1. Gespaltene Erlöse, seltsame Geschäfte (sueddeutsche.de, Klaus Ott)
“ARD” und “ZDF” und weitere öffentlich-rechtliche Anstalten betreiben in München das Institut für Rundfunktechnik (IRT). Zweck der Einrichtung ist die Vermarktung von Erfindungen, Patenten und Lizenzrechten. Einem IRT-Patentanwalt ist es offenbar gelungen, bei der Vermarktung von wertvollen MPEG-Rechten über Jahre hinweg 200 Millionen Euro in die eigene Tasche zu wirtschaften. Nun beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft München I mit dem Wirtschaftskrimi.
2. Schleichwerbung bei RTL. Medienanstalt ermahnt Sender. (fair-radio.net, Sandra Müller)
Der Radiosender “RTL 104.6” hat in einem Gewinnspiel über Wochen Schleichwerbung für einen Autohersteller gemacht. Daraufhin hat sich “fair radio” mit einer Beschwerde an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg gewandt, welche den Sender nun ermahnt hat. Bei “fair radio” sieht man die Sache mit gemischten Gefühlen: Einerseits freut man sich über die relativ schnelle Reaktion, andererseits sei der zweite Kritikpunkt am Gewinnspiel außen vor geblieben. Man halte das missverständliche Gewinnversprechen ebenfalls für beanstandungswürdig. Und dieses sei von der Medienanstalt nicht gerügt worden.
3. 20 Prozent wegschneiden (taz.de, Ralf Sotschek)
Bei der britischen linksliberalen Tageszeitung “Guardian” gibt es weitere Einschnitte, denn die letzten beiden Geschäftsjahre haben dem Blatt trotz Sparkurs deftige Verluste beschert. In den letzten 12 Jahren sank die Auflage von 380.000 auf 160.000. Eine Weboffensive sorgte zwar dafür, dass der Online-“Guardian” zu den drei meistgelesenen englischsprachige Zeitungen der Welt gehört. Doch die freiwilligen Beiträge der Online-Leser reichen nicht, um das Unternehmen in die Gewinnzone zu führen. Nun will man bei der Printausgabe vom „Berliner Format“ auf das kleinere „Tabloid“-Format umsteigen, um Papier und Druckkosten zu sparen.
4. Wieviel Fernsehen darf Youtube? (tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der “Tagesspiegel” hat mit Dokumentarfilmer Stephan Lamby (letzter Film: ” Nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland”) über seine Haltung zu Youtube gesprochen: “Ich ärgere mich, wenn ein Youtube-Nutzer ohne jedes Recht und ohne Absprache in einen Film Werbung davor- und dazwischenschaltet, um Geld mit unserer Arbeit zu verdienen. Die Budgets gerade bei Fernsehproduktionen stehen nach wie vor unter Druck, die Autoren bekommen häufig ohnehin nicht das, was sie bekommen sollten. Das ist es etwas Anderes, als wenn jemand etwas auf Youtube veröffentlicht, um es nach der TV-Ausstrahlung der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Das kann in Einzelfällen eine lässliche Sünde sein, die kommerzielle Nutzung ohne Genehmigung ist es hingegen nicht.”
5. „Warum vertuscht ihr denn diesen Skandal?“ (falter.at, Florian Klenk)
Florian Klenk erklärt, warum beim “Falter” im Fall eines tödlichen Bootsunfalls nicht über den Namen eines prominenten Beschuldigten gesprochen wird: “Wir beachten den Identitätsschutz des Mediengesetzes und sehen kein öffentliches Interesse darin, den Mann, der kein öffentliches Amt mehr bekleidet, nach dem Drama auch noch an den Medienpranger zu ketten.” Mit Vertuschung habe das nichts zu tun, sondern mit Verantwortung und Persönlichkeitsschutz auch gegenüber Beschuldigten. Das unterscheide Journalismus von der “Meute im Netz”.
6. Olli Dittrich feat. Jan Böhmermann – “Life In The Streets (Journalism!)” (youtube.com, Olli Dittrich & Jan Böhmermann)
“Die Journalisten der Welt riskieren täglich ihr Leben, arbeiten eingepfercht in Käfighaltung für einen Hungerlohn – und werden dafür auch noch verachtet. Es ist an der Zeit, dass diesem geächteten Berufsstand endlich ein musikalisches Denkmal gesetzt wird!”
1. Mit Elan ins Minenfeld (spiegel.de, Arno Frank)
Die von “Arte” und “WDR” zurückgehaltene Antisemitismus-Doku beschäftigt weiter die Medien. Der “Spiegel” attestiert dem Film handwerkliche Mängel: “Es ist von keinem richtigen Journalisten zu verlangen, über gezielten Hass und traditionelle Dummheit “ausgewogen” zu berichten. Er sollte dann aber nicht fahrlässig Lücken lassen, durch die der Zweifel einsickern kann. Was stimmt, das muss auch sitzen. Seine Unschärfen sind es, mit denen der Film im Eifer des Gefechts seine eigene Haltung schwächt. Deshalb ist es kein Verdienst, dass diese Dokumentation nun über Umwege doch gezeigt wurde. Mit ein wenig mehr Arbeit hätte sie wesentlich mehr Wucht entfalten können.”
2. Wie Populismus digital funktioniert. Die Geschichte eines Tweets. (fearlessdemocracy.org, Gerhard Hensel)
“Fearless Democracy” baut eine neue Plattform auf: Für “HateAid” sucht man aktuell Menschen, die politischen Hass im Netz erlebt haben, und denen man über einen möglichen Kooperationspartner günstig juristischen Beistand zukommen lassen will. Also twitterte man “Wir suchen Opfer pol. Gewalt im Netz für ein juristisches Pilot-Projekt. Es geht um kostenfreien jur. Beistand ggü. Angriffen. Ping us.” Vor allem von rechter Seite gab es daraufhin Gegenwind, obwohl das Projekt ausdrücklich keiner politischen Richtung folge: “Reaktionen bisher, nachdem sich die halbe rechte Szene an unserem Tweet abgearbeitet hat: Null. Kein Tweet, keine Email, kein substanzielles Interesse an unserem Angebot. Auf kein einziges Gesprächs- oder Interaktionsangebot wurde bisher reagiert. Es geht ums Vorführen, Framen und ums Ersticken von allem, was nicht direkt ins eigene Weltbild passt.”
3. Der Spiegel und seine sinnlosen Mainstream-Innovationen – Ihr seid doch ein Nachrichtenmagazin! (meedia.de, Stefan Winterbauer)
Der “Spiegel” hat in letzter Zeit einige Projekte in Angriff genommen, die sich am Markt nicht durchsetzen konnten. Und neue Projekte wie eine Beilage für Luxus-Lifestyle (“S-Magazin”) seien bereits in der Pipeline. Stefan Winterbauer hält wenig von der Innovations-Offensive und rät dem “Spiegel”, sich auf seine Kernkompetenz als Nachrichtenmagazin zu konzentrieren. “Der Spiegel ist nun mal nicht Bauer oder Burda oder Gruner. Was wollen sie beim Spiegel als nächste Innovation präsentieren? Ein Heft mit Rezeptideen für den Thermomix vielleicht? Oder einen Abklatsch der Landlust? Spiegel der Frau?”
4. Einst Stimme der Unterdrückten – und heute? (deutschlandfunk.de, Sabine Rossi, Audio, 3:48 Minuten)
Nahost-Korrespondentin Sabine Rossi bescheinigt dem Fernsehsender “Al Jazeera” einen schleichenden Verfall. Früher hätte der Sender Unterdrückten eine Stimme gegeben und den klinischen Kriegsbildern der USA etwas entgegengesetzt. Heute sei vom Vorzeige-Journalismus von damals nicht viel über geblieben. Das hab viel mit dem Geldgeber zu tun: dem Emirat Katar.
5. Wenn der „Tatort“ bei YouTube verschwinden muss (welt.de, Christian Meier)
Christian Meier berichtet von einem kuriosen Rechtsstreit zwischen Youtube und der Produktionsfirma eines Dokumentarfilms. Ein Nutzer (“Revo Luzzer”) hatte den Film ungenehmigt auf das Videoportal geladen. Darauf hatte sich die Produktionsfirma bei Youtube gemeldet und um Löschung gebeten. Dem war Youtube auch nachgekommen, doch der Uploader reichte eine Gegendarstellung ein. Es läge keine Urheberrechtsverletzung vor, denn als Rundfunkbeitragszahler sei er „Miteigentümer“ des Films. Darauf gab Youtube den Film erneut frei… Das Landgericht Leipzig gab nun der Klage der Produktionsfirma gegen Youtube statt.
6. Die scheinbar Uneitlen sind oft die allerschlimmsten (sueddeutsche.de, Holger Gertz)
Der Schauspieler und Komiker Olli Dittrich gibt heute eine fiktive Journalistenlegende: “Der Meisterreporter – Sigmar Seelenbrecht wird 81” (ARD, 23.30 Uhr). “SZ”-Autor Holger Gertz kennt den Film bereits und kommt zum Urteil: “Herrlicher und sehr kluger Irrsinn.”
(Der Ausgewogenheit wegen: Hendrik Steinkuhl kommt in seiner Fernsehkritik zu einem gänzlich anderen Ergebnis: “Da ist sogar der Sat.1-Fun-Freitag lustiger” Da hilft wohl nur das eigene Urteil…)
1. Die BILD will einordnen (djv.de, Anna-Maria Wagner)
Anna-Maria-Wagner fragt sich in ihrem Kommentar, warum “arte” und “WDR” der Vorgang um die umstrittene Antisemitismus-Doku so entglitten sei. Der von den Sendern aus dem Programm genommene Film war 24 Stunden online bei Bild.de zu sehen, was die Diskussion zusätzlich befeuert hatte. “Warum genau konnten die öffentlich-rechtlichen Sender diese kritische Einordnung eigentlich nicht selbst vornehmen und die Doku zeigen? Spätestens, als der Streit über die Ausstrahlung eskalierte und dadurch befeuerte überragende öffentliche Interesse an dem Film gegeben war, hätten sie das tun sollen. Nun müssen Arte und WDR mit den nachhallenden Vorwürfen von Zensur und Bevormundung leben, während andere im Netz für ihren mutigen Journalismus gefeiert werden.”
2. Terrorberichterstattung muss sich ändern (de.ejo-online.eu, Philip Seib)
Der in Kalifornien lehrende Philip Seib beschäftigt sich in seiner Forschung mit den Auswirkungen von Medienberichterstattung auf die Außenpolitik, vor allem zu Konflikt- und Terrorismus-Themen. In seinem Beitrag wünscht er sich von den Journalisten mehr inhaltliche Tiefe. Es gäbe zwar durchaus Journalisten, die sich zu Terrorismus-Experten entwickelt hätten, aber insgesamt sei die Berichterstattung zum Thema Terror noch immer zu einseitig und zu sehr auf einzelne Anschläge bezogen: “Seit dem 11. September 2001 hat es der Journalismus nicht geschafft, mit dem Terrorismus Schritt zu halten. Er sollte dies jetzt aufholen.”
3. Digitalisierung: Verlage zwischen Theorie und Praxis (blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz fasst die Ergebnisse der neuen PWC-Studie “Media Outlook” zusammen und leitet verschiedene Erkenntnisse für Zeitungs- und Medienmacher ab: Das Stammpublikum werde immer wichtiger. Auch in der Nische gäbe es Leben, deshalb sei eine radikale Fokussierung auf eine klar definierte Zielgruppe notwendig. Stärker als bisher müsse auf eine “Unverzichtbarkeit” hingearbeitet werden. In vielen Verlagen sei das Bewusstsein, abseits des gedruckten Blatts eine Medienmarke darzustellen, nur unzureichend ausgebildet. Und schließlich sei in vielen Häusern immer noch nicht vollständig angekommen, dass die Welt endgültig den Schritt zur volldigitalisierten Gesellschaft gehe.
4. Hunderte iPhones gefunden – Polizei hebt Klickfarm in Thailand aus (spiegel.de)
Immer wieder hört man von sogenannten “Klickfarmen”, in denen eine Vielzahl schlecht bezahlter Helfer z.B. auf Onlineanzeigen klickt, um Werbeeinnahmen zu generieren. Nun wurde in Thailand eine Klickfarm von gigantischem Ausmaß ausgehoben, die weitgehend ohne Personal auskommt: Fast 500 iPhones waren in einer Konstruktion zusammengekoppelt, um vollautomatisiert Fake-Likes für Produkte zu hinterlassen oder Produkte in Chinas großem Netzwerk “WeChat” zu bewerben (Video der Apparatur in Betrieb). Außerdem wurden bei der Hausdurchsuchung 347.200 Handykarten beschlagnahmt.
5. „Wir glauben erstmal gar nichts“ (message-online.com, Chantal Alexandra Pilsl & Malte Zeller)
Malte Zeller hat Mediendokumentation studiert und anschließend als Trainee die verschiedenen Abteilungen der “Spiegel”-Dokumentation durchlaufen. Nun übernimmt er in wenigen Tagen die Leitung des Bildverifikationsteams. Pro “Spiegel”-Ausgabe überprüfe man etwa 200 Bilder. Im Interview verrät er, worauf es beim visuellen Fact-Checking ankommt.
6. Lesedauer: 100 Minuten (taz.de, Mark-Stefan Tietze)
Vielen Onlinebeiträgen wird ein Hinweis auf die veranschlagte Lesedauer vorangestellt. Mark-Stefan Tietze hat sich in der Wahrheitskolumne der “taz” mit dem Phänomen auseinandersetzt.
1. Dokumentation nr17 (netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung “Netzwerk Recherche” setzt sich für Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken ein. Einmal im Jahr trifft man sich zur Jahreskonferenz. Dieses Mal waren es mehr als 700 Teilnehmer, die an zwei Tagen in rund 120 Veranstaltungen über Probleme und Chancen der aktuellen Medienwelt diskutierten. Einige der behandelten Themen: Recherchen im Dark Net, Investigativer Sportjournalismus, Journalisten mit Migrationshintergrund und die Frage, wie Medien mit der AfD umgehen sollen (weitere Beiträge über den Link oben).
2. Regenbogenpresse empört: Wir lügen doch gar nicht immer nur! (uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Medienseite “kress.de” hat drei Chefredakteuren von Regenbogenblättern aus dem Hause “Bauer” die Möglichkeit gegeben, sich als hehre Journalisten darzustellen, die sich mit der “Königsdisziplin des Journalismus”, so die Eigenwahrnehmung, beschäftigen. Mehr oder wenige parallel hatte das “Netzwerk Recherche” den Verlagen Bauer, Burda und Funke stellvertretend für die Regenbogenpresse den Negativpreis „Verschlossene Auster“ verliehen. Mit Dialogbereitschaft steht es in diesem Segment nämlich nicht so gut, wie Medienjournalist Stefan Niggemeier durch Offenlegung eines Mailwechsels dokumentiert.
3. Wie Debatten Wahlen entscheiden (sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Marcus Maurer ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Mainz. Sein Schwerpunkt: politische Kommunikation. Die “Süddeutsche” hat sich mit ihm darüber unterhalten, warum unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren von Großthemen wie Migration und innerer Sicherheit dominiert wird und Themen wie soziale Gerechtigkeit im Wahlkampf kaum jemanden interessieren.
4. Knebelvertrag ärgert Fotografen (laut.de)
Das Schweizer Online-Magazin “Negative White” protestiert gegen die Bedingungen, die professionellen Fotografen von der Hardrock-Band “Guns N’ Roses” auferlegt werden. Und die dazu geführt haben, dass man von einem Konzertbesuch Abstand genommen hat: “Natürlich wär ich enttäuscht gewesen, dass ich nur den Anfang des Konzerts mitbekomme und den Rest des Auftritts verpasse. Aber wenn mir dann auch noch die Rechte an meinen Bildern abgesprochen werden und ich die wenigen erlaubten Bilder auch noch ein einziges Mal in schlechter Qualität publizieren soll, dann habe ich gar keine Lust mehr, diese Band überhaupt zu fotografieren.”
5. Wehrhafte Juden sieht man nicht gern (taz.de, René Martens)
Immer noch wird über die Entscheidung des Fernsehsenders “Arte” debattiert, der eine “WDR”-Doku über Antisemitismus wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht ausstrahlt. Die “taz” hat sich den zurückgehaltenen Film zwischenzeitlich angeschaut. Man könne dem Film vielleicht vorwerfen, dass er zu viel auf einmal wolle. Der teilweise sarkastische Tonfall des Films sei zwar ungewöhnlich, aber angemessen: “Man kann auf die wahnhaften Äußerungen, die der Film aufgreift, kaum nüchtern reagieren. Selbst, wenn man die sarkastischen Einsprengsel für unangebracht hielte, wäre das nur ein geschmäcklerischer Einwand, der es nicht rechtfertigt, den Film in den Giftschrank zu packen.”
6. Reich und erfolgreich durch „Pranks“? (faz.net, Niklas Záboji)
Im Dresdner “Tatort” ging es um die bunte Youtube-Welt mitsamt ihrer Stars und Sternchen. Die “FAZ” fragt: “Sind das fiktive Szenarien oder reale Abgründe – und wie läuft das Geschäft mit den jungen Internetstars?” Passend dazu: Die “taz” berichtet über eine Studie, welche die Realitätsnähe des “Tatort” untersucht. In den 34 analysierten Folgen aus dem Jahr 2015 wurden insgesamt 96 Gesetzesverstöße festgestellt.
1. Schutz vor staatlichen Hackerangriffen (reporter-ohne-grenzen.de)
“Reporter ohne Grenzen” wendet sich gegen den geplanten Einsatz von Staatstrojanern. Da keine Schutzrechte für Journalisten geplant seien, könnten Ermittler über eingeschleuste Trojaner vertrauliche Gespräche und Chats von Journalisten mit Informanten abfangen. Die Organisation dazu: „Journalisten sind auf Verschlüsselung angewiesen, um sich vertraulich mit Kollegen und Informanten auszutauschen. Die Pläne von Heiko Maas bewirken, dass es in Deutschland kein digitales Kommunikationsmittel mehr gibt, mit denen Journalisten zweifelsfrei vor Überwachung geschützt sind. Die Große Koalition muss im Gesetz klarstellen, dass Journalisten bei ihrer Arbeit nicht abgehört werden dürfen. Ein Staatstrojaner hat auf dem Handy eines Journalisten nichts verloren.“ Link zur ausführlichen Stellungnahme zur Einführung der Quellen-TKÜ und Online-Durchsuchung (PDF)
2. Ist die Herkunft von Tätern und Verdächtigen wirklich von öffentlichem Interesse? (sueddeutsche.de, David Denk)
Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Medien bei Straftaten die Herkunft des Täters nennen dürfen beziehungsweise sollen. Der Presserat hat dazu nun Leitsätze mit aktuellen Beispielen formuliert, die für schnellere und bessere Entscheidungen im Redaktionsalltag führen sollen. Ergänzend führt der Presserat aus, dass weder “Neugier” oder “Gruppeninteressen”, noch die “Nennung einer Gruppenzugehörigkeit durch Quellen, etwa durch Behörden” die Redaktionen von ihrer “eigenständigen presseethischen Verantwortung” entbinde.
Die Praxisleitlinie (Richtlinie 12.1 des Pressekodex) kann beim Presserat eingesehen werden (PDF).
3. Eine ganz andere Sicht (taz.de, Volkan Agar)
“taz”-Autor Volkan Agar stellt in einem Überblicksartikel die wichtigsten linken Medien der Vergangenheit und Gegenwart vor. Mit dabei sind der Liebling der Sponti-Szene “Pflasterstrand”, die teilweise massiv verfolgte und beschlagnahmte “Agit 883”, die autonome, feministische Zeitschrift “Courage”, das Magazin “konkret”, “analyse & kritik”, die anarchistische “Graswurzelrevolution”, das linksradikale und antifaschistische Newsportal “Indymedia”, die linke Wochenzeitung “Jungle World” und die linksalternative, österreichische Zeitschrift “malmoe”.
4. Hatespeech ist nicht, wenn Journalisten mit Kritikern skypen (broadly.vice.com, Yasmina Banaszczuk)
Was hat die “Tagesschau” mit ihrer Aktion “Sag’s mir ins Gesicht – für eine bessere Diskussionskultur im Netz” erreicht? Live wollte man sich von den Zuschauern die Meinung sagen lassen und für das Thema Hass im Netz sensibilisieren. Doch auf Hater und Trolle wartete man vergeblich, der Großteil der Anrufer trat höflich bis freundlich auf. Nicht überraschend wie Yasmina Banaszczuk im Gespräch mit Social-Media-Profis herausgefunden hat. “Ich glaube, die wahren Trolle, die wirklichen Hater, sind nirgendwo zu Wort gekommen, weil das gar nicht das ist, was sie wollen.”, befand die Journalistin Katrin Weßling. Ähnlich sah es die Autorin Ninia LaGrande. Und der Blogger Ali Schwarzer störte sich bereits an der Grundidee: “Als hätten Trolle und Hater nicht schon genug Raum, bekommen sie jetzt auch noch ein weiteres Podium.”
6. RTL2 will Werbefilme für Bundeswehr senden (deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz & Sebastian Wellendorf)
Die von der Bundeswehr für die Verteilung über Youtube produzierte Werbereihe “Die Rekruten” hat mittlerweile mehr als 44 Millionen Views. Nun hat sich “RTL2” die Fernsehrechte an der 90-teiligen Bundeswehr-Reality-Soap gesichert. Das könnte ein Fall für die Medienaufsicht werden. Die Medienjournalistin Brigitte Baetz kritisiert im Deutschlandfunkgespräch, dass Grenzen zwischen Berichterstattung und PR verschwimmen, wenn der Gegenstand der Berichterstattung selbst zum Berichterstatter wird. Im Zweifel müsse es eine Einblendung geben, die anzeigt, dass es sich um eine Art Sonderwerbeform handelt.
Im Onlinejournalismus muss es schnell gehen, und bei dem Tempo fehlt häufig die Zeit für eine saubere Recherche. In Breaking-News-Situationen, wie aktuell wegen des Anschlags in Manchester nach einem Popkonzert, muss es meistens noch schneller gehen. Und dann passieren Fehler wie dieser hier:
(Unkenntlichmachung durch uns.)
Auf der Startseite präsentierte Bild.de heute morgen eine Collage mit 25 jungen Menschen, die nach der Explosion im Foyer der Konzerthalle angeblich vermisst werden sollen. Die Quelle dafür: ein Tweet einer Privatperson.
Aus der Ferne können wir nicht sicher sagen, ob alle Jungen und Mädchen, die dort abgebildet sind, tatsächlich vermisst werden; ob sie gestern Abend bei dem Konzert von Ariana Grande waren; ob sie überhaupt in Manchester waren.
Und die Bild.de-Redaktion kann das anscheinend auch nicht. Denn bei zwei der Personen ist klar, dass sie nicht vermisst werden: das Mädchen in der obersten sowie der Junge in der mittleren Reihe.
Der Junge, der ebenfalls in der Collage auftaucht, ist ein recht bekannter Youtuber aus den USA. Unter dem Namen “TheReportOfTheWeek” veröffentlicht er regelmäßig Fast-Food-Tests. Er wird immer wieder heftig gemobbt — zum Beispiel indem Internetnutzer so tun, als gehöre er zu den vermissten Jugendlichen in Manchester. Bild.de greift sich einfach die Collage bei Twitter, in der der Junge zu sehen ist, recherchiert nicht und macht, ohne es zu wissen, beim Mobbing mit.
Der Junge hat sich inzwischen selber zu Wort gemeldet, in einem 51-sekündigen Youtube-Video. Der deutliche Titel: “I am alive”.
Auch das ist eine Folge des immer höheren Tempos im Onlinejournalismus: Menschen müssen ihren Verwandten, Freunden, Fans erklären, dass sie noch leben.
Mit Dank an Jannik S. und Peter L. für die Hinweise!
Nachtrag, 28. Mai: Obwohl offensichtlich ist, dass die Collage Personen mit dem Attentat in Manchester in Verbindung bringt, die am Tag des Anschlags nicht mal in der Stadt waren, hat es Bild.de bisher nicht geschafft, sie aus dem Artikel zu entfernen — sie ist unverändert und ohne jeglichen Hinweis online.
Inzwischen steht fest, dass auch eine dritte Person, die in der Zusammenstellung zu sehen ist, nie vermisst wurde. Der junge Mann in der mittleren Reihe ganz rechts …
Tausende Blogger, Medienleute und Netzaktivisten sind nach Berlin zur re:publica gereist, um die Themen der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Auch wir konnten dem Lockruf nicht widerstehen und sind dort. Besonders interessieren uns natürlich alle Themen, die im weitesten Sinne mit Medien zu tun haben. Deshalb haben wir aus der Vielzahl von Vorträgen die für uns interessanten Veranstaltungen des ersten Tags herausgepickt (was bei dem Überangebot nicht leicht war) und samt der offiziellen Beschreibungstexte hier aufgeführt. Vielleicht sieht man sich ja…
1. Ein Plädoyer für anständiges Community Management (Stage 2 – 11:00 bis 12:00 Uhr) (re-publica.com)
Was gutes Community Management mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat? Viel mehr als wir denken. Die Unart Nutzer öffentlich vorzuführen schadet nicht nur der Glaubwürdigkeit der dahinter stehenden Institutionen, sondern führt zu einer Verstärkung der jeweiligen Filterblasen. Warum das so ist und was wir dagegen tun können, diskutieren wir nach einer kurzen thematischen Einführung mit einer illusteren Runde von Praktikern. Wir zeigen Euch, was wir alle dafür tun können, um die Diskussionskultur im Netz wieder besser zu machen. Tanja Laub (Berater Community-Management Walkabout Media)
Ulrich Gelsen (Social-Media-Redakteur BKM)
Lutz Staacke (Head of Social Media Management Deutscher Landwirtschaftsverlag)
Vivian Pein (Vorstand Bundesverband Community Management)
2. Wie digitale Medien das Machtmonopol von Spitzensportverbänden verändern (Stage 3 – 12:15 bis 13:15 Uhr) (re-publica.com)
Digitale Medien und sportpolitische Blogs haben einen immensen Einfluss auf Veränderungen im Spitzensport. Sie können dazu beitragen, den Sportverbänden das Machtmonopol über den Spitzensport zu entreißen. Neben Bloggern müssen Spitzensportler in der Zukunft digitale Medien intensiver nutzen, um eigene Interessen durchzusetzen. Athleten sind in der heutigen Zeit nicht mehr von den traditionellen Medien abhängig und können so eigenständig über die digitalen Medien ihre Meinung äußern, Interessen vertreten und sich vermarkten. Jonathan Sachse (Reporter CORRECT!V)
Marthe-Victoria Lorenz (Geschäftsführung fairplaid)
Benjamin Bendrich (Sportwissenschaftler/ Blogger “der ball lügt nicht”)
3. Neue Player, frisches Geld: Goldene Zeiten für Film und TV? (Stage 6 – 12:15 bis 13:15 Uhr) (re-publica.com)
Online Originals für Marken und Plattformen, die Suche nach dem nächsten Superformat im TV und neue Mittel in der Filmförderung: Produzenten stellen sich für die Zukunft neu auf. Für wen brechen goldene Zeiten an? Mit welchen Erfolgsgeschichten kann das deutsche TV glänzen? Wo steht die Film- und Medienwirtschaft generell? Stefan Arndt (Geschäftsführer X Filme)
Stefan Schnorr (Abteilungsleiter Digital- und Innovationspolitik Bundeswirtschaftsministerium)
Marcus Wolter (CEO Endemol Shine)
Julia Vismann (Redakteurin, Reporterin, Moderatorin radioeins vom rbb)
4. Wie Podcasts mehr Leute erreichen können (Stage 8 – 12:15 bis 12:45 Uhr) (re-publica.com)
Podcasts und Audio im Netz könnten noch viel erfolgreicher sein: für NutzerInnen UND MacherInnen. In verschiedenen Bereichen fehlt Bewegung. Wie noch mehr Bewegung in dieses spannende Umfeld kommen kann, wird hier vorgestellt und diskutiert. Christian Bollert (Managing director detektor.fm / BEBE Medien GmbH)
5. Mit den Trollen ums Datenfeuer tanzen (Stage 3 – 13:30 bis 14:00 Uhr) (re-publica.com)
Sifftwitter, Hasstwitter, Trolltwitter. Nur drei der Labels, die für eine lose Gruppe von Accounts genutzt wird. Angeblich das Schlimmste, das Twitter zu bieten hat. Ich habe mich mit ihnen unterhalten und Netzwerkvisualisierungen erstellt, um zu verstehen, was dran ist und wie man damit umgehen kann. Es sind relativ wenige, sie haben unterschiedliche Motive und dennoch üben sie eine gewisse Macht aus. Mit Fallbeispielen wie #RasenmäherGegenSexismus, #löschDichTeilzeit und #fragDagi.
Luca Hammer (ruhefaktor/)
6. Türkei unzensiert – Meinungsvielfalt in der Türkei (Lightning Talks 2 – 13.30 bis 14.00 Uhr) (re-publica.com)
Mit “Türkei unzensiert” bietet der WDR eine mehrsprachige Plattform zur Situation in der Türkei. Ziel ist es, einen Beitrag zur Debatte und damit zum besseren Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse zu bieten.
AutorInnen und JournalistInnen aus der Türkei melden sich via Video-Messages aus der Türkei zu Wort, ExpertInnen aus Deutschland liefern weitere Perspektiven. Neben WDR-Inhalten kuratiert das deutsch-türkische JournalistInnenteam Beiträge dritter Medien und macht auch in der Türkei gesperrte Inhalte zugänglich. Schiwa Schlei (Content Chefin COSMO)
Erkan Arikan (Journalist, Reporter, Moderator, Leiter der türkischen Redaktion cos)
Bülent Mumay (FAZ & WDR Kolumnist Türkei unzensiert)
8. Fakes, Leaks und Desinformation – Verlässlicher Journalismus im Nachrichtensturm (Stage 2 – 14:45 bis 15:45 Uhr) (re-publica.com)
„Stimmt das?“ Eine einfache Frage, die doch so schwer zu beantworten ist. Vor allem im Jahr der Bundestagswahl hat diese Frage für den Journalismus eine besondere Bedeutung. Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA wurde auch mit Lügen, Leaks und Desinformation geführt. Im deutschen Bundestagswahlkampf muss mit vergleichbaren Vorfällen gerechnet werden.
Eva-Maria Lemke (Moderatorin “ZDF-Morgenmagazin” und “heute+”, Reporterin, Autorin)
Claus Kleber (Jurist, Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Moderator des ZDF-“heute-journals”)
Ralf Paniczek (Leiter Rechercheteam “#ZDFcheck17” ZDF)
9. Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung (Stage 1 – 16.00 bis 17.00 Uhr) (re-publica.com)
Language is never innocent. ~ Roland Barthes // Im Januar 2017 zog Donald Trump nach einer donnernden Wahlkampagne ins Weiße Haus ein. Die Welt hatte bis zuletzt Hillary Clinton für überlegen gehalten – „Faktencheck“ hieß die Zauberformel, die am Ende keine war. Bis heute klammern sich viele an die Hoffnung des rationalen Wählers. Elisabeth Wehling (Neuroforscherin und Linguistin)
10. Clickbait für Videocontent. Wie das Bohemian Browser Ballett Clips viral macht (Media Cube – 16.30. bis 17.00 Uhr) (re-publica.com)
Das offizielle Ballett des deutschen Internets bringt Talente aus Comedy, Musik und Online-Unterhaltung auf Deinen Browser. Als linksgrünversiffter Stachel im Arsch der Revolutionäre ist das Bohemian Browser Ballett das perfideste Propaganda-Instrument des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Scheinregierung der BRD GmbH. Wir vergiften die Köpfe der jungen deutschen Intelligenzija mit vermeintlichen “Gags” manipulieren damit aber aufs Hinterfotzigste ihre Meinung. Martin Danisch (Geschäftsführer Turbokultur GmbH)
Christian Brandes (Autor Schlecky Silberstein)
11. Journalist als Social Entrepreneur (Stage J – 18:30 bis 19:30 Uhr) (re-publica.com)
Social Entrepreneurs im gemeinnützigen Journalismus sind innovationsfreudige Vordenker*innen: Die durch die Digitalisierung gewonnenen publizistischen Möglichkeiten werden von vielen Nonprofit-Projekten gewinnbringend genutzt. Der Workshop soll die Teilnehmer*innen ermutigen und befähigen, Gründungsideen zu entwickeln und zu realisieren. Thomas Schnedler (netzwerk recherche e.V.)
Jessica Schober (Newscomer)
Günter Bartsch (Geschäftsführer netzwerk recherche)
Tabea Grzeszyk (CEO and Co-Founder hostwriter.org)
Arne Semsrott (FragDenStaat.de Open Knowledge Foundation)
12. Meme-Jeopardy (Stage 4: 20:15 bis 20:45 Uhr) (re-publica.com)
„Die Woodys“ laufen bei Euch in Dauerschleife, in Eurem Zimmer steht längst ein Harambe-Schrein und den Harlem-Shake habt ihr schon getanzt, als es noch cool war? Ihr glaubt also, Euch gut auszukennen in der Welt der Memes? Zeigt es uns und kommt zum Meme-Jeopardy! Vom Youtube-Gassenhauer bis zum undergroundigen Twittertrend – wir testen, wie ihr euch in der schönen Welt der Netzphänomene auskennt. Belohnt wird das Wissen mit hochwertigen Paarkartenspielen mit Memen (zweite Edition!). Und damit ihr nicht dümmer geht als ihr gekommen seid, gibt es zu jedem Meme ein bisschen Angeberwissen mit nach Hause. Christian Schiffer (Redakteur Bayerischer Rundfunk)
Anna Bühler (Freie Autorin PULS vom BR)
1. Wie Jimmy Wales mit dem Wikipedia-Prinzip den Journalismus retten will (wired.de, Greg Williams)
Nun sagt auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales den Fake News den Kampf an und startet eine Community-getriebene Online-Nachrichtenplattform mit dem Namen „Wikitribune“. Das neue Nachrichtenportal soll über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden: „Wenn wir News mit Community-Beteiligung machen, sollte das auch mit Community-Beteiligung finanziert werden.“
3. Der «Blick» auf den Spuren der «Schweizermacher» (medienwoche.ch, Nina Fargahi)
Die Schweizer Tageszeitung „Blick“ hat mit einer umstrittenen Aktion auf sich aufmerksam gemacht: Das Blatt forderte Flüchtlinge auf, einen „Integrationsvertrag“ abzuschließen, den man sich hat einfallen lassen. Nina Fargahi kommentiert: „Wenn das Anliegen wirklich ein einträchtiges Zusammenleben zum Ziel hat, dann sollte die schweizerische Bevölkerung als Ganzes in den Blick genommen werden, worunter auch die frisch zugezogenen Schutzsuchenden zählen. Weshalb dies hier nicht der Fall ist, lässt sich leider nur damit erklären, dass Kampagnenjournalismus auf Kosten der Schwächsten betrieben wird.“
4. Darum fahren Medien auf selbstzerstörende News ab (welt.de, Christian Meier)
Snapchat hat seine ersten deutschen Partner vorgestellt, das sind „Bild“, „Spiegel Online“, „Sky Sport“ und „Vice“. Was den Snapchat-typischen Selbstzerstörungsmechanismus der Nachrichten anbelangt, bleibt Christian Meier in der „Welt“ gelassen und abgeklärt: „Wo sich der an klassischer Zeitungslektüre geschulte Mensch weiter abmüht, sein Lesepensum der vergangenen Woche abzuarbeiten, erleichtert hier eine Art informationeller Entschlackungsmodus das schlechte Gewissen. Was nicht innerhalb von 24 Stunden angeschaut wird, ist halt weg. Die nächste Nachricht kommt bestimmt.“
5. Sächsischer Weinskandal: DNN verklagt Sozialministerium (flurfunk-dresden.de, Benjamin Kutz)
Der sächsische Weinskandal beschäftigt seit anderthalb Jahren die Medien. Nun geht es in die nächste Runde: Die “Dresdner Neusten Nachrichten” (“DNN”) verklagen das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz auf Herausgabe von Informationen. “DNN”-Chefredakteur Dirk Birgel: „Es wird Zeit, Ross und Reiter zu nennen. Das Ministerium muss endlich dem Verbraucherschutz genügen und die Namen der betroffenen Betriebe nennen. Das ist im übrigen auch im Sinne der vielen Betriebe, die sauberen Wein produzieren. Solange die schwarzen Schafe der Branche geschützt werden, liegt automatisch ein Generalverdacht auch auf allen, die keine Schuld trifft.“
6. Fast Food: Bundeswehrbung auf Pizzapackungen kostet 202.000 Euro (netzpolitik.org, Arne Semsrott)
Mehr als sieben Millionen Euro hat sich die Bundeswehr ihre YouTube-Serie „Die Rekruten“ kosten lassen. Davon entfielen 6,1 Millionen Euro auf den Werbe-Etat. Und damit auf Pizza-Kartons: Wie aus einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz auf „FragDenStaat.de“ hervorgeht, hat die Bundeswehr mehr als 200.000 Euro für mit Werbung bedruckte Pizza-Kartons ausgegeben, die man kostenlos an Pizzabäcker verteilen ließ.
1. “Satiriker analysieren Trump besser als die klassischen Nachrichten” (sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Sophia McClennen beschäftigt sich mit der Funktionsweise von Polit-Satire. Sie sieht das Medium gegenüber klassischen Nachrichtenmedien im Vorteil: Satiriker wie Stephen Colbert, Trevor Noah oder Samantha Bee hätten schneller einen klareren Standpunkt gegenüber der neuen Regierung gefunden. Im Interview mit der „SZ“ spricht sie über 24-Stunden-Nachrichtenkanäle, kritisches Denken und erklärt, warum Republikaner seltener für Satire zugänglich sind.
2. Algorithmen oder Journalisten können das Fake-News-Problem nicht lösen. Das Problem sind wir. (netzpolitik.org, Danah Boyd)
Danah Boyd ist Medienwissenschaftlerin und Sozialforscherin und seit einigen Jahren Präsidentin des „Data & Society Research Institute“ in New York. Laut Boyd liegt die Verantwortung bei der Bekämpfung von Fake News nicht nur bei den großen Unternehmen wie Google und Facebook, sondern vor allem bei uns: „Wenn wir technische Lösungen für komplexe sozio-technische Probleme suchen, können wir uns nicht einfach aus der Verantwortung stehlen und ein paar Unternehmen beauftragen, die Brüche in der Gesellschaft zu kitten, die sie sichtbar gemacht und verstärkt haben. Wir müssen zusammenarbeiten und Bündnisse mit Gruppen eingehen, die nicht unsere politischen und sozialen Vorstellungen teilen, um die Probleme anzugehen, die wir gemeinsam sehen. Die Alternative wäre ein kultureller Krieg, in dem die Unternehmen als Vermittler und Schiedsrichter fungieren.“
3. Eine Frage der Glaubwürdigkeit (taz.de, Silke Burmester)
Silke Burmester beschäftigt sich in ihrem Kommentar mit der Berichterstattung über die französischen Präsidentschaftswahlen: „ZDF-Moderator Claus Kleber und Korrespondent Theo Koll nennen Macron schon den künftigen Präsidenten. Haben die nichts gelernt?“ Den beiden Topjournalisten seien die Erkenntnisse der letzten anderthalb Jahre egal. Für sie liege die Gefahr nicht in der Destabilisierung unserer Demokratie, sondern darin, als Mann vor der Kamera kein Gewicht zu haben.
4. Sparmaßnahmen schüren Ängste (deutschlandfunk.de, Thomas Wagner, Audio: 5:24 Minuten)
Beim sogenannten “ARD-Freienkongress” haben sich einige der rund 18.000 freien Mitarbeiter getroffen, die den Funkhäusern den Großteil der journalistischen Inhalte liefern. Sorgen macht den freien Mitarbeitern vor allem die geplante ARD-Strukturreform, bei der es darum geht, Rationalisierungs- und Effizienzpotentiale zu nutzen. Die geplanten Sparmaßnahmen hätten gravierende Auswirkungen auf die journalistische Qualität.
5. Markus Beckedahl: „Facebook soll Hilfssheriff, Richter und Henker spielen“ (t3n.de, Stephan Dörner)
Markus Beckedahl beschäftigt sich als Betreiber von Netzpolitik.org seit 2002 mit netzpolitischen Themen wie staatlicher Überwachung, Open-Source-Software, Telekommunikationsgesetzen sowie schöpferischem Gemeingut und einer freien Wissensgesellschaft. Im Interview verrät er, warum Algorithmen die Demokratie gefährden — und warum er das Hatespeech-Gesetz der Bundesregierung ablehnt.
6. Dunkle Prophezeiungen im Frühstücksfernsehen – Wie Claus Strunz argumentiert | WALULIS (youtube.com, Philipp Walulis, Video: 6:13 Minuten)
Mediensatiriker Philipp Walulis setzt sich mit dem journalistischen Wirken von Claus Strunz auseinander: „Wieso er immer im Sat.1-Frühstücksfernsehen auftaucht, mit welchen Tricks er den Untergang des Abendlands herbeiargumentiert und was das alles mit Viagra zu tun hat, schauen wir uns jetzt mal an.“
David Dao wurde in den vergangenen Tagen gleich zweimal zum Opfer. Erst zerrten ihn Sicherheitsleute gewaltsam aus einem Flugzeug, dann machten sich Medien über seine Vergangenheit her, ohne dass er selbst irgendeinen Anlass dazu gegeben hätte.
Dao, ein 69-jähriger Arzt aus Kentucky, hatte ein Ticket für den ausgebuchten “United”-Flug 3411, der am Sonntag von Chicago nach Louisville ging. Doch Dao flog nicht mit. “United” wollte eigenen Mitarbeitern Plätze im Flugzeug verschaffen, bat dafür mehrere ausgewählte Passagiere, die Maschine gegen eine Geldzahlung zu verlassen, darunter auch David Dao. Als der sich weigerte, wurden Sicherheitsleute handgreiflich. Handyvideos, auf denen Dao über den Gang des Flugzeugs geschleift wird, gingen um die Welt. Dao musste ins Krankenhaus, es gibt Aufnahmen von ihm, auf denen er aus dem Mund blutet. Ein riesiges PR-Desaster für “United Airlines”.
Doch anstatt sich weiter auf das unfassbare Verhalten der Airline zu konzentrieren, verschoben einige Medien, darunter auch deutsche, ihren Fokus: Auf einmal ging es auch um David Daos Vergangenheit, ein Gerichtsverfahren gegen ihn, den Verlust seiner Zulassung als Arzt.
Damit angefangen hatte die in Kentucky ansässige Zeitung “Louisville Courier-Journal”. Recht schnell nahmen größere Medien die Meldung von Daos früherer Verurteilung auf. In Europa dürfte das Onlineportal des britischen Knallblatts “Daily Mail” zu den Ersten gezählt haben.
Am vergangenen Dienstag stiegen auch Medien aus Deutschland, der Schweiz und Österreich in die Schmierenkampagne gegen ein eigentliches Opfer ein. Bild.de berichtete über Daos “dunkle Vergangenheit”:
Stern.de machte mit:
Das Schweizer Portal blick.ch veröffentlichte einen Artikel:
Genauso derstandard.at aus Österreich:
Allein schon in der Wahl des Themas, das nichts mit dem Vorfall an Bord der “United”-Maschine zu tun hat, steckt der Subtext: Ja, klar, das ist schon ganz schön heftig, was David Dao passiert ist. Aber ein lieber Kerl war er nun auch nicht gerade. Oder etwas stärker zugespitzt: Es hat vielleicht gar nicht mal den Falschen getroffen.
Die Medien, die David Daos “dunkle Vergangenheit” für berichtenswert halten, diskreditieren mit ihren Artikeln ein Opfer einer komplett unnötigen Gewaltanwendung, indem sie einen Fall rauskramen, der über zehn Jahre zurückliegt. Dao hat damals eine Strafe bekommen, die er abgesessen hat. Er ist als Arzt wieder zugelassen. Wäre er wegen Randalierens an Bord eines Flugzeugs verurteilt worden — okay, dann könnte man das in der Berichterstattung vielleicht erwähnen. Stünde er auf einer No-Fly-List — dito. Aber nichts dergleichen ist der Fall. David Dao wurde schlicht per Zufallsprinzip von “United” als einer der Passagiere ausgewählt, die im Flugzeug Platz machen sollten. Er wurde schlecht behandelt. Er hat die Situation am Sonntag nicht selber herbeigeführt. Jetzt muss er aushalten, dass ihn Zeitungen und Onlineportale weltweit diffamieren.
Zwischenzeitlich gab es sogar das Gerücht, dass die Medien beim Wühlen nach früheren Vergehen Informationen über den falschen David Dao veröffentlicht haben. Es gibt nämlich einen anderen Arzt namens David Dao aus New Orleans. Inzwischen scheint allerdings klar zu sein: Immerhin diesen Fehler haben die Redaktionen nicht begangen. Doch es bleibt dabei: Für die Berichterstattung über das Geschehen am vergangenen Sonntag ist es völlig irrelevant, ob David Dao früher etwas Schlimmes getan hat oder nicht — niemand verdient es, so behandelt zu werden.