Der Wahlkampf plätschert irgendwie lustlos vor sich hin, der halbe Süden der Republik ist noch im Sommerurlaub. Harte Zeiten für Redaktionen, die trotzdem irgendwie jeden Tag was Neues raushauen müssen. Man kann sich also den Erleichterungsseufzer vorstellen, als am Montag eine schier sensationelle Meldung über den Ticker von AFP ging:
Ein russischer Politologe hat für das kommende Jahr die Auflösung der Vereinigten Staaten vorausgesagt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA im Juli 2010 “aufhören zu existieren”, liege bei über 50 Prozent, sagte Professor Igor Panarin von der Diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums am Montag. Die Auswirkungen der Finanzkrise, der Jugendgewalt, der vaterlosen Familien, des Hurrikans “Katrina”, der Homosexualität und der überfüllten Gefängnisse würden zu einer “psychologischen Katastrophe” in den USA und damit letztlich zum Auseinanderbrechen des Staates führen.
Bei n-tv.de ist man auf das neueste Untergangsszenario der USA ziemlich dankbar angesprungen.
Schon in den vergangenen Monaten war derselbe Mann mit derselben These u.a. in den Schlagzeilen von “Welt Online” und Bild.de aufgetaucht:
Und ja, tatsächlich: Igor Panarin hat am Montag davon gesprochen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens der USA im kommenden Jahr bei rund 50 Prozent liege. So ähnlich, wie er es Jahr für Jahr immer und immer wieder tut. Die “Süddeutsche Zeitung” nannte ihn erst vor drei Wochen den “bizarren Politikprofessor aus Moskau”, der seit vielen Jahren das selbe Szenario predige. Und auch “Wikipedia” weiß:
Nach der Finanzkrise 2008 und der sich danach herauskristallisierten weltweiten Wirtschaftskrise, von der Russland im Jahr 2008 stark betroffen war, genießt seine Person eine starke Aufmerksamkeit in den russischen Medien, da er eine Dekade früher den Verlust der führenden Stellung der USA in einer unipolaren Welt und damit den Beginn des Niedergangs der USA für das Jahr 2010 prognostizierte.
Eine Dekade früher? Keine Übertreibung. Schon 1998 berichtete die FAZ von der “Ars Electronica” in Linz und schrieb mit einem unüberhörbaren Bedauern:
Die Linzer Tagung litt unter dem Übergewicht der Exzentriker. Das konnte ein Virilio sein, dem es in wenigen Sätzen gelang, den Untergang der Titanic, Hiroshima, Tschernobyl, das Klonen und die Pädophilie im Internet unter einen Hut zu bringen. Aber meist war es doch eher jemand vom Schlage des russischen Politologen Igor Panarin, der vorführte, wie die Vereinigten Staaten demnächst in vier Teilstaaten zerfallen, und dazu fröhlich in die Hände klatschte.
Dass also Igor Panarin irgendwann irgendwo auf der Welt den bevorstehenden Untergang der USA prophezeit, ist seit etlichen Jahren so sicher wie Weihnachten im Dezember. Doch gerade in harten Zeiten wie diesen scheint das den Redaktionen dennoch jedesmal wieder für eine Meldung zu taugen.
Mit Dank an Helgo O.!





![Ausriss: "Auto Bild" Die Geschichte des Goldenen Lenkrads. Mit der Verleihung der Goldenen Lenkräder sind seit 34 Jahren viele Geschichten verbunden. Eine wurde legendär. [...] Eine Verleihung wurde allerdings aus einem ganz anderen Grund legendär. Es war das 14. Goldene Lenkrad am 6. November 1989. Nachdem die Preisträger im Erdgeschoss des Berliner Verlagshauses (direkt an der ehemaligen Mauer gelegen) geehrt waren, fuhren die Gäste in den Journalistenklub im 18. Stock zur Feier. Und erlebten dort live, was die Welt veränderte: Die Mauer ist offen. Bürgermeister Walter Momper eilte sofort an den Ort des Geschehens, und viele Gäste taten es ihm gleich. Wer dabei war, wird das Goldene Lenkrad ewig mit dem Anfang vom Ende der deutschen Teilung in Verbindung bringen. [...] 6. November 1989. Die Mauer ist offen. Zigtausend stürmen die Grenzübergänge nach Westberlin. Die ganze Stadt wird zur riesigen Partymeile. Deutschland jubelt. [...] Friede Springer am 6. November 1989 mit Berlins Bürgermeister Walter Momper. Der verließ die Feier im Laufschritt, als die Nachricht vom Mauerfall kam.](https://www.bildblog.de/wp-content/autobild_6november.gif)

PS: Die Provokation des von ihr verhassten Berliner Anwaltes findet sich exklusiv in der Berlin-Brandenburger Ausgabe von “Bild”. Überregional nimmt Dirk Bach seinen Platz in der, äh, satirischen Aufzählung ein (siehe Ausriss links).