Suchergebnisse für ‘youtube’

Bedingungsloser Grundirrtum, Klima, Brüste nur noch mit Baby dran

1. Rheinau? Rheingau? Schnurzegau!
(tagesanzeiger.ch, Marius Huber)
Als der “Spiegel” über eine missglückte Initiative zum bedingungslosen Grundeinkommen in einem Schweizer Dorf berichtet, greift er gleich zweimal daneben: Die Redaktion bebildert nicht nur falsch, sondern benennt auch falsch. Dies sorgt nun für allerlei Spott aus der Schweiz.

2. Presserat sieht in Verwendung von Civey-Umfragen keinen Verstoß gegen den Pressekodex
(stefan-fries.com)
Im Netz gibt es ein Überangebot an Umfragen, auch befeuert durch die inflationär eingesetzten und oft sehr flach ansetzenden Fragen von Civey, die unter vielen Beiträgen von Nachrichtenseiten erscheinen. Klassische Meinungsforscher halten die Methoden der Online-Umfrageinstitute für unseriös und gefährlich (siehe dazu auch: Methodenstreit der Meinungsforschung: Was ist repräsentativ? (deutschlandfunk.de, Stefan Fries)).
Nun haben Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen eine Beschwerde beim Presserat angestrengt, sich aber eine Abfuhr eingehandelt.

3. Floskel des Monats: freiwillige Ausreise
(journalist-magazin.de)
Floskel des Monats beim Medienmagazin “journalist” ist die von der “freiwilligen Ausreise”. Aus der Begründung: “Kaum einer hinterfragt, was an der freiwilligen Ausreise denn freiwillig sein soll, wenn abgelehnte Asylbewerber ihrer Abschiebung zuvorkommen und Deutschland verlassen.”

4. 10 Fakten zum Klimawandel, die wirklich stimmen
(zeit.de, Michael Lindner & Antonia Schuster)
Aufklärung zum Thema Klimawandel hat seine Tücken: Je öfter Klimaforscher auf Klima-Mythen eingehen, desto mehr verfestigen sie sich in den Köpfen und desto mehr merken sich Leute Falschinformationen. In einem Gastbeitrag zweier Klimawandel-Experten gibt es deshalb “10 Fakten zum Klimawandel, die wirklich stimmen”.

5. Brüste nur noch mit Baby dran
(faz.net, Andrea Diener)
Ab dem 17. Dezember soll auf der Mikroblogging-Plattform tumblr keine Pornographie mehr zu sehen sein. Der Hintergrund: Apple hatte die tumblr-App aus dem App-Store geschmissen, da kinderpornografische Darstellungen durch den Filter gerutscht seien. Dies sorgt nun für einen Umbau der Plattform in Richtung “familienfreundlich”. Sexuell explizite Inhalte soll es nur noch in Textform geben dürfen.

6. Ein Siebenjähriger ist der am besten verdienende Youtube-Star
(haz.de)
Die Top Ten der Youtube-Großverdiener wird von einem Siebenjährigen angeführt, der dort Spielzeug testet. Der Kanal “Ryan ToysReview” soll aufgrund seiner Youtube-Werbeeinnahmen und anderer Einkünfte auf Einnahmen von jährlich 22 Millionen US-Dollar kommen.

Leiter-Lüge, Schnüffel-Fibel-Lüge, Palmer-Bashing-Lüge

1. “Es gibt keine Leiter”
(taz.de, Irina Angerer)
Anlässlich der Online-Kampagne #unten hinterfragt Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch im Interview die Denkweise, die hinter den Begriffen “oben” und “unten” steht: “Es ist eine komplexe Situation in einer gesellschaftlichen Struktur. Und es schwingt natürlich mit, dass die Leute die “oben” sind, schon etwas dafür getan haben, um oben zu sein. So als ob sie einen Berg erklommen hätten und eine Leistung erbracht hätten. Und diese Metaphorik sollte man immer bedenken.”

2. Die Lüge von der “Schnüffel-Fibel”
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Gibt es tatsächlich eine staatlich geförderte “Schnüffel-Fibel”, die erklärt, dass man an Zopf und Kleid beim Mädchen ein völkisches Elternhaus erkennt? “Bild” und “B.Z.” behaupten das jedenfalls, und AfD-Seiten, ein Redakteur der “Neuen Zürcher Zeitung” und Leute wie die Rechts-Influencerin Erika Steinbach springen sofort mit auf den Zug. Stefan Niggemeier räumt mit dem Unsinn auf.

Dazu auch: Gegendarstellung: Die Amadeu Antonio Stiftung ruft nicht zum Beschnüffeln von Eltern auf (belltower.news, Simone Rafael).

3. Florian Klenk: Fake? Fakt? Was darf man glauben?
(youtube.com, Video, 1:08 Stunden)
Wie hat sich der Journalismus und die politische Kommunikation in den vergangenen 25 Jahren verändert? Wer manipuliert uns? Wer informiert uns? Und wieso sind die Rechten so erfolgreich im Netz? Florian Klenk ist nicht nur Chefredakteur des österreichischen Wochenblatts “Falter”, sondern auch ein unterhaltsamer Erzähler, wie er bei der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Lehrervereins Oberösterreich beweist. In seinem Vortrag vor den versammelten Pädagogen geht es um “Fake News, Freunderlwirtschaft und Demokratie”.

4. “Tagblatt”-Chefredakteur Gernot Stegert über die Vorwürfe des Palmer-Bashings
(tagblatt.de, Gernot Stegert)
Das “Schwäbische Tagblatt” hat sich in den letzten Tagen mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und dessen öffentlich ausgetragenem Streit mit einem Studenten beschäftigt und sieht sich nun Vorwürfen des “Palmer-Bashings” ausgesetzt. Chefredakteur Gernot Stegert bezieht dazu Stellung und bietet den Leserinnen und Lesern Austausch und Diskussion an. (Höflicherweise erwähnt er nicht, dass das wirksamste Palmer-Bashing immer noch von Boris Palmer selbst vollzogen wird.)

5. Wie berichtet man vom Krieg, Frau Ramsauer?
(derstandard.at, Olivera Stajic)
Petra Ramsauer arbeitet seit fast zwanzig Jahren als Krisenberichterstatterin. In den vergangenen Jahren war sie unter anderem in Afghanistan, im Irak, im Tschad, in Mauretanien und der Elfenbeinküste. Im Gespräch mit dem “Standard” geht es um ihren Antrieb, ihre Haltung und Objektivität. Letztere hält sie übrigens für “Blödsinn”. Ihr Job sei es nicht zu schreiben: “der sagt, es ist blau, und der sagt, das ist grün. Mein Job ist es hinzufahren und zu schauen, ist es jetzt blau oder grün.”

6. Die beschränkte Weltsicht von Journalisten
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio, 4:03 Minuten)
Im preisgekrönten Dokumentarfilm “Aggregat” von Regisseurin Marie Wilke werden Aufnahmen der vergangenen Jahre zusammenmontiert, in denen es unter anderem um die Themen Migration und Rechtspopulismus geht (lesenswert dazu auch die Rezension von Severin Weiland bei “Spiegel Online”). Matthias Dell erzählt in seiner “Deutschlandfunk”-Kolumne: “Meine liebste Stelle in dem Film ist die über ein Kamerateam vom ZDF, das den SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby portraitieren will — weil man daran sehen kann, wie beschränkt Journalisten mitunter auf die Welt schauen, ohne es zu merken.”

Lösch Dich, Trecker auf der Überholspur, Christine Prayon

1. Schlechte Nachrichten. Zur dreifachen Krise des Journalismus
(arminwolf.at)
Seit 2005 verleiht die Otto-Brenner-Stiftung alljährlich die Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus. Dieses Jahr wurde die Festrede vom renommierten österreichischen Journalisten Armin Wolf gehalten, der sich zur Krise des Journalismus geäußert hat. (Wolfs Rede gibt es auch als Videomitschnitt auf Youtube.)

2. Lösch dich: Wie der Hass im Netz die Politik beeinflusst
(kooperative-berlin.de)
Der Youtuber Rayk Anders und der Journalist Patrick Stegemann haben für ihre Doku über Hater und Trolle (“Lösch dich! So organisiert ist der Hass im Netz”) gerade den Otto-Brenner-Preis gewonnen. Im Interview spricht Stegemann über digitale Meinungsbildung, bürgerliches Engagement und die Tatsache, dass sich die Medienkritik zu selten mit Youtube-Inhalten beschäftigt.

3. Die Stasi spielte mit
(zeit.de, Denis Gießler)
Denis Gießler schreibt über das Thema “Videospiele in der DDR”, und das ist nicht nur kulturwissenschaftlich, geschichtlich und politisch interessant, sondern wurde auch äußerst liebevoll grafisch gestaltet.
Weiterer Tipp: “Neuland” bei “Deutschlandfunk Kultur”. “Die sechsteilige Feature-Serie erzählt vor dem Hintergrund der Geschichte der ostdeutschen Mikroelektronik-Industrie ein Stück deutsch-deutscher Vergangenheit. Im Zusammenspiel vieler kleiner Geschichten und Beobachtungen ergibt sich ein Panorama der DDR kurz vor und nach der Wende.” Hier gibt es alle Folgen auf einer Seite.

4. Über heilige Kühe und die Grenzen der Satire
(medienblog.hypotheses.org, Natalie Berner)
Die Kabarettistin Christine Prayon ist einem breiteren Publikum als “Birte Schneider” aus der “heute show” (ZDF) bekannt. Im Rahmen einer Uni-Veranstaltung hat Prayon 90 Minuten über ihren Werdegang, ihren Antrieb, ihre Arbeitsweise und Haltungsfragen gesprochen.
Video-Tipp des “6 vor 9”-Kurators, Comedy-Highlight und Satire-Evergreen: Christine Prayon liest aus “Nussloch” von Mario Barth (youtube.com, Video, 4:21 Minuten).

5. Was wir so tun. Eine Woche unterwegs mit Fearless Democracy.
(fearlessdemocracy.org, Gerald Hensel)
Wenn die Macher von “Fearless Democracy” keine Texte schreiben, sind sie höchstwahrscheinlich auf Achse, sitzen auf Podien oder referieren zum Beispiel über digitale Medien als Propaganda- und Mobbingtools. In einem Blogpost erzählen sie von den vergangenen Veranstaltungen.

6. Mit dem Trecker auf der Überholspur
(deutschlandfunk.de, Angelika Gördes-Giesen)
Für viele überraschend: Unter den fünf meistverkauften Fachzeitschriften in Deutschland beschäftigen sich gleich zwei mit dem Thema Landwirtschaft: das “Wochenblatt” von Bauernverband, Genossenschaften und Landwirtschaftskammer sowie “Top Agrar” mit über 90.000 Abonnenten. Es ist vor allem die Mischung aus Fachinformation und Unterhaltung, mit denen die Agrarmagazine punkten.

Nuhr Verachtung, Gespräch mit dem Rechtsfluencer, Wirbellose ARD

1. Fischers kleine Presseschau: Diesel-Depression in der FAZ und Dieter Nuhrs Hohn-Gipfel in der ARD-Themenwoche
(meedia.de, Thomas Fischer)
In seiner “kleinen Presseschau” rechnet Thomas Fischer, Bundesrichter a.D., mit der Diesel-Berichterstattung der “FAZ” und dem ARD-Satiriker Dieter Nuhr ab, für den er keine guten Worte findet: “Er verhöhnt den menschenrechtlichen Gleichheitssatz, indem er ihn in sein Gegenteil verdreht und frei erfundenen Unsinn als angeblichen “Mainstream” ausgibt, dem er sich zu widersetzen behauptet. Das Prinzip der Nuhrschen Komik ist dabei immer gleich: Von oben nach unten wird Verachtung durchgereicht. Das erreicht, bei Licht betrachtet, bestenfalls das Niveau eines Karnevalsabends im AfD-Ortsverein.”

2. Der Rechtsfluencer
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
“BuzzFeedNews”-Reporter Karsten Schmehl hat sich mit einem der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland getroffen: Der 24-jährige Henryk Stöckl treibt vor allem auf Facebook und Youtube sein Unwesen, verbreitet dort falsche Behauptungen und befeuert Hass und Hetze. Schmehl ist angesichts der Aussagen des Rechtsfluencers etwas ratlos: “Auch nach einer Stunde Gespräch fällt es nicht leicht, zu beurteilen, ob Stöckl seine Falschaussagen kalkuliert oder aus Naivität verbreitet. Es bleibt unklar, ob er die Tragweite seiner Handlungen nicht versteht oder nicht verstehen will.”

3. Kritische Begleitung – Ein Blick zurück
(apabiz.de, Caro Keller)
Was für eine Herkulesaufgabe: Über fünf Jahre hat das Team von “NSU-Watch” den NSU-Prozess regelmäßig begleitet und fleißig Protokoll geführt. Mit dem Urteil würden viele die Frage verbinden: War es das wert? War die viele Arbeit sinnvoll? Caro Keller zieht Bilanz.
Hörtipp: “NSU-Watch” gibt es auch als Podcast: “NSU-Watch: Aufklären & Einmischen” (bislang 19 Folgen).

4. Google droht mit Ende für Google News wegen Plänen für Leistungsschutzrecht
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In Brüssel wollen EU-Verhandlungsführer Google zur Kasse bitten und eine europaweite Abgabe selbst auf kurze Textschnipsel durchsetzen. Als Antwort droht Google mit der Einstellung seines Nachrichtendienstes Google News in Europa. Keine leere Drohung: Als die spanische Regierung 2014 eine Abgabe auf Einnahmen aus Nachrichten-Aggregatorenseiten einführte, schaltete Google seinen Nachrichtendienst für Spanien einfach ab.

5. “Unser Bericht soll ein Weckruf sein”
(deutschlandfunk.de, Friedbert Meurer, Audio, 5:46 Minuten)
Der “Index on Censorship” prangert regelmäßig Fälle von Presse-Zensur in Europa an. In der von der EU-Kommission finanzierten Studie tauchen erwartungsgemäß Länder wie Ungarn und Polen auf, aber auch Finnland und Deutschland. Der Zensurbegriff müsse künftig weiter gefasst werden. Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke gehe diese auch von einzelnen Personen aus.

6. Wirbellose ARD
(taz.de, Jürn Kruse)
Nachdem sich AfD und Junge Union über einen “Fuck AfD”-Aufkleber in einer Folge des Rostocker “Polizeiruf 110” aufregten, knickte die ARD ein und retuschierte den Sticker. Eine falsche Entscheidung, wie Jürn Kruse in der “taz” findet: “Diese Strategie des Einknickens vor ein paar Social-Media-UserInnen kann nicht aufgehen. Kinder merken es sich, wenn sie mit Quengeln, Jaulen und Jammern durchkommen. Und der nächste Grund zur rechten Erregung kommt bestimmt. Vielleicht wenn einem Kommissar die Schleife nicht so gebunden wird, wie es AfD und Junge Union gerne hätten.”
Weitere Leseempfehlung/Hörtipp: Der Medienrechtler Christian Schertz bei “Deutschlandfunk Kultur”: “Das ist vorauseilender Gehorsam des Senders. Es gibt keine rechtliche Pflicht, bei einer fiktionalen Erzählung wie bei einem Spielfilm solch einen Aufkleber rauszunehmen.”

ORF droht Zerstörung, Y***** H******** mahnt ab, MedWatch

1. Redakteursvertreter befürchten “absichtliche Zerstörung” des ORF
(derstandard.at)
Redakteure schlagen Alarm: Dem ORF drohe die “größte existenzielle Krise seit Bestehen”. In einer Resolution beklagen sie die kontinuierliche Reduktion der journalistischen Arbeitsplätze sowie die Auslagerung von Informationsprogrammen: “Wir befürchten die absichtliche Zerstörung des öffentlich-rechtlichen Senders — über einen wirtschaftlichen und politischen Zangenangriff. (…) Währenddessen bauen die Regierungsparteien systematisch ihre PR-Stellen aus.”

2. Y***** H******** mahnt ab
(taz.de, Dinah Riese)
Die “taz” macht darauf aufmerksam, dass der Mathematikstudent Yannic Hendricks, der unzählige öffentlich über Abtreibung informierende Ärzte und Ärztinnen angezeigt hat, nun Menschen abmahnt, die seinen Namen im Zusammenhang mit diesen Anzeigen öffentlich genannt haben.
Weiterer Lesetipp: Yannic Hendricks zeigt Ärztinnen an, die gegen 219a verstoßen, aber möchte anonym bleiben (buzzfeed.com, Juliane Loeffler).

3. Ein ungutes Gefühl im Bauch
(jmwiarda.de, Jan-Martin Wiarda)
Einer Juristin wurde von der Internet-Plattform “VroniPlag Wiki” vorgeworfen, sowohl bei der Promotion als auch bei der Habilitation plagiiert zu haben. Als Medien darüber berichteten, ging die Juristin dagegen juristisch vor und bekam zunächst Recht. Der Journalist Jan-Martin Wiarda kommt bei dem Konflikt zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrecht zu keinem eindeutigen Ergebnis und befindet schlussendlich: “Ich habe keine Antworten. Nur ein ungutes Gefühl im Bauch.”

4. Neues aus dem Fernsehrat (29): Von “funk” für die Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien lernen
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Seit zwei Jahren existiert das öffentlich-rechtliche Jugendangebot “funk”. Zeit für eine Zwischenbilanz, findet Leonhard Dobusch. Als reines Online-Angebot sei “funk” in vielerlei Hinsicht wegweisend für Öffentlich-Rechtliche im Netz. Potentiale jenseits von YouTube und Facebook würden jedoch bislang nicht genutzt. Dobusch hat Ideen, wie sich das ändern ließe.

5. “Fake-Informationen bedrohen das Leben von Patienten”
(vocer.org, Nicola Kurth)
Der diesjährige #Netzwende-Award ging an das von den Wissenschaftsjournalisten Nicola Kuhrt und Hinnerk Feldwisch-Drentrup gegründete Projekt “MedWatch”, das sich für verlässliche Gesundheitsinformationen im Netz einsetzt. Warum Gesundheitsinformationen im Netz journalistische Kontrolle brauchen, erklärte Mitgründerin Kuhrt beim “Vocer Innovation Day” in Hamburg.

6. Die Financial Times hat einen Bot entwickelt, der warnt, wenn nur männliche Experten zu Wort kommen
(piqd.de, Simon Hurtz)
Bei der britischen Zeitung “Financial Times” warnt eine Analyse-Software (Bot), wenn nur männliche Experten zu Wort kommen. Der Journalist Simon Hurtz kommentiert: “Der Bot kann keine strukturellen Probleme innerhalb der Redaktionen lösen. Aber ich glaube, dass es manchmal schon reicht, daran erinnert zu werden, Frauen zu zitieren. Gerade im Alltagsstress vergisst Mann (und manchmal auch Frau) das oft, ohne dass Absicht dahinter steckt. Vielleicht kann die Financial Times den Code veröffentlichen, sodass andere Medien vergleichbare Mechanismen implementieren können.”

“Familie Porno” bei Bild.de, “Familie Porno muss ausziehen”

Im bayerischen Waldkraiburg hat eine fünfköpfige Familie eine Kündigung für ihre Wohnung erhalten, bis zum 20. November soll sie raus. Das allein ist noch nicht unbedingt der Stoff, der bei der Bild.de-Redaktion für Interesse sorgt. Nimmt man aber den Beruf der beiden Eltern dazu, sieht das schon ganz anders aus:

Screenshot Bild.de - Kündigung kurz vor Weihnachten! Familie Porno muss ausziehen - Anna (33) und Christian (37) drehen erotische Clips in ihrer Wohnung - das passt dem Vermieter nicht

Die Dreifach-Eltern, die ihre Brötchen als “Vika Viktoria” und “Bayernsepp” mit Pornos verdienen, haben die fristlose Kündigung für ihre Vier-Zimmer-Wohnung (100 qm) bekommen!

Die Vorwürfe des Vermieters: Ruhestörung und gewerbliche Nutzung. “Wir haben nicht lauter Sex als andere Mieter im Haus auch”, rechtfertigt sich Christian L. (37, gelernter Koch). “Und wenn das Hochladen von Clips schon als gewerbliche Nutzung gilt, dürfte ja auch kein YouTuber in seiner Wohnung arbeiten.”

Nun kann man von dem Vorgehen des Vermieters halten, was man will. Dass “Vika Viktoria” und “Bayernsepp” ihre Videos, mit denen sie ihr Geld verdienen, in der privaten Wohnung drehen, könnte aber tatsächlich ein Problem sein, erklärt bei Bild.de Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund:

Grundsätzlich habe der Vermieter aber nicht ganz unrecht: “Jede Tätigkeit, mit der Geld verdient wird, kann als gewerbliche Nutzung ausgelegt werden, die eine Kündigung dann rechtfertigt, wenn es hierdurch zu Beeinträchtigungen für die Nachbarn kommt.”

Bleibt noch die Frage, wie der Vermieter überhaupt rausfinden konnte, was seine Mieter hinter der Wohnungstür so treiben.

Bild.de vor zwei Wochen:

Screenshot Bild.de - Anna und Christian verdienen ihr Geld mit Porno-Filmen - Wenn die Kinder zur Schule sind, gehen die Rollläden wieder runter

Das Paar aus dem oberbayerischen Waldkraiburg (23 000 Einwohner) lernte sich vor 17 Jahren kennen — und begann 2017, zusammen erotische Clips zu drehen und sie im Internet zu teilen. Inzwischen lebt die Familie davon: SIE bekam als “Vika Viktoria” kürzlich den Venus-Award für die beste Newcomerin. ER spielt als “Bayernsepp” vorzugsweise den Klempner oder den Hausmeister. (…)

Dann werden die Rolladen wieder heruntergelassen — die 4-Zimmer-Wohnung (100 qm) verwandelt sich in ein Porno-Set

Das ist wirklich praktisch: Bei Bild.de schaffen sie mit dem einen “Bild plus”-Artikel die Grundlage für den nächsten.

Karate-Vorwurf, Verwässerter Schutz, Strategien der Kandidaten

1. Trumps perfider Umgang mit Medien
(taz.de, Peter Weissenburger)
Bei einem Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump kam es zum Eklat: Nachdem der CNN-Korrespondent Jim Acosta einige unbequeme Fragen gestellt hatte, wollte ihm eine Praktikantin das Mikrophon entwinden, was Acosta nicht zuließ. Ihm wurde danach seine Akkreditierung entzogen. Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders veröffentlichte zur Begründung einen Filmmitschnitt, der zeigen soll, wie Acosta der Praktikantin angeblich eine Art Handkantenschlag verpasst. Das Video stammt von der ultrarechten Webseite “Infowars” und wurde zur Effektverstärkung möglicherweise manipuliert.
Weiterer Lesehinweis: Bei t-online.de gibt es einen Beitrag, der nicht nur den Ablauf schildert, sondern auch die verschiedenen Videos gegenüberstellt: Weißes Haus postet Video von Verschwörungsseite.

2. Urheberrecht: Ärger im EU-Parlament über verwässerten Schutz für Künstler
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Bei der großen Urheberrechtsreform der EU ging es auch um den Schutz von Kunstschaffenden vor unfairen Verträgen und Ausbeutung. Wie sich nun herausstellt, wurden diese Passagen bei Geheimgesprächen still und heimlich gestrichen. Entsprechend sauer reagieren einige Parlamentarier. Tiemo Wölken (SPD) schreibt: “Viele Kolleginnen und Kollegen haben dem Parlamentstext am Ende nur zugestimmt, weil die Bestimmungen den Schutz der Künstlerinnen und Künstler klar verbessert haben. Eine Verwässerung dieser Bestimmungen, die der Berichterstatter Voss bereit ist im Trilog einzugehen, wird zur Folge haben, dass die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten am Ende nicht mehr zustimmen können.”

3. Nur sieben Monate nach Start: Chefredakteurinnen verlassen Watson.de – Arne Henkes übernimmt
(meedia.de, Marvin Schade)
Als der Werbevermarktungs-Riese Ströer vor sieben Monaten das Jugendportal Watson.de eröffnete, besetzte er die Chefredaktion mit zwei erfahrene Profis: Gesa Mayr kam vom “Spiegel Online”-Ableger “Bento”, Anne-Kathrin Gerstlauer stieß von “Zeit Campus” hinzu. Nun verlassen beide Chefredakteurinnen das Portal. Als Grund gibt Gesa Mayr auf ihrer Facebookseite die “unterschiedliche Auffassung der Ausrichtung der Redaktion” an.

4. Merkel-Nachfolge: Die Medienstrategien der Kandidaten
(ndr.de, Aimen Abdulaziz-Said & Sabine Schaper)
Das TV-Magazin “Zapp” hat sich angeschaut, mit welchen Medienstrategien um die Merkel-Nachfolge in der CDU gerungen wird. Vor allem Friedrich Merz gehe recht trickreich vor. Er habe sein Comeback mit Hilfe einer Frankfurter Agentur als geschickten PR-Coup gestaltet. Spahns Kandidatur sei im Vergleich zu Merz hingegen verpufft. Annegret Kramp-Karrenbauer habe anfangs im medialen Abseits gestanden. Ihre Zurückhaltung müsse jedoch kein Nachteil sein, so ein kommentierender “Spiegel”-Journalist.

5. Große Freiheit
(sueddeutsche.de, Ronen Steinke)
“Lichtblick” heißt die Gefangenenzeitung, die seit 50 Jahren aus der größten deutschen Haftanstalt in Berlin-Tegel berichtet. Vier- bis sechsmal pro Jahr schreiben hier Gefangene für Gefangene unzensiert und legen sich dabei auch schon mal mit Ministerinnen und Senatoren an. Stolze 5.000 Exemplare des “Lichtblicks” werden gedruckt und finden auch Leserinnen und Leser außerhalb der Gefängnismauern. Das Abonnement ist kostenlos, dank Werbeanzeigen von Anwälten.

6. Verschwende deine Jugend
(zeit.de, Josa Mania-Schlegel)
Ein Dokumentarfilm über eine Youtube-Clique hat den Hauptpreis des Leipziger Dok-Filmfestivals gewonnen und gleichzeitig einen Skandal ausgelöst. In “Lord of the Toys” reden die Protagonisten in einem rassistischen, rechtsextremen und menschenverachtenden Jugendslang miteinander. Worte wie “Jude” und “Schwuchtel” würden beispielsweise als alltägliche Schimpfworte benutzt. Den Filmemachern wird nun vorgeworfen, dies abgefilmt, aber nicht kommentiert zu haben.

Umfragensorge, Dessauer Fischfilet, Informationsfreiheit

1. Marktforscher fordern mehr Sorgfalt bei Berichten über Umfragen
(horizont.net, Sabine Hedewig-Mohr)
Der “Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute” hat sich in einem offenem Brief an die Medien gewandt: “Seit einiger Zeit nehmen wir mit großer Sorge wahr, dass in Zeitungen und Zeitschriften, in Radio- und Fernsehberichten sowie in der Onlineberichterstattung Umfrageergebnisse vermehrt als repräsentativ bezeichnet werden, auch wenn diese nicht repräsentativ sind. Dies ist ein unhaltbarer Zustand.”

2. Entwicklungsministerium: Löschen statt offenlegen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Als das Entwicklungsministerium eine Anfrage nach dem Terminkalender des Ministers bekam (gemäß Informationsfreiheitsgesetz), wurde dies von der Behörde verweigert. Darauf schaltete sich die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit ein. Das Ministerium reagiert. Jedoch nicht, indem es den Terminkalender zur Einsichtnahme freigab, sondern indem es ihn löschte. Nun teilt die Bundesbeauftragte für Informationsfreiheit mit, sie sei mit dem Vorgehen des Ministeriums zwar nicht einverstanden, fühle sich aber nicht mehr zuständig: Da es die Daten nicht mehr gebe, sei auch das Informationsfreiheitsgesetz nicht mehr anwendbar.

3. Haltungsfragen
(journal-nrw.de, Andrea Hansen)
“Darf ich als Journalist privat auf eine Demo gegen die AfD gehen, wenn ich auch über die Partei berichte? Wie viel Haltung kann mein Artikel enthalten, wie viel davon braucht er sogar? Und was ist das überhaupt: Haltung? Was ist Meinung, und wo ist der Unterschied zwischen beiden?” Andrea Hansens Beschäftigung mit journalistischen Haltungsfragen erscheint im aktuellen Medien- und Mitgliedermagazin des Deutschen Journalisten-Verband NRW, ist aber auch online verfügbar.

4. Trolle hetzen mit rassistischen Sprüchen gegen Rap-Video der Berliner Polizei
(motherboard.vice.com, Dennis Kogel und Sebastian Meineck)
Die Berliner Polizei hat ein Musikvideo auf Youtube veröffentlicht, bei dem es um Vielfalt, Verständigung und Miteinander geht (“KBNA – Füreinander da!”). Nun überfluten rechte Trolle den Kommentarbereich mit negativen und rassistischen Aussagen und versuchen, die Kampagne zu diskreditieren. Nach “Motherboard”-Recherchen geht dies vor allem auf ein bekanntes Forum zurück, in dem die Trolle die Aktion publik machten und koordinierten.

5. Die brasilianische Lügenfabrik
(spiegel.de, Julia Jaroschewski)
Ein Fake-News-Skandal erschüttert Brasilien. Es geht um Hunderttausende gekaufte Falschnachrichten auf WhatsApp im Wahlkampf. Sowohl Linke als auch Rechte würden im brasilianischen Wahlkampf mit schmutzigen Tricks kämpfen. Und der findet zunehmend auf WhatsApp statt: Brasilien ist für den Messengerdienst weltweit einer der größten Märkte und zur wichtigsten Onlinefront im Wahlkampf geworden.

6. “Feine Sahne Fischfilet” – Theater nimmt Ausladung zurück und entschuldigt sich
(mz-web.de)
Es gibt Bewegung in der Causa “Feine Sahne Fischfilet”, zumindest an einer Stelle: Das Anhaltische Theater in Dessau hat seine Konzertabsage zurückgezogen und sich bei der Band offiziell entschuldigt: “Nach der heftigen öffentlichen Diskussion hat die Theaterleitung verstanden, dass der Diskurs über Kunst nur geführt werden kann, wenn die Kunst sich unbedingt in aller Freiheit präsentieren kann.” Währenddessen hält die Stiftung Bauhaus Dessau weiter an ihrer Absage fest.

Der Fall Khashoggi, Ziemlich Tauber Tweet, Beredtes Schweigen

1. Fakten, Gerüchte, Schauermärchen
(spiegel.de, Dominik Peters)
In der Affäre um den in der saudischen Botschaft verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi wurden und werden nach und nach Details bekannt. Die Quellen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, es herrschen die verschiedensten Interessenlagen. Dominic Peters berichtet, was amerikanische und türkische Medien bislang veröffentlichten und ordnet die Lage ein.
Weiterer Lesehinweis: “Zapp” hat den Autor und Chefredakteur des Magazins “Zenith — Zeitschrift für den Orient”, Daniel Gerlach, zum Fall Khashoggi interviewt. Dieser geht auch auf die Medienstrategie Saudi-Arabiens ein: “Es entsteht der Eindruck, dass sich die saudischen Informationskampagnen sehr am russischen Beispiel orientieren, das aber wesentlich weniger professionell. Die Russen benutzen Kontra-Propaganda und Gegen-Narrative ja nahezu perfekt, um westliche Narrative, Erzählmuster, zu hinterfragen.”
Und im “Tagesspiegel” kommentiert Christian Böhme das Schweigen Europas: Der Westen duckt sich im Fall Kaschoggi kläglich weg.

2. Beredtes Schweigen
(twitter.com/marcusengert)
Als politischer Reporter bei “BuzzFeed News” Deutschland ist Marcus Engert darauf angewiesen, dass ihm Pressestellen von Behörden und Organisationen Auskunft erteilen. Die Zusammenarbeit mit den Presseverantwortlichen gestaltet sich jedoch hakelig: “Wir erleben immer öfter PressesprecherInnen, die enormen Aufwand darauf verwenden, nicht mit der Presse zu sprechen. Die Antworten schicken, mit denen sie auf keine der gestellten Fragen antworten.” Anhand eines Screenshots erklärt Engert einen typischen Fall und denkt über eine mögliche Lösung nach.

3. Rommel mit Widerstand verbunden?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Peter Tauber (CDU) ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium und twitterte am Wochenende eine Art Gedenktweet in die Welt hinaus: “Heute vor 74 Jahren starb Erwin Rommel, von den Nazis zum Selbstmord gezwungen.” Tauber betrachtet Hitlers Lieblingsgeneralfeldmarschall Rommel augenscheinlich nicht als Nazi, sondern als eine Art Widerstandskämpfer. Dem geht der ARD-“Faktenfinder” nach und befindet: “Dass Rommel “seine Rolle auch im Widerstand” hatte, beziehungsweise mit dem Widerstand verbunden gewesen sei, ist keineswegs bewiesen, sondern unter Historikern höchst umstritten.”
Auf die Kritik bei Twitter reagierte Tauber übrigens mit einer, nun ja, interessanten Volte: “Freue mich über die ganzen Linken, die durch ihre Tweets offenbaren, dass sie in Wahrheit Popo an Popo mit den Nazis stehen.”

4. Mit Filtern gegen Kinderpornos
(taz.de, Christian Rath)
Im Oktober 2017 trat das Gesetz zur Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (NetzDG) in Kraft, nach dem rechtswidrige Inhalte von den Plattformbetreibern binnen sieben Tagen entfernt werden müssen, “offensichtlich rechtswidrige” Inhalte sogar binnen 24 Stunden. Wie hat sich das Gesetz auf Youtube ausgewirkt? Ist es zum befürchteten “Overblocking” gekommen? Christian Rath hat für die “taz” hingehört, was eine Google-Juristin bei einer Veranstaltung im Mainzer Abgeordnetenhaus dazu gesagt hat.

5. Diskutieren wir, statt uns zu beleidigen!
(faz.net, Stephan Stach)
Wie steht es um die Pressefreiheit in Polen? Nicht sonderlich gut, wie Stephan Stach in der “FAZ” erklärt. Er schickt sarkastisch voraus: “Was Intoleranz angeht, ist die Publizistik in Polen anderen Ländern voraus.” Wer “falsche” Ansichten äußert oder Witze über die Regierung macht, werde entlassen: “Die politische Linie erhält Vorrang vor der Debatte. Weichen Redakteure von der jeweiligen politischen Linie ab, gilt das schnell als Verrat.”

6. Er tut es wieder: Fake-Restaurantbesitzer veräppelt Medien mit Doppelgänger
(watson.ch)
Nachdem Oobah Butler es geschafft hat, bei Tripadvisor ein von ihm erfundenes, nicht-existentes Restaurant mittels falscher Bewertungen auf Platz eins zu hieven, ist er ein gefragter Ansprechpartner der Medien. Zu den Interviews schickte er irgendwelche ihm ähnlich sehenden Menschen. Und keiner merkte etwas.

Kurz korrigiert (517-521)

Bei “Zeit Online” haben sie neulich das Kunststück hinbekommen, einen offensichtlichen Fehler nicht zu korrigieren, dabei aber ganz im Sinne der Transparenz zu behaupten, ihn korrigiert zu haben.

In einer Reportage über den Ort Schwarzenberg im Erzgebirge, in dem vor einer Weile eine schwarze Puppe mit einer Schlinge um den Hals von einer Brücke hing, standen diese zwei Sätze:

Schon einmal wurde in Sachsen eine Puppe aufgeknüpft. 1996 hing sie von einer Autobahnbrücke in Jena, gekennzeichnet mit einem Davidstern. Aufgehängt hatte sie Uwe Böhnhardt, eines der späteren Mitglieder des NSU.

Während Schwarzenberg tatsächlich in Sachsen liegt, liegt Jena in Thüringen — die in der “Zeit”-Reportage hergestellte Wiederholung von an Brücken aufgeknüpften Puppen in Sachsen passt also nicht so ganz. Im Kommentarbereich wiesen Leser die Redaktion auf den Fehler hin, worauf “Zeit Online” reagierte. Nun steht am Ende des Artikels:

Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Version dieses Textes schien es so, als läge Jena in Sachsen. Es liegt aber in Thüringen. Wir haben das online korrigiert. Die Redaktion.

Das ist sehr vorbildlich. Bloß stimmt “Wir haben das online korrigiert” nicht. Die Stelle im Text lautet nun nämlich:

Schon einmal wurde in Sachsen eine Puppe aufgeknüpft. 1996 hing sie von einer Autobahnbrücke, gekennzeichnet mit einem Davidstern. Aufgehängt hatte sie Uwe Böhnhardt, eines der späteren Mitglieder des NSU.

Die Redaktion hat einfach “in Jena” gestrichen, wodurch “in Sachsen” allerdings nicht richtiger wird.

Völlig anderes Thema, aber geographisch genauso falsch: dieser Satz von Bild.de in einem Beitrag zum “längsten Langstreckenflug der Welt”:

Der Flug von Singapur nach New York, der bei guten Wetterbedingungen planmäßig 18 Stunden und 45 Minuten dauern soll, löst den bisher weitesten Langstreckenflug ab: Qatar Airways fliegt in 17 Stunden und 40 Minuten von Auckland in Australien nach Doha.

Auckland ist die größte Stadt Neuseelands und hat mit Australien nichts zu tun, selbst wenn CNN und Rapper das behaupten.

Mit dem Taschenrechner können “Bild”-Mitarbeiter mindestens genauso schlecht umgehen wie mit Google Maps. Zum Abschneiden der SPD bei den bayrischen Landtagswahlen verrechnete einer von ihnen:

Mit Spitzenkandidatin Natascha Kohnen (50) verzeichnete die SPD ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Mehr als 50 Prozent der Stimmen haben die Sozialdemokraten verloren.

Nee. Bei der Bayernwahl 2013 bekam die SPD insgesamt 2.437.401 Stimmen. Bei der Wahl am Sonntag waren es laut vorläufigem Ergebnis 1.317.942, also 1.119.459 Stimmen weniger. Das sind nicht “mehr als 50 Prozent” weniger, sondern 45,9 Prozent weniger.

Und zum Schluss noch ein Hinweis an “Bild”-Chefreporter Peter Hell, bevor er das nächste Mal ein Video bei Twitter per Retweet verbreitet …

Screenshot des Retweets von Peter Hell - Indonesia. Few Seconds before Tsunami when it hits

… das scheinbar den Tsunami in Indonesien Ende September dieses Jahres zeigt: Es handelt sich um Aufnahmen von 2011 aus Japan (ab Minute 1:26).

Mit Dank an Sebastian M., Joshua R., Sven W., Timo R. und Roland W. für die Hinweise!

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