Suchergebnisse für ‘Klima’

Klambt, Klimajournalisten, Vergewaltigungen

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die ersponnenen Titel bunter Blätter”
(ndr.de, Video, 6:43 Minuten)
Zu Besuch im Friseursalon, wo Klatschzeitschriften gelesen werden. Und bei der Mediengruppe Klambt, wo diese erstellt werden.

2. “Erschütternde Schockstudien über asiatische Männer”
(hogymag.wordpress.com, almasala)
“Bild” schreibt über eine “Schock-Studie der UN” zu Vergewaltigungen durch Männer aus Asien. “Die Wissenschaftler kommen in ihrer Diskussion zum Schluss, dass sich die Ergebnisse nicht auf den gesamten asiatischen Raum übertragen lassen würden, weil sie nur sehr wenig Länder (6) betrachtet hätten und die Anzahl der befragten Männer zwischen den sechs Ländern stark variierte.”

3. “‘Wie schnell darf ein Mann kommen?'”
(medien-doktor.de)
Der Bild.de-Artikel “Wie schnell darf ein Mann kommen?” im Check von Medien-doktor.de.

4. “Interview zum Klimawandel: Wie Journalisten Forschungsergebnisse filtern”
(spiegel.de, Axel Bojanowski)
“Neun von zehn der Klimajournalisten vertrauen den Ergebnissen des IPCC”, sagt Kommunikationsforscher Michael Brüggemann: “Je stärker Journalisten Advokaten für ökologische Reformen sein wollen, umso stärker stimmen sie auch dem Resümee des Weltklimarats zum menschengemachten Klimawandel zu.”

5. “So sehen die Chefs ihr Medienhaus im 2018”
(persoenlich.com)
Schweizer Verleger geben Auskunft, wo sie ihre Medienhäuser in fünf Jahren sehen.

6. “Anzeige gegen ‘Tagesspiegel’ und ‘Zeit’ wegen Piraten-Interview”
(netzpolitik.org, Nicolas Fennen)
Wie Buchreport.de berichtet, wurden Strafanzeigen eingereicht wegen der namentlichen Nennung einer Website: “Dass die Veröffentlichung von urheberrechtlich geschütztem Material verfolgt wird ist nichts Neues. Das aber bereits die Nennung einer solchen Plattform strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht sehr wohl.”

Paul Ronzheimer, Renditen, Klimawandel

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1. “Mein dir deine Bildung!”
(pantelouris.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris analysiert den “Bild”-Artikel “So hat uns Zypern betrogen!”: “Offensichtlich hat sich Paul Ronzheimer bei seinem unermüdlichen Versuch BILD-Leser gegen Südeuropäer aufzuhetzen inzwischen davon verabschiedet, auch nur den Anschein erwecken zu wollen, so etwas wie Argumente, Fakten oder Logik zu verwenden. Er tippt einfach irgendetwas und schreibt seine Schlussfolgerung ohne Zusammenhang dazu.”

2. “Traumhafte Renditen für Zeitungsverlage”
(dradio.de, Stephan Karkowsky)
Medienökonom Frank Lobigs über die Renditen von Zeitungsverlagen: “Das sind Renditen, da können andere Unternehmen nur von träumen! Wenn Sie normale Großunternehmen nehmen, dann haben die eine Durchschnittsrendite von vier Prozent. Die Verlage liegen beim Dreifachen oder Vierfachen davon.”

3. “‘Zeitungspresse als Machtinstrument'”
(tagesspiegel.de, Bernhard Schulz)
Heute wird in Berlin die Sonderausstellung “Zwischen den Zeilen? Zeitungspresse als NS-Machtinstrument” eröffnet. “Mit dem heutigen Blick für die Vielfalt von Meldungen und Meinungen ist der Eindruck der Zeitungslandschaft im NS-Regime niederschmetternd. Die gleichen Parolen, die gleichen im Stakkato gehämmerten Phrasen, die gleiche Typographie, fette Überschriften und rote Balken, dazu idyllische Fotos von der Front, wo sich Landser eine Zigarettenpause gönnen oder ihr Nachtlager bereiten: ‘Kein Himmelbett kann damit konkurrieren’, so die Bildunterschrift.”

4. “Klimawandel: Skeptiker amtlich unerwünscht”
(heute.de, Reinhard Schlieker)
Reinhard Schlieker kommentiert die Broschüre “Und sie erwärmt sich doch” des Umweltbundesamts, die mit Journalisten und Wissenschaftlern, “die einen menschengemachten Klimawandel für nicht erwiesen halten”, abrechne: “Die Publikation des Bundesamtes kann beim unbefangenen Leser den Eindruck erwecken, man habe es bei diesen Journalisten und Buchautoren mit vorsätzlichen Fälschern zu tun, die fremdgesteuert sind und von irgendwelchen Lobbyisten bezahlt werden.”

5. “Den Eltern den Job erklären”
(vocer.org, Steffi Fetz und Lisa Altmeier)
Die Aktion #erklärsmama bemüht sich, Kommunikationsberufe verständlich zu machen: “Teilweise kapieren die Menschen selbst nicht, was sie arbeiten. Wie sollen es dann die Eltern verstehen?”

6. “Blut, Miniröcke, Jargon. Wie man Szenetexte fabriziert”
(blog.tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)

Klimaforscher, Macheten, Vuvuzelas

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1. “Wie Schiffeversenken, nur ernster”
(sueddeutsche.de, Peter Glaser)
Peter Glaser nennt Journalismus “die zivilisierteste Form von Widerstand”. Sein Text zur Zukunft des Journalismus befasst sich unter anderem mit der Suchmaschinenoptimierung und der Auflösung der klassischen Bündelungsform.

2. “SPIEGEL vs. ZEIT”
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Eine Diplomarbeit vergleicht die von “Spiegel” und “Zeit” in Artikeln zum Thema Klimawandel zitierten Klimaforscher.

3. “Opfer von Täuschungsmanöver”
(stuttgarter-zeitung.de, Erik Raidt)
Unbekannte geben sich gegenüber der Presse als “Junge Liberale” aus und wenden sich “mit drastischen Parolen gegen Arbeitslose”: “Die Stuttgarter Zeitung bedauert, dass die Jungen Liberalen durch die Berichterstattung über die von Dritten fälschlich in Umlauf gebrachten Behauptungen in ein falsches Licht gerückt worden sind.”

4. “Gewalt? Chaos? Desorganisation?”
(profil.at, Johannes Dieterich)
Die Fußball-WM in Südafrika hat begonnen. Johannes Dieterich erinnert nochmals an die zuvor verbreiteten Vorbehalte: “WM-Besucher müssten damit rechnen, von machetenschwingenden Farbigen zerstückelt zu werden, schrieb der Reporter eines britischen Boulevardblatts. Ein deutsches Sicherheitsunternehmen empfahl seiner Nationalmannschaft, ihr Hotel nur mit kugelsicheren Westen zu verlassen.”

5. “Frisch am Stück.”
(alexander-kissler.de)
Alexander Kissler sieht den kritischen Sportjournalismus während der WM in einer Auszeit: “Kritik hat Sendepause, Sportjournalismus wird zum angewandten Fan-Sein. Jetzt werden, je nach Verbreitungsgebiet, Helden gemacht, Stars gepriesen, Führer gebenedeit.”

6. “Vuvuzela-Filter”
(surfpoeten.de)
Wie macht man ein Audiosignal vuvuzelafrei? Eine kurze Anleitung.

Kachelmann, Klima, Karfreitag

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1. “Kachelmann 2. Tag”
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Wie schon am Montag schreibt Kai Gniffke, warum der Vergewaltigungsverdacht gegen Jörg Kachelmann nicht in der Tagesschau auftaucht. Von “Bild”, die ihn für ein Interview mit zahlreichen Fragen konfrontierte, brauche er “keine Nachhilfe in Bezug auf verantwortungsvollen Journalismus, sicher nicht.”

2. “Das ganze verdammte Mediending”
(kaliban.de, Gunnar Lott)
Gunnar Lott ist zunehmend gelangweilt von “Qualitätsmedien”, die “Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat”, durchhecheln. “Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen.”

3. “blöde klima-panikmache”
(benkoe.ch, Thomas Benkö)
“Bild” gibt dem durch den Mensch verursachten Klimawandel die Schuld am Verschwinden der kleinen South Talpatti Island. Thomas Benkö sieht das anders: “wind und wasser haben eine insel erschaffen, wind und wasser haben sie wieder verschwinden lassen.”

4. “Frühlingserwachen der Zecken-Experten”
(gesundheit.blogger.de, hockeystick)
Auch diesen Sommer wird es wieder Zecken geben. Trotz oder wegen des harten Winters.

5. “Fernsehen am Krawallfreitag”
(fernsehkritik.tv)
Ein Text zum Wandel des Fernsehprogramms am Karfreitag: “Manch einer mag meine Kritik als altbacken und nicht mehr zeitgemäß betrachten. Zumindest ein solch religiöser Feiertag sollte aber vom Zeitgeist abgekoppelt sein. Und selbst für Atheisten kann es doch durchaus mal angenehm sein, wenigstens an einem Tag des Jahres ein leiseres und nachdenklicheres Fernsehprogramm zu sehen.”

6. “Die Presse schiebt 150 % ab”
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Eine Kurzmeldung in der österreichischen Tageszeitung “Die Presse”.

Kurze Wege aus der Klimakatastrophe

Es sind ja nicht nur die Leute, die den ganzen Tag das Licht im Bad brennen lassen oder in den Urlaub fahren, während der Fernseher zuhause weiter auf Stand-by vor sich hinbrummt, die das Klima kaputtmachen. Es sind auch die Leute, die in Berlin immer noch rücksichtslos Schweizer Schokolade kaufen, die Hunderte Kilometer aus den Alpen herangekarrt werden muss, anstatt auf Ware aus regionalen Schokoladenanbaugebieten, etwa im schönen Zeitz in Sachsen-Anhalt, zurückzugreifen.

Und sagen Sie nicht, das sei Unsinn, weil entscheidende Schokoladenzutaten im einen wie im anderen Fall vom Äquator herangeschafft werden müssen, was die Öko-Bilanz noch ein bisschen stärker beeinflussen dürfte als die Kilometer, die die fertigen Tafeln dann noch zum Verbraucher zurücklegen. Die “Bild”-Zeitung hat das ganz genau nachgerechnet, anhand von drei Einkaufskörben von Kunden aus dem Ullrich-Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte. Und Mark F., den es “nicht kümmert”, ob die Produkte viele Kilometer nach Deutschland transportiert werden müssen und dadurch CO2 ohne Ende produzieren, bringt es auf insgesamt 95.350 Kilometer, darunter:

Schokolade --- Schweiz --- 750 km

Viel besser steht dagegen Stefan V. da, zufällig Chef des Ullrich-Verbrauchermarktes in Berlin-Mitte, in dessen Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte der Test ja, wie gesagt, stattfand. Insgesamt nur 3510 Kilometer hat er auf der Uhr, darunter:

Schokolade --- Zeitz --- 218 km

“Bild” hat neben sein Foto noch die Worte “…denn das Gute liegt doch so nah” geschrieben, denn auch den Kaffee bezieht V. umweltschonend aus dem sachsen-anhaltischen, äh, Hochland:

Kaffee --- Magdeburg --- 156 km

Und wenn ihm jemand sagt, er solle doch dahin gehen, wo der Pfeffer wächst, versaut nicht einmal das die Öko-Bilanz von Stefan V.:

Pfefferwürste --- Eberswalde --- 64 km

Sie sehen: Es ist ganz einfach, die Umwelt zu schonen, man muss nur auf frische Produkte verzichten und Fertiggerichte aus der Nähe kaufen. Gerne auch beim Ullrich-Verbrauchermarkt in Berlin-Mitte, dessen Sortiment, wie sein Chef und Kunde Stefan V. in “Bild” erzählt, “rund 25.000 Produkte umfasst”. Da lohnt sich bestimmt auch eine weitere Anfahrt.

Danke an Daniele, Sebastian S. und A.J.

KW 15/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Traumjob Journalismus – mit Meret Reh & Frederik von Castell
(ardsounds.de, Meret Reh, Audio: 1:59:52 Stunden)
Bei “Blue Moon” unterhalten sich Meret Reh und Frederik von Castell, Chefredakteur des “medium magazins”, über den “Traumjob Journalismus”. Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen Wege in den Journalismus, über Volontariat, Journalistenschule, Studium, Quereinstieg oder Praktika, und die oft schwierigen Bedingungen beim Berufseinstieg. Außerdem sprechen sie mit Hörerinnen und Hörern sowie über eingespielte Sprachnachrichten weiterer Kolleginnen und Kollegen über Medienkritik, Investigativrecherchen, KI im Journalismus und die aktuelle Lage der Branche.

2. Die Klimakrise in den Medien
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 32:14 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um das Thema “Klimakrise in den Medien”. DLF-Hörerin Gaby Westphal diskutiert darüber mit Jürgen Döschner vom Netzwerk Klimajournalismus und Brigitte Baetz vom Deutschlandfunk.

3. RUMS – Ralf Heimann über Lokaljournalismus
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 35:33 Minuten)
Christian Jakubetz hat Ralf Heimann zu Gast, der das erfolgreiche Lokaljournalismus-Projekt “RUMS” leitet. Heimann erklärt, wie “RUMS” gestartet ist und sich durch tief recherchierte, unterhaltsame Inhalte sowie eine Bezahlschranke etabliert hat. Dabei positioniere sich “RUMS” bewusst als modernes, eher progressives Gegengewicht zur traditionell konservativen örtlichen Lokalzeitung. Heimann betont, dass die reine Bündelungsfunktion klassischer Zeitungen ausgedient habe. Zukunftsfähiger Lokaljournalismus müsse stattdessen eine Community aufbauen und der Leserschaft ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln.

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4. Katja Hofem: “Der Mut von heute ist der Mainstream von morgen”
(dwdl.de, Thomas Lückerath, Audio: 35:46 Minuten)
“Wie viel lokale Kreativität, wie viel lokales Investment steckt in einem globalen Streamer wie Netflix? Wie geht man Programme an, die über Deutschland hinaus wirken? Und was bedeutet Medienzukunft in einem Markt, der sich auch für Netflix permanent neu erfindet?” Über diese und weitere Themen unterhält sich “DWDL”-Chef Thomas Lückerath mit Katja Hofem, “Vice President Content” für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim Streamingdienst Netflix.

5. Feindbild Frau: Warum soziale Medien Krawall & Hass gegen Frauen belohnen
(youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 37:04 Minuten)
Martin Fehrensen spricht mit der Autorin Ingrid Brodnig über deren neues Buch “Feindbild Frau”. Digitale Gewalt gegen Frauen und speziell gegen Politikerinnen sei kein Zufall. Es handele sich um eine systematische Strategie rechter Netzwerke, um diese Personen aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Brodnig und Fehrensen werfen den großen Plattformen, insbesondere X und Meta, vor, den Hass aus rein wirtschaftlichem Kalkül zu dulden.

6. “Trauma und Comedy – wie viel ‘Schaden’ braucht es, um lustig zu sein?” mit Bernhard Hiergeist
(spotify.com, Bea Herzog, Audio: 1:09:26 Stunden)
Im Podcast “Erstgespräch” analysieren Bea Herzog und Bernhard Hiergeist, dass Medien bei Comedians psychisches Leid oft überbetonen und dabei das eigentliche Handwerk unsichtbar machen. Sie unterscheiden zwischen bloß erzähltem Leid und künstlerisch verarbeitetem Material. Gute Comedy entsteht für sie nicht aus dem Leiden selbst, sondern aus der Haltung dazu. Problematisch wird es aus ihrer Sicht, wenn unverarbeitetes Leid als Voraussetzung für gute Kunst gilt oder das Publikum zur Ersatztherapie wird.

Kein Spielraum für Verbot, Abschied vom Papier, Personeller Aderlass

1. Kein Spielraum für deutsches Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck berichtet über ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags, laut dem ein nationales Social-Media-Verbot für Minderjährige in Deutschland rechtlich kaum umsetzbar sei. Demnach stünden einem solchen Vorhaben vor allem das EU-Recht sowie das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern massiv entgegen. Obwohl es für ein derartiges Verbot parteiübergreifende Unterstützung bis hin zum Bundeskanzler gebe, würden Kritiker vor populistischen Scheinlösungen warnen.

2. Chris­tian Ulmen greift Deep-Fake-Ver­dacht gericht­lich an
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Einem aktuellen Bericht von “Legal Tribune Online” zufolge habe Christian Ulmen vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den “Spiegel” beantragt. Ulmen wehre sich gegen den durch einen Artikel seiner Meinung nach erweckten Verdacht, er habe Deepfake-Videos seiner Ex-Frau Collien Fernandes produziert oder verbreitet. Bemerkenswert sei an diesem Vorgehen, dass Ulmen die massiven Kernvorwürfe des “Spiegel”-Berichts juristisch nicht angreife.

3. Chefreporterin kehrt Verleger Friedrich den Rücken
(taz.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner berichtet über einen personellen Aderlass bei der “Berliner Zeitung”: Nach drei Jahrzehnten verlasse die prägende Chefreporterin Anja Reich-Osang das Blatt, begleitet von ihrer Kollegin Wiebke Hollersen. Hintergrund des Abschieds sei die Entwicklung der Zeitung unter dem Verleger-Ehepaar Friedrich. Diese sei laut Meisner durch Kreml-Propaganda, eine politische Öffnung nach rechts außen sowie ein drastisch verschlechtertes Betriebsklima gekennzeichnet.

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4. US-Gericht stuft Mittelkürzung bei NPR und PBS als rechtswidrig ein
(zeit.de)
Ein US-Bundesrichter habe die von Präsident Donald Trump angeordnete Streichung staatlicher Mittel für die öffentlichen Sender NPR und PBS für rechtswidrig erklärt. Der Entzug der Fördergelder stelle eine verfassungswidrige Vergeltungsmaßnahme für unliebsame Berichterstattung dar und verletze das Recht auf freie Meinungsäußerung. Reale finanzielle Folgen habe der juristische Sieg für die Sender jedoch kaum noch.

5. Tschüss Papier, hallo Pixel
(verdi.de, Peter Nowak)
Die linke Tageszeitung “nd” habe ihre werktägliche Printausgabe zum 1. April eingestellt und erscheine unter der Woche nur noch digital. Lediglich die Wochenausgabe bleibe als Printmedium erhalten. Laut Vorstand seien drastisch gestiegene Druck- und Zustellkosten sowie ein akuter Personalmangel der Grund für diesen Schritt, mit dem das Blatt dem Vorbild der “taz” folge. Man hoffe, durch die konsequente Digitalisierung künftig vermehrt ein jüngeres Publikum zu erreichen.

6. Netzwerk Recherche feiert 25. Geburtstag
(netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens blickt der Journalistenverein Netzwerk Recherche auf ein Vierteljahrhundert Einsatz für investigativen Qualitätsjournalismus und branchenweite Kooperationen zurück. Neben der Ausrichtung der stark besuchten Jahreskonferenz habe die Organisation die deutsche Medienlandschaft durch die Vergabe von über 120 Recherche-Stipendien, die Etablierung bekannter Branchenpreise wie dem “Leuchtturm” oder der “Verschlossenen Auster” sowie durch praxisnahe Leitlinien maßgeblich geprägt.

Erfolgreiche Einstellung, Mitarbeiter des Monats, ORF-“Liebesg’schichten”

1. Einstellung der Print-Ausgabe: “taz” verliert nur wenig Abos
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Fünf Monate nach der Einstellung ihrer werktäglichen Printausgabe ziehe die überregionale Tageszeitung “taz” eine überraschend positive Bilanz. Entgegen internen Erwartungen hätten fast 90 Prozent der bisherigen Abonnentinnen und Abonnenten den Wechsel zur reinen Digitalausgabe mitgemacht. Wie der Verlag berichte, nutze ein Großteil der Leserschaft nun ein Kombi-Abo aus digitaler Werktagsausgabe und der weiterhin gedruckten Wochenendausgabe “wochentaz”.

2. Weimer beschert “Buchladen Rote Straße” den umsatzstärksten März
(hna.de, Heidi Niemann)
Der Göttinger Buchladen Rote Straße verzeichne nach seinem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine beispiellose Solidarisierungswelle. Aus ironischer Dankbarkeit für den umsatzstärksten März seit der Gründung im Jahr 1972 habe das linke Kollektiv Weimer kurzerhand per Plakat zum “Mitarbeiter des Monats” gekürt.

3. Liebesg’schichten und ORF-Sachen
(profil.at, Anna Thalhammer)
Nach dem Rücktritt des ORF-Chefs Roland Weißmann wolle die ORF-Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher Licht ins Dunkel der “Liebesg’schichten” beim österreichischen Sender bringen. Dazu habe sie ein Formular ins Intranet gestellt. Laut Anna Thalhammer, Chefredakteurin und Herausgeberin von “Profil”, sei Thurnher die ideale Person für diese Aufgabe: “Sie stand kurz vor der Pension, hat nichts zu verlieren, genießt einen tadellosen, parteifreien Ruf. Sie kann schonungslos aufklären und aufräumen. Ingrid, I feel you. Wir Frauen müssen eben ran, wenn die mächtigen Kerle es verbockt haben.”

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4. Jugend­mi­nis­terin Prien for­dert sch­nelle EU-Regu­lie­rung
(lto.de)
Bildungs- und Jugendministerin Karin Prien fordere eine rasche europäische Regulierung, um den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Sozialen Netzwerken altersgerecht zu beschränken. Sollte die EU hierbei nicht schnell genug handeln, behalte sie sich einen nationalen Alleingang Deutschlands vor. Eine technische Umsetzung der Zugangskontrollen stelle laut Prien heutzutage keine große Hürde mehr dar, da beispielsweise Künstliche Intelligenz das Alter der Nutzerinnen und Nutzer anhand typischer Verhaltensweisen unkompliziert einschätzen könne, ohne die grundsätzliche Anonymität im Internet aufzugeben.
Siehe dazu auch die Berichterstattung von netzpolitik.org: So schwach argumentiert die Familienministerin (netzpolitik.org, Sebastian Meineck).

5. ROG: Mit Minecraft für Pressefreiheit
(verdi.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) warne vor einem zunehmend feindseligen Klima gegen unabhängige Medien in den USA. Die Regierung unter Donald Trump erschwere dort gezielt den Zugang zu Informationen, schließe Medien selektiv aus und begünstige so eine gefährliche Selbstzensur. Um diesen Repressionen kreativ entgegenzuwirken, habe ROG in dem Computerspiel Minecraft nun einen speziellen “USA-Raum” innerhalb ihrer “Uncensored Library” eröffnet. Dort würden unter anderem gelöschte Regierungswebseiten, die Praktiken der Medienaufsichtsbehörde sowie andere unterdrückte Beiträge gezeigt.

6. Es werden weitere Fehler passieren
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Vorfall um die unbemerkten KI-Bilder im “heute journal” werde derzeit von der internen Revision geprüft. Wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten vor dem Fernsehrat betont habe, benötige der öffentlich-rechtliche Sender dringend eine offenere Fehlerkultur sowie deutlich schärfere Abnahmeregeln und Frühwarnsysteme. Künftig müsse bei jedem gesendeten Frame die genaue Herkunft zweifelsfrei geklärt sein. Diese Vorgabe würde in den Redaktionen angesichts enormen Zeitdrucks und rasanter KI-Entwicklungen jedoch auch praktische Sorgen auslösen.

KW 11/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Klima, Kriege, Demokratie: Die thematische Lücke der Grimme-Preise
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 25:40 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Läuft” diskutiert Moderator Alexander Matzkeit mit der Grimme-Preis-Leiterin Lucia Eskes und der Grimme-Preis-Jurorin Anna-Barbara Kurek über die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sowie über eine auffällige inhaltliche Leerstelle: Eskes und Kurek kritisieren, dass in den ausgezeichneten Fernsehproduktionen drängende politische Themen wie der Ukraine-Krieg, der Nahostkonflikt oder die Klimakrise nahezu komplett fehlen würden. Die Expertinnen vermuten, dass Sender und Produktionsfirmen aus Angst vor zunehmenden Anfeindungen und toxischen Kommentaren im Netz kontroverse Themen meiden.

2. Woran krankt die Debatte über das Social-Media-Verbot?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:19 Minuten)
In der neuen Folge des “Übermedien”-Podcasts “Holger ruft an” beschreibt der Tech-Journalist Sebastian Meineck die aktuelle Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche als plump und wenig fachlich fundiert. Die Berichterstattung über das Thema trage daran eine Mitschuld. Sie verenge das komplexe Thema oft auf eine simple Ja-Nein-Frage und suggeriere fälschlicherweise zwei starre Lager. Zudem blende die öffentliche Diskussion häufig aus, dass für die Durchsetzung eines solchen Verbots weitreichende Alterskontrollen nötig wären.

3. Welche Wirklichkeit soll das sein?
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 40:31 Minuten)
In der Diskussionsrunde des Deutschlandfunk-Podcasts “Nach Redaktionsschluss” bemängelt die Hörerin Corinna Dorn, dass TV-Sender beim Reality-TV gezielt extreme Streitsituationen und psychische Gewalt fördern würden, ohne diese für das Publikum kritisch einzuordnen. Laut der Journalistin Anja Rützel liege dies vor allem an einer bedenklichen Professionalisierung des Genres: Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Sendungen würden absichtlich toxisch agieren, um sich als Berufs-Trash-Stars lukrative Folgeaufträge zu sichern. Als Ausweg aus der ständigen Eskalationsspirale fordert die Runde eine Neuausrichtung der Formate. Diese müsse deutlich mehr Transparenz bei den Produktionsbedingungen und konsequente Casting-Sperren für extremes Fehlverhalten beinhalten.

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4. “Meine Stimme gehört mir”
(thisismedianow.podigee.io, Lucas Schöne, Audio: 52:00 Minuten)
Anna-Sophia Lumpe, Vorsitzende des Verbands Deutscher Sprecher:innen, kritisiert das Vorgehen des Streaminganbieters Netflix. Der Konzern verlange von deutschen Synchronsprecherinnen und -sprechern, über neue Standardverträge weitreichende Rechte an ihren Sprachaufnahmen für KI-Trainingszwecke abzutreten. Eine zusätzliche Vergütung sei dafür nicht vorgesehen. Dieser Schritt bedrohe weit mehr als nur Arbeitsplätze, er greife den Kern der menschlichen Kunst an, so Lumpe.

5. Was GOOGLE mit AI in Berlin will
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:44:39 Minuten)
In der neuesten Folge des “Medienhölle”-Podcasts besprechen die Hosts Jörg Wagner und Philipp Nitzsche zunächst die anstehende Umstrukturierung der öffentlich-rechtlichen Sender. Ab 2027 sollen die Spartenkanäle ARD Alpha und tagesschau24 komplett eingestellt und deren Inhalte teilweise in das Programm von Phoenix integriert werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist ein exklusiver Einblick in das Archiv des Deutschlandfunk Kultur anlässlich des landesweiten Tags der Archive. Außerdem geht es um die dänische Polit-Serie “Borgen” als Lehrstück über die oft toxische Verflechtung von Politik und Medienlandschaft.

6. Dumm, dümmer, Dubai – Influencer & warum gerade alle dasselbe posten
(youtube.com, Sashka, Video: 19:53 Minuten)
YouTuberin “Sashka” kritisiert das Verhalten vieler deutscher “Dubai-Influencer”. Diese würden die Gefahr trotz jüngster Raketenangriffe auf die Region massiv herunterspielen; stattdessen würfen sie westlichen Medien “Fake News” vor. Die demonstrative Gelassenheit und die ständigen Lobeshymnen auf das Emirat seien allerdings reiner Selbstschutz: Die ausgewanderten Content-Creator würden nämlich eine staatliche Influencer-Lizenz benötigen, die sie streng zu einer ausschließlich positiven Darstellung der Steueroase verpflichte.

Block ver­liert gegen “Spiegel TV”, Protest gegen Hausverbot, KI-Songs

1. Chris­tina Block ver­liert gegen Spiegel-TV
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Hamburg habe einen Unterlassungsantrag der Unternehmerin Christina Block abgewiesen, mit dem sie “Spiegel TV” die Veröffentlichung von Ermittlungsdetails zu ihrem laufenden Entführungsprozess verbieten wolle. Die zuständige Pressekammer habe geurteilt, dass es sich um zulässige Verdachtsberichterstattung handele. An dem Fall bestehe ein “überragendes Informationsinteresse”.

2. Protest gegen Hausverbot
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Diese habe den ARD-Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus die Akkreditierung verweigert und ein Hausverbot für eine aktuelle Pressekonferenz erteilt. Hintergrund des Ausschlusses sei eine kritische Berichterstattung der beiden Reporter über ein angebliches Klima der Angst und systematische Einschüchterungen von Athletinnen und Athleten innerhalb des Sportverbandes.

3. KI-Songs für die AfD und Russland
(belltower.news, Felix Michaelis)
Auf Streaming-Plattformen wie Spotify seien derzeit massenhaft KI-generierte Lieder im Umlauf, die rechtsextreme, AfD-nahe und russlandfreundliche Botschaften verbreiten würden. Spotify betone, streng gegen Hassrede vorzugehen und bereits Millionen von KI-Titeln gelöscht zu haben. Trotzdem seien verschiedene Propaganda-Profile mit teils hunderttausenden Streams weiterhin ungehindert abrufbar.

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4. Vermummte Polizisten suchen Fotojournalisten heim
(taz.de, Aljoscha Hoepfner)
Die Polizei habe die Wohnung des freien Fotojournalisten Leon Enrique Montero durchsucht und seine gesamten Speichermedien sowie Arbeitsgeräte beschlagnahmt. Der Vorwurf: Er sei bei einer Demonstration an einem Angriff auf zwei Personen aus dem “rechten politischen Spektrum” beteiligt gewesen. Montero weise dies jedoch zurück. “taz”-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann kritisiere den Vorgang als massiven Eingriff in die Pressefreiheit und fordere die sofortige Rückgabe der Ausrüstung.

5. Unterkomplexe Verbotsdebatte?
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 30:58 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Im ersten Teil kommen EU-Politikerin Alexandra Geese (Die Grünen) und Kinderrechtler Torsten Krause (Stiftung Digitale Chancen) zu Wort, im zweiten Teil der 17-jährige Schüler Erik Sczygiol, stellvertretender Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz.

6. Netflix steigt aus: Der Weg ist frei für Paramount
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” berichtet, ist die Bieterschlacht um den US-amerikanischen Medienkonzern Warner Bros. Discovery entschieden. Vier Tage habe Netflix Zeit gehabt, das Angebot von Mitbewerber Paramount zu überbieten, doch der Streamingdienst sei ausgestiegen: “Zu dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, sodass wir davon absehen.” Uwe Mantel kommentiert: “Damit kommt auch CNN wie zuvor schon CBS unter die Kontrolle der Ellison-Familie, die als Trump-nah gilt.”

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