Suchergebnisse für ‘youtube’

“Sputnik”-Geilphone, “Wikipedia”-Uploadfilter, FDP-Sharepic

1. Sputnik-Moderatoren sollen iPhones seltener geil finden
(uebermedien.de, Yannick von Eisenhart Rothe)
Auf “Sputnik”, dem “Null Werbung”-Jugendradio des MDR gab es eine iPhone-Gewinnaktion mit geradezu penetrant werblichem Charakter: Die Moderatoren im Radio und im Facebook-Livestream überboten sich geradezu in Produktnennungen und im “Geil, iPhone”-Kreischen. Nach Beschwerden reagierte der Sender zunächst trotzig: “Unsere ModeratorInnen präsentieren die Aktion hervorragend und mit großem Engagement.” Mittlerweile hat auch der Rundfunkrat die Aktion kritisiert und sieht darin Verstöße gegen die Werberichtlinien der ARD. “Übermedien” hat beim MDR nochmal nachgefragt. Dort laviert man in einer Form, die einen an der Einsicht des Senders zweifeln lässt: Es bestehe, so die Aussage, ein Unterschied in einer werblichen Wirkung, ob Produkteigenschaften benannt werden, oder ob lediglich von einem “geilen Teil” gesprochen werde.

2. Aufregung bei MDR-Sputnik-Heimattour: Journalistin ausgesperrt
(flurfunk-dresden.de, Rosalie Stephan)
Das Jugendradio des Mitteldeutschen Rundfunks, “MDR Sputnik”, veranstaltet die sogenannte “Heimattour”, eine Reihe von Partys. Man hat bei diesem Projekt offenbar mit zweifelhaften Partnern zusammengearbeitet. So war im Vorfeld der letzten Veranstaltung in Helbra (Sachsen-Anhalt) bekannt geworden, dass der Besitzer des Veranstaltungsortes der Reichsbürger-Bewegung zuzuordnen sei. Auch die “Mitteldeutsche Zeitung” hatte darüber berichtet. Mit Folgen: Der Veranstalter warf bei der wenige Tage später stattfindenden “Heimattour” die “MZ”-Journalistin Anja Förtsch raus und erteilte ihr ein Hausverbot. Der MDR hat sich mittlerweile von dem Vorgehen des Veranstalters distanziert und die Zusammenarbeit beendet.

3. Spiderman spinnt wohl
(sueddeutsche.de, Friederike Oertel)
Friederike Oertel berichtet bei Sueddeutsche.de über einen verstörenden Youtube-Trend: Dort hätte sich eine Szene etabliert, die sinnlose, brutale und teils gewaltverherrlichende Videos mit Helden aus Comic- und Animationsfilmen produziert. Die gefälschten Videos würden mit bunten Vorschaubildern locken, seien durch ihre originalgetreue Gestaltung zunächst nicht als Fake erkennbar und würden erst im Verlauf eine brutale Wendung nehmen. Noch sei unklar, wer hinter den Videos steckt.

4. #No(Upload)Filter – Bedrohen geplante Upload-Filter die Wikipedia?
(blog.wikimedia.de, Lilli Iliev)
“Wikipedia” sieht große Schwierigkeiten auf sich zukommen, sollte die neue Urheberrechtsrichtlinie durchgesetzt werden, die “Uploadfilter” vorschreibt: “Wir brauchen keine Uploadfilter, sondern für möglichst viele Online-Plattformen verantwortungsvolle, aktive Communitys, die den Kontext einer Nutzung bewerten, etwaigen Missbrauch einhegen und “schwarze Schafe” aktiv bekämpfen können. Ein lebendiges Netzwerk sorgt selbst für fairen Umgang miteinander. Ein Zwang zu Uploadfiltern dagegen ist eine Gefahr nicht nur für ungehinderte Aushandlung und Verbreitung von Freiem Wissen, sondern beim Blick auf das Netz insgesamt für die Meinungsäußerungsfreiheit einer digital erschlossenen Gesellschaft.”

5. Investigativer Journalismus in Tschechien
(de.ejo-online.eu, Pavla Holcová)
Nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 fand in Tschechien ein Umbau der Medien statt: Viele westliche Medienunternehmen haben ihre Beteiligungen an den größten tschechischen Medienhäusern an tschechische und slowakische Großunternehmer verkauft. Nun befinden sich viele Medien in den Händen einiger weniger milliardenschwerer Besitzer. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung. So wurden in letzter Zeit einige kleinere unabhängige und investigativ arbeitende Medien gegründet.

6. Lieber falsch reagieren als gar nicht
(stefan-fries.com)
Nachdem die FDP die Sondierungsgespräche mit CDU, CSU und Grünen abgebrochen hatte, veröffentlichte sie eine Grafik mit dem Text: “Lieber nicht regieren als falsch.” Computerkenner wiesen daraufhin, dass die Dateiinformationen/Metadaten nahelegen würden, dass die Grafik bereits vor einigen Tagen erstellt wurde. Für einige ein Indiz, dass die FDP den Abbruch der Sondierungsverhandlungen bereits vor Tagen beschlossen habe. So einfach ist die Sache jedoch nicht, wie Stefan Fries in seinem Blogbeitrag erklärt.

AfD-“FAZ”-Jargon, Umfrageunsinn, Journalisten als Politikberater

1. “Staatliche Sender” – auch #FAZ-Herausgeber macht sich jetzt #AfD-Jargon zu eigen. Bedenklich.
(twitter.com, Kai Küstner)
Der WDR/NDR-Korrespondent im ARD-Studio Brüssel, Kai Küstner, kritisiert eine Formulierung von “FAZ”-Herausgeber Holger Steltzner. Dieser hat in seinem “Konjunktur-Kommentar” “Land der wirtschaftlichen Wunder” statt von den Öffentlich-Rechtlichen von den “staatlichen Sendern” gesprochen. Eine Wendung, die Küstner dem AfD-Jargon zurechnet und bedenklich findet.

2. Begeisterung für Umfragen über Jamaika-Koalition nimmt ab
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier ist genervt von den vielen sinnlosen Umfragen der Meinungsforscher zur sogenannten Jamaika-Koalition: “Die Leute sollen sagen, ob sie eine Koalition gut finden, von der zum Zeitpunkt der Frage kein einziges konkretes Vorhaben bekannt ist. Was ist das für ein Unsinn? Was für Rückschlüsse soll das auf irgendwas erlauben? Wäre nicht die einzige richtige Antwort, die man dem Mann von Infratest Dimap oder der Forschungsgruppe Wahlen geben könnte: Weiß noch nicht, rufen Sie mich nochmal an, wenn klar ist, welche Steuern die erhöhen, wie die mit Flüchtlingen umgehen, welcher Klima-Kompromiss da am Ende rauskommt?”

3. Politisches Rauchen
(taz.de, Raphael Piotrowski)
Am Dienstagabend pünktlich um 18 Uhr füllte sich der Bürgersteig vor dem “taz”-Gebäude in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin mit Protestrauchern, die damit an den ehemaligen “taz”- und heutigen “Welt”-Autoren und passionierten Raucher Deniz Yücel erinnern wollten. Und an seine fortdauernde Haft in der Türkei. Auch vor dem “Spiegel”-Redaktionsgebäude in Hamburg hätten Kollegen solidarisch für Deniz Yücel gequalmt.

4. „Österreich“ vervierfacht Cybermobbing-Opfer
(kobuk.at, Angelika Eva Kapeller)
Die Tageszeitung “Österreich” behauptet, “64 Prozent sind Cybermobbing-Oper”, und beruft sich dabei auf eine Studie der “AK Steiermark”, der gesetzlichen Interessenvertretung aller ArbeitnehmerInnen des österreichischen Bundeslandes Steiermark. Warum die Aussage ziemlicher Quatsch ist, erklärt “Kobuk”-Autorin Angelika Eva Kapeller: In der Studie sei zwar von 64 Prozent die Rede, dabei handele es sich jedoch um die Schüler, die von Cybermobbing-Fällen in ihrem Umfeld wüssten. Außerdem seien die Angaben für Mobbingopfer und Cybermobbing-Opfer vermischt worden.

5. Politikberatungsjournalismus
(wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal nennt es eine “journalistische Übergriffigkeit”, wenn sich Journalisten zu Politikberatern aufschwingen: “Ist es die Aufgabe politischer Journalisten, ständig zu erklären, was jetzt zu tun ist? Müssen sie täglich hinausposaunen, was “wir” jetzt am dringendsten brauchen? Wie Merkel die Krise noch meistern kann? Wie Jamaika zum Erfolg wird? Der politische Journalismus bietet heute ein solches Übermaß an Politikberatung, dass man bisweilen den Eindruck hat, die Redaktionen fungierten als Planungs- und Krisenstäbe des Kanzleramts und der Parteien.”

6. Montana Black: Wie PewDiePie, nur noch unreflektierter (Special)
(spieletipps.de)
In Youtube-Videos der Gamerszene herrscht schon mal ein rauer Ton, das mag man oder nicht. Bedenklich wird es jedoch, wenn sich rassistische Töne in die Videos einschleichen, wie es dem schwedischen Youtube-Star “PewDiePie” vorgeworfen wird. In einem ähnlichen Fahrwasser scheint sich ein deutscher Youtuber bewegen zu wollen, der eine Spielefirma als “Zigeuner-Söhne” bezeichnet, ein Spiel als “Drecks-Zigeuner-Spiel” beschimpft. Die Macher der Seite “Spieletipps” haben den Vorgang aufgegriffen und kommentieren: “Jemand, der ein Millionenpublikum erreichen kann, sollte sich überlegen, welche Wörter er benutzt — und vor allem auch, welche er nicht benutzen möchte. Denn so ein junges Publikum ist beeinflussbar. Es wird auch durch solche Videos sozialisiert. So entsteht eine Normalität, die nicht normal sein sollte.”

Selbstzensur, “Bild”-Strafanzeige, “Pro7Sat1”-Zuschauer fett und arm?

1. Deutscher Wissenschaftsverlag zensiert Angebot
(deutschlandfunk.de, Steffen Wurzel)
Der deutsche Wissenschaftsverlag “Springer Nature” ist auch in China vertreten, dort aber nicht mit dem kompletten Angebot: Der Verlag habe bestätigt, dass er den Zugang zu bestimmten Artikeln in China blockiert habe. Diese Maßnahme sei nach Angaben des Verlags “zutiefst bedauerlich, wurde aber ergriffen, um wesentlich massivere Auswirkungen für unsere Kunden und Autoren zu vermeiden.” Die Organisation “Reporter ohne Grenzen” kritisiert das Vorgehen und fordert den Verlag auf, seine Entscheidung zu überdenken und die Zusammenarbeit mit den chinesischen Zensurbehörden sofort zu stoppen. Eine besondere Brisanz bekommt der Vorgang dadurch, dass “Springer Nature” eine Kooperation mit “Tencent” vereinbart habe, einem der größten chinesischen Medien- und Onlinekonzerne — in zeitlicher Nähe zur kritisierten Selbstzensur, der wohl mehr als 1000 Beiträge zum Opfer gefallen sind.

2. Nach Strafanzeige von Herbert Grönemeyer: Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Bild-Verantwortliche
(meedia.de, Marvin Schade)
Nach Informationen des Branchendienstes “Meedia” hat Herbert Grönemeyer Strafanzeige gegen mehrere Verantwortliche der “Bild”-Zeitung erstattet. Neben den Verantwortlichen in der “Bild”-Chefredaktion, also die Chefredakteure Julian Reichelt und Tanit Koch, könnte sich die Anzeige auch gegen Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Axel-Springer-Verlags richten. Vereinfacht gesagt, geht es um Paparazzi-Aufnahmen, gegen die Grönemeyer vorgegangen war, und die damit verbundene Berichterstattung. Doch die Angelegenheit hat noch einen zusätzlichen Twist: Ein Fotograf hatte behauptet, von Grönemeyer geschlagen und verletzt worden zu sein, und hatte versucht, dies mit manipuliertem Bildmaterial zu belegen.

3. “Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache.” Hanns Joachim Friedrichs (angeblich)
(falschzitate.blogspot.de, Gerald Krieghofer)
Gerald Krieghofer knöpft sich im neuesten Beitrag seines Falschzitate-Blogs die angebliche Äußerung von Journalistenlegende Hanns Joachim Friedrichs vor, nach der man einen guten Journalisten daran erkenne, dass er sich nicht gemein mache mit einer Sache: “Das ist ein Falschzitat, weil es eine Aussage des deutschen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichs aus einem SPIEGEL-Gespräch über die notwendige emotionale Distanz eines Fernsehmoderators zu der Nachricht, die er präsentiert, ins Unsinnige verallgemeinert.”

4. ProSiebenSat.1-Chef Ebeling lästert über seine Zuschauer
(dwdl.de, Timo Niemeier & Thomas Lückerath)
In einer Telefonkonferenz mit Analysten und Börsen-Experten habe sich der Vorstandsvorsitzende von “ProSiebenSat.1”, Thomas Ebeling, abfällig über Zuschauer geäußert: “All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Homerun. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like. Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.” Ein Sprecher von “ProSiebenSat.1” dementiert die Aussagen nicht und spricht davon, dass sie “womöglich missverstanden werden” könnten.

5. Heil Heiler!
(taz.de, Matthias Kreienbrink)
Aus der deutschsprachigen Ausgabe des Computerspiels “Wolfenstein II” wurden nicht nur Hakenkreuze oder SS-Runen entfernt, hier fehlt auch der nationalsozialistische Völkermord an den Juden. Das Problem: “Wolfenstein II” ist kein Nazi-Game, sondern — ganz im Gegenteil — ein antifaschistisches Computerspiel. Matthias Kreienbrink ist in seinem Beitrag auf die Schwierigkeiten des Umgangs mit der Geschichte eingegangen und hat Experten befragt. Es sei Zeit für eine öffentliche Debatte: “Wann endlich trauen wir Videospielen mehr zu?”

6. Aufwachen #250: Claus Kleber ist zu Gast + Fortpflanzung, Lobbyismus (mit Hans Jessen)
(youtube.com, Tilo Jung & Stefan Schulz)
Der “Aufwachen”-Podcast mit Tilo Jung und Stefan Schulz feiert seine 250. Ausgabe mit zahlreichen Gratulanten und Special Guest Claus Kleber, der seit vielen Jahren das “heute journal” im ZDF moderiert. Mit Kleber haben sich die Medien-Podcaster unter anderem über dessen neues Buch “Rettet die Wahrheit!” unterhalten, das vom Verlag als “flammendes Plädoyer für die Unabhängigkeit der Medien und gegen die Kampagnen der Hetzer” bezeichnet wird. Außerdem mit dabei in der mehr als vierstündigen Jubiläumssendung: “Jung & Naiv”-Coproduzent Alexander Theiler und der langjährige ARD-Hauptstadtkorrespondent Hans Jessen. BILDblog gratuliert und wünscht alles Gute für die nächsten 250 Folgen!

Kontrolle für Gepiercte in großen Autos? “Bild” erfindet Politiker-Zitate

Ein Besuch bei der Jahreshauptversammlung des örtlichen Kegelvereins, den Taubenzüchtern des Nachbardorfes oder einer Fragerunde des CDU-Kreisverbandes ist sicher nicht die Aufgabe, die sich viele Journalisten wünschen. Es ist aber auch eine vergleichsweise simple Übung — hingehen, zuhören, aufschreiben, was so gesagt wurde. Doch selbst an solch einfachen Dingen scheitert “Bild” kläglich.

Am Montag berichteten Bild.de und die Leipzig-Ausgabe der “Bild”-Zeitung von einer Veranstaltung des Leipziger CDU-Kreisverbandes. Immerhin schaute dort Michael Kretschmer vorbei, der aktuell noch Generalsekretär des Sächsischen CDU-Landesverbandes ist und bald Ministerpräsident des Freistaats sein dürfte. Kretschmer hielt erst eine gut 20-minütige Rede und stellte sich in der anschließenden Aussprache den Fragen der anwesenden CDU-Mitglieder.

Für “Bild”-Autor Erik Trümper waren vor allem zwei Aussagen Kretschmers interessant. In der einen geht es um die Nutzung der Videoüberwachung auf Autobahnen. Trümper schreibt:

Und Kretschmer? Legte beim Thema Sicherheit gleich nochmal nach. So empfahl er die elektronische Videoüberwachung auf den Autobahnen Richtung Grenze: “Wenn ich da sehe, dass ein Gepiercter ein großes Auto fährt, dann ist das verdächtig und kann ihn kontrollieren.”

Um es direkt klarzustellen: Das hat Michael Kretschmer so nie gesagt — das Zitat ist eine Erfindung von “Bild”-Autor Erik Trümper. Die Aussage, die Trümper dem CDU-Mann in den Mund legt, ist natürlich so bescheuert, dass sie sich bestens für eine kleine Empörungsrunde eignet. “Focus Online” hat sie zum Beispiel aufgegriffen:

Screenshot Focus Online - Michael Kretschmer - Sachsens künftiger Ministerpräsident will Menschen mit Piercing kontrollieren lassen

Und auch Netzpolitik.org:

Screenshot Netzpolitik.org - Sachsens künftiger Ministerpräsident findet Menschen mit Piercing verdächtig

Sie alle beziehen sich auf “Bild” und Erik Trümper. Bei Netzpolitik.org haben sie inzwischen mitbekommen, dass das “Bild”-Zitat völlig falsch ist und ein “Update” veröffentlicht.

Tatsächlich sprach Michael Kretschmer in der Fragerunde über das Thema Innere Sicherheit und die Kfz-Kennzeichenerfassung auf Autobahnen. Er sagte:

Es gibt zwei Komponenten, über die wird relativ wenig gesprochen. Das eine sind die technischen Einsatzmittel. Da geht es auch gar nicht zuerst mal um die Autos, mit denen die Polizisten durch die Gegend fahren, sondern da geht es um die Funkgeräte, da geht es um die Frage der Tablets, da geht es um die Frage Kfz-Kennzeichenerfassung, also etwas, was ich jetzt auch vor Kurzem erstmal das erste Mal selber gesehen habe. Und wenn man das sieht, fällt man auch vom Glauben ab, warum das alles so ist. Derzeit wird das so praktiziert: An der Autobahn, wenn Sie jetzt nach Dresden fahren oder nach Berlin, steht da irgendwo in der Abfahrt ein Polizeifahrzeug, mit einem Fernglas, guckt: Wie ist das Kennzeichen von dem Auto?, guckt: Was ist das für eine Marke? Der zweite Kollege gibt das durch ans Revier, der checkt das und fragt, ob das Kfz-Kennzeichen zu dem Auto passt, ob der Halter er sein könnte …

In diesem Moment zeigte Kretschmer auf seinen Nebenmann Frank Tornau, der 42 Jahre alt ist, einen Anzug mit Krawatte und keine Piercings trug:

Screenshot des Mitschnitts von Michael Kretschmers Auftritt, in dem er auf seinen Nebenmann zeigt

… oder ob das irgendwie ein junger gepiercter Typ ist. Und wenn da irgendwie die Dinge nicht miteinander zusammenpassen, wird der Kollege rausgewunken. So. Das dauert. Das bindet Personalkraft. Das ist absolut ineffizient. Und wenn man dann sieht, dass es technische Lösungen gibt, die das vollkommen von alleine machen, innerhalb von Bruchteilen von Sekunden, und wir es nur deswegen nicht einrichten, weil wir die rechtlichen Rahmen nicht haben, weil Leute sich hinter Datenschutz verstecken, dann muss man sagen: Das kann doch nicht sein.

Das kann man immer noch völlig bescheuert und höchst bedenklich finden. Aber Michael Kretschmer sagt an keiner Stelle, dass es verdächtig sei, wenn “ein Gepiercter ein großes Auto fährt” und dass man Gepiercte in großen Autos generell kontrollieren solle.

An einer zweiten Stelle desselben Artikels arbeitet “Bild”-Mitarbeiter Trümper ähnlich unsauber. Er behauptet, Kretschmer habe zu einer Vergewaltigung in der Leipziger Parkanlage Rosental eine “fragwürdige Idee” geäußert:

Kretschmer: “Wenn ich Oberbürgermeister wäre, würde ich nach einem solchen Überfall erst einmal Schneisen schlagen lassen. Damit sich Verbrecher dort nicht verstecken können.”

Die gut 120 Leipziger CDUler schwiegen peinlich berührt. Denn was sie — im Gegensatz zu Kretschmer — wissen: Das Rosental steht unter Naturschutz. Und mehr Polizeikräfte für Leipzig sind eventuell effektiver als Kettensägen …

Diese angebliche Aussage Kretschmers schaffte es als noch konkreteres Zitat sogar in die Überschrift der “Bild”-Zeitung …

Ausriss Bild-Zeitung - Wenn ich OB wäre, ließe ich Schneisen durchs Rosental schlage

… und in paraphrasierter Form in die Bild.de-Schlagzeile:

Screenshot Bild.de - Fast-Ministerpräsident in Leipzig - Kretschmer würde Schneisen durchs Rosental schlagen damit sich Verbrecher nicht mehr verstecken können

Allerdings hat Michael Kretschmer bei seinem Auftritt in Leipzig nicht explizit von “Schneisen durchs Rosental” gesprochen, sondern von “anderen Orten”:

Und wenn Sie in anderen Orten sind, wo so etwas Schlimmes wie so eine Vergewaltigung wie hier gerade auch passiert ist, dann würden Ihnen die Bürgermeister sagen: “Das Erste, was wir machen, ist, erstmal Sichtachsen zu schneiden, schauen, dass man sich da nicht verstecken kann.”

Auch das “peinlich berührte” Schweigen, das Trümper beobachtete haben will, geht aus dem Videomitschnitt nicht hervor. Die Zuhörer sind in der Situation genauso leise wie in den Minuten davor und danach, während Michael Kretschmer spricht.

Weil wir Zweifel haben, dass bei den “Bild”-Medien überhaupt irgendetwas ankommt, an dieser Stelle ein Tipp für alle anderen Redaktionen: Schreibt nienienie einfach so und ungeprüft von “Bild” oder Bild.de ab.

Mit Dank an Jacob P. für den Hinweis!

Böhmermanns “Bento”-Verriss, “Bild”-Populismus, ESC-Verfahren

1. Bento – 69 Gründe für den Tod des Qualitätsjournalismus
(youtube.com, Neo Magazin Royale, Video, 20:55 Minuten)
Jan Böhmermann hat sich in einem zwanzigminütigen Video-Rant den “Spiegel”-Ableger “Bento” vorgeknöpft. Seine Hauptkritik: Das Jugendmagazin setze auf allzu banale Inhalte und verwende zweifelhafte Werbeformen (“Native Advertising”). “taz”-Medienredakteurin Anne Fromm findet Böhmermanns “Bento”-Verriss schief und stört sich am moralischen Zeigefinger. Statt bei der berechtigten Kritik an “Bento” zu bleiben, schwinge sich Böhmermann mittels allerlei Döpfner-Zitaten zum Retter des Journalismus auf.
Weiterer Lesetipp: Nollendorfblogger und BILDblog-Kolumnist Johannes Kram hat eine Verteidigungsrede verfasst, vornehmlich aus queerer Sicht: “Bento ist kein schlechter Journalismus. Im Gegenteil!”

2. „Bild“-Populismus zum Mitmachen
(taz.de, David Gutensohn)
Vor einiger Zeit schlagzeilte “Bild” noch: “Deutschland setzt ein Zeichen: Flüchtlinge willkommen” und verteilte als Teil der “großen Hilfsaktion von BILD” bundesweit “refugeeswelcome”-Aufkleber. Das Blatt hat sich mittlerweile gewendet. Gegenwärtig sollen die Leser sogar mittels Online-Petition für mehr Abschiebungen mobilisiert werden. Einem Vertreter der Organisation “ProAsyl” bereitet dieser Wandel “zurück zur Stimmungsmache” Sorgen. Er konstatiert: “Mal wieder konstruiert die Bild-Zeitung ein Vollzugsdefizit, das so nicht existiert”.

3. Peinliche Posse um Rainer Wendt
(fr.de, Danijel Majic)
Der umstrittene Chef der Polizeigewerkschaft “DPolG”, Rainer Wendt, wurde zunächst zu einem Vortrag an der Frankfurter Goethe-Uni ein- und dann wieder ausgeladen. Konservative Kreise sahen ob dieser Absage die Meinungsfreiheit in Gefahr. Danijel Majic ist anderer Meinung: “Wendt, der Deutschland nicht mehr als “Rechtsstaat” sieht und wenig auf Fakten gibt, wenn es gegen Migranten oder Politiker links der CSU geht, und seine unfundierten Ansichten regelmäßig in Fernsehkameras plärren darf, ist wahrlich der letzte Mensch, der sich über einen Mangel an “Podien” beklagen kann. Die Peinlichkeit der Posse um seinen Auftritt besteht nicht in seiner Aus-, sondern seiner Einladung.”

4. Hundert Köpfe für ein Halleluja
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Der NDR hat mal wieder das Verfahren für die Auswahl des “Eurovision Song Contest”-Kandidaten geändert. Die Kandidatenkür soll nun gemeinsam von Datenexperten, einem 100-köpfigen “Europa-Panel” und einer internationalen Jury durchgeführt werden. Hans Hoff ahnt die Beweggründe für das komplizierte Procedere: “Wenn es schief geht, sind ganz viele schuld.”

5. DW-Interview: Türkische Presse verfälscht Aussagen von MdB Ulla Schmidt
(dw.com, Berthold Stevens)
Die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD) hat sich in einem Interview mit der “Deutschen Welle” kritisch zu den Entwicklungen in der Türkei geäußert: Ein Großteil der Bevölkerung in der Türkei stimme Erdogans Politik nicht zu. Das Referendum zur Verfassungsreform habe laut internationalen Beobachtern nicht ohne Manipulation stattgefunden. Türkische Tageszeitungen wie die “Star” haben Schmidts Aussagen verfälscht wiedergegeben und Teile hinzugedichtet. So wird ihr die Aussage untergeschoben, die NATO solle in der Türkei intervenieren.

6. Neues vom Symbolbildbeauftragten: Woran man Telefonbetrüger erkennt
(noemix.twoday.net)
Immer wieder müssen Redaktionen Meldungen über betrügerische Anrufer illustrieren, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. Wie der “Nömix-Symbolbildbeauftragte” herausgefunden hat, gelingt dies mal wenig und mal weniger …

Peter Steudtner, Bullshit von “Burda”, Sean Penn in Angst

1. “Ein Sieg für uns alle”
(spiegel.de, Maximilian Popp)
Der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner, der mehr als 100 Tage in der Türkei in Untersuchungshaft saß, darf völlig überraschend das Gefängnis verlassen. Der gerade erst gestartete Prozeß gegen ihn und neun seiner Kolleginnen und Kollegen geht zwar weiter, Steudtner darf allerdings zurück nach Deutschland reisen — und will das auch möglichst schnell tun. Sein Anwalt Murat Deha Boduroglu hofft nun, dass sich die Entscheidung positiv auf andere Verfahren auswirkt, auch auf die gegen die Journalistin Mesale Tolu und den Journalisten Deniz Yücel.

2. Burdas Bullshit
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei den “Medientagen München” fragt Moderator Klaas Heufer-Umlauf den “Burda”-Vorstand Philipp Welte, ob er und sein Verlag nicht “‘einen Wettbewerbs-Vorteil zum Thema alternative facts'” hätten, schließlich sei “Burda” ja im Yellow-Press-Bereich aktiv. Welte, dessen Verlag mit Heften wie “Freizeit Revue” regelmäßig klassische “Fake News” druckt, philosophiert in seiner Antwort über Wirklichkeit und Wahrheit rum und warnt vor der Gefahr von “Fake News”. “Und am Ende bekommt er für seine verlogene Sonntagsrede auch noch Applaus, anstatt aus dem Saal gelacht zu werden”, kommentiert Stefan Niggemeier.

3. Bei Fake News sind die Schulen hilflos
(de.ejo-online.eu, Stephan Russ-Mohl)
Stephan Russ-Mohl über eine Studie zur “Nachrichtenkompetenz an Schulen”: “Spannend und verstörend ist nicht zuletzt, dass nur drei Prozent der Lehrpläne Aussagen zu den sozialen Netzwerken enthalten: Facebook und Twitter sind also als Nachrichtenmedien in den Unterrichtsvorgaben derzeit noch inexistent.”

4. Wie YouTube die Jugendkultur revolutioniert
(ndr.de, Sebastian Meineck, Audio, 28:35 Minuten)
“Wer die Jugendkultur von heute verstehen will, muss YouTube verstehen”, sagt eine Stimme, noch bevor das Radiofeature von Sebastian Meineck losgeht. Er hat mit aktuellen und ehemaligen Youtubern gesprochen, mit Youtube-Kritikern und Youtube-Werbe-Experten. Anhören und zumindest etwas “die Jugendkultur von heute verstehen”.

5. Sean Penn fürchtet um sein Leben – wegen einer Doku
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Eigentlich sei die dreiteilige “Netflix”-Dokumentation “The Day I Met El Chapo” ein “unfassbar ödes und unfassbar selbstverliebtes Selbstporträt” von Schauspielerin Kate del Castillo, schreibt Jürgen Schmieder. Durch die Rolle, die Schauspieler Sean Penn in der Doku abbekommt, wird es allerdings doch ganz interessant. Denn Penn fürchtet nun, dass der Dreiteiler vermitteln könnte, er sei an der Verhaftung von Drogenboss “El Chapo” aktiv beteiligt gewesen. Sein Anwalt hat die “Netflix”-Bosse auf jeden Fall schon mal gewarnt, dass Blut an ihren Händen kleben werde, “‘sollte dieser Film zu körperlichem Unheil führen.'”

6. Wenn Rechte als Helden auftreten
(taz.de, Silke Burmester)
In der “Tatort”-Folge “Auge um Auge”, die am 12. November im Fernsehen zu sehen sein wird, für Journalisten aber schon vorab abrufbar war, treten in einer Szene fünf Männer als heldenhafte Retter auf. Aufnäher auf ihren Jacken lassen sie ziemlich eindeutig der rechten Szene zuordnen. Rechtsextreme als Helden? “Wie konnte das durchrutschen?”, hat Silke Burmester beim verantwortlichen MDR nachgefragt und eine interessante Antwort bekommen. Bis zur Ausstrahlung der “Tatort”-Folge sollen die Aufnäher übrigens noch digital verschwinden.

Klöckner-Klau, Katzenberger-Magazin, Straßenbahn des Todes

1. Medienminister will ARD ohne „Tagesschau“
(mz-web.de, Hagen Eichler)
Wie die “Mitteldeutsche Zeitung” berichtet, will der für Medien zuständige Landesminister Sachsen-Anhalts, Staatskanzleichef Rainer Robra (CDU), das “Erste” in seiner jetzigen Form abschaffen. Als nationaler Sender reiche das ZDF aus. Die ARD solle stattdessen “ein Schaufenster der Regionen” werden. Dazu auch: ein Interview der “Mitteldeutschen Zeitung” mit Robra. Nachtrag, 12:16 Uhr: Eine Information, die zur Nur-noch-ZDF-Forderung des CDU-Politikers nicht verlorengehen soll: Rainer Robra sitzt seit Juni 2002 im Fernsehrat — des ZDF.

2. Wie viel Klöckner steckt in Julia Klöckners Text?
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die CDU-Politikerin Julia Klöckner hat Anfang Oktober einen Gastbeitrag in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” veröffentlicht. Thema: der Föderalismus in Deutschland. Die Jusos aus Mainz konnten nun zeigen, dass Klöckner einige Sätze und Gedanken aus einem bereits 2007 erschienenen Aufsatz fast wörtlich übernommen hat, ohne die Quelle anzugeben. Boris Rosenkranz ist der Sache nachgegangen und hat für seinen Text auch mit dem Pressesprecher der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion gesprochen. Dessen Rechtfertigungen machen alles noch schlimmer.

3. kontertext: Kurzer Abstieg in die Provinz
(infosperber.ch, Mathias Knauer)
Der Musikwissenschafter, Publizist und Filmemacher Mathias Knauer beklagt den Zustand der Schweizer Kuturredaktionen und macht dies am Umgang der Medien mit dem jüngst verstorbenen Komponisten Klaus Huber fest: “Die Nachrufe, die man in Schweizer Zeitungen zu lesen bekam, bieten ein Schulbeispiel für den desolaten Zustand der Musikpublizistik in diesem Land.”

4. Auch Daniela Katzenberger bekommt eigenes Magazin
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Seit längerer Zeit gibt es von “Gruner + Jahr” das Magazin “Barbara” mit Barbara Schöneberger. Nun folgt die “Bauer Media Group” dem Trend der personalisierten Zeitschrift und bringt ein Magazin über die Reality-Show-Darstellerin Daniela Katzenberger auf den Markt. Das Heft erscheint mit einer Druckauflage von 100.000 Exemplaren und wird 2,99 Euro kosten. Doch damit ist der Trend der Personality-Zeitschrift nicht am Ende: Nächstes Jahr will “Gruner + Jahr” ein Heft über den Moderator und Entertainer Joko Winterscheidt auf den Markt bringen (“Joko”).

5. Straßenbahn des Todes
(coffeeandtv.de, Lukas Heinser)
Wenn Lukas Heinser sich mit Social Media beschäftigt, fühlt er sich in die “Straßenbahn des Todes” versetzt, in der alle die Gedanken der anderen hören können. Er will sich diese destruktive Social-Media-Kakophonie nicht länger antun und steigt, zumindest temporär, aus. “Natürlich interessiert es Facebook und Twitter kein bisschen, wenn ihnen ein unbedeutender Blogger aus Bochum alle verfügbaren Mittelfinger zeigt, aber: Hey, immerhin bin ich Blogger! Immerhin hab ich hier ein Zuhause im Internet. Und wenn mir einer auf den Teppich pisst, kann ich ihn achtkantig rauswerfen.” Transparenzhinweis: Lukas hat viele Jahre BILDblog verantwortet.

6. CNN trifft AstroTV
(youtube.com, Hans Kirchmeyr, Video, 5:25 Minuten)
Was der österreichische Onlinesender “oe24.tv” am Wahlnachmittag veranstaltet hat, war … nun ja … bemerkenswert. Ein fünfminütiger Zusammenschnitt zeigt eine wilde Mischung aus Pseudonachrichtensendung, Kaffeesatzleserei, Horserace-Berichterstattung und kompetent vorgetragener Inkompetenz.

Buchmessen-Tumulte, Bundeswehr-Filmchen, Dystopie-Geschwafel

1. Dialog unmöglich
(spiegel.de, Eva Thöne)
Auf „Spiegel Online“ gibt es einen aktualisierten Beitrag über die Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse. Hintergrund: Der Veranstalter hatte Verlage zugelassen, die man dezidiert dem rechten bis rechtsextremen Spektrum zuordnen kann, was zu Protesten geführt hatte. Im Beitrag geht es um Provokation auf beiden Seiten, gewalttätige Angriffe von rechts und einen hilflosen Veranstalter.
Weiterer Lesetipp: Auch Gerald Hensel schreibt über die Vorgänge: “Chaostage auf der Buchmesse”. Er verurteile Protestaktionen, welche das Recht verletzen, wünsche sich aber von der Buchmesse mehr Haltung: “Eine Buchmesse hat Hausrecht und nicht die Aufgabe, alle Meinungen der Welt gleichberechtigt abzubilden — speziell dann, wenn sie dedizierte Gegner einer offenen Demokratie sind.”
Und zur Vervollständigung: Auf Twitter verbreiteten sich Meldungen, dass ein Frankfurter Stadtverordneter (“Die Partei”) auf der Buchmesse zusammengeschlagen worden sei, weil er gegen Nazis demonstriert hatte. Nun hat ein Fotograf ein Video veröffentlicht, das einen anderen Eindruck vermittelt. Mehr darüber bei “BuzzFeed News” unter “Dieses Video zeigt, dass der DIE PARTEI-Politiker auf der Buchmesse nicht zusammengeschlagen wurde”.

2. Feindbild Algorithmus
(zeit.de, Patrick Beuth)
In einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags ist von einem „Bedarf an weiterführenden Regelungen im Bereich der Algorithmenkontrolle” die Rede. Der scheidende Bundesjustizminister Heiko Maas forderte in der Vergangenheit bereits ein „Transparenzgebot für Algorithmen“. Patrick Beuth betrachtet auf „Zeit Online“ die verschiedenen Aspekte dieser Vorhaben. Die Sache ist nicht einfach. Schließlich betrifft es auch schwer zu kontrollierende, sich verändernde Algorithmen und selbstlernende Systeme.

3. Gesprächsaufklärung mit Drohnen
(taz.de, Lisa Ecke)
Auf die Bundeswehr-Serie „Die Rekruten“ auf YouTube folgt nun die Serie „Mali“. Allein die Werbung für die unterhaltsamen Propagandafilmchen lässt sich die Bundeswehr 4,4 Millionen Euro kosten. Bereits der Trailer der Serie stoße auf kritische Resonanz. So kritisiert die Vorstandsleiterin des Bereichs Schule der “Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft” die “verklärte Darstellung als Heldenstory und die fehlende Objektivität”.

4. Wer redet, riskiert einen teuren Prozess
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Die „SZ“ hat sich mit Paul Farhi, dem Medienexperte der “Washington Post“, über das Machtverhältnis zwischen dem Filmboss Harvey Weinstein und Journalisten unterhalten. Es geht um die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe des mächtigen “Miramax”-Mitgründers Weinstein und die Frage, ob Journalisten Weinstein indirekt geholfen hätten, die Übergriffe zu vertuschen. Farhi kritisiert insbesondere den TV-Sender NBC, der im vergangenen Jahr schon einmal im Verdacht gestanden hätte, prekäre Informationen zurückzuhalten. Damals ging es um das Video, in dem Donald Trump damit angegeben hatte, Frauen belästigt zu haben.

5. Sterne für 14,95 Euro
(faktenfinder.tagesschau.de, Kristin Becker)
Wie verlässlich sind Kundenbewertungen auf Onlineportalen? Wenn man Tests der Analyseseite „ReviewMeta“ Glauben schenkt, ist Vorsicht geboten: Bei einem untersuchten Fall hielt das Unternehmen nur 75 von mehr als 400 Bewertungen für glaubwürdig. Experten würden davon ausgehen, dass im großen Stil manipulierte beziehungsweise interessensgeleitete Bewertungen auf Online-Portalen kursieren. Diese stammen oft von kommerziellen Bewertungsverkäufern, die teilweise vom Ausland aus ihre zwielichtigen Dienste anbieten.

6. Narrativ intrinsische Dystopie: Die Welt der Modewörter
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff erzählt in seiner Kolumne von seinen drei Lieblings-Modewörtern. Auf Platz drei rangiert bei ihm das „Narrativ“. Der zweite Platz gehört dem Wort „intrinsisch“. Auf Platz eins steht bei ihm das in der deutschen Film- und Literaturkritik unentbehrliche, zukunftspessimistische Gesellschaftsszenario: „Sich ein Leben ohne Dystopie vorzustellen, ist für Rezensenten möglicherweise noch erahnbar, wird aber letztlich doch eher als weitgehend sinnlos eingeschätzt. Ohne Dystopie kriegt man das Bild auf seiner Schwafelei einfach nicht rund.“

ARD-Spiegelfechterei, Präzedenzfall, Hauswinkelspinnen-Hysterie

1. “Simple Schmähkritik”: ARD kontert dem “Spiegel”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der “Spiegel” beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe sehr kritisch mit dem öffentlich-rechtlichen System (“Die unheimliche Macht — Wie ARD und ZDF Politik betreiben”). Die ARD hat mit einer Stellungnahme reagiert, die sie mit dem Wort “Zerrspiegel” überschreibt. Alexander Krei fasst die Antwort des Senders bei “DWDL” zusammen. Weiterer Lesetipp zum Thema: “Zapp” mit “Wie der “Spiegel” Medienpolitik betreibt”.

2. #np13 – Datenjournalismus als Gegenpol zur staatlichen und kommerziellen Datenanalyse
(netzpolitik.org, Johann Stephanowitz, Video, 26:54 Minuten)
Michael Kreil arbeitet bei “Data Science and Storys”, dem Datenjournalismus-Team der Berliner Zeitung “Tagesspiegel”. Auf der “Netzpolitik”-Konferenz gab er unter dem Titel „Datenjournalismus für die Informationsgesellschaft“ einen Überblick über die Möglichkeiten von Datenjournalismus und stellte verschiedene interaktive Projekte vor. Zum Beispiel das Lobbyradar, das die Lobby-Netzwerke der Hauptstadt grafisch darstellt, oder die GSM Map, die zeigt, wie gut die Mobilfunknetze verschlüsselt sind. Sein Vortrag liegt als Video und als Audiomitschnitt vor.

3. Floskel des Monats: Schlechter Tag für die Demokratie
(journalist-magazin.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
War der 24. September ein “schlechter Tag für die Demokratie”? Ganz im Gegenteil finden die Floskel-Experten Sebastian Pertsch und Udo Stiehl in ihrer Monatsglosse: “Trotzdem war die Bundestagswahl auch 2017 wieder ein guter Tag für die Demokratie — weil die freie Wahl eines ihrer wichtigsten Merkmale ist. Selbst wenn das Ergebnis nicht jedem gefällt.”

4. Bundesnetzagentur zwingt Telekom zum Nachbessern
(zeit.de)
Die Bundesnetzagentur hat entschieden: Die sogenannten “StreamOn-Tarife” der Telekom verstoßen nur in Details gegen die Netzneutralität. Bei den Streaming-Tarifen werden datenintensive Audio- und Videodienste wie Spotify, Netflix, Apple Music, Amazon Prime und Youtube nicht auf das Datenvolumen des Vertrags angerechnet. Kritiker sehen in der unterschiedlichen Behandlung der Medientypen einen Verstoß gegen das Gebot der Gleichbehandlung allen Datenverkehrs und sprechen von einem “gefährlichen Präzedenzfall”.

5. Unsere kleine Stadt
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
“Merkurist” ist ein Web-Portal für Lokaljournalismus, das von den Zulieferungen und Vorschlägen seiner Nutzer lebt. Gegründet wurde die Plattform von Manuel Conrad, der das Projekt mit einem Team von Software-Entwicklern hochgezogen hat. Seit zwei Jahren gibt es den “Merkurist” schon, der von bezahlten PR-Texten und sonstigen Anzeigen lebt. Und Investoren, die an diese Form von Journalismus glauben.

6. Invasion! Plage! Bissig! Die alle Jahre wiederkehrende Hauswinkelspinnen-Hysterie der Online-Medien
(meedia.de)
Social-Media-Star ist derzeit die “Hauswinkelspinne” und das hat einen schlichten Grund: Im Herbst werden die Tiere am häufigsten gesehen. Da das Thema viele Klicks generiert, überbieten sich viele Online-Medien geradezu mit sensationsheischenden Beiträgen, bei denen auch fleißig voneinander abgeschrieben wird. Das Medienportal “Meedia” bleibt jedoch gelassen: “Aber wie das so ist mit Medien im Allgemeinen und Online-Medien im Speziellen. Wenn der Winter da ist, wird sich aufgrund der Temperaturen die Spinnen-Hysterie erledigt haben und das „Blitz-Eis“, bzw. der „Russen-Winter“ drohen. Und im nächste Herbst holt dann garantiert wieder jemand das Thema Hauswinkelspinne aus der Schublade.”

LKA-Löschkommando, Tödlicher Kommentar, Sallys Millionenwelt

1. Das große Löschen
(tagesschau.de, Arnd Henze)
Die Affäre um den Entzug von Presse-Akkreditierungen beim G20-Gipfel weitet sich aus: Nachdem viele der Betroffenen Aufklärung gefordert und geklagt haben, hat das LKA Berlin anscheinend einen Löschtrupp losgeschickt und Beweismittel vernichtet. Der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar: “Wenn Daten gelöscht werden, um zu verhindern, dass die Rechtmäßigkeit ihrer Speicherung überprüft wird, handelt es sich um die Unterdrückung von Beweismitteln”. Kritikwürdig ist auch das System als solches, das die Speicherung von fehlerhaften und illegalen Daten erlaubt. Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, wirf der Bundesregierung vor, einen permanenten Rechtsbruch zu akzeptieren: “Es kann nicht angehen, dass die Polizeibehörden genau darüber Bescheid wissen, wie fehleranfällig das System ist, aber keinerlei Schritte unternehmen, um diesen rechtswidrigen Zustand endlich abzustellen.”

2. Alte Schule
(taz.de, Ambros Waibel)
Vor wenigen Tagen ist der investigative Journalist und bekannte Buchator Jürgen Roth im Alter von 71 Jahren verstorben. Roth war für seine zahlreichen Bücher und Fernsehdokumentationen über die organisierte Kriminalität und die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik bekannt. Mit scharfen Worten hatte er zum Beispiel Gerhard Schröders Putin-Connection kritisiert. Ambros Waibel erinnert in seinem Nachruf an den Kollegen, dessen politische Stimme er auch vermisst: “Jürgen hätte seinen Teil beitragen können, zu dem, was man spätestens seit dem Wahlsonntag nicht mehr Erneuerung der Sozialdemokratie nennen kann, sondern fällige Neubegründung nennen muss.”

3. Millionen Nutzer sahen russische Propaganda
(zeit.de)
Im Rahmen des US-Präsidentschaftswahlkampfs wurden anscheinend rund 3.000 Anzeigen mit politischen Botschaften aus Russland auf Facebook geschaltet. Hinter den Werbeanzeigen steckt offenbar eine russische Werbeagentur, die sich die Aktion etwa 100.000 Dollar hat kosten lassen und dafür 470 Facebook-Konten verwendete. Bei Twitter passierte Ähnliches. Dort soll eine russische Mediengruppe knapp 2.000 Anzeigen oder promotete Tweets gekauft haben.

4. Ein tödlicher Kommentar
(wdr.de, Markus Bark & Robert Kempe, Video, 9:29)
Der Journalist und Menschenrechtsaktivist Rasim Aliyev aus Aserbaidschan hatte es gewagt, einen prominenten Fußballer zu kritisieren. Ein tödlicher Fehler: Er wurde in eine Falle gelockt, krankenhausreif geschlagen und verstarb im Krankenhaus unter nicht geklärten Umständen. Der Fußballer, der für den Tod des Journalisten mitverantwortlich ist, soll demnächst wieder in einem Spiel gegen Deutschland auf dem Platz stehen. Markus Bark und Robert Kempe sind dem Fall in ihrer Filmreportage nochmal nachgegangen. Ein Film, der auch das planvolle Vorgehen einer Autokratie thematisiert, die sich die mediale Zuneigung durch allerlei Investitionen in Sportevents erkauft.

5. Mogelpackung
(faz.net, Michael Hanfeld)
Was die einen “Zukunftsplan” nennen, ist für Michael Hanfeld von der “FAZ” eine “Mogelpackung”. Es geht um die Absicht von ARD und ZDF, zwei Milliarden Euro einzusparen. Das klinge zunächst nach einer großen Summe, schrumpfe aber nach näherer Betrachtung ziemlich zusammen, wie Hanfeld findet.

6. Sallys Welt: Diese Back-Youtuberin verzeichnet in ihrem Shop über 1.000 Sales täglich
(omr.com, Torben Lux)
Im Jahr 2012 stellt Saliha Özcan, genannt “Sally”, ihr erstes Backvideo auf Youtube ein, eine Backanleitung für einen Nusszopf. Fünf Jahre später ist daraus ein Youtube-Kanal mit angeschlossenem Onlineshop geworden. “Sallys Welt” hat sich zu einem Backimperium entwickelt: 30 Mitarbeiter werkeln hinter den Kulissen und kümmern sich um die 1.000 bis 1.500 täglich eingehenden Bestellungen. Für ein Wohnhaus inklusive Studioküche und ein “Innovationszentrum” will Sally sechs Millionen Euro ausgeben.

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