Archiv für B.Z.

B.Z.  

Verkaufe Mutter für Schlagzeile

Auf fifa.com, der Website des Weltfußballverbands, findet sich ein Interview mit Kevin-Prince Boateng, in dem er sich zum Foul äußert, das Michael Ballack die Teilnahme an der WM verwehrt. Unter anderem sagt er:

Ich möchte erst einmal sagen, dass es mir sehr leid tut, dass Michael die WM nicht spielen kann. Es war nie mein Ziel, ihn zu verletzen. Ich habe mich bei ihm noch auf dem Platz entschuldigt. Ich bin bei der Aktion einfach zu spät gekommen.

Diese Aussage sucht man in der kurzen Zusammenfassung des Gesprächs in der „B.Z.“ vergebens. Sie würde auch nicht zum fleißig durch die Boulevardmedien kultivierten Bad-Boy-Image von Boateng passen. Abgedruckt hingegen wurde dieses Zitat:

Die Partie gegen Deutschland ist natürlich etwas Besonderes für mich. Ich spiele, um zu gewinnen, egal ob mein Gegner mein Bruder, mein Vater oder meine Mutter ist.

Es braucht schon ein ungesundes Maß an Böswilligkeit, um darüber eine solche Schlagzeile zu setzen:

Boateng würde sogar seine Eltern schlagen

Mit Dank an Dirk O.

B.Z., dpa  

Die Rotlicht-Bullen von Dannenberg

Manchmal reichen fünf Zeilen, um ein riesiges Fragezeichen über dem eigenen Kopf erscheinen zu lassen:

Bullen sahen rot DANNENBERG - Zwei Bullen sahen aus ihrem Transport-Anhänger eine rote Ampel, wurden wild und stürmten aus ihrem Gefährt. Vier Polizisten fingen sie ein. (dpa)

Dabei weiß doch jedes Grundschulkind, dass Rinder gar kein Rot sehen können und Stiere auch nicht auf die Farbe des Tuchs in der Hand des Toreros reagieren, sondern auf dessen Bewegungen. Warum sollten Bullen dann an einer roten Ampel (und zwar an einer bestimmten) durchdrehen?

Die Mini-Meldung, die heute in der „B.Z.“ steht, ist die Kurzfassung der Remix einer dpa-Meldung (passenderweise aus den Ressorts „Tiere“ und „Buntes“), die insgesamt ein bisschen weniger falsch ist:

Bei Rot rissen die Bullen aus

Dannenberg (dpa) – Sonst greifen Bullen bei Rot an – diese beiden Exemplare aus Niedersachsen rissen aus, als ihr Transportanhänger vor einer roten Ampel hielt: Die Zwölfzentner-Tiere brachen am Mittwoch in Dannenberg aus dem Gefährt einer Viehverwertungsfirma aus. Vier Beamte nahmen die Verfolgung auf und konnten zunächst eines der beiden Tiere einfangen. Der zweite Bulle erwies sich dagegen als störrisch. Auf einem Friedhof beendete ein Tierarzt den Ausflug mit einem Betäubungsschuss in den Bullenhintern. Als das Tier wieder erwachte, führten die Polizisten es in den Anhänger ab.

Der Halbsatz am Anfang ist natürlich Quatsch, aber immerhin stimmt hier, dass die Tiere die Chance nutzten, als der Transporter stehen blieb — so steht es nämlich auch in der Polizeimeldung.

Der dpa-Landesdienst Niedersachsen hat übrigens alles richtig gemacht und auf jeden Verweis in Richtung „rotes Tuch“ verzichtet.

Mit Dank an Marcel T.

Unfug bevorzugt

SIE SIND ERFOLGREICHER UND HABEN MEHR DURCHSETZUNGSKRAFT - Vorteil: blond

Studie: Leg Dich bloß nicht mit einer Blondine an!

Neue US-Studie enthüllt: Blondinen sind aggressiver als Brünette

Diese Überschriften – und die dazugehörigen Artikel – haben alle ein Problem: Sie sind falsch. In der Studie, auf die sich „B.Z.“, „Welt Online“ und Bild.de angeblich berufen, (hier als PDF) geht es gar nicht um Haarfarben, das Wort „blond“ (bzw. „blonde“ auf Englisch) taucht dort überhaupt nicht auf.

Wie ein völlig verzerrender Artikel der englischen „Sunday Times“ seine Reise um die Welt angetreten hat, hat der Wissenschaftsjournalist Marcus Anhäuser in seinem Blog Plazeboalarm aufgeschrieben:

Märchenstunde

Es war einmal eine Berliner Boulevardzeitung, die hieß „B.Z.“ und war im ganzen Land dafür bekannt, dass sie mitunter seltsame Geschichten erzählte. An jenem Tage, als sich der Todestag von Wilhelm Grimm zum einhundertfünfzigsten Male jährte, begab es sich, dass die „B.Z.“ schrieb:

Rapunzel, Hänsel und Gretel oder Aschenputtel. Jedes Kind kennt sie, bekam Grimms Märchen vorgelesen, von Eltern, Oma und Opa.

Völlig unbekannt dagegen ist „Der gläserne Sarg“. Fast hätte es diese geheimnisvolle Erzählung nicht in die berühmte Grimmsche Märchensammlung geschafft. […]
B.Z. entdeckte jetzt in der Handschriftensammlung der Staatsbibliothek das erste von Wilhelm Grimm (1786-1859) angefertigte Transkript.

Was die vielen Leser der „B.Z.“ nicht wissen konnten: Die Zeitung benutzte eine eigene Sprache. Die meisten Worte klangen der unseren ganz ähnlich, aber sie hatten eine ganz andere Bedeutung. „bisher unbekannt“ hieß etwa so viel wie „in fast 160 Jahre alten Büchern enthalten“, „völlig unbekannt“ bedeutete ungefähr „seit vielen Jahren von Wissenschaftlern behandelt“ und „entdeckte“ sollte andeuten, dass man bei der „B.Z.“ bisher noch nie von dem „gläsernen Sarg“ gehört hatte. (Denn davon hörte man nur in Universitäten.)

Die „B.Z.“ lief nun durch die Lande und rief laut aus:

Märchenfund: Unbekanntes Grimm-Märchen aufgetaucht. In der Berliner Staatsbibliothek stieß die B.Z. auf ein bisher unbekanntes Märchen der Grimms.

Das hörte die große Schwester der „B.Z.“, die „Bild“ hieß. Sie wusste nicht, dass die „B.Z.“ in einer anderen Sprache sprach, die der unseren nur ähnlich war. Und weil „Bild“ eine noch lautere und schrillere Stimme hatte als ihre Schwester, rannte sie ins Internet und kreischte:

"Der gläserne Sarg": Verschollenes Märchen der Gebrüder Grimm aufgetaucht

Es ist eine kleine Sensation! In der Staatsbibliothek von Berlin wurde jetzt ein verschollenes Märchen der berühmten Gebrüder Grimm entdeckt, berichtet die „BZ“.

Weil „Bild“ aber nicht nur laut, sondern auch faul war, las sie das Märchen nicht selber (obwohl man es von überall aus lesen konnte), sondern erzählte nur weiter, was sie gehört hatte:

Laut „BZ“ soll das Märchen zwar nicht so spannend wie „Dornröschen“ oder „Rotkäppchen“ sein, aber immerhin schaffte es der Text 1837 in die 3. Auflage der „Kinder- und Hausmärchen“.

Da klopfte ein Jüngling namens BILDblog an die Pforte der Berliner Staatsbibliothek und fragte, was es denn mit diesen Nachrichten auf sich habe. Dort saßen kluge Menschen über ihren Büchern und antworteten, sowohl das Märchen als auch das Transkript, von dem die „B.Z.“ gesprochen hatte, seien schon lange bekannt. Die Handschrift sei sogar schon in Ausstellungen gezeigt und in Katalogen abgebildet worden.

Da fragte BILDblog, was denn die ganze Aufregung solle, aber obwohl die Staatsbibliothek fast das gesamte Wissen der Welt in sich trug, wusste dort niemand eine Antwort auf diese Frage.

„B.Z.“ und „Bild“ aber rannten weiter aufgeregt durchs Land und riefen „Märchenfund!“ und „Sensation!“. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann rufen sie noch heute.

Wegen ihrer Beiträge sei Rüdiger S., Frank B., Marcus K. und Alex gedankt!

Besonnenheit vereitelt

Nachahmungseffekte:

„[Die Nachahmungseffekte bei Amokläufern sind] sehr hoch. Auch wegen der Medien, die (…) ein mystisches Bild von ihm zeichnen. Das wirkt wie ein Vorbild. Bei Selbstmorden sind die Medien sehr zurückhaltend, um nicht Nachahmer zu provozieren. Bei Amokläufen gilt leider das Gegenteil. Ab jetzt besteht die große Gefahr, dass wir es in den nächsten Wochen oder Monaten mit einem Nachahmungstäter zu tun bekommen.“
(Quelle: Die Kriminologin Britta Bannenberg in der „Süddeutsche Zeitung“ vom 12. März 2009)

Was genau der auslösende Faktor für Amokläufer und Trittbrettfahrer ist, ist nicht klar – bei Experten steht die umfassende Medienberichterstattung mit an vorderer Stelle (siehe Kasten). Doch gleichzeitig kann ein Amoklauf das Publikum fesseln wie kaum eine andere Katastrophe.

Als am frühen Nachmittag die Nachricht über einen Polizeieinsatz an einer Schule in Zwickau bekannt wurde, reagierte die dpa ohne zu Zögern. In einer Eilmeldung verbreitete sie um 13.22 Uhr die alarmierende Nachricht:

Amoklauf an Zwickauer Berufsschule vereitelt

Die Polizei hat an einer Berufsschule im sächsischen Zwickau am Dienstag einen Amoklauf vereitelt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, es gab keine Verletzten. Weitere Einzelheiten wollte die Polizei zunächst nicht mitteilen. Gegen Mittag war bei der Polizei ein Notruf eingegangen. Alle verfügbaren Einsatzkräfte hätten unverzüglich die Schule umstellt, hieß es.

Die anderen Nachrichtenagenturen zeigten sich angesichts der vagen Faktenlage etwas vorsichtiger. So meldete die AFP um 13.40 Uhr: „Großeinsatz der Polizei an Berufsschule in Zwickau – eine Festnahme“; AP titelte: „Polizei vereitelt möglicherweise Amoklauf in Zwickau“.

Welche Version bei den Redaktionen am Besten ankam, ist kaum verwunderlich:

Nachdem sich herausstellte, dass der Verdächtige weder Waffen, noch konkrete Amok-Pläne hatte, knickte auch die dpa ein, sprach um 14.55 Uhr nur noch von einem „Amokalarm“ — und meldete:

Von einem Amoklauf könne keine Rede sein, sagte der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Frank Wend.

Aber schon um 16.45 Uhr ist das alles wieder passé. Da meldet die dpa selbstvergessen:

Fünf Tage nach dem Amoklauf von Ansbach hat die Polizei im sächsischen Zwickau einen möglichen Nachahmer gestoppt.

Mit Dank auch an Niklas und Stefan A.

B.Z., Bild  etc.

Schock: Madonnas Bühnenkollabitis chronisch!

Vielleicht sollte Madonna mal was Herzhaftes essen. Schweinshaxe statt Algen etwa. Oder mit ihren 50 Jahren einfach kürzer treten.

Ja, vielleicht.

Unzählige Stunden hat Madonna schon in Fitness-Centern verbracht, um ihre Muskeln zu stählen und das Altern zu stoppen. Eine Fitness-Fanatikerin. Mit Diät-Wahn. Makrobiotisch, ihr Zauberwort. Kein Fleisch, keine Milch, kein Zucker. Kurz: Was schmeckt, ist verboten.

Naja, und?

Doch nun zahlt Madonna dafür Tribut.

Ach ja? Oh ja!

„Bild“, „B.Z“, „Basler Zeitung“, „Express“, „Bunte“, „Blick“ und, ach, alle berichten, dass Madonna bei ihrem Konzert in Sofia zusammengebrochen (oder genauer: fast zusammengebrochen) sei. Sie haben das aus der britischen Boulevardzeitung „Sun“, und die hat nicht nur diverse anonyme „Insider“, sondern auch ein Beweis-Video, auf dem man sieht, wie sie nach hinten an einen ihrer Tänzer sinkt und erst, nachdem er sie besorgt geschüttelt hat, weitertanzt:

„Man könnte meinen, es gehört zur Choreographie“, heißt es am Anfang im Bild.de-Videobericht, aber anscheinend wollte niemand ernsthaft dieser abwegigen Möglichkeit nachgehen. Da das also ebenso auszuschließen ist wie die Möglichkeit, dass all diese professionellen Journalisten weltweit einfach irgendeinen Unsinn nachplappern, muss es wohl so sein, dass Madonna auf ihrer Tour jedesmal an derselben Stelle im Programm, wenn ein Michael-Jackson-Doppelgänger auftrat, ohnmächtig zusammengebrochen ist, fast so, dass man meinen könnte, es gehöre zur Choreographie:

Gegen den Wahnsinn der Medien dürfte allerdings auch eine Nahrungsumstellung von Algen auf Haxen nicht viel ausrichten.

Mit Dank an lennet!

B.Z., Bild  

Der falsche Jacko und der doppelte Reinfall

Am vergangenen Donnerstag enthüllte „Bild“, dass die Stasi eine Akte über Michael Jackson angelegt hatte. Ein Schmankerl aus den Unterlagen hob sich der Autor Hans-Wilhelm Saure (so etwas wie der inoffizielle Stasi-Beauftragte bei „Bild“) aber für den nächsten Tag auf:

Die Stasi knipste Jacko am Checkpoint Charlie

Ausführlich zitierte „Bild“ aus dem Protokoll über den Besuch Jacksons am Checkpoint Charlie und zeigte zwei Fotos, die die Stasi vom dem Popstar und dem Menschenauflauf, den er auslöste, gemacht hatte. Auch die Berliner Schwesterzeitung „B.Z.“ berichtete am selben Tag:

Dieses Foto von Jackson hat die Stasi geschossen

(…) Am Tag vor seinem West-Berliner Konzert erklimmt Jackson die Besuchertribüne am Checkpoint Charlie. Die Stasi drückt auf den Auslöser

Doch in der „B.Z.“ erschien am nächsten Tag ein weiterer Artikel:

Stasi fiel auf falschen Michael Jackson rein

(…) Doch jetzt kommt raus: Der vermeintliche King of Pop war ein Double! Den Auftritt des Doppelgängers hatte eine Sicherheitsfirma organisiert. Gemeinsam mit einem Fernsehteam hatte sie den falschen Jackson durch die ganze Stadt gelotst. Am Checkpoint Charlie waren die Stasi-Leute nicht die einzigen, die dem Schwindel aufsaßen. Ständig befanden sich „ca. 80-100 schaulustige Personen in der Nähe des Rock-Sängers“, heißt es im Stasi-Protokoll.

Sat.1 hatte den Doppelgänger damals engagiert; auf der Homepage von Christian Engel, dessen Sicherheitsfirma beteiligt war, ist die ganze Aktion ausführlich dokumentiert.

Und nun könnte man den „B.Z.“-Leuten natürlich zurufen, dass nicht nur die Stasi auf den falschen Michael Jackson reingefallen ist, sondern über 20 Jahre später auch noch einmal sie selber, aber wurscht.

Bemerkenswerter ist, wie „Bild“ darauf reagierte, auf einen Doppelgänger (und die Stasi) hereingefallen zu sein. Nachdem das Sat.1-Frühstücksfernsehen am Freitagmorgen über die eigene Aktion von damals berichtet hatte stellte die „B.Z.“ am Freitagnachmittag einen Korrektur-Artikel „Michael Jackson-Double narrte Stasi“ online. Vier Stunden später (!) veröffentlichte „Bild“ den Artikel „Die Stasi knipste Jacko am Checkpoint Charlie“ aus der gedruckten Ausgabe desselben Tages, dessen Wert Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen so eindrucksvoll demonstriert hatte (siehe Screenshots rechts), unverändert im Internet, womöglich extra, aus Trotz.

Zu irgendeiner Form von Korrektur hat sich das Blatt bis jetzt nicht hinreißen lassen.

Nachtrag, 20.40 Uhr. Auch bei FAZ.net glaubt man immer noch, dass es sich bei dem Mann auf dem Foto um den echten Michael Jackson handelte.

Nachtrag, 4. August. Die englische Version von „Spiegel Online“ und „Focus Online“ aufgrund einer AP-Meldung auch.

Nachtrag, 15.10 Uhr. FAZ.net scheint die Bildergalerie kommentarlos gelöscht zu haben; dafür überrascht die gedruckte „FAZ“ heute als Nachzügler mit den Stasi-Fotos — und hält den Abgebildeten für Michael Jackson.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

B.Z.  

Kein Vorwurf ist auch ein Vorwurf

Anlässlich des heutigen Testspiels zwischen Hertha BSC und Union Berlin kann man natürlich noch mal daran erinnern, dass Hertha-Manager Michael Preetz und Union-Sportdirektor Christian Beeck in ihrer aktiven Zeit ein für Beeck unerfreuliches Aufeinandertreffen hatten:

„Preetz war der Anfang von meinem Ende“, erzählt der Unioner. Es geschah am 17. März 2001 in Cottbus. Beeck: „Wir führten mit Energie 1:0 gegen Hertha. Nach einer knappen halben Stunde sprang mir Preetz bei einem Zweikampf unglücklich von hinten ins Knie. Kreuzbandriss, meine Leidenszeit begann um 15.59 Uhr. Die Uhrzeit werde ich nie vergessen, sie stand im Unfallbericht für die Berufsgenossenschaft.“

Einen Vorwurf macht Beeck dem Herthaner nicht: „Das war keine Absicht vom Micha. Der war immer fair, da war ich ganz anders. Ich habe halt Pech gehabt.“

Und wie überschreibt die „B.Z.“ den Artikel mit diesen Zitaten?

Manager-Duell: Beeck wirft Preetz Karriere-Aus vor

Aber das ist ja nur die Online-Variante. In der gestrigen Print-Ausgabe lautete die Überschrift:

Preetz hat meine Karriere zerstört — Christian Beeck über das verhängnisvolle Duell mit dem Hertha-Manager

Nachtrag, 21:40 Uhr: Die „B.Z.“ hat ihre Online-Überschrift jetzt in Richtung der gestrigen Print-Überschrift abgeändert:

Manager-Duell: Beeck: "Preetz zerstörte meine Karriere"

Mit Dank an den Hinweisgeber.

Bei Bohlen werden selbst billige Nacktfotos teuer

Die bekannte Zeitschrift „Viel Spaß“ (M.I.G./Burda) muss 40.000 Euro an Dieter Bohlen zahlen, weil sie vor fast zwei Jahren in großer Aufmachung Nacktfotos von ihm und seiner Freundin zeigte, auf denen nur die Intimbereiche mit Laubblättern übermalt worden waren. Dass das Zeigen der Fotos keine gute Idee war, hätte die „Viel Spaß“-Redaktion sich aber auch irgendwie denken können.

Schließlich hatte die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ (Axel Springer) dieselben Fotos bereits wenige Wochen zuvor ähnlich groß hergezeigt — allerdings mit kleinen Sonnensymbolen statt Laubblättern:

BILDblog vom 20.6.2007:

„Nach unseren Informationen erfuhr Bohlen schon vor der Veröffentlichung, dass Nacktfotos von ihm und seiner Freundin gemacht worden waren und in ‚Bild‘ erscheinen sollten. Und so gingen beim Verlag Axel Springer zwei vorbeugende einstweilige Verfügungen von Bohlens Anwalt ein, die ‚Bild‘ den Abdruck der Fotos gerichtlich untersagten (…). Und tatsächlich veröffentlichte ‚Bild‘ die Nacktfotos nicht. Stattdessen landeten sie beim ‚Bild‘-Schwesterblatt ‚B.Z.‘ (…).“

Und zwei Tage später berichtete „Bild“ (damals bereits erstaunlich gut informiert, siehe Kasten):

[Bohlen] ließ die Veröffentlichung der Fotos verbieten und sogar Schmerzensgeld verlangen.

Die Veröffentlichung der Bohlen-Fotos in „Viel Spaß“ hielt das Landgericht Hamburg nun für eine schwere Persönlichkeitsverletzung und einen Eingriff in die Intimsphäre des Klägers, zumal sich der Leser (trotz Feigenblatt) anhand des „zu erkennenden Schattenwurfs eine konkrete Vorstellung in Bezug auf das Genital des Klägers machen kann“.

*) Anders als andernorts behauptet und weiterverbreitet, betrifft das Urteil (AZ: 324 O 951/08) nicht die „B.Z.“. Nach unseren Informationen waren Bohlens Anwälte gegen die „B.Z.“ bereits vor geraumer Zeit vorgegangen — ähnlich erfolgreich übrigens wie jetzt gegen „Viel Spaß“.

B.Z.  

Wir lassen uns das Zündeln nicht verbieten

Nehmen wir mal an, in Berlin würde es brennen. In Kreuzberg stünde ein Baugerüst in Flammen — und nicht mal zwei Stunden später würde ein Auto in Wilmersdorf in Flammen aufgehen.

Nehmen wir des Weiteren mal an, die Polizei würde Ihnen die folgenden Einschätzungen zu der Geschichte durchgeben: Das brennende Baugerüst könnte entweder durch Brandstiftung ins Brennen geraten sein, es könnte aber auch genauso gut ein technischer Defekt gewesen sein. Im Falle des brennenden Autos müsse man wohl von einer politisch motivierten Tat ausgehen, was man aber noch exakt überprüfen müsse. Und nehmen wir schließlich noch an, die Polizei bezeichnet die Täter Ihnen gegenüber als „Unbekannte“.

Wäre es in diesem Fall nicht völlig naheliegend, wenn man daraus die folgende Überschrift machen würde:

Brandanschläge: Linksautonome zündeln weiter. In der Nacht zum Montag haben Unbekannte ein Auto angesteckt. Auch ein Baugerüst brannte ab.

Nicht? Dann sollten Sie besser nicht bei der B.Z. arbeiten…

Mit Dank an Hanno B.!

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