In “Bild” werden “häufig persönlichkeitsrechtsverletzende Beiträge veröffentlicht”, Kai Diekmann sucht “bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer” — das haben die Zeitung und ihr Chefredakteur vor neun Jahren vom Landgericht Berlin schriftlich bekommen.
Für “Bild” ist es eine Zumutung, wenn der Deutsche Presserat darauf beharrt, dass die Zeitung Gerichtsfotos von Angeklagten nur anonymisiert drucken solle. Es ist für “Bild” ja schon unerträglich, dass Verbrecher ihre Menschenrechtebehalten.
Aber da Tiere bei “Bild” ja bekanntlich mehr Respekt genießen als Menschen und die die Selbstironievortäuschungssucht von Kai Diekmann offenbar ansteckend ist, berichtetet die Zeitung heute so über einen “irren Prozess um Hahnen-Schrei”:
Der Radiosender WDR5 hat gestern ein Gespräch des WDR-Moderators Jürgen Wiebicke mit Kai Diekmann, dem Chefredakteur der “Bild”-Zeitung, zum Thema “Verantwortung” ausgestrahlt (das man hier – unter einer ganz passablen Zusammenfassung – komplett nachhören kann).
Nach gut 30 Minuten des fast einstündigen Gesprächs schließlich wird der Moderator konkret:
Diekmann antwortet darauf nach einigem Hin und Her:
Es geht darum, einer Tragödie, einer abstrakten Tragödie, ein individuelles Gesicht zu geben, um sie so erfahrbar zu machen und Empathie zu wecken. Ich war gerade eine Woche in Isreal und habe dort mit Kollegen zusammen ein Seminar in Yad Vashem gemacht, der Zentralen Holocaust-Gedenkstätte, die ein ganz neues Konzept zur Erinnerung an die Shoa erarbeitet haben. Wenn wir immer von sechs Millionen getöteten Juden sprechen, dann klingt das sehr abstrakt, dann ist das ‘ne Zahl, damit verbinde ich überhaupt nichts. Aber wenn Sie nur das Schicksal eines einzigen Kindes erklären, erzählen, mit Foto, und ihre Lebensgeschichte – wird auf einmal die Zahl, sechs Millionen, in ihrer ganzen furchtbaren Dimenson erfahrbar.
Und man mag nun lange darüber nachdenken, wie selbstgerechtunverfroren geistreich Diekmanns So-wie-die-Zentrale-Holocaust-Gedenkstätte-Fotos-von-Holocausopfern-zeigt,-druckt-auch-die-“Bild”-Zeitung-Fotos-von-Opfern-eines-Autounfalls-Analogie sein mag, aber…
… als sich der Moderator dann doch nicht mit Diekmanns Reiseerinnerungen zufriedengeben will und den “Bild”-Chef darauf hinweist, dass er und sein Blatt “von Hinterbliebenen in unzähligen Fällen geradezu dafür verflucht werden, dass Sie solche Bilder veröffentlichen”, da antwortet Diekmann:
Ich weiß nicht, dass wir in unzähligen Fällen dafür verflucht werden, dass wir solche Bilder veröffentlichen – sondern wir versuchen das natürlich immer in Übereinstimmung mit denjenigen zu tun. (…) Wenn sie es nicht wollen, dann tun wir das natürlich auch nicht. Und wenn ich wüsste, jemand will das nicht, dann würde ich es auch nicht tun. Das ist doch keine Frage.
Einen “Eid darauf ablegen” möchte Diekmann angesichts “einer Redaktion mit 850 Mitarbeitern” dann zwar lieber doch nicht. Allerdings:
Wenn ich aber wüsste, dass irgendjemand unter keinen Umständen die Veröffentlichung eines solchen Fotos wünscht, dann würde ich selbstverständlich diese Veröffentlichung auch nicht vornehmen.
Das klingt deutlich.
Es sei denn, wir zitieren mal aus ein paar Entscheidungen des Presserats:
BILD (Stuttgart) erhielt eine öffentliche Rüge für einen Bericht über ein Lawinenunglück. Darin hatte die Zeitung die Fotos dreier Todesopfer abgedruckt. Zusätzlich hatte sie das Foto eines Überlebenden ohne dessen Einwilligung gedruckt und dabei das Gesicht nur unzureichend mit einem Balken unkenntlich gemacht. (…)
Eine öffentliche Rüge erhielt BILD. Die Zeitung hatte ein Foto des zehnjährigen Jungen veröffentlicht, der im April bei einem Terroranschlag in Ägypten getötet worden war. Dies geschah ohne Einwilligung der Eltern, so dass das Persönlichkeitsrecht des Jungen verletzt wurde. (…)
Ebenfalls wegen einer Bildveröffentlichung gerügt wurde BILD (Hannover). Die Zeitung hatte zu einem Artikel über die Pisa-Studie ein aus dem Jahr 2002 stammendes Foto einer Grundschulklasse veröffentlicht. Das Bild war damals zu einem anderen Zweck aufgenommen und jetzt ohne Rücksprache mit der Schule als Symbolfoto erneut publiziert worden. (…)
Öffentlich gerügt wurde die BILD-Zeitung aufgrund der Berichterstattung zum Absturz eines Flugzeuges im Himalaya, bei dem auch zwölf deutsche Touristen starben. Die Zeitung hatte auf der ersten Seite großformatig ein Foto der Unglücksstelle abgebildet, auf dem verkohlte Leichen zu sehen waren. Im Innenteil wurden zudem Fotos einiger Passagiere veröffentlicht. Dadurch wurde ein Teil der Opfer identifizierbar. Durch den assoziativen Zusammenhang zwischen den Abgelichteten im Innenteil und den anonymen Leichen auf der Vorderseite wurden die Gefühle der trauernden Angehörigen verletzt. (…)
BILD (Bremen) erhielt eine nicht-öffentliche Rüge wegen eines Verstoßes gegen die Ziffern 8, 2 und 1 des Pressekodex. Die Zeitung hatte berichtet, dass zwei Mädchen im Alter von eins und vier Jahren auf Veranlassung ihrer Mutter zur Beschneidung nach Afrika gebracht werden sollten, was aber durch den Vater und einen Polizeieinsatz habe verhindert werden können. Ausschlaggebend für die Rüge war ein beigestelltes Foto, das beide Kinder ungeblendet zeigte. Hierfür gab es nicht die Einwilligung beider Eltern. (…)
Eine nicht-öffentliche Rüge sprach der Ausschuss gegen BILD aus. Die Boulevardzeitung hatte in der Regionalausgabe Berlin/Brandenburg das Foto eines jungen Mädchens veröffentlicht, das vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Das Foto erschien zu einem Beitrag über den damaligen Freund des Mädchens, der Anfang dieses Jahres ebenfalls bei einem tragischen Unglück zu Tode kam. Der Ausschuss erkannte in der Veröffentlichung des Bildes, das ohne Einverständnis der Hinterbliebenen erfolgte, einen schweren Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte (…).
(Die Auflistung ist alles andere als vollständig – zumal sie nur Entscheidungen des Presserats berücksichtigt.)
8.52 Uhr: Viele Journalisten und Fotografen warten darauf, dass die angeklagten Geschwister in den Gerichtssaal geführt werden. Vor dem Beginn der Verhandlung darf für einige Minuten fotografiert werden. Einzige Bedingung, die Gesichter der Angeklagten müssen vor Veröffentlichung in den Medien unkenntlich gemacht werden.
Und so (also ohne die gelben Kleckse, die sind von uns) berichtet die “Bild”-Zeitung heute über den Prozess:
P.S.: Außer “Bild” (und Bild.denatürlich) ist uns kein anderes Medium untergekommen*, das sich nicht an die Bedingung des Gerichts gehalten hätte.
Mit Dank an Martin V.!
*) Nachtrag, 16.18 Uhr(mit Dank an Tim): Während das ZDF am Mittwoch in der “drehscheibe deutschland” die Angeklagten noch unkenntlich gemacht hatte, verzichtete der Sender darauf in späteren Sendungen ebenfalls.
Der heutige 30. April ist ein besonderer Tag für New York City: Das “One World Trade Center”, das die beiden Zwillingstürme ersetzt, die am 11. September 2001 zerstört wurden, soll die Marke von 381 Metern erreichen — und damit das Empire State Building als höchstes Gebäude der Stadt ablösen.
Doch der “Freedom-Tower” auf der größen [sic!] Baustelle Manhattans hat noch viel mehr vor: In den nächsten Jahren soll er das höchste Gebäude der USA werden, dann sogar das höchste der Welt.
Äääääääh … nein!
Das Gebäude soll, in Anspielung an das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, 1776 Fuß hoch werden, das entspricht 541,32 Metern. Der Burj Khalifa in Dubai ist mit 828 Metern dann doch noch mal um 1,8 Kölner Dome höher. Daran ändern auch die unterschiedlichen Zählweisen von Gebäudehöhen wenig.
Die Wikipedia hält allerdings zwei Alternativformulierungen für Bild.de bereit:
Das 541,3 Meter hohe Gebäude wird bei seiner Fertigstellung das höchste Gebäude in New York und den Vereinigten Staaten sein, sowie eines der höchsten der Welt. […]
Das One World Trade Center wird den Taipei 101 in Taipeh (508 Meter; offiziell bis 2010 das höchste Gebäude der Erde) nach seiner Vollendung als höchstes nur für Bürozwecke genutztes Gebäude der Welt übertreffen.
Mit Dank an Anonym.
Nachtrag, 16.15 Uhr: Bild.de hat den Satz auf “In den nächsten Jahren soll er das höchste Gebäude der USA werden” zusammengekürzt.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “Fehlerlos genug? Journalisten profitieren von Selbstkritik” (evangelisch.de, Miriam Bunjes)
Medienwissenschaftler Colin Porlezza im Interview zum Umgang mit Fehlern in den Redaktionen: “Es nützt der Glaubwürdigkeit von Journalisten, wenn sie Fehler zugeben und korrigieren. Das sagen die von den Fehlern betroffenen Quellen und das haben jetzt auch die befragten Journalisten mehrheitlich gesagt. Werden die Fehler nicht korrigiert, schadet es den Journalisten hingegen enorm. Die Informationsquelle wird sich gut überlegen, ob sie dem betreffenden Journalisten und vielleicht auch dem gesamten Medium noch einmal Informationen gibt.”
2. “Unvollständiges Bild: Berichterstattung aus Syrien” (ndr.de, Video, 7:09 Minuten)
Der freie Kameramann Marcel Mettelsiefen setzt sich dafür ein, im Syrien-Konflikt auch die nicht so spektakuläre Seite der Assad-Anhänger abzubilden: “Es herrscht ein Ungleichgewicht in der Berichterstattung.” Ab 4:20 Minuten: Ein Mann aus Syrien taucht auf YouTube-Videos, die innerhalb weniger Tage veröffentlicht wurden, in verschiedenen Rollen auf: als Journalist, als Rebell, als Opfer.
3. “Schnurstracks ins Lokale” (drehscheibe.org, Stefan Wirner)
Carlo Imboden beobachtet das Verhalten von Zeitungslesern: “Die Verlage müssen sich noch bewusster darüber werden, dass das Lokale immer entscheidender wird für die Kaufbereitschaft der Leser. Wenn ich die Mantel-Informationen online besser und gratis bekommen kann – vom Wall Street Journal bis zur FAZ – aber keine guten Inhalte im Lokalen bekomme, dann ist niemand mehr bereit, etwas dafür zu bezahlen.”
5. “Die neuen Presseplayer” (neunetz.com, Marcel Weiß)
Marcel Weiß schreibt zum von Presseverlegern angestrebten Leistungsschutzrecht: “Die Vertreter der Presseverlage sagen das nicht, aber ein Presseleistungsschutzrecht könnte auch die Wikipedia gefährden. Man fängt bei neuen weitreichenden Gesetzen natürlich bei den vermeintlichen bösen und übergroßen Unternehmen an, die man zähmen / zu ‘Fairness’ zwingen will (hier: Google), langfristig geht es aber natürlich darum, Kontrolle am Markt auszuüben, und damit sind dann alle Akteure gemeint, egal ob sie überhaupt am Markt agieren oder außerhalb stattfinden.”
Ich weiß, was Sie jetzt denken: “Seit wann ist der sympathische Herr Radcliffe denn so gewalttätig, tätowiert und dick bzw. kahlköpfig?”
Sie müssen aber auch bedenken, dass diese Schlagzeile bei Bild.de erschienen ist — und damit naheliegenderweise etwas ganz anderes ausdrücken soll.
Wenn Sie jetzt aber denken: “Ach, Herr Radcliffe spielt einen gewalttätigen, tätowierten und dicken bzw. kahlköpfigen Mann?” — dann liegen Sie immer noch falsch.
“Harry Potter”-Star Daniel Radcliffe (22) wurde am Set seines neuen Films “Kill your Darlings” Zeuge eines brutalen Schauspiels: eine Prügelei, die nicht im Drehbuch stand!
Radcliffe hatte gerade Feierabend, als vor seinem Wohnwagen im New Yorker Stadtteil Brooklyn ein Streit eskalierte: Zwei Kerle kloppten sich mit Händen und Füßen, landeten auf dem Boden und wollten einfach nicht voneinander lassen. Einer der Männer blutete im Gesicht.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “API – das bald wichtigste Werkzeug des Journalisten” (blog.zeit.de, Kai Biermann)
Kai Biermann regt Journalisten dazu an, vermehrt Schnittstellen auszulesen und zu verarbeiten: “Noch sind viele Verlage leider sehr mit der Idee beschäftigt, ihre Inhalte so gut wie möglich gegen eine Nutzung durch andere abzuschotten. Es wäre nicht schlecht, wenn sich das bald änderte. Immerhin sind auch Zeitungsarchive riesige Datenschätze, aus denen sich neue Erkenntnisse gewinnen lassen.”
2. “dapd sagt: Schadenersatzforderung gegenstandslos” (jensweinreich.de)
Die Nachrichtenagentur dapd zieht die am 9. März durch eine Anwaltskanzlei verschickte Schadenersatzforderung wegen einer Urheberrechtsverletzung an Jens Weinreich zurück. “Ein Problem besteht darin, dass nicht nur die dapd, sondern viele andere Medienunternehmen mit Kanonen auf Spatzen schießen. Sie schicken Heerscharen von Abmahn- und Inkasso-Anwälten in die Spur. Irgendwas bleibt dann schon hängen, weil manche Betroffene, selbst wenn sie sich nichts zu Schulden kommen ließen, vielleicht nicht die Laune, nicht den Mut oder was auch immer nicht hatten, um sich zur Wehr zu setzen.”
3. “Marvin Oppong und PR in der Wikipedia” (blog.oldmedia.de)
Der “Spiegel Online”-Artikel “Das geschönte Bild vom Daimler-Konzern” berichtet über die Tatsache, “dass jemand einen kritischen Abschnitt im Wikipedia-Artikel des Autobauers gelöscht hat. Die (anonyme) Bearbeitung wurde schnell rückgängig gemacht, sie hatte gerade mal eine Minute Bestand. So etwas ist nichts Ungewöhnliches und passiert tagtäglich in der Wikipedia. In diesem Fall konnte die IP des Bearbeiters aber zur Daimler AG zurückverfolgt werden.” Siehe dazu auch “Der pöse Daimler” (dieganzewahrheit.org, Thomas Weiss).
4. “In Syrien riskieren Berichterstatter ihr Leben” (drs.ch, Fredy Gsteiger)
Verschiedene Hintergründe zu journalistischen Aktivitäten in Syrien: “Zwar lädt das Regime in Damaskus ihm wohlgesonnene Leute ein, aus Deutschland etwa Peter Scholl-Latour oder Jürgen Todenhöfer. Mit ihnen trinkt Syriens Präsident Bashar al-Assad Tee und erkauft sich so ihm zusagende Berichte. Unabhängige Berichterstatter jedoch will der Diktator fernhalten oder loswerden.”
5. “Handelsblatt-Leser schlecht beraten” (heise.de/tp, Peter Mühlbauer)
Peter Mühlbauer erinnert an die “Handelsblatt”-Aktion “Wir kaufen griechische Staatsanleihen!” von 2010 (“Es geht um ein Zeichen der Mitverantwortung, auch unter Inkaufnahme eines nicht bestreitbaren finanziellen Risikos. Am Freitag habe ich daher für 5.000 Euro griechische Staatsanleihen geordert. Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt.”
6. “…dann schreibe ich halt ein paar Zeilen” (blog.bernerzeitung.ch, Johannes Hofstetter)
Ein Interview mit Walter Krebs, der der “Berner Zeitung” in zwölf Monaten 60 Leserbriefe geschrieben hat.
Mit “Stylebook” (“Powered by Bild.de”) versucht die Axel Springer AG, am Erfolg von Fashionblogs und Modewebsites teilzuhaben. Die Verlinkungen auf der Startseite von Bild.de dürften ordentlich Klicks bringen, zum Beispiel bei dieser Geschichte:
Iris, die elfjährige Tochter von Schauspieler Jude Law (39) und Sadie Frost (46), sorgte jetzt auf der Londoner Fashion Week für Entsetzen. Grund: Zu einer Show trug sie ein Kleid mit makaberen Sprüchen: “fall tot um”, “trink Gift”, “iss Schei***”. Mama Frost will von nichts gewusst haben, obwohl sie daneben saß.
Den Eltern des Kindes war das offenbar sehr unangenehm:
Iris’ Mutter, Schauspielerin Sadie Frost, schien nicht bemerkt zu haben, was für ein Kleid ihre Tochter anhatte. Sie twitterte:
“Ich scheine Leute aufgeregt zu haben. Ich bin selbst schockiert über das Kleid, das Iris trug. Es war ein Geschenk.”
Und:
Auch Iris’ Vater, Schauspieler Jude Law (39), reagierte. Laut “Daily Mail” soll er die Zeitung gebeten haben, in ihrer Berichterstattung Rücksicht zu nehmen. Er soll gebeten haben, Iris’ Gesicht auf den Fotos, auf denen sie das entsprechende Kleid trägt, zu pixeln. Die Zeitung kam der Aufforderung nach.
Tatsächlich hat die “Daily Mail” ihrer Berichterstattung folgenden Hinweis vorausgestellt:
HINWEIS: Es ist nicht die übliche Verfahrensweise von MailOnline, die Gesichter von Prominentenkindern zu anonymisieren, wenn diese in Begleitung ihrer Eltern öffentliche Veranstaltungen besuchen, wo sie erwarten müssen, fotografiert zu werden, wie etwa in der ersten Reihe bei einer Modenschau.
Trotzdem haben wir uns entschieden, Iris Laws Gesicht zu verpixeln, angesichts der für ein junges Mädchen peinlichen Art des Vorfalls, wir folgen damit einer höflichen Anfrage ihres Vaters, Jude Law.
Mit Dank an Simon, Daniel, Anticlimbpaint und Leo.
Nachtrag, 18.45 Uhr: “Stylebook” hat die Fotos verpixelt und folgenden Hinweis in den Artikel eingefügt:
(Nachtrag der Redaktion, 16.30 Uhr: Sorry, lieber Jude Law, das ist uns zunächst durch die Lappen gegangen. Deiner Bitte kommen wir natürlich auch nach.)
Es sieht nicht so aus, als ob sie sich bei “Welt Online” überhaupt Gedanken darüber hätten, ob sie die Angeklagten, die da im Ausland vor Gericht standen, anonymisieren sollten: Das Aufmacherfoto zeigt den Hauptangeklagten “beim Verlassen des Gerichts” bzw. beim nicht wirklich geglückten Versuch, sein Gesicht vor den Kameras zu verbergen. Unter dem Foto steht sein Name, der im Artikel noch weitere Male auftaucht, ebenso wie sein ehemaliger Arbeitgeber, sein Alter und die Namen, Altersangaben und Berufe der Mitangeklagten.
“Welt Online” schrieb im vergangenen August nicht über ein brutales Kapitalverbrechen, wo das Medium die identifizierende Berichterstattung noch mit dem immensen “öffentlichen Interesse” an dem Fall hätte rechtfertigen können, sondern über einen vergleichsweise unspektakulären Fall von “white collar crime” — Wirtschaftskriminalität, über die kaum ein anderes deutschsprachiges Medium berichtet hat.
Ein Leser des Artikels beschwerte sich beim Deutschen Presserat über die identifizierende Berichterstattung. Die Chefredaktion von “Welt Online” erklärte in ihrer Stellungnahme, “dass die Berichterstattung nicht die Intim-, Geheim- und Privatsphäre berühre, sondern allein die Sphären des Wirtschafts- und Berufslebens”. Die Berichterstattung betreffe “ausschließlich die Sozialsphäre”, in der das Persönlichkeitsrecht hinter dem Berichterstattungsinteresse der Öffentlichkeit (außer in Ausnahmefällen) zurückstehen müsse.
Die “Maßnahmen” des Presserates:
Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:
einen Hinweis
eine Missbilligung
eine Rüge.
Eine “Missbilligung” ist schlimmer als ein “Hinweis”, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die “Rüge”. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.
Der Beschwerdeausschuss wollte sich dieser Meinung nicht anschließen: Zwar bestehe “ohne Zweifel” ein öffentliches Interesse daran, über die im Ausland erhobenen Vorwürfe gegen eine Frau und einen Mann aus Deutschland zu berichten. Im konkreten Fall finde die Berichterstattung jedoch ihre Grenzen in den Persönlichkeitsrechten der Angeklagten. Zur vollständigen und verständlichen Unterrichtung der Öffentlichkeit über die im Raum stehenden Vorwürfe seien die identifizierende Abbildung des Mannes und die Erwähnung beider Namen nicht notwendig gewesen. Mit Blick auf die Sozialsphäre und das persönliche Umfeld, welches die Angeklagten in Deutschland hätten, hätte “Welt Online” anonymisiert berichten müssen.
Insgesamt sah der Presserat den Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex durch “Welt Online” als so schwerwiegend an, dass er eine “Missbilligung” (s. Kasten) aussprach.
Und – zack! – ist auch schon der 24. Dezember da. Der Heilige Abend, der Beginn des Weihnachtsfestes und das Ende unseres BILDblog-Adventskalenders 2011.
Wir danken für die Aufmerksamkeit, die Mitarbeit und das Interesse und wünschen allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!
Wir sehen uns im Januar 2012.
Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise des Jahres 2011 an Achim S., Albrecht K., Alex A., Alexander B., Alexander H., altautonomer, Amelie, Amon T., Andi, Andi, Andre P., Andre S., André, Andreas G., Andreas K., Andreas L., Andreas N., Andreas R., Andreas Sch., Andreas T., Andreas, Anne, Anonym, Anonymous, Ares, Arne M., Arne P., Arno, Autoresponder, Axel Sch., B.W., Basti, Bastian B., Bastian K., Bastian, Bene, Benedikt, Benjamin M., Benjamin S., Benjamin T., Bernd A., Bernd H., Bernhard W., Bertolt, Birgit H., BJ, Bjoern S., Björn Sch., Björn, bono, Boris, Brainfucker, Bruder B., C., C.W., CaOs., Carapinha, Carsten B., Carsten H., Carsten Z., Cat D., Christian G., Christian H., Christian M., Christian N., Christian P., Christian S., Christian, Christiane P., Christina H., Christof K., Christoph A., Christoph E., Christoph G., Christoph S., Christoph T., Christoph W., Christoph, Clemens B., Clemens W., Conny S., Cornelius, D.N., Dan, Dani E., Daniel B., Daniel F., Daniel G., Daniel H., Daniel K., Daniel M., Daniel W., Daniel, Daniela B., David D., David H., David K., David P., David R., David, Dennis H., Dennis R., Dennis S., Dennis, DerPhi, Diana B., Diekmann, Dieter, Dimitrios P., Dirk T., Dirk, DJ, Dominik B., Dominik B., Dominik H., Dr. Nötigenfalls, E.K., egal, Elias P., Erik G., Erkan A., Eva, Fabian R., Fal H., Falke,Flo M., Flo, Florian B., Florian S., Frank H., Frank M., Frank Sch., Frank, Franky H., Frederik Sch., FreSch, Gabriel W., Gert M., Giovanni, H.K., H.N., Hainz M.,Hannes, Hanno B., Hans E., Hans K., Hans P., Hauke H., Heinz M., Helga B., Hendrik G., Hendrik, Henman, Henning, Henry W., Holger K., Horst B., Horst M., Horst W., I.M., Icke, Ilonka L., Irgendwer555, Ivo B., Jaanus, Jakob B., Jakob V., Jakob, Jan C., Jan D., Jan G., Jan H., Jan S., Jan T., Jan-Christoph K., Jan, Jan, Janek W., Janine K., Jens D., Jens G., Jens L., Jens Sch., Jens W., Jens, JJZ, Jo A., Joachim K., Joachim L., Jochen H., Joe, Johannes G., Johannes K., Johannes, John Doe, Jojo, Jonas I., Jonas, Jonathan O.,Jörg A., Jörg E., Jörg S., Josef N., Josef Sch., josspam, Juli, Julia M., Julian H., ,Jürgen H., Jürgen L., Jürgen N., Juri S., Kai H., Kai, Karl H., Karsten, Katharina, Kathrin G., Katrin Sch., Kevin R., KiB, Kieler, Kiki W., Klaus M., Klaus Sch., Konstantin K., Krischn, Kritiker123, Lars B., Lars H., Lars L., Lecra, Leo, Leo, Lieven R., Lina, Lothar Sch., Lothar Z., Lothar, Low87, Lukas K., Lukas M., Lukas, Lutz K., M. Sch., M.K., Machete04, Magnus G., Maik H., Marc, Marcel G., Marco G., Marco L., Marco S., Marco, Marcus M., Marcus W., Mareike H., Maria M., Mark K., Markus K., Markus L., Markus M., Markus S., Markus Sch., Markus T., Martin D., Martin E., Martin G., Martin H., Martin L., Martin R., Martin S., Martin Sch., Martin T., Martina Y., Matthias B., Matthias K., Matthias L., Matthias M., Matthias Sch., Matthias T., Matthias U., Matti, Maximilian K., Maximilian, MB, MCalavera, Michael B., Michael H., Michael H., Michael K., Michael L., Michael M., Michael R., Michael W., Michel V., Miguel T., miguel, Miguel, Mike W., Mithrandir, Moritz G., Moritz N., Moritz, Mr. X, Murry, Mutlu Y., Nico N., Nico S., Nicolas S., Nicole B., Nicole H., Niels, Niklas R., Nils K., Nils, noir, Nora T., Norbert E., Norbert P., Nordbergh, nothing, O. St., Oliver K., Patrick D., Patrick P., Patrick, Paul Z., Paulchen, Pekka R., Per K., Peter M., Peter S., Peter, Petra O., Petra S., Philip L., Philip Z., Philipp E., Philipp K., Philipp M., Philipp O., Philipp S., Philipp T., Philipp W., Ploegi, PM, Pottblogger, Ralf H., Ralf M., Raphael S., Rayko M., Rebecca, Reinhold, Rene W., Richard F., Richard S., Robert D., Robert L., Robert Sch., Robert W., Robin A., Roland W., Rolf M., Rolf, Roman S., Ronald F.,Ronald P., Rüdiger F., Sabine B., Sabrina T., Sanni, Sarah E., Sascha, Schreiberling, Sebastian A., Sebastian C., Sebastian K., Sebastian K., Sebastian L., Sebastian, Simon G., Simon G., Simon W., Simon, Simone, spot, spot, Stefan J., Stefan K., Stefan K., Stefan M., Stefan M., Stefan W., Stefan, Steffen F., Steffen K., Steffen M., Steffen S., Steffi, Stephan K., Stephan R., Stephan T., Stephan U., Stephanie H., stickytape, Sven G., Sven S., Svenja W., Takuro K., tharcel, Therese, Thomas A., Thomas B., Thomas D., Thomas F., Thomas G., Thomas H.,Thomas P., Thomas S., Thomas Sch., Thomas T., Thomas U., Thomas, Thorsten K., Till G., Tilman Sch., Tim G., Tim L., Tim W., Timo H., Timo Sch., Timo W., Timon S., Timon, Tino M., Tobias F., Tobias G., Tobias N., Tobias P., Tobias R., Tobias W., Tobias, Tom Z., Tom, Tomek, Torben I., Torben K., Torben S., Torsten B., Torsten B., Torsten R., Torsten S., Torsten, tuennes, Uwe R., V., Vincent M., Volker K., Webreporter, Widerspenst, Wolfgang, Yorrik B. — und alle anderen, auch die vielen, deren sachdienliche Hinweise wir nicht berücksichtigen konnten!