Archiv für Bild

Bild  

Rumkitteln an der nackten Katherine Heigl

Es gibt Artikel Textrudimente, die lassen einen etwas ratlos zurück. Fragen stehen im Raum und es ist zu befürchten, dass niemand kommen und sie wegräumen (oder wenigstens beantworten) wird: „Was soll das?“, „Mit welchem Körperteil wurde wohl der Text verfasst?“ oder auch einfach nur „Hä?“

Katherine Heigl, nackt in "Bild"Wenn Sie dieses Foto sehen – welcher Filmtitel fällt Ihnen dazu ein? Volltreffer! „Die nackte Wahrheit“ (Filmstart: 1. Oktober). Hauptrolle: Katherine Heigl (30), die wir bisher als Assistenzärztin „Izzie“ in der Serie „Grey’s Anatomy“ im blauen OP-Kittel kennen. Eine deutliche Steigerung.

Ja, das ist der vollständige Artikel. Und der Bildtext lautet:

Katherine Heigl tritt in ihrem neuen Film ganz ohne Arztkittel auf.

Nur zu gerne wüsste man, was genau dieses Foto (und ein weiteres im gleichen Setting, das Bild.de heute zeigt) mit dem Film „Die nackte Wahrheit“ zu tun hat — also von Katherine Heigl und dem „nackt“ vielleicht mal ab.

Das Bild entstammt nämlich einer Serie von Fotos, die schon vor einiger Zeit im Magazin „Maxim“ erschienen sind. Genau genommen im Juni 2000, lange bevor Frau Heigl den „blauen OP-Kittel“ zum ersten Mal angezogen hat.

PS: Der „Volltreffer“ entpuppt sich vollends als Blindgänger, wenn man weiß, wie der Originaltitel von „Die nackte Wahrheit“ lautet: „The Ugly Truth“ („Die hässliche Wahrheit“).

Mit Dank an Natalie R.

Fleißig weglassen, bis wir fleißig sind

Immer dann, wenn wir in Deutschland mal was nicht so richtig gut können, verweisen wir gerne darauf: Vielleicht sind wir nicht die Ästheten des Planeten, aber immerhin voll fleißig. So gesehen waren das sehr beruhigte Schlagzeilen in den vergangenen Tagen:

Der angebliche „Fleiß“ berechnet sich dabei danach, wie viele Stunden die deutschen Arbeitnehmer im Schnitt pro Woche leisten — und zwar nicht die tariflich vereinbarte Zeit (danach liegt Deutschland mit 37,6 Stunden relativ weit hinten im europäischen Vergleich), sondern die tatsächliche Zeit. Die liegt, weil häufig mehr als tariflich vereinbart gearbeitet wird (aus welchen Gründen auch immer), in Deutschland angeblich bei 41,2 Stunden pro Woche. Und das reicht immerhin zu einem siebten Platz unter den 27 EU-Ländern.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die die Arbeitszeit nicht über die Woche, sondern über das ganze Jahr betrachtet. Weil die Deutschen mehr Urlaub und Feiertage haben als die meisten Länder, liegt Deutschland plötzlich weit hinten — weshalb die „FAZ“ sogar titelte: „So fleißig sind die Deutschen doch nicht“. Nur Schweden, Dänen und Franzosen haben danach noch geringere Arbeitszeiten als die Deutschen. Diese Rechnung hat nur wieder den Haken, dass sie von den tariflichen und nicht den tatsächlichen Arbeitszeiten ausgeht.

Rechnet man die tatsächlichen Wochenarbeitszeiten aufs Jahr hoch und zieht die Urlaubs- und Feiertage ab, stellt man fest, dass der „Fleiß“ der Deutschen fast exakt dem EU-Durchschnitt entspricht. Ein ziemlich unspektakuläres Ergebnis.

Und wie kommt es, dass trotzdem so viele Medien die Geschichte von den „fleißigen Deutschen“ verbreiten? Die Studie der EU, die dem Ganzen zugrunde liegt, wurde weitgehend unbemerkt von der deutschen Presse schon am 24. Juli veröffentlicht. Sie enthält eine Vielzahl von Daten über Arbeitszeiten, auf Jahr und auf die Woche bezogen, tatsächlich und tariflich.

Und obwohl die Studie frei im Netz verfügbar ist, haben sich die meisten Agenturen, Zeitungen und Online-Medien die differenzierten Werte gar nicht angesehen, sondern stattdessen auf eine Vorabmeldung der „Welt“ verlassen, die besonders die hohe Wochenarbeitszeit betonte. (Bild.de fantasierte sogar, der Bericht läge der „Welt“ „exklusiv“ vor.) Und so behaupteten die Agenturen noch in der Nacht unter Berufung auf die „Welt“:

Studie: Deutsche arbeiten länger (dpa)

Studie – Deutsche arbeiten im EU-Vergleich deutlich länger (Reuters)

Arbeitnehmer in Deutschland im EU-Vergleich mit langer Arbeitszeit (AP)

Deutsche arbeiten 41,2 Stunden – Mit an der Spitze im EU-Vergleich (epd)

Es dauerte bis zum Freitagmittag, bis die Agentur AFP die gute Idee hatte, sich nicht auf die „Welt“ zu verlassen, sondern die Studie selbst auszuwerten, und entsprechend differenziert meldete: „Deutsche arbeiten viel – haben aber auch viel Urlaub“. Am Nachmittag zog endlich auch dpa nach mit einer Meldung, in der die Agentur erstmals die verhältnismäßig kurze Jahresarbeitszeit erwähnte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Mär vom Beweis für den Fleiß der Deutschen längst die Runde gemacht. Und was soll’s, dass die Geschichte nicht ganz stimmt: Sie liest sich doch viel knackiger.

Mit Dank an Steffen P.,  Gerrit L. und Ralf B.!

Unmotivierte Attacke auf verletzten Läufer

Wer heute nur den kleinen Text auf Seite 1 der „Bild“ gelesen hat, muss Nils Schumann für einen ziemlichen Trottel halten:

Verlierer: 2000 in Sydney kämpfte sich Nils Schumann (31) im 800-Meter-Lauf sensationell zum Olympiasieg. Seine Chance auf ­eine Riesen-Karriere warf er danach leichfertig weg. Jetzt begründet der Thüringer seinen Rücktritt ­damit, dass er sich nicht mehr für die WM in Berlin motivieren kann – und will künftig als Motivationstrainer arbeiten! BILD meint: Blech-Schumi!

Was „Bild“ verschweigt: Schumann war in den letzten Jahren immer wieder verletzt, wurde mehrfach an der Achillessehne operiert und wollte seine Karriere nach der Leichtathletik-WM sowieso beenden.

Die „Thüringer Allgemeine“, die Schumanns Rücktritt gestern als erstes vermeldete, zitiert den Sportler mit diesen Worten:

„Nach einer Stirnhöhlenvereiterung war ich nicht mehr richtig in Fahrt gekommen. Nur 90 Prozent Fitness reichen eben nicht. Und ich gestehe, dass es mir von Mal zu Mal schwerer fiel, solche gesundheitlichen Rückschläge wegzustecken.“

Auch sonst wirkt Schumann weniger demotiviert, als viel mehr realistisch. Dem Sportinformationsdienst (sid) sagte er:

„Eigentlich wollte ich am Freitag in Leverkusen noch einen Angriff auf die WM-Norm wagen. Das wäre aber utopisch gewesen. 1:45 Minuten kann ich nicht mehr rennen.“

und

„Ich habe mir gewünscht, meine Karriere in Berlin beenden zu können“

Das mit der fehlenden Motivation meint übrigens auch „Spiegel Online“ aus Schumanns Aussagen herausgelesen zu haben. Ein dpa-Artikel bekam dort folgenden Anfang verpasst:

Keine Motivation mehr: 800-Meter-Läufer Nils Schumann beendet nach zahlreichen Verletzungen seine Karriere.

Mit Dank an C.

Bild  

Blitzmerker

In der Stuttgarter Regionalausgabe berichtet „Bild“ heute über einen „Blitzer, der nicht blitzt“. Dabei geht es ausnahmsweise nicht um einen „Busen-Blitzer“, sondern um eine Radarfalle im Grotztunnel in Bietigheim-Bissingen.

Interessant ist dabei viel weniger der kleine Mann von der Straße, der „ständig“ Bußgeldbescheide bekommt und deshalb „Wutanfälle“ kriegt, wenn er den Briefkasten öffnet („Wenn ich bemerkt hätte, dass dort geblitzt wird, wäre ich langsamer gefahren.“), sondern Überschrift und Kernaussage des Artikels:

Der 1. Blitzer, der nicht mehr blitzt

Nun: Geschwindigkeitsmessgeräte, die nicht blitzen, gibt es schon seit mindestens sechs Jahren, zum Beispiel die im Thüringer Rennsteigtunnel.

Und selbst wenn „Bild“ noch nie vom Rennsteigtunnel gehört haben sollte, gibt es da ja auch noch einen Tunnel in München, vor dem die Zeitung im vergangenen Oktober warnte:

Achtung Autofahrer! Radarfalle ohne Blitz. TV-Star Kai Böcking raste in 10 Tagen 8-mal rein

Mit Dank an Simone B., Mathias H. und Thomas L.

Bild, sid  

Luca Toni? Ich glaub, et hackt!

Man darf aber auch wirklich nichts glauben, was so im Internet steht:

Hacker-Attacke auf die Homepage: Luca Toni beim BVB eingeschmuggelt

Bild.de berichtete gestern über eine „Hacker-Attacke“ auf die Website des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund (in der Printausgabe war es gar eine „dreiste Hacker-Attacke“): Dort waren in der Rubrik „Mannschaft“ für kurze Zeit die Daten des Bayern-Stürmers Luca Toni zu sehen gewesen.

Alles nur ein Scherz. Ein Unbekannter war wohl in den Server eingedrungen und hatte die Falschmeldung auf der Homepage platziert.

Was Bild.de nicht schrieb: Dort wären nicht nur Tonis Daten zu finden gewesen, sondern die jedes beliebigen Bundesliga-Spielers seit 1965. Die IT-Abteilung von Borussia Dortmund erklärte uns auf Anfrage, dass die angezeigten Daten aus einer externen Datenbank stammten, in der jeder Spieler eingetragen ist, der jemals in der Bundesliga gespielt hat.

Wenn man die Pfadangabe im Browser entsprechend veränderte, konnte man diese Daten auf der BVB-Website sehen. Mitglieder eines BVB-Fanforums hatten am Mittwoch genau das zur gegenseitigen Erheiterung getan — unter anderem mit Christopher Katongo, dem längst verstorbenen Hans Auernhammer und eben Luca Toni.

Auch der Hinweis „Die unterschriebene Autogrammkarte von Luca Toni liegt leider noch nicht vor, wird aber so schnell wie möglich nachgeliefert…“ hätte sich (natürlich mit entsprechendem Namen) bei jedem Spieler gefunden, der nicht beim BVB unter Vertrag steht.

Wäre das Laden von externen Inhalten ein Hacker-Angriff, hätte Bild.de vor zwei Jahren auch einen gehabt. Also nichts mit einer „Falschmeldung auf der Homepage“ oder „einem Unbekannten“, der „in den Server eingedrungen“ war. Vor allem aber auch nichts mit einer solchen Montage:

Luca Toni auf der BVB-Homepage. Er muss in der neuen Saison bei den Bayern um seinen Stammplatz zittern. Trotzdem ist der Italiener, hier als Montage im BVB-Trikot, für die Borussen kein Thema

Die hatte Bild.de der Einfachheit halber in Ermangelung spannender Fotos nämlich gleich selbst gemacht.

Das wiederum war dem Sportinformationsdienst (sid) nicht klar, als er gestern nicht nur die Behauptung vom Hackereingriff weiterverbreitete, sondern ihr auch noch die völlig falsche Überschrift „Hacker zieht Toni BVB-Dress an“ gab.

Und damit war die Geschichte nicht mehr aufzuhalten: Sie stand beim Sportportal spox.com, auf Handelsblatt.com und Focus.de und unter einer anderen sid-eigenen Überschrift bei 11freunde.de. Für die Netzeitung handelt es sich um „eine höchst peinliche Angelegenheit“ und die niederländische Website „Soccerway“ überspannt den Bogen gleich richtig:

„Luca Toni joins Borussia Dortmund, it’s official.“ This is the news many German fans woke up to this Friday, only to find out that it had all been the work of a rather inventive hacker.

The headline appear on the official website of Borussia Dortmund. To add to the hoax, the hacker included a picture of Toni wearing a Borussia jersey.

Das schwedische „Aftonbladet“ bebilderte seine Meldung zum Thema gleich mit einem Screenshot von Bild.de und auch die renommierte italienische Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ ließ es sich nicht nehmen, über den „Fall“ zu berichten.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

Nachtrag, 25. Juli, 00:15 Uhr: Bild.de hat sich zu einer kleinen (jetzt natürlich etwas späten) Überarbeitung der Bildunterschrift entschieden, den Rest des Artikels aber unverändert gelassen:

Luca Toni auf der BVB-Homepage. Er muss in der neuen Saison bei den Bayern um seinen Stammplatz zittern. Trotzdem ist der Italiener, hier als BILD-Fotomontage im BVB-Trikot, für die Borussen kein Thema

Nachtrag, 27. Juli: Bereits am Samstag hat „Welt Online“ (wo man die Geschichte vom Hacker-Angriff auch verbreitet hatte) in einem Artikel klargestellt, was wirklich geschehen ist.

Alle anderen hier verlinkten Medien bleiben nach wie vor bei ihrer Darstellung — bzw. der von „Bild“ und dem sid.

Bild  

Huntelaar hält sich nicht an „Bild“-Wissen

„Bild“ wusste es am Dienstag mal wieder ganz genau:

Huntelaar sagt JA zu Stuttgart - Aber er verhandelt noch mit Real über eine Abfindung

Die Bundesliga darf sich auf einen neuen Super-Star freuen! […]

Nach langer Überlegung und viel Stuttgarter Überzeugungsarbeit gab der Torjäger gestern Nachmittag den Schwaben sein Ja-Wort. […]

Beim VfB wird er voraussichtlich bis 2013 unterschreiben.

Gut: „ganz fix ist der Mega-Deal damit noch nicht“, wie „Bild“ selbst schrieb. Aber das hielt das Blatt natürlich nicht davon ab, ihn schon einmal als Tatsache zu verkaufen (so dass man hinterher sagen könnte, es als erster gewusst zu haben) und die Leserschaft schon einmal über die Namen und Berufe von Huntelaars Eltern zu informieren.

Wie unfix der Mega-Deal dann wohl letztlich doch war, zeigte heute eine Pressemitteilung des VfB Stuttgart:

Bundesliga, 23.07.2009: Keine Einigung

Der VfB hat am gestrigen Abend die Transferverhandlungen mit Klaas-Jan Huntelaar beendet. Der niederländische Nationalspieler hatte die gemeinsam vereinbarte Frist für eine definitive Entscheidung über einen Wechsel zum VfB Stuttgart nicht eingehalten, weil er sich mit seinem derzeitigen Verein Real Madrid nicht auf eine Vertragsauflösung verständigen konnte.

Und kurz darauf wusste es dann auch Bild.de.

Mit Dank an Camillo W.

Bild  

Profis sind doch die besseren Amateure

Berlin hat — Sie werden das mitbekommen haben — seit ein paar Wochen endlich eine Sehenswürdigkeit. Das Unternehmen Axel Springer und die „Bild“-Zeitung haben der Stadt ein „neues Wahrzeichen“ geschenkt: die Skulptur „Balanceakt“ des Bildhauers Stephan Balkenhol, ein Mauerläufer. (Die Skulptur, nicht der Bildhauer.)

Jedenfalls hat die „Bild“-Zeitung das Aufsehen erregende Kunstwerk allein seit seiner Enthüllung vor knapp zwei Monaten mit ungefähr zwanzig Artikeln gewürdigt, in denen es vor allem immer wieder um einen großen Leser-Wettbewerb ging: Der „Bild“-Leser, der das beste Foto von der Skulptur knippse und einsende, habe die Chance, „reich“ zu werden (also 5000 Euro zu gewinnen). Die „professionellen BILD-Fotografen“ gaben den Lesern sogar praktische Tipps.

Gestern kürte das Blatt endlich den Sieger. Er heißt Thiemo Napierski (31) und freute sich: „So was nennt man wohl einen Glücksschuss“. Auf einem Foto sieht man, wie „Bild“-Vize Jörg Quoos dem „gelernten Kfz-Mechaniker“ gratuliert.

Man hört natürlich nicht, was die beiden so reden, und ob Quoos zu dem glücklichen Gewinner sowas sagt wie: „Na sehnSe, und jetzt jammernSe mal nicht mehr so über die schlechten ‚Bild‘-Honorare, ich hab doch gleich gesagt, dass wir da was machen können.“

Denn der Mauerläufer war nicht das erste Foto von Napierski, das in „Bild“ abgedruckt wurde. Der „gelernte KFZ-Mechaniker“ arbeitet seit einiger Zeit häufig als Fotograf für das Blatt:

Aber aus irgendeinem Grund fand „Bild“ das nicht erwähnenswert.

Bild  

Kurz korrigiert (498)

„Bild“ berichtet heute über den Fußballer Charles Takyi, der gerade zum FC St. Pauli gewechselt ist, und gerät dabei ein wenig ins Schwafeln:

Klar, dass auch er den Aufstieg im Visier hat. Dennoch lockt noch ein ganz großes Ding: Möglich, dass der Spielmacher Paulis erster WM-Kicker wird…

Auch wenn „Bild“ die Behauptung wiederholt („Noch nie hat ein aktiver Pauli-Spieler bei einem WM-Turnier gespielt.“): Es ist ganz und gar unmöglich, dass Takyi „Paulis“ erster WM-Kicker wird — und auch der zweite wird er nicht mehr werden können.

Es gab da nämlich schon Ján Kocian und Ivo Knoflíček, die beide für die Nationalmannschaft der Tschechoslowakei bei der Fußball-WM 1990 in Italien spielten (sogar im Viertelfinale gegen Deutschland) — und die beide zu dieser Zeit beim FC St. Pauli unter Vertrag standen.

Mit Dank an Max L.

Bild  

Fußballfeldjäger

Es gibt Überschriften, die im Kopf bestimmte Bilder entstehen lassen:

Nach "Feldjäger-Besuch" Trainingslager abgebrochen: Toski vergisst Zivildienst!

Da hat man sofort vor Augen, wie die Militärpolizisten der Bundeswehr im Offroader auf einen abgelegenen Fußballplatz brausen und den Spieler von Eintracht Frankfurt, der seinen Zivildienst „vergessen“ hat, einsacken.

Und wer das nicht vor Augen hat, dem hilft „Bild“ mit dieser Fotomontage gerne nach:

Faton Toski und ein Feljäger-Offroader (schlechte Fotomontage)

Gut, im Artikel liest sich das mit dem „Besuch“ schon ein bisschen anders:

Eintrachts Faton Toski (22) vergaß seinen Zivildienst. Erst als die Feldjäger ihn aus dem Trainingslager holen wollten, reagierte der Mittelfeldspieler (27 Bundesliga-Einsätze, drei Tore). Jetzt muss er das Trainingslager in Kärnten abbrechen.

Am Montag beginnt sein Kurs beim Roten Kreuz in Frankfurt. Eigentlich hätte sich der talentierte Deutsch-Kosovare schon im Juni melden sollen. Als er im Juli noch immer nicht aufgetaucht war, drohte die Behörde mit den Feldjägern, die unwillige Wehrdienst- und Zivildienstleistende aufspüren.

Da ist „Bild“ wohl vollends die Phantasie durchgegangen, denn Feldjäger sind gegenüber Zivildienstleistenden gar nicht weisungsbefugt, wie uns das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage mitteilte. Auch das Bundesamt für den Zivildienst sagte uns: „Feldjäger haben wir hier nicht.“

Mit Dank an Jörn R.

Bild  

Wie eine Linde der anderen

Den beiden norddeutschen Stadtstaaten, den Freien (und) Hansestädten Hamburg und Bremen wird ja gerne eine gewisse Konkurrenz untereinander nachgesagt. Wenn der Hamburger SV und Werder Bremen gegeneinander spielen, hat das immer eine gewisse Brisanz.

Dabei hätten die Bürger beider Städte gute Chancen, in einem Synchronsprechwettbewerb weit vorne zu landen:

„Bild“ Hamburg, 14. Juli 2009 „Bild“ Bremen, 17. Juli 2009
Autos, Räder, Schuhe – ganz Hamburg klebt! Autos, Räder, Schuhe – ganz Bremen ist verklebt!

Von Franziska Wille und Sybill Schneider (Fotos)

Von Bianca Weiner

So schön es auch riechen mag, den Hamburgern stinkt’s! Die Linden haben wieder ihre Hochblüte, und alles klebt, alles pappt. Ob Autos, Fahrräder oder Gehweg: An dem ekligen Blütenschleim kommt keiner vorbei, über allem liegt dieser klebrige Film. Doch was ist das überhaupt?

Schön sehen sie ja aus und toll riechen tun sie auch. Doch was die Linden so von sich geben, ist einfach nur eklig. Im Moment stehen sie in Hochblüte und alles klebt.

Autos, Mopeds, Fahrräder oder Gehwege – über allem liegt dieser klebrige Blütenschleim.

„Bei diesem Schleim handelt es sich um die Ausscheidung von Blattläusen“, erklärt Hans-Werner Münster, Geschäftsführer der Euro-Baumschule Rudolf Schmidt. „Jetzt im Juli haben die Läuse ihre höchste Population erreicht. Dementsprechend viel scheiden sie aus.“ Heidrun Nolte (40) vom NABU erklärt. „Bei dem Schleim handelt es sich um die Ausscheidungen von Blattläusen. Sie haben im Juli ihre höchste Population erreicht, dementsprechend viel scheiden sie aus.“
Genannt wird diese klebrige Masse von den Biologen „Honigtau“ – und genau so fühlt sie sich auch an! Von Biologen wird diese klebrige Masse auch „Honigtau“ genannt.

Aneka Wollny (24) aus Ottensen ist nur noch angewidert, wenn sie in ihr Auto steigt. „Alles ist schmierig, man müsste es ja fast jeden Tag waschen!“

Studentin Larissa (20) aus Oberneuland ist angewidert: „Mein ganzes Auto ist schmierig, ich müsste es fast jeden Tag waschen!“ (…)

Das sieht auch Olaf Höricke (46) so. Und zwar aus einem ganz anderen Grund: Er ist Geschäftsführer der Waschanlage Mr. Wash an der Stresemannstraße. Bei ihm hat sich der Kundenandrang in den letzten Wochen um zehn Prozent erhöht! Denn bei verklebten Autos ist Autofahrern die Wirtschaftskrise schnuppe.

Höricke: „Nicht nur für uns ist es besser, wenn die Leute ihre Autos waschen. Vor allem der Lack wird es ihnen danken!“ Lässt man den Honigtau nämlich zu lange drauf, greift er den Lack an, hinterlässt Schäden. (…)

Einer der sich freut, ist Götz Hildebrand (37), Geschäftsführer der Waschanlage Mr. Wash an der Stresemannstraße.“Bei uns hat sich der Kundenandrang in den letzten Wochen um zehn Prozent erhöht!“ Denn bei verklebten Autos ist Autofahrern die Wirtschaftskrise schnuppe. Hildebrand: „Der Lack wird es ihnen danken! Lässt man den Honigtau nämlich zu lange drauf, hinterlässt er Schäden.“ (…)

Und jetzt sagen Sie nicht, das könne doch alles gar nicht sein: Einen „Mr. Wash“ an der Stresemannstraße gibt es sowohl in Hamburg als auch in Bremen.

Mit Dank an Tobi.

Blättern:  1 ... 107 108 109 ... 113