Archiv für 6 vor 9

Putin-Tours, Breitbart, Postfaktisches

1. Einladung nach Moskau: Wie Putin versucht, Schweizer Journalisten zu beeinflussen
(aargauerzeitung.ch, Dennis Bühler und Antonio Fumagalli)
Die “Aargauer Zeitung” aus der Schweiz beschäftigt sich gleich in drei Beiträgen mit Russlands Versuch, die Medien zu beeinflussen. Der erste Beitrag beginnt mit einem Anruf. Am Telefon ein Mitarbeiter der russischen Botschaft, der den Auftrag hat, zwei junge Schweizer Journalisten für einen viertägigen Workshop in Moskau zu rekrutieren. Zweieinhalb Wochen später starten die beiden Journalisten zu ihrer Propagandareise in die russische Hauptstadt. In “Russische Medien erzählen konsequent das Gegenteil von dem, was man im Westen hört” ordnet der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow die vom russischen Staat organisierte Pressereise ein und verrät, welche Absichten dahinterstecken. Und in Propaganda-Trip: Das haben unsere ausländischen Kollegen in Moskau erlebt kommen die Mitreisenden zu Wort.

2. «Breitbart News» wird Trump-Pravda
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Der Erfolg von Donald Trump ist auch der Erfolg von Stephen Bannon, dem Chef der ultrarechten “Breitbart News”. Dieser hatte mit einer aggressiven Agenda den Nährboden für Trump geschaffen und wird nun einflussreicher Berater und Chefstratege des neuen Präsidenten. Adrian Lobe zeichnet für die “Medienwoche” die Entwicklung der “Trump-Pravda” nach, die nun auch nach Europa expandieren will.

3. „Wir weisen auch auf Missstände hin“
(www.taz.de, Wilfried Urbe)
Das Online-Medienmagazin “dwdl.de” liefert mehrmals täglich aktualisierte Nachrichten aus Fernsehen, Print und Internet. Nun wird das Portal 15 Jahre alt. Während andere Seiten um ihre Existenz bangen müssen, erwirtschaftet “dwdl” aktuell einen Jahresumsatz von 700.000 Euro. Die “taz” hat sich mit Chefredakteur und Geschäftsführer Thomas Lückerath unter anderem über das Berufsbild von Journalisten, Einschaltquoten und die Zukunft des Fernsehens unterhalten.

4. Gespaltene Medienwelt: Wahlkampf gegen die Medien
(carta.info, Wolfgang Hagen & Hermann Rotermund)
Wie konnte es Trump gelingen, einen Wahlkampf gegen die Medien zu führen? Die “carta”-Autoren Hagen und Rotermund führen dafür im Wesentlichen vier Gründe an: “Eine nunmehr 30-jährige Tradition des überwiegend rechtskonservativen Talk Radios mit inzwischen über 3500 Stationen in den USA; eine inzwischen 20-jährige Tradition des auf Spaltung ausgerichteten, rechtskonservativen Nachrichtensenders “Fox-News”; die durchdringenden Wirkung der “scripted reality”-Formate, die in allen TV-Kanälen majoritär sind; und die verstärkenden Echokammern der abgeschotteten Teil-Öffentlichkeiten in den sozialen Medien des Internet.”

5. Gefühlte Wahrheiten
(zeit.de, Lenz Jacobsen)
Lenz Jacobsen beschäftigt sich in seiner neuen “Zeit”-Kolumne mit gefühlten Wahrheiten: “Menschen überschätzen Ungleichheit und Migration, aber unterschätzen die Zahl von Übergewichtigen und Politikerinnen.” Überall dort, wo sich eine besonders große Lücke zwischen Statistik und Wahrnehmung auftue, biete sich dem Populismus ein Einfallstor, so Jacobsen. Besonders eindrucksvoll das von ihm zitierte Zahlenbeispiel, in dem es um die Zahl der jährlich getöteten Amerikaner geht. In der vom Europa-Direktor der Hilfsorganisation “Human Rights Watch” verbreiteten Tabelle werden Todesursachen in den USA nach jährlicher Häufigkeit aufgelistet: zwei Tote pro Jahr durch eingewanderte, islamistische Terroristen. 21 Tote durch bewaffnete Kleinkinder, 31 durch Blitzeinschläge. 737 Amerikaner sterben jährlich, weil sie aus dem Bett fallen. Und 11.737 werden von anderen Amerikanern erschossen. Doch was sind die Konsequenzen und wie sollte Politik auf falsche Wahrnehmungen reagieren? Die Antworten darauf sind nicht einfach.
Nachtrag: Jacobsen hat auf Facebook noch ein paar Gedanken ergänzt

6. Gefahr für Geiseln – Tabus für Medien
(ndr.de, Sinje Stadtlich)
Letztes Jahr wurde eine deutsche Journalistin von einer islamistischen Gruppe entführt. Fast alle Medien hätten sich an das ungeschriebene Gesetz gehalten, über laufende Entführungsfälle nicht zu berichten, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden. Der “Focus” war davon abgewichen, hatte den vollen Namen der Frau nebst Bild veröffentlicht, Details zu ihrem Verschwinden genannt und munter drauflos fabuliert. Nachdem die Reporterin wieder frei und wohlbehalten in Deutschland zurück ist, hat das Medienmagazin “Zapp” den “Focus” dazu befragt. Dort ist man sich keiner Schuld bewusst. Ganz im Gegensatz zu der Einschätzung der “Reporter ohne Grenzen”, die die “Focus”-Berichterstattung als “verantwortungslos” bezeichnen.

AfD, Hasslawine, Game of Schund

1. Journalisten nicht willkommen
(djv.de, Eva Werner)
Journalisten nicht willkommen! Die AfD Baden-Württemberg will auf ihrem Landesparteitag keine Medien dabeihaben. Der Deutsche Journalisten-Verband wertet dies als Zeichen für ein massiv gestörtes Demokratieverständnis. DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall: “Geradezu lachhaft ist, dass die AfD Baden-Württemberg statt der Teilhabe am Landesparteitag Journalisten mit einer Pressekonferenz mit vorgefilterten Informationen abfrühstücken will.“

2. Warum “Programmatic Advertising” der eigenen Marke schaden kann: Wenn Werbung Wunder verspricht, haben Medien ein Problem
(kress.de, Bülend Ürük)
Von den politisch motivierten Fake-Nachrichtenseiten war die letzten Tage oftmals die Rede. Doch es gibt noch andere Desinformationsseiten und mit denen wird viel Geld verdient. Dabei geht es um Themen wie Diätpillen, Nahrungsergänzungsmittel, Glücksspiel und Kosmetik. Daniel Brückner von “testbericht.de” berichtet, dass die Werbung dieser Fakenachrichtenseiten auf 72 von 100 überprüften seriösen Nachrichtenseiten erscheint. Schuld daran sei unter anderem das “Programmatic Advertising” das Brückner als “Hintertürchen für Fake-Nachrichten” bezeichnet.

3. Obama sollte Manning die Reststrafe erlassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” appelliert an US-Präsident Barack Obama vor seinem Ausscheiden aus dem Amt, der inhaftierten Whistleblowerin Chelsea Manning den Rest ihrer Freiheitsstrafe zu erlassen: “Chelsea Manning sitzt schon jetzt länger im Gefängnis als jeder andere verurteilte Whistleblower in der US-Geschichte und hat während ihrer Haft grausam gelitten. Ihre unverhältnismäßige Strafe weiterhin zu vollstrecken, wäre eine unnötige Verlängerung ihrer Qualen. Schon jetzt zeichnen sich schwere Zeiten für die Pressefreiheit in den USA unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump ab. Gnade für Chelsea Manning und Jeffrey Sterling wäre eine späte Gelegenheit für Obama, sich nach seinem erbitterten Feldzug gegen Whistleblower mit einem positiven Signal aus dem Amt zu verabschieden.”

4. Totficken, Steinigen, Kreuzigen – Wir haben getestet, ob Facebook Hetze und Morddrohungen löscht
(vice.com, Stefan Lauer)
“Vice”-Autor Stefan Lauer hat eine Woche lang mehr oder weniger wahllos, wie er sagt, auf den Facebook-Seiten von NPD, diversen Pegida-Ablegern, anderen rechten Facebook-Seiten und öffentlich einsehbaren privaten Profilen Hasskommentare gemeldet und abgewartet, was passiert. Die Ergebnisse sind, nunja, ernüchternd: “Facebook scheint in einer braunen Hasslawine zu versinken und nicht zu wissen, wie damit umzugehen ist. Oder sie wollen sich gar nicht darum kümmern.”

5. Ein Urteil gegen Ankara
(taz.de, Reinhard Wolff)
Die Türkei hatte beim Satellitenbetreiber Eutelsat einen Ausstrahlungsstopp des kurdischen TV-Kanals “Newroz” bewirkt. Dies hat ein Gericht nun kassiert: Der Sendestopp wurde für rechtswidrig erklärt, Eutelsat muss das Programm wieder ausstrahlen.

6. Was soll der Hype um “Game of Thrones”?
(sueddeutsche.de, Luise Checchin)
Luise Checchin metzelt für die “SZ” die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie “Game of Thrones” nieder: “Wäre Game of Thrones einfach nur platt und redundant, es wäre alles halb so schlimm. Aber da ist eben auch diese schmierige Grundstimmung, die ab der ersten Episode vorhanden ist und die nach und nach bei jedem einigermaßen kritisch denkenden Menschen einen fundamentalen Selbst- und Fremdekel auslösen müsste. Game of Thrones ist eine Aneinanderreihung von sexistischem und gewaltverherrlichendem Schund.”

Falschmeldungen, Staatsknete, Mario Barth

1. Fakten? Fuck.
(tagesanzeiger.ch, Constantin Seibt)
Der amerikanische Wahlkampf war beherrscht von Falschmeldungen und Lügen. Zusätzlich feuerten über 100 US-Politik-Nachrichtenseiten ohne Unterlass Lügenmeldungen pro Trump raus. Das Besondere: Gesteuert wurde alles aus einer Kleinstadt in Mazedonien. Von Teenagern, denen es weniger um Politik als um das große Geld ging. Und Facebook sorgte dafür, dass sich die Geschichten noch schneller verbreiteten. Constantin Seibt stellt einige Thesen vor, warum Falschmeldungen heutzutage derart erfolgreich sind.

2. Justiz muss Anklage gegen Dündar fallenlassen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Heute wird in Istanbul das Verfahren gegen den ehemaligen Chefredakteur und den Ankara-Büroleiter der oppositionellen Zeitung “Cumhuriyet” wegen angeblicher Unterstützung einer terroristischen Organisation fortgesetzt. „Can Dündar und Erdem Gül sind angeklagt, weil sie ihre journalistische Arbeit getan haben. Ihr Fall steht symbolisch für die Willkür, mit der die türkische Regierung reihenweise gegen kritische Journalisten vorgeht“, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Die türkische Justiz muss die beiden Journalisten freisprechen.”

3. Facebook-Mitarbeiter fordern Mark Zuckerberg heraus
(faz.net)
Während des amerikanischen Wahlkampfs verbreiteten sich auf Facebook viele falsche Nachrichten. Immerhin 150 Millionen Amerikaner seien während des Kampfes Clinton versus Trump mit derartigen Fakenews konfrontiert worden. Facebook-Chef Mark Zuckerberg spielt den Vorgang herunter, doch einige seiner Mitarbeiter sind ernsthaft besorgt.

4. Staatsknete für Qualitätsjournalismus
(taz.de, Reinhard Wolff)
In Schweden hat die Subvention von Medienunternehmen Tradition: Derzeit würden etwa 140 Printmedien staatliche Fördergelder erhalten. Nun ist ein neues öffentlich finanziertes Medienunternehmen im Gespräch, ein Public-Service-(Digital)-Kanal zusätzlich zu den drei bestehenden im Radio- und TV-Sektor. Im Rahmen der Reform sollen auch die Spielregeln geändert werden. Die Förderung war bislang neutral und kam auch rassistischen Blättern zu Gute. Dies soll dank “Demokratieklausel” nun ein Ende haben.

5. „Wir schützen nur unsere Bank“
(sz-online.de, Sebastian Beutler)
Der Görlitzer Volksbank-Chef Sven Fiedler hat eine Geldanlage bewerben lassen, bei der es fürs Tagesgeld symbolische 0,01 Prozent geben sollte, bei einer Kontogebühr von mindestens fünf Euro pro Monat. Daraufhin erging sich ein weltweiter Shitstorm über dem Kreditinstitut. BILD bezeichnete den Bankchef beispielsweise als “Verlierer des Tages”. Im Interview mit der “Sächsischen Zeitung” erklärt Fiedler die Hintergründe der Geschichte.

6. Live vorm Trump-Tower: Mario Barth entlarvt die Lügenpresse
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Comedian Mario Barth (“Kennste? Kennste?”) hat aufgedeckt, dass vor dem Trump Tower, anders als in den Medien berichtet, keine Proteste stattgefunden haben. Wie er das gemacht hat? “… Mario Barth hat bewiesen, dass da abends keine Proteste stattfinden, indem er morgens vorbeigegangen ist.”

Planetenschließung, Trump-Fehde, Kinder-Zeitschriften

1. Vorübergehend geschlossen
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
“Planet Interview” hat mit Nikolaus Blome gesprochen, dem stellvertretenden Chefredakteur der BILD (aktuelles Buch: “Links oder rechts?”). Nun soll Blome große Teile seines Interviews nicht freigegeben haben. Betroffen seien 41% seiner Antworten. Dies wäre ein seltsames Gebaren, da Blome kritische Fragen bei anderer Gelegenheit als „essentiellen Bestandteil“ einer funktionierenden Demokratie bezeichnet hat. “Planet Interview” hat aus Protest gegen diesen Eingriff die Webseite für zwei Tage stillgelegt und zeigt nur das Interview. Inklusive der Fragen, deren Antworten von Blome nachträglich gestrichen worden seien.
Lesetipp: Wir haben dem Vorgang den Artikel Antworten auf kritische Fragen? Nicht mit Nikolaus Blome gewidmet und dort Blomes mutmaßliche Antworten mit Hilfe von Gedankenlesen und einer komplizierten mathematischen Formel (der sogenannten „Blome-Gleichung“) extrapoliert.

2. Pöbeln, klagen, drangsalieren
(spiegel.de, Marc Pitzke)
“Fox”-Moderatorin Megyn Kelly enthüllt in ihrer Autobiografie “Settle for More” erstmals die Hintergründe ihrer Fehde mit dem damaligen Präsidentschaftsbewerber Trump. Dieser hatte während des Wahlkampfs viele Journalisten bepöbelt und teilweise mit Prozessen überzogen. Auch Megyn Kelly bekam Morddrohungen von aufgeheizten Trump-Anhängern. Für Kelly wird sich die Sache wenigstens gerechnet haben: “Für ihre – bis nach der Wahl verzögerten – Enthüllungen kassierte sie einen Millionenvorschuss und fordert von Fox News nun angeblich 20 Millionen Dollar im Jahr für ihre Vertragsverlängerung, da sie alle hofieren.”

3. Die FPÖ und die blanke Niedertracht
(taz.de, Ralf Leonhard)
In Österreich wird Anfang Dezember erneut der Bundespräsident gewählt, entsprechend aufgeheizt ist die Stimmung im Land. Vor kurzem hat sich der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer vom boulevardesken Kanal “oe24.tv” für eine Homestory interviewen lassen, in der auch nach dem Beziehungsstatus der 13-jährigen Tochter gefragt wurde. Der Fernsehjournalist Martin Thür twitterte daraufhin: “Ich will nicht in einem Land leben, wo Kandidaten die Zimmer und das Liebesleben ihrer 13-jährigen Töchter offenbaren müssen, um zu gewinnen.” Ein von empörten Hofer-Anhängern initiierter Shitstorm war die Folge.

4. «Die Schweiz ist ein Land der Parallelwelten»
(tagesanzeiger.ch, Nicola Brusa & Beat Metzler)
Der “ARD”-Journalist Hans-Jürgen Maurus arbeitete von 1978 bis 2016 beim Radio, unter anderem als Auslandskorrespondent in Asien, Afrika und Amerika. Die letzten fünf Jahre war er Korrespondent in der Schweiz. Im Interview mit dem “Tagesanzeiger” geht es vor allem über sein Bild der Schweiz.

5. Niemand weiß, was jetzt passiert? Dann Schluss mit der Panikmache!
(perspective-daily.de, Frederik von Paepcke)
Auf dem Cover des aktuellen “Spiegel” rast ein überdimensionaler Trump-Kopf mit geöffnetem Mund und brennendem Kopf auf den Erdball zu. “Was soll das?”, fragt Frederik von Paepcke in seinem Kommentar zur Verantwortung der Medien und verlangt nach dem Schluss mit der Panikmache. Sein Vorschlag: “Entdecken wir konstruktive Tugenden wie Zuversicht, Respekt oder Kreativität neu. Überdenken wir unsere Kommunikation, üben wir uns in mehr Selbstreflexion.”

6. turi2 edition3: Sandra und Simon Peter, Chefredakteure bei Blue Ocean
(youtube.com, Video, 3:16 Minuten)
Sandra und Simon Peter sind, was den Output anbelangt, wahrscheinlich die fleißigsten Chefredakteure Deutschlands: Beim Stuttgarter Blue Ocean Verlag verantworten sie Dutzende von Kinder-Zeitschriften – mit 500 Ausgaben pro Jahr. Die Aufteilung ist dabei ganz klassisch: Sie macht die Mädchenhefte wie “Prinzessin Lilifee”, er die Jungsmagazine wie das “Playmobil-Magazin”.

Tatort, “Wirus”, Meinungsjournalismus

1. An jedem verdammten Sonntag
(taz.de, Klaus Raab)
Gestern feierte der “Tatort” seine tausendste Folge. Sein Erfolg ist “Symptom einer Gegenwart, die Gefühle standardmäßig mit Gewissheiten verheiratet”, findet Klaus Raab in der “taz”. Raab sieht den “Tatort” nicht, wie oft beschrieben, als Spiegel der Gesellschaft. “Der „Tatort“ nun, die Krimireihe der ARD, gedeiht eigentlich in einer Welt, in der man jeden Unsinn erzählen soll, wenn er der Geschichte dient; der Welt der Fiktion. Die Drehbücher sind erfunden, eigentlich weiß das auch jeder, und das ist auch gut. Man stelle sich vor, wie entsetzlich der „Tatort“ wäre, würde er tatsächlich als „Spiegel der Gesellschaft“ fungieren, wie es bisweilen heißt. Dann würden im Berlin-„Tatort“ 89 Minuten lang nur Fahrräder geklaut.”

2. «Trump-Debatte widerspiegelt Egozentrik des Journalismus»
(srf.ch, Roman Fillinger, Audio, 6:09 Minuten)
Wolfgang Blau war Digitalchef beim “Guardian” und bei “Die Zeit”. Nun arbeitet er als “Chief Digital Officer” beim internationalen Verlag Condé Nast. Beim “Schweizer Radio und Fernsehen” SRF spricht er über die Trump-Berichterstattung. Blau plädiert für mehr Empathie: “Journalisten müssen sich stärker damit auseinandersetzen, dass – selbst wenn sie nicht viel Geld verdienen – sie in aller Regel wohlhabender sind als die Menschen, über deren Wahlverhalten sie sich nun wundern. Journalisten würde mehr Empathie gut tun, um zu spüren, wie es sich anfühlt, mit größter Wahrscheinlichkeit nie mehr einen Job zu bekommen, oder dass auch die eigenen Kinder wahrscheinlich nie eine Festanstellung bekommen werden, wie man sie selbst einmal hatte.”

3. Hubertus Koch bei den #JMT16: „Ich bin Meinungsjournalist“
(flurfunk-dresden.de, Nadine Faust)
Hubertus Koch ist mit seinem Dokumentarfilm “Süchtig nach Jihad” bekannt geworden, in dem er sehr persönlich und emotional aus dem syrischen Flüchtlingslager Bab al-Salameh berichtet. Anfang des Jahres erhielt er dafür den Nachwuchspreis des Deutschen Fernsehpreises. Auf den “Jugendmedientagen 2016” in Dresden hat er sich mit dem Medienblog “Flurfunk” über seine Arbeit und die Zukunft der Medien unterhalten.

4. Ein gefährliches „Wirus“ breitet sich aus
(udostiehl.wordpress.com)
Der Gebrauch von “Wir”-Konstruktionen führt zu einer Lagerbildung, die dem Versuch einer Geiselnahme gleichkommt, so Udo Stiehl in seinem Artikel über den gefährlichen “Wirus”. “Wer gezielt seine Position als mehrheitsfähig darstellen will, nutzt diese rhetorisch einfache und schlagkräftige Wortwahl. Ganz egal, welches Thema in die öffentliche Debatte gedrückt werden soll: „Wir“ funktioniert inzwischen wie eine Droge. Und sie spaltet exakt so, wie es beabsichtigt ist.”

5. aspekte vom 11. November 2016
(zdf.de, Video, 45 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe der Kultursendung “aspekte” (ZDF) hatte Moderatorin Katty Salié einen berühmten Co-Moderatoren: den türkischen Journalist und ehemaligen Chefredakteur der “Cumhuriyet” Can Dündar. In der Sendung geht es überwiegend um Medienthemen und Pressefreiheit. Die Beiträge selbst sind in Deutsch; Dündars Redeanteile auf Türkisch mit deutschen Untertiteln.

6. Facebook erklärt Mark Zuckerberg für tot
(zeit.de)
Eine Softwarepanne führte dazu, dass auf Profilen vieler Facebook-Nutzer Gedenknachrichten erschienen. Selbst Gründer Mark Zuckerberg wurde vom eigenen Netzwerk für tot erklärt.

“Breitbart”, Leonard Cohen, Neuköllner Neonazis

1. “Breitbart News” will expandieren
(zeit.de)
Mit seinen Angriffen auf Hillary Clinton gehörte das rechtspopulistische Medium “Breitbart News” im US-Wahlkampf zu den Garanten für Donald Trumps Erfolg. Jetzt könnte es auch nach Deutschland und Frankreich kommen: “Breitbart, das bereits eine Website in Großbritannien betreibt, führt nach Angaben seines Chefredakteurs bereits Gespräche mit deutschen und französischen Journalisten. Ziel sei es, gewählte rechtspopulistische Politiker in Frankreich und Deutschland zu unterstützen.” Als Reaktion auf die Expansionsdrohung von “Breitbart” entwickelt Johannes Kuhn auf seiner Seite kopfzeiler.org eine Empfehlung für die Berichterstattung über den im kommenden Jahr anstehenden Wahlkampf in Deutschland: “Die Lösung für publizistische Portale kann nur lauten, möglichst viele Mitarbeiter weg vom Bildschirm und raus in die deutsche Realität zu schicken, aufzuschreiben, was ist. Normalen Menschen das Wort zu geben, sie erzählen zu lassen, wie es ihnen geht, was sie denken, hoffen, fühlen.”

2. Trump-Wähler scheren sich nicht um die Wahrheit? Du doch auch nicht!
(t3n.de, Lisa Hegemann)
Ob nun die irrtümliche Bebilderung der “Simpsons”-Vorhersage, ein vermeintlicher Titelblatt-Fauxpas der “Märkischen Allgemeinen” oder ein Donald-Trump-Zitat von 1998, das aber gar nicht von Donald Trump stammt — obwohl das alles faktisch falsch ist, verbreitet es sich in den Sozialen Netzwerken wie blöd. Ziemlich problematisch, findet Lisa Hegemann: “Wenn wir Links von Texten teilen, die wir nicht gelesen haben, wenn wir Bilder teilen, deren Ursprung wir nicht geprüft haben, dann prägen wir die postfaktische Ära mit — dann gehen wir nach Gefühl und nicht nach Tatsachen.”

3. Neonazis posten Karte mit Adressen
(juedische-allgemeine.de)
Eine rechtsextreme Gruppierung aus Berlin-Neukölln hat vor zwei Tagen — also zum Jahrestag der Pogromnacht — auf einer Facebook-Seite “eine Grafik mit jüdischen Einrichtungen in Berlin veröffentlicht”: “In Frakturschrift steht auf der Grafik der Satz: ‘Juden unter uns!’. Darauf sind rund 70 Einrichtungen samt Adressen aufgelistet, darunter Kitas, Schulen, Synagogen, Geschäfte, Friedhöfe und Restaurants. Daneben steht die Anmerkung: ‘Heut ist so ein schöner Tag’.” Inzwischen sei die Seite von Facebook gelöscht worden, berichtet “Spiegel Online”.

4. Marxismus im Dauerminus
(taz.de, Judith Freese)
Der “jungen Welt”, in der DDR “das Medium der Freien Deutschen Jugend, kurz FDJ, und mit millionenstarker Auflage zeitweise die meist gelesene Tageszeitung im Osten”, geht es finanziell ziemlich mies: Judith Freese schreibt von einem “nicht gedeckten Fehlbetrag von 953.000 Euro”. Die aktuell 17.000 Abonnenten seien 2000 zu wenig, “um weiterhin die Zeitung produzieren zu können.” Noch solle aber nicht Schluß sein.

5. Leonard Cohen Makes It Darker
(newyorker.com, David Remnick, englisch)
Vor gut einem Monat erschien dieses 60.000-Zeichen-Stück über Leonard Cohen, geschrieben vom “New Yorker”-Chefredakteur David Remnick. Wenn man einen Text zum Tod von Leonard Cohen lesen will, dann diesen.

6. Heisse News vom Vortag
(operation-harakiri.de, Ralf Heimann)
Ralf Heimann wundert sich über die Titelseite der “Augsburger Allgemeinen”, die noch am Donnerstag damit aufmachte, dass Donald Trump “neuer US-Präsident” ist: “Früher war das immer so. Wenn am späten Freitagabend etwas passiert ist, das am Samstagmorgen keinen Platz mehr in der Zeitung fand, na, dann kam es eben am Montag auf die Titelseite.”

7. Liebe Leserinnen und Leser. Wir müssen reden.
(netzpolitik.org)
Heute ausnahmsweise mal ein siebter Link, denn die Kollegen von netzpolitik.org brauchen Hilfe: Die Zugriffszahlen seien zwar 1A, und zu wenig Themen gebe es auch nicht, aber das Geld werde bald knapp. “Sollten sich die Spenden nicht monatlich um 5.000 bis 10.000 Euro erhöhen, werden wir recht bald gezwungen sein, wieder Stellen abzubauen”, schreibt das Team, das nach der “Landesverrat-Affäre” aufgestockt wurde, und bittet um finanzielle Unterstützung.

Medienversagen, Mafia, Wakaliwood

1. Die US-Wahl, die Medien und ihre Vorhersagen (Links im Text)
(diverse)
In der Wahl von Donald Trump zum künftigen Präsidenten der USA sehen viele auch ein Versagen der Journalisten und ihrer Vorhersagen. Sascha Lobo schreibt in seiner Kolumne bei “Spiegel Online” vom Scheitern der Medien und Meinungsforscher “an den Mechanismen moderner Meinungsbildung” (“Wir müssen aus unseren Fehlern lernen. Sonst ist Trump unser kleinstes Problem”). Bei persoenlich.com sagt Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, Trump sei der “grosse Profiteur einer veränderten Medienwelt” (“‘Trump hat von einer veränderten Medienwelt profitiert'”). Christian Jakubetz schreibt in seinem Blog von einer “bitteren Lektion” für “Journalisten, Medien und Social-Media-Enthusiasten” (“Eine Ohrfeige namens Trump”). Die Wahl von Donald Trump zeige, “wie sehr sich die Bürger von den klassischen Medien abgewandt haben — und andersherum”, so Julian Dörr bei sueddeutsche.de (“Trump und “Breitbart” triumphieren über das Establishment”). Joshua Benton analysiert bei “NiemanLab”, dass sowohl Journalisten als auch Facebook dazu beitrügen, dass sich die Gesellschaft in “two self-contained, never-overlapping sets of information” bewege (“The forces that drove this election’s media failure are likely to get worse”). Rasmus Kleis Nielsen denkt auf seiner Website darüber nach, was die Wahl für die Sozialwissenschaften bedeuten könnte (“‘A desk is a dangerous place from which to view the world.’ Social science and the 2016 elections”). Danah Boyd sagt klipp und klar “I blame the media” und kritisiert fehlende Selbstreflexion der Medien sowie ein mangelndes Verständnis der eigenen Schwächen (“Reality check: I blame the media.”). Jim Rutenberg und James Poniewozik fragen in der “New York Times”, ob sich die Medien von dieser Wahl wieder erholen können (“Can the Media Recover From This Election?”). Und Margaret Sullivan wirft den Journalisten in der “Washington Post” vor, dass sie nicht richtig hingehört und hingeschaut hätten (“The media didn’t want to believe Trump could win. So they looked the other way.”).

2. War das Volksverhetzung?
(faz.net, Michael Hanfeld)
Der Auftritt einer vollverschleierten Konvertitin in der Talkrunde von Anne Will am vergangenen Sonntag hat jetzt auch rechtliche Folgen — eine Rechtsanwältin aus Neuruppin soll Strafanzeige gestellt haben, “‘wegen aller in Frage kommenden Straftaten'”, schreibt Michael Handfeld. In einer Stellungnahme verteidigt “Anne Will”-Redaktionsleiter Andreas Schneider die Einladung der Frau: “Um das ganze Spektrum der Problematik abzubilden, die im Tatort [lief im Vorfeld der Sendung] angespielt wurde, war es Absicht der Redaktion, auch eine radikalisierte Person in die Gesprächsrunde zu laden.”

3. “Dort verkehren auch Politiker”
(taz.de, Ambros Waibel)
Gestern Abend lief beim “MDR” Ludwig Kendzias Reportage “Revier der Paten — Mafia in Mitteldeutschland” (Video, 29:45 Minuten). Im Interview mit der “taz” erklärt er, warum es schon rein rechtlich schwierig ist, über die Mafia zu berichten: “In Italien ist die nachgewiesene Zugehörigkeit zur Mafia strafbar. Das ist bei uns nicht so und macht es für Journalisten enorm schwierig, identifizierend zu berichten. Wir müssen uns aufs Allgemeine zurückziehen.”

4. O-Töne herstellen? Geht jetzt!
(radio-machen.de, Sandra Müller)
“Adobe”, die Firma, die auch Photoshop entwickelt hat, hat vor einigen Tagen Voco vorgestellt (Video, 7:20 Minuten). Damit kann man — kurz gesagt — am Computer durch die Eingabe oder das Löschen von Wörtern Sprachaufnahmen so verändern, dass ganz neue Aussagen entstehen. Sandra Müller warnt vor dieser “perfekten Audio-Manipulationsmaschine”.

5. Journalisten nicht ins Asylverfahren treiben
(reporter-ohne-grenzen.de)
Nachdem Michael Roth, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, in einem Interview mit der “Welt” verfolgten türkischen Journalisten Asyl in Deutschland in Aussicht gestellt hatte, kritisieren die “Reporter ohne Grenzen”, dass Roths Angebot an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbeigehe: “Die weitaus meisten der türkischen Medienschaffenden, die sich mit der Bitte um Zuflucht in Deutschland an Reporter ohne Grenzen wenden, wollen weder politisches Asyl noch dauerhaft im Ausland bleiben. Ihnen geht es vielmehr um vorübergehende Zuflucht, bis sich die politische Situation in der Türkei beruhigt hat — und vor allem darum, ihre journalistische Arbeit fortzusetzen. Würden sie politisches Asyl beantragen, könnten sie jedoch während eines Verfahrens von ungewisser Dauer nur sehr schwer eine Arbeit aufnehmen und wären in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.”

6. Wakaliwood: Actionfilme aus Ugandas Slum
(ndr.de, Bastian Berbner, Video, 12:04 Minuten)
Isaac Nabwana braucht gerade mal ein Budget von 160 Dollar, um einen ganzen Spielfilm zu drehen. Nabwana ist Kameramann, Regisseur und die zentrale Person von Wakaliwood, Ugandas Film-Hotspot in Wakaliga. Bastian Berbner war im Slum in der Nähe der Hauptstadt Kampala dabei, als mit Hilfe von Kunstblut in Kondomen und Maschinengewehren aus Abwasserrohren ein neuer Actionfilm im typischen Wakaliwood-Stil entstanden ist.

Meinungsmacher-Hybris, Vollverschleiert, #crowdgezwitscher

1. Die Hybris der Meinungsmacher
(faz.net, Quyn Tran)
Viele Film- und Medienleute in Amerika hätten Donald Trump verhindern wollen, damit jedoch nur die Verlierer der Gesellschaft aus der Diskussion verdrängt und deren Hass gesteigert, so Quyn Tran in der “FAZ”. Der Autor sieht Parallelen zu der Entwicklung bei uns: “Vor einer solchen Entwicklung ist Deutschland nicht gefeit. Statt sich mit dem Ärger weniger Privilegierter zu beschäftigen, werden sie zum Schweigen gebracht und bisweilen lächerlich gemacht. Aber man sollte die Ängste, die jenen Ärger auslösen, ernst nehmen, weil sie sonst zur Hauptmotivation politischen Handelns wird. So wie es gerade in den Vereinigten Staaten ist, wo die Angst vor dem sozialen Abstieg Wähler zu Trump treibt, und die Angst vor Trump als Präsidenten diejenigen, die ihn nicht unterstützen, zu einer vielen verhassten Kontrahentin.”

2. Unverschleiert
(ndr.de, Annette Leiterer)
Eine vollverschleierte Konvertitin erklärte bei “Anne Will” ihre Sicht der Dinge in Sachen Religionsauslegung. Es hagelte Kritik. Zu Recht? Nein, findet Annette Leiterer, die bei “ZAPP” die Redaktion leitet. “Es bereitet Sorge, wenn der Auftritt einer vollverschleierten Frau im Ersten Deutschen Fernsehen am Sonntag als Affront aufgefasst wird, als Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft. Denn es zeigt, dass die Angst davor, dass WIR uns anderen Regeln unterwerfen müssen, sich eingenistet hat. Aber gerade dieser Angst lässt sich gut begegnen mit der direkten Diskussion.”

3. Syrer Hadi Abdullah ist Journalist des Jahres
(reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” zeichnet den Syrer Hadi Abdullah als Journalist des Jahres 2016 aus. „Durch seine mutige Berichterstattung eröffnet Hadi Abdullah der Weltöffentlichkeit wichtige Einblicke in die täglichen Nöte der Menschen in Syrien“, so der Geschäftsführer der Organisation. „In einem Land, in dem unabhängiger Journalismus gleichbedeutend mit Lebensgefahr ist, hat er sich durch Professionalität und Mut ausgezeichnet.“

4. Hin zu einem autoritären Medienregime in Ungarn
(de.ejo-online.eu, Gabor Polyak & Agnes Urban)
Vor kurzem wurde Ungarns führende Oppositionszeitung und Qualitätszeitung “Népszabadság” unter fragwürdigen Umständen eingestellt. Wenige Wochen später wurde der sie herausgebende Verlag “Mediaworks” wahrscheinlich an den milliardenschweren Oligarchen Lőrinc Mészáros verkauft. Dieser ist ein enger Freund des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán. Ein weiterer Schritt zur vollständigen Regierungsherrschaft auf dem ungarischen Medienmarkt, finden die Autoren.

5. Presseverlage hoffen auf finanzielle Hilfe durch Journalisten
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier berichtet auf “Übermedien” über den aktuellen Stand der VG-Wort-Kontroverse. Der Verband deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) wolle die deutschen Journalisten dazu drängen, auf einen Teil ihrer Tantiemen zu verzichten und den Verlagen zu überlassen. Tantiemen, auf die die Journalisten einen Rechtsanspruch hätten…

6. Die Plattform #crowdgezwitscher startet und dokumentiert rechtsradikale Demos in Sachsen
(correctiv.org, Alexej Hock)
“Correctiv” (ein Zusammenschluss von 16 investigativen Journalistinnen und Journalisten) hatte eine Crowdfunding-Kampagne für eine Informationsplattform über rechte Demos in Sachsen durchgeführt. Nun geht das Projekt “#crowdgezwitscher” online. Künftig berichtet ein Netz von mobilen Reporter und Bürgern auf einer eigenen Internetseite und unter einem einheitlichen Twitter-Suchbegriff über die zahlreichen fremdenfeindlichen Kundgebungen in Sachsen.

“6 vor 9”-Sonderausgabe: US-Wahl

1. “Was Sie zur Wahl wissen müssen” (Links im Text)
(diverse)
Heute schaut die ganze Welt nach Amerika und die dort stattfindende Präsidentschaftswahl. Viele Medien erklären noch einmal den genauen Ablauf, meist unter Verwendung der beliebten “Was Sie wissen müssen”-Formel:

Welt.de schreibt, “Worauf Sie in der Wahlnacht achten sollten”. Bei “Spiegel Online” steht, “Was Sie jetzt zur US-Wahl wissen müssen”. Sueddeutsche.de verrät ebenfalls, “Was Sie zur US-Wahl wissen müssen”. Bei “N24” heißt es: “Das sollten Sie über die Wahlnacht wissen”. Merkur.de variiert leicht mit “US-Wahl 2016: Das müssen Sie zum amerikanischen Wahlsystem wissen”. Und “Zeit Online” kürzer: “So läuft die US-Wahl ab”.

2. Die allerletzten Worte
(zeit.de, Rieke Havertz)
Nachdem der Wahlkampf (fast) vorüber ist, entscheiden jetzt die Wähler. Nun heißt es, keine Fehler zu machen (siehe dazu auch: “Mitarbeiter nehmen Trump Twitter-Account weg”) und in den letzten Reden auf einfache Botschaften, starke Emotionen und Symbole zu setzen, analysiert Rieke Havertz: “Die Worte passen sich den Themen der Zeit an, das Drehbuch bleibt stets gleich. Doch wohl noch nie war die wiederkehrende Phrase über das auf dem Spiel stehende Schicksal Amerikas so wahr wie in dem Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump, der nun endlich sein Ende gefunden hat.”

3. Hillary Trump gegen Amerika
(heute.de, Ulf Röller)
Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Washington, zieht eine Wahlkampfbilanz: “Was für eine Wahl? Das Wort Schlammschlacht trifft es nicht. Es ist leider mehr gewesen. Machtkämpfe sind immer hart und schmutzig, besonders in Amerika. Aber diesmal stieß das Land, das sich für außergewöhnlich hält, für eine von Gott gewählte Nation, in neue, furchteinflößende Dimensionen vor.”

4. How Foreign Journalists Here Try To Explain The U.S. Election Back Home
(npr.org, Hannah Bloch)
Das “National Public Radio” hat Auslandskorrespondenten nach ihren Eindrücken vom amerikanischen Wahlkampf gefragt: Alberto Flores d’Arcais von “La Repubblica”, Joyce Karam von “Al-Hayat”, Matthias Kolb von der “Süddeutschen Zeitung” und Tolga Tanis von “Hurriyet”. Herausgekommen sind einige interessante Wahrnehmungen und Beobachtungen von außen, die auch die jeweils anderen Kulturkreise widerspiegeln.

5. A!154 – Amerika (Staffelfinale)
(aufwachen-podcast.de, Tilo Jung, Stefan Schulz & Andreas Cichowicz, Audio, 2:51 Stunden)
Fast drei Stunden widmet das “Aufwachen”-Podcast-Team um Stefan Schulz und Tilo Jung dem “Staffelfinale” zur US-Wahlkampfberichterstattung. Im Gespräch zu Gast: “NDR”-Chefredakteur Andreas Cichowicz, der vor Ort die “ARD”-Sendungen zum Wahlabend vorbereitet.

6. LdN028 Erdoganokratie, Bundeswehr-Recruiting, Trumps Psychotricks, Brexit nur mit Parlament
(kuechenstud.io, Philip Banse & Ulf Buermeyer, Audio, 1:05 Stunden)
Hörenswert auch der Podcast “Lage der Nation”, in dem die Wissenschaftlerin Elisabeth Wehling Trumps Psychotricks (“Framing”) erklärt (ab Minute 17:26). Es handelt sich dabei um Ausschnitte ihres Vortrags “Politik, Stimmungen und Emotionen — Beobachtungen aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf”, den sie auf der “Deutschlandfunk”-Konferenz “Formate des Politischen” gehalten hat.

Monetarismus-Dilemma, Kalkofe-Kritik, Volksverhetzungsbutton

1. Zur Not auch ohne Print
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
“New York Times”-CEO Mark Thompson erklärt seine Strategie für die Zukunft des Medienunternehmens und die liegt (natürlich) im Digitalen. Die Zeitung hat wie fast alle anderen Medien mit einer sinkenden Druckauflage zu kämpfen, investiert jedoch konsequent in ihren Netzauftritt. Bis 2020 will Thompson die Digitaleinkünfte auf 800 Millionen Dollar verdoppeln.

2. Keine Angst vor dem Publikum
(de.ejo-online.eu, Marlis Prinzing)
Der Weltverband der Zeitungen (WDZV) hat Standpunkte von 78 Medienhäusern aus weltweit 46 Ländern zum Umgang mit Leserkommentaren erfasst. In vielen Redaktionen herrsche Furcht: “Schadet es dem Ruf der Zeitung, wenn Nutzer sich im Ton vergreifen? Wer haftet dann? Lohnt es sich überhaupt, in die Kommentar-Moderation zu investieren? Weil sie keine klaren Antworten sehen, ermöglicht jede fünfte keine Nutzerkommentare mehr oder leitet den Publikumsdiskurs von den eigenen Kanälen um auf Facebook und andere soziale Medien.” Prinzing rät dazu, den Draht zum Publikum nicht abreißen zu lassen und blickt auf Best-Practice-Beispiele wie die “New York Times” und “Dawn” aus Pakistan, die sich konsequent in die Diskussion einschalten.

3. So klischeehaft berichten Medien über Unternehmerinnen
(gruenderszene.de, Kim Richters)
Kim Richters weist auf eine neue Studie des Instituts für Mittelstandsforschung hin. Darin wurde untersucht, wie sich die Berichterstattung über Unternehmerinnen und Gründerinnen in den vergangenen Jahren veränderte. Ergebnis der Studie: Es wird immer noch zu selten über Frauen berichtet, obwohl diese ein Drittel aller Selbstständigen ausmachen. Und wenn dann über sie berichtet werde, dann oft klischeehaft und mit Bemerkungen über ihr Aussehen.

4. Ein §130-Button, aber schnell!
(taz.de, Roberto de Lapuente)
Facebook sei zum Tummelplatz für Rassisten geworden, so Roberto de Lapuente in seinem Debattenbeitrag auf “taz.de”. Lapuente fordert Konsequenzen auf verschiedenen Ebenen: Um das Melden von Hasskommentaren zu erleichtern, soll es gleich neben dem „Gefällt mir“-Button auch einen Volksverhetzungsbutton mit „§130“-Icon geben. Bei volksverhetzenden Kommentaren soll es eine Meldepflicht des Unternehmens an die Behörden geben. Und Facebook soll bei Beleidigungen oder Angriffen auf Privatpersonen zur Beweissicherung verpflichtet werden.
Nun denn, die Reaktion des Unternehmens auf derartige Vorschläge kann man sich wohl vorstellen.

5. Blocker und Keule
(medienwoche.ch, Anne-Friederike Heinrich)
Die Chefredakteurin der “Werbewoche” Anne-Friederike Heinrich beschäftigt sich mit dem Monetarismus-Dilemma der Medien: “Wie bringt man den mit Kostenlosmedien verwöhnten Nutzern bei, dass Journalismus etwas kostet? Mit sanftem Druck oder mit dem Holzhammer?”

6. oliver kalkofe ist gegen eigenwerbung
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel äußert sich kritisch über einen Oliver-Kalkofe-Clip, in dem dieser die Youtuberin “Bibi” aufs Korn nimmt. Schwenzel wirft Kalkofe unter anderem Doppelmoral vor: “werbung machen für eigene produkte ist verachtenswert? kurz nach seiner bibi-nachäffung kann man im video sehen, wie kalkofe werbung für seine sendung auf dem premium-kanal tele5 macht, seine twitter- und facebook-kanäle anpreist und (seine „dummen“ fans?) dazu auffordert seinen youtubekanal zu abonnieren.” (Schwenzelsche Kleinschreibung im Original belassen)

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