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Vermummte Propaganda

Im August wurde der Vorsitzende der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei einer Wahlkampfveranstaltung angegriffen. In den Medien las sich der Vorfall anschließend so:

Bild.de:

Drei Festnahmen, 16 Verletzte - Messer-Angriff auf AfD-Chef Lucke!

Focus.de:

Mit Reizgas und Messer bewaffnet - Acht Vermummte attackieren AfD-Parteichef Bernd Lucke

abendblatt.de:

Vermummte mit Messer und Reizgas greifen AfD-Chef an

„Spiegel Online“:

Wahlkampfrede von Bernd Lucke: Vermummte greifen AfD-Veranstaltung an

„B.Z.“ online:

Vermummte in Bremen - Pfefferspray-Angriff auf AfD-Chef Bernd Lucke

Süddeutsche.de:

afd13

„Bild“:

16 Verletzte! Linke Chaoten attackieren Chef der AfD

In fast allen Artikeln ist von mindestens 20 teilweise vermummten Personen die Rede, von denen acht auf die Bühne gelangt seien. Die „vermutlich dem linksextremen Lager zuzuordnende[n] Angreifer“ hätten Pfefferspray benutzt, außerdem sei ein AfD-Helfer mit einem Messer angegriffen und verletzt worden. Insgesamt habe es 15 Verletzte gegeben, drei Personen seien festgenommen worden.

All diese Informationen stammten aus einer Pressemitteilung der Polizei Bremen, die sich so ziemlich mit dem deckte, was auch die AfD selbst mitgeteilt hatte.

Auf einem Video, das noch am selben Tag bei Youtube auftauchte, spielt sich der Vorfall allerdings ein bisschen anders ab. Darin ist zu sehen, wie lediglich zwei Männer auf die Bühne rennen und Bernd Lucke einfach nur umstoßen. Dann schmeißt einer der Männer etwas von der Bühne, danach liegt offenbar Pfefferspray in der Luft.

Viele Medien verlinkten dieses Video, sie schienen sich aber nicht weiter daran zu stören, dass darauf etwas anderes zu sehen ist als das, was Polizei und AfD geschildert hatten. Nur wenige Journalisten meldeten nach Betrachten des Videos Zweifel an. Das Handelsblatt etwa schrieb mit Blick auf die Aufnahmen, von einem „brutalen Angriff“ könne „nicht die Rede sein“.

Der AfD jedenfalls kam die bundesweite Aufregung nur allzu gelegen. Plötzlich hatte die Partei die volle Aufmerksamkeit der Medien. Mitten im Wahlkampf. Und das wusste sie zu nutzen:

„Zeit Online“:

Attacke bei Walkampfrede - AfD-Chef verlangt schärferes Vorgehen gegen Linksextreme

Focus.de:

AfD-Chef nach Angriff - Bernd Lucke: "Geduld mit Linksextremen aufgeben"

Hinsichtlich des Angriffs gibt es inzwischen aber Neuigkeiten. Wie die „taz“ und „NWZonline“ heute berichten, ist die Polizei von ihrer ursprünglichen Darstellung abgerückt. Polizeipräsident Lutz Müller habe gestern zugegeben, dass die Erstmeldung „auf den Angaben der Veranstalter“ fußte. Er habe außerdem klargestellt, dass keineswegs ein Messer im Spiel gewesen sei.

Auch die Anzahl der Vermummten muss Müller zu Folge deutlich korrigiert werden. Gesichert sei lediglich, dass zwei Störer maskiert waren. Das zeige ein Video. Allerdings seien noch nicht alle Aufnahmen ausgewertet worden. Müller schätzt: „Vielleicht waren acht bis zehn Personen vermummt.“ Auf die Bühne wiederum seien nur drei bis vier Protestierer gelangt, die Lucke hinunter schubsten. Im Übrigen, so Müller, habe bislang lediglich einer der Festgenommenen ins linke Spektrum eingeordnet werden können.

Anderen Medien ist diese Entwicklung nicht mal eine Meldung wert.

Mit Dank an Kris R.

B.Z., Bild  

Gericht untersagt „Lolita“-Berichterstattung

Das Sabbern hat ein Ende: Die Springer-Blätter „B.Z.“ und „Bild“ dürfen nicht mehr über den angeblichen „Lolita-Skandal“ berichten. Per einstweiliger Verfügung wurde ihnen gestern untersagt, wesentliche Teile ihrer Berichterstattung weiter zu verbreiten.

Vergangenen Donnerstag hatte die „B.Z.“ eine Titelgeschichte veröffentlicht, in der die Boulevardzeitung behauptete, mehrere Spieler von Hertha BSC hätten sich eine 16-jährige Geliebte geteilt. Kronzeugin der Geschichte war das Mädchen selbst. Das Blatt nannte sie „die Hertha-Lolita“ und fotografierte sie, passend zum Thema, in Hotpants.

Von dort zog die Geschichte ihre Kreise, allen voran die „Bild“-Zeitung interessierte sich für die intimen Details aus dem Kinderzimmer. Am Freitag, einen Tag nach dem „B.Z.“-Artikel war der „Lolita-Skandal“ also auch bei „Bild“ Titelthema, Hotpants inklusive.

Doch schon am Donnerstagabend hatte die „Berliner Morgenpost“ in ihrer Online-Ausgabe berichtet, dass das Mädchen gelogen habe:

[In einer eidesstattlichen Erklärung des Mädchens] heißt es, sie hätte deren Eltern von dem Interviewtermin mit der Zeitung erzählt. Die Eltern hätten ihr die Teilnahme verboten. Darauf habe sie den Reportern eine gefälschte Unterschrift ihrer Eltern vorgelegt. […]

Außerdem versicherte die Schülerin auch schriftlich, sie hätte die „BZ“-Reporter belogen. Sie habe nie Geschlechtsverkehr mit einem Hertha-Profi gehabt […].

Dennoch legte die „B.Z.“ am Freitag nach: Neue Titelgeschichte, neue Hotpants. „Wie ich zum Spielball der Hertha-Profis wurde“.

Am Samstag noch eine Titelgeschichte. Am Sonntag noch eine.

Doch seit gestern Nacht sind sämtlich Artikel zum „Lolita-Skandal“ aus den Online-Portalen von „B.Z.“ und „Bild“ verschwunden. Auf Anfrage teilte uns der Anwalt der Eltern des Mädchens mit, dass er eine einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung erwirkt habe. Insbesondere die vermeintlichen Schilderungen, Auszüge aus Protokollen und die Fotos des Mädchens dürfen nicht mehr verbreitet werden. Das Landgericht Berlin folgte der Argumentation des Anwalts, dass keine Genehmigung der Eltern vorlag. Das allein sei schon ein grober Verstoß gegen das Presserecht.

Übrigens hatte das Mädchen laut „Spiegel“ 5000 Euro von der „B.Z.“ bekommen. Inzwischen habe sie das Geld an Springer zurückgezahlt.

B.Z.  

Mit bösem Willen und Spucke (2)

Man kann den Leuten bei der „B.Z.“ nicht vorwerfen, dass sie sich nicht auch bei ernsten Themen noch ihren Humor bewahren:

Am Ostbahnhof wurde ein Fahrgast von einem Mann angespuckt. Das „Lama“ soll Aids haben.

So stand es auf der Internetseite der Boulevardzeitung.

Im Print sieht es heute immerhin so aus:

Und darum ging’s:

Am Ostbahnhof könnte sich ein Reisender mit dem HI-Virus angesteckt haben. Ein 30-jähriger Infizierter hat den Mann auf dem Bahnhof in Friedrichshain grundlos angespuckt. Der Täter stellte sich, die Polizei sucht sein Opfer. […]

Ein Mitarbeiter der Bahn beobachtete den Vorfall und ermöglichte die Festnahme des Verdächtigen durch unsere Beamten“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei.

Der Verdächtige, ein Italiener, wurde von den Polizisten befragt. „Bei den Ermittlungen wurde bekannt, dass der Täter möglicherweise an einer unheilbaren Krankheit leidet“, sagt der Sprecher.

Wie die B.Z. erfuhr, soll es sich dabei um Aids handeln. Gegen den Italiener wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Eine Übertragung des HI-Virus durch Spucke ist faktisch auszuschließen. Das erfahren sogar die Leser, die den „B.Z.“-Text, der mit dem Satz „Am Ostbahnhof könnte sich ein Reisender mit dem HI-Virus angesteckt haben“ beginnt, bis zum Ende lesen:

Der Sprecher der Berliner Aids-Hilfe, Holger Wicht (41), warnt jedoch vor Panikmache: „HIV kann über Speichel nicht übertragen werden. Selbst wenn der Spuckende Zahnfleischbluten und der Bespuckte eine offene Wunde im Gesicht hatte, kann eine Ansteckung ausgeschlossen werden, denn im Speichel wird der Virus sehr stark verdünnt, sodass er seine Ansteckungskraft verliert.“

Die „B.Z.“-Redaktion hielt diese von ihr selbst eingeholte, seriöse Auskunft offenbar nicht für glaubwürdig, ignoriert sie diese doch im Rest des Artikels vollkommen.

Die „B.Z.“ ist schon einmal bei diesem Thema negativ aufgefallen (BILDblog berichtete) und sah sich jetzt der Kritik der Aidshilfe ausgesetzt. Und natürlich lag sie mit ihrer Ferndiagnose falsch.

Um 13.59 Uhr überarbeitete die Redaktion jedenfalls unauffällig die Online-Version des Artikels:

Nach ersten Informationen sollte es sich um Aids handeln. Das wurde inzwischen korrigiert. Der Mann ist an Hepatitis erkrankt.

Die „ersten Informationen“ hatte die „B.Z.“ höchstselbst verbreitet, weil sie „erfahren“ haben will, dass es sich „um Aids handeln“ „soll“. Das „wurde“ also „inzwischen“ korrigiert — aber wohl nicht von offizieller Seite.

Die Bundespolizei schreibt uns nämlich auf Anfrage:

Bewusst haben wir es vermieden in unserer Pressemitteilung „Opfer nach Spuckattacke gesucht“ vom 6. Februar 2013 die genaue Krankheit zu benennen.

Die weiteren Ermittlungen müssen zeigen, inwieweit der Täter wirklich an einer Krankheit leidet, die unter den genannten Umständen durch Speichel übertragbar ist. In der Pressemitteilung heißt es daher auch „…dass der Täter möglicherweise an einer unheilbaren Erkrankung leidet.“.

Dass eine Infektion bei HIV eh praktisch ausgeschlossen gewesen wäre, hat die „B.Z.“ in der neuen Fassung dann mal direkt aus dem Text gekürzt. Aber das hat sie ja eh nie geglaubt.

Mit Dank an Brigitte K. und Steffen F.

Darauf einen Absacker!

Als die Boeing 757 von United Airlines am Sonntag von Washington, D.C. nach London von der Startbahn abhob, ahnten die 50 Passagiere an Bord vermutlich noch nicht, dass sie Zeugen und Opfer einer Beinahe-Katastrophe werden würden, die in deutschen Medien so aufbereitet wurde:

Bild.de:

Flugzeug sackt 6000 Meter ab – Notlandung!

„Bild“:

„B.Z.“:

United-Jet sackt 6000 Meter ab: Notlandung

„Focus Online“:

United-Airlines-Maschine muss notlandenBoeing 757 stürzt 6000 Meter in die Tiefe...
United-Airlines-Maschine muss notlanden: Boeing 757 stürzt 6000 Meter in die Tiefe

„Berliner Kurier„:

Flug-Schock
Notlandung! Flugzeug fällt 6000 Meter in die Tiefe

Die deutschen Medien berufen sich dabei auf Artikel ihrer englischen Kollegen, denn zuvor hatten etwa die „Daily Mail“ und der „Daily Mirror“ über den Zwischenfall berichtet.

Hätten die Journalisten jedoch selbst ein wenig recherchiert (oder einfach mal in ihren zahlreichen Leserkommentaren nachgeschaut), wären sie schnell darauf gestoßen, dass das Flugzeug nicht „gestürzt“, „gefallen“ oder „abgesackt“ war, sondern die Piloten – weil es Probleme bei einem Triebwerk gab – aus Sicherheitsgründen bewusst niedriger geflogen sind.

Dementsprechend klingt die Version des „Aviation Herald“ auch um einiges nüchterner:

Eine United Boeing 757-200, Kennzeichen N14118, Flug UA-130 von Washington Dulles, DC (USA) nach London Heathrow, EN (UK) mit 50 Passagieren und 9 Crew-Mitgliedern, war auf dem Weg auf Flugfläche 390 über den Atlantischen Ozean etwa 500 Nautische Meilen östlich von St. John’s, NL (Kanada), als die Crew über das Notfallmeldesystem erklärte, dass sie ein Triebwerk (RB211) abgeschaltet habe und auf Flugfläche 280 gesunken sei. Das Flugzeug kehrte um und steuerte St. John’s an, wo es etwa 130 Minuten später sicher auf Landebahn 29 landete.

Der Rest des Fluges wurde gestrichen.

Die Airline teilte mit, es sei ein technisches Problem mit einem Triebwerk aufgetreten. Als Vorsichtsmaßnahme sei das Triebwerk abgeschaltet worden. Die Passagiere wurden auf andere Flüge in Richtung London umgebucht.

(Übersetzung von uns).

Wie uns das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf Anfrage erklärte, ist es völlig normal, die Flughöhe zu reduzieren, wenn eines von zwei Triebwerken ausfällt oder abgeschaltet werden muss. Nur so kann in vielen Fällen der nächste Flughafen erreicht werden. Und das ist seit knapp 50 Jahren für zweistrahlige Flugzeuge wie die Boeing 757 sogar Vorschrift.

Davon abgesehen ist das Flugzeug laut „Aviation Herald“ von Flugfläche 390 (etwa 39.000 Fuß/11.900 Meter) auf Flightlevel 280 (etwa 28.000 Fuß/8.500 Meter) gesunken – also nicht um 6.000 Meter, sondern um „nur“ 3.400.

„Spiegel Online“ immerhin hat die ursprüngliche Überschrift „Boeing sackt um 6.000 Meter ab“ mittlerweile in „Triebwerksprobleme zwingen Boeing zum Umkehren“ geändert.

Unter dem Artikel heißt es:

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Meldung wurde der Eindruck erweckt, die Boeing sei nach einem Triebwerksausfall um 6000 Meter unkontrolliert abgesackt. Tatsächlich handelte es sich um ein kontrolliertes Manöver des Piloten. Wir bitten um Entschuldigung.

Mit Dank an Chris K., Stephan Sch. und Wolfgang.

Von Manga-Mord und Profi-Piraten

Im vergangenen November fand man in Leipzig in einem Fluss die zerstückelte Leiche eines jungen Mannes. Anfang Dezember konnte er als Jonathan H. identifiziert werden. „Bild“ bastelte sich aus den Spuren, die Jonathan H. im Internet hinterlassen hatte, das Psychogramm einer „bizarren Welt“ (BILDblog berichtete) und die „Dresdner Morgenpost“ spekulierte über einen „Manga-Mord“.

Beide Zeitungen beschrieben das Leben des Getöteten (bzw. den Teil seines Lebens, der im Internet dokumentiert war) detailliert und zitierten Spekulationen von Nachbarn über die Intimsphäre des Toten. Illustriert waren die Artikel mit mehreren privaten Fotos. Eine Bekannte von Jonathan H. veröffentlichte auf BILDblog einen offenen Brief über die diffamierende Berichterstattung von „Bild“ und „Morgenpost“, der größere Aufmerksamkeit erregte.

Vergangene Woche beschäftigte diese Berichterstattung auch den Deutschen Presserat: Der Beschwerdeausschuss sprach nicht-öffentliche Rügen gegen Bild.de (wo der „Bild“-Artikel ebenfalls erschienen war) und die „Dresdner Morgenpost“ aus, da er in den Artikeln eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts nach Ziffer 8 des Pressekodex sah. Der Presserat habe im konkreten Fall „kein öffentliches Interesse“ erkennen können, das das Persönlichkeitsrecht des Opfers überlagert hätte.

Die „Maßnahmen“ des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine „Missbilligung“ ist schlimmer als ein „Hinweis“, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die „Rüge“. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Die „Dresdner Morgenpost“ kassierte außerdem auch noch eine öffentliche Rüge, weil sie auf der Titelseite und im Innenteil unter der Überschrift „Junge (17) warf sich vor Zug – tot“ über den Suizid eines Teenagers berichtet hatte. Die „Morgenpost“ schilderte die Selbsttötung ausführlich, spekulierte über das Motiv und beschrieb die Verletzungen des Jungen detailliert. Der Presserat sah durch diese Darstellungen die in Richtlinie 8.5 gebotene Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Selbsttötung verletzt.

Eine nicht-öffentliche Rüge erhielt die „B.Z.“ für die Berichterstattung über einen schweren Autounfall, bei der sie mit der Unfallschilderung auch ein Foto eines 32-jährigen Opfers gezeigt hatte, das die Redaktion ohne Einwilligung der Angehörigen aus einem sozialen Netzwerk kopiert und veröffentlicht hatte. Der Presserat betont, dass über Unfallopfer „im Hinblick auf den Schmerz der Hinterbliebenen besonders zurückhaltend berichtet werden“ müsse. Ein überwiegendes öffentliches Interesse an der identifizierenden Berichterstattung sei auch hier nicht zu erkennen gewesen.

Hier saugen Profi-Piraten - So haben Polizei und Abmahner keine ChanceBemerkenswert ist die Titelgeschichte, für die das „PC Magazin“ eine öffentliche Rüge erhielt: Unter der Überschrift „Quellen der Raubkopierer“ und dem Hinweis „So haben Polizei und Abmahner keine Chance“ beschäftigte sich der Artikel mit verschiedenen Möglichkeiten zum illegalen Download von Musik, Filmen und Software aus dem Internet. Dabei nannte die Redaktion konkrete Websites und bewertete in einer Tabelle u. a. das Risiko für den User bei Nutzung des jeweiligen Download-Dienstes. Der Presserat sah in dieser Veröffentlichung eine Verletzung des Ansehens der Presse: Es sei nicht mit der Ziffer 1 Pressekodex vereinbar, wenn eine Redaktion illegale Downloadmöglichkeiten beschreibe, durch deren Nutzung Urheberrechte verletzt werden. Im vergangenen Jahr hatte das NDR-Medienmagazin „Zapp“ über die Tipps verschiedener Computerzeitschriften berichtet, die sich „ganz nah am Rande der Legalität“ bewegten, das „PC Magazin“ selbst war bereits 2006 in zwei ähnlichen Fällen gerügt worden.

Ebenfalls gerügt wurden die „Lünepost“, ein Anzeigenblatt der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ (wegen Verstoßes gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung), das „Deutsche Waffenjournal“ (Diskriminierung), sowie die „Bunte“ und der „Weserkurier“ (beide Schleichwerbung).

B.Z.  

Minderwertiger Trash wie von der Schießbude

Wer ein etwas exzentrisches Hobby pflegt, sammelt vielleicht Gegendarstellungen aus Zeitungen und Zeitschriften. So jemand würde den Ausschnitt aus der gestrigen „B.Z.“ wohl bei den schöneren Exemplaren in seinen Ordner einsortieren.

In den Hauptrollen: Ein Berliner CDU-Politiker, der als Senator mit der kürzesten Amtszeit (12 Tage) in die Polithistorie eingegangen ist, und eine … äh: schillernde Entertainerin und ehemalige „Dschungelkönigin“.

Gegendarstellung

Zu „Auch Désirée Nick fühlt sich vom Ex-Senator Braun getäuscht“ in B.Z. vom 18. Dezember 2011:

Sie schreiben: Es war die Schrankwand, die sie stutzig machte. Vollgestellt mit ausgestopften Puppen, gigantischen Stofftieren. „Minderwertiger Trash wie von der Schießbude“, beschreibt Désirée Nick (55) das Büro von Michael Braun (55, CDU), … „Ich dachte gleich: Was ist das für ein Notar, der so etwas sammelt?“

Dazu stellte ich fest: In meiner Kanzlei gab es nie eine ausgestopfte Puppe, oder ein Stofftier. Ich sammle so etwas auch nicht.

Sie schreiben: „In einer Image-Broschüre wirbt die Swisskontor, mit der renommierten Kanzlei Lehmann-Brauns/Braun zusammenzuarbeiten.“

Dazu stelle ich fest: Es gibt keine Broschüre, in der ich genannt werde.

Berlin, den 19.12.2011
Rechtsanwalt Johannes Eisenberg für Michael Braun, Notar

Michael Braun hat recht. Die Redaktion

B.Z.  

Klammeraffen

Klammern zählen zu den wichtigsten Zeichen auf den Redaktionstastaturen. In ihnen kann man auf engstem Raum wichtige Zusatzinformationen unterbringen, etwa das Alter einer Person, ihren Wohnort oder den Titel des Films, für den ein Schauspieler berühmt ist.

Oder auch ganze Kurzcharakterisierungen:

Der von Mutter Jana (29, Hartz IV) alarmierte Notarzt reanimierte ihren Sohn Gabriel (9). Das Kind schwebt noch in Lebensgefahr. […] Im Fokus der Ermittler steht jedoch Stiefvater Kevin S. (Mitte 40, Hartz IV).

B.Z.  

Konkordanzdenken

So richtig überraschend ist es nicht, wenn „Berlins legendäre Bürgermeister“ auf die Frage …

A 100: Soll das Volk gefragt werden?

… die gleiche Antwort haben:

Nein. Nein.

Eberhard Diepgen legt sich bei der Ablehnung der Frage, ob die Weiterführung der Bundesautobahn 100 vom Volk entschieden werden soll, mächtig ins Zeug. Sogar die Schweiz, die ihren Bürgern seit über 100 Jahren Volksrechte zugesteht und doch nicht kollabiert, dient ihm als negatives Beispiel:

Volksabstimmungen können nur eine sachlich begrenzte Ergänzung der Formen parlamentarischer Demokratie sein. Je mehr Volksabstimmungen, desto mehr werden Regierungen nur noch zu ausführender (bürokratischer) Verwaltung. Deswegen gibt es in der Schweiz verfassungsrechtlich festgeschriebene Allparteienregierungen und nicht unser gewohntes Gegeneinander von Regierung und Opposition.

Tatsächlich sind Volksabstimmungen „eine sachlich begrenzte Ergänzung der Formen parlamentarischer Demokratie“. Die Konkordanzdemokratie, also die von den wichtigsten gewählten Parteien gemeinsam übernommene Regierungsverantwortung, ist seit vielen Jahren in der Schweiz Tatsache, siehe dazu die Sitzverteilung im Bundesrat, der „obersten leitenden und vollziehenden Behörde des Bundes“, wie es in der Bundesverfassung heißt.

Anders als Diepgen behauptet, ist die Konkordanzdemokratie („Allparteienregierung“) allerdings nicht in der Verfassung festgeschrieben. Dieser aus freien Stücken eingegangene Konsens kann sich jederzeit wieder zur Konkurrenzdemokratie wandeln.

B.Z.  

Träumt weiter!

Wir entschuldigen uns an dieser Stelle schon mal für den Ohrwurm, den Sie gleich für den Rest des Tages haben werden, aber da müssen wir jetzt gemeinsam durch!

Das Lied „Summer Of ’69“ ist eines der bekanntesten Werke des kanadischen Rockmusikers Bryan Adams — und war gestern der „Song des Tages“ der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ und des Berliner „Spreeradios“:

Song des Tages: "Summer of

Nun ist es so, dass Adams im Sommer 1969 tatsächlich erst neun Jahre alt war. Adams selbst erklärte daher vor einigen Jahren auch, dass diese „69“ da im Titel eine sexuelle Anspielung sei.

Doch das Wort „sex“ taucht im Songtext gar nicht auf. Adams singt „I got my first real six string“, womit ein „Sechssaiter“, also eine (mutmaßlich elektrische) Gitarre gemeint ist.

Ein Trost für die Leute von der „B.Z.“ ist vielleicht, dass sie nicht die Einzigen sind, mit denen bei diesem Song die (schmutzige) Phantasie durchgegangen ist, wie Bryan Adams vor zwei Jahren erzählte:

I had someone in Spain ask me once why I wrote the first line „I had my first real sex dream“… I had to laugh.

Mit Dank an Rayko M.

B.Z.  

Falsches Topmodel gewählt

Falls Sie zu den 78 Millionen Deutschen gehören, die das Finale der ProSieben-Sendung „Germany’s Next Topmodel“ gestern nicht verfolgt haben: Gewonnen hat die 20-jährige Jana aus Haltern am See.

Das kam für viele überraschend, aber kaum jemand hatte sich – trotz abschreckender Beispiele in der jüngsten Vergangenheit – so weit aus dem Fenster gelehnt wie die „B.Z.“, die gestern auf ihrer Titelseite schrieb:

Topmodel-Finale: Darum wird es Amelie

Die Berliner Boulevardzeitung nannte „5 Indizien, warum die 16-Jährige Amelie am Donnerstag Germany’s next Topmodel gewinnen wird“. Denn:

Die Spatzen pfeifen bereits von den Dächern, dass das Küken gewinnt.

Doch offensichtlich hatten die Spatzen entweder undeutlich gepfiffen, sich geirrt — oder die Topmodel-Jury um Heidi Klum wollte sich partout nicht an die Wünsche der „B.Z.“ halten:

Nach den eher exotischen Sara Nuru und Alisar Ailabouni soll wieder eine Blondine gewinnen. Und Amelies (1,75 Meter) blonde Konkurrentin Jana ist mit 1,73 Metern zu klein für ein Model.

Favoritin Amelie flog im Finale übrigens als Erste raus.

Mit Dank an Marco S.

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