Suchergebnisse für ‘Presserat’

  

Presseratsrügen für “Bild” 2002

“Bild” fotografiert auf der Intensivstation
Verstoß gegen Ziffer 4 und 8 (B 232/01)

Ein Busfahrer erleidet hinter dem Steuer einen Schlaganfall. “Bild” veröffentlicht ein Foto des Fahrers auf der Intensivstation des Krankenhauses, nach Darstellung des Busfahrers ohne dessen Einwilligung. Zudem sucht ein Reporter des Blatts die Familie zuhause auf und fragt an der Tür den 14-jährigen Sohn aus, der mit der Situation offenbar überfordert ist. Als die Frau des Fahrers dazu kommt, erklärt sie dem Reporter, er solle die Familie in Ruhe lassen.

“Bild” entgegnet später, der Fahrer habe nichts gegen ein Foto einzuwenden gehabt, der Sohn sei nicht befragt worden und die Frau des Fahrers sei zu einem Gespräch bereit gewesen. Der Presserat stellt dennoch fest, dass es “unbedingt notwendig” gewesen wäre, auf den Abdruck des Fotos zu verzichten, damit der Fahrer nicht identifizierbar werde. Es habe kein öffentliches Interesse bestanden, das das Persönlichkeitsrecht des Busfahrers überlagert hätte. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” rückt Selbstmörderin groß ins Bild
Verstoß gegen Ziffer 8 und 11 (B 9-11/02)

“Bild” berichtet über die Selbsttötung einer Frau, die sich auf einem Friedhof mit Benzin übergossen und angezündet hat. “Bild” druckt ein Foto der verbrannten Leiche, auf dem Einzelheiten an Körper und Gesicht zu erkennen sind. Der Presserat erkennt eine “unangemessen sensationelle Darstellung”, mit der Persönlichkeitsrecht und Intimsphäre de Verstorbenen sowie ihrer Familie verletzt wurden.

“Bild” räumt ein, dass das Foto nicht hätte erscheinen dürfen und entschuldigt sich eigenen Angaben zufolge mit einem Schreiben der Rechtsabteilung bei den Hinterbliebenen. Der Presserat urteilt, dass der Abdruck des “schockierenden Leichenfotos” “jegliche Zurückhaltung vermissen” lasse und bemängelt, dass sich “Bild” nicht öffentlich entschuldigt hat. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” macht Opfer zum Täter
Verstoß gegen Ziffer 8 und 11 (B 14/02)

Ein Mann springt vor eine fahrende Straßenbahn. “Bild” druckt einen Bericht mit der Überschrift “Er hat gerade einen Menschen überfahren” und einen Pfeil auf das Foto des geschockten Fahrers, der von einem Feuerwehrmann zum Krankenwagen geführt wird. Seine Augenpartie ist mit einem Balken bedeckt.

Der Presserat kommt zu dem Schluss, dass durch die Aufmachung suggeriert werde, der betroffene Fahrer sei weniger Opfer des Vorgangs als selbst Täter. Trotz des Balkens sei er zudem für einen bestimmten Personenkreis erkennbar gewesen. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” macht Opfer zum “Opfer”
Verstoß gegen Ziffer 2 (B 35/02)

Unter der Überschrift “Freispruch! Das ‘Opfer’ hat die Misshandlungen nur erfunden” berichtet “Bild” über eine acht Jahre zurückliegende Gerichtsverhandlung gegen einen Mann, der eine Minderjährige sexuell missbraucht haben soll. Der Angeklagte war jedoch nicht freigesprochen, sondern zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Das erwähnt “Bild” im Text auch. Die Überschrift suggeriert jedoch das Gegenteil. Zudem druckt “Bild” ein Bild des Opfers samt Angaben wie Vorname, abgekürzter Nachname, Alter und Wohnort. Damit sei die junge Frau erkennbar geworden, was einen unzulässigen Eingriff in ihre Privatsphäre darstelle, urteilt der Presserat. (Nicht öffentliche Rüge)

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“Bild” fälscht Fotos
Verstoß gegen Richtlinie 2.2 (B 65/02)

“Bild” berichtet über die Umsiedlung von Bewohnern einer Wagenburg in Sozialwohnungen. Unter der Überschrift “Hier sollen sie hin” zeigt sie Fotos einer Wohnung, unter der Überschrift “Hier kommen sie her” ein Bild der Wagenburg mit vermummten Gestalten, unter dem steht: “Vermummte Alternative kämpften 1994 gegen die Räumung. Ergebnis: 22 verletzte Polizisten.”

Auf Nachfrage des Presserats gesteht “Bild” ein, dass die Vermummten in das Foto hineinmontiert wurden. Bei der abgebildeten Wohnung handelte es sich zudem nicht um eine der Wohnungen, in die die Wagenburgbewohner umgesiedelt werden sollten. Der Presserat rügt den Abdruck und die Montage, durch die beim Leser ein falscher Eindruck entstünde. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” beschafft Foto eines Opfers durch Lüge
Verstoß gegen Ziffer 8 und 4 (B 125/02)

Zu einem Bericht über einen Flugzeugabsturz im Spreewald druckt “Bild” das Foto des Opfers und nennt Namen, Alter und Arbeitsort. Die Ehefrau des Verstorbenen klagt, das Foto sei durch unlautere Methoden beschafft worden: Ein Unbekannter habe sich gegenüber eines Bekannten ihres Mannes als Schulfreund ausgegeben und um ein Foto für eine Collage anlässlich eines Schultreffens gebeten. Der Bekannte wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von dem Unfall und habe das Foto herausgegeben. “Bild” behauptet, der Redakteur habe sich seinen Gesprächspartnern korrekt als Journalist vorgestellt.

Der Presserat stellt einen Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen fest. Es habe kein öffentliches Interesse vorgelegen, das den Abdruck des Fotos gerechtfertigt habe. Auch die Beschaffung des Fotos habe gegen den Kodex verstoßen. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” setzt Leibwächterin mit Tier gleich
Verstoß gegen Ziffer 1 (B 137/02)

Eine farbige Leibwächterin des Popstars Kylie Minogue wird in “Bild” als fünfmal so groß, fünfmal so breit und fünfmal so schwer wie die von ihr Beschützte beschrieben und als “Tier” bezeichnet. Ein Foto zeigt die Frau mit einer Sprechblase, in der “Wuff” zu lesen ist. Die Rechtsabteilung der Zeitung gesteht auf Nachfrage ein, dass die Bezeichnungen unpassend gewesen seien. Der Presserat kritisiert einen Verstoß gegen die Menschenwürde, da die Leibwächterin mit einem Tier gleichgesetzt werde. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” macht Selbstmörder identifizierbar
Verstoß gegen Ziffer 8 (B 141/02)

Unter der Überschrift “Warum sprang der schöne Philosoph in den Tod?” spekuliert “Bild” über den Selbstmord eines Literaturwissenschaftlers, der aus dem Fenster seiner Wohnung im 5. Stock sprang. Die Zeitung nennt Vornamen und Initial des Nachnamens, die Adresse, Details aus seinem Leben und druckt ein Bild des Betroffenen. Der Vater des Verstorbenen beschwert sich beim Presserat.

“Bild” erklärt, wegen der hohen Zahl von Suiziden sei es von öffentlichem Interesse, die Gründe dafür zu erläutern. Dazu müsse man das soziale Umfeld eines Selsbtmörders aufzeigen. Der Presserat dagegen sieht einen Verstoß gegen Ziffer 8. Es gebe keinen Grund, in dieser identifizierenden Form über die Selbsttötung zu berichten. Der “Berliner Kurier” wird wegen ähnlicher Berichterstattung gerügt. (Nicht-öffentliche Rüge)

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“Bild” vorverurteilt Verdächtigen als “Killer”
Verstoß gegen Ziffer 13 (B 150/02)

Ein Mann soll ein 14-jähriges Mädchen zum Sex gezwungen und danach vom Balkon gestoßen haben. “Bild” bezeichnet den Verdächtigen unter der Überschrift “Der Vergewaltiger – sein Opfer” als “Killer”. Der Presserat kritisiert, die Berichterstattung erwecke beim Leser den Eindruck, als sei der Verdächtige bereits der Tat überführt und verurteilt. Dass die dazu gedruckten Fotos des Mannes, der später tatsächlich verurteilt wurde, sowie des Mädchens von den jeweiligen Angehörigen freigegeben worden, kann “Bild” nachweisen. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” spekuliert über Selbstmörder und macht ihn identifizierbar
Verstoß gegen Ziffer 8 und Richtlinie 8.5 (B 230/02)

“Bild” berichtet über den Selbstmord eines Ingenieurs, der aus dem Bürofenster seines Arbeitsplatzes gesprungen ist, nennt den Vornamen des Mannes, den Anfangsbuchstaben seines Nachnamens und erwähnt, dass die Frau des Mannes im selben Unternehmen tätig ist. Zudem druckt sie Spekulationen über den Grund des Selbstmords: Demnach habe sich die Frau des Ingenieurs im Frühjahr in einen jüngeren Mann verliebt.

Der Presserat kritisiert, dass die Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbsttötungen “grob vernachlässigt wurde”. Es sei “presseethisch nicht zu rechtfertigen”, Spekulationen über das Motiv der Tat zu publizieren. Zudem seien durch die im Text genannten Details sowohl der Mann als auch seine Frau identifizierbar. (Öffentliche Rüge)

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“Bild” macht geistig Behinderten zum “Schwein” und “Killer”
Verstoß gegen Ziffer 8 und Richtlinie 8.1 (B 249-250/02)

Ein geistig behinderter Mann gesteht, ein Mädchen getötet zu haben. “Bild” berichtet unter der Überschrift “Es war wieder so ein Schwein!” und bezeichnet den Betroffenen, dessen Foto “Bild” samt Vornamen und abgekürztem Nachnamen veröffentlicht, als “Killer”. Der Presserat ist der Ansicht, dass damit das Persönlichkeitsrecht des Mannes verletzt werde. Wegen der möglichen Schuldunfähigkeit sei eine solche Veröffentlichung nicht rechtens gewesen. (Öffentliche Rüge)

Weimer sagt Verleihung ab, Schwere Zeiten beim “nd”, Familienministerin

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Verleihung des Buchhandlungspreises ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt, da der Eklat um den Ausschluss dreier nominierter Buchläden die Veranstaltung zu überschatten drohe. Kai-Uwe Vogt kommentiert beim “Börsenblatt”, dem “Fachmagazin der Buchbranche”: “Damit entzieht sich Weimer einer höchst blamablen Situation: Kurz zuvor [haben] alle nominierten Buchhandlungen sich mit den von der Liste der Preisträger gestrichenen linken Buchläden solidarisch erklärt – in Leipzig war geplant, ein Zeichen zu setzen. Sieht so aus, als wolle Weimer sich diesem Gegendruck nicht aussetzen.” Die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises hatte sich vom Ausschluss der drei Buchhandlungen bereits distanziert. Auf Bluesky merkt der “6-vor-9”-Kurator an: “Das Muster ist immer gleich: Autoritär handeln, maximalen Schaden anrichten, halbherzig zurückrudern, verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach seinem Amtsantritt schrieb Weimer, er wolle ‘die Korridore des Sagbaren und Darstellbaren weiten’. Was er wirklich tut: Er verengt sie systematisch.”
Nachtrag: Wie aus einer Erklärung des Rechtsanwalts Jasper Prigge, der einen der Buchläden vertritt, hervorgeht, soll Weimers Behörde die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen aktiv belogen haben. In einer Absage habe sie fälschlicherweise behauptet, die unabhängige Fachjury hätte sie nicht ausgewählt. Es habe sich jedoch durch Informationen eines Whistleblowers herausgestellt, dass die Läden sehr wohl prämiert werden sollten, zwei von ihnen sogar mit einem höher dotierten Sonderpreis für “besonders herausragende Buchhandlungen”. Man prüfe nun zusätzlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

2. So schwach argumentiert die Familienministerin
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck analysiert die lückenhafte Argumentation von Familienministerin Karin Prien, die sich im Bundestag nachdrücklich für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren ausgesprochen habe. Priens Behauptung, es gebe einen klaren wissenschaftlichen Konsens über dramatische Hirnschäden durch Soziale Medien, sei irreführend. Bisherige Studien würden lediglich geringe Korrelationen aufzeigen, die eigentliche Kausalität bleibe weiterhin ungeklärt.

3. “Neues Deutschland” erneut gestärkt – Beschäftigte sichern Zahlungsfähigkeit
(dju-berlinbb.verdi.de)
Um die drohende Zahlungsunfähigkeit der linken Tageszeitung “nd” im zweiten Quartal 2026 abzuwenden, habe die rund 70-köpfige Belegschaft erneut massiven Gehalts- und Arbeitszeitverzichten zugestimmt. Seit die Partei Die Linke sich aus dem Betrieb zurückgezogen habe, wirtschafte die heutige Verlagsgenossenschaft faktisch ohne nennenswertes Eigenkapital am Limit. Für ein dauerhaftes Überleben sei das kriselnde Medium dringend auf neue Genossenschaftsmitglieder, Abonnentinnen und Abonnenten angewiesen.

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4. Fernsehen SRF stellt Zuschauer bloss
(infosperber.ch, Marco Diener)
Das Schweizer Fernsehen SRF stehe massiv in der Kritik, da es bei der zeitversetzten Übertragung eines Fußballspiels einen Zuschauer in einer sekundenlangen Nahaufnahme gezeigt und durch einen spöttischen Kommentar gezielt bloßgestellt habe. Der Sender rechtfertige sein Vorgehen damit, dass Stadionbesucher beim Ticketkauf über die AGB automatisch in derartige Aufnahmen einwilligen würden. Der konkrete Fall widerspreche laut “Infosperber” jedoch den publizistischen Leitlinien des Hauses sowie den Vorgaben des Schweizer Presserats und Datenschützern.

5. RBB Media: “Betrieb eines Hotels keine Kernaufgabe”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
RBB Media, der Werbevermarkter des öffentlich-rechtlichen RBB, trenne sich von einer Immobilie am Berliner Kaiserdamm, die bislang unter anderem als Hotel, Bürofläche und Bowlingbahn genutzt worden sei. Der Betrieb eines Hotels gehöre ohnehin nicht zu den Kernaufgaben der RBB-Werbetochter; das Gebäude aus den 1960er-Jahren weise zudem einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Mit diesem Schritt beende RBB Media das eigene Immobilienmanagement nun vollständig, um den wirtschaftlichen Vorgaben der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten zu entsprechen.

6. GEMA klagt gegen Suno
(urheber.info)
Vor dem Landgericht München gehe die GEMA derzeit als europaweit erste Klägerin in einem wegweisenden Urheberrechtsstreit gegen den KI-Musikgenerator Suno vor. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, geschützte Welthits für das Training seiner generativen Künstlichen Intelligenz unlizenziert genutzt, gespeichert und reproduziert zu haben. Das für den 12. Juni angekündigte Gerichtsurteil werde mit Spannung erwartet.

Rügen wie noch nie, Filmakademie warnt, KI liest Wetter und Verkehr

1. So viele Rügen wie noch nie
(taz.de)
Der Deutsche Presserat habe im Jahr 2025 mit über 100 öffentlich ausgesprochenen Rügen einen neuen Höchststand seit seiner Gründung verzeichnet. Ein Schwerpunkt der mehr als 2.000 eingegangenen Beschwerden habe auf der Nahost-Berichterstattung gelegen. Allein über 300 davon hätten sich gegen einen unbelegten “Bild”-Artikel über einen getöteten Al-Jazeera-Journalisten gerichtet. Die häufigsten Gründe für die ausgesprochenen Rügen seien Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht gewesen, dicht gefolgt von medialen Verstößen gegen den Persönlichkeitsschutz.

2. TikTok “in europäische Hände legen”? Keine gute Idee
(socialmediawatchblog.de, Simon Berlin & Martin Fehrensen)
Die Social-Media-Experten Simon Berlin und Martin Fehrensen kritisieren den Vorschlag von Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer, TikTok nach US-Vorbild in ein europäisches Medienkonsortium zu überführen, als realitätsfern und unausgegoren. In Europa seien weder der politische Wille und die nötigen Druckmittel gegenüber China vorhanden, noch existiere ein Käufer, der den mutmaßlich zweistelligen Milliardenbetrag für das Netzwerk aufbringen könnte. Anstatt auf illusorische Zwangsverkäufe zu setzen, sollten lieber bestehende Gesetze angewendet werden, um die beherrschenden Plattformen zu regulieren.

3. ARD-Radios: Bald liest eine KI Wetter- und Verkehrsnews
(digitalfernsehen.de, Manuel Weis)
Die ARD-Popwellen würden planen, ab dem 3. März in ihren gemeinsamen Abend- und Nachtprogrammen für die Wetter- und Verkehrsmeldungen eine KI-Stimme einzusetzen. Die redaktionelle Kontrolle bleibe dabei vollständig beim Menschen, da Redakteurinnen und Redakteure die Texte schreiben und prüfen würden, bevor eine KI sie vorliest. Die generierten Stimmen würden auf den echten Moderatoren basieren und aus Transparenzgründen klar gekennzeichnet.

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4. Die “Zeit” wird 80
(wolfgangmichal.de)
In seinem Beitrag zum 80. Geburtstag der “Zeit” analysiert Wolfgang Michal die Gründe für eine anhaltende Erfolglosigkeit der Wochenzeitung in Ostdeutschland. Aus seiner Sicht schreibt das “Leib- und Magenblatt der besserverdienenden Akademiker” an der Lebensrealität der ostdeutschen Bevölkerung vorbei. Zudem stoße die historisch gewachsene Regierungsnähe des Blattes in den ostdeutschen Bundesländern auf Skepsis und Ablehnung.

5. Schon entdeckt: RiffReporter
(verdi.de, Gunter Becker)
Die journalistische Genossenschaft “RiffReporter” feiere ihr zehnjähriges Bestehen und biete mittlerweile über 100 Mitgliedern eine Plattform für unabhängigen, hierarchiefreien Wissenschaftsjournalismus. Gunter Becker fasst in seinem Beitrag einige “Innenansichten” aus dem Selbstverwaltungsmodell zusammen. So plane die Genossenschaft, neben weiterem Wachstum und mehr Reichweite, auch die Gründung eines Fördervereins, um unter anderem ihr hauseigenes Redaktionssystem an andere Medienhäuser lizenzieren zu können.

6. Filmakademie warnt vor Einflussnahme auf Berlinale
(spiegel.de)
Die Deutsche Filmakademie (Stellungnahme) und die Europäische Filmakademie sowie Hunderte internationale Kulturschaffende (Offener Brief) hätten sich hinter die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle gestellt und eindringlich vor politischer Einflussnahme gewarnt. Anlass für den breiten Protest sei eine von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufene Krisensitzung, bei der Tuttle als Reaktion auf die jüngsten politischen Eklats während des Filmfestivals offenbar die vorzeitige Kündigung drohen könne.

7. Wenn die Wahrheit stimmt, aber die Bilder lügen
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einem Kommentar für radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die jüngsten Vorfälle bei ARD und ZDF, bei denen ein KI-generiertes Video im “heute journal” sowie irreführende Schnittbilder einer applaudierenden Angela Merkel im “Bericht aus Berlin” ausgestrahlt worden seien. Mit diesem Vorgehen liefere der öffentlich-rechtliche Rundfunk extremen Rechten und sogenannten Alternativmedien gefährliche Munition für ihr “Lügenpresse”-Narrativ.

Angriff auf Journalisten, Im permanenten Shitstorm, Straßenbahn

1. Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Am Rande eines Treffens des neurechten Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda seien Journalisten des Medienkollektivs “Recherche Nord” von Teilnehmern, darunter Vertreter der AfD-Jugend und der Identitären Bewegung, massiv bedrängt und körperlich angegriffen worden. Wie Videoaufnahmen belegen, seien die Reporter geschlagen, mit Wasser bespritzt und bestohlen worden. An den Einschüchterungsversuchen seien auch prominente Akteure wie Martin Sellner und Kubitschek selbst aktiv beteiligt gewesen. Betroffene werten das Geschehen als alarmierendes Zeichen und sagen, dass der Vorfall eine Vorahnung auf das sei, was die AfD bundesweit plane.

2. Im permanenten Shitstorm
(netzpolitik.org, Tomas Rudl & Markus Reuter)
Laut einer Datenanalyse von netzpolitik.org würden etablierte Medien wie “Tagesschau”, “Spiegel” und “Zeit” auf der Plattform X (vormals Twitter) trotz Millionen von Followerinnen und Followern kaum noch Reichweite erzielen. Stattdessen schlügen ihnen überwiegend Hass und rechte Hetze entgegen. Die Redaktionen würden ihren Verbleib damit rechtfertigen, auf X ein Gegengewicht zu Desinformation bilden zu wollen. In den Kommentarspalten würden jedoch feindselige Trolle und automatisierte Bots dominieren, während alternative Plattformen wie Bluesky inzwischen höhere Interaktionsraten ermöglichen könnten.

3. Berufsgeheimnis weiter schützen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Ein Medienbündnis, dem unter anderem der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) angehört, habe das Bundesjustizministerium aufgefordert, den Schutz journalistischer Berufsgeheimnisse auch im digitalen Raum uneingeschränkt zu wahren. Hintergrund sei ein Referentenentwurf zur IP-Adressspeicherung, der Ermittlungsbehörden einen erleichterten Zugriff auf Verkehrsdaten ermögliche und durch die etwaige Erstellung von Bewegungsprofilen den Quellenschutz gefährde. Dem Bündnis würden neben dem DJV der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, der Medienverband der Freien Presse, der Verband Privater Medien, der Deutsche Presserat, ARD, ZDF, Deutschlandradio, Reporter ohne Grenzen und die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi angehören.

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4. Der langsame Niedergang von ProSieben
(youtube.com, Jakob Schreiber, Video: 20:34 Minuten)
In diesem Video geht es um die “wilde Business-Story hinter dem einst größten TV-Konzern Deutschlands”. Der einst mächtige TV-Konzern ProSiebenSat.1 sei durch fehlgeschlagene Investitionen in Internetfirmen und ein vernachlässigtes Fernsehprogramm in eine tiefe finanzielle Krise gerutscht. Da die wichtigen Werbeeinnahmen sänken, und der eigene Streamingdienst Joyn im Vergleich zu Netflix hohe Verluste schreibe, hätten sich Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Als Folge des Absturzes habe die italienische Berlusconi-Familie (Media For Europe) den Sender im Herbst 2025 übernommen und die komplette Führungsebene ausgetauscht.

5. In Frankreich und Australien: Brauchen wir ein Social-Media-Verbot?
(mdr.de)
Frankreich und Australien hätten bereits gesetzliche Verbote für die Nutzung Sozialer Medien durch Jugendliche auf den Weg gebracht. Nun werde auch in Deutschland angesichts einer Empfehlung der Leopoldina über ähnliche Schritte diskutiert. Zwar seien psychische Risiken wie Essstörungen oder depressive Verstimmungen unbestritten, doch Expertinnen und Experten wie die Medienpsychologin Johanna Degen seien skeptisch. Pauschale Verbote würden lediglich Symptome bekämpfen und könnten leicht umgangen werden. Fachleute würden stattdessen eine deutlich frühere Förderung der Medienkompetenz fordern.

6. Schriftsteller Poschenrieder fährt Straßenbahn: “Ich habe die Schnauze voll”
(fr.de, Uli Kreikebaum)
Uli Kreikebaum berichtet über den renommierten Schriftsteller Christoph Poschenrieder, der nach 15 Jahren und acht Romanen seinen Beruf aufgegeben habe, um stattdessen als Straßenbahnfahrer in München zu arbeiten. Als Grund für diesen radikalen Schritt nennt der 61-Jährige die ständige finanzielle Unsicherheit im Literaturbetrieb. Obwohl Fans und Buchhändler den Verlust bedauern würden, habe Poschenrieder seinen Frieden mit der Entscheidung gemacht. Er ziehe nun den geregelten Dienst in der Tram dem Schreiben weiterer Bücher vor.

Richter-Rücktritt, Gemeinsamer KI-Kodex, Abzocke mit Stearinlicht

1. Ostdeutsche Allgemeine Zumutung
(campact.de, Matthias Meisner)
Der Verleger Holger Friedrich plane die Gründung der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Laut Matthias Meisner würden Kritiker dies als Versuch werten, ein pro-russisches und demokratieskeptisches Leitmedium zu etablieren. Besonders die Einstellung des Journalisten Florian Warweg, der zuvor für “Russia Today” und die “NachDenkSeiten” tätig gewesen sei, bestätige laut Meisner die Befürchtung, dass das Blatt als Plattform für Kreml-Propaganda dienen könne.

2. Rücktritt nach taz-Recherche
(taz.de, Nadine Conti)
Gert Armin Neuhäuser, Präsident des Verwaltungsgerichts Osnabrück, sei als Vorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Verwaltungsrichter und Verwaltungsrichterinnen zurückgetreten, nachdem er durch Recherchen der “taz” unter den Verdacht geraten sei, unter einem Pseudonym Hasskommentare gegen Frauen und queere Personen verfasst zu haben (BILDblog berichtete). Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg sowie die Staatsanwaltschaft Göttingen würden derzeit dienstrechtliche beziehungsweise strafrechtliche Konsequenzen prüfen. Das niedersächsische Justizministerium und die Universität Hannover, an der Neuhäuser als Honorarprofessor lehre, seien zwar entsetzt über die Inhalte, würden aber auf den noch fehlenden Beweis der Urheberschaft verweisen.

3. ARD, ZDF, Deutschlandradio und DW mit gemeinsamen KI-Kodex
(dwdl.de, Alexander Krei)
ARD, ZDF, Deutsche Welle und Deutschlandradio hätten sich auf gemeinsame Grundsätze für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz verständigt, um die Technologie im Einklang mit ihren Werten und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu nutzen. Kern der Vereinbarung sei der Grundsatz, dass die publizistische Verantwortung stets beim Menschen verbleibe und KI-generierte Inhalte transparent gekennzeichnet werden müssten, um das Vertrauen des Publikums zu sichern.
Weiterer Lesetipp: Zwischen Leitlinien und Redaktionstisch: Verantwortungsvoller KI-Einsatz im Journalismus: “Das EU-Projekt PROMPT hat sich damit beschäftigt, wie Journalismus, Fact-Checking und KI verantwortungsvoll zusammenspielen können – und daraus konkrete Best-Practice-Guidelines entwickelt.”

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4. Femizid: So machen Medien Johanna G. ein zweites Mal zum Opfer
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert die sensationslüsterne Berichterstattung über den Mord an Johanna G., bei der Boulevardmedien wie die “Kronen Zeitung” und “oe24” dem Opfer durch Schlagzeilen über angebliche “Tinder-Affären” und private Spekulationen eine Mitschuld zugeschrieben hätten. Zudem werde der mutmaßliche Täter, ein Polizist, durch die unkritische Übernahme seiner Verteidigungsstrategie (“Sex-Unfall”) sowie durch Bezeichnungen wie “Elite-Polizist” oder “Halbgott” als faszinierende Figur stilisiert und verharmlost.

5. Festnahme und Abschiebungsandrohung gegen den französischen Journalisten Raphaël Boukandoura alarmieren RSF
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich alarmiert über die Festnahme des französischen Journalisten Raphaël Boukandoura, der am 19. Januar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden sei. Dem langjährigen Türkei-Korrespondenten drohe nun die Abschiebung, nachdem er über eine von den Behörden nicht genehmigte Demonstration berichten wollte. RSF verurteilt das Vorgehen gegen den akkreditierten Journalisten als willkürlichen Angriff auf die Pressefreiheit und fordert, das Unrecht umgehend zu korrigieren.

6. Wie Forum-User 9Live das Handwerk legten
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 17:12 Minuten)
Philipp Walulis blickt zurück auf die fragwürdigen Methoden des einstigen Fernsehsenders 9Live, der Zuschauerinnen und Zuschauer mit kaum lösbaren Rätseln und Tricks wie dem “Hot Button” systematisch abgezockt habe, um hohe Umsätze zu generieren. Er zeigt anhand eines konkreten Skandals, wie Redakteure sogar betrogen haben sollen, indem sie eine erratene Lösung (“Stearinlicht”) während der Livesendung heimlich gegen eine andere ausgetauscht hätten, um den eigentlich fälligen Gewinn nicht auszahlen zu müssen.

7. AI Slop statt Erinnerung: Wie KI den Holocaust verzerrt
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: “Mehr als 40 Holocaust‑Gedenkstätten warnen vor einer Flut täuschend echter KI‑Bilder zur NS‑Zeit. Lorenz Meyer erklärt in seinem Kommentar, wie ‘AI‑Slop’ historische Fakten verzerrt, Erinnerungskultur beschädigt und warum Social‑Media‑Plattformen dringend handeln müssen.”

Journalistinnen des Jahres, Hate Watching, Hitler-Clickbait

1. NDR Autorinnen Isabell Beer und Isabel Ströh als “Journalistinnen des Jahres” ausgezeichnet
(ndr.de)
Isabell Beer und Isabel Ströh sind von der Fachzeitschrift “medium magazin” (und einer unabhängigen Fachjury) als “Journalistinnen des Jahres 2025” ausgezeichnet worden. Sie erhalten den Preis für ihre investigativen Recherchen beim “Funk”-Format “STRG_F”, in denen sie Netzwerke sexualisierter Gewalt im Internet aufdecken. Eine Auflistung aller weiteren Preisträgerinnen und Preisträger gibt es beim “medium magazin”. Transparenzhinweis: Dort ist auch der “6-vor-9”-Kurator aufgeführt (Platz 10 im Bereich Unterhaltung).

2. Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs: LobbyControl begrüßt Rüge des Presserats
(lobbycontrol.de)
Nach einer Beschwerde der Organisation “LobbyControl” habe der Deutsche Presserat die “Welt”-Redaktion wegen einer “gravierenden Irreführung der Leserschaft” in Bezug auf Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Welt.de habe unter Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht falsche Behauptungen über angebliche Geheimverträge mit der EU-Kommission sowie die Finanzierung der Organisationen verbreitet.

3. Hate Watching: Emotionen als geheime Erfolgsstrategie
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” beschreibt Simon Pycha das Phänomen des “Hate Watching”, bei dem Zuschauerinnen und Zuschauer unliebsame Inhalte konsumieren. Ziel dabei sei es, sich emotional abzureagieren oder gesellschaftlich mitreden zu können. Influencer würden diesen Mechanismus gezielt durch sogenannten “Rage Bait” nutzen, indem sie mit provokanten Inszenierungen absichtlich negative Kommentare und hohe Interaktionsraten provozieren.

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4. Filmschaffende fordern Bleiberecht
(verdi.de, Gisela Wehrl)
Der iranische Dokumentarfilmer Jafar Najafi habe in Deutschland Schutz gesucht, nachdem die Behörden in Teheran seine Wohnung durchsucht und brisantes Material über Proteste beschlagnahmt hätten. Trotz der drohenden Gefahr habe das Bundesamt für Migration Najafis Asylantrag abgelehnt. Unterstützer aus der Filmbranche würden nun gemeinsam mit seiner Anwältin ein Bleiberecht fordern.

5. Was unser Journalismus im Jahr 2025 verändert hat
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
netzpolitik.org-Redakteur Markus Reuter zieht eine positive Bilanz für das Jahr 2025 und zeigt auf, wie der Journalismus seiner Redaktion konkrete politische und gesellschaftliche Veränderungen bewirkt habe. Anhand zahlreicher Beispiele wird deutlich, dass investigative Recherchen oft eine Wirkung entfalten, die über reine Klickzahlen hinausgeht. Diese Aufklärungsarbeit sei essenziell, um Grundrechte zu verteidigen und Missstände zu beheben.

6. Hitler-Clickbait in österreichischen und deutschen Medien
(kobuk.at, Judith Kantner)
Judith Kantner kritisiert, dass sowohl Boulevard- als auch Qualitätsmedien spekulative Details über Adolf Hitlers Intimleben nutzen würden, um mit reißerischen Schlagzeilen Klicks zu generieren: “Meldungen über Hitlers Sexualleben oder die vermeintliche Größe seines Penis helfen nicht, die Geschichte eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte zu verstehen. Schon gar nicht, wenn die Faktenlage dazu äußerst dünn ist.”

Rügen für Nahost-Berichterstattung, Weniger Meinungsfreiheit, Jimmy Lai

1. Presserat erteilt Rügen für Nahost-Berichterstattung
(n-tv.de)
Der Deutsche Presserat hat mal wieder Rügen verteilt. Die Hälfte der insgesamt 14 öffentlichen Rügen geht an die Springer-Medien “Bild” und “Welt” (beziehungsweise an deren Onlineableger). Bild.de wurde beispielsweise für eine Schlagzeile über den getöteten “Al-Jazeera”-Korrespondenten Anas Al-Sharif gerügt, die diesen zum Terroristen erklärt und damit eine unbewiesene Behauptung der israelischen Armee als Tatsache dargestellt habe. Generell geht es bei einer Großzahl der Entscheidungen des Presserats um die Nahost-Berichterstattung deutscher Medien, zu der seit Oktober 2023 über 650 Beschwerden zu mehr als 200 Artikeln eingegangen seien.

2. Regierung kritisiert Vorgehen gegen Deutsche Welle in Russland
(zeit.de)
Russland habe die Deutsche Welle als “unerwünschte Organisation” eingestuft. Die Bundesregierung verurteile den Schritt scharf und werfe Moskau vor, unabhängige Berichterstattung über den Angriffskrieg in der Ukraine unterdrücken zu wollen. Der deutsche Auslandssender erreiche mit seinem russischsprachigen Angebot wöchentlich zehn Millionen Menschen. Die neue Einstufung verschärfe den Druck auf die Deutsche Welle, weil eine Zusammenarbeit mit ihr und sogar das Verbreiten ihrer Inhalte in Russland nun strafbar sein könne.

3. Presse- und Meinungsfreiheit laut Unesco weltweit stark verschlechtert
(rnd.de)
Laut der UN-Kulturorganisation UNESCO habe sich die Situation der weltweiten Presse- und Meinungsfreiheit zwischen 2012 und 2024 stark verschlechtert. Der “Freedom of Expression Index” sei in diesem Zeitraum um zehn Prozent gefallen, wobei sich die Situation besonders stark ab 2020 verschlechtert habe. Diese Entwicklung zeige sich vor allem in zunehmender Selbstzensur von Journalistinnen und Journalisten, dem missbräuchlichen Einsatz von Gesetzen gegen sie und digitaler staatlicher Überwachung. Als Lichtblicke nenne die UNESCO mehr internationalen Investigativjournalismus sowie mehr anerkannte Bürgermedien.

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4. Wegen “Hass und Groll” gegen China verurteilt
(tagesschau.de, Eva Lamby-Schmitt)
Der Medienunternehmer und Demokratieaktivist Jimmy Lai sei in Hongkong wegen Verstoßes gegen das umstrittene Staatssicherheitsgesetz schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß folge zu einem späteren Zeitpunkt, doch Lai müsse damit rechnen, den Rest seines Lebens im Gefängnis zu verbringen. Der Schuldspruch in allen Anklagepunkten gegen den 78-jährigen Gründer der inzwischen eingestellten prodemokratischen Zeitung “Apple Daily” werde international als politisch motiviert kritisiert.

5. Mit dem Rücken zur Wand
(taz.de, Dinah Riese)
Am Beispiel von Guy Peleg zeigt Dinah Riese, unter welchen Bedingungen Journalistinnen und Journalisten derzeit in Israel arbeiten müssen. Gegen Peleg, der unter anderem über den Korruptionsprozess gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und über Misshandlungen palästinensischer Gefangener berichtet habe, gebe es massive Bedrohungen. Eine Sprecherin der israelischen Journalistengewerkschaft erkenne einen “Masterplan der israelischen Regierung” zur Schwächung der freien Presse durch Gesetzesvorhaben, gezielte Kampagnen gegen kritische Medien und die Förderung regierungstreuer Redaktionen.

6. Offener Brief: Thüringer Intendanten protestieren gegen Sparpläne beim MDR
(thueringer-allgemeine.de, Michael Helbing)
Zahlreiche ostdeutsche Kultureinrichtungen, darunter Theater, Opernhäuser und Festivals aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, hätten in einem offenen Brief an den MDR scharfe Kritik an geplanten Programmkürzungen in der Kulturberichterstattung geübt, insbesondere an der möglichen Einstellung des Radiosenders MDR Klassik.

Nennen der Nationalität, Haltet euch raus!, Über eigene Fehler sprechen

1. Nennen der Nationalität: Presserat besorgt über bayerische Anweisung
(medien.epd.de)
Der Deutsche Presserat zeige sich besorgt über die neue Anweisung des bayerischen Innenministeriums, wonach die dortige Polizei seit dem 1. Oktober in Pressemitteilungen grundsätzlich die Nationalität von Tatverdächtigen und Opfern nennen soll. Der Presserat warne vor der Gefahr, dadurch Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen zu verstärken. Die Änderung markiere einen Bruch mit der bisherigen, am Pressekodex orientierten Praxis.

2. Haltet euch raus! Ein Plädoyer für die Rückkehr zur Staatsferne
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader warnt davor, dass politische Einflussnahme auf ARD und ZDF zunehmend als normal angesehen werde. Statt um sachliche Kritik gehe es dabei oft um vage Vorwürfe, persönliche Angriffe und die Verbindung von Programmfragen mit der Finanzierung. Schaders Fazit: “Es ist nicht so kompliziert. Sondern, im Gegenteil, supereinfach: Die Staatsferne ist das Fundament unabhängiger Berichterstattung. Wer sie wissentlich untergräbt, beschädigt die Demokratie. Nicht nur gefühlt, sondern: ganz konkret.”

3. Sprecht über eure Fehler!
(journalist.de, Felix Rohrbeck)
Felix Rohrbeck schreibt über die mangelnde Fehlerkultur im Journalismus und darüber, wie diese zum Vertrauensverlust in Medien beitrage. Er zeigt, dass nicht die Fehler selbst das Hauptproblem seien, sondern das Schweigen oder Abwiegeln danach, was bei vielen Menschen Misstrauen und Verschwörungserzählungen befeuere. Als positives Beispiel hebt Rohrbeck das Experiment der “Spiegel”-Redaktion hervor, die sich von Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen öffentlich analysieren und kritisieren ließ.

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4. “Die Filterblase ist oft ein Phantom”
(taz.de, Regina Roßbach)
Die Kommunikationswissenschaftlerin Merja Mahrt erklärt im Interview mit der “taz”, dass die oft diskutierten “Filterblasen” und “Echokammern” in der Realität weniger verbreitet seien als angenommen. Die meisten Menschen würden unterschiedliche Medien parallel nutzen, was extreme Abschottung selten mache. Medien sollten auf Vielfalt, Transparenz und lokale Berichterstattung setzen, um einer gesellschaftlichen Fragmentierung entgegenzuwirken.

5. Exxpress setzt nach Kirk-Attentat auf erfundene Skandale
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi beschreibt in ihrem Artikel bei “Kobuk”, wie das österreichische Rechtsaußenmedium “Exxpress” nach dem Attentat auf den US-Aktivisten Charlie Kirk gezielt Falschinformationen verbreitet habe, um politisch Stimmung zu machen. Die Seite konstruiere Skandale, unter anderem rund um angeblichen “Trans-Terror”, Gewaltaufrufe auf Bluesky oder einen vermeintlichen Skandal um Österreichs Justizministerin. Gutschi zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie der “Exxpress” systematisch Tatsachen verdreht, Einzelaussagen aufbauscht und Narrative der radikalen Rechten bedient.

6. Stephen King ist der meistverbannte Autor an US-Schulen
(spiegel.de)
Der Schriftsteller Stephen King sei laut dem Autorenverband PEN America der am häufigsten aus Schulbibliotheken verbannte Autor in den USA. Seine Werke seien im Schuljahr 2024/25 insgesamt 206 Mal aus Schulbibliotheken entfernt worden. Die Autorenvereinigung warne vor einer weiterhin alarmierenden Entwicklung. Dies betreffe besonders die republikanisch regierten Bundesstaaten wie Florida, Texas und Tennessee, wo der Großteil der Zensurfälle verzeichnet worden sei.

Gaza-Brief, Schweigen nach dem Beitrags-Knall, Gekaperte Medien

1. Gaza: Offener Brief an die Bundesregierung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen und 16 weitere Medienorganisationen fordern in einem offenen Brief (PDF) die Bundesregierung auf, sich für die teilweise oder vollständige Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens einzusetzen und internationalen Medien ungehinderten Zugang nach Gaza zu ermöglichen. Sie verlangen unter anderem eine humanitäre Versorgung für Medienschaffende und die Aufhebung der Blockade der Einreise ausländischer Journalistinnen und Journalisten.

2. Rügen für Vorverurteilungen und Diskriminierungen
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat insgesamt 21 Rügen ausgesprochen, vor allem wegen Vorverurteilung, identifizierender Berichte, Diskriminierung, Sensationslust und mangelnder Sorgfalt in der Berichterstattung. Unter den gerügten Medien tauchen erneut Titel aus dem Axel-Springer-Konzern auf (“BZ” und mehrfach Bild.de), daneben waren auch andere Häuser betroffen, beispielsweise die “FAZ”, die “Berliner Zeitung” und Focus.de.

3. ARD, ZDF und das große Schweigen nach dem Beitrags-Knall
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, werde das Bundesverfassungsgericht erst 2026 über die Beschwerden von ARD und ZDF zum Rundfunkbeitrag entscheiden. In der Folge müssten die Sender die Zeit bis zu einer richterlichen Entscheidung mit Sparprogrammen und Rücklagen überbrücken, doch ohne schnelle oder rückwirkende Erhöhung seien Einschnitte wahrscheinlich. Damit komme auch die Reform der Rundfunkfinanzierung nicht voran, wodurch sich die Unsicherheit bis in die nächsten Haushalte verlängere.

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4. Gekaperte Medien gefährden Demokratie
(verdi.de, Bärbel Röben)
Bärbel Röben hat die Jahrestagung des Journalistinnenbundes (jb) in Leipzig besucht und ihre Eindrücke zusammengefasst. Susanne Baer, ehemalige Bundesverfassungsrichterin sowie Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien, habe vor einer “gekaper­ten” Öffentlichkeit gewarnt und betont, Medienfreiheit sei an Würde und Gleichheit gebunden. Die Tübinger Medienforscherin Mandy Tröger sehe in Ostdeutschland Rückschritte bei Geschlechtergerechtigkeit, Vertrauensdefizite und eine Unterrepräsentation ostdeutscher Frauen in Redaktionen. Außerdem seien Projekte vorgestellt und jb-Preise für sensible Berichte über Gewalt gegen Frauen vergeben worden.

5. Wie die Bundesregierung das Fediverse fördern könnte
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie schlage ein Förderprogramm vor, das dezentrale und gemeinwohlorientierte Infrastrukturen wie das Fediverse und das AT-Protokoll stärken soll, um die Abhängigkeit von großen Tech-Plattformen zu verringern: “Neben diesen Maßnahmen solle auch die Bundesregierung mit gutem Beispiel vorangehen: Nach dem sogenannten +1-Prinzip sollten alle Ministerien mindestens eine gemeinwohlorientierte, dezentrale Plattform nutzen.”

6. “Wer liest heute schon noch gedruckte Zeitungen?”
(taz.de, Plutonia Plarre)
Die “taz” hat Jürgen Rademacher interviewt, der früher auch die “taz” druckte und sich im Alter von 57 Jahren zum S-Bahn-Fahrer ausbilden ließ. Rademacher erzählt vom harten Umstieg, von den Reizen des neuen Jobs zwischen Nachtschichten, Wetter und Verantwortung und davon, wie ihm Technikkenntnisse aus der Druckerei in der S-Bahn helfen. Er begrüßt den digitalen Kurs der “taz” und verweist dabei auf schwindende Leserschaft sowie die Umweltbelastung beim Drucken durch Papier, Farbe und Chemie.

Groks Hitler-Verherrlichung, Rügen für “Bild”-Medien, Dokus auf Ego-Trip

1. Hitler-Verherrlichung durch Grok – EU will Elon Musks Chatbot ins Visier nehmen
(spiegel.de)
Nach antisemitischen und Hitler-verherrlichenden Aussagen des Chatbots Grok auf der Plattform X prüft die EU-Kommission mögliche Konsequenzen. Die Grok-Beiträge gälten als Teil der laufenden Ermittlungen gegen X wegen unzureichender Moderation verbotener Inhalte. Die Künstliche Intelligenz wurde von Elon Musks Firma xAI entwickelt und ist bereits mehrfach durch problematische Aussagen aufgefallen.
Weiterer Lesetipp: Shoah-Leugnung auf X: Plattform findet Schlupfloch vor dem Kammergericht Berlin (hateaid.org)

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2. EU muss Israel-Abkommen aussetzen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Gemeinsam mit über 180 internationalen Organisationen fordert Reporter ohne Grenzen die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der Europäischen Union und Israel. Hintergrund seien “die massiven Menschenrechtsverletzungen durch das israelische Militär im Gazastreifen, darunter gezielte Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten.”

3. Rügen für Verletzungen des Persönlichkeits­schutzes
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat in seiner aktuellen Sitzung acht öffentliche Rügen ausgesprochen. Allein Bild.de und “Bild am Sonntag” sind für sechs massive Verstöße gegen den Pressekodex gerügt worden (hinzu kommt noch eine Rüge für das Springer-Blatt “B.Z.”), unter anderem wegen unangemessener Gewaltdarstellung, Verstößen gegen den Opferschutz, Falschbehauptungen und vorverurteilender Berichterstattung. Diese Häufung zeigt einmal mehr die traurige Dominanz der “Bild”-Medien im Negativranking presseethischer Fehltritte.

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4. Türkei: Regierung schaltet TV-Sender ab
(verdi.de)
In der Türkei sei der oppositionelle Fernsehsender Sözcü TV von der Medienaufsicht Rtük gesperrt worden, nachdem er über die Verhaftung des Erdoğan-Herausforderers Ekrem İmamoğlu berichtet hatte. Auch andere kritische Sender wie Halk TV seien von Repressionen betroffen. Beobachter sehen darin eine zunehmende Repressionswelle gegen Medien, Opposition und Kulturschaffende.

5. KI-Fakes mit Promi-Ärzten
(youtube.com, “Zapp”, Video: 2:58 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” berichtet in einem kurzen Clip über gefälschte Werbevideos, in denen mit KI-generierten Deepfakes von bekannten Experten wie Christian Drosten oder Matthias Riedel für das angeblich heilende Produkt “Shilajit” geworben wird. Die Videos würden massenhaft auf Plattformen wie Facebook und Instagram verbreitet und durch professionelle Aufmachung Glaubwürdigkeit vortäuschen. Die Plattformbetreiber würden bislang jedoch nur unzureichend gegen solche Fälschungen vorgehen.

6. Eitel oder innovativ: Doku-Formate auf dem Ego-Trip?
(ardaudiothek.de, Michael Meyer & Kai Schmieding, Audio: 17:01 Minuten)
Im Podcast “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Kai Schmieding mit dem Medienwissenschaftler Janis Brinkmann über moderne Doku- und Reportageformate. Im Fokus steht die Frage, ob die zunehmende Selbstdarstellung von Reporterinnen und Reportern vor der Kamera die Glaubwürdigkeit erhöht oder eher eitel wirkt. Brinkmann hat dazu eine Untersuchung für die Otto-Brenner-Stiftung durchgeführt.

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