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The KKK Took My Symbolbild Away

Wie gestern bekannt wurde, ist der rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan auch in Nordrhein-Westfalen aktiv.

Darüber berichtet auch das Internetportal der WAZ-Gruppe, “Der Westen”:

Rechter Geheimbund Ku-Klux-Klan ist auch in NRW: Mitglieder des Ku-Klux-Klans bei einem Auftritt im US-TV. Ableger des rechten Geheimbundes soll es nach Angaben des Verfassungsschutzes nun auch in NRW geben.

Nun ist in den USA ja vieles denkbar. Aber dass Mitglieder des Klans dort im Fernsehen “auftreten” – und dabei … nun ja: tanzen – sollte doch zu Denken geben.

Tatsächlich ist das Foto ein Szenenbild aus dem satirischen Musical “Jerry Springer: The Opera”, das zwar auf den US-Talker Jerry Springer anspielt, aber kein “US-TV” ist.

Die Bildbeschreibung bei AFP lautet dann auch entsprechend:

Mitglieder des Ku-Klux-Klan-Tanz-Ensembles proben für “Jerry Springer The Opera” im Sydney Opera House am 21. April 2009. Nach Erfolgen in London und New York eröffnet die erfolgreiche, preisgekrönte Produktion mit einer achtköpfigen Band und 21 Tänzern, die auf der Talkshow von Jerry Springer basiert, ihre australische Spielzeit vom 21. bis zum 26. April.

(Übersetzung von uns.)

Mit Dank an Johannes K. und Stefan M.

Nachtrag, 15.15 Uhr: Der “Westen” hat sich transparent korrigiert und das Foto ausgetauscht.

Cinema, Krautreporter, GEMA

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Seriencheck wird zum Offenbarungseid der ‘Cinema'”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath prüft nach, was die Zeitschrift “Cinema” als Serienhighlights 2013 einstuft. “Nach 14 Seiten Titelstory mit 36 vorgestellten Serien ist das Ergebnis ernüchternd. Nur über 13 der Serien lässt sich verlässlich sagen: Sie sind US-Serienhits.”

2. “Das Amalgam”
(faz.net, Volker Zastrow)
Gab es bei der Landtagswahl in Niedersachsen eine Zweitstimmenkampagne der CDU? Nein, schreibt Volker Zastrow, “es geht um die gute alte Manipulation. Die Analysen sind gar keine, sie geben sich nur als solche aus. Ins Gewand der Objektivität haben sich politische Forderungen gekleidet: Der Punkt, auf den sie sich richten, liegt nicht in der Vergangenheit (die Niedersachsenwahl), sondern in der Zukunft (die Bundestagswahl). Gemeinsames Interesse aller, die solche Analysen nicht einfach nur nachplappern oder abschreiben, sondern absichtsvoll in die Welt setzen: Die FDP soll im Bund nicht so stark werden wie in Niedersachsen.”

3. “Dschungeltexter Jens Oliver Haas: ‘Ein Jahr Pause wäre jetzt gut für das Format'”
(stefan-niggemeier.de)
Jens Oliver Haas, Autor der Moderationstexte der RTL-Sendung “Ich bin ein Star – holt mich hier raus”, im Interview. “Der Dschungel lebt zum größten Teil nicht von den Prüfungen und Schatzsuchen, sondern von dem, was zwischen den Kandidaten passiert und sich entwickelt.”

4. “Interview mit Sebastian Esser zum Start der Plattform Krautreporter”
(medialdigital.de, Ulrike Langer)
Ulrike Langer befragt Sebastian Esser zum Start von Krautreporter.de.

5. “Hummels: ‘Ich habe mit keiner Silbe das
Spielsystem der Nationalmannschaft kritisiert'”

(bvb.de)
Mats Hummels vermisst in einer Vorabmeldung des “Focus” einen “entscheidenden Satz”.

6. “GEMA versus YouTubes Top 1000”
(apps.opendatacity.de)
Über 60 Prozent der 1000 weltweit meistgesehenen YouTube-Videos sind in Deutschland nicht verfügbar, “weil YouTube davon ausgeht, dass die Musikrechte ‘möglicherweise’ bei der Musikverwertungsgesellschaft GEMA liegen.” Siehe dazu auch “Über unsere App: GEMA versus YouTubes Top 1000” (datenjournalist.de).

Talks, Wulffs und unaufmerksame Zeitungsleser

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

Bis zum 11. Januar gibt es hier ein ungewöhnliches Experiment: BILDblog und die Deutsche Journalistenschule organisieren die Urlaubsvertretung von Ronnie Grob – Schüler der 50sten und 51sten Lehrredaktion der DJS werden in den nächsten Tagen täglich sechs besondere Links auswählen und im BILDblog und auf djs-online.de vorstellen. Heute ausgewählt von Anne-Nikolin Hagemann und Christina Metallinos.

1. Ich will auch auf die Liste
(Der Tagesspiegel, Harald Martenstein)
Jakob Augstein belegt in der weltweiten Antisemiten-Top-Ten des Simon-Wiesenthal-Zentrums Platz 9 [Nachtrag: Naja, genau genommen nicht]. Wenn er wirklich Deutschlands gefährlichster Antisemit sein soll, wäre das ein prima Zeugnis für das Land, findet Harald Martenstein. Und fragt sich, warum er selbst es eigentlich nicht auf die Liste geschafft hat.

2. Ruhet in Frieden
(Spiegel Online International, Bernhard Zand)
Fünf obdachlose Jungen in China sterben in einer Mülltonne. Spiegel-Korrespondent Bernhard Zand berichtet – trotz Einschüchterungen, Beschattungen und einem Einbruch in sein Hotelzimmer, bei dem Fotos und Aufzeichnungen verschwinden. Chinas designierter Staatspäsident Xi Jinping lobt derweil seine “Freunde von der Presse” für ihr “Engagement”.

3. Journalismus in Zeiten der Krise
(W&V, Thomas Forster)
Im Interview mit W&V spricht der Leiter der Deutschen Journalistenschule, Jörg Sadrozinski, über sinkende Bewerberzahlen an seiner Schule, neue Schwerpunkte im Lehrplan und den Journalismus in der Krise: „Kein Bäcker würde seine Ware verschenken – aber genau das tun wir.“

4. Die Talkrepublik
(Universität Koblenz-Landau)
Erwartbare Debatten, die immergleichen Gäste und wenig Substanz: In ihrer Analyse deutscher Talkshows liefern 35 Studenten der Universität Koblenz-Landau einen bemerkenswert umfassenden Überblick über Shows und Funktionsweisen und zeigen, wie die perfekte Talkshow aussehen sollte.

5. Wulff-van-der-Vaart-Doppelbelastung zu viel für Bild
(Der Postillon, dpo)
Die Wulffs und van der Vaarts führen zu Personalmangel bei der BILD, die nach “Postillon”-Meldung deshalb gleich das Politikressort schließen muss. Beim Gedanken an die ausführliche Berichterstattung anderer Medien über die beiden Trennungen bleibt einem das Lachen jedoch fast im Halse stecken.

6. Six things you can miss while reading a newspaper
(YouTube, Belgische Zeitungsverleger)
Krise hin, Krise her: Zeitung fesselt nach wie vor, wie dieser Spot belgischen Zeitungsverleger zeigt.

ACTA, Hashtag und das Internet in den 90ern

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

Bis zum 11. Januar gibt es hier ein ungewöhnliches Experiment: BILDblog und die Deutsche Journalistenschule organisieren die Urlaubsvertretung von Ronnie Grob – Schüler der 50sten und 51sten Lehrredaktion der DJS werden in den nächsten Tagen täglich sechs besondere Links auswählen und im BILDblog und auf djs-online.de vorstellen. Heute ausgewählt von Anne Hemmes und Martina Kix.

1. Transparenz im Kriminalfall
(CNN, CNN-Staff)
In Steubenville, Ohio sollen Footballspieler eine 16-Jährige vergewaltigt haben. Um die Fakten von Behauptungen zu trennen, hat die Stadt eine Website angelegt, auf der Ermittlungsergebnisse zum Fall öffentlich gemacht werden sollen.

2. Das “Schweizer-Taschenmesser für Twitter”?
(Agentur Gerhard, Reinhardt Neuhold)
Die neue “Kontext-Suchmaschine” “tame” soll einen Überblick über die wichtigsten Themen der letzten 24 Stunden ermöglichen. “Gerade für Journalisten scheint tame ein wertvolles Instrument zu sein, das eine schnelle Navigation durch die Informationsflut erlaubt.”

3. Wie damals in den 90ern
(RPO, André Nobielski)
Ein kleines Internet-Museum hat RPO-Autor André Nobielski zusammengestellt: The Restart Page simuliert bekannte Neustarts von Betriebssystemen aus den 90ern und Geocitiesizer lässt Websites aussehen, als wären sie von einem 13-Jährigen im Jahr 1996 programmiert.

4. Hashtag Wort des Jahres
(mashable.com, Seth Fiegerman)
Nachdem Ende 2012 eine Mutter ihr Kind noch # nennen wollte, ist der Begriff jetzt von der American Dialect Society zum Wort des Jahres gewählt worden und schlägt damit “Gangnam Style”.

5. Philipp Rösler: FDP hat ACTA verhindert
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Philipp Rösler hat auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart gesagt, die FDP habe ACTA verhindert. Markus Beckedahl hat diese Aussage im Faktencheck überprüft.

6. Tanzende Mädchen
(YouTube, Norman Palm)
Statt Katzenvideos.

Terroristen, Andrew Sullivan und Silvester

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

Bis zum 11. Januar gibt es hier ein ungewöhnliches Experiment: BILDblog und die Deutsche Journalistenschule organisieren die Urlaubsvertretung von Ronnie Grob – Schüler der 50sten und 51sten Lehrredaktion der DJS werden in den nächsten Tagen täglich sechs besondere Links auswählen und im BILDblog und auf djs-online.de vorstellen. Heute ausgewählt von Daniel Schrödel und Hakan Tanriverdi.

1. Wer kritisch berichtet, landet hinter Gittern
(F.A.Z., Carl-Eugen Eberle)
In der Türkei unterscheidet die Justiz nicht zwischen Terroristen und Journalisten, die über Terrorismus schreiben. 72 Journalisten sind dort in Gefängnissen eingesperrt. Sie sind Opfer einer umstrittenen Antiterrorgesetzgebung.

2. 2013: Six Tech & Media Stories to Watch
(Time, Sam Gustin)
Das TIME-Magazine über wichtige “Technik und Medien”-Themen 2013: Rupert Murdochs Ambition im Sportfernsehen, 3D-Drucker und das Ende des Patentkriegs zwischen Google, Apple und Samsung.

3. New Year, New Dish, New Media
(The Daily Beast, Andrew Sullivan)
Andrew Sullivan hat lange Jahre für US-Medien wie “The Atlantic” und “The Daily Beast” gebloggt. Jetzt hat er sich dazu entschieden, seinen Blog – den er zusammen mit Patrick Appel und Chris Bodenner betreibt – bezahlpflichtig zu machen. Keine Werbung soll es geben, 19.99 pro Jahr sollen die Nutzer zahlen. “Hence the purest, simplest model for online journalism: you, us, and a meter. Period. No corporate ownership, no advertising demands, no pressure for pageviews … just a concept designed to make your reading experience as good as possible, and to lead us not into temptation.”

4. Zeitungen zwischen Anspruch und Realität
(meedia.de, Peter Littger)
In der Krise offenbaren Zeitungen ihr Selbstverständnis, schreibt Peter Littger. Sie halten sich für systemrelevant und übersehen dabei, dass sie in einem Wettbewerb stehen, den sie nie gewinnen können: Mit den Öffentlich-Rechtlichen. Am Ende des Artikels gibt der Beratungsunternehmer fünf Reformvorschläge für das Jahr 2013.

5. Silicon Valley vs. Brüssel: Warum bisher kein wichtiger Internetdienst in Europa entstanden ist
(Berliner Gazette, Nicolas Kayser-Bril)
Internet-Startups aus Europa haben viele gute Ideen. Der Datenjournalist und Programmierer Nicolas Kayser-Bril schreibt, warum sie sich trotzdem international nicht durchsetzen.

6. Silvester in Neukölln
(YouTube, Video)

Nostradamus, Twitter und Cannabis

6 vor 9

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Bis zum 11. Januar gibt es hier ein ungewöhnliches Experiment: BILDblog und die Deutsche Journalistenschule organisieren die Urlaubsvertretung von Ronnie Grob – Schüler der 50sten und 51sten Lehrredaktion der DJS werden in den nächsten Tagen täglich sechs besondere Links auswählen und im BILDblog und auf djs-online.de vorstellen. Heute ausgewählt von Charlotte Haunhorst und Julius Lukas.

1. “Liveblog zum Weltuntergang 2012”
(Science Blogs, Florian Freistetter)
Florian Freistetter bloggt live über den nicht stattfindenden Weltuntergang. Dazu wird mit obskuren Verschwörungstheorien abgerechnet: “Zur Zeit macht die Geschichte die Runde, das Nostradamus prophezeit hätte, die Welt würde untergehen, wenn das Video von ‘Gangnam-Style’ eine Milliarde Aufrufe bei YouTube hätte. (…) Angeblich soll Nostradamus folgendes geschrieben haben: ‘Vom stillen Morgen wird das Ende mit einem tanzenden Pferd kommen, wenn die Zahl der Kreise neun beträgt.’ (…) Klingt beeindruckend konkret, oder? Und deswegen kann es nur ein Fake sein. Denn Nostradamus Prophezeiungen sind viel, aber nie konkret.”

2. “Entwicklungsland Deutschland: Bei sozialen Netzwerken zwischen Mexiko und Tunesien”
(Wirtschaftswoche, Michael Kroker)
46% der Deutschen verweigern sich sozialen Netzwerken. In Tunesien sind es nur 7%.

3. “Jill Abramson Explains The Digital Strategy Of The New York Times”
(San Francisco Chronicle, Video, 6:04 Minuten, Englisch)
Die Chefredakteurin der “New York Times” erzählt von den Veränderungen durch den neuen Newsroom ihrer Zeitung. “The focus and energy of the newsroom in the past was a little bit too much focused on the print product”, so Abramson.

4. “Twitter übergibt Nutzern persönliches Archiv”
(Zeit Online, Patrick Beuth)
Die 500 Millionen Nutzer von Twitter können in Zukunft ihre Tweets archivieren. Auch Forschern bietet die Funktion neue Möglichkeiten.

5. “Rolf-Dieter Krause ist ‘Journalist des Jahres 2012′”
(medium magazin)
Der Leiter des ARD-Studios in Brüssel wurde von einer 70-köpfigen Jury ausgewählt. In der Begründung heißt es: “Zudem nimmt er auch im Brüsseler EU-Apparat kein Blatt vor den Mund, kämpft für eine freie, unbeeinflusste Berichterstattung und gegen EU-PR.”

6. “Schon die Tora kennt Cannabis”
(Jüdische Allgemeine, Chavie Lieber)
Kiffen ist koscher — das zumindest sagt Yosef Needleman. In seinem Buch “Cannabis Chassidis” beschäftigt er sich mit dem bisher ungeklärten “jüdischen Zugang zu Cannabis”.

Hinweis/Korrektur: Ursprünglich hatten wir “Cannabis” nur mit einem “n” geschrieben, das ist jetzt korrigiert.

Do they know it’s Band Aid at all?

Wenn Sie in den letzten Tagen im Internet unterwegs waren, kennen Sie dieses Video vermutlich schon:

Auch bei Bild.de stellten sie ihren Lesern das “witzige Web-Video” schon am Freitag vor.

Und schrieben dazu:

“Now the tables have turnt” – Die Vorzeichen haben sich geändert

Das ist die Botschaft eines viralen Videos passend zur Weihnachtszeit. Schwarze Musiker singen darin im Chor einen Charity-Song wie einst Michael Jackson, Springsteen & Co. bei Band Aid mit ihrem “Heal the World”.

Na ja, fast. Bei “Band Aid”, dem ersten Benefiz-Projekt dieser Art, hatten 1984 überwiegend britische Musiker den Song “Do They Know It’s Christmas?” aufgenommen. “Michael Jackson, Springsteen & Co.” waren aber nicht dabei, sie sangen 1985 bei “USA for Africa” mit. Und ihr Song war auch nicht (Michael Jacksons Solo-Hit) “Heal the World”, sondern “We Are The World”.

Andererseits sind sie bei Bild.de ja nicht mal in der Lage, die Untertitel des Videos korrekt abzutippen:

Mit Dank an Matthias.

Bild.de sagt weniger als 1000 Worte

Es ist ja nie so, wie es scheint. Bild.de schreibt zum Beispiel:

Eigentlich ist Pop-Sternchen Miley Cyrus (19) für ihre Fan-Nähe bekannt. Doch ein neues Foto beweist das Gegenteil.

Das Foto, so Bild.de, zeige die Schauspielerin und Sängerin am Mittwochabend mit dicken Strickpulli und mit blonder Kurzhaar-Frisur an einem New Yorker Flughafen.

Das allein wäre aber wohl selbst für Bild.de noch zu unspektakulär und würde auch vergleichsweise wenig “beweisen”.

Geht aber noch weiter, bzw. los:

Als ein weiblicher Fan ihr folgt, straft Miss Cyrus das junge Mädchen mit angewiderten Diven-Blick ab. Ihr abwertender Gesichtsausdruck sagt mehr als Tausend Worte! Dazu hebt sie noch die Hand, als wolle sie sagen: “Wage es nicht, mich anzusprechen!”.

Der Teenager, der bestimmt nur ein Autogramm oder ein schnelles Foto wollte, ist sichtlich verstört: Das Mädchen weint, hält sich schützend die Hände vors Gesicht, als könne sie Mileys Reaktion nicht fassen.

Wenn Sie die Szenerie jetzt noch nicht vor Augen haben, zeigt Bild.de sie natürlich auch noch mal gerne — sie sagt ja auch “mehr als tausend Worte”:

Hier zeigt Miss Cyrus ihrem Fan die kalte Schulter. Wenn Blicke mehr sagen, als tausend Worte: Miley Cyrus will offensichtlich nicht mit diesem Fan reden

Und jetzt schauen wir uns dieses “Beweis”-Foto mal im Kontext und aus einer anderen Perspektive an (die entscheidende Stelle kommt nach etwa 27 Sekunden):

Das Mädchen weint also schon vorher vor lauter Aufregung, “Mileys Reaktion” bezieht sich darauf.

Klar: Als Fan wünscht man sich eine andere Begegnung mit seinem Idol. Aber was Bild.de angeht: Manchmal würden ein paar Dutzend Worte halt doch mehr sagen als ein Blick.

Mit Dank an Nicole M.

Die Zeit, Mediaset, Sport1

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Medienvielfalt selber machen – was die Zeitungskrise mit Blogs zu tun hat”
(metronaut.de, John F. Nebel)
John F. Nebel erinnert daran, dass Medienvielfalt nicht nur von Verlagen abhängt, “deren Print-Tageszeitungen abschmieren, sondern der Auswahl diverser, verfügbarer, spannender, lesbarer, hörbarer, konsumierbarer Medien insgesamt. (…) Qualität gibt es, wenn Leute Zeit, Muße und Begeisterung in den Inhalt stecken können. Und dann braucht es Leser, bei denen gute Inhalte Enthusiasmus und den Griff zum Geldbeutel auslösen.”

2. “Auf den Hund gekommen: Der Wärmestuben-Journalismus der ‘Zeit'”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier liest die aktuelle “Zeit” mit dem Titelthema “Wie guter Journalismus überleben kann”: “Mich hat diese hilflos-verzweifelt-verklärende Flucht ins Pathos unter dem Sinnbild des süßen gephotoshoppten Hundes heute depressiver gemacht als alle aktuellen Untergangs-Nachrichten von Print-Medien.”

3. “Verstöße gegen Gewinnspielsatzung bei Sport1: ZAK verhängt Bußgelder und schöpft Einnahmen ab”
(die-medienanstalten.de)
Die ZAK verhängt Bußgelder in der Höhe von insgesamt 28.000 Euro gegen den TV-Sender Sport1: “Sport1 hatte im Januar 2012 in sieben Ausgaben der Sendung Sportquiz irreführende Angaben gemacht, u.a. über den Schwierigkeitsgrad von Spielen und über das Auswahlverfahren für die durchgestellten Nutzerinnen und Nutzer. Außerdem wurde mehrfach gegen die Pflicht zur umfassenden Information verstoßen; das betraf z. B. Spielmodus und Teilnahmebedingungen.”

4. “Bunga-Bunga-Stimmung in Italien ist vorbei”
(dradio.de)
Der Börsenwert der von Silvio Berlusconi gegründeten TV-Sendergruppe Mediaset “hat sich in weniger als einem Jahr halbiert”: “Die von Berlusconis Medien propagierte und von ihm vorgelebte unbändige Vergnügungslust kommt immer weniger an. Eine wachsende Zahl der italienischen Fernsehzuschauer schaltet sich lieber bei politischen Talkshows ein. Sie erzielen heute Rekordwerte bei den Einschaltquoten.”

5. “Was für Artikel die Menschen von Journalisten erwarten”
(blog.tagesanzeiger.ch/deadline, Constantin Seibt)
Als Constantin Seibt 1989 als Volontär einen Artikel über ein Firmenjubiläum einer Schnellreinigung schreiben sollte, wurde er mit den Worten “Sie müssen hier nichts mehr tun – wir haben den Artikel schon geschrieben” empfangen.

6. “A Day in the Life of a Blogger”
(youtube.com, Video, 47 Sekunden)

Torschusspanik

Zlatan Ibrahimovic, Fußballer in der schwedischen Nationalmannschaft, hat der Fußballwelt am Mittwoch einen kollektiven Dauerorgasmus verpasst. Im Spiel gegen England verwandelte er, nachdem er schon drei Tore geschossen hatte, zur Krönung noch einen unglaublichen Fallrückzieher aus 25 Metern Tor-Entfernung. Noch im selben Augenblick war klar: Dieser Treffer wird in die Geschichte eingehen.

Fans und Medien sind seitdem völlig aus dem Häuschen. Die deutsche Presse kniete geschlossen nieder, betete das Zlatanunser und kürte den Treffer nicht nur zum Tor des Tages, sondern auch wahlweise zum Tor des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts oder des Jahrtausends. Um es auf den Punkt zu bringen: ein unvergleichliches Ereignis.

Nur die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” will den einmaligen Charakter des Treffers nicht so recht anerkennen. Dort erinnert sich Sportredakteur Uwe Marx nämlich heute daran …

(…) dass es mal einen Spieler gab, der nicht nur aus fünfundzwanzig, sondern gleich aus vierzig Metern per Fallrückzieher traf. Es war auch ein Schwede, Rade Prica, der mal bei Hansa Rostock gespielt hat. Er hatte im Spiel für Rosenborg BK gegen den FC Basel tatsächlich mal die Unverfrorenheit, es aus noch größerer Entfernung als Ibrahimovic zu versuchen – und zu treffen.

Der Haken an der Sache ist allerdings: Wir haben keinerlei Hinweis darauf gefunden, dass es diesen Treffer jemals gegeben hat. Fraglich ist sogar, ob die Mannschaften Rosenborg BK und FC Basel überhaupt je gegeneinander gespielt haben. Und auch Rade Prica hat in seiner Karriere zwar schon gegen so manchen Verein auf dem Platz gestanden, der FC Basel war jedoch nie dabei.

Wie kommt Uwe Marx also darauf? Höchstwahrscheinlich stützt er seine Aussage auf folgendes Video:

Und das zeigt nicht etwa ein einen realen Treffer, sondern einen Ausschnitt aus dem Videospiel (!) “Pro Evolution Soccer”.

Damit wäre der Favorit für den “Tor des Jahres” schon mal klar.

Mit Dank an Patrick S. und Ole S.

Nachtrag, 13.07 Uhr: FAZ.net hat den angesprochenen Absatz gelöscht und folgende Korrektur veröffentlicht:

Der Text wurde nachträglich korrigiert. In einer ersten Fassung wollten wir die Leistung Ibrahimovics schmälern mit dem Verweis auf ein Fallrückziehertor von Rade Prica. Der Schwede soll nach unserer Darstellung einmal aus 40 Metern mit dieser Art des Kunstschusses  in einem Spiel von Rosenborg Trondheim gegen den FC Basel getroffen haben. Offenkundig  sind wir dabei einer Täuschung erlegen. Prica traf so elegant lediglich in einem auf Youtube verbreiteten Video, das eine Szene aus einem Spielkonsole-Duell wiedergab. Wir bitten deshalb um die Nominierung dieses Treffers für das Tor des Jahrhunderts im Bereich Spielekonsole und bitten zugleich um Nachsicht für den Fehler.

Nachtrag, 26. November: Auf Papier hat sich die FAZ (am 19. November) für folgende Korrektur — und ein Passiv an entscheidender Stelle entschieden:

Eines schon mal vorneweg: Das Fallrückzieher-Tor von Zlatan Ibrahimovic ist der spektakulärste Treffer, der in dieser Kategorie je dokumentiert wurde. Ibrahimovic hatte im Länderspiel der Schweden nicht nur alle vier Treffer zum 4:2 erzielt, sondern auch den sensationellen Schlusspunkt gesetzt, als er akrobatisch aus 25 Metern getroffen hatte. Dass wir Rade Prica in einer Partie von Rosenborg Trondheim gegen den FC Basel einen noch spektakuläreren Treffer zugetraut haben, hätte eingefleischte Anhänger von Hansa Rostock wohl sofort stutzig gemacht. In Diensten von Hansa hatte Prica einst manche Chance ausgelassen. Was also für die computeranimierte Version eines realen Tores gehalten wurde, war in Wirklichkeit doch nur ein Kunstschuss aus der virtuellen Welt, entstanden auf dem Videokonsolenspiel “Pro Evolution Soccer 2011”. Auch schön zwar, aber eben nur dank besonderer Fingerfertigkeit und nicht wegen einer bemerkenswerten Körperbeherrschung entstanden. Wir ziehen das Büßerhemd über, bewundern Ibrahimovic uneingeschränkt und trauen Prica weiterhin alles zu. Auch in der Realität.

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