recherche ist. Daher ist es wichtig, dass die Fakten korrekt und aktuell sind. Dies war bei vielen Einträgen für „Bild am Sonntag“ nicht mehr der Fall, weshalb wir diese für alle transparent und begründet geändert haben. Alle Anpassungen erfolgten mit klarer Absenderschaft, niemand hat versucht, wie von BildBlog behauptet, etwas „werblich unterzuschummeln“. Es gehört zu Wikipedia, dass diese Einträge oder bestimmte Formulierungen durch andere Nutzer anders bewertet und eingeordnet werden können.

Interessant finden wir das wörtliche Zitat „werblich unterzuschummeln“, dass uns die Springer-Pressestelle zuschreibt. Wir haben zwar von aufhübschen und aufpeppen gesprochen. Die Worte „werblich unterzuschummeln“ haben wir hingegen an keiner Stelle benutzt.

Nachtrag, 17. Juni: Auf Nachfrage des Medienmagazins „Zapp“ (ab Minute 2:05) ist der Springer-Pressestelle noch eine lustige Begründung eingefallen, warum das Kapitel „Kritik“ von „Verlagsleitung BILD Gruppe“ gelöscht wurde:

Das Kapitel wurde nur vorübergehend gelöscht, um es als Ganzes aktualisiert zu ergänzen.

Das Hochladen des aktualisierten Artikels habe dann blöderweise wegen der zwischenzeitlichen Sperre nicht mehr funktioniert.

Julian Reichelts Auflagen-Märchen

Was Print angeht, ist unser Ziel, das bei Kaufzeitungen marktübliche prozentual zweistellige Auflagenminus auf das zu beschränken, was strukturell bedingt ist. Das bedeutet für uns als Redaktion, um jenen Anteil am Rückgang zu kämpfen, der nicht markt-, sondern journalistisch bedingt ist. Das scheint uns zu gelingen, denn Bild hat rund drei Prozentpunkte weniger an Auflage verloren als der Verlag prognostiziert hat und ist dazu hochprofitabel.

… sagte „Bild“-Chef Julian Reichelt neulich im Interview mit „Horizont“. Wir haben uns mal genauer angeschaut, was an dieser Aussage dran ist: Gelingt es „Bild“ wirklich, den Rückgang der Auflage auf den „strukturell bedingten“ Anteil zu beschränken?

So sieht die Auflagenentwicklung von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ aus:

Aber wie gering oder stark verlieren „Bild“ und „BamS“ im Vergleich zur Konkurrenz?

Erstmal wäre die Frage, welchen Markt Julian Reichelt genau meint. Er könnte den Boulevardmarkt meinen. Dort nimmt „Bild“ als einzige überregionale Tageszeitung eine Sonderstellung ein. Alle andere deutschen Boulevardblätter erscheinen nur regional: die „Mopo“ in Hamburg, die „B.Z.“ und der „Berliner Kurier“ in Berlin, der „Express“ in Köln, die „tz“ und die „Abendzeitung“ in München und die „Morgenpost“ in Sachsen.

Dies ist die relative Auflagenentwicklung der deutschen Boulevardzeitungen seit 1998 (soweit reicht das Archiv der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zurück):


(zum Knick bei der „Abendzeitung“ siehe hier)

Bei allen Blättern geht es dramatisch runter, nur die „tz“ kann sich noch einigermaßen halten. „Bild“ (-67,6 Prozent) verliert, nach „Abendzeitung“ (-73,5), „Express“ (-72,9) und „B.Z.“ (-70,6) am viertstärksten. Schaut man sich nur die Entwicklung seit 2017 an, also seit Julian Reichelt Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktionen ist, liegt „Bild“ (-9,0) ebenfalls auf dem viertletzten Platz: Nur der „Express“ (-17,3), die Hamburger „Mopo“ (-17,2) und die ebenfalls von Reichelt verantwortete „B.Z.“ (-9,6) haben noch stärker verloren. Wirklich positiv ragt Reichelts Blatt also nicht aus dem Boulevardmarkt heraus.

Nun haben wir aber sowieso Zweifel, dass Julian Reichelt „Bild“ auf einem Level mit der „Morgenpost“ aus Sachsen oder dem „Berliner Kurier“ sieht. Zumal er in einem anderen Interview behauptete, „Bild“ halte sich in einer Liga mit „Washington Post“ und „New York Times“:

Wir sind da, wo die „Post“ oder die „New York Times“ sind, oder umgekehrt: Die sind da, wo wir sind. In dieser Liga halten wir uns

Werden wir mal nicht völlig größenwahnsinnig: Wie macht sich „Bild“ im Markt der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland? Noch schlechter:


(die Auflage der „Welt“ ab 2005 zusammen mit „Welt kompakt“; die „Frankfurter Rundschau“ fehlt hier, da die Auflage seit 2013 nicht mehr gesondert gemeldet wird)

Auch hier verlieren alle, aber niemand verliert so stark wie „Bild“. Nicht annähernd. Und dabei ist es völlig egal, welchen Bezugspunkt man nimmt: ob seit 1998 (-67,6 Prozent), seit 2001 (-66,4), als Kai Diekmann die Chefredaktion übernahm, seit 2010 (-50,8), seit 2016 (-15,5), als Tanit Koch die Chefredaktion übernahm, oder seit 2017 (-9,0) — immer liegt „Bild“ auf dem letzten Platz.

Genauso schlecht sieht es bei der „Bild am Sonntag“ im Vergleich mit anderen Wochen- und Sonntagszeitungen aus:


(„der Freitag“ ohne IVW-Angaben für 2009 und 2010; die „FAS“ gibt es erst seit 2001)

Was sagte „Bild“-Chef Julian Reichelt noch mal im Interview mit „Horizont“?

Das bedeutet für uns als Redaktion, um jenen Anteil am Rückgang zu kämpfen, der nicht markt-, sondern journalistisch bedingt ist.

Das scheint ihm und seinem Team ganz offensichtlich nicht zu gelingen.

Dazu auch:

Frauenaufstand im Vatikan, Apples Pläne, Abgeschminkte „Welt“-Auflage

Vorbemerkung: Aus aktuellem Anlass folgt im Lauf des Tages eine Sonderausgabe zur umstrittenen EU-Urheberrechtsreform.

1. Frauenaufstand im Vatikan
(sueddeutsche.de, Matthias Drobinski)
Die vatikanische Frauenzeitschrift „Donne Chiesa Mundo“ hat sexuelle Gewalt von Priestern und Ordensmännern gegen Nonnen angeprangert. Papst Franziskus musste einräumen, dass dieses Problem existiert. Trotzdem ist die komplette Redaktion aus elf Frauen zurückgetreten. Chefredakteurin Lucetta Scaraffia: „Wir werfen das Handtuch, weil wir uns von einem Klima des Misstrauens und einer fortschreitenden Delegitimierung umgeben sehen.“ Auch andere Vatikan-Journalisten würden darüber klagen, dass ausgerechnet unter Papst Franziskus die Freiräume für sie enger geworden seien.
Weiterer Lesetipp: In Australien drohen 23 Journalisten Geldstrafen und Haft. Ihr „Vergehen“: Sie hatten trotz Berichterstattungsverbot über den Missbrauchsprozess gegen den ehemaligen und mittlerweile zu sechs Jahren Haft verurteilten Vatikan-Finanzchef George Pell berichtet (sueddeutsche.de).

2. „Die Welt“ kündigt Ende der Auflagen-Kosmetik an
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Keine andere überregionale Tageszeitung habe eine derartige Auflagenkosmetik betrieben wie die „Welt“, so Uwe Mantel bei „DWDL“: Rechne man alle kosmetischen Maßnahmen heraus, bleibe weniger als die Hälfte übrig. Das soll sich nun ändern, halb freiwillig, halb durch die Umstände gezwungen.

3. Wenn alle sehen, wie man pinkelt
(taz.de, Finn Holitzka)
Das Fotoprojekt #DeinKindAuchNicht wirbt mit provozierenden Bildern dafür, die Privatsphäre von Kindern in sozialen Netzwerken zu wahren. Die Botschaft richtet sich dabei vor allem an die stolzen Eltern, die oft gedankenlos die Bilder ihrer Sprösslinge ins Netz stellen.

4. Bevor Sie als Verleger in Apple News+ die Zukunft für Ihre digitalen Medien sehen, sollten Sie das hier lesen
(meedia.de)
Anfang der Woche hat Apple seinen neuen Dienst Apple News+ vorgestellt, ein Flatrate-Angebot für Magazine und Zeitungen, das gerne auch als „Netflix für News“ bezeichnet wird. Was bedeutet dies nun für die Verlage? Wird Apples neuer Dienst gar den weltweiten Medienmarkt umkrempeln? Bei „Meedia“ gibt es eine spannende Analyse mit allen wichtigen Hintergrundinformationen und einigen Argumenten für und gegen Apples neuen digitalen Zeitungsstand.

5. Kommentar: Apple TV+ ist viel heiße Luft
(heise.de, Ben Schwan)
Apple hat am Montag nicht nur seinen neuen Dienst Apple News+ vorgestellt, sondern auch den Streamingdienst Apple TV+ für den Herbst angekündigt. Ben Schwan äußert sich zurückhaltend: „Alles in allem bleibt von Apple TV+ bislang nicht viel mehr als heiße Luft — das zu verbergen gelang nicht einmal den vielen Promis auf der Bühne. Wenn man bedenkt, wie lange die Vorbereitungszeit war, die Apple für den Streamingdienst hatte, ist das enttäuschend. Apple versucht offensichtlich angesichts all der Ankündigungen der Hollywood-Studios und TV-Channel, eigene Streamingdienste zu starten, Claims abzustecken.“

6. Meisterwerke nach ihren schwarzen Modellen umbenannt
(diepresse.com)
Für die Ausstellung „Das schwarze Modell — Von Gericault bis Matisse“ im Pariser Musée d’Orsay sind Meisterwerke nach ihren schwarzen Modellen umbenannt worden. Dem ging eine aufwändige Recherche voraus, so die Kuratorin. Zwar hätten Schwarze bei der Entstehung moderner Kunst in Paris eine wichtige Rolle gespielt, doch seien ihre Namen unerwähnt geblieben und ihr Einfluss in der Kunstgeschichte wegen Rassismus und Stereotypen in den Hintergrund gedrängt worden.

Lehren aus Winnenden, DuMont, Böhmermann vs. „Computer Bild“

1. Amoklauf in Winnenden – Lehren aus medialen Übertretungen?
(ndr.de, Daniel Bouhs & Sabine Schaper)
Vor zehn Jahren erschütterte der Amoklauf von Winnenden die Republik. Ein Jugendlicher hatte 15 Schüler und Lehrer und anschließend sich selbst erschossen. Daraufhin fiel in Winnenden die Weltpresse ein und es kam zu einer Vielzahl medialer Grenzüberschreitungen: Rücksichtslose Medienvertreter bedrängten Eltern an der Haustür, um an Opferbilder zu kommen, missachteten Film- und Fotografierverbote und plünderten die am Anfang stehenden sozialen Netzwerke, um bequem an Bilder der Opfer zu kommen. „Zapp“ hat mit Anton Jany gesprochen, der vor zehn Jahren für das ZDF in Winnenden war: „Ich habe nach Winnenden überlegt, ob ich meinen Job als Journalist an den Nagel hänge“ (Videolink). Der seinerzeit ebenfalls anwesende SWR-Reporter Knut Bauer konstatiert: „Ich bin fast davon überzeugt, dass, wenn so etwas wieder passieren würde, sich das ähnlich abspielen würde“ (Videolink). Der auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwalt Christian Schertz äußert sich zum Verhalten der Medien in Winnenden und der Abwägung zwischen Persönlichkeitsschutz und Pressefreiheit: „Das Recht am eigenen Bild besteht über den Tod hinaus“ (Videolink).

2. Springers Magazin-Neustart Bild Politik: Grosso-Beobachter melden ernüchternde Verkaufszahlen in Testgebieten
(meedia.de, Marvin Schade)
Springers Magazin-Neustart „Bild Politik“ tut sich laut „Meedia“ am Kiosk schwer. Die Testmarkt-Premierenausgabe soll auf eine verkaufte Auflage von 2.500 bis 3.000 Exemplaren gekommen sein soll, bei einer geschätzten Remissionsquote von 85 bis 90 Prozent. Der Axel-Springer-Konzern habe die Verkaufszahlen auf Anfrage von „Meedia“ nicht bestätigen wollen, gibt sich jedoch „sehr zufrieden“.

3. „Mögliche Veräußerung“
(taz.de, Frederik Schindler)
Nachdem der Branchendienst „Horizont“ es vorab gemeldet hatte, hat nun auch der Vorstand der DuMont Mediengruppe die „mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe“ bestätigt, gibt dabei allerdings keine Einzelheiten bekannt. Die sickern jedoch nach und nach durch. Frederik Schindler sortiert den jetzigen Informationsstand und berichtet, wie Arbeitnehmerverbände, Journalistenverband und Politik auf das Ganze reagieren.
Weiterer Lesehinweis: Zeitungsforscher über DuMont: „Es wurden viele Fehler gemacht“ (taz.de, Finn Holitzka).
Beachtenswert auch Ulrike Simons Zusammenstellung von bemerkenswerten Zitaten des DuMont-CEOs Christoph Bauer. Simon kommentiert nüchtern: „Das eine ist, was einer sagt; das andere, was einer tut. Öffentlich vermittelte der CEO den Eindruck, DuMont bliebe ein publizistisch getriebenes Haus, das wirtschaftlich wieder auf dem Vormarsch sei. Das war wohl ein Missverständnis“ (horizont.net).

4. Mehr Einordnung wagen: Warum Lokaljournalismus im Fußball weiter wichtig ist
(120minuten.net, Oliver Leiste)
Der unabhängige Fußballjournalismus hat es nicht leicht. Immer mehr Vereine treten selbst als Medienunternehmen auf und füttern ihre Internetseiten und Social-Media-Kanäle mit Spielberichten, Interviews, und vermeintlichen „Blicken hinter die Kulissen“. Doch der Medienwandel bietet auch neue Recherchemöglichkeiten. Und er kann neutral bewerten und einordnen, so Oliver Leiste in seinem Plädoyer für den Lokaljournalismus: „Kritische Beobachtung, hintergründige Berichterstattung und die Einordnung von Sachverhalten — all das können lokale Fußballreporter*innen besser als jeder andere leisten, wenn sie dafür Raum bekommen und sich nicht vornehmlich um das Verkünden von Terminen und Ergebnissen konzentrieren müssen.“

5. UN-Berichterstatterin warnt vor umstrittenem EU-Gesetz gegen Terrorpropaganda
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In einem Gesetzesentwurf der Europäischen Union ist die Rede davon, dass Internet-Plattformen angebliche Terror-Propaganda in dringenden Fällen binnen einer Stunde löschen müssen. Dieser Vorschlag der EU-Kommission wird stark von einer führenden Menschenrechtlerin der Vereinten Nationen kritisiert. Er schaffe eine allzu breite Definition von Terrorismus, was viele legale Inhalte aus dem Netz fegen könnte.

6. „Computer-Bild“-Urteil: Böhmermann zieht vor den BGH
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die „Computer Bild“ hat einen werblichen Beitrag für einen DVB-T2-Receiver mit einem Foto von Jan Böhmermann bebildert. Dieser sah sich damit unfreiwillig zur Werbefigur gemacht und ging dagegen juristisch vor. Das Oberlandesgericht Köln gab nun, etwas überraschend, dem Axel-Springer-Verlag Recht. Der Artikel habe zwar einen werblichen Charakter, da aber im Text auch Tipps gegeben wurden, habe er auch der Befriedigung des Informationsbedürfnisses der Leser gedient. Böhmermann hat gegenüber „DWDL“ den Gang vor den Bundesgerichtshof angekündigt. Falls dies auch erfolglos bleibe, müsse die Politik handeln: „Das Europaparlament und die Bundesregierung müssen jetzt handeln und alle Verlage zur Einführung von Uploadfiltern für Zeitungen und Zeitschriften zwingen.“
Weiterer Lesehinweis: Offizielle Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln: „Endlich scharf: Computer Bild durfte Beitrag über DVB-T2 HD Receiver mit Jan Böhmermann bebildern“ (PDF).

Teilsieg über „Bild“, Geleakter Artikel 13, Prinz und Pöbler

1. Asylsuchender gewinnt – teilweise
(taz.de, Markus Kowalski)
Das Hamburger Landgericht hat entschieden: „Bild“ darf Teile eines Artikels über den Asylsuchenden Alassa M. nicht weiter verbreiten. Das gehe aus einer einstweiligen Verfügung gegen den Springer-Verlag von Ende Januar hervor, die der „taz“ vorliege (zum Hintergrund: Ein unfassbarer Fall). In allen anderen Punkten wies das Gericht jedoch den Antrag des Asylsuchenden ab. „taz“-Autor Markus Kowalski erklärt die Entscheidung des Gerichts und die Beweggründe, warum sich Alassa M.s Anwalt damit nicht abfinden will.

2. Zensur und Selbstzensur
(faktenfinder.tagesschau.de, Sebastian Schreiber)
Für US-Forscher hat sich unter Donald Trump vieles verändert. Eine Forschergruppe hat 80 Angriffe auf wissenschaftliche Prozesse in Regierungsorganisationen dokumentiert, darunter die Umweltbehörde EPA und die Wetterbehörde NOAA. Forscher seien von der politischen Entscheidungsfindung ausgeschlossen, wissenschaftliche Texte zensiert und Studien eingeschränkt worden. Nun ruht alle Hoffnung auf einem neuen Berater im Weißen Haus.

3. Steigende Kosten bei der Zeitungszustellung
(deutschlandfunk.de, Vera Linß, Audio: 5:29 Minuten)
Zeitungsverlage haben es in Deutschland nicht leicht: Sinkende Werbeerlöse sorgen für sinkende Auflagen. Und nun will die Deutsche Post auch noch die Zustellkosten erhöhen. Gleichzeitig steigen die eigenen Vertriebskosten durch die verordnete schrittweise Einführung des Mindestlohns. Entsprechend groß ist das Wehgeschrei von Verlagen und Zeitungsverlegerverband.

4. Gericht sieht keine Belege für Diskriminierung von ZDF-Reporterin
(uebermedien.de, Juliane Wiedemeier)
Die ZDF-Reporterin Birte Meier hat vor Gericht eine bittere Niederlage hinnehmen müssen. Das Berliner Landesarbeitsgericht, an das sich Meier wegen angeblicher Frauendiskrimierung gewandt hatte, wies ihre Klage ab. Ein Kausalzusammenhang zwischen Gehalt und Geschlecht sei nicht belegt worden, so die Richterin. Wer sich für die Hintergründe interessiert: Im „Übermedien“-Beitrag gibt es Links zur Vorgeschichte.

5. Artikel 13 ist wieder auf der Zielgeraden – und er ist schlimmer als je zuvor
(juliareda.eu)
Kurzfristig standen die Verhandlungen um die neue EU-Urheberrechtsreform und insbesondere den umstrittenen Artikel 13 („Uploadfilter“) still, doch jetzt sieht es so aus, als könnte alles viel schlimmer kommen als befürchtet. Ein geleakter deutsch-französischer Deal sehe vor, dass Artikel 13 für alle profitorientierten Plattformen gilt. Damit müssten unzählige völlig harmlose Apps und Websites Uploadfilter installieren, selbst wenn die Plattform bisher überhaupt kein Problem mit Urheberrechtsverletzungen gehabt habe. EU-Urheberrechts-Expertin Julia Reda: „Der deutsch-französische Kompromiss zu Artikel 13 verlangt, dass fast alle unsere Posts oder geteilten Inhalte online von einer „Zensurmaschine“ — Algorithmen, die grundsätzlich nicht dazu in der Lage sind, zwischen Urheberrechtsverstößen und legaler Nutzung für Parodie oder Kritikzwecke zu unterscheiden — vorab Existenzerlaubnis erhalten. Es würde diesen Rechteinhabern erlauben, jede profitorientierte Website oder App mit Uploadfunktion zu drangsalieren.“

6. Der Prinz und der Pöbler
(spiegel.de, Isabell Hülsen & Marc Pitzke)
Der 38-jährige „New York Times“-Verleger Arthur Gregg Sulzberger schwimmt auf einer Erfolgswelle: Die Zahl der Abos habe sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, und die Redaktion sei mit 1500 Journalisten so groß wie nie zuvor. Das liege an vielen klugen und glücklichen unternehmerischen Entscheidungen, aber auch an der Auseinandersetzung mit Donald Trump.

Fantastischer Penis, „Pastewka“-Verbot, Julians Schrumpf-„Bild“

1. „Es muss so fantastisch sein, einen Penis zu haben“
(zeit.de, Sigrid Neudecker)
Die Autorin Simone Buchholz hat, wie auch ihre Kollegen Matthias Wittekindt und Max Annas, den Deutschen Krimipreis gewonnen. Ihre Freude über die Auszeichnung wird von Störgefühlen begleitet: „Ich verehre die beiden Kollegen (…), wir haben alle zusammen gewonnen, aber wenn mein Buch „lichte Unterhaltung“ ist, und die Bücher der Männer „existenzialistische Literatur“ oder „politisch radikal“ sind, dann denke ich schon: Oh Mann, es muss so fantastisch sein, einen Penis zu haben!“

2. taz ist zu unbequem
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Es könnte dem Lehrbuch für Trumpsche Rhetorik entspringen: Die AfD beklagt sich gerne darüber, in den Medien zu wenig Beachtung zu finden. Interessiert sich dann jemand für sie, verweigert sie sich. So jüngst geschehen, als die „taz“ von einer Pressekonferenz der AfD in Bremen als einziges Medium ausgeschlossen wurde.

3. „Pastewka“-Verbot
(sueddeutsche.de)
Anscheinend haben es die Macher der neuen „Pastewka“-Staffel mit der Schleichwerbung etwas übertrieben: Auf Anordnung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien darf die vierte Folge der achten Staffel („Das Lied von Hals und Nase“) nicht mehr gezeigt werden.

4. Böse Trump-Fans, guter Ureinwohner? Die zu einfache Geschichte einer Konfrontation
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In den vergangenen Tagen ging ein Videoausschnitt viral, der die Konfrontation eines jugendlichen Trump-Fans mit einem amerikanischen Ureinwohner zeigt. In den klassischen und sozialen Medien war man sich bei der Be- und Verurteilung des Geschehens weitgehend einig. Der Fall ist jedoch bei näherer Betrachtung keineswegs eindeutig. Stefan Niggemeier hat sich der Sache angenommen und kommt zum Schluss: „Die Welt ist komplizierter, als sie scheint. Das ist eine Tatsache, an die man nicht nur Trump-Anhänger immer wieder erinnern muss. Und die Heftigkeit der Angriffe als Reaktion sagt dann vielleicht doch etwas darüber aus, wie sehr etwas an der politischen Kultur in den USA kaputt ist.“

5. Alle schrumpfen, aber Bild schrumpft am schnellsten
(de.statista.com, Mathias Brandt)
Die überregionalen Tageszeitungen schrumpfen weiter, doch ein Medium hat es besonders schlimm erwischt: „Bild“. Die Boulevardzeitung (inkl. „B.Z.“ und „Fussballbild“) habe einen Rückgang von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal hinnehmen müssen.

6. Robotius
(twitter.com/ROB0TIUS)
„Eine Meldung und ihre Geschichte: Ein englischer Pizzabäcker bekommt Ärger wegen seiner bösen „Nazi-Kühe“.“ Derartige Titelgeschichten und Themenvorschläge spuckt der „ROB0TIUS“ regelmäßig auf Twitter aus, der ein Verwandter des „Spiegel“-Dichterfürsten Claas Relotius sein könnte.

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