Suchergebnisse für ‘Afd’

Gewaltfixierte G20-Medien, Schweizer Rechtsdruck, Unprivilegierte Quelle

1. Journalisten fixieren sich auf Gewaltdarstellungen
(deutschlandfunk.de, Claudia van Laak)
Das Berliner “Institut für Protest- und Bewegungsforschung” nimmt die G20-Proteste zum Anlass, um eine Studie zur Berichterstattung über Großdemonstrationen vorzustellen. Die mediale Berichterstattung gehorche ungeschriebenen Gesetzen. Gewaltfixierung ist eines davon. Die Studie kritisiere, dass Demonstrationen in vielen Fällen als lediglich folkloristisch beschrieben würden, es fehlten Hinweise darauf, welche wichtige Rolle Demonstrationen für eine funktionierende Demokratie hätten. In Bezug auf den G20-Gipfel in Hamburg appelliere einer der Protestforscher an die Journalistinnen und Journalisten, die Rolle der Polizei kritischer zu hinterfragen als bislang.
Dazu gleich noch eine weitere Leseempfehlung: Schrödingers Camp oder die Versammlungsfreiheit vor dem Gesetz, in der der gesamte Ablauf um das Protestcamp von einem Juristen, auch für Nicht-Juristen lesbar, aufgearbeitet wird.

2. Rechtsdruck
(sueddeutsche.de, Charlotte Theile)
Nach Angaben der “NZZ am Sonntag” will ein ominöser, AfD-naher Verein mit Verbindungen in die Schweiz eine eigene Zeitung herausbringen: den “Deutschland-Kurier”. Das Blatt soll angeblich mit einer Druckauflage von 200.000 Exemplaren starten und 30 Cent pro Zeitung kosten. Bei dem Projekt mit dabei: Der ehemalige Chefredakteur der “Bild”-Zeitung Peter Bartels. Aber auch andere Schweizer Publikationen planen die Expansion nach Deutschland. “SZ”-Autorin Charlotte Theile dazu: “Aus Schweizer Sicht ist die Deutschland-Strategie naheliegend: Im Vergleich ist die deutsche Medienlandschaft politisch eher links, man vermutet eine Lücke rechts der bestehenden Zeitungslandschaft – und sieht im deutschen Medienmarkt vieles in Bewegung. Hier mitzumischen, das ist sowohl für bürgerlich-liberale Stimmen wie die NZZ als auch für stramm rechtskonservative Journalisten interessant.”

3. Merkel macht’s nur zu sechst: Die bizarren Verhandlungen ums TV-Duell
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Am Sonntag, den 3. September findet das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin und SPD-Kanzlerkandidaten statt, das von “ARD”, “ZDF”, “RTL” und “Sat1” ausgerichtet wird. Hinter den Kulissen wurde zäh um die Modalitäten gerungen, zu einem bestimmten Zeitpunkt stand die Veranstaltung sogar auf der Kippe. Ein Vorgang, den Stefan Niggemeier auf “Übermedien” zu Recht als “bizarr” bezeichnet und der verschiedene Deutungsmöglichkeiten zulässt.

4. Merkel muss Freilassung von Journalisten fordern
(reporter-ohne-grenzen.de)
Noch vor Beginn des G20-Gipfels wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping treffen. Dies nimmt “Reporter ohne Grenzen” zum Anlass, an die Unterdrückung von Journalisten und Blogger in China zu erinnern. Mindestens 103 Medienschaffende säßen derzeit wegen ihrer Arbeit in Haft. Auf der Rangliste der Pressefreiheit stehe China auf Platz 176 von 180 Staaten.

5. Warum viele Journalisten der Polizei alles glauben
(medium.com, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat plädiert dafür, nicht alle Aussagen der Polizei ungeprüft hinzunehmen, obwohl diese oft als “privilegierte Quelle” eingestuft wird: “Es ist zwar nachvollziehbar, dass es bequem für Redaktionen ist, nicht jede Polizeimeldung über einen Autounfall nachrecherchieren zu müssen. Doch wie kann eine Presse behaupten, sie sei frei und unabhängig, wenn sie staatliche Quellen nicht gleich behandelt wie alle anderen auch? Ist ihr nicht klar, dass sie funktionalisiert wird? Nämlich von der Seite, die von der ungefilterten Weitergabe und dem Nicht-Hinterfragen ihrer Mitteilungen profitiert.”

6. Journalist erteilt «SVP-Blatt» eine Absage
(persoenlich.com)
Krsto Lazarevic arbeitet zurzeit als Osteuropa-Korrespondent für verschiedene Print- und Onlinemedien. Als sich die Schweizer “Weltwoche” bei ihm nach den Nachdruckrechten eines Artikels erkundigt, nutzt er die Situation für eine Generalabrechnung mit dem Blatt. Hier soll nicht alles verraten werden, aber Lazarevic würde eher den “Paradeplatz mit seiner Zunge sauberlecken” …

Grünes Parteitagsgespräch, Nordgelüste, Leichte Sprache

1. “Es war bestimmt kein privates Gespräch”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers)
Im Netz kursiert ein Videomitschnitt des Grünenpolitikers Winfried Kretschmann vom Grünen-Parteitag, erstellt und eingestellt von der rechtspopulistischen Internetplattform “Jouwatch”. Zu sehen und zu hören ist darin, wie sich der hochrangige Politiker, der auch Ministerpräsident von Baden-Württemberg ist, über die Automobilpläne seiner Partei echauffiert. Der Deutschlandfunk hat mit Journalistikprofessor Volker Lilienthal über die Frage gesprochen, ob es sich um einen illegalen Mitschnitt eines privaten Gesprächs handelt.

2. Deutsche Sprache, Leichte Sprache
(taz.de, Christine Stöckel)
Wer sich in den Medien über politische Sachverhalte informieren will, trifft oft auf schwer lesbare Artikel mit Schachtelsätzen, Fremdwörtern und Abkürzungen. Die Verfechter der sogenannten “Leichten Sprache” sind der Meinung, dass es auch anders geht. Doch bei komplexen Themen kommt die Methode an ihre Grenzen. Christine Stöckel geht auf die verschiedenen Aspekte des Themas ein, das kurz vor der Bundestagswahl auch eine politische Dimension hat.

3. Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem.
(planet-interview.de, Marie Illner)
Die “Beitragskommunikation” von ARD, ZDF und “Deutschlandradio” hatte zum Pressegespräch zum Rundfunkbeitrag eingeladen. Anwesend: Vertreter des Beitragsservice, Justiziare von SWR und WDR sowie ein Vertreter der “KEF” (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten). “Planet Interview” hat die Verantwortlichkeiten zum Rundfunkbeitrag befragt, zu Intendanten-Gehältern, Inhaftierungen und zum Plan, zukünftig Inkasso-Unternehmen zu beauftragen. Die Inhaftierung von einzelnen Beitragsverweigerern sieht man kritisch. Außerdem wolle man sich nicht “instrumentalisieren” lassen, so die stellvertretende Intendantin des WDR Eva-Maria Michel: “Bei Fällen wie dem AfD-Politiker, der den Rundfunkbeitrag verweigerte und eine Öffentlichkeitswelle mit seiner Haft provozieren wollte, war uns klar: Wir lassen uns nicht instrumentalisieren.”

4. Das große Sonntagsporträt: Dirk Lübke über den Thüringer NSU-Reporter Kai Mudra
(kress.de, Dirk Lübke)
Beim NSU-Prozess handelt es sich um einen der größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Seit mittlerweile vier Jahren wird unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vor dem Oberlandesgericht (OLG) München über Beate Zschäpe und Co. verhandelt. Oft vor Ort: Der Thüringer NSU-Reporter Kai Mudra, der bereits in den neunziger Jahren über den Themenkomplex berichtet hat. Mudra war an 260 von mehr als 360 Prozesstagen als Berichterstatter für die “Thüringer Allgemeine” anwesend. So oft wie nur wenige Kollegen.

5. Nordgelüste
(sueddeutsche.de, Charlotte Theile & Claudia Tieschky)
Die “Neue Zürcher Zeitung” (NZZ) startet demnächst ein digitales Produkt speziell für deutsche Leser. Die elektronische Zeitung soll sich im Layout an der Printausgabe orientieren und mit eigenen deutschen Inhalten aufwarten. Politisch ist das Ganze wohl rechts von der “FAZ” angesiedelt. “Bürgerlich-liberal” nennt es Chefredakteur Eric Gujer und relativiert: “In der Schweiz ist vieles Mainstream, was in Deutschland schon als rechts gilt.”

6. Eintrittskarte ins Kopfkino
(zeit.de, Richard Diesing)
Dank des Internets ist eine lebendige deutsche Hörspielszene entstanden. Richard Diesing über Hörspielautoren, Hörspielmacher und eine treue Community.

Recherchetreff, Regenbogenpresse empört, Tatort

1. Dokumentation nr17
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung “Netzwerk Recherche” setzt sich für Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken ein. Einmal im Jahr trifft man sich zur Jahreskonferenz. Dieses Mal waren es mehr als 700 Teilnehmer, die an zwei Tagen in rund 120 Veranstaltungen über Probleme und Chancen der aktuellen Medienwelt diskutierten. Einige der behandelten Themen: Recherchen im Dark Net, Investigativer Sportjournalismus, Journalisten mit Migrationshintergrund und die Frage, wie Medien mit der AfD umgehen sollen (weitere Beiträge über den Link oben).

2. Regenbogenpresse empört: Wir lügen doch gar nicht immer nur!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Medienseite “kress.de” hat drei Chefredakteuren von Regenbogenblättern aus dem Hause “Bauer” die Möglichkeit gegeben, sich als hehre Journalisten darzustellen, die sich mit der “Königsdisziplin des Journalismus”, so die Eigenwahrnehmung, beschäftigen. Mehr oder wenige parallel hatte das “Netzwerk Recherche” den Verlagen Bauer, Burda und Funke stellvertretend für die Regenbogenpresse den Negativpreis „Verschlossene Auster“ verliehen. Mit Dialogbereitschaft steht es in diesem Segment nämlich nicht so gut, wie Medienjournalist Stefan Niggemeier durch Offenlegung eines Mailwechsels dokumentiert.

3. Wie Debatten Wahlen entscheiden
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Marcus Maurer ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Mainz. Sein Schwerpunkt: politische Kommunikation. Die “Süddeutsche” hat sich mit ihm darüber unterhalten, warum unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren von Großthemen wie Migration und innerer Sicherheit dominiert wird und Themen wie soziale Gerechtigkeit im Wahlkampf kaum jemanden interessieren.

4. Knebelvertrag ärgert Fotografen
(laut.de)
Das Schweizer Online-Magazin “Negative White” protestiert gegen die Bedingungen, die professionellen Fotografen von der Hardrock-Band “Guns N’ Roses” auferlegt werden. Und die dazu geführt haben, dass man von einem Konzertbesuch Abstand genommen hat: “Natürlich wär ich enttäuscht gewesen, dass ich nur den Anfang des Konzerts mitbekomme und den Rest des Auftritts verpasse. Aber wenn mir dann auch noch die Rechte an meinen Bildern abgesprochen werden und ich die wenigen erlaubten Bilder auch noch ein einziges Mal in schlechter Qualität publizieren soll, dann habe ich gar keine Lust mehr, diese Band überhaupt zu fotografieren.”

5. Wehrhafte Juden sieht man nicht gern
(taz.de, René Martens)
Immer noch wird über die Entscheidung des Fernsehsenders “Arte” debattiert, der eine “WDR”-Doku über Antisemitismus wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht ausstrahlt. Die “taz” hat sich den zurückgehaltenen Film zwischenzeitlich angeschaut. Man könne dem Film vielleicht vorwerfen, dass er zu viel auf einmal wolle. Der teilweise sarkastische Tonfall des Films sei zwar ungewöhnlich, aber angemessen: “Man kann auf die wahnhaften Äußerungen, die der Film aufgreift, kaum nüchtern reagieren. Selbst, wenn man die sarkastischen Einsprengsel für unangebracht hielte, wäre das nur ein geschmäcklerischer Einwand, der es nicht rechtfertigt, den Film in den Giftschrank zu packen.”

6. Reich und erfolgreich durch „Pranks“?
(faz.net, Niklas Záboji)
Im Dresdner “Tatort” ging es um die bunte Youtube-Welt mitsamt ihrer Stars und Sternchen. Die “FAZ” fragt: “Sind das fiktive Szenarien oder reale Abgründe – und wie läuft das Geschäft mit den jungen Internetstars?” Passend dazu: Die “taz” berichtet über eine Studie, welche die Realitätsnähe des “Tatort” untersucht. In den 34 analysierten Folgen aus dem Jahr 2015 wurden insgesamt 96 Gesetzesverstöße festgestellt.

Antisemitismus-Doku, Falsche Fluten, Kampagnen-Hashtags

1. Streit um Antisemitismus-Doku
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio, 7:23 Min.)
Der deutsch-französische Sender “Arte” will die 90-minütige Doku “Auserwählt und ausgegrenzt — Der Hass auf Juden in Europa” nicht zeigen. Der Film über die Ausgrenzung von Juden sei nicht ausgewogen. Im Gespräch weist der Autor die Vorwürfe zurück. (Für den Audiobeitrag im Beitragsbild rechts unten auf “HÖREN” klicken)

2. Die falschen Fluten von Rakka
(ndr.de, Fiete Stegers)
In einem Nachrichtenvideo von “Focus Online” wird darüber berichtet, dass die Terrormiliz “IS” Teile der von ihr besetzten Stadt Rakka unter Wasser gesetzt hat und zeigt dabei Bilder der überschwemmten Gebiete. Das Problem: Die gezeigten Gebiete liegen nicht in Rakka, sondern in Amerika und Asien… Fiete Stegers dazu: “Natürlich kommt es bei TV-Beiträgen und Online-Videos häufig vor, dass symbolische Bilder oder Archivmaterial verwendet werden. In der Regel sollte dies sich allerdings den Zuschauern auf den ersten Blick erschließen oder deutlich kenntlich gemacht werden, insbesondere bei klassischen Nachrichten. Dies fehlt bei Focus Onlines phanstasievoller Flut-Kollage völlig.”

3. Warum politische Kampagnen-Hashtags fast immer failen
(fearlessdemocracy.org, Kai Heiderich)
Oftmals wird versucht, eine politische Debatte auf Twitter durch die Verwendung eines Hashtags zu befördern. Doch das kann sich als kontraproduktiv erweisen, wenn politische Gegner den Begriff kapern: “Traurige Realität ist jedoch: die Lustlosigkeit und die wenig an Medienrealitäten angelegte Integration von Hashtags in Kampagnenlogiken führt gerade bei Themen, die speziell die Rechten gerne für sich in Anspruch nehmen wollen, zu Hijacks. Anders ausgedrückt: Öffentlich-rechtliche Anstalten oder die Bundesregierung werben mit Hashtags, die dann faktisch auf twitter von AfD & Co besetzt werden.”

4. Publizistin: “Man kann völlig ungeniert lügen”
(derstandard.at, Lisa Breit)
Der österreichische “Standard” hat sich mit der am Institut für Publizistik in Wien lehrenden Julia Wippersberg über Fake News unterhalten Der Grundstein für Medienkompetenz müsse in den Schulen gelegt werden. Doch auch das sei nicht einfach: “Dort gibt es aber bereits einen ambitionierten Lehrplan, zu wenig Personal, viele Schüler haben schlechte Deutschkenntnisse. Wie sollen Lehrer da zusätzlich Medienkompetenz unterrichten? Zudem müsste man vielen von ihnen erst einmal Medienkompetenz beibringen.”

5. Einfach weggesperrt
(taz.de, Karim El-Gawhary)
Der ägyptische Pressefotograf Shawkan (Mahmud Abu Zeid) sitzt seit fast vier Jahren ohne Urteil in Haft. Anlass seiner Inhaftierung: Er hat für eine Bildagentur als Pressefotograf am Rabaa-Adawiya-Platz in Kairo ein Protestlager der Muslimbrüder fotografiert. Nach Aussagen des Bruders von Shawkan geht es ihm mittlerweile gesundheitlich sehr schlecht. Er sei zusammen mit 22 weiteren Menschen in einer Zelle eingepfercht und leide an Hepatitis C und Anämie, ohne angemessen behandelt zu werden.

6. TSV 1860 München: Die Medien sind ein ständiger Unruheherd
(journalisten-training.de, Bernd Oswald)
Bernd Oswald ist der Meinung, dass die Medien eine Mitschuld daran hätten, dass es beim Münchner Fußballverein TSV 1860 so chaotisch zugehe. Sein Vorschlag: Statt sich auf die Wiedergabe der Versäumnisse und Schuldzuweisungen im Verein zu beschränken, sollten die Münchner Sportmedien lösungsorientierter berichten.

Heilige Hetzjagd, Verlags-Datenräuber, In-Ear-Trump

1. AfD, Broder und Tichy verleumden Margot Käßmann als Rassistin
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz nennt es eine “heilige Hetzjagd”, was die AfD in den letzten Tagen mit der Theologin Margot Käßmann veranstaltet hat. Mit einem vermeintlichen Zitat wollte man ihr Rassismus andichten, doch das gegen sie verwendete Zitat war aus dem Zusammenhang gerissen und sinnentstellend verkürzt. Die Verleumdungsbotschaft wurde bereitwillig unterstützt von rechten Blogs und Foren und Personen wie Henryk M. Broder (“Die Welt”) oder Roland Tichy (“Tichys Einblick”), aber auch Leuten wie der ehemaligen CDU-Politikerin Erika Steinbach und der Berliner AfD-Vorsitzenden Beatrix von Storch. Boris Rosenkranz hat sich Inhalte und Form der Käßmann-Kampagne näher angeschaut und analysiert. Mittlerweile hat sich auch der Faktenfinder der “Tagesschau” mit dem Vorgang beschäftigt und auch auf der neuen Plattform “Fearless Democracy” gibt es eine Aufarbeitung des Falls mit einer Visualisierung des Twitterverhaltens: Wie sowas läuft: Ein Blick in Margot Käßmanns Shitstorm

2. E-Privacy-Verordnung: Verlage wollen Leser beim Tracking entmündigen
(netzpolitik.org, Markus Reuter )
In einem offenen Brief an das Europäische Parlament haben sich einige europäische Verlage (darunter aus deutscher Sicht die “FAZ”, die “Zeit”, “Gruner + Jahr” und die “SZ”) gegen die neue ePrivacy-Verordnung der EU gewandt. Stein des Anstoßes ist eine Passage, die es Nutzern erlaubt, das Werbetracking auf Webseiten zu unterbinden. Darin sehen die Verlage eine Gefährdung ihrer Einnahmequellen. Markus Reuter ordnet das Ganze aus netzpolitischer Sicht ein. Beim Thema Datenschutz würden sich die Verlage einmal mehr als Gegner der Rechte von Bürgerinnen und Bürgern zeigen.

3. Breitbart stürzt ab
(deutschlandfunknova.de, Diane Hielscher & Martina Schulte)
Donald Trump hat seinen Wahlsieg auch dem rechten Medienportal “Breitbart” zu verdanken, das unablässig für ihn trommelte und seine Gegner niederschrieb. Nach seiner Inauguration ernannte Trump den damaligen Chefredakteur Steve Bannon zu seinem zukünftigen Berater und Chefstrategen. Man hätte meinen können, dass “Breitbart” nun zum neuen Mediengigant der Trump-Ära wird, doch das Gegenteil ist der Fall: Die Reichweite der Seite ist dramatisch gesunken. Martina Schulte ist dem Phänomen nachgegangen.

4. Tagesschau-Chefredakteur wartet vergeblich auf Trolle
(faz.net, Frank Lübberding)
“ARD-aktuell”-Chef Kai Gniffke hat Hasskommentatoren zu sich in den Videochat eingeladen, doch es kam keiner. Kein Wunder, findet Frank Lübberding: “Es gehört zu den kulturellen Codes einer funktionierenden Gesellschaft, nicht jedem alles ins Gesicht zu sagen. Nicht jede Wahrheit (oder auch Lüge) auszusprechen, erleichtert das menschliche Zusammenleben. Das Lästern hinter dem Rücken der Betroffenen hat das noch nie verhindert. Diese Erfahrung wird man sicherlich auch in den diversen ARD-Redaktionen schon gemacht haben. Trotzdem wirkte Gniffke regelrecht enttäuscht, warum keiner der Hasskommentatoren dieses Gesprächsangebot namens „Sag’s mir ins Gesicht“ angenommen hatte. Er wurde weder beleidigt, noch hat ihm ein Zuschauer seinen Hass auf die ARD erklärt.” Nachtrag: Mittlerweile hat sich auch Anja Reschke im Life-Chat ihren Kritikern gestellt. Auf “tagesschau.de” gibt es ein Interview mit Reschke: “Ich bin keine ARD-Marionette”.

5. Donald Trumps (fast) unsichtbarer Kopfhörer
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Hat Donald Trump tatsächlich nicht zugehört, als der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni über Afrika sprach? Trump trug schließlich keine direkt sichtbaren Kopfhörer für die Simultanübersetzung wie viele der Anwesenden. Viele Medien nahmen dies als Anscheinsbeweis, doch so einfach ist die Sache nicht wie Stefan Niggemeier auf “Übermedien” ausführt.

6. Klarstellung in Sachen “Die Hölle erwartet euch”
(facebook.com, Mathias Richel)
Vielleicht haben Sie das Bild gesehen, das die letzten Tage viral ging: Ein Mann hält eine Art selbstgebasteltes Transparent hoch, auf dem er einer wirr zusammengesetzten Zielgruppe (“Säufer, Lügner, Partytiere, Drogen-Freaks, Ehebrecher, Porno-Freaks, Selbstbefriediger, Huren, Diebe, Zauberer, Lästerer, Heuchler, Homosexuelle, Habsüchtige, Götzendienen, Feministen, Falsche Christen, Atheisten”) zuruft: “Die Hölle erwartet euch”.
Das Bild wurde oft fälschlicherweise dem Kirchentag in Berlin zugeordnet, ist jedoch beim DFB-Pokalfinale entstanden, wie Mathias Richel anmerkt, der das Foto direkt vor dem Stadion geschossen hat. “Mir ist vollkommen klar, dass dieser erklärende Beitrag hier fast niemanden von denen erreichen wird, die jetzt mit dem Bild beweisen wollen, dass die Christen auf dem Kirchentag nicht alle Tassen im Schrank haben. Aber ich will wenigstens alles dafür getan haben, damit dieses Bild zunächst einmal genau das nur für diesen Mann belegt und nicht andere fälschlicherweise mit dem verrührt werden.”

Kaputtmacher Maas, Pfeifopfer Helene Fischer, Bild von Jammerlappen

1. Heiko Maas macht die freie Presse kaputt
(faz.net, Thomas Thiel)
Es sind heftige Worte, die “FAZ”-Redakteur Thomas Thiel für das neue Gesetzesvorhaben zum Urheberrecht findet. Die Digitalisierung von Presseartikeln und Aufnahme in Bibliotheken bedeute schwerwiegende Einnahmeverluste, die er alleine für die “FAZ” auf einen siebenstelligen Betrag beziffert. Justizminister Heiko Maas mache damit die freie Presse kaputt. Wenn Maas damit durchkäme, werde es keine freien Zeitungsverlage mehr geben. “Wer gibt dem Justizminister das Recht, Privateigentum gegen eine weitestgehend wertlose Entschädigung in Staatseigentum umzuwandeln? Meint er vielleicht, dass auch die Arbeit von Redakteuren und freien Autoren vom Staat bezahlt wird? Und wie kommt er dazu, die Arbeit ganzer Berufszweige zu verhöhnen? So ein Entwurf konnte nur zustande kommen, weil im Justizministerium die Verachtung geistiger Leistungen um sich gegriffen hat.”
Nicht alle gehen mit dem Entwurf für das neue Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz derart hart ins Gericht: Auf der Urheberrechtsplattform “irights.info” werden die Beschwerden der Verlagsbranche als “kalkulierte Horrorszenarien” bezeichnet.

2. Die Fans haben nicht Helene Fischer ausgepfiffen, …
(sueddeutsche.de, Martin Schneider)
Martin Schneider beschäftigt sich auf süddeutsche.de mit dem brutalen Pfeifkonzert, das sich Helene Fischer in der Halbzeitpause des DFB-Pokalfinales hat anhören müssen. Schneider sieht jedoch nicht die Sängerin in der Kritik, sondern die Kommerzialisierung und “Eventisierung” des Fußballs allgemein: “Wer Helene Fischer in der Halbzeit auftreten lässt, vermittelt auch die Botschaft: Mir reicht eure Stimmung nicht, ich will selbst für mehr Stimmung sorgen. Der Deutsche Fußball-Bund hätte das ahnen können. Er weiß, dass er es bei Frankfurtern und Dortmundern mit anderen Fans zu tun hat, als beim Familien-Publikum der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er hat es trotzdem riskiert und Helene Fischer der Arena ausgeliefert, wenn man so will.”

3. Jan Böhmermann füllt Hörsaal, aber keine Köpfe
(jetzt.de, Peter Krauch)
806 Menschen drängelten sich im größten Hörsaal ReWi1 an der Universität Mainz, als Jan Böhmermann zum “SWR UniTalk” erschien. Die Karten für die Veranstaltung sollen binnen 10 bis 15 Minuten vergriffen gewesen sein… Peter Krauch geht der Frage nach, warum Böhmermann derart viele Menschen anzieht, dass sie zu Hunderten in einen Hörsaal drängen, nur um ihn live auf der Bühne zu sehen. “Die richtigen Botschaften und Themen hatte Jan Böhmermann im Gepäck, um junge Leute zu engagierteren Bürgern zu machen. Die Frage ist, ob er das will. Vielleicht ist der Hype um ihn für dieses Vorhaben auch zum Verhängnis geworden, weil sich viele nicht für das interessieren, was der Mensch Jan Böhmermann, außerhalb seines Berufs als Satiriker, zu erzählen hatte.”

4. Publikum
(neues-deutschland.de, Leo Fischer)
Nicht nur für schlechte Menschen, sondern auch für ausgemachte Jammerlappen hält Leo Fischer einige “Bild”-Journalisten. Diese würden auf Twitter kräftig austeilen, aber nicht einstecken können: “Am liebsten hätten sie ihr Publikum wieder so wie vor dem Internet: eine stumme, folgsame Masse, die widerstandslos das herunterschluckt, was sie ihnen vorsetzen. Sie wollen die Reichweite und die Wirkmacht von Twitter, ohne jedoch den Widerspruch auszuhalten, der ihnen dort entgegenhallt.” Fischer dreht den Spieß um und fordert den Twitter-Support auf: “Löscht Diekmann, Reichelt, Röpcke! Es handelt sich um gefährliche Trolle, die Hassbotschaften verbreiten und überdies eure Geschäftsgrundlage beschädigen!”

5. Käßmann erwägt rechtliche Schritte gegen Fake News nach AfD-Kritik
(chrismon.evangelisch.de)
Was passieren kann, wenn man Sätze verkürzt und aus dem Kontext löst, kann man derzeit beim Streit um ein angebliches Zitat der prominenten evangelischen Theologin Margot Käßmann sehen. Diese hatte auf dem Kirchentag in Berlin die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate kritisiert. Es wurden jedoch vereinzelt Sätze angeführt, die belegen sollten, dass Käßmann alle Bürger mit deutschen Ahnen zu Neonazis erklärt hätte. Für Käßmann eine “lächerlich und absurde” Unterstellung, gegen die sie rechtliche Schritte erwäge.

6. Über Tweetklau
(xbg.blogsport.eu, Klaas Berger)
“Darf man eigentlich nach Telefonaten fremder Leute in der U-Bahn Fragen stellen, wenn einem etwas unklar geblieben ist?” Haben Sie den Spruch schon mal irgendwo gesehen? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, denn er taucht immer wieder auf, ob in Witzesammlungen, auf Twitter oder bei Facebook. Gestern hat zum Beispiel die “Zeit” eine entsprechende Bildtafel retweeted, der aus dem Fundus einer geradezu industriellen Tweetverwertungsmaschinerie stammt und noch dazu einen falschen Urheber nennt. Eine schöne Gelegenheit, an den Tweetklau-Artikel von Klaas Berger zu erinnern, von dem der Spruch ursprünglich stammt.

Zitatrecht, Verfallsdatum, Digital News Initiative

1. Bleibt sachlich!
(taz.de, Sabine am Orde)
Der journalistische Umgang mit der AfD ist nicht einfach. Die Partei sieht die Medien als “Lügenpresse” und operiert gezielt mit Tabubrüchen, die Aufmerksamkeit verschaffen sollen. Sabine am Orde plädiert dennoch für einen sachlichen Umgang und hat fünf Gedanken dazu notiert. Darunter auch die Empfehlung, genauer hinzuschauen: “Die AfD benennt auch gesellschaftliche Probleme, die es wirklich gibt und die einen Teil der Bevölkerung umtreiben. Die Profillosigkeit mancher Parteien. Der Sexismus mancher Migrant*innen. Die schlechten Aussichten mancher Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt. Probleme bei der Inklusion. Haben wir diese und andere Probleme deutlich genug benannt? Oder manchmal aus Sorge, es könnte die Situation weiter verschlimmern, einen Teil der Realität ausgeblendet? Und damit Platz gelassen für die einfachen Antworten der Rechtspopulist*innen? Es hilft alles nichts: Wir müssen dahin schauen, wo es wehtut. Und zwar ganz genau.”

2. Journalist durfte Zitat des AfD-Politikers Frohnmaier verwenden
(wbs-law.de, Christian Solmecke)
Ein Journalist hat ein vermeintliches Zitat eines AfD-Politikers verwendet und diesem zugeordnet, wogegen sich der Politiker mit einer Einstweiligen Klage wehrte und das Ganze beim Landgericht Köln landete. Dort wurde nun entschieden, dass der Journalist das Zitat verwenden durfte, da es zwar aus keiner “privilegierten”, aber glaubwürdigen Quelle stamme. Das Urteil, kommentiert Rechtsanwalt Christian Solmecke, stärke die Position kleinerer, lokaler Nachrichtenportale und Nachrichtenunternehmen. Selbständigen Journalisten, die nicht auf die Recherchekraft größerer Zeitungsredaktionen zurückgreifen können, werde damit die Pressearbeit erleichtert.

3. Eine Revolution mit eingebautem Verfallsdatum
(wolfgangmichal.de)
Der Mitgliederbeschluss der VG Wort „zugunsten der Urheber“ sei von Verlegerverbänden fast stärker bejubelt worden als von Autorenverbänden, so Wolfgang Michal. Die Frage nach dem “Warum” könne beantwortet werden: Es handele sich um eine “Revolution mit eingebautem Verfallsdatum”. Die von der EU-Kommission im September 2016 vorgelegte Urheberrechts-Richtlinie, die sich derzeit in der heißen Phase des parlamentarischen Verfahrens befindet, werde den „revolutionären“ neuen Verteilungsplan der VG Wort nämlich wieder kippen.

4. Deniz Yücel seit 100 Tagen im Gefängnis
(reporter-ohne-grenzen.de)
Der von den türkischen Behörden inhaftierte Deniz Yücel verbringt am heutigen Mittwoch seinen 100. Tag im Gefängnis. Anlass für “Reporter ohne Grenzen” nochmal die umgehende Freilassung zu fordern und an die anderen inhaftierten Journalisten zu erinnern. Weitere Leseempfehlung: Die “taz” hat einen Offenen Brief der #FreeDeniz-Unterstützerin Doris Akrap an Bundeskanzlerin Angela Merkel veröffentlicht.

5. „Unsere Denkweise war ganz simpel“
(verguetungsregeln.wordpress.com, Martin Schreier)
Um die Vergütungsregeln für hauptberuflich freie Journalisten gab es ein jahrelanges Tauziehen zwischen dem “Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger” (BDZV) und den zwei großen Journalistengewerkschaften: der “Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union” (dju in ver.di) und dem “Deutschen Journalisten-Verband” (DJV). Nun haben die Verleger die mühsam verhandelten, gemeinsamen Vergütungsregeln gekündigt. Der freie Journalist Martin Schreier hat dazu einen Verantwortlichen des Verlegerverbands interviewt.

6. Mit freundlicher Unterstützung von Google
(deutschlandfunk.de, Axel Schröder)
Google schüttet im Rahmen der “Digital News Initiative” 150 Millionen Euro für die Entwicklung innovativer Journalismus-Projekte aus. Die Kooperation ist aus journalistischer Sicht nicht unproblematisch. “Offen bleibt, wie abhängig kleinere Verlage und Zeitungen in Zukunft von Google und Facebooks Geldern und Geschäftsmodellen sein werden. Die beiden Konzerne geben ihre Millionen wohl kaum aus rein idealistischen Gründen. Die Entwicklung passgenauer Online-Techniken für die Verbreitung von Inhalten kann in jedem Fall zu einer höheren Verweildauer auf Facebook, zur vermehrten Google-Nutzung führen. Und die beschert beiden Konzernen neue Einnahmen, die am Ende höher sein könnten als die Kosten für die so großzügig gefüllten Fonds.”

Unfehlbar, Spiegel Daily, Durchgetanzt

1. Journalisten machen keine Fehler. Sie werden bloß missverstanden.
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ Peter Huth teilte auf Facebook die Meldung des Online-Dienstes seiner Zeitung, wonach ein baden-württembergischer AfD-Landtagsabgeordneter empfohlen habe, Frauen zu verbrennen, um das Klima zu retten. Als Huth von Nutzern darauf hingewiesen wird, dass das Zitat nicht stimmt, macht er sich über die „Wortklauber“ und die „Superkorrekten“ lustig. Eine Entschuldigung will ihm schon gar nicht über die Lippen kommen. Stefan Niggemeier kommentiert den Vorgang: „Wegen Leuten wie Huth werden in vielen Redaktionen immer noch nicht Fehler korrigiert, sondern Missverständnisse beklagt. Wegen einer Haltung wie der von Huth gibt es oft noch keine klaren Routinen, wie mit Korrekturen umzugehen ist, und vor allem kein Gespür für die verheerende Wirkung, die Falschmeldungen und ein ungeschickter Umgang mit ihnen haben. Es ist eine Haltung aus einer Zeit, in der es noch nicht drauf ankam. In der die Hütte noch nicht an allen Ecken brannte.“

2. Links, jüdisch, divers
(taz.de, Frederik Schindler)
Ein neues Debattenmagazin will die „Diversität jüdischen Lebens jenseits der etablierten Institutionen“ zeigen: „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“. Es geht darum, jüdisches Leben abzubilden und kritisch zu reflektieren. Die erste Ausgabe widmet sich aber auch feministischen Themen. Das Heft soll halbjährlich erscheinen. Die ersten beiden Ausgaben sind durch öffentliche Mittel finanziert, danach ist man auf sich allein gestellt.

3. Weil wir im Jahr 2017 leben
(faz.net, Julia Encke & Karen Krüger)
Miriam Meckel ist Herausgeberin der „Wirtschaftswoche“ und Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Im Interview spricht sie unter anderem über Feminismus, Frauennetzwerke und Quotendiskussionen, über Donald Trump, Torsten Albig und Emmanuel Macron.

4. Am Dienstag kommt SPIEGEL DAILY
(spiegel.de)
Der „Spiegel“ startet heute eine neue digitale Tageszeitung: „Spiegel Daily“. Die Inhalte kommen von den Kollegen von Print, Online und TV und werden in Form von einer einzigen Ausgabe jeweils um 17.00 Uhr an die Leser ausgeliefert. Das Ganze kostet 2,49 Euro je Woche bzw. 6,99 Euro je Monat, für Abonnenten des digitalen Spiegels ist das Angebot kostenlos.

5. Die kleine Null möchte beim Schwimmmeister abgeholt und in die Y-Achse aufgenommen werden!
(nichperfekt.blogspot.de, Matthias Speidel)
Anlässlich der NRW-Wahl gab es auf „tagesschau.de“ eine Grafik zur Aussage „Hannelore Kraft versteht, was Menschen in NRW bewegt“: ein Liniendiagramm mit ganzen zwei Punkten, bei dem die Y-Achse nicht bei 0 beginnt. Das ist unsauber und unnötig, wie Matthias Speidel in seinem Blog bemerkt und wäre ein Fall für das von der „Tagesschau“ an anderer Stelle gepostete Tutorial für korrekte Statistiken.

6. Österreich: Verwirrung um “Dancing Stars”-Teilnehmer
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Was bei uns im Privatfernsehen als „Lets Dance“ bekannt ist, läuft in Österreich in ähnlicher Form im öffentlich-rechtlichen „ORF“ als „Dancing Stars“. Nun hat einer der Teilnehmer in einem Interview behauptet, dass der Sender ihm das Weiterkommen vertraglich zugesichert habe. Wenn dies stimmt, wäre dies Betrug an den Zuschauern, die Geld für ihre Voting-Anrufe zahlen.

6-vor-9-Sonderausgabe: Unsere Empfehlungen für den dritten Tag der re:publica 2017

Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des dritten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…

1. Privacy und datengetriebener Journalismus: Warum Datenschutz keine Innovations-Bremse sein muss (Stage 7 – 10.00 bis 11.00 Uhr)
(re-publica.com)
Datenschutz gilt als Bremse der Medien-Innovation. Muss das sein? Tatsächlich bieten sich viele Möglichkeiten, eigene Produkte innovativ und datenschutzkonform zu gestalten. In ihrem Talk präsentieren die Journalisten Marco Maas und Daniel Moßbrucker Ergebnisse einer Analyse der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung und stellen Thesen auf, welche Neuerungen für die Medien-Branche wichtig werden. Anhand eigens entwickelter Beispiele zeigen sie, wie neue Datenschutz-Pflichten in Apps journalistischer Angebote integriert werden können.
Marco Maas (Datenjournalist OpenDataCity)
Daniel Moßbrucker (Internet Freedom Desk Officer Reporters Without Borders)

2. Medienstrafrecht: Grundwissen für Blogger und Journalisten (Stage J – 10:00 bis 11.00 Uhr)
(re-publica.com)
Medienstrafrecht? Was ist denn das? Blogger, Vlogger, Podcaster, aber auch Print-Journalisten und Verleger sollten das eigentlich wissen. Denn es gibt einen Bereich des Strafrechts, der für diese Personengruppen in der täglichen Arbeit relevant ist – jenseits der jüngsten “Strafe für Fake-News” Debatte.
Ulrich Kerner (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht der AnwaltFuerStrafsachen.de – FHF)

3. Der Source Code der AfD (Stage 5: 10:30 bis 11.00 Uhr)
(re-publica.com)
Oft wird argumentiert, Kritik an der AfD wäre durch die „Lügenpresse“ gesteuert und Äußerungen von Funktionären stünden nicht für die Position der Partei. Deshalb habe ich das getan, was jeder gute Nerd macht. Ich habe den Source-Code gelesen, also alle Wahlprogramme der AfD auf EU-, Bundes- und Landesebene. Hinzu kommen unzählige Anträge aus Bürgerschaften und Landtagen. Dieser Talk fasst die großen Baustellen der AfD zusammen. Und diese haben es in sich!
Katharina Nocun (Blogger kattascha.de)

4. Das Auge liest mit: Multimediales Storytelling ohne Code und Kohle (Media Cube – 11:15 bis 12:15)
(re-publica.com)
Geht nicht, gibt’s nicht! Multimediales Storytelling muss nicht teuer sein, wenn man die richtigen Programme kennt. Wir zeigen dir nützliche Tools, mit denen du deine Storys ohne Geld oder Programmierkenntnisse in multimediale Online-Reportagen verwandelst – und das ohne großen Aufwand.
Daniela Späth (Journalistin Deutsche Welle)
Michel Penke (Redakteur Gründerszene)

5. Geld im digitalen Journalismus – Wege zu innovativen Geschäftsmodellen (Media Cube – 12:30 bis 13:00 Uhr)
(re-publica.com)
Der digitale Wandel stellt Medienunternehmen vor eine große Herausforderung: Wie lässt sich online mit Informationsjournalismus Geld verdienen? Führt der Weg dahin über Kämpfe um das sogenannte Leistungsschutzrecht, Adblocker oder “zahlungswillige” UserInnen? Oder muss die Medienbranche stattdessen ebendiese UserInnen sowie deren Bedürfnisse ins Zentrum stellen, um daraus innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln? Und falls ja, wie geht das? Wir diskutieren mit euch, ob und wie man existierende digitale Geschäftsmodelle für Medien nutzbar machen kann.
Oliver Kaut (Vorstand Digital Media Finance Lab)
Paulina Parvanov (Journalistin Digital Media Finance Lab)

6. Innenminister de Maizière im netzpolitischen Dialog (Stage 2 – 12:30 bis 13:30 Uhr)
(re-publica.com)
Im Wahljahr gibt es auch auf der re:publica vermehrt interaktive Formate, die dem Publikum Fragen und Aufmerksamkeit abverlangen: Wir freuen uns sehr, erstmalig Thomas de Maiziére begrüßen zu dürfen. Nach einem Impulsvortrag trifft der Innenminister in einem moderierten Gespräch auf Constanze Kurz und Markus Beckedahl von netzpolitik.org- und zwar als Debattenformat: Moderatorin Geraldine de Bastion stellt Fragen zu netzpolitischen Kerngebieten- beide Seiten dürfen Stellung nehmen. Ausserdem wird es auch genügend Zeit geben für eure Fragen!
Geraldine de Bastion (Programmteam re:publica)
Constanze Kurz (Autorin netzpolitik.org)
Markus Beckedahl (Gründer und Chefredakteur netzpolitik.org)
Thomas de Maizière (Minister Bundesministerium des Innern)

7. Hands-on Verifikation: Social-Media-Inhalte überprüfen (Stage 7 – 12:30 bis 13:30)
(re-publica.com)
Augenzeugen-Fotos, falsche Verdächtigungen und spektakuläre Videos: Journalisten und Redaktionen haben eine besondere Sorgfaltspflicht, aber auch normale Nutzer sollten sich fragen: Stimmt das, was ich da mit einem Klick auf “Teilen” oder “Retweet” verbreite? Wir erklären, wie man Informationen, Bilder und Videos aus dem Netz einschätzen und überprüfen kann, und zeigen Beispiele aus dem redaktionellen Alltag. Hands-on: Bring your own device!
Fiete Stegers (Netzwelt-Redakteur NDR)
Wolfgang Wichmann (Redakteur tagesschau / tagesthemen ARD)

8. Berichterstattung für Flüchtlinge: Do´s and Don´ts (Media Cube 13:45 bis 14.45 Uhr)
(re-publica.com)
Alle reden über sie, aber wir reden mit ihnen: Flüchtlinge. Die anfängliche Begeisterung in der Bevölkerung ist gewichen, die Honeymoon-Phase haben wir hinter uns. Der direkte Draht in die Community ist umso wichtiger. Wir stehen täglich in direktem Kontakt mit unseren Usern bei Facebook. Besonders wichtig ist dabei auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und die kleinen, aber feinen Unterschiede zu kennen.
Janina Werner (Journalistin WDRForyou)
Falah Elias (Reporter und Moderator WDR)

9. Gründung eines Medien-Startups (Stage 6 : 15:00 bis 16:00 Uhr)
(re-publica.com)
Immer mehr Journalisten entscheiden sich dafür, ihr eigenes Ding zu machen und ein Startup zu gründen. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Bei dieser Diskussion berichten unterschiedliche Gründer von ihren Erfahrungen, von Do’s und Don’ts und geben Interessierten somit einen realistischen Einblick was es heißt, ein Unternehmen an den Start zu bringen.
Pauline Tillmann (Chefredakteurin Deine Korrespondentin)
Nora-Vanessa Wohlert (Mit-Gründerin EDITION F)
Marco Maas (Datenjournalist OpenDataCity)
Laurent Burst (Mit-Gründer Project R / Republik)

10. Ein Taliban spielt Tagesschau – Die absurde Bildkultur Islamistischer Propaganda (Stage 3: 16:45 bis 17:15 Uhr)
(re-publica.com)
Rühmten sich Islamistische Gruppen Anfang des Jahrtausends noch mit einem Bildverbot, so streamen sie mittlerweile Ihre Propaganda nahezu live in das Internt. Als Reaktion darauf hat sich das Bildverbot in das Westliche Lager verschoben und der Ruf nach Zensur wird immer lauter. Ich habe mich als Künstler in den letzten Jahren intensiv den Bildern dieser Propaganda auseinandergesetzt und möchte darlegen weshalb ein gesellschaftlicher Diskurs hier sehr wichtig ist und ausgesprochen befreiend sein kann.
Simon Menner

11. Geh sterben du F°tze (Stage 2: 18:00 bis 18:30 Uhr)
(re-publica.com)
Eine Erlebnis-Session für alle, die noch nie im Zentrum eines Shitstorms standen. Jede:r weiß mittlerweile was ein Shitstorm ist. Wir kennen Politiker:innen, die im TV einzelne Hass-Tweets vorlesen. Aber wie fühlt sich das an, als Mensch Ziel so eines Shitstorms zu sein? Für alle, die mutig genug sind sich freiwillig 30 Minuten lang blankem Hass auszusetzen, bietet diese Session einen authentische Simulation.
Laura Sophie Dornheim (Digital Strategist)

12. Advanced Social Media Verification: Learn how to authenticate images and videos that emerge online (Stage 8: 17:30 bis 18:30 Uhr)
(re-publica.com)
In this practical workshop participants will learn the key steps that any journalist should take when working with images and videos that have been sourced online.
Isa Sonnenfeld (Head of Google News Lab DACH)
Claire Wardle (Director First Draft News)

Deniz-Yücel-Brief, Olaf Utan, “Deppenleerzeichen”

1. „Alles, was ich verlange, ist ein fairer Prozess“
(welt.de, Deniz Yücel)
Der “Welt”-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in der Türkei seit vielen Wochen in Einzelhaft. Die Tatvorwürfe sind in höchstem Maße zweifelhaft. Der türkische Präsident Erdogan redet von Spionage und Terrorismus. Nun meldet sich Yücel mit einem Brief, den er seinen Anwälten bei einem Besuchstermin diktiert hat. Er wolle keineswegs “ausgeliefert” werden, sondern verlange einen fairen Prozess.

2. Auch AfD-Anhänger liken “Mainstream-Medien”
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Bislang ist wenig bekannt darüber, wie es zur politischen Willensbildung in sozialen Netzwerken kommt beziehungsweise wie dort Politik gemacht wird. Über Monate hat die “SZ” in einer großen Datenrecherche Facebooklikes gesammelt und ausgewertet. Simon Hurtz hat sich das Datenmaterial angeschaut. Welche Medien sind in den politischen Lagern besonders beliebt? Und worüber wird parteiübergreifend am meisten gelacht?

3. Das Deppenleerzeichen gibt es nicht: Eine Art Replik
(sprachlog.de, Kristin Kopf)
Die Sprachwissenschaftlerin Kristin Kopf hatte kürzlich ein Gespräch mit einem dpa-Journalisten. Es ging um Leerzeichen und Bindestriche in Komposita und Schreibweisen, die bei Lesern und Leserinnen immer wieder zu heftigen Reaktionen führen (z.B.: Johannes Gutenberg-Universität, dpa-Kindernachrichten, Würfel Zucker). Nun ist der Artikel erschienen und Kristin Kopf ist vom Ergebnis genervt. Sie erklärt warum und macht uns alle nebenbei ein klein wenig schlauer, was Sprache und Hochmut anbelangt.

4. “Das erspart mir Drohbriefe” – Der Mann hinter Böhmermanns Songs im Interview
(noisey.vice.com, Linus Volkmann)
Jan Böhmermann präsentiert in seiner Sendung “Neo Magazin Royale” gelegentlich Songs aus eigener Herstellung. Maßgeblichen Anteil an diversen bekannten Stücken aus der Show hat der Tonmeister der Sendung. Linus Volkmann hat sich mit dem Mann unterhalten, der sich speziell für Böhmermanns letzten Charterfolg das Pseudonym “Olaf Utan” zugelegt hat.

5. Die AfD und die öffentlich-rechtlichen Medien: „Lassen Sie uns doch mal vernünftig miteinander reden“
(boell.de, Audio, 23:40 Minuten)
Im Podcast der Böll-Stiftung ging es um die Frage, wie die öffentlich-rechtlichen Medien mit der AfD umgehen und wie sie mit ihr umgehen sollten. Im Interview spricht der Rechtsextremismus-Experte David Begrich vom Verein “Miteinander” über die anfängliche “Dauerrepräsentanz des Ressentiments” im Fernsehen, über das paradoxe Verhältnis der Partei zu den Medien, Alternativen zur Talkshow – und über die Unfähigkeit von Politikern, dem vorgeblich “gesunden Menschenverstand“ der AfD eine eigene Sprache entgegenzusetzen.

6. Elefanten, Handcreme und der Papst: Hier arbeitet die „Bunte“-Vizechefin
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz & Mats Schönauer)
Am Landgericht Hamburg steht das Urteil im Prozess Michael Schumacher gegen die „Bunte“ an. Gegenstand des Streits ist eine Geschichte aus der Feder der stellvertretenden Chefredakteurin Tanja May. Wer ist diese Frau und hat sie vielleicht ein süßes Geheimnis? Zum Glück gibt es ein Foto, das Rückschlüsse erlaubt. Rückschlüsse, die mindestens so ernst zu nehmen sind wie die Berichterstattung der “Bunten”.

Blättern:  1 ... 64 65 66 ... 78