Suchergebnisse für ‘LINK’

Skandale, Nordkorea, Negermami

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wie man sich mit dem Leistungsschutzrecht eine Google-Melkmaschine baut”
(sixtus.cc)
Mario Sixtus macht sich Gedanken, wie das nun im Entwurf vorliegende Leistungsschutzrecht für Presseverleger genützt werden könnte: “Die Verleger sind zwar die Initiatoren der auf uns alle zurollenden bizarren Situation, was aber nicht heißt, dass sie diese im Griff haben.”

2. “Bis zum Platzen aufgeblasen”
(tagesspiegel.de, Hans Mathias Kepplinger)
Man könne “weder von der Zahl der Skandale auf die Größe der Missstände schließen, noch von der Größe der Missstände auf die Zahl der Skandale”, schreibt Hans Mathias Kepplinger: “Die größten Umweltschäden gab es in Deutschland in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zum Skandal wurden das jährliche Fischsterben im Rhein und die Verpestung der Luft im Ruhrgebiet aber nicht. Größere Umweltskandale gab es erst in den siebziger und achtziger Jahren, als in Folge der Gesetzgebung der sozial-liberalen Koalition die Umweltschäden bereits zurückgingen.”

3. “Die WELT ärgert sich über ‘Rätselhaftigkeit’ Nordkoreas. Ich ärgere mich mit!”
(nordkoreainfo.wordpress.com, tobid001)
Eine Analyse eines Artikels von Torsten Krauel in der “Welt am Sonntag” über Nordkorea.

4. “‘Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?'”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Mitarbeiter der “ComputerBild”-Gruppe schreiben einen offenen Brief an Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlags: “Es geht nicht darum, einen Absturz zu verhindern. Es geht Ihnen und Ihren Taschenrechner-Boys und -Girls darum, den Gewinn zu maximieren.”

5. “Zeitung hielt Scheuch für ‘Negermami’: keine Entschädigung”
(diepresse.com, Philipp Aichinger)
Eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem stv. Landeshauptmann von Kärnten, Uwe Scheuch, und der Tageszeitung “Österreich”: “Scheuch forderte, dass die Zeitung die Behauptung unterlassen soll, wonach er auf dem Foto abgebildet sei. Zudem soll sie ihn nicht als ‘Negermami’ bezeichnen. Überdies verlangte der Vize-Landeshauptmann tausend Euro Entschädigung. Schließlich habe er ‘in seiner politischen Stellung Würde und Ansehen zu wahren’. Er habe aber durch das Foto, auf das er mehrfach angesprochen wurde, immaterielle Nachteile erlitten.”

6. “Forscher rätseln über plötzlich auftretendes Verkehrsaufkommen mit aggressivem Hupen”
(eine-zeitung.net)

Ahmadinedschad, Tugendterror, Spiegel

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das Leistungsschutzrecht: Selten war es so tot wie heute”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier schätzt den nun vorliegenden Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger ein: “Wie die Verleger glauben können, dass es ihnen nützen wird und nicht schaden, Hinweise auf ihre Artikel zu erschweren, ist eines der zentralen Rätsel dieser ganzen Angelegenheit und Ausweis des Irrsinns, in den sich die Branche in ihrem Überlebenskampf geflüchtet hat.” Und Alexander Svensson malt sich vier Szenarien aus, wie es nun weitergeht (wortfeld.de).

2. “Die Wut kommt immer zu spät”
(faz.net, Christiane Hoffmann)
Nach einem Interview mit mit Mahmud Ahmadinedschad erwägt FAS-Journalistin Christiane Hoffmann die Frage, ob sie sich vielleicht doch blamiert habe. “Ich solle den Präsidenten mit ‘Herr Präsident’ anreden. Ich solle die Beine nicht übereinanderschlagen, weil der Präsident das auch nicht tut. Herr Scheichan ist sehr unzufrieden mit meinem Hedschab: Die Leinenbluse sei zu hell und zu durchsichtig, die Ärmel zu kurz, das Kopftuch rutsche. Herr Scheichan blickt sich suchend um, als hoffe er, irgendeinen Tschador zu finden, den er mir überstülpen kann.”

3. “Freie Journalisten: Arm, aber verblüffend glücklich”
(spiegel.de, Tobias Lill)
Freier Journalismus in Deutschland spielt sich zunehmend im Niedriglohnsektor ab: “Besonders mies zahlen private Hörfunksender, aber auch Zeitungen. Zeilengelder von 35 Cent oder noch weniger sind bei Lokalblättern verbreitet. So müssen sich manche Reporter auf dem Land mit 30 Euro pro Artikel begnügen – mitunter deckt das Honorar gerade die Spritkosten.”

4. “Die Regie spielt falsch”
(faz.net, Jürgen Kaube)
Jürgen Kaube kritisiert die Programmpolitik von ARD und ZDF anlässlich der Fußball-Europameisterschaft. “Medienhistoriker werden eventuell einst festhalten dürfen, dass knapp die Hälfte der deutschen Wahlberechtigten im geistigen Urlaub war, als Europa zerbrach.” Siehe dazu auch “Trauerspiel Berichterstattung zu Griechenland” (datenjournalist.de, Lorenz Matzat) und “Reporter gratulieren, Fußballer antworten – ein EM-Nachbericht vom ‘Fußball-Strand'” (faz-community.faz.net, Peer Schader).

5. “Der Preis der Missgunst”
(welt.de, Hans Ulrich Gumbrecht)
Hans Ulrich Gumbrecht schreibt über die “Spiegel”-Titelgeschichte “Schade. Obamas missglückte Präsidentschaft”.

6. “Der Terror der Tugend”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Ein langer Text von Harald Martenstein beschäftigt sich mit Tugendwächtern aller Art: “Der Schauspieler Fritz Wepper hat nie so getan, als sei er ein Heiliger. Wer sich für solche Dinge interessiert, weiß, dass seine Ehe von schweren Stürmen gezaust wird und dass er mit seiner, naturgemäß jungen, Geliebten ein Kind hat. Aber das genügt nicht. Paparazzi schossen Fotos, die Wepper beim Betreten und beim Verlassen der Wohnung seiner Freundin zeigen, mit Uhrzeit. Auf dem ersten Foto trägt er ein weißes Hemd, auf dem zweiten ein blaues. Die Reporter verrieten, dass es Weppers Ehefrau war, die sie auf die Pirsch geschickt hat.”

Giro sucht Zero

Im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise ist das Ansehen von Banken noch einmal merklich gesunken: Lag es früher irgendwo zwischen dem von Auftragskillern und Hütchenspielern, haben die meisten Leute heute mehr Respekt vor dem komischen Schleim, der sich immer am Boden einer Mülltonne absetzt, als vor Banken.

Doch das ist offenbar ein schreckliches Missverständnis!

Wie muss ein modernes Girokonto aussehen, das zuvorkommenden Service und nachhaltige Beratung mit höchster Sicherheit, maximalem Komfort und exklusiven Vorzugsleistungen miteinander vereint? Die Nassauische Sparkasse bietet mit Naspa Giro Komfort Antworten auf diese Frage. Mit einem Premiumkonto, das Ihr Leben günstiger, sicherer und schöner macht – sowohl im Alltag als auch im Urlaub.

“Gut”, hätte man da dem neuen Mitarbeiter in der Werbeagentur gesagt, “bisschen bieder, vielleicht, aber mit ein bisschen Mühe kriegen wir daraus noch einen schönen Text für die Werbebroschüre.”

Aber der Text, der so beginnt, steht nicht in einem Entwurf einer Werbeagentur, er stand in verschiedenen Internetangeboten der Verlagsgruppe Rhein Main: etwa bei der “Main-Spitze”, der “Allgemeinen Zeitung”, der “Oberhessischen Zeitung”, dem “Wiesbadener Kurier”, dem “Gießener Anzeiger” und dem “Gelnhäuser Tageblatt” .

Und er sah ganz nach redaktionellem Inhalt aus:

Geld und Recht: Naspa Giro Komfort: Das Konto, mit dem Sie günstiger, sicherer und schöner leben.

Alles, ja wirklich alles am “Naspa Giro Komfort” ist toll:

Wer günstiger in den Traumurlaub möchte, hat mit Naspa Giro Komfort das richtige Konto. Bei Buchung im Naspa Reise-Center wählen Sie aus dem breitgefächerten Angebot aller namhaften Reiseveranstalter und bekommen 5 % des Reisepreises zurück. Schon bei einer Reise für 3.000 Euro füllt sich Ihre Urlaubskasse um 150 Euro!

Leider lauern ja bekanntlich “auch im schönsten Urlaub Gefahren”:

Wenn Reiseunterlagen, Kreditkarten und Ausweise plötzlich abhanden kommen, ist die Erholung vorbei – es sei denn, Sie haben ein Naspa Giro Komfort-Konto. Dank dem Karten- und Dokumentenschutzprogramm genügt ein Anruf beim Service-Center und die Kopien der Reiseunterlagen werden Ihnen an jeden Ort der Welt zugesandt. Im Fall der Fälle hilft zusätzlich ein unbürokratisch verfügbares Notfallbargeld in Höhe von bis zu 1.500 Euro.

Doch nicht nur bei Reisebuchung und bösen Überraschungen am Urlaubsort ist das “Naspa Giro Komfort” genau das Richtige für Sie, Sie und Sie — Nein!

Auch für Unternehmungen in Ihrer Region haben Sie mit Naspa Giro Komfort das ideale Girokonto. Denn Sie profitieren von exklusiven Vergünstigungen auf viele Kultur- und Freizeitangebote in der Region und im Internet.

Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, für den hält die “Rhein Main Presse” noch mal ein paar nüchterne Fakten bereit:

Das Premiumkonto der Naspa überzeugt im Alltag mit attraktiver Verzinsung ab dem ersten Euro und ec-Karten, mit denen Sie rund um die Uhr an über 25.000 Geldautomaten in Deutschland kostenfrei Geld abheben können. Sogar wenn Sie sich etwas Neues kaufen möchten, wie einen neuen Fernseher, hilft Ihnen Naspa Giro Komfort weiter: mit der deutschlandweiten Preisrecherche.

Und wenn Sie sich jetzt – was nur verständlich und beabsichtigt wäre – sagen: “Was bin ich nur für ein verdammter Idiot, dass ich mein Geld immer noch beim Mülltonnenschleim lagere und nicht bei der günstigeren, sichereren und schöneren Naspa”, dann hat die “Rhein Main Presse” da natürlich schon mal etwas vorbereitet:

Sichern Sie sich das Girokonto, das Ihr Leben günstiger, sicherer schöner macht. Fragen Sie jetzt Ihren Naspa-Berater nach Naspa Giro Komfort. Alle Infos zum komfortablen Premiumkonto finden Sie auch auf www.naspa.de

(Die URL stand da nicht nur, da lag sogar ein Link auf naspa.de drunter. Aber das kriegen Sie bei echtem Interesse sicher auch noch alleine geregelt.)

Wir haben bei der Verlagsgruppe Rhein Main nachgefragt, ob es sich bei dem Text um eine Anzeige oder um redaktionellen Inhalt handelt. Die Chefredaktion Online bedankte sich, dass wir sie auf einen Fehler aufmerksam gemacht hätten, und erklärte, der PR-Artikel sei “von der verantwortlichen Abteilung in den falschen web-Knoten gehängt” worden. Die ursprünglichen Artikel sind inzwischen alle offline.

Mit Dank an Kristian G.

Nachtrag, 22.20 Uhr: Die Artikel sind (offenbar schon vor unserem Eintrag) als “Herstellerinformation” wiederveröffentlicht worden — mit dem Zusatz “Anzeige”.

Nichts besonderes

Studenten sind ein faules Pack. Das hat man bei Bild.de schon immer gewusst. Und was gibt es Schlimmeres als faule Studenten? Genau: Die von diesen amerikanischen Elite-Unis. Die sind nämlich nicht nur faul und dumm, sondern auch noch verwöhnt.

Alles nur Klischees, denken Sie? Mag sein. Aber bei Bild.de gehört das Aufwärmen und anschließende Rausposaunen solch abgedroschener Vorstellungen immer noch zum Tagesgeschäft. Und Meldungen wie diese kommen da wie gerufen:

Elite-Studenten kriegen eins auf den Deckel

So freute sich Bild.de gestern. Im Text heißt es:

Eigentlich sollte es eine Lobrede auf den Absolventenjahrgang einer US-Elite- Uni werden: Englisch-Lehrer David McCullough nutzte jedoch die Gelegenheit, um gegen seine verwöhnten Ex-Studenten noch mal ordentlich vom Leder zu ziehen!

“Ihr wurdet verhätschelt, verwöhnt, umschwärmt, geschützt und in Luftpolsterfolie gesteckt”, polterte Englisch-Lehrer McCullough gleich zu Beginn seiner zwölfminütigen Brand-Rede. Sein knallhartes Fazit über die Elite-Studenten: “Ihr seid nichts Besonderes!”

Endlich sagt also mal jemand die Wahrheit über die Bengels von der Elite-Uni. Und zwar kein geringerer als ihr eigener Dozent. Was für eine Steilvorlage für die Klischeeaufwärmer von Bild.de.

Allerdings: Bei den “Studenten” handelt es sich in Wahrheit gar nicht um Studenten, sondern um Schüler. Genau genommen um “Seniors” einer High School, die gerade ihren Abschluss (vergleichbar dem Abitur) gemacht haben. Der Lehrer hatte die ungewöhnliche Rede Anfang Juni bei der Abschlussfeier seiner Schule gehalten, um den Schülern ihren privilegierten Start ins Leben klarzumachen. (Warum jemand, der an einer Elite-Uni unterrichtet und Abschlussreden hält, ein “Lehrer” sein soll, weiß vermutlich auch nur Bild.de.)

Viele Medien berichteten schon vor einigen Tagen darüber. Auch ABC News hat darüber in einem Artikel berichtet, auf den Bild.de verlinkt.

Dort heißt es im ersten Satz:

Kritiker waren schockiert, als David McCullough einer Abschlussklasse von High School Seniors erzählte, dass sie “nicht besonders” seien, aber die Schüler und Eltern der Schule in Wellesley, Massachusetts stellen sich hinter ihren Lieblingslehrer.

(Übersetzung und Hervorhebung von uns.)

Die Redakteure von Bild.de hätten die Quellen, auf die sie sich berufen, also nur genau lesen müssen. Haben sie aber nicht. Endlich mal ein Klischee, das stimmt.

Mit Dank an Thomas G., Stefan und AachenFalko.

Nachtrag, 15.55 Uhr: Bild.de hat aus den “Elite-Studenten” unauffällig “Elite-Schüler” und aus der “US-Elite-Uni” eine “US-Elite-Schule” gemacht.

Leistungsschutzrecht, SEO, DJV

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Digital kastriert”
(lawblog.de, Udo Vetter)
Der (der “Süddeutschen Zeitung” vorliegende!) Referentenentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage (PDF-Datei) bestätigt für Udo Vetter die schlimmsten Befürchtungen: “Das Papier ist ein Konjunkturprogramm für Rechtsanwälte. Gleichzeitig ist es ein Kniefall vor der Verlegerlobby. (…) Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Leistungsschutzrecht die neue Meinungsfreiheit bedroht.” Gegenteilig sieht das natürlich der prominenteste Verfechter dieses Verlegerrechts, Christoph Keese von Axel Springer, im Beitrag “Vier Gründe, warum Blogger das Leistungsschutzrecht nicht fürchten sollten”. Siehe dazu auch “Von Pressetexten sollten künftig besser alle die Finger lassen” (zeit.de, Kai Biermann).

2. “Ich breche eine Lanze für dieses Leistungsschutzrecht”
(ralfschwartz.typepad.com)
“Der deutschen Blogosphäre kann nichts Besseres passieren als das neue Leistungsschutzrecht. Hut ab vor den Verlagen und der Politik, die uns endlich zwingen, wenn wir es schon nicht freiwillig tun, innovativ, relevant, distinktiv und einzigartig zu werden.”

3. “Weit weit oben”
(journalist.de, K. Antonia Schäfer)
Wie viele Presseverlage mit hohem Aufwand und Tricks wie Republishing Suchmaschinenoptimierung betreiben, um noch mehr Besucher von Websites wie Google News erhalten. “Werden Journalisten beim Thema SEO an sich schon wortkarg, schließen sie, wenn die Rede aufs Republishing kommt, komplett die Schotten. Denn wer vorgibt, einen neuen Artikel vorweisen und ins Netz stellen zu können, tatsächlich aber nur altes Zeug aufwärmt, kann sich kritischen Fragen nach der Qualität nicht entziehen.”

4. “Oli Kahn, kein Twitter-Titan”
(stern.de, Christoph Fröhlich)
Im ZDF versucht man, zu twittern: “Jeannine Michaelsen erklärte das Prinzip Twitter so: ‘Wir folgen Harald Schmidt. Und deswegen kann Harald Schmidt jetzt auch lesen, was wir schreiben.’ Das ist doppelt falsch: Erstens können Leute, denen man folgt, die eigenen Postings nicht lesen. Und was noch viel peinlicher ist: Hinter dem angeblichen Harald Schmidt steckt nicht der ehemalige Sat1-Comedian, sondern der Internet-Showmaster Rob Vegas.” Siehe dazu auch “Der Twitter-Vorfall im ZDF deckt viel mehr auf als eine Accounteinrichtung” (kaithrun.de) und “Oli Kahns erstes Mal” (blog.zeit.de/sport-blog).

5. “Bite the hand that feeds you”
(juliane-wiedemeier.de)
Der Deutsche Journalistenverband DJV lädt ein nach Brüssel: “Zwei Nächte im Hotel, inklusive Frühstück, Transfers und ein lekker Mittagessen werden also bezahlt, und zwar, man ahnt es schon, nicht von einem der Verbände, die brauchen ihr Geld schließlich für wichtigere Dinge, sondern, das wird netter Weise immerhin dazugesagt: Von der EU-Kommission. Was sicherlich hervorragend mit dem Ziel der Reise einhergeht, ‘Sprechern oder Vertretern der Kommissare auf den Zahn (zu) fühlen’.”

6. “Uefa-Fehler führt Millionen in die Irre”
(stern.de, Katharina Miklis und Felix Haas)
Fußball: Eine vor dem EM-Spiel Niederlande gegen Deutschland aufgezeichnete und ins live übertragene Spiel hineingeschnittene Szene “beeinflusst die Wahrnehmung und verfälscht den Eindruck”.

RTL2, Golf Post, Tagesspiegel

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Investigativ… geht anders”
(fernsehkritik.tv, Video, 11:49 Minuten)
Der Stadtteil Hochheide in Duisburg wird in der RTL2-Sendung “investigativ” als “ein Viertel in Angst” und eine “Basis von gefährlichen Gangs” beschrieben (rtl2.de, Videos). Fernsehkritiker Holger Kreymeier macht sich bei einem Besuch vor Ort ein eigenes Bild, prüft einige der erhobenen Vorwürfe und redet ein zweites Mal mit Protagonisten der Sendung. Siehe dazu auch “RTL II soll Jungs aus Hochheide gegen Geld zu ‘Gangstern’ gemacht haben” (derwesten.de).

2. “Golf Post: Hinter den Kulissen eines neuen Golfportals”
(der-linksgolfer.de)
Ein Blick auf das Portal “Golf Post”, das in wenigen Tagen starten soll. Für den Linksgolfer scheint sich das gesamte Konzept in einen Satz zusammenfassen zu lassen: “Wie kann ich möglichst billig möglichst viel klickfähigen Content zusammenbekommen.”

3. “NME entschuldigt sich bei Morrissey”
(blogs.taz.de/popblog, Christian Ihle)
Das britische Musikmagazin NME entschuldigt sich bei Sänger Morrissey für eine Titelgeschichte von 2007: “We wish to make clear that we do not believe that he is a racist.”

4. “Ein Mehrzweck-Tool für Zeitungen: Der Ein-Wochen-Chefredaktor”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt schlägt vor, Blattkritiken nicht von Internen, sondern konsequent von Externen durchführen zu lassen. Und die Ergebnisse täglich online zu stellen.

5. “Deutschlands meister Autojournalist”
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Stefan Winterbauer schreibt über die Arbeitsweise von Autojournalist Thomas Geiger: “Geigers Texte sind tatsächlich immer unterschiedlich. Es ist keinesfalls so, dass er immergleiche Text-Bausteine hin und her verschiebt. Beim Lesen fällt nicht auf, dass Thomas Geiger, Tom Grünweg, Tom Debus und Benjamin Bessinger ein und derselbe Autor sind.”

6. Rudolf Thome abgemahnt
(moana.de)
Regisseur Rudolf Thome erhält eine Abmahnung einer Hamburger Anwaltskanzlei in der Höhe von rund 950 Euro, weil er auf seiner Website zwei Kritiken des “Tagesspiegel” stehen hatte. “Wie kann dem ‘Tagesspiegel’ ein Schaden durch die Wiedergabe zweier uralter Kritiken entstanden sein, frage ich mich. Und dann kriege ich so was ausgerechnet vom ‘Tagesspiegel’, für den ich selbst 15 Jahre lang Filmkritiken geschrieben habe.” Siehe dazu auch die Perlentaucher-Feuilletonrundschau von gestern.

Griechenland, Kollaboration, Waffenruhe

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Vor dem Kollaps”
(nzz.ch, Panagis Galiatsatos)
Griechische Medien und der griechische Journalismus hätten fast niemals während der vergangenen zehn Jahre warnend auf die desolate Finanzlage des Staates hingewiesen, schreibt Panagis Galiatsatos: “Ein wichtiger Grund, weshalb die Griechen so willig allerlei Verschwörungstheorien über die Pleite des Landes glauben und weshalb sie immer noch an eine schmerzlose Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Krise glauben, liegt darin, dass niemand sie in den Jahren zuvor über die Lage des Landes aufgeklärt hatte.”

2. “Crowdsourcing im Journalismus”
(kopfzeiler.org, Johannes Kuhn)
Johannes Kuhn macht sich Gedanken zur Kollaboration zwischen den Medienhäusern und ihren Lesern: “Ich glaube, dass es in der nächsten Zeit deshalb für Medienmarken im Netz darum gehen wird, aus Kunden (wieder) Sympathisanten zu machen.”

3. “‘Zeitungen werden neu erfunden'”
(stuttgarter-nachrichten.de, Reimund Abel)
Ein Interview mit dem Chefredakteur von Sueddeutsche.de, Stefan Plöchinger: “Die angelsächsischen Medien haben einen Vorsprung von etwa fünf Jahren. An Zeitungen wie dem britischen ‘Guardian’ oder der ‘New York Times’ können wir sehr genau absehen, was man richtig machen kann, wenn man sich auf diese neue Welt einlässt.”

4. “Ramsch für Kinder”
(plus.google.com, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz analysiert einen Tweet, der “Spiegel Online” vorhält, “Bashing gegen die Schlecker-Mitarbeiter/innen” zu betreiben.

5. “Grandios, so was als Ausländerin zu leisten”
(spiegel.de, Egzona Hyseni)
Egzona Hyseni beschreibt ihr Dasein als Kosovo-Albanerin in Deutschland: “Ich habe zwei Kulturen und den Ausländerbonus – auch wenn er manchmal ein Malus ist. Wenn ich gute Leistungen bringe, werde ich doppelt gelobt, bei schlechten schäme ich mich doppelt so sehr.”

6. “UN-Gesandter Kofi Annan ruft Waffenruhe zwischen 16 EM-Streitparteien aus”
(der-postillon.com)
“‘Es darf nicht sein, dass Differenzen darüber, wer die beste Mannschaft Europas hat, ständig eskalieren und immer mehr Menschen mitreißen’, sagte der ehemalige UN-Generalsekretär am Montag, nachdem in den Abendstunden ein etwa 90-minütiges Gefecht zwischen Truppen aus der Ukraine und Schweden ausgebrochen war, bei dem wiederholt scharf geschossen wurde.”

Bild  

Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft

Auch für “Bild” hört der Spaß irgendwann mal auf:

Sie legen Rohrbomben, zünden Autos an, besetzen Häuser. Und jetzt haben sie auch noch die Jagd auf unsere Deutschland-Fähnchen eröffnet!

“Sie”, das sind natürlich die üblichen Chaoten:

Pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft rufen Berliner Autonome zum stadtweiten Flaggen-Klau auf.

WARUM WOLLT IHR UNS AUCH NOCH DIE EM VERMIESEN?

Berlin wieder schwarz-rot-geilOb die Redakteure mit “uns” mal wieder “ganz Deutschland” meinen oder nur “Bild”, bleibt wie so oft unklar, aber zumindest macht die Zeitung keinen Hehl daraus, zu welchem Team sie bei der Fußball-Europameisterschaft hält (s. rechts). Es scheint, als sei es dieser Tage mindestens ebenso schlimm, gar kein Fußballfan zu sein, wie Fan eines anderen Nationalteams. Und am Allerschlimmsten sind natürlich – und damit zurück zu den Berliner Autonomen – die, die aktiv gegen die “schwarz-rot-geile” Partystimmung vorgehen.

Die Berliner Regionalausgabe erklärte gestern, was es heißt, wenn die Autonomen “jetzt” die Jagd auf “unsere” Deutschland-Fähnchen eröffnet haben:

Unter dem Motto “Capture the Flag” (deutsch: “Erbeute die Fahne”) wird seit Freitag dazu aufgerufen, alles zu zerstören, was Schwarz-Rot-Gold ist.

Die drei Männer und eine Frau, die da “vor einem Haufen geklauter Auto-Fähnchen” posieren, müssen in den drei Tagen richtig fleißig gewesen sein:

Warum wollt Ihr uns die EM vermiesen? Autonome rufen zum Flaggen-Klau auf

Andererseits steht das Foto schon seit dem 23. Juni 2010 bei “Indymedia”, was relativ eindeutig bedeutet, dass es sich bei der Beute nicht um aktuelle handelt.

Auch der “Autofähnchen-Ersatzflyer” zum Ausschneiden, von dem “Bild berichtet, ist keine aktuelle Entwicklung:

Das Flugblatt soll über den Stiel eines abgebrochenen Autofähnchens gesteckt werden.

Darauf steht: “Lieber Autofahrer. Ich habe Ihre Nationalfahne entfernt. (…) Sie produziert Nationalismus.”

Ein solches Flugblatt wurde bereits im November 2010 im Blog “Notes Of Berlin” dokumentiert.

Aber noch einmal zurück zur “Bild” im Juni 2012:

Im Internet wurde eine Broschüre veröffentlicht, die den Autonomen konkrete “Handlungsanweisungen” liefert. (…)

Dass sich die Täter mit ihrem Vandalismus strafbar machen, erwähnen sie natürlich nicht…

Nun kann man den Machern der Broschüre (PDF) durchaus vorwerfen, dass sie die strafrechtlichen Konsequenzen herunterspielen. Aber dass sich die Täter strafbar machen, verschweigen die Macher keineswegs. Sie widmen dem Aspekt “Rechtliche Konsequenzen des praktischen Antinationalismus” sogar eine ganze Seite:

Grundsätzlich ist das widerrechtliche Entfernen von Autofähnchen und anderem Fanzubehör nichts weiter als “Diebstahl geringwertiger Sachen” (§ 248a StGB), je nach Entwendungsart dann wohl in Tateinheit mit “Sachbeschädigung” (§ 303 StGB), die jeweils nur auf Antrag eines Betroffenen, z.B. der Eigentümer*innen, verfolgt werden. Das heißt, Autofahrer*innen, die ihr Fähnchen verloren haben und einen Diebstahl vermuten, müssten Anzeige erstatten.

Geschieht der Diebstahl serienmäßig und regen sich besonders viele Patriot*innen nach Lektüre der Boulevardpresse darüber auf, kann die Staatsanwaltschaft auch “wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten” halten (§ 248a). […]

Mit Dank an Uwe V., Thomas, Winz und Interessierter_Leser.

Thüringer Allgemeine, Roma, ZDF-Strand

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Roma, aber glücklich”
(taz.de, Paul Hockenos)
Paul Hockenos findet es “höllisch schwierig”, über Sinti und Roma zu schreiben, ohne in Klischees abzugleiten. “Wer allerdings über die Not hinausschaut, findet viele integrierte Roma aus der Unter- und Mittelschicht, die es aus dem Getto herausgeschafft haben. Wer schreibt über sie? Niemand. Es wäre schließlich nicht fesselnd genug. Das ist nicht alles: Es gibt eine nicht unerhebliche Anzahl von Slowaken, Rumänen, Ungarn und anderen, die genauso arm sind.”

2. “Brief der Redaktion der Thüringer Allgemeinen an ihren Chefredakteur Paul-Josef Raue”
(thueringerblogzentrale.de)
Die Redakteure der “Thüringer Allgemeinen” fordert von ihrem Chefredakteur Paul-Josef Raue unter anderem die “Wiedereinführung einer täglichen Redaktionskonferenz”. “Redaktionskonferenzen, wie sie in allen relevanten Zeitungen zur bewährten Praxis gehören, wurden formlos abgeschafft. Redaktionelle Belange werden allenfalls im kleinsten Kreis Ihres Stellvertreters und der beiden Desk-Chefs besprochen. In den Telefonrunden des Regional-Tisches mit den Lokalredaktionen wird diktiert statt kommuniziert.”

3. “Am ZDF-Strand”
(fr-online.de, Christoph Albrecht-Heider)
“Wie im Fernsehgarten, aber nicht wie bei einer Fußball-EM” fühlt sich Christoph Albrecht-Heider angesichts des von Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn gestalteten Rahmenprogramms auf Usedom. “Wer sich für Sport interessiert, sieht mit dem Ersten besser.” Siehe dazu auch “Twitter-Gemeinde sehnt sich bei der EM 2012 nach Kerner und Co beim ZDF” (derwesten.de, Sebastian Weßling), “ZDF: Massive Ton-Probleme beim EM-Einstand” (dwdl.de, Alexander Krei) und “Kein guter Tag für den ZDF-Kommentator Thomas Wark” (mediensalat.info, Ralf Marder)

4. “Drei gute Gründe gegen Leserreporter”
(bernetblog.ch, Kathrin Herrmann)
“1. Realität wird zur Unterhaltung, 2. Denn sie wissen nicht, was sie tun, 3. Schneller, höher, weiter: Leserreporter sind Teil der wachsenden Beschleunigung im Journalismus.”

5. “Warum ich meine Statistiktools ab sofort deaktiviert habe”
(schmalenstroer.net)
“Ich habe mich dazu entschlossen, hier die Statistikfunktionen abzuschalten und ab sofort auch nicht auf die Followerzahlen und die Facebook-Likes auf meinen Seiten zu achten. Ich bin gespannt, wie dies mein Blog verändern wird.”

6. “Fußballspiele live selbst kommentieren – oder anderen dabei zuhören”
(marcel-ist-reif.de)

Computer Bild, Closer, Le Nouvel Observateur

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “nackt mit Bier in der Ubahn – eine Entschuldigung”
(schteif.blogspot.de, SchtieF)
SchtieF entschuldigt sich, ein Foto eines nackt U-Bahn fahrenden Mannes geteilt zu haben.

2. “ComputerBild, die Fotomontage und das Urheberrecht”
(presseschauder.de, Christoph Keese)
Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs bei Axel Springer, versucht zu erklären, warum “Computer Bild” schrankenloses Kopieren propagiert. “Wegen der geschilderten Regeln zum Binnenpluralismus sage ich hier nur ganz allgemein, dass ich die Berichterstattung von ComputerBild mit Blick auf das Urheberrecht auch nicht immer optimal fand.” Siehe dazu auch “Huch. Ein Mem erschaffen?” (plus.google.com, Hanno Zulla).

3. “‘Closer ist das aggressivste Printobjekt'”
(meedia.de, ga.)
Für Medienanwalt Christian Schertz begeht das Magazin “Closer” mit seiner Berichterstattung einen “kalkulierten Rechtsbruch”. “Closer verletzt nahezu wöchentlich Persönlichkeitsrechte meiner Mandanten.”

4. “20minuten-Meldung zu YB-Fan ‘von A-Z falsch'”
(knappdaneben.net, Manuela Schiller)
Eine Rechtsanwältin wendet sich gegen eine Meldung aus der Printausgabe von “20 Minuten” über die Gerichtsverhandlung ihres Mandanten.

5. “Abschreckende Berichterstattung?”
(blog.tagesschau.de, Daniel Asche)
Daniel Asche kommt in Lemberg mit Fußballfans in Kontakt, die eine abschreckende Berichterstattung in Deutschland über die Ukraine konstatieren. “Wenn ich alles geglaubt hätte, was da zu lesen war über die Ukraine, hätte ich fast um mein Leben fürchten müssen. Dabei ist alles ganz anders. Die Menschen sind so wahnsinnig freundlich hier.”

6. “‘L’Obs’ censuré à Marseille!”
(tempsreel.nouvelobs.com, Lisa Vaturi, französisch)
Die Wochenzeitung “Le Nouvel Observateur” erscheint mit einem Titelbild, auf dem die Politikerin Marie-Arlette Carlotti zu sehen ist und verschwindet aufgrund einer dringlichen Verordnung der Behörden (“arrêté municipal pris en urgence”) von Kiosken in Marseille. Siehe dazu auch “A Marseille, la liberté de la presse muselée” (macarlotti.com, Marie-Arlette Carlotti, französisch).

Blättern:  1 ... 156 157 158 ... 293