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FAS, Spiegel, Kicker

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wer kuscht hier?”
(gachmuretsnotiz.blog.de)
Buchhändler Gachmuret ärgert sich über die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, die am 3. Juni auf ihrer Titelseite unter der Überschrift “Buchhandel kuscht vor WWF” behauptete, es sei ein “kritisches Buch vom Markt verschwunden”. “Seit wann, liebe Frankfurter Allgemeine, seit wann sind ein Filialist, ein Großhändler und ein Allesverkäufer ‘der Buchhandel’? Es gab sicher einige Konzentrationsprozesse in den letzten jahren, aber noch immer besteht ‘der Buchhandel’ aus tausenden Betrieben, noch immer kommen selbst die zehn größten Filialisten zusammen auf gerade einmal 38% Marktanteil”.

2. “SPIEGEL vs. ALDI: Eine billige Polemik (1)”
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi unterzieht die “Spiegel”-Titelgeschichte vom 30. April über den Lebensmittelhändler Aldi einer eingehenden Analyse: “All das, was der SPIEGEL als Beweise für die Skrupellosigkeit und Paranoia von ALDI ausbuddelt, könnte praktisch unverändert unter der Headline ‘Ein vorbildlicher Betrieb’ stehen. Was bei anderen lobenswert ist (klare Regeln, Energie sparen, freundlicher Umgang), ist bei ALDI eeeeevil.”

3. “Der Kicker ‘interviewt’ Sky”
(sportsaal.de)
Der Sportsaal liest ein “Kicker”-Gespräch mit Marcello Maggioni von Sky Deutschland: “Eine Werbebroschüre von Sky, unterbrochen von ziemlich unkritischen Fragen von Rainer Franzke, Mitglied der Chefredaktion und Leiter der Redaktion Südwest.”

4. “Im Begriffsbrei des Gängigen”
(stern.de, Bernd Gäbler)
Eine Zwischenbilanz der fünf ARD-Talkshows von Bernd Gäbler: “Alle Talkshows möchten stets die gleiche populäre Sau durchs Dorf jagen. Es sind einfach zu viele. Sie sind zu belanglos.”

5. “Eine kleine Fernsehkritik-Kritik”
(rueckseite-magazin.de, Lars Reusch)
Lars Reusch fragt sich, wie es Online-Portale mit sich vereinbaren können, Talkshows immer wieder als völlig belanglos einzustufen, einzelne Ausgaben jedoch ausgiebig zu besprechen. “Talkshows wollen kein unentschiedenes Publikum informieren, sondern schon in Lagern steckende Zuschauer mit den nach Lager sortierten Gästen mitfühlen und -zanken lassen. Und die Rezensionen machen exakt das Gleiche.”

6. “Das ‘geheime’ Blog des Wolfram Siebeck”
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)

Medizinjournalismus mit Chefarztbehandlung

Es ist eine zutiefst positive Geschichte, die die “Rhein-Zeitung” ihren Lesern am Mittwoch vergangener Woche erzählte. Das Blatt berichtet im Lokalteil von einem Medikament namens Carfilzomib, das gegen eine spezielle Art von Knochenmarkkrebs helfen soll. Es ist noch nicht zugelassen, hat aber bei einem Betroffenen aus dem Verbreitungsgebiet der Zeitung, der an einem Test mit dem Mittel teilnehmen konnte, schon phänomenale Wirkung gezeigt. Er hatte sich mit seinen Beschwerden an das Stiftungsklinikum Mittelrhein gewandt, was sich laut “Rhein-Zeitung” als Glücksfall herausstellte.

Ein kleines Detail, das den Lesern bei der Einordnung dieser Bewertung und des ganzen Berichtes helfen könnte, lässt die “Rhein-Zeitung” unerwähnt: Der Artikel stammt vom Stiftungsklinikum Mittelrhein selbst. Es hat ihn als Pressemitteilung herausgegeben, samt eines Fotos (das die “Rhein-Zeitung” übernommen hat), das den Bildtext trägt: “Werner Gibbert (links) ist glücklich und dankbar, dass er durch Prof. Naumann an einer klinischen Studie teilnehmen konnte.” Die “Rhein-Zeitung” hat diese Pressemitteilung nur leicht gekürzt und sehr sachte redigiert:

Pressemitteilung Stiftungsklinikum Artikel “Rhein-Zeitung”
Klinische Studien geben neue Hoffnung Klinische Studien geben Patienten neue Hoffnung
Werner Gibberts Vater ist 1987, ein halbes Jahr nach der Diagnose “Multiples Myelom”, gestorben. 2007 hat ihn diese Form des Knochenmarkkrebses selber getroffen. “Das hat mich natürlich umgehauen”, erinnert sich der heute 61-jährige aus Wolken. “Aber die Medizin hat in letzten 20 Jahren, besonders bei der Behandlung dieser Erkrankung, große Fortschritte gemacht, da habe ich meine ganze Hoffnung hineingesetzt.” Koblenz/Wolken. Als Werner Gibberts Vater im Jahr 1987 die Diagnose “Multiples Myelom” erhielt, hatte er noch ein halbes Jahr zu leben. 20 Jahre später, im Jahr 2007, traf es dann Werner Gibbert selbst: Auch er leidet unter dieser Form des Knochenmarkkrebses. “Das hat mich natürlich umgehauen”, erinnert sich der heute 61-Jährige aus Wolken an die Zeit. Aber die Medizin hat in vergangenen 20 Jahren — besonders bei der Behandlung dieser Erkrankung — große Fortschritte gemacht”, sagt er, “da habe ich meine ganze Hoffnung hineingesetzt”. Diese Hoffnungen wurden erfüllt — Werner Gibbert wird im Stift behandelt und nimmt an einer klinischen Studie teil.
Im November 2007 unterzog er sich erstmals einer hoch dosierten Chemotherapie in der Universitätsklinik Köln. Die Blut und Knochenmarkwerte hatten sich durch diese Behandlung wieder normalisiert. „Ich wusste allerdings, dass in einigen Jahren wieder eine weitere Therapie erforderlich werden wird, denn eine 100prozentige Heilung ist bei dieser Krankheit für die Mehrzahl der Betroffenen noch nicht möglich.“ Im November 2007 unterzog er sich erstmals einer hoch dosierten Chemotherapie in der Universitätsklinik Köln. Die Blut- und Knochenmarkwerte hatten sich dadurch wieder normalisiert. “Ich wusste allerdings, dass in einigen Jahren wieder eine weitere Therapie erforderlich werden wird, denn eine 100-prozentige Heilung ist bei dieser Krankheit für die Mehrzahl der Betroffenen noch nicht möglich.”
In Köln kam Werner Gibbert erstmals mit “Klinischen Studien” in Berührung. Durch sie hatte der Beamte bei der Telekom die Möglichkeit, ein neues noch nicht zugelassenes Medikament zu erhalten, mit dem der jetzt erreichte Zustand möglichst lange erhalten werden sollte. “Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, hier ein Versuchskaninchen zu sein! Ich habe das als Chance für mich gesehen und war froh an einer Studie teilzunehmen zu können, denn das gibt es bei weitem nicht überall.” In Köln kam Werner Gibbert erstmals mit klinischen Studien in Berührung. Durch sie hatte er die Möglichkeit, ein neues noch nicht zugelassenes Medikament zu bekommen, mit dem der erreichte Zustand möglichst lange erhalten werden sollte. “Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, hier ein Versuchskaninchen zu sein. Ich habe das als Chance für mich gesehen.”
2011 traten bei Werner Gibbert jedoch wieder Beschwerden auf. “Ich habe gemerkt, dass mit mir irgendwas nicht stimmt”. Der Vater von drei Söhnen fuhr zwar immer noch in dreimonatigen Abständen nach Köln zur Kontrolle der Erkrankung, aber diesmal wählte er das Stiftungsklinikum Mittelrhein, um sein Unwohlsein abklären zu lassen. Die Klinik hatte er bei einem Patiententag zum Thema “Multiples Myelom” kennengelernt. Im dortigen Zentrum für Innere Medizin stellte der Klinikdirektor Prof. Dr. Ralph Naumann dann über 50% krebsbefallene Zellen in seinem Knochenmark fest. “Prof. Naumann hatte mir angeboten, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Ich habe sofort zugesagt (…)”. 2011 traten bei Werner Gibbert jedoch wieder Beschwerden auf. “Ich habe gemerkt, dass mit mir irgendwas nicht stimmt.” Der Vater von drei Söhnen fuhr zwar immer noch in dreimonatigen Abständen nach Köln zur Kontrolle der Erkrankung, aber diesmal wählte er das Stiftungsklinikum in Koblenz, um sein Unwohlsein abklären zu lassen. Klinikdirektor Prof. Dr. Ralph Naumann stellte dann mehr als 50 Prozent krebsbefallene Zellen in seinem Knochenmark fest. “Prof. Naumann hatte mir angeboten, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Ich habe sofort zugesagt.”
Im Herbst 2011 wurde er in eine internationale Studie aufgenommen, an der nur 800 Patienten teilnehmen. In zwei Gruppen eingeteilt erhält die erste Gruppe die “herkömmlichen” Medikamente, während die zweite Gruppe zusätzlich das neue, zu testende Medikament Carfilzomib bekommt, wie Werner Gibbert. (…) Im Herbst 2011 wurde Gibbert in eine internationale Studie aufgenommen, an der nur 800 Patienten teilnehmen. In zwei Gruppen eingeteilt erhält die erste Gruppe die herkömmlichen Medikamente, während die zweite Gruppe zusätzlich das neue, zu testende Medikament Carfilzomib bekommt — Werner Gibbert ist einer von ihnen.
(…) Und ideal war auch das Ergebnis. “Das Medikament Carfilzomib hat phänomenal bei Herrn Gibbert angeschlagen”, bestätigt Prof. Naumann hocherfreut. “Schon nach dem ersten Therapiezyklus ist ein Großteil der Krebszellen im Knochenmark verschwunden. Die vorher katastrophalen Blutwerte lagen bereits wieder im Normalbereich.” Werner Gibbert lächelt: “Mir geht es wieder richtig gut. Insgesamt dauert die Studie 18 Monate. Nach sechs Behandlungszyklen haben sich alle Parameter im Normalbereich stabilisiert, die Erkrankung ist damit praktisch nicht mehr nachweisbar. Am liebsten würde ich die Behandlung nun beenden und in Urlaub fahren, aber natürlich ziehen wir das bis zum Ende durch.” Der Erfolg kam bald: “Das Medikament Carfilzomib hat phänomenal bei Herrn Gibbert angeschlagen”, bestätigt Ralph Naumann. “Schon nach dem ersten Therapiezyklus ist ein Großteil der Krebszellen im Knochenmark verschwunden. Die vorher katastrophalen Blutwerte lagen bereits wieder im Normalbereich.” Werner Gibbert lächelt: “Mir geht es wieder richtig gut. Am liebsten würde ich die Behandlung nun beenden und in Urlaub fahren, aber natürlich ziehen wir das bis zum Ende durch.”
Prof. Naumann erklärt: “Der Vorteil der klinischen Studien liegt darin, dass die Patienten sonst nicht an diese Wirkstoffe kommen.” (…) Rund 11.000 Euro kostet ein Therapiezyklus monatlich. Alle Kosten wie auch die aufwendigen Blutuntersuchungen sowie die Fahrtkosten werden komplett von dem Hersteller des Prüfmedikamentes übernommen. Naumann erklärt: “Der Vorteil der klinischen Studien liegt darin, dass die Patienten sonst nicht an diese Wirkstoffe kommen.” Rund 11 000 Euro kostet ein Therapiezyklus monatlich. Alle Kosten werden vom Hersteller des Prüfmedikamentes übernommen.
Die Anforderungen an Einrichtungen, solche Studien anbieten zu dürfen, sind sehr hoch. Gesetzgeber und Ethikkommissionen kontrollieren streng. Neben Prof. Dr. Naumann verfügen die Ärzte der Praxisklinik für Hämatologie und Onkologie Koblenz (Prof. Dr. Köppler und Partner) über eine langjährige Erfahrung als Prüfärzte sowie als Leiter klinischer Prüfungen in Studien zur internistischen Onkologie und Hämatologie. “Im Rahmen der intensiven Zusammenarbeit von Stiftungsklinikum und Praxisklinik haben wir die Durchführung von klinischen Studien in beiden Einrichtungen aufeinander abgestimmt, um so mehr klinische Studien für unsere Patienten anbieten zu können”, erklärt Dr. Thomalla von der Praxisklinik. Demnächst startet die Folgestudie mit Carfilzomib, an der Patienten aus beiden Einrichtungen teilnehmen können. Die Anforderungen an die Einrichtungen, die solche Studien anbieten, sind hoch. Neben Naumann verfügen die Ärzte der Praxisklinik für Hämatologie und Onkologie Koblenz (Prof. Dr. Hubert Köppler und Partner) über eine langjährige Erfahrung als Prüfärzte sowie als Leiter klinischer Prüfungen in Studien zur internistischen Onkologie und Hämatologie. “Im Rahmen der intensiven Zusammenarbeit von Stift und Praxisklinik haben wir die Durchführung von klinischen Studien in beiden Einrichtungen aufeinander abgestimmt, um so mehr klinische Studien für unsere Patienten anbieten zu können”, erklärt Dr. Jörg Thomalla von der Praxisklinik. Demnächst startet die Folgestudie mit Carfilzomib, an der Patienten aus beiden Einrichtungen teilnehmen können.
Weitere Informationen unter www.stiftungsklinikum.de oder www.onkologie-koblenz.de. Weitere Informationen unter www.stiftungsklinikum.de oder www.onkologie-koblenz.de

Die Klinik hatte ihrer Pressemitteilung übrigens den Satz hinzugefügt:

Werner Gibbert ist im Vorstand der Selbsthilfegruppe Multiples Myelom, Mayen Koblenz engagiert und steht unter der Telefonnummer … gerne für ein Gespräch zur Verfügung.

Vermutlich war das die Einladung an Journalisten, sich ein eigenes Bild zu machen. Aber warum sollte die “Rhein-Zeitung” mühevoll journalistisch arbeiten, wenn die PR frei Haus kommt?

Das Projekt “Medien-Doktor”, das sich kritisch mit Medizinjournalismus auseinandersetzt, hat diese Form der Schleichwerbung entdeckt und weiß auch, dass das bei der “Rhein-Zeitung” kein einmaliges Versehen ist: Bereits im April* veröffentlichte das Blatt im Lokalteil einen scheinbar redaktionellen Artikel, der fast wörtlich der Pressemitteilung eines Klinikums entsprach.

*) Nachtrag/Korrektur, 8. Juni. Der im letzten Absatz erwähnte frühere Fall stammt aus dem April 2011, nicht dieses Jahres.

Nachtrag, 14. Juni. Der Chefredakteur der “Rhein-Zeitung”, Christian Lindner, schreibt auf Twitter, es dürfe “nicht vorkommen”, dass “nicht transparent gemacht wurde, dass ein RZ-Text über eine Klinik eine Pressemitteilung der Klinik war”.

Nachtrag, 13. Oktober. Der Presserat hat — aufgrund einer Beschwerde von BILDblog — wegen dieser Berichterstattung eine “Missbilligung” ausgesprochen. Der Artikel verstoße gegen die Richtlinie 1.3 des Pressekodex, wonach Pressemitteilungen als solche gekennzeichnet werden müssen. Die Chefredaktion der “Rhein-Zeitung” hatte es in ihrer Stellungnahme gegenüber dem Gremium bedauert, dass die journalistische Distanz nicht gewahrt wurde. Sie habe die Kritik zum Anlass genommen, die Redakteure schriftlich auf das Einhalten der journalistischen Grundsätze hinzuweisen.

EHEC, Frank Hanebuth, Griechenland

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Leben auf dem Biohof – Ein Jahr nach der Ehec-Welle”
(nzz.ch, Marie-Astrid Langer)
Marie-Astrid Langer besucht den Biohof in Bienenbüttel, der vor einem Jahr unter dem Verdacht stand, EHEC-Keime in Umlauf gebracht zu haben. Inzwischen mussten alle Mitarbeiter entlassen werden, die Invasion der Journalisten am 5. Juni 2011 erlebte man so: “Noch bevor das Veterinäramt gegen 18 Uhr vorbeikam, fielen Dutzende von Journalisten auf dem Hof ein. Die Reporter kletterten über Zäune, fotografierten durch Küchenfenster, befragten die Mitarbeiter. Die Polizei vertrieb die Journalisten schliesslich vom Grundstück, ein privater Sicherheitsdienst rückte an.”

2. “Durchgezappt”
(ndr.de, Video, 3:11 Minuten)
“Bild am Sonntag” isst Erdbeertorte mit Frank Hanebuth, der angeschuldigt ist, eine Vielzahl von Delikten begangen zu haben.

3. “Nachbars grüne Wiesen”
(medienkritik-schweiz.ch, Tobias Marti)
Ein Blick auf Medienschaffende, die zwischen PR und Journalismus hin und her wechseln.

4. “Euro-Krise 2012. Nächster Gegner: die stolzen Spanier”
(pantelouris.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris schreibt über Journalisten, die die Krise mit Ländern zugeordneten Eigenschaften erklären. “Ich glaube, dass Journalisten, die in dieser Situation versuchen, die Krise mit ethnischen Stereotypen zu erklären, nicht nur falsch liegen, sondern unendlich ahnungslos sein müssen oder böse.”

5. “Darf man sich den ‘Grexit’ ausmalen? Ein Briefwechsel”
(faz-community.faz.net, Rainer Hank)
Wirtschaftsjournalist Rainer Hank und Ökonom Thomas Straubhaar debattieren zur Frage, ob öffentliche Überlegungen zu einem Austritt von Griechenland aus dem Euro unverantwortlich sind oder nicht.

6. “Wissenswertes aus dem Springer-Verlag”
(kraftfuttermischwerk.de, Ronny)

Lisa Feldmann, Luka Rocco Magnotta, Closer

6 vor 9

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1. “Ist das Wirtschaftsjournalismus?”
(falter.at, Reinhard Christl)
Die Ressorts Politik und Wirtschaft hängen eng zusammen, deshalb sollten sie sich einerseits vermehrt füreinander interessieren, sich andererseits mehr der Sache als den Personen zuwenden. Die “Intelligenteren unter den Lesern” würden nämlich den Eindruck gewinnen, “dass es herzlich wenig bringt, sich etwa ein TV-Interview mit einem österreichischen Minister zur Finanzmarktkrise anzusehen. Denn erstens hat er keine Lösung anzubieten. Und zweitens spricht er über Dinge, die er selber bestenfalls halb, das Publikum oft gar nicht versteht: über EFSF, ESM, CDS, CDO und Acta.”

2. “Zweitabdruck statt Unterlassung”
(sueddeutsche.de, Katharina Riehl)
Das Klatschmagazin “Closer” druckt zwei mal ein Foto, das die Ehepaare Günter Jauch, Thomas Gottschalk und Guido Westerwelle beim Abendessen zeigt. Auf eine Unterlassungsforderung geht der Bauer-Verlag nicht ein.

3. “Kioskklatsch (KW 23): Brad, Bushido, Babs & Boris”
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
Antje Tiefenthal gleicht verschiedene Klatschmagazine der Woche mit der Realität ab.

4. “Ein Drink an der Bar mit Lisa Feldmann”
(bar-storys.ch, Christian Nill)
Christian Nill spricht mit Lisa Feldmann, Chefredakteurin der Schweizer Frauenzeitschrift “Annabelle”: “Sagen wir, dass eine Frauenzeitschrift auch eine Ghettoisierung ist: Jedes special interest schliesst immer andere Themen aus. Positiv gesagt ist es eine Auswahl, die mich daran hindert, jeden Mist lesen zu müssen, der mich gar nicht interessiert.”

5. “The Queen Who Stares at Boats”
(thedailyshow.com, Video, 4:35 Minuten)
Wie begeistert CNN das 60. Thronjubiläum von Queen Elisabeth II. feiert.

6. “Das Berliner Opfer des Kanada-Kannibalen”
(vice.com, Johannes Niederhauser)
Johannes Niederhauser besucht Kadir Anlayisli in Berlin Neukölln. Er machte die Polizei darauf aufmerksam, dass sich der international gesuchte Luka Rocco Magnotta aktuell im Internet-Café befindet, in dem er angestellt ist, worauf dieser verhaftet wurde. Nun wird der Laden von Reportern belagert, Umsatzeinbussen sind die Folge.

Frauenzeitschriften, Fußball-EM, Urheber

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1. “Verlage versuchen’s mit Fashion, Style und Kohlsuppe”
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm erklärt, wie man eine neue Frauenzeitschrift auf dem Markt einführt: “1. Suchen Sie einen griffigen Titel. 2. Wagen Sie bloß nichts Neues. 3. Benutzen Sie verbale PR-Nebelbomben! 4. Vermeiden Sie komplexe Inhalte. 5. Der Ton macht die Musik. 6. Verraten Sie nie, nie, niemals, … dass seit 1994 für deutsche Frauenmagazine kein einziges Wort neu geschrieben wurde.”

2. “Keine toreschießende Wollmilchsau”
(taz.de, Michael Brake)
Michael Brake liest vom “Kicker” über “11 Freunde” bis zur “Sport-Bild” Sonderhefte zur anstehenden Fußball-Europameisterschaft.

3. “Im Paralleluniversum”
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Ein Blick auf einige TV-Alternativen zur Fußball-EM: “Wie schwer das im EM-Monat Juni für die anderen Fernsehsender wird, zeigt ein Blick auf die letzte Fußball-WM. Im Juni 2010 fiel der Marktanteil von Sat 1 von 10,9 auf 9,5 Prozent, bei Pro 7 von 11,4 auf 10,2 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe, während die ARD ihren Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen dank WM-Übertragungen von 6,1 auf 12,4 Prozent mehr als verdoppelte.”

4. “Karl Valentin und die Anwälte”
(wdr.de, Insa Moog)
Zwei Personen aus Berlin erhalten Post von der Anwaltskanzlei aufgrund von beanstandeten Urheberrechtsverstößen: “Auf ihrer Webseite mit Einrichtungstipps nach Feng Shui-Prinzipien hatten sie in einem Blogeintrag einen unkommentierten Karl-Valentin-Spruch bestehend aus zwölf Worten veröffentlicht. Die Folge: ein Schreiben, in dem Anwaltskosten von insgesamt 891,31 Euro erhoben wurden. Die Summe ergab sich aus dem ‘Gegenstandswert von 10.000 Euro’.”

5. “Sind wir nicht alle ein bisschen Urheber?”
(heise.de/tp, Bettina Hammer)
Für Bettina Hammer ist “die Einteilung in Urheber und Nichturheber ist oftmals genauso willkürlich wie die in Produzent und Konsument. Gerade auch im Internet, und eine Vielzahl der Diskussionen beschränkt sich auf die digitalen Fragen des Urheberrechtes, sind diese Grenzen oft verschwommen oder nicht mehr vorhanden. Die Urheber sind gleichzeitig auch diejenigen, die von anderer Leute Inhalte profitieren und diese verwerten, sind, so diese wirtschaftlich ausgerichteten Begriffe verwenden will, Produzent und Konsument zugleich.”

6. “4 Ways the Face-Eater Zombie Craze Proves the Media’s Broken”
(cracked.com, Daniel O’Brien, englisch)

Bild am Sonntag, UEFA, Bottrop

6 vor 9

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1. “Verlag muss wegen werblicher Vereinnahmung fiktive Lizenz für Veröffentlichung eines Promi-Fotos zahlen”
(beck-aktuell.beck.de)
2008 zeigte die “Bild am Sonntag” Gunter Sachs beim Lesen dieser Zeitung, worauf Sachs den Axel-Springer-Verlag verklagte. Nun fällte der Bundesgerichtshof sein Urteil. “Der beklagte Verlag könne sich demgegenüber nicht auf ein überwiegendes Informationsinteresse berufen. Vielmehr habe das Persönlichkeitsrecht des Klägers Vorrang gegenüber dem nur als gering zu veranschlagenden Interesse der Öffentlichkeit an der Neuigkeit, dass der Kläger auf seiner Jacht die Zeitung ‘Bild am Sonntag’ liest. Dabei sei auch berücksichtigt worden, dass der beklagte Verlag mit der Veröffentlichung des Fotos in unzulässiger Weise in die Privatsphäre des Klägers eingegriffen habe.”

2. “Die Herren des Weltbilds”
(faz.net, Harald Staun und Peter Körte)
Ein Ausblick auf die Fußball-Europameisterschaft mit einer Analyse der UEFA-Reglemente: “Alles ist mehr oder minder klar geregelt: Wann und wie oft etwa während des Spiels Zeitlupenwiederholungen gesendet werden, wie lange der Jubel auf den Rängen dauert, in welchen Spielsituationen ein Umschnitt von der Totalen in die Halbnahe fällig wird.”

3. “Der Igel frisst keine Artikel”
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Wenn das geistige Eigentum konsequent geschützt werde und geschützt bleibe, könne man auf ein zusätzliches Leistungsschutzrecht verzichten, schreibt Heribert Prantl in einem historischen Exkurs zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Es soll Leistungen honorieren, die nicht dem Urheberrecht unterliegen. (…) Wer die Informationsfreiheit verteidigen will, darf das Leistungsschutzrecht ablehnen. Das Urheberrecht muss er verteidigen, weil es den kenntnisreichen und geistreichen Umgang mit Information schützt.”

4. “Toter Bottroper Rocker – Presse berichtet fast richtig über Bottroper Verhältnisse”
(bottblog.de, Werner Boschmann)
Werner Boschmann liest verschiedene Berichte zu einem in Bottrop tot aufgefundenen Mann.

5. “Skizze für die Zeit nach ARD und ZDF”
(vocer.org, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat malt sich aus, wie eine “neu geschaffene öffentlich-rechtliche Internet & Medien Anstalt IMA” aussehen könnte.

6. “Günter Grass – Was gesägt werden muss”
(welt.de, Hans Zippert)

Vision, Ihr Luschen!

Zugegeben: Das mit Europa, das ist unübersichtlich. Es gibt die Europäische Union (EU), die auf die Europäischen Gemeinschaften (nicht zu verwechseln mit der Europäischen Gemeinschaft) zurückgeht, den Europarat (nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Rat oder dem Rat der Europäischen Union), den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Gerichtshof der Europäischen Union, obwohl genau das immer wieder geschieht), das Europäische Parlament und die Europäische Kommission, die wiederum Teil der EU sind, außerdem die Europäische Rundfunkunion, die UEFA und die Band Europe. Da kann man schon mal durcheinander kommen.

Soweit wir selbst vor rund anderthalb Jahren, als es mal wieder darum ging, dass nicht alles, wo “Europa” drauf steht, auch gleichzeitig mit der Europäischen Union (EU) zu tun hat. Diesmal wird es noch komplizierter, denn nicht auf allem, was im weiteren Sinne mit Europa zu tun hat, steht auch “Europa” drauf.

Die oben bereits eingeführte Europäische Rundfunkunion (EBU) richtet seit 1956 alljährlich eine Veranstaltung aus, die seit 1992 offiziell “Eurovision Song Contest” heißt und am vergangenen Samstag im aserbaidschanischen Baku stattfand. Auch in den Jahren davor trug sie schon oft diesen Titel, auch wenn sie im Volksmund immer noch als “Grand Prix Eurovision de la Chanson” oder schlicht “Schlager-Grand-Prix” bekannt ist. Nie, hingegen, hieß sie “European Song Contest” — was auch ziemlicher Quatsch wäre, da zu den EBU-Mitgliedern auch Staaten in Nordafrika und Vorderasien gehören.

Auftritt deutsche Medien:

“Express”, 15. Mai:

In Baku (Aserbaidschan) gab es bei einer Demo von Regierungsgegnern gegen Zwangsenteignungen Verletzte und 10 Festnahmen. In Baku sind seit 2009 4000 Gebäude abgerissen worden. In der Stadt findet am 26. Mai der European Song Contest statt.

“Hamburger Abendblatt”, 16. Mai:

Ob die gefühlvolle Ballade “Standing Still” des deutschen Teilnehmers Roman Lob, 21, ankommt, wird vom Umfeld abhängen. Das Lied, das der englische Ausnahmekünstler Jamie Cullum komponierte, hat unbestritten internationales Pop-Potenzial, so wie der Song “Euphoria” der Schwedin Loreen, die bei den englischen Buchmachern als Favoritin geführt wird – beim European Song Contest 2012, diesmal eben aus Absurdistan.

tagesspiegel.de, 16. Mai:

Aserbaidschan: Vor dem European Song Contest in Baku

“Rheinische Post”, 19. Mai:

Bei der Vorbereitung für den European Song Contest in Aserbaidschan war das Know-how von Gardemann-Arbeitsbühnen gefragt. In Alpen sitzen die Fachberater für Auslandseinsätze.

“Welt am Sonntag”, 20. Mai:

Welt am Sonntag: Herr Schreiber, Herr Urban, haben Sie die Gewinner des vergangenen European Song Contest in Düsseldorf noch in Erinnerung?

(In dem Interview mit ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber und dem ESC-Kommentator der ARD, Peter Urban, wird den beiden ESC-erfahrenen Gesprächspartnern mehrfach die Formulierung “European Song Contest” in den Mund gelegt.)

“Nürnberger Zeitung”, 21. Mai:

Schon vor dem Halbfinale des European Song Contest hat sich die NZ die wichtigsten Beiträge im Internet angesehen.

AFP, 24. Mai:

Baku:
– Zweites Halbfinale beim European Song Contest (21.00 Uhr)

Reuters, 24. Mai ff:

NEU-ULM/ULM – Aktionen von Amnesty International in NEU-ULM (10:40) unter dem Motto “0 Points für Menschenrechte in Aserbaidschan” anlässlich des European Song Contest und in ULM (11:30) unter dem Motto “Hände hoch für Waffenkontrolle – Für einen starken ‘Arms Trade Treaty'”

“Handelsblatt”, 25. Mai:

In Aserbaidschans Hauptstadt Baku findet morgen das Finale des European Song Contest (ESC) statt.

n-tv.de, 25. Mai:

Oslo oder Düsseldorf mögen sich für den European Song Contest mächtig ins Zeug gelegt haben – gegen das, was in Baku aufgefahren wird, waren das allenfalls Sandkastenspiele.

“Westfälische Nachrichten”, 25. Mai:

Peter von Wienhardt ist Pianist und Komponist – aber der Professor an der Musikhochschule Münster hat auch ein gutes Gespür für die Chancen der Kandidaten beim European Song-Contest.

br.de, 25. Mai:

In Baku, der Haupstadt von Aserbaidschan, findet in diesem Jahr der European Song Contest statt. Die Opposition des Landes nutzt die Chance, um die Stimme gegen das autoritäre Regime zu erheben.

Auch an diesem Samstag werden wieder Millionen Fans des European Song Contests (ESC) vor den Fernsehern sitzen, um sich mehr oder weniger gelungene Lieder und deren Interpreten anzuschauen. Mit Spannung verfolgen die Menschen die Entscheidung, wer das Finale gewinnt.

“Spiegel Online”/”Perlentaucher”, 25. Mai:

In einem Pro und Contra widmen sich Jan Feddersen und Stefan Niggemeier der Frage, wie deutsche Journalisten vom European Song Contest aus Aserbaidschan berichten sollen und ob es Heuchelei wäre, wenn sie über dortige Menschenrechtsverletzungen schreiben.

(Im verlinkten Artikel auf taz.de schreiben Feddersen und Niggemeier nur vom “Eurovision Song Contest”.)

“Spiegel Online”/”Perlentaucher”, 26. Mai:

So langsam scheint es, als müsse man den European Song Contest ernst nehmen, staunt Wolfgang Michal auf Carta.

(Im verlinkten Artikel auf carta.info schreibt Wolfgang Michal auch nur vom “Eurovision Song Contest”.)

“Mannheimer Morgen”, 26. Mai:

Mehr als 100 Millionen Zuschauer werden heute Abend vor dem Fernseher sitzen, wenn der European Song Contest ins Finale geht.

“Berliner Morgenpost”, 26. Mai:

Die Berichterstattung in den deutschen Medien zur Lage Aserbaidschans kritisiert der PR-Berater. Viele Journalisten würden nicht fair und objektiv recherchieren. Beispielsweise bei den Umsiedlungen der Menschen, die dem Bau der neuen Konzerthalle für den European Song Contest weichen mussten.

dapd, 27. Mai:

Hamburg (dapd). NDR-Intendant Lutz Marmor hat Anke Engelke für ihre kritischen Äußerungen beim Finale des European Song Contest gelobt. “Ein besonderes Kompliment hat sich Anke Engelke verdient”, erklärte Marmor am Sonntag. “Bei der Punktevergabe live von der Grand-Prix-Party in Hamburg hat sie genau den richtigen Ton getroffen. Danke, Anke!”

(In seiner Pressemitteilung hatte der NDR selbstverständlich “Eurovision” geschrieben.)

neuepresse.de, 27. Mai:

ESC: Schweden gewinnt European Song Contest in Baku

“Euphoria” in Baku: Zum fünften Mal gewinnt Schweden den Eurovision Song Contest. Die Sängerin Loreen ist die Siegerin des wohl politisch brisantesten Grand Prix der Fernsehgeschichte.

dapd, 27. Mai:

Spektakulärer Auftritt von Anke Engelke beim European Song Contest (ESC): Bei der Verlesung der deutschen Punktwertung für die anderen ESC-Teilnehmer kritisierte sie von der Hamburger Reeperbahn aus vor einem 100-Millionen-Publikum die Regierung des ESC-Gastgeberlandes Aserbaidschan. (…)

Nach dem ESC-Erfolg von Sängerin Loreen darf Schweden den Eurovision Song Contest 2013 ausrichten.

“Berliner Morgenpost”, 27. Mai:

Der 57. European Song Contest bietet Unterhaltung und manche Überraschung

dapd, 29. Mai:

Die 28-Jährige ist laut eigener Aussage noch zu haben. “Ich bin Single, leider auch sehr schüchtern.” Loreen gewann am Samstag beim European Song Contest in Baku mit dem Lied “Euphoria”.

“Spiegel Online”/”Perlentaucher”, 29. Mai:

Und: Gerrit Bartels stellten sich beim European Song Contest die Nackenhaare auf: “So viel unfassbare schlechte Musik, die da über drei Stunden zu hören war!”

(Auch hier gilt natürlich: Gerrit Bartels schreibt im verlinkten Artikel auf tagesspiegel.de nur vom “Eurovision Song Contest”.)

dpa, 30. Mai:

Aserbaidschan: Anschläge vor European Song Contest verhindert

Baku/Moskau (dpa) – Aserbaidschanische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben vor dem Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in der vergangenen Woche mehrere Terroranschläge verhindert.

n-tv.de, 31. Mai:

Jetzt, wo der European Song Contest vorbei ist – haben Sie Angst, dass die Regierung sich rächen wird für all die Kritik, die Sie veröffentlicht haben, und für all die Proteste, die Sie und andere organisiert haben?

Bild, EBU, Holocaust

6 vor 9

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1. “Verschweigen, was ist”
(freitag.de, Jakob Augstein)
Jakob Augstein schreibt angesichts des anstehenden 60. Geburtstags über die Rolle, die die “Bild”-Zeitung heutzutage spielt. Er streift dabei unter anderem das Verhältnis von “Bild” und “taz”, die Arbeit von BILDblog-Mitbegründer Stefan Niggemeier und die Bemühungen von “Bild”, “ganz normalen Journalismus” zu machen: “Das macht die Zeitung noch gefährlicher. Aber nicht wegen der Artikel, die dort erscheinen. Sondern wegen derjenigen, die nicht erscheinen.”

2. “Vorstoß für ESC-Ausschluss”
(blog.prinz.de, Matthias Breitinger)
Der Eurovision Song Contest könnte vor einem Umbruch stehen, denn ihr Veranstalter, die Europäische Rundfunkunion (EBU), plant angeblich Reformen: “Eine Reihe von Mitgliedern der Rundfunkgemeinschaft will nicht länger hinnehmen, dass in manchen EBU-Ländern die Meinungs- und Pressefreiheit und demokratische Mindeststandards verletzt werden und die EBU nichts unternehmen kann. Neue Regeln sollen etwa die Möglichkeit erlauben, solchen Ländern die Teilnahme am Eurovision Song Contest zu verweigern.” Treffen könnte es z.B. Ungarn und den diesjährigen ESC-Ausrichter Aserbaidschan.

3. “Stille Post mit Holocaust”
(pannor.de, Stefan Pannor)
Am Montag hat Stefan Pannor bei “Spiegel Online” darüber geschrieben, dass in der aktuellen Ausgabe von “Micky Maus Comics” in einer Sprechblase das Wort “Holocaust” relativ unmotiviert auftaucht. Nun dokumentiert er, wie die Geschichte ihre Runde um die Welt machte — und wie sie sich dabei veränderte.

4. “ZEIT Online und die Urheber”
(blogonade.de, Lukas Bischofberger)
Lukas Bischofberger entdeckt auf “Zeit Online” ein Foto, das er selbst bei photocase.de hochgeladen hatte. Gemäß der dortigen Regeln hätte “Zeit Online” ihn entweder als Urheber nennen oder sehr viel mehr Geld bezahlen müssen. Getan haben sie offenbar beides nicht. (Nachtrag: Der Hinweis auf die Urheber war nur gut versteckt.)

5. “Schöne Heimat Internet”
(dasmagazin.de, Astrid Herbold)
Kurzporträts von drei Menschen, die im Internet “wohnen”: Patricia Cammarata, Gero Nagel und Felix Schwenzel.

6. “Der Kuzy”
(stefan-niggemeier.de/blog)
Stefan Niggemeier flicht Stefan Kuzmany, Redakteur bei “Spiegel Online”, einen Kranz. Kuzmany habe eine neue journalistische Textgattung erschaffen: den sich von sich selbst distanzierenden Text.

Rockergangs, Paketzusteller, The Offspring

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Rolle der Journalisten bei den Ermittlungen im Rockermilieu”
(tagesspiegel.de, Frank Jansen)
Die Berliner Polizei ist erbost über den Artikel “Berliner Rockergangs tricksen Polizei aus” (spiegel.de, Thomas Heise und Claas Meyer-Heuer), in dem über eine geplante Razzia berichtet wird. Polizeisprecher Stefan Redlich: “Es wird geprüft, wie die Informationen über die geplanten Maßnahmen der Polizei vorab bekannt geworden sind.”

2. “Wissenschaftsjournalismus: Wer ist wichtig genug, um Nachrichten mit Sperrfrist lesen zu dürfen?”
(scienceblogs.de/astrodicticum-simplex, Florian Freistetter)
Florian Freistetter denkt nach über Fachzeitschriften, Sperrfristen und Kosten. “Der Staat bezahlt also die Wissenschaftler damit diese forschen können. Und dann muss der Staat nochmal Geld bezahlen, um sich die Einsicht in die veröffentlichten Ergebnisse zu erkaufen (nachdem er vorher vielleicht sogar noch Geld bezahlt hat, um sie veröffentlichen zu dürfen).”

3. “The Offspring: Knebelverträge für Konzert-Fotografen”
(metal-hammer.de, Sebastian Kessler)
Keine Bilder vom Konzert der Punkband The Offspring in Hamburg: “Unserem Fotografen zufolge hat das Band-Management von The Offspring vor Ort massive Fotografen-Knebelverträge aufgetischt. Agentur-Fotografen mussten sich verpflichten, ihr Bildmaterial noch am gleichen Abend dem Management vorzulegen, es durften keine Aufnahmen aus Untersicht gemacht werden, keine Frontalen und weitere Einschränkungen.”

4. “The idiot theory of news”
(scottberkun.com, englisch)
“Ein wichtiger Idiot hat etwas Dummes getan” – News nach diesem Schema gebe es viele, doch eigentlich seien das gar keine News, schreibt Scott Berkun.

5. “Armee der Unsichtbaren”
(zeit.de, Günter Wallraff)
Günter Wallraff arbeitet als Paketzusteller bei GLS: “Die Arbeit als Paketauslieferer im Dauerlauf und Dauerstress hat mich an meine Grenzen gebracht. Obwohl ich durchtrainiert bin und harte Arbeit kenne. Ich schäme mich fast, darüber mehr als einen Satz zu verlieren. Denn die Männer und die wenigen Frauen, die sich diesen Job antun, ertragen in den Monaten und Jahren, in denen sie durchhalten, ein Vielfaches.”

6. “Woran man erkennt, ob Dokumente wichtig sind”
(graphitti-blog.de, Katja)

Konformitätsdruck, BBC News, Oe24

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Am Medienpranger”
(zeit.de)
Ein langes Gespräch zwischen Frank Schirrmacher und Giovanni di Lorenzo, moderiert von Katrin Göring-Eckardt. Schirrmacher: “Wir müssen erkennen, dass der sogenannte Empfänger ein Medium geworden ist, das selbst senden kann. Ein Blog kann genauso wichtig sein wie ein Leitartikel in der FAZ oder ein Spiegel-Artikel. Wir alle begreifen erst allmählich die Wirkung dieser Technologie auf unsere Gesellschaft.” Di Lorenzo: “Ich beobachte in den deutschen Medien seit einiger Zeit einen besorgniserregenden Hang zum Gleichklang. Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten, Lesern und Zuschauern aus.”

2. “Nie wieder Krieg! Nie wieder Sarrazin!”
(tagesspiegel.de, Alexander Gauland)
“Waren es früher rechte und linke Extremisten, die das freie Wort unterdrückten, gibt es heute zunehmend eine Radikalität der Mitte, die bestimmen möchte, was im Diskurs zugelassen ist und was ohne Diskussion der Verdammung verfällt. Nicht Richtig oder Falsch zählen, sondern die gesellschaftliche Nützlichkeit eines Arguments.”

3. “BBC News uses ‘Iraq photo to illustrate Syrian massacre'”
(telegraph.co.uk, Hannah Furness, englisch)
Die Website “BBC News” verwendet ein 2003 im Irak aufgenommenes Foto in einem Artikel über Syrien und schreibt dazu: “This image – which can not be independently verified – is believed to show the bodies of children in Houla awaiting burial.” Fotograf Marco di Lauro: “What I am really astonished by is that a news organization like the BBC doesn’t check the sources and it’s willing to publish any picture sent it by anyone: activist, citizen journalist or whatever.”

4. “Warum sind Tageszeitungen immer so groß?”
(youtube.com, Video, 3:23 Minuten)
Ein Beitrag von “Wissen macht Ah!”: “Je größer die Seiten sind, desto schneller und billiger lässt sich eine Zeitung herstellen.”

5. “Kritik an oe24.at-Liveticker: Begräbnis ‘absolutes Tabu'”
(derstandard.at)
Ein Liveticker von oe24.at zu einem Begräbnis eines ermordeten Kindes löst Empörung aus.

6. “Ach Günter!”
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto J. De Lapuente)
Roberto J. De Lapuente blickt auf die Sendung “Günter Wallraff deckt auf!” (heute bei RTL, 21:15 Uhr). “Wird denn die BILD tagsdrauf berichten, was RTL an Köstlichkeiten ausgestrahlt hat? So macht es diese Zeitung doch stets, wärmt die lahmen Geschichten um Rach, Jauch oder Bause nochmals auf, um dieselbe Kundschaft zu bedienen, die auch RTL versorgt mit diesen zu Wichtigkeiten erhobenen Nichtigkeiten.”

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