Suchergebnisse für ‘youtube’

Heilige Scheiße, Schmier-TV, Theatertheater

1. Provinzblatt gewinnt Pulitzer
(taz.de, Maike Brülls)
„Heilige Scheiße, wir haben gewonnen“… Man kann sich das ungläubige Gesicht des Redakteurs des Lokalblatts “The Storm Lake Times” (Auflage: 3.000 Expl.) vorstellen, als bekannt wurde, dass er die wichtigste Auszeichnung im US-amerikanischen Journalismus bekommen hatte: den Pulitzer-Preis. Das Komitee würdigte damit die Leitartikel von Redakteur Art Cullen, in denen er über die in Iowa agierenden großen Landwirtschaftsunternehmen wie Monsanto, Cargill oder Koch Brothers schrieb. Und zeichnete symbolhaft den regional wichtigen, aber im Rahmen des US-Zeitungssterben gefährdeten Lokaljournalismus aus.

2. Die Sendung mit der Maus
(faz.net, Anna Vollmer)
Was Anna Vollmer da über das italienische Fernsehen zusammengetragen hat, ist schon erschütternd. Das Programm wirke nicht nur auf unangenehme Weise gestrig, sondern vermittle ein sexistisches Frauenbild: “Wer italienisches Fernsehen schaut, fühlt sich häufig um zwei, drei Jahrzehnte zurückversetzt: zu grell, zu bunt, zu laut. Die Moderatoren, oft Männer mittleren bis fortgeschrittenen Alters, machen schmierige Onkelwitze, während leicht bekleidete Frauen blinkende Treppenaufgänge hinauf und hinabstolzieren. Man wundert, ärgert sich seit Jahren, doch geändert hat sich wenig – bis jetzt.” Eine besonders missglückte Sendung des öffentlich-rechtlichen Programms hat nun allerdings einen Proteststurm ausgelöst, der Folgen haben könnte.

3. Der Freischreiber-Newsletter
(freischreiber.de)
Immer einen Blick wert: Der Newsletter von “Freischreiber”, dem Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten. In der aktuellen Ausgabe gibt es Lesenswertes über die Ende des Monats anstehende Verleihung des Himmel- und Höllepreises. Damit zeichnet der Verband vorbildliches beziehungsweise tadelnswertes Verhalten von Medienunternehmen im Umgang mit Journalistinnen und Journalisten aus. Außerdem führt der Newsletter zu vielen interessanten Beiträgen rund um den Journalismus. Nicht nur für Profis lesenswert, sondern auch für den am Mediengeschehen interessierten Laien.

4. “Woher wissen Sie das?”
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Die Wahrheit hat es in den USA gerade nicht leicht: Immer mehr Fake News geistern durchs Netz und mittlerweile wird mit ihnen sogar Politik gemacht. Der Twitter-Account des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gilt vielen als eine Fundgrube falscher Behauptungen, Verdrehungen und Lügen. Doch wie mit dem Thema umgehen? Erreicht man mit Faktenchecks sein Ziel? Nur eingeschränkt, denn das Misstrauen gegenüber den amerikanischen Medien ist groß. Außerdem erreichen Faktenchecks oft nur diejenigen, die sich eh gut auskennen.

5. Werben mit Google: Ist die taz Schmuddelkram?
(blogs.taz.de, Martin Kaul)
Die “taz” hat vor Jahren über den Streit zwischen Google und einer Webseite berichtet, auf der sich Youtube-Filmchen als MP3-Dateien herunterladen lassen. Nun hat die Zeitung eine Mail von Google bekommen, die ernsthafte Konsequenzen androht, wenn die Zeitung den Beitrag so stehen lasse. Der Artikel verstoße gegen die “Programmrichtlinien” heißt es diffus. Da der “taz” nicht klar ist, was genau bemängelt wird bzw. wie Abhilfe geschaffen werden soll, hat man bei Google nachgefragt. Bislang ohne Erfolg.

6. Schreiben Sie das jetzt!
(nachtkritik.de, Dirk Pilz)
Theaterkritiker Dirk Pilz wird in letzter Zeit immer öfter aufgefordert, Theaterevents bereits im Vorfeld zu betrommeln. Nun wendet er sich mit deutlichen Worten an Intendanten, Pressesprecher und Marketingbeauftragte: “Es gibt einen Unterschied zwischen Presse- und PR-Arbeit. Nein, Theaterkritiker sind nicht die Außenposten der Öffentlichkeitsarbeit, sie sind auch keine Angestellten der Theaterkunst. Nein, es ist nicht die Aufgabe von Theaterkritik, schöne Festivals, tolle Regisseure, Schauspieler oder Autoren zu bewerben. Und kommen Sie mir bloß nicht mit dem Hinweis, dass wir doch alle im selben Boot säßen und gegen die böse Kulturpolitik und ihre steten Kürzungsgelüste gemeinsam zu streiten hätten. Den Kampf hat schon verloren, wer vorderhand das demokratische Grundrecht der Pressefreiheit preist, hintenherum aber alles für die eigenen Belange instrumentalisiert.”

Hetze aus Österreich, Schüler-Recherche, affiger “Echo”

1. “Unzensuriert” kommt nach Deutschland: Wir haben der Hetzseite bei der Geburt zugeschaut
(motherboard.vice.com, Theresa Locker)
Bisher hat die Website “Unzensuriert” in Österreich zu hauptsächlich österreichischen Themen gehetzt. Nun hat das FPÖ-nahe Portal einen deutschen Ableger gegründet, mit Themen, die hier in der Berichterstattung eine Rolle spielen. Theresa Locker hat den Deutschland-Start von “Unzensuriert” beobachtet: “Tatsächlich sind die neuen Inhalte sorgfältig auf den deutschen Markt zugeschnitten. Die Artikel auf der .de-Seite sind zuwanderungsfeindlich, islamophob, russland- und AfD-freundlich.” Dazu auch: Matthias Meisner beim “Tagesspiegel” mit “‘Die rechte Blase im Netz wächst'”.

2. Wirbel um Hayalis “Junge Freiheit”-Interview
(ndr.de, Caroline Schmidt, Video, 8:11 Minuten)
Kann man, darf man, soll man einem mindestens rechten Blatt wie der “Jungen Freiheit” ein Interview geben? ZDF-“Morgenmagazin”-Moderatorin Dunja Hayali hat’s gemacht und ist dafür teils heftig kritisiert worden. Im NDR-Medienmagazin “Zapp” haben Jan Fleischhauer vom “Spiegel” und Heribert Prantl von der “Süddeutschen Zeitung” das Für (Fleischhauer) und Wider (Prantl) von Hayalis “Junge Freiheit”-Gespräch diskutiert.

3. Jenseits von Tabu und Sensation: Depressionen und Suizid in den Medien
(fachjournalist.de, Elisabeth Gregull)
Der heutige Weltgesundheitstag hat das Motto “Depression — Let’s talk”. Aber wie können Medien über Depressionen und Suizide berichten, ohne dabei stereotype Bilder zu wählen oder zu stigmatisieren? Sie müssten schon schon bei der Wahl der richtigen Begrifflichkeiten anfangen, schreibt Elisabeth Gregull und bietet weitere Tipps sowie Links mit weiteren Tipps für Journalisten. Eines der Ziele dabei sei: Papageno-Effekt statt Werther-Effekt.

4. Ist das Vertrauen in die Medien wirklich gestiegen?
(de.ejo-online.eu, Michael Haller)
Michael Haller ist verwirrt. Die einen (Medienwissenschaftler aus Würzburg) sagen: “Das Medienvertrauen ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr”. Die anderen (“Infratest”-Repräsentativerhebung) sagen fast zeitgleich: “Nur gut die Hälfte (52 Prozent) hält die Informationen in den deutschen Medien alles in allem für glaubwürdig”. Ja, was denn nun? Haller hat sich die verschiedenen Erhebungen, ihre Fragebogenformulierungen genauer angeschaut. Sein Fazit zur Jubelschlagzeile “Vertrauen in Medien so hoch wie lange nicht”: “Es handelt sich um Zufallsbefunde, die mal so, aber auch ganz anders ausfallen können.”

5. Von der Schülerzeitung entlarvt
(faz.net, Veronika Hock)
Eigentlich wollten die Mitglieder der Schülerzeitung “The Booster Redux” ihrer künftigen Schulleiterin in einem Interview nur ein paar Fragen stellen. Eine Antwort zum Lebenslauf war allerdings so merkwürdig, dass die Schüler der Pittsburg High School weiter recherchierten. Mit Folgen: Die Schule im US-Bundesstaat Kansas muss die Stelle neu besetzen.

6. Eier aus Stahl: Max Giesinger und die deutsche Industriemusik
(youtube.com, Neo Magazin Royale, Video, 22:11 Minuten)
Jan Böhmermann hat ein großes Ziel: Fünf Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo sollen nächstes Jahr einen “Echo” gewinnen, für ihren Song “Menschen Leben Tanzen Welt”. Mit einem “kleinen Experiment” und einer neuen Folge “Eier aus Stahl” zeigt das “Neo Magazin Royale”, wie musikalisch beliebig, maxgiesingerhaft und werbegesteuert die deutsche Industriemusik Musikindustrie ist.

Let’s Rundfunklizenz, Reise-Schönfärber, AfD-Talkshow-Zwist

1. Das ist keine Formalie
(faz.net, Axel Weidemann)
Die Landesmedienanstalt NRW hat die „Let’s Player“ von „Piet Smiet“ aufgefordert, eine Rundfunklizenz zu beantragen. Live-Streams mit bestimmten Kriterien (u.a. mehr als 500 Zuschauer, Regelmäßigkeit der Ausstrahlung) würden als Rundfunkangebot gelten, für das eine Lizenz zu beantragen sei. Der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt, was für Konsequenzen der Vorstoß der Medienanstalt hat und ob das Medienrecht angepasst werden muss.

2. Streit um Compact auf der Leipziger Buchmesse
(blog.zeit.de, Paul Hildebrand)
„Für das Wort und die Freiheit – #FreeTheWords“, hieß es auf der Leipziger Buchmesse, doch zumindest bei einer Präsentation des rechtspopulistischen “Compact“-Magazins war es damit nicht weit her: Mehrfach sollen Journalisten bedrängt und eingeschüchtert worden sein.

3. Selbst die Natur bleibt von der Schönfärberei nicht verschont
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Sieben Jahre lang war Silke Burmester für die „taz“ als „Kolumnen-Kriegsreporterin“ unterwegs. Nun ist sie zurück mit ihrer Medienkolumne: beim Deutschlandfunk. Diesmal erzählt sie, warum man viele Reiseartikel nicht “journalistisch” nennen kann und was Leser dagegen tun könnten: “Viele Reisemagazine und Reiseseiten haben den Anspruch “Journalismus” verwirkt. Es wäre jetzt an Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, für einen Wandel zu sorgen. Machen Sie klar, dass Sie solche Medien nicht wollen. Verweigern Sie den Kauf. Oder gehen Sie den Chefredakteuren gehörig auf die Nerven.“

4. Jörg Meuthen, die AfD und die Talkshows
(ndr.de, Anja Reschke, Video, 1:27 Minuten)
AfD-Parteichef Jörg Meuthen will mit seiner Partei öfter in den Talkshows von ARD und ZDF vorkommen. Gleichzeitig hält er das bezahlte, öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen für entbehrlich und fordert die Abschaffung aller Gebühren dafür. Anja Reschke vom NDR-Magazin „Zapp“ sieht darin einen Widerspruch, den sie ironisch-süffisant kommentiert. Gänzlich anderer Meinung ist Stefan Niggemeier auf „Übermedien“ und antwortet mit einem herzhaften „Was für ein Unsinn!“

5. „Focus“ streicht weitere Stellen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Ulrike Simon berichtet in der Medienkolumne von den drastisch bis dramatischen Sparmaßnahmen beim „Focus“. Ob das Ganze sinnvoll sei beziehungsweise etwas bewirke, müsse angezweifelt werden: „Vielleicht wäre es ehrlicher, „Focus“ den finalen Todesschuss zu geben, anstatt Jahr für Jahr wahlweise das Konzept zu ändern, den Chefredakteur auszuwechseln, die Redaktion zu verkleinern und dabei jedes Mal so zu tun, als werde nun alles gut.“

6. In der Synchronisationshölle
(tagesspiegel.de, Jan Freitag)
Jan Freitag rechnet im „Tagesspiegel“ mit schlecht synchronisierten Filmen ab: „Für die Illusion lippensynchroner Verständlichkeit wird fast jeder fremdsprachige Dialog ins Stahlbad teutonischer Emphase getaucht. Während sich Skandinaviern das Wesen des Originals untertitelt erschließen darf, bügelt Deutschland vom Filmklassiker über BBC-Dokus bis zur Netflix-Serie alles glatt. Der Beelzebub zweidimensionaler Unterhaltung, er heißt Synchronisation.“

WDR  

WDR verbreitet wilde Wilders-Verschwörung

Es gibt gute Gründe, gegen Geert Wilders zu sein. Zum Beispiel die Hetze gegen den Islam und die Hassparolen, die der niederländische Politiker bei seinen Auftritten immer wieder verbreitet. Er will den Koran verbieten, Moscheen schließen, früher wollte Wilders auch mal eine Steuer auf Kopftücher einführen. Dennoch könnte der Rechtspopulist mit seiner “Partei für die Freiheit” (PVV) bei der heutigen Parlamentswahl stärkste Kraft in den Niederlanden werden (auch wenn die PVV, aufgrund der zersplitterten Parteienlandschaft des Landes, dabei vermutlich nicht mal 20 Prozent der Stimmen bekommen wird).

Anlässlich der Wahl im Nachbarland hat der WDR vor einer Woche die Dokumentation “Holland in Not — Wer ist Geert Wilders?”* gezeigt:

Der 44-minütige Film ist zum größten Teil schon einige Jahre alt, er basiert auf einem längeren BBC-Beitrag von 2011. Vereinzelt sind neu gedrehte Passagen dazwischen geschnitten, nur selten wird so richtig klar, welche Aufnahmen nun aktuell sind und welche nicht.

Obwohl die meisten Szenen bereits einige Jahre alt sind, ist die Dokumentation über weite Strecken ganz interessant. Reporter Joost van der Valk spricht mit Wilders-Anhängern, begleitet sie beim PVV-Flyer-Verteilen, folgt dem Politiker zu Wahlkampfveranstaltungen.

Im letzten Drittel des Films gibt es allerdings neun Minuten (ab Minute 29:21) zu sehen, die ausgesprochen seltsam und problematisch sind: Auf einmal geht es nicht mehr um Geert Wilders’ politische Forderungen oder seine Auftritte. Der Beitrag beleuchtet plötzlich Wilders’ Verbindungen zum Judentum, zu jüdischen Geldgebern und zu Israel. Van der Valk und der WDR setzen verschiedene Versatzstücke so zusammen, dass der Zuschauer am Ende die vermeintliche Enthüllung sehen könnte: Geert Wilders’ Kampf gegen den Islam sei eigentlich der Kampf Israels gegen den Islam. Hinter Wilders Islam-Hetze steckten die Juden.

Aus allen möglichen Ecken schnappt sich der Film Hinweise auf angebliche oder tatsächliche Verbindungen: Wilders’ Großmutter sei Jüdin gewesen, seine Frau sei Jüdin, er selbst habe häufig das israelische Konsulat in Den Haag besucht. Außerdem habe Wilders, der eindeutiger Israel-Unterstützer ist, als junger Mann ein Jahr in dem Land gelebt. Joost van der Valk reist sogar dorthin, um nach Spuren und Verbindungsleuten von Geert Wilders zu suchen.

In den Niederlanden spricht der Reporter mit einem Anhänger der “Jewish Task Force”, einer extremen kahanistischen Organisation, der bekennender Wilders-Wähler ist:

Außerdem besucht van der Valk Chaim Ben Pesach in den USA, der auch Victor Vancier heißt und Gründer der “Jewish Task Force” ist:

Chaim Ben Pesach saß mehrere Jahre im Gefängnis, weil er an 18 Sprengstoffanschlägen beteiligt war. Das war seine Art des Protests gegen den Umgang der Sowjetunion mit Juden. Diese Haftstrafen erwähnt auch der WDR-Beitrag. Und es wird schnell klar, dass dieser Terrorist Geert Wilders ebenfalls bewundert. Der Subtext dabei: Wenn selbst diese zwei jüdischen Extremisten Wilders toll finden, dann muss doch auch der niederländische Politiker jüdischer Extremist sein — als wäre es möglich, sich all seine Anhänger auszusuchen.

Dazu kommen zwei Unterstützer, die Wilders finanziell geholfen haben und die der WDR-Beitrag nun als eine Art Beleg für die Verbindung des niederländischen Politikers zu jüdischen Geldgebern in den Raum wirft: Daniel Pipes übernahm mit seinem “Middle East Forum” Kosten in sechsstelliger Höhe, die bei einem Prozess gegen Wilders angefallen waren. Mit dem “David Horowitz Freedom Center” gebe es “einen weiteren großen amerikanischen Sponsor”. Horowitz stammt genauso wie Pipes aus einer jüdischen Familie.

Der dämlichste Aspekt zur Verbindung von Geert Wilders nach Israel, der in der WDR-Dokumentation genannt wird, ist dieser hier:

Wenn man Geert Wilders und Israel im Internet sucht, ergibt das über eine halbe Million Einträge.

Wenn man WDR und Fake News bei Google sucht, ergibt das 370.000 Einträge, was genauso wenig aussagt wie das Suchergebnis im WDR-Beitrag. Dort wird es aber als weiteres Indiz genannt, dass irgendwie irgendwas zwischen Geert Wilders und Israel laufen könnte.

Und auch die Auswahl der Bilder für den Beitrag unterstützt den Eindruck möglicher Seilschaften. Bei der Überleitung zu den Finanziers aus den USA ist ein religiöser Jude auf New Yorks Straßen zu sehen:

Es wird ein altes Foto von Geert Wilders ausgegraben, das ihn mit Kippa vor der Klagemauer zeigt:

Sein Gesicht wird vor eine israelische Flagge montiert:

All die Punkte, die in den neun Minuten der WDR-Dokumentation vorkommen, sind mehr oder weniger starke Indizien, die auch in klassische Verschwörungstheorien zur jüdischen Weltherrschaft passen könnten. Klischees werden bedient. Es fehlt eigentlich nur noch die Andeutung einer Verbindung zur Familie Rothschild.

An keiner Stelle behauptet der Beitrag konkret, dass Geert Wilders in irgendeinem Auftrag oder als Marionette handele. Dem Zuschauer wird alles immer nur als interessante Information präsentiert, über die man sich ja mal Gedanken machen könnte. Das Zusammenführen der einzelnen Puzzleteile überlässt Joost van der Valk dem muslimischen Prediger Scheich Khalid Yasin. Im WDR-Beitrag wird Khalid Yasin als “muslimischer Lehrer” eingeführt, der bei jungen Muslimen extrem beliebt sei und sich gegen radikale Ideen einsetze. Dabei fällt er tatsächlich immer wieder mit hasserfüllten Aussagen auf, gegen Nichtgläubige, gegen Andersgläubige, gegen Homosexuelle. Nachdem die BBC den Beitrag im Februar 2011 gezeigt hatte, gab es eine Beschwerde, in der es auch um die Rolle von Khalid Yasin ging:

Complaint
A viewer complained that the programme was biased against Geert Wilders, inaccurately portrayed him as guilty of wrongdoing, and misleadingly portrayed Sheikh Khalid Yasin as someone engaged in de-radicalising youth whereas he is known to hold and preach extreme views.

Outcome
The programme was neither biased nor inaccurate in relation to Geert Wilders, but did give the misleading impression that Sheikh Khalid Yasin was a man of moderate views.
Partly upheld

Als Konsequenz beschloss der Sender:

the programme will not be re-broadcast without appropriate editing.

Dieses “appropriate editing” hat sich der WDR offenbar geschenkt. In der Doku vom vergangenen Mittwoch darf Khalid Yasin über Wilders und den “modernen Zionismus” sagen:

“Ich glaube, er hat die Idee des modernen Zionismus begriffen und angenommen. Er benutzt den modernen Zionismus, um die gleichen Ansichten über Muslime und über den Koran zu verbreiten, die sich die Juden in Israel nicht trauen zu sagen. Aber Herr Wilders kann ihnen einen Gefallen tun. Er kann außerhalb Israels die Palästinenser so charakterisieren, wie es die Zionisten tun, um ihre Macht zu rechtfertigen. Herr Wilders kann den Islam auf die gleiche Weise beschreiben.”

Es gibt gute Gründe, gegen Geert Wilders zu sein. Die Vermutung, dass eine jüdische Verschwörung hinter seinen Parolen stecken könnte, gehört nicht dazu.

Mit Dank an @bjoernstritzel für den Hinweis!

Nachtrag, 19:06 Uhr: Der WDR hat inzwischen bei Twitter auf eine kritische Nachfrage von @hanvoi reagiert:

*Nachtrag, 16. März: Obwohl der WDR gestern noch schrieb, dass der Film “grundsätzlich nicht zu beanstanden” sei (siehe Nachtrag weiter oben), hat der Sender ihn aus der Mediathek genommen:

Hinweis
Der Film ist derzeit aus redaktionellen Gründen nicht abrufbar.

Nachtrag, 17. März: Gestern Abend äußerte sich die WDR-Presseabteilung bei Twitter erneut zu dem Fall:

Die WDR-Dokumentation über Geert Wilders ist inzwischen also wieder online, allerdings knapp vier Minuten kürzer als noch vor zwei Tagen. Die Aussagen des Hass-Predigers Khalid Yasin wurden komplett rausgeschnitten. Außerdem hat der Sender einen Hinweis hinzugefügt, der in weiten Teilen dem Tweet von gestern ähnelt:

Hate-Speech-Gesetz, Fake-News-König, ClaimChecker

1. Analyse: So gefährlich ist das neue Hate-Speech-Gesetz für die Meinungsfreiheit
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Justizminister Heiko Maas hat einen Gesetzenwurf gegen Hate Speech und Fake News vorgestellt (“Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung
in sozialen Netzwerken”). Experten kritisieren das Vorhaben. Markus Reuter fasst auf “Netzpolitik.org” zusammen: “Würde der Entwurf Gesetz werden, macht man die betroffenen Netzwerke ohne vorhergehende richterliche Überprüfung zu Ermittler, Richter und Henker über die Meinungsfreiheit.” Des Weiteren zitiert Reuter aus einer Stellungnahme der “Digitalen Gesellschaft”, welche die Meinungsfreiheit in Gefahr sieht: “Da eine vorherige gerichtliche Kontrolle nicht vorgesehen ist, müssen die Anbieter selbst entscheiden, ob diese Verpflichtung im Einzelfall greift oder nicht. In Anbetracht der hohen Bußgeldandrohungen bei Verstößen dürfte dies zu einer höchst proaktiven Löschpraxis der Anbieter führen, die im Zweifel stets zu Lasten der Meinungsfreiheit gehen wird.”

2. Der Fake-News-König bereut sein Tun
(spiegel.de, Fabian Reinbold)
Jahrelang hat der Amerikaner Jestin Coler das Internet mit Falschnachrichten geflutet, die sich viral verbreiteten. Die von ihm gebastelte Fake-Seite “Denver Guardian” wurde bis zur amerikanischen Wahl 500.000 Mal geteilt und kommentiert. Auf der aktuell stattfindenden Tech-Konferenz “South by Southwest” gibt sich Coler geläutert, doch “Spiegel”-Reporter Fabian Reinhold ist skeptisch.

3. Fake News und Wahlen: Danke, Donald Trump!
(blmplus.de, Stephan Weichert)
Der Blog der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien hat den Journalismus-Professor Stephan Weichert gefragt, wie Fake News Wahlen beeinflussen und was sie für den Journalismus bedeuten. Donald Trump sei ein Desaster für den Journalismus und werde ihm dennoch nutzen: Die Relevanz qualifizierter Berichterstattung werde erhöht und es komme zu einem Glaubwürdigkeitsverlust von Populisten. Außerdem hätte Trump viele Journalisten zu Aktivisten gemacht und damit eine Repolitisierung unter Intellektuellen, Medienschaffenden und Kreativen bewirkt.

4. Sparen am falschen Ende
(djv.de, Anna-Maria Wagner)
Das ZDF will im Zuge seines Sparprogramms das fast 30 Jahre alte Traditionsmagazin „ML mona lisa“ einstellen. Die Referentin für Digitale Kommunikation beim “Deutschen Journalisten-Verband” Anna-Maria Wagner kritisiert die Entscheidung. Selbst wenn die Sendung in der bisherigen Form nicht mehr den Zeitgeist treffe, gäbe es einen wachsenden Markt für anspruchsvolle Frauen-Formate: “Der Erfolg neuer, feministisch geprägter Medienangebote zeigt aber, wie antiquiert die Begründung des ZDF-Intendanten ist, ein frauenspezifisches Format als solches sei überholt. Das Gegenteil ist richtig.”

5. “Darüber berichten die Medien nicht!” Wirklich nicht?
(deutschlandfunk.de)
Ob AfD, Pegida, Lügenpresse-Rufer oder Verschwörungstheoretiker: Immer wieder wird unterstellt, dass bestimmte Themen von den Medien totgeschwiegen werden würden. Doch stimmt das? Für eine schnelle Überprüfung haben der Journalist Marc Krüger und der Internetentwickler Rolf-Thomas Langer den “Claim Checker” ins Leben gerufen: Eine Google-Suchmaske, die es einfacher macht, gezielt bei GoogleNews auf bestimmten Medienseiten nach einem Thema zu suchen. Der “Claim Checker” soll in Zukunft noch ausgebaut werden, die Entwickler freuen sich über Ideen, Kritik und Anregungen dazu.

6. Ryan Gosling Impersonators Have Been Fooling Conan For Years
(youtube.com, Video, 2:54 Minuten)
Der Ryan-Gosling-Prank während der “Goldenen Kamera” hat sich bis nach Amerika rumgesprochen. Nun behauptet der US-amerikanische Talkshow-Moderator Conan O’Brien, ebenfalls Opfer von Gosling-Doppelgängern geworden zu sein.

Diese Recherche wurde inszeniert

Im US-Bundesstaat Pennsylvania ist vor wenigen Tagen ein kleines Mädchen bei einem Brand gestorben. Vermutlich hat sich ein Hoverboard beim Aufladen entzündet, die Wohnung der Familie ging daraufhin in Flammen auf, das Mädchen konnte nicht mehr gerettet werden.

Nun war das nicht der erste Vorfall, bei dem ein Hoverboard abbrannte und dadurch für eine gefährliche Situation sorgte. Immer wieder gibt es solche Meldungen. Deswegen brachte Bild.de gestern einen Artikel, der nicht nur von dem tragischen Unfall in den USA handelt, sondern auch von der allgemeinen Gefahr, die von Hoverboards ausgehen kann:

Am Ende des Textes schreibt das Portal:

Doch nicht nur schadhafte Akkus machen den Hoverboard-Spaß zur Gefahr: Auch während der Fahrt können sich Geräte automatisch nach 20 Minuten wegen Überhitzungsgefahr abschalten, die Räder blockieren — im Straßenverkehr kann das tödlich enden.

Was ohne diese Not-Abschaltung passiert, zeigen zahlreiche YouTube-Videos.

Von den “zahlreichen YouTube-Videos” hat Bild.de exemplarisch dieses ausgewählt und in den Artikel eingebettet:

Die Aufnahmen stammen von dem YouTuber “Bule British”, dessen Videos in der Regel zwischen 2000 und 20.000 Aufrufe haben. Sein 5:31-Minuten-Clip mit dem Hoverboard wurde bisher 6,6 Millionen Mal aufgerufen.

Das Blöde für Bild.de: Auch wenn der Titel des Videos es in Großbuchstaben verspricht — es zeigt gar kein “FIRE EXPLODING HOVERBOARD”. Also, klar, es sind durchaus Flammen zu sehen und auch ein Hoverboard. Aber YouTuber “Bule British” schreibt extra:

This Video was staged the hoverboard did not really explode. You can now stop with the comments about how it is not turned on or that i overcharged it. Thank You

Mit zwanzig Sekunden Recherche hätten die Mitarbeiter von Bild.de diesen Hinweis ebenfalls gefunden und ihren Leser nicht ein Fake-Video präsentiert.

Mit Dank an Wolf D. für den Hinweis!

“taz”-Frauenbot, Männliches Wikipedia, Umstrittener Prank

1. Wie man Lügen am besten bekämpft
(faz.net, Tabea Rößner & Karl-E. Hain)
Wie soll man Fake News wirksam begegnen? Helfen schärfere Gesetze oder ein „Wahrheitsministerium“? Die “FAZ” hat Tabea Rößner (medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen) und Karl-E. Hain (Direktor des Instituts für Medienrecht und Kommunikationsrecht der Universität Köln) um ihre Meinung gebeten. Die beiden Autoren überlegen, ob das bestehende Recht verschärft werden sollte und ob die Einführung einer Clearing-Stelle weiterhelfen würde. Letztlich sei der Staat jedoch auf “kommunikatives Ethos” angewiesen.

2. taz.frauentag: JudithBotler mischt Twitter auf
(blogs.taz.de, Marie Kilg)
Die “taz” will am heutigen Weltfrauentag Twitter aufmischen und hat den Bot @JudithBotler entwickelt, der ab 9.00 Uhr über Feminismus twittert und Menschen in ihre Schranken weist, die frauenfeindliche Kurznachrichten verbreiten. Das Ganze hat Experimentcharakter: “Ob unsere Judith also etwas Peinliches macht, oder ob sie sich benimmt, müssen wir abwarten. Wir haben sie zwar ein bisschen getestet, aber wirklich entfalten wird sie sich erst in der Interaktion mit anderen Twitter-Nutzer*innen. Im besten Fall macht sie Spaß – im schlimmsten stürzt sie ab, oder wir lassen sie abstürzen.”

3. Die Medienkompetenz der AfD
(correctiv.org, Marcus Bensmann)
Der Deutschen Journalisten-Verband hatte die medienpolitischen Sprecher der NRW-Parteien zur Diskussionsrunde eingeladen. Mit dabei: AfD-Politiker Marcus Pretzell, der mit “alternativen Fakten” zu AfD und Pegida um sich geworfen hätte. Außerdem hätte NRW-Spitzenkandidat Pretzell den Staatsfunk gefordert und den Ausschluss von Journalisten bei Parteitagen verteidigt.

4. Autorinnen kämpfen gegen Wikipedias Frauenproblem
(futurezone.at, Barbara Wimmer)
Die Wikipedia ist männderdominiert: Nur rund zehn Prozent der aktiven Autoren sind Frauen. Die Unterrepräsentierung macht sich auch in den Inhalten bemerkbar. Um die Einseitigkeit zu ändern, haben sich Frauen in Graz zum “Edit-a-thlon” zusammengefunden, einem Editier-Marathon, bei dem Freiwillige gemeinsam die Online-Enzyklopädie bestücken. Mit dem Ziel, möglichst viele Artikel zu Künstlerinnen aus unterschiedlichen Bereichen wie Musik, Film, Literatur, Theater, Kunst und Kultur, zu erstellen.

5. Offener Brief an Staatspräsident Erdogan
(welt.de, Ulf Poschardt)
„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt appelliert in einem offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten, Deniz Yücel freizulassen. “Ich glaube, die Türkei und Deutschland verbindet viel. Nicht nur Millionen von Bundesbürgern mit türkischen Wurzeln, die häufig wie Deniz die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, sondern auch eine wechselvolle Geschichte, in der es beiden Seiten am besten ging, wenn gemeinsame Interessen gewürdigt und gepflegt wurden. Das augenblickliche Verhältnis spiegelt nicht wider, was unsere beiden Länder verbindet. Sie können das ändern. Sie vor allem.”

6. Technische Exzellenz beim Treten nach unten
(sueddeutsche.de, Jakob Biazza)
Dem Team von “Circus Halli Galli” ist es gelungen, ein Ryan-Gosling-Double bei der “Goldenen Kamera” einzuschleusen und den bekannten Fernsehpreis einzuheimsen. Der Prank der beiden “ProSieben”-Spaßmacher sei nicht der große Wurf, zu dem er gerade gemacht werde, findet Jakob Biazza in der “SZ”. Er richtet sich an einen Gegner, der eh schon am Boden liege: das deutsche Fernsehen. Und auch für Verena Maria Dittrich bleibt in ihrem Artikel bei “n-tv” ein fahler Beigeschmack: “Das “#GoslingGate” ist ein Schabernack, der in unseren Zeitgeist passt. Alles wird nur noch benutzt, um einen Kalauer loszutreten. Pennäler-Gags auf Kosten der Zuschauer. Eher per Zufall wird dabei aufgedeckt, wie Hollywood-Leuten die Füße geleckt werden.”
“Circus Halli Galli” hat mittlerweile zwei, wenn man die Kritikpunkte beiseitelässt, gut produzierte und unterhaltsame Making-of-Videos ins Netz gestellt.
#GoslingGate: Fake Ryan Gosling Prank | Goldene Kamera 2017 – Teil 1
#GoslingGate: Fake Ryan Gosling Prank | Goldene Kamera 2017 – Teil 2

“Bild” schneidet sich Kritik zurecht

So richtig rund scheint es nicht zu laufen mit der neuen “Fußball Bild”. Seit Ende Januar liegt die tägliche “Springer”-Fußball-Zeitung bundesweit an den Kiosken (zuvor hatte der Verlag das Projekt schon in Stuttgart und München getestet), ein Mix aus zusammengewürfelten Berichten der “Bild”-Regionalausgaben und ein paar Exklusiv-Inhalten. “Meedia” berichtete vor knapp zwei Wochen, dass pro Tag “im Schnitt zwischen 48.000 und 55.000 Exemplare” verkauft würden. Der Plan, die sinkende “Bild”-Auflage durch “Fußball Bild” auszugleichen, gehe bisher nicht auf.

Und so versucht “Fußball Bild” aktuell einiges, um gemocht zu werden. Zwölf Tage kann man sie kostenlos testen, ab heute gibt es das Blatt im Abo und für die “333 schnellsten Besteller” verspricht die Redaktion sogar “einen FUSSBALL BILD Kaffeebecher” gratis.

Ein neues Werbevideo gibt es auch:

Der 20-Sekunden-Clip ist seit vorgestern online und zeigt, wie “Bild” von VfL-Bochum-Trainer Gertjan Verbeek “beschimpft” wird (von der Beliebtheit bei den Fans ist hingegen nichts zu sehen, doch dazu später mehr):

Verbeek sagt in dem “Fußball Bild”-Werbespot:

“Bild”. Nee. Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße? Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Ihr seid ja Arschlocher. Das seid ihr.

Vielleicht erinnern Sie sich: Die Aussage stammt aus einer Pressekonferenz des VfL Bochum, die im September 2015 stattfand. Wir hatten damals auch hier im BILDblog darüber berichtet. Das “Arschlocher” von Gertjan Verbeek ging an “Bild”-Reporter Joachim Droll, der zuvor über angebliche Meisterambitionen Verbeeks berichtet hatte. Später entschuldigten sich der Trainer und der Vereinsvorstand für die Wortwahl, von Verbeeks Kernaussagen wollte sich der Verein hingegen nicht distanzieren.

“Fußball Bild” schnappte sich also — mit Genehmigung des VfL Bochum — die kurze Passage aus der knapp 20-minütigen Pressekonferenz (ab Minute 4:05 wird’s interessant) und fügte diese zwei Texttafeln ein, die zwischendrin eingeblendet werden:


Die Aussage soll wohl sein: Ist das nicht toll, liebe Fans, wie wir uns für euch solchen Biestern wie Gertjan Verbeek stellen und uns von ihnen sogar beschimpfen lassen? Dafür müsst ihr uns doch lieb haben.

Die erste Tafel (“VON TRAINERN BESCHIMPFT.”) gibt “Fußball Bild” allerdings auch die Möglichkeit, die Originalaufnahme zu schneiden, ohne dass man es auf Anhieb merkt. Verbeeks Kritik hatte nämlich durchaus Inhalt. Er kritisierte in einem Satz, den “Fußball Bild” weggelassen hat, die “Bild”-Berichterstattung über Flüchtlinge. Der VfL-Trainer sagte damals in voller Länge:

“Bild”. Nee. Warum schreibt ihr dann immer solche Scheiße? Warum spielt ihr immer zwei Parteien gegeneinander aus? Selbst mit Flüchtlingen dazwischen. Ihr seid ja Arschlocher. Das seid ihr.

Ein bisschen Kritik an “Bild” ist für “Bild” also in Ordnung. Richtige Kritik wird aber doch lieber rausgeschnitten.

Und dann ist da ja noch die Behauptung, dass “Bild” beziehungsweise “Fußball Bild” “von den Fans geliebt” werde. Ebenfalls im September 2015, als die “Bild”-Zeitung auf dem Höhepunkt ihrer “Wir helfen”-Imagekampagne an einem Spieltag der 1. und 2. Bundesliga “Wir helfen”-Aufnäher auf den Trikotärmeln aller 36 Mannschaften platzieren wollte, reagierten die Fans vieler Vereine in den Stadien mit “Bild”-Kritik.

Zum Beispiel die des BVB:

Und des 1. FC Köln:

Und des Karlsruher SC:

Und des FSV Mainz 05:

Und des FC Ingolstadt:

Und des SV Darmstadt 98:

Und des VfB Stuttgart:

Und des 1. FC Nürnberg:

Und des SC Freiburg:

Und des FC Schalke 04:

Und von Fortuna Düsseldorf:

Und des TSV 1860 München:

Und von Hertha BSC:

Und von Union Berlin:

Und von der SpVgg Greuther Fürth:

Und auch die Fans des VfL Bochum, für die sich “Bild” und “Fußball Bild” ja von Trainer Gertjan Verbeek heldenhaft beschimpfen lassen, schlossen sich #BILDnotwelcome an:

Mit Dank an @FeaturedMoritz für den Hinweis!

VG Wortlos, Staatsfeind Nr. Trump, PewDiePie-Zoff

1. English please: Deutscher Journalismus auf Reisen
(dwdl.de, Nora Jakob)
Immer wieder versuchen deutsche Verlage, ihre Inhalte auch einem internationalen Publikum nahe zu bringen und bringen ausgesuchte Artikel in englischer Sprache. Nora Jakob hat für “dwdl.de” mit führenden Medienhäusern gesprochen und muss feststellen: Priorität hat der Aufbruch ins Ausland in kaum einem Verlag. Den oft großspurigen Ankündigungen der Internationalisierung sei deshalb mit Skepsis zu begegnen.

2. Ihre Publikationsfreiheit ist bedroht
(vginfo.org)
Die “VG Info” ruft dazu auf, einen Protestbrief gegen eine EU-Neuregelung zur Verlegerbeteiligung zu unterzeichnen. Die Verleger würden sonst in Zukunft einen Rechtsanspruch auf Beteiligung an den Einnahmen erhalten, ohne dass man die Urheber fragen müsse, ob sie damit einverstanden seien.

3. Der zu dem Volk spricht
(faz.net, Michael Hanfeld)
Donald Trump entwickelt sich zum Staatsfeind Nummer eins der Pressefreiheit, findet “FAZ”-Autor Michael Hanfeld: “Er hat den Journalisten, die ihm kritisch kommen und beispielsweise zu den Russland-Verbindungen seiner Wahlkampftruppe recherchieren, spätestens in dem Augenblick den Krieg erklärt, als er sie „Feinde des amerikanischen Volkes“ nannte. Er macht sie damit vogelfrei, und man wartet nur darauf, dass er bei einem seiner nächsten Auftritte handgreiflich wird und anfängt, einen derjenigen, die ihn am meisten stören, nicht nur verbal zu attackieren.”

4. Die Gräben zwischen Generation YouTube und den „Altmedien“ sind tiefer denn je
(wired.de, Johnny Haeusler)
Vor einigen Tagen hat Johnny Haeusler einem der erfolgreichsten YouTuber der Welt, PewDiePie, einen offenen Brief geschrieben. Der Anlass: YouTube-Star PewDiePie hatte einige umstrittene Aktionen gestartet, die ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingehandelt hätten. Eine Kritik, mit der der YouTuber nicht gut umgegangen sei, so Haeusler. Mittlerweile hat Haeusler einige Rückmeldungen auf seinen offenen Brief erhalten und konstatiert: “Die Gräben zwischen „alten“ und „neuen“ Medien sind tiefer denn je.”

5. Armes Nashorn
(sueddeutsche.de, Arne Perras)
In einer Dokumentation der “BBC” hat ein Reporter über einen Nationalpark berichtet, in dem mehr Wilderer als Nashörner erschossen würden. Indien zeigte sich empört über die Vorwürfe. Es sei nicht das erste Mal, dass das Land dünnhäutig auf Kritik reagiert, so “SZ”-Autor Arne Perras.

6. Interne Strategiepapiere der Identitären Bewegung geleaked
(blog.zeit.de, Sebastian Lipp)
Die sogenannte “Identitäre Bewegung” (oder auch “Identitäre”) wird von Politikwissenschaftlern als eine Spielart des Rechtsextremismus bezeichnet. Die völkisch auftretenden Gruppierungen dieses Sammelbeckens sehen sich von einer angeblichen Islamisierung bedroht. Nun wurde ein internes Papier geleakt, das auf mehr als 50 Seiten vom Facebook-Posting bis zur Wortergreifungsstrategie bei Veranstaltungen alles erklären würde, was die Öffentlichkeistarbeit der “Identitären” ausmacht.

Trump-Show, Bauchredner Tichy, Zuckerberg-Blabla

1. Full Transcript and Video: Trump News Conference
(nytimes.com, Video, 1:17 Stunden)
Die “New York Times” hat sowohl das Video als auch das vollständige Transkript von Donald Trumps Pressekonferenz veröffentlicht.
Britta Kollenbroich fasst auf “Spiegel Online” die amerikanischen Reaktionen zusammen “Nein, Sir, wir sind keine Deppen”
Es gibt aber auch schon Kommentare aus Deutschland: Veit Medick findet im “Spiegel”, es sei “an der Zeit, am Verstand des US-Präsidenten zu zweifeln”.
Und Simon Riesche beschreibt die Veranstaltung für die “FAZ” als “atemberaubenden Strudel aus Gedankenfetzen, Wahlkampfslogans und programmatischen Ankündigungen”

2. Der Bauchredner
(zeit.de, Roman Pletter)
Über Roland Tichy, der in der Vergangenheit stellvertretender Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins “Capital” und Chefredakteur der “Wirtschaftswoche” war und heute das rechtslastige Meinungsportal “Tichys Einblick” betreibt, ist schon viel geschrieben worden. Roman Pletter ist ein Artikel gelungen, der mehr als das Offensichtliche leistet, nämlich eine Annäherung an den Menschen Tichy. Hier stehen sich die partiell spürbare Sympathie für den Menschen Tichy und die kritische Distanz zu seiner Arbeit nicht im Wege. “Der Widerspruch zwischen Roland Tichys Buch früher und der Sprache heute ist nicht der einzige, dem man bei dieser Annäherung an ihn begegnet: Er sucht den Streit, will aber zugleich gemocht werden. Er ist als Kommentator scharf im Ton, aber im persönlichen Umgang auch charmant und lustig. Er ist kein Ausländerfeind, seine Texte klingen aber manchmal so. Er ist ein wirtschaftsliberaler Demokrat, doch man begegnet auf seinem Internetforum Menschen, bei denen eine menschenfreundliche Haltung nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen ist.”

3. Viele Zeitungen vertreten nicht das Interesse ihrer Leser.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Der “Spiegel Online”-Kolumnist und Chefredakteur des “Freitag” Jakob Augstein spricht im Interview über seinen Dialog mit Nikolaus Blome, die Politik Angela Merkels, linken Boulevard, Russland-Bashing und Meinungsgleichheit in den Medien und warum er nicht mehr an eine Paywall glaubt. Und es geht um das BILDblog und Augsteins Einstellung zur “Bild”: “Meine vergleichsweise positive Einstellung zur „Bild“ ist auch schon übel aufgefallen, als ich noch bei der „Zeit“ war. Aber ich stehe dazu. Die Abgrenzungsbemühung macht mich skeptisch. Journalisten, die sich besonders stark von „Bild“ abgrenzen, bekämpfen nicht selten ihre eigenen Dämonen. Die „Bild“ ist dann der Sündenbock des Journalismus.”

4. Warum Papier-Journalismus besser ist.
(kaffeeundkapital.de, Martin Oetting)
Viele Menschen vertreten die Ansicht, dass es beim Journalismus nicht aufs Trägermedium, sondern auf die Inhalte ankommt. Martin Oetting ging es lange Zeit ebenso, doch jetzt hat er seine Meinung geändert und favorisiert Print. Nicht, weil er ein fortschrittsfeindlicher Ewig-Gestriger ist, sondern weil aus seiner Sicht drei Aspekte dafür sprechen würden.

5. Is nicht egal
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Am Dienstag wurde bekannt, dass der Youtuber und Rapper Kazim Akboga gestorben ist. Für viele Medien ein Anlass, sich von ihrer hässlichen Seite zu zeigen… Boris Rosenkranz erklärt auf “Übermedien” was falsch gelaufen ist und wie Medien berichten sollten, wenn sie denn meinen, unbedingt berichten zu müssen.

6. Zuckerbergs vager Masterplan
(sueddeutsche.de, Beate Wild)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich mit einem 5800 Wörter langen Manifest an die Öffentlichkeit gewandt, in dem er seine Visionen für die Zukunft des sozialen Netzwerkes erläutert. Beate Wild hat den Text gelesen und ist wenig begeistert: “Der Brief, der vor utopischen Idealen nur so strotzt, beinhaltet wenige konkrete Lösungsansätze oder auch nur Details, sondern ist eher eine von der PR-Abteilung bis zur Unkenntlichkeit geschliffene Ansammlung an guten Vorsätzen.”

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