Archiv für Oktober 25th, 2016

Die Horror-Clown-PR-Kampagne von Bild.de

Überall diese Horror-Clowns. Also nicht überall auf den Straßen, sondern überall im Internet: Meldungen über Grusel-Clown-Sichtungen. Videos, in denen sich Passanten gegen Clown-Angriffe wehren. Facebook-Gruppen, die Menschen dazu nutzen, um sich für die nächste Clown-Jagd zu verabreden. Alles ziemlich irre.

Gut, dass es in diesen Zeiten eine Stimme der Vernunft gibt: Bild.de.

Im Artikel heißt es:

Täglich erscheinen neue Videos und Meldungen über Grusel-Clowns in den sozialen Medien. Täglich wächst die Zahl der Nachahmer.

Und:

Auch wenn die amtlich registrierten Fälle derzeit zunehmen, stehen sie in keinem Verhältnis zu dem Hype, der im Internet momentan abläuft.

Und:

Offenbar gibt es unzählige Nachahmungstäter, die durch den US-Clown-Hype angeregt wurden und nun mitmachen wollen, immerhin steht Halloween vor der Tür. Die Jagd auf Likes und Klicks spielt dabei ebenso eine Rolle wie die subtile Lust auf absurde Trends und Hypes aufzuspringen und mitzumachen.

Und:

Die Hysterie um die Horror-Clowns wird vor allem durch das Internet angetrieben.

Ganz genau: die blanke Horror-Clown-Hysterie. Ständig neue Meldungen, die Angst und Schrecken verbreiten und damit eine Stimmung erzeugen, die in keinem Verhältnis mehr steht. Es sind die völlig richtigen Fragen, die Bild.de stellt:

Doch woher kommen diese Meldungen? Wer verfasst sie und wie wahr sind sie überhaupt?

Wer “diese Meldungen” verfasst, liebe Bild.de-Autoren? Wer bei der “Jagd auf Likes und Klicks” auf “absurde Trends und Hypes” aufspringt? Wer die Panik schürt, indem er so tut, als würde in Deutschland ein Clown-Krieg herrschen? Nun ja — Ihr!








































Das sind die Artikel, die Bild.de allein gestern und heute zum Thema veröffentlicht hat. Alles wird vermeldet, nichts ist zu nichtig. Die Redaktion hat sogar einen “Live-Ticker” eingerichtet. Bild.de ist damit die beste PR-Agentur für die dämlichen Horror-Clowns und gleichzeitig die beste Rekrutierungsplattform für Menschen, die es für einen tollen Zeitvertreib halten, anderen Menschen einen ziemlichen Schrecken einzujagen. Schließlich, so der Psychologe Jens Hoffmann in einem sueddeutsche.de-Artikel, handele es sich bei den Grusel-Auftritten um Nachahmer, die erstmal auf das neue Phänomen aufmerksam gemacht werden müssen und die dann die Aufmerksamkeit suchen:

“Das ist ein Teufelskreis: Bis vor kurzem wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, sich als Clown zu verkleiden und Menschen zu erschrecken. Inzwischen ist das zum Selbstläufer geworden”, sagt Hoffmann. “Aber natürlich sind nicht alle, die sich als Clowns verkleiden gefährlich. Die Maskierung an Halloween hat ja durchaus Tradition.” Sein Rat: Wir sollten das Ganze nicht bedrohlicher machen als es ist, sondern überlegen, wie wir damit umgehen. Denn: Je mehr Aufmerksamkeit die Horror-Clowns bekommen, desto mehr Nachahmer gibt es.

Mit Dank an henry für den Hinweis!

Debattenkultur, Mediennutzung, Fußball-Rundumüberwachung

1. Die Psychologie hinter Online-Kommentaren
(krautreporter.de, Rico Grimm)
Rico Grimm hat sich mit dem Vorsitzenden der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, über unsere Debattenkultur unterhalten. Herausgekommen ist ein mit Erkenntnissen aus der Forschung unterfütterter Text, der sich der Thematik von verschiedenen Seiten nähert und soziologische und psychologische Faktoren berücksichtigt. (Der Beitrag ist die nächsten Tage noch lesbar und verschwindet dann wieder hinter der Paywall.) Dazu passend der vom Autor nachgelegte Beitrag: Wie Sie jemanden überzeugen, dass er falsch liegt

2. Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen
(blmplus.de, Ingo Bosse)
Morgen wird auf den Medientagen München eine Studie der “Aktion Mensch” und der Medienanstalten zum Thema “Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen” vorgestellt. Im Blog der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien beantwortet einer der Autoren vorab Fragen zu Ziel und Methodik der Studie.

3. Ganz schön normal
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Seit vergangener Woche strahlt der amerikanischen Bezahlsender “HBO” allabendlich eine neue Nachrichtensendung aus. Das Besondere daran: Sie stammt vom onlineausgerichteten Multimediakonzern “Vice”. Karoline Meta Beisel hat sich das Format für die “SZ” angeschaut und sieht Licht und Schatten. Gelungen sei die Sendung dann, wenn sie aussehe wie Kindernachrichten für Große, so Beisel.

4. Sind dann bald mal alle im Netz?
(blog.br24.de, Christian Jakubetz)
Verblüffend: 2016 ist das Jahr mit dem größten Zuwachs bei der Internetnutzung seit langem. Trotzdem gibt es gewaltige Unterschiede innerhalb der Altersbereiche. Ein “digitaler Graben” tue sich auf, so Christian Jakubetz in seiner Schlusszusammenfassung : “14 bis 29jährige sind demnach mehr als vier Stunden pro Tag online. Schon bei der nächsten Altersgruppe (30 bis 49) halbiert sich der Wert der Internetnutzung nahezu. Und bei den Menschen ab 70 sinkt er dann auf gerade mal noch auf eine knappe halbe Stunde. Was allerdings auch zeigt, dass die 14 bis 29jährigen die eigentlichen Treiber des digitalen Wachstums sind. Vor allem dann, wenn es um richtig intensive Nutzung geht.”

5. SC-Trainer Christian Streich fordert: „Weg mit den Richtmikrofonen!“
(baden.fm)
SC-Freiburg-Trainer Christian Streich hat sich gegen den Einsatz von Richtmikrophonen und Lippenlesern beim Fußball ausgesprochen. Wer Authentizität im Fußball fordere, könne eine solche Rundum-Überwachung nicht gutheißen. Hintergrund ist die Entscheidung des DFB-Sportgerichts, den Bayer-Leverkusen-Trainer Roger Schmidt wegen eines Wortgefechts mit einem Trainerkollegen für zwei Spiele zu sperren.

6. The 281 People, Places and Things Donald
Trump Has Insulted on Twitter: A Complete List

(nytimes.com, Jasmine C. Lee & Kevin Quealy)
Man hätte es auch andersherum machen können und die Sachen und Personen benennen können, die Donald Trump auf Twitter noch nicht beleidigt hat, doch die “New York Times” hat sich für den anderen Weg entschieden und die aktualisierte Beschimpfungsliste des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers veröffentlicht.