Suchergebnisse für ‘Klima’

Springerbeschwerde, Olympia-Peinlichkeiten, AfD-Hass-Klima

1. Fall Kachelmann: Springer streitet weiter
(evangelisch.de)
Der Rechtsstreit zwischen dem Wettermoderator Jörg Kachelmann und dem Medienkonzern Axel Springer geht weiter. Nach Informationen des Evangelischen Pressediensts (epd) legte der Konzern gegen das Urteil des OLG Köln Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof ein. Der Springer-Sprecher begründet dies mit der schädlichen Wirkung von Strafzahlungen: “Dies würde eine einschüchternde Wirkung auf die freie Presse haben.”

2. Can Dündar tritt zurück
(faz.net)
Der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung “Cumhuriyet”, Can Dündar, ist von seinem Posten zurückgetreten und bleibt vorerst in Europa. Vertrauen in die türkische Justiz hat er nicht mehr. Wer kann es ihm verdenken: Dündar und der Hauptstadtbüroleiter der “Cumhuriyet”, Erdem Gül, waren im Mai zu fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt worden. Drei Monate saß er in Untersuchungshaft.

3. Stimmungslos
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Bei Gregor Keuschnig mag keine rechte Olympia-Stimmung aufkommen, was an den Fernsehmoderatoren und der medialen Inszenierung liege: “Wie man sich bei ARD und ZDF den medienkompatiblen Sportler vorstellt, konnte man am Sonntag bei einer Schaltung zum »Deutschen Haus« sehen. Elf Medaillengewinner saßen da nebeneinander und nun wollte der Reporter von jedem wissen, wie sie gefeiert haben, was es zu trinken gab, wie die Nachtruhe war, usw. Die Szenerie war an Peinlichkeit kaum zu überbieten; die Sportler, noch gezeichnet von den Feiern, als Pönitenten. Und dann wundert man sich, wenn keine Olympia-Stimmung vor dem Fernseher aufkommt.”

4. “Unterschichtenorientierte Medienberichterstattung über Straftaten”
(deutschlandfunk.de, Karin Beindorff)
“Zeit”-Kolumnist und Vorsitzender BGH-Richter Thomas Fischer im Interview mit dem “Deutschlandfunk”. Es geht unter anderem um Vorurteile und Vorverurteilungen in Strafrechtsprozessen. Diese seien darauf zurückzuführen, dass in den Medien oft sehr unwissend über solche Themen berichtet werde. Aber auch die Justiz tue das ihre dazu, weil sie sich abschotte. Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands, wehrt sich im Gespräch mit “kress.de” gegen die Kritik des Karlsruher Richters.

5. Stellungnahme der DW zu Anschuldigungen gegen Korrespondent Juri Rescheto
(dw.com)
Der Moskau-Korrespondent der “Deutschen Welle” Juri Rescheto hat auf Einladung des Verbands der Auslandspresse in Moskau eine Reise auf die Krim unternommen. Nachdem in den sozialen Medien Kritik aufkam, bei der es auch um ein von Rescheto gegebenes Interview für “Russia Today” und die Verwendung von Hashtags geht, hat die “Deutsche Welle” nun eine Stellungnahme veröffentlicht.

6. “Sehr hässliche Hassmails”
(sueddeutsche.de, Martina Scherf)
Der Physiker Harald Lesch hat sich mit den Aussagen des AfD-Programms zum Klimawandel beschäftigt und in einem zehnminütigen Video die Dinge richtiggestellt. Darauf folgten wütende Kommentare von Klimawandelleugnern und AfD-Anhängern, aber auch von der Gegenseite. Nun ließ er ein “Terra X”-Video über die “Psychologie hinter Hass” folgen.

Krawalljournalismus, Klimawechsel, Kremlnews

1. Hetzer, Idioten und Dumpfbacken
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Kommunikative Rüpelei hat längst ihren Platz in den traditionellen Medien gefunden, findet Heribert Seifert. Dem Wutbürger im Internet trete in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Seifert listet einige Fälle auf, bei denen etablierte Medien seiner Meinung nach unangemessen berichten und mit “Kampfvokabeln” operieren würden: “Es herrscht die Stimmung eines Kulturkriegs, der wenig Raum für vernünftige politische Debatte kennt.”

2. Wie der “Guardian” zum Anwalt der Klimabewegung wurde
(tagesspiegel.de, Dagmar Dehmer)
Der britische „Guardian“ betreibt seit März 2015 eine Klimakampagne und hat damit zwei seiner eigenen Geldgeber unter Druck gesetzt. Die beiden größten Gesundheitsstiftungen der Welt, die Gates-Stiftung und der Wellcome-Trust, würden nämlich nicht nur die Berichterstattung des Medienhauses zu Entwicklungsthemen mitfinanzieren, sondern seien Investoren bei Firmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie. Nach anfänglichem Widerstand hätte sich die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung nun leise von umfangreichen Investitionen in der Ölindustrie verabschiedet.

3. Ex-Mann, Ausländer, Okkultisten: Wer alles verdächtigt wurde
(derbund.ch, Thomas Knellwolf)
In den Monaten zwischen dem Familienmord im schweizerischen Rupperswil und seiner Aufklärung ergingen sich Medien, Experten und Politiker in wilden Spekulationen über den Täter. Man hätte sich regelrecht mit Mutmaßungen überboten und wenig Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer genommen, so der “Bund”. Selbst Kriminalisten hätten sich an dem Geunke und Geraune beteiligt. Lesenswert dazu auch der persönliche Beitrag Rambojournalisten in Town, der mit dem Schweizer Boulevardjournalismus hart ins Gericht geht.

4. Unverhohlene Drohung: NPD-nahe Seite stellt Fotos und Namen von Journalisten online
(endstation-rechts.de, Oliver Cruzcampo)
Nach NPD-Demos in Schwerin und Demmin wurden laut “Endstation Rechts” von einer NPD-nahen Facebook-Seite Fotos der anwesenden Journalisten und deren Namen veröffentlicht. Nur kurz zuvor hätte Fraktionschef Udo Pastörs in seiner Rede von „Journaille-Schmierern“ und „Schweinejournalismus“ gesprochen. Dies zeige Wirkung: “Immer weniger Journalisten sind bereit, von solchen Auftritten zu berichten”, so ein Mitarbeiter eines Beratungsvereins für Betroffene rechter Gewalt.

5. Reality statt Life
(Jarina Kajafa, taz.de)
Letzte Woche machte das Bild die Runde, mit dem die russische Botschaft eine Militärmeldung illustrierte und das sich als Screenshot aus dem Spiel „Command & Conquer” entpuppte. Im Mai blühe die russische Lügenindustrie anscheinend besonders prächtig, findet Jarina Kajafa von der “taz”: Belege und Veteranen würden gefakt, Statisten für die Paraden gekauft und Meldungen verzerrt.

6. Rechte Talkshowgäste: Wie Pyromanen in der Streichholzfabrik
(spiegel.de, Georg Diez)
“Die Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen befördern den gesellschaftlichen Rechtsrutsch”, lautet die Kernbotschaft von “Spiegel”-Kolumnist Georg Diez. Es sei Zeit für eine neue Diskurs-Republik: “Die deutsche Talkshow-Republik ist, wie die reale auch, dem Proporz und dem Konsens verpflichtet – aber dieses Modell ist in Lähmung erstarrt und vor allem an seiner eigenen Existenz und an seinem eigenen Überleben interessiert.”

Klimaabkommen, Morddrohungen, Wort des Jahres

1. Historisches als Randnotiz
(taz.de, Malte Kreutzfeldt)
“Geschenke” (“FAS”), “Das fatale Ende eines Schulfachs” (“WamS”) und “Weihnachtsgeld zu gewinnen” (“BamS”) — das waren die Aufmacher der überregionalen Sonntagszeitungen. Dass in Paris am Abend zuvor “Geschichte geschrieben wurde, war für traditionelle deutsche MediennutzerInnen kaum zu merken”, kritisiert Malte Kreutzfeld. Die “Welt”-Medien hätten sogar darauf verzichtet, überhaupt einen Redakteur zur Klimakonferenz zu schicken.

2. Reporter als Panzerfahrer ohne Uniform
(deutschlandfunk.de, Maximilian Grosser, Audio, 4:33 Minuten)
“Russia Today” sei eine Art trojanisches Pferd der psychologischen Kriegsführung, sagt Mustafa Nayem. Und die Mitarbeiter des russischen TV-Senders sind für den Journalisten und Parlamentsabgeordneten aus der Ukraine wie Panzerfahrer ohne Uniformen. Maximilian Grosser dokumentiert ein Treffen russischer, ukrainischer und georgischer Intellektueller, die nach Möglichkeiten suchten, wie man der “Maschinerie der Desinformation” entgegentreten könnte.

3. Notizblöcke, Waffen und Kokain: Das einsame Leben eines paraguayischen Journalisten
(vice.com, Dorian Geiger)
Vor dem Haus von Cándido Figueredo Ruíz stehen sieben Männer mit Maschinenpistolen, Kameras haben alles im Blick. Figueredo braucht diesen Schutz nicht, weil er der Boss eine mächtigen Drogenkartells ist, sondern ein Journalist, der über die kriminellen Geschäfte der lokalen Gruppen berichtet und regelmäßig Morddrohungen erhält: “Ich bin mir voll und ganz im Klaren darüber, dass sie mich jederzeit ermorden können.”

4. Was die Leser der “Jungen Freiheit” so über Juden denken
(starke-meinungen.de, Alan Posener)
Viel muss Alan Posener gar nicht schreiben, er belässt es bei einem Satz: “Ich gebe hier die Kommentare unter einem Artikel aus der ‘Jungen Freiheit’ wieder, in dem Dieter Stein meint, auch die Juden würden inzwischen ihre Unterstützung für Multikulti aufgeben und dafür sein, dass sich Deutschland gegen die Fremdenflut wehrt.” Danach sprechen die Kommentatoren für sich.

5. Journalismus: Die Zuckerberg-Blamage
(neunmalsechs.blogsport.eu, Carsten Buchholz)
An der “Top-Schlagzeile des Tages” (allerdings schon ein paar Tage her) “Facebookgründer Mark Zuckerberg spendet 45 Milliarden Dollar an eine Stiftung für wohltätige Zwecke” sei “leider alles falsch”, schreibt Carsten Buchholz. Er erklärt wieso und zeigt, welches Medium wie falsch berichtet haben soll.

6. Flüchtlinge zu Geflüchteten?
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Nachdem “Flüchtling” vergangene Woche zum Wort des Jahres gekürt wurde, gab es kritische Stimmen, die den Begriff als “abschätzig” bezeichneten und dafür plädierten, ihn durch “Geflüchtete” zu ersetzen. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch analysiert das Wort, seine Bedeutung und mögliche Alternativen.

Klambt, Klimajournalisten, Vergewaltigungen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die ersponnenen Titel bunter Blätter”
(ndr.de, Video, 6:43 Minuten)
Zu Besuch im Friseursalon, wo Klatschzeitschriften gelesen werden. Und bei der Mediengruppe Klambt, wo diese erstellt werden.

2. “Erschütternde Schockstudien über asiatische Männer”
(hogymag.wordpress.com, almasala)
“Bild” schreibt über eine “Schock-Studie der UN” zu Vergewaltigungen durch Männer aus Asien. “Die Wissenschaftler kommen in ihrer Diskussion zum Schluss, dass sich die Ergebnisse nicht auf den gesamten asiatischen Raum übertragen lassen würden, weil sie nur sehr wenig Länder (6) betrachtet hätten und die Anzahl der befragten Männer zwischen den sechs Ländern stark variierte.”

3. “‘Wie schnell darf ein Mann kommen?'”
(medien-doktor.de)
Der Bild.de-Artikel “Wie schnell darf ein Mann kommen?” im Check von Medien-doktor.de.

4. “Interview zum Klimawandel: Wie Journalisten Forschungsergebnisse filtern”
(spiegel.de, Axel Bojanowski)
“Neun von zehn der Klimajournalisten vertrauen den Ergebnissen des IPCC”, sagt Kommunikationsforscher Michael Brüggemann: “Je stärker Journalisten Advokaten für ökologische Reformen sein wollen, umso stärker stimmen sie auch dem Resümee des Weltklimarats zum menschengemachten Klimawandel zu.”

5. “So sehen die Chefs ihr Medienhaus im 2018”
(persoenlich.com)
Schweizer Verleger geben Auskunft, wo sie ihre Medienhäuser in fünf Jahren sehen.

6. “Anzeige gegen ‘Tagesspiegel’ und ‘Zeit’ wegen Piraten-Interview”
(netzpolitik.org, Nicolas Fennen)
Wie Buchreport.de berichtet, wurden Strafanzeigen eingereicht wegen der namentlichen Nennung einer Website: “Dass die Veröffentlichung von urheberrechtlich geschütztem Material verfolgt wird ist nichts Neues. Das aber bereits die Nennung einer solchen Plattform strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht sehr wohl.”

Paul Ronzheimer, Renditen, Klimawandel

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Mein dir deine Bildung!”
(pantelouris.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris analysiert den “Bild”-Artikel “So hat uns Zypern betrogen!”: “Offensichtlich hat sich Paul Ronzheimer bei seinem unermüdlichen Versuch BILD-Leser gegen Südeuropäer aufzuhetzen inzwischen davon verabschiedet, auch nur den Anschein erwecken zu wollen, so etwas wie Argumente, Fakten oder Logik zu verwenden. Er tippt einfach irgendetwas und schreibt seine Schlussfolgerung ohne Zusammenhang dazu.”

2. “Traumhafte Renditen für Zeitungsverlage”
(dradio.de, Stephan Karkowsky)
Medienökonom Frank Lobigs über die Renditen von Zeitungsverlagen: “Das sind Renditen, da können andere Unternehmen nur von träumen! Wenn Sie normale Großunternehmen nehmen, dann haben die eine Durchschnittsrendite von vier Prozent. Die Verlage liegen beim Dreifachen oder Vierfachen davon.”

3. “‘Zeitungspresse als Machtinstrument'”
(tagesspiegel.de, Bernhard Schulz)
Heute wird in Berlin die Sonderausstellung “Zwischen den Zeilen? Zeitungspresse als NS-Machtinstrument” eröffnet. “Mit dem heutigen Blick für die Vielfalt von Meldungen und Meinungen ist der Eindruck der Zeitungslandschaft im NS-Regime niederschmetternd. Die gleichen Parolen, die gleichen im Stakkato gehämmerten Phrasen, die gleiche Typographie, fette Überschriften und rote Balken, dazu idyllische Fotos von der Front, wo sich Landser eine Zigarettenpause gönnen oder ihr Nachtlager bereiten: ‘Kein Himmelbett kann damit konkurrieren’, so die Bildunterschrift.”

4. “Klimawandel: Skeptiker amtlich unerwünscht”
(heute.de, Reinhard Schlieker)
Reinhard Schlieker kommentiert die Broschüre “Und sie erwärmt sich doch” des Umweltbundesamts, die mit Journalisten und Wissenschaftlern, “die einen menschengemachten Klimawandel für nicht erwiesen halten”, abrechne: “Die Publikation des Bundesamtes kann beim unbefangenen Leser den Eindruck erwecken, man habe es bei diesen Journalisten und Buchautoren mit vorsätzlichen Fälschern zu tun, die fremdgesteuert sind und von irgendwelchen Lobbyisten bezahlt werden.”

5. “Den Eltern den Job erklären”
(vocer.org, Steffi Fetz und Lisa Altmeier)
Die Aktion #erklärsmama bemüht sich, Kommunikationsberufe verständlich zu machen: “Teilweise kapieren die Menschen selbst nicht, was sie arbeiten. Wie sollen es dann die Eltern verstehen?”

6. “Blut, Miniröcke, Jargon. Wie man Szenetexte fabriziert”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)

Klimaforscher, Macheten, Vuvuzelas

6 vor 9

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1. “Wie Schiffeversenken, nur ernster”
(sueddeutsche.de, Peter Glaser)
Peter Glaser nennt Journalismus “die zivilisierteste Form von Widerstand”. Sein Text zur Zukunft des Journalismus befasst sich unter anderem mit der Suchmaschinenoptimierung und der Auflösung der klassischen Bündelungsform.

2. “SPIEGEL vs. ZEIT”
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Eine Diplomarbeit vergleicht die von “Spiegel” und “Zeit” in Artikeln zum Thema Klimawandel zitierten Klimaforscher.

3. “Opfer von Täuschungsmanöver”
(stuttgarter-zeitung.de, Erik Raidt)
Unbekannte geben sich gegenüber der Presse als “Junge Liberale” aus und wenden sich “mit drastischen Parolen gegen Arbeitslose”: “Die Stuttgarter Zeitung bedauert, dass die Jungen Liberalen durch die Berichterstattung über die von Dritten fälschlich in Umlauf gebrachten Behauptungen in ein falsches Licht gerückt worden sind.”

4. “Gewalt? Chaos? Desorganisation?”
(profil.at, Johannes Dieterich)
Die Fußball-WM in Südafrika hat begonnen. Johannes Dieterich erinnert nochmals an die zuvor verbreiteten Vorbehalte: “WM-Besucher müssten damit rechnen, von machetenschwingenden Farbigen zerstückelt zu werden, schrieb der Reporter eines britischen Boulevardblatts. Ein deutsches Sicherheitsunternehmen empfahl seiner Nationalmannschaft, ihr Hotel nur mit kugelsicheren Westen zu verlassen.”

5. “Frisch am Stück.”
(alexander-kissler.de)
Alexander Kissler sieht den kritischen Sportjournalismus während der WM in einer Auszeit: “Kritik hat Sendepause, Sportjournalismus wird zum angewandten Fan-Sein. Jetzt werden, je nach Verbreitungsgebiet, Helden gemacht, Stars gepriesen, Führer gebenedeit.”

6. “Vuvuzela-Filter”
(surfpoeten.de)
Wie macht man ein Audiosignal vuvuzelafrei? Eine kurze Anleitung.

Kachelmann, Klima, Karfreitag

6 vor 9

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1. “Kachelmann 2. Tag”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Wie schon am Montag schreibt Kai Gniffke, warum der Vergewaltigungsverdacht gegen Jörg Kachelmann nicht in der Tagesschau auftaucht. Von “Bild”, die ihn für ein Interview mit zahlreichen Fragen konfrontierte, brauche er “keine Nachhilfe in Bezug auf verantwortungsvollen Journalismus, sicher nicht.”

2. “Das ganze verdammte Mediending”
(kaliban.de, Gunnar Lott)
Gunnar Lott ist zunehmend gelangweilt von “Qualitätsmedien”, die “Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat”, durchhecheln. “Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen.”

3. “blöde klima-panikmache”
(benkoe.ch, Thomas Benkö)
“Bild” gibt dem durch den Mensch verursachten Klimawandel die Schuld am Verschwinden der kleinen South Talpatti Island. Thomas Benkö sieht das anders: “wind und wasser haben eine insel erschaffen, wind und wasser haben sie wieder verschwinden lassen.”

4. “Frühlingserwachen der Zecken-Experten”
(gesundheit.blogger.de, hockeystick)
Auch diesen Sommer wird es wieder Zecken geben. Trotz oder wegen des harten Winters.

5. “Fernsehen am Krawallfreitag”
(fernsehkritik.tv)
Ein Text zum Wandel des Fernsehprogramms am Karfreitag: “Manch einer mag meine Kritik als altbacken und nicht mehr zeitgemäß betrachten. Zumindest ein solch religiöser Feiertag sollte aber vom Zeitgeist abgekoppelt sein. Und selbst für Atheisten kann es doch durchaus mal angenehm sein, wenigstens an einem Tag des Jahres ein leiseres und nachdenklicheres Fernsehprogramm zu sehen.”

6. “Die Presse schiebt 150 % ab”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Eine Kurzmeldung in der österreichischen Tageszeitung “Die Presse”.

Kurze Wege aus der Klimakatastrophe

Es sind ja nicht nur die Leute, die den ganzen Tag das Licht im Bad brennen lassen oder in den Urlaub fahren, während der Fernseher zuhause weiter auf Stand-by vor sich hinbrummt, die das Klima kaputtmachen. Es sind auch die Leute, die in Berlin immer noch rücksichtslos Schweizer Schokolade kaufen, die Hunderte Kilometer aus den Alpen herangekarrt werden muss, anstatt auf Ware aus regionalen Schokoladenanbaugebieten, etwa im schönen Zeitz in Sachsen-Anhalt, zurückzugreifen.

Und sagen Sie nicht, das sei Unsinn, weil entscheidende Schokoladenzutaten im einen wie im anderen Fall vom Äquator herangeschafft werden müssen, was die Öko-Bilanz noch ein bisschen stärker beeinflussen dürfte als die Kilometer, die die fertigen Tafeln dann noch zum Verbraucher zurücklegen. Die “Bild”-Zeitung hat das ganz genau nachgerechnet, anhand von drei Einkaufskörben von Kunden aus dem Ullrich-Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte. Und Mark F., den es “nicht kümmert”, ob die Produkte viele Kilometer nach Deutschland transportiert werden müssen und dadurch CO2 ohne Ende produzieren, bringt es auf insgesamt 95.350 Kilometer, darunter:

Schokolade --- Schweiz --- 750 km

Viel besser steht dagegen Stefan V. da, zufällig Chef des Ullrich-Verbrauchermarktes in Berlin-Mitte, in dessen Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte der Test ja, wie gesagt, stattfand. Insgesamt nur 3510 Kilometer hat er auf der Uhr, darunter:

Schokolade --- Zeitz --- 218 km

“Bild” hat neben sein Foto noch die Worte “…denn das Gute liegt doch so nah” geschrieben, denn auch den Kaffee bezieht V. umweltschonend aus dem sachsen-anhaltischen, äh, Hochland:

Kaffee --- Magdeburg --- 156 km

Und wenn ihm jemand sagt, er solle doch dahin gehen, wo der Pfeffer wächst, versaut nicht einmal das die Öko-Bilanz von Stefan V.:

Pfefferwürste --- Eberswalde --- 64 km

Sie sehen: Es ist ganz einfach, die Umwelt zu schonen, man muss nur auf frische Produkte verzichten und Fertiggerichte aus der Nähe kaufen. Gerne auch beim Ullrich-Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte, dessen Sortiment, wie sein Chef und Kunde Stefan V. in “Bild” erzählt, “rund 25.000 Produkte umfasst”. Da lohnt sich bestimmt auch eine weitere Anfahrt.

Danke an Daniele, Sebastian S. und A.J.

Mega-Fusion, 20 Jahre Straflosigkeit, Die Welt vor der Haustür

1. Mega-Fusion krempelt Hollywood um
(taz.de)
Der von der Familie des Tech-Milliardärs Larry Ellison kontrollierte Medienkonzern Paramount habe die rund 110 Milliarden US-Dollar umfassende Übernahme von Warner Bros. Discovery abgeschlossen. In den USA löse der Megadeal medienpolitische Sorgen aus: Da Ellison als enger Unterstützer von US-Präsident Donald Trump gelte, werde ein möglicher politischer Einfluss auf den zu Warner gehörenden Nachrichtensender CNN befürchtet. Um die Bedenken abzufedern, habe der Konzern ein Gremium für die redaktionelle Unabhängigkeit des Senders zugesagt und CNN-Chefredakteur Mark Thompson im Amt bestätigt.

2. Mord an Anna Politkowskaja: 20 Jahre Straflosigkeit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Auch 20 Jahre nach dem tödlichen Attentat auf die russische Investigativjournalistin Anna Politkowskaja am 7. Oktober 2006 würden die eigentlichen Auftrag- und Geldgeber des Mordes ungestraft bleiben. Politkowskaja, die in der regierungskritischen Zeitung “Nowaja Gaseta” Folter und Kriegsverbrechen in Tschetschenien dokumentiert hatte, war im Aufzug ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Die anhaltende Straflosigkeit stehe laut der Organisation Reporter ohne Grenzen sinnbildlich für die systematische Zerstörung der Pressefreiheit unter Wladimir Putin.

3. “Generative KI – Verlage brauchen Datentransparenz und wirksame Instrumente zur Rechtsdurchsetzung”
(urheber.info)
Anlässlich der Frankfurter Buchmesse fordern zahlreiche Verlage in einem gemeinsamen Appell wirksame gesetzliche Maßnahmen gegen den unvergüteten Einsatz geschützter Werke beim KI-Training. Internationale KI-Unternehmen würden fremde Werke systematisch ohne Zustimmung nutzen und bestehende Nutzungsvorbehalte ignorieren. Eine rechtliche Durchsetzung sei für europäische Verlage wegen der schwierigen Beweislast und der hohen Prozesskosten praktisch unmöglich.

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4. Drepper gründet Redaktion für Umwelt- und Klimarecherchen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Investigativjournalist Daniel Drepper, Vorsitzender des Netzwerk Recherche und ehemals Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, wolle mit “Otter News” eine neue gemeinwohlorientierte Rechercheredaktion aufbauen. Das Projekt widme sich ausschließlich fundierten Umwelt- und Klimarecherchen, deren Kernergebnisse ohne Paywall frei zugänglich bleiben sollen. Die Finanzierung soll ab Januar 2027 über ein Mitgliedermodell gesichert werden. Geplant seien Video-, Newsletter- sowie investigative Audioformate wie der Podcast “Feuer”.

5. Lokaljournalismus: Die Welt vor der Haustür
(verdi.de, Claudia Krieg)
Claudia Krieg analysiert die existenzielle Krise des Lokaljournalismus in Deutschland, der durch redaktionelle Zentralisierungen großer Verlage und den Rückzug aus der Fläche dramatisch geschwächt werde. Wo lokale Berichterstattung verschwindet und sogenannte Nachrichtenwüsten entstehen, würden vor allem rechtspopulistische bis rechtsextreme Akteure diese Lücken nutzen. Obwohl Lokaljournalismus als demokratische Basisinfrastruktur unverzichtbar sei, habe die Bundesregierung ihre bundesweite Strukturförderung eingestellt.

6. Helene Fischer geht auch gegen Papa­razzo leer aus
(lto.de, Hasso Suliak)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Klage von Schlagerstar Helene Fischer gegen einen Paparazzo, der sie heimlich mit ihrer Tochter in der Münchner Innenstadt fotografiert und die Bilder an Boulevardmedien verkauft habe, abgewiesen. Nach vorangegangenen Urteilen zugunsten der berichtenden Verlage habe der BGH auch gegenüber dem Fotografen Ansprüche auf DSGVO-Schadensersatz oder zivilrechtliche Geldentschädigung verneint. Hasso Suliak erklärt bei “Legal Tribune Online” die juristischen Hintergründe.

Guter Wetterjournalismus, Zehn Jahre “Funk”, Barrierefreiheit

1. Extremereignisse ohne Panikmache: Claudia Kleinert über guten Wetterjournalismus
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert beschreibt im Interview den wachsenden Spagat ihres Berufsfelds zwischen akuter Vorhersage und langfristiger klimawissenschaftlicher Einordnung von Extremwetterlagen. Angesichts gehäufter Hitzerekorde und Katastrophen stehe der Wetterjournalismus vor der Herausforderung, Fakten ungeschönt und wissenschaftlich fundiert zu vermitteln, ohne in klickgetriebene Panikmache zu verfallen. Wetterjournalismus brauche mehr Sendezeit für lösungsorientierte Hintergrunderklärungen und empathische Perspektiven auf Betroffene vor Ort.

2. Acht Dinge, die ich aus dem Enthüllungsbuch über Facebook gelernt habe
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
In ihrem Insider-Buch “Careless People” (deutsch: “Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor”) zeichne die ehemalige Public-Policy-Direktorin Sarah Wynn-Williams ein ernüchterndes Bild der Führungsriege von Facebook (heute Meta). Das Werk dokumentiere systematische Versuche, Regulierung durch gezielte Abhängigkeiten von Politikerinnen und Politikern abzuwehren, sowie die kommerzielle Ausbeutung emotional verletzlicher Jugendlicher. Zudem werfe die Autorin dem Konzern eine toxisch-frauenfeindliche Unternehmenskultur und eine fatale Ignoranz gegenüber gewaltfördernder Hetze vor.

3. Der Medienrat macht sich Gedanken
(verdi.de, Volker Nünning)
Ein neuer, unabhängiger Medienrat soll prüfen, ob ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren gesetzlichen Programmauftrag erfüllen. Die Ratsvorsitzende Nathalie Wappler erkläre, dass man sich dabei auf Daten der öffentlich-rechtlichen Sender sowie eigene wissenschaftliche Gutachten stütze. Dies betreffe insbesondere die Frage, wie ausgewogen und vielfältig das Programm tatsächlich ist. Ziel sei es, die Diskussion über angebliche Einseitigkeit mit Fakten statt mit Bauchgefühl zu führen. Der erste offizielle Bericht soll Ende 2028 erscheinen. Bei Mängeln müssen die Sender nachbessern.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 261 vom 30.09.2026
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christian Deker)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche zeichnet ein Lagebild eines zunehmend unter Druck stehenden Berufsstands: Wachsende Anfeindungen und Einschüchterungen im politischen Raum, Stellenabbau, algorithmische Abhängigkeiten auf Plattformen sowie Desinformationsnetzwerke würden die Debatte prägen. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Wieso nicht barrierefreier Journalismus in seinem öffentlichen Auftrag versagt
(de.ejo-online.eu, Ahmed Riad Younes)
Barrierefreiheit werde in Diversitätsdebatten vieler Medienhäuser nach wie vor vernachlässigt und fälschlicherweise als technisches Nischenthema statt als Kernbestandteil des öffentlichen Auftrags behandelt, kritisiert Ahmed Riad Younes. Fehlende Alt-Texte, unzugängliche Videos oder rein visuelle Layouts schlössen Millionen Menschen mit Behinderungen von essenziellen Informationen aus. Der Autor betont, dass Barrierefreiheit zudem nach innen greifen müsse: Unzugängliche Redaktionssysteme und Arbeitsroutinen würden Journalistinnen und Journalisten mit Einschränkungen daran hindern, gleichberechtigt am redaktionellen Betrieb mitzuwirken.

6. 10 Jahre Funk: Aus der “Totgeburt” ist ein Erfolgsmodell geworden
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Zum zehnjährigen Bestehen von “Funk” bilanziert Timo Niemeier den Wandel des von ARD und ZDF betriebenen Jugendnetzwerks vom anfangs belächelten Onlineprojekt zum unverzichtbaren Innovationslabor für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Durch konsequente Plattformorientierung (YouTube, Social Media) statt eigener Apps erreiche “Funk” heute 88 Prozent Bekanntheit bei den 14- bis 29-Jährigen. Vor Herausforderungen stehe das Netzwerk durch sein seit 2016 eingefrorenes Budget sowie den anstehenden Generationenwechsel.

7. Die Debatte um Elif Eralp
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:56 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Debatte um die Berliner Spitzenkandidatin der Linken Elif Eralp: “Ich finde, wir sollten alle genauer hinhören. Und jedes Mal, wenn wieder ‘etwas bekannt’ wird, sollten wir uns fragen: Was genau wird da eigentlich wem vorgeworfen? Und was hat das eine mit dem anderen zu tun? Denn wenn man jede Information wie eine Enthüllung erzählt, klingt irgendwann selbst ein Einkaufszettel wie ein Geständnis.”

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