Junge-Hayali-Freiheit, Frey-Denker, ZAK vs Let’s Player

1. Reden mit den Rechten
(taz.de, Anja Maier)
Die Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunja Hayali (u.a. ZDF heute-Nachrichten und ZDF-Morgenmagazin) hat der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ein Interview gegeben. Anja Maier von der „taz“ kann dem Interview nicht allzuviel abgewinnen („harmlos“) und sieht vor allem einen Gewinner: „Schon jetzt kann man sagen, wer bei der Sache gewonnen hat. Die Junge Freiheit bringt sich mit ihrem Hayali-Interview ins Gespräch. Eine Wochenzeitung, die als Aufreger mal nicht mit Erika Steinbach oder Marcus Pretzell vorliebnehmen muss – so was wirkt fast schon normal.“
Nachtrag: Inzwischen gibt es auf „Übermedien“ einen Text von Liane Bednarz (Coautorin: „Gefährliche Bürger: Die neue Rechte greift nach der Mitte“), die sich für das Vorgehen Hayalis ausspricht: Warum es richtig war von Dunja Hayali, mit der „Jungen Freiheit“ zu reden

2. Facebooks Fake-Markierung als Symbolpolitik
(welt.de, Christian Meier)
Facebook will zukünftig Beiträge markieren, die nachweislich falsche Informationen enthalten und hat in den USA testweise eine neue Funktion implementiert: Ein rotes Warndreieck soll auf umstrittene Inhalte aufmerksam machen. Christian Maier führt einen Beispielartikel an („Der irische Sklavenhandel – Die Sklaven die vergessen wurden“) und erklärt die Risiken des Ansatzes von Facebook: „Im besten Fall fördert eine Warnung Aufklärung über irreführende Informationen. Beliebte Falschinformationen und Verschwörungstheorien könnten im schlechtesten Fall aber mehr Aufmerksamkeit bekommen als nötig.“

3. Die Landesmedienanstalten gehen gegen Streamer vor
(wired.de)
Betreiben erfolgreiche Let’s-Player wie Gamer PietSmiet mit ihren Twitch-Live-Streams mit mehr als 500 Zuschauern verbotene Piratensender? Nun, wenn man nach dem Buchstaben des Gesetzes geht, könnte man diesen Vorwurf durchaus konstruieren. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten will anscheinend ein Exempel statuieren und plant die Untersagung des Betriebs, wenn bis Ende April kein Zulassungsantrag vorliegen sollte. Das erfolgreiche „PietSmietTV“ dürfte die Kosten des Antrags (zwischen 1.000 und 10.000 Euro sind im Gespräch) verkraften, aber für kleinere Streamer könnte ein derartiges Verlangen das Aus bedeuten.

4. „Ich bin immer noch hart“
(sueddeutsche.de, Sebastian Fischer)
Vor drei Wochen gab es etwas Aufregung als n-tv die Talksendung „So!muncu!“ des Kabarettisten Serdar Somuncu kurzfristig aus dem Programm nahm. Grund waren die als „Breaking News“ gekennzeichneten Satire-Einspieler. Nun wurde eine weitere Folge ausgestrahlt. Im Interview mit „sueddeutsche.de“ zeigt Somuncu Verständnis für das seinerzeitige Absetzen der Sendung und schaut in die Zukunft: „Im Sommer machen wir erst mal eine Pause. Dann kommt meine Kanzlerkandidatur. Dann werde ich Kanzler.“

5. Regierung erkauft sich loyale Berichterstattung
(reporter-ohne-grenzen.de)
In Bulgarien besitzen einige wenige Unternehmer einen Großteil der Medien. Das führt zu gravierenden Einschränkungen der Pressefreiheit: Laut „Reporter ohne Grenzen“ erkaufe sich die Regierung über staatliche Zuschüsse loyale Berichterstattung. Finanziert vor allem aus EU-Mitteln… Der Beitrag liefert erschreckende Details über die Situation in dem südosteuropäischen Land.

6. „Guter Journalismus braucht Selbstbewusstsein“
(horizont.net, Peter Frey)
ZDF-Chefredakteur Peter Frey plädiert in einem „Horizont“-Gastbeitrag dafür, dass Journalisten wieder selbstbewusster auftreten. Es sei der Eindruck entstanden, dass viele Menschen an Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Medien zweifeln würden. Dies sei jedoch nicht der Fall wie man durch eine selbst in Auftrag gegebene Studie bewiesen habe. Frey rechnet vor: „Die Zahl derer, die uns uneingeschränkt vertrauen, liegt bei rund zwei Dritteln. Es gibt also keine die ganze Öffentlichkeit umfassende Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise.“ Seufzend muss man ihm Recht geben und ist geneigt „Na, dann ist ja gut“ vor sich hin zu murmeln. Da es „ohne Selbstbewusstsein keinen guten Journalismus geben kann“, stellt sich Frey zum Schluss seines Aufsatzes schließlich selbst ein Abschlusszeugnis aus: „Wir leisten mit unabhängiger Berichterstattung, mit Kritik, Analyse und gut begründeten Meinungsbeiträgen unseren Beitrag für Zusammenhalt und Verständigung – und ganz am Ende, und darum geht es ja, für das Funktionieren dieser Demokratie.“