1. Die Medien als Megafon der Rechten (tagesanzeiger.ch, Jean-Martin Büttner)
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) dominiert die Medien seit Jahren; ganz gleich, was die rechte Partei fordert, es taucht in den Schweizer Zeitungen auf. Dass die Partei in die Öffentlichkeit will, ist klar. Doch beunruhigend sei ihr Erfolg dabei, schreibt Jean-Martin Büttner. “Pauschalbehauptungen gegen Flüchtlinge werden verbreitet, das Dementi liest keiner.” Büttner listet sechs Gründe dafür auf, darunter die Beschleunigung der Berichterstattung und der Zwang, auch extreme Positionen zu verbreiten, “um nicht am Volk vorbeizumeinen”. Siehe dazu auch den Blogeintrag des Tagesanzeigers, in dem Patrice Siegrist nachgezählt hat, wie oft Politiker in den Medien aufgetaucht sind. Ganz vorne liegt – Überraschung – der Vertreter der SVP.
2. Der ganz eigene Wahnsinn (zeit.de, Marc Brost, Daniel Erk und Tina Hildebrandt)
Eine kleine Reise in die Welt der Verschwörungstheorien. Die “Zeit”-Autoren haben dafür unter anderem mit Wissenschaftlern, Chemtrail-Gläubigen und dem Chef des Kopp-Verlags gesprochen. “Die Verschwörungstheorie ist einfacher und somit stimmiger als die Wirklichkeit. Anders gesagt: Mit dem Vertrauen ist es wie mit dem Geld. Es ist nicht weg, es ist nur anderswo. Für die Demokratie ist das ziemlich katastrophal.”
3. Die Imagemacher (tagesspiegel.de, Dominik Bardow)
Fußballtrainer “bekommen nach Abpfiff mittlerweile mehr Mikrofone unter die Nase gehalten als die Spieler” und seien zu den medialen Aushängeschildern ihrer Vereine geworden. Eine Agentur hat nun untersucht, wie oft, wie positiv und wie negativ in den vergangenen beiden Spielzeiten und während dieser Sommerpause über Vereine und ihre Trainer berichtet wurde. Das Ergebnis: “Nur Trainer wie Jürgen Klopp und Pep Guardiola haben verstanden, dass sie auch über die Sportseiten hinaus kommunizieren müssen.” Obwohl beispielsweise Markus Weinzierl bei Augsburg “herausragende Arbeit” geleistet habe, sei er auf lediglich zehn Berichte auf Titelseiten und in Nachrichtensendungen gekommen. Wer Aufmerksamkeit über die Sportseiten hinaus anstrebe, der brauche “Charakterköpfe wie Guardiola oder Klopp”.
4. Die Sonne der eigenen Anständigkeit (fraumeike.de, Meike)
Meike Lobo schämt sich: für die Nazihetze im Netz, für eine Politik, die verzweifelte Menschen allenfalls duldet, aber niemals willkommen heißt – vor allem aber schämt sie sich “für alle, die immer noch glauben, das alles habe nichts mit ihnen zu tun”. Es sei nicht genug, sich innerlich von der Hetze zu distanzieren und “nichts zu sagen, weil das alles Idioten sind.” Das sei eine “gefährliche Beschönigung dafür, zum Hass und der Verfolgung von Menschen zu schweigen und sie damit zu dulden”. Sie fordert ihre Leser auf, sich nicht “in der eigenen Anständigkeit zu sonnen”, sondern laut zu sein: “Bloggt, twittert, facebookt, kommentiert Eure Haltung gegen den Menschenhass.”
5. Der Niedergang der Pressefreiheit in Tschechien (edito.ch, Janosch Tröhler)
Janosch Tröhler schreibt über die prekäre Pressesituation in unserem Nachbarland: “Obwohl Tschechien im Ranking von Reporter ohne Grenzen mit Platz 13 weitaus höher rangiert als etwa die Schweiz oder die USA, sah sich das Land in den vergangenen Jahren mit einer zweifelhaften Entwicklung konfrontiert: Die Medien werden von einer massiven Konzentration der Eigentümer erschüttert. Die Verleger in Tschechien und anderen Teilen des ehemaligen Ostblocks in einem alarmierenden Ausmass mit der Politik vernetzt.” Heute seien “die fünf grössten Zeitungen in den Händen von Oligarchen und gefährden die Pressefreiheit durch Selbstzensur der Journalisten. Die junge Demokratie der tschechischen Republik befindet sich am Scheideweg.”
1. “Bild” erliegt der “dunklen Faszination” der IS-Bilder (stefan-niggemeier.de, Stefan Niggemeier)
Immer wieder verbreiten die “Bild”-Medien die grausamen Propagandabilder des “Islamischen Staats”, sie zelebrieren “jede neue Gräueltat, jedes besonders abscheuliche Video, nicht nur in großen Buchstaben, sondern auch in großen Bildern und ausführlichen Videosequenzen” — und wer das kritisiert (so wie wir gestern), wird von den “Bild”-Verantwortlichen als “gestört” oder Terroristenfreund bezeichnet. Stefan Niggemeier über die Macht der Bilder, das Dilemma der Redaktionen und die Selbstblindheit der “Bild”-Chefs.
2. Wie die Krone für den Islamischen Staat wirbt (nzz.at, Christoph Zotter)
Auch die Online-Ausgabe der österreichischen “Kronen Zeitung” verbreitet IS-Propagandamaterial, neulich etwa ein Video, in dem ein Mann per Kopfschuss hingerichtet wird. “Für die Dschihadisten kann es nicht besser laufen”, schreibt Christoph Zotter. “So hilft eines der größten Medienhäuser Österreichs für ein paar Klicks der Gruppe Islamischer Staat, ihre Propaganda ins Land zu tragen.” Siehe dazu auch: Zur Manipulation der Angst – Ein Plädoyer für Statistik und gegen Bilder (nachdenkseiten.de).
3. Ist Publikums-Bashing hilfreich? (deutschlandradiokultur.de, Stephan Karkowsky)
Am Mittwoch wünschte sich Anja Reschke in den “Tagesthemen” einen “Aufstand der Anständigen” gegen rassistische Hetze im Netz — und sprach damit vielen Menschen aus dem Herzen. “Mehr als 12 Millionen Menschen bekommen das Thema mit, etwa vier Millionen mal wird das Video des Kommentars geklickt”, schreibt Kai Gniffke im Tagesschau-Blog. Doch ist es gerechtfertigt, den Zuschauern Untätigkeit vorzuwerfen und sie dazu aufzufordern, Hetzer an den Pranger zu stellen? Stephan Karkowsky hat darüber mit der Publizistin Mely Kiyak gesprochen, die bei der antirassistischen Leseshow “Hate Poetry” vor Publikum die Hassmails vorträgt, die sie geschickt bekommt. Siehe dazu auch: Die Reaktionen auf den Flüchtlings-Kommentar der ARD nach Dummheit sortiert (vice.com).
4. Facebook, das Netzwerk mit dem Herz für Hass (dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath meldet seit einiger Zeit hasserfüllte und fremdenfeindiche Aussagen bei Facebook ans dort zuständige Community-Management. “Das schockierende Ergebnis: Bis heute war jedes von mir gemeldete Posting, soweit ich das noch überblicken kann, mit den Gemeinschaftsstandards von Facebook vereinbar.” Ihn mache es wütend, dass das größte soziale Netzwerk “gänzlich verantwortungslos” agiere und nicht einmal dann handele, wenn er die Mitarbeiter auf problematische Beiträge aufmerksam macht. Dass Facebook “wissentlich die Vergiftung des öffentlichen Raums mit Hassbotschaften” toleriere, könnte laut Lückerath bald als Boomerang zurückkommen.
5. Jon Stewart’s Final Episode (thedailyshow.cc.com, Video, 49:10 Min.)
Jon Stewart hat in der Nacht seine letzte Ausgabe der Daily Show moderiert — und Medien und Kollegen sagen Danke. Nils Minkmar schreibt in seiner Ankündigung auf “Spiegel Online”: “Stewart wird mit Ehrfurcht verabschiedet, ein Held der populären Kultur, wie es früher die großen Sportler waren, oder die Raumfahrer — und ohne jede Häme. (…) Das Lob ist nicht übertrieben.” Die “New York Times” hat ihre Leser gefragt, was ihre Lieblingsmomente von Jon Stewart waren: Der Monolog in der ersten Sendung nach dem 11. September wurde dabei am häufigsten genannt. Jahrelang war Stewart das komödiantische Gewissen Amerikans. Schon im Februar hatte Matthias Kolb, USA-Korrespondent der “Süddeutschen Zeitung”, in einem lesenswerten Stück geschrieben, wie ihm Stewart Amerika erklärte. In seiner letzten Sendung wurde Stewart nun von Stephen Colbert verabschiedet — er selbst sagte ganz leise auf Wiedersehen: “I’m just gonna say, I’m going to get a drink. And I’m sure I’ll see you guys before I leave.”
6. Jetzt lernen Sie meine Oma kennen – und meine Meinung (kurzhaarschnitt.wordpress.com, Kurt Saar-Schnitt)
In der Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen erinnert sich “Kurt Saar-Schnitt” an seine Oma, die 1945 aus ihrem Heimatort in Pommern vertrieben wurde und ohne Hab und Gut in Schleswig-Holstein landete. Er erzählt ihre Geschichte und schließt mit einer Bitte: “Falls Sie nicht in der Lage dazu sind, zu spenden, so teilen Sie einfach anderen mit, warum Sie für die Aufnahme von Menschen ohne Heimat und Besitz sind, auch das kann eine Hilfe sein. Schweigen Sie nicht. Und bitte werden Sie kein ‘besorgter Bürger’, bitte zünden Sie keine Unterkünfte für Hilfsbedürftige an.”
1. “Asylkritiker” oder “Rassist”? Die Suche nach den richtigen Worten (sz-online.de, Julia Kilian)
Wenn man über die deutsche Flüchtlingsproblematik … Nein, da fängt es schon an: Wenn man über die deutsche Debatte über den Umgang mit Geflüchteten schreibt, ist es wichtig, seine Worte mit Bedacht zu wählen. Zuerst warnte David Hugendick vor dem Euphemismus “Asylkritiker”, daraufhin reagierte die dpa und kündigte an, künftig auf solche verharmlosenden Begriffe zu verzichten. Das veranlasste Julia Kilian, Sprachwissenschaftler zu Ausdrücken wie “Asylgegner”, “Asylanten” oder “Wirtschaftsflüchtlinge” zu befragen. Noch einen Schritt weiter geht Sascha Lobo, der fordert: “Nennt sie endlich Terroristen!”
2. Attacken gegen Flüchtlinge: Terror in Deutschland (spiegel.de, Maximilian Popp)
Mehr als 200 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im ersten Halbjahr 2015 — und Politiker und Journalisten haben eine Mitverantwortung, meint Maximilian Popp. Er wirft etwa dem “Focus” vor, populistisch Stimmung gegen “falsche Flüchtlinge” zu machen, nimmt seinen Arbeitgeber aber nicht aus: “DER SPIEGEL hat in den Neunzigerjahren den Populismus, den er heute zu Recht beklagt, mit Titeln wie ‘Zu viele Ausländer?’ selbst befeuert.” Auch Kai Budler übt im Störungsmelder-Blog Medienkritik: “Und auch die Medien haben in den vergangenen 20 Jahren offenbar nichts gelernt, denn wieder einmal hantieren sie mit Angstmetaphern wie dem ‘Das Boot ist voll’-Bild.” Und Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke appelliert, den Ressentiments Fakten entgegenzusetzen und Menschen zu portraitieren, die sich für Flüchtlinge engagieren.
3. Talkshow-Kritik: Völlige Einseitigkeit und ein nationaler Wir-Diskurs (heise.de, Marcus Klöckner)
Die Medienwissenschaftler Matthias Thiele und Rainer Vowe haben die zahlreichen Griechenland-Runden der politischen Talkshows im deutschen Fernsehen untersucht. Die Sendungen seien “vor allem von Polemiken, Ressentiments und einer arroganten Haltung gegenüber der neuen griechischen Regierung und den Griechen dominiert” gewesen, erzählt Thiele im Interview. Fast durchgehend sei “mit der symbolischen Frontstellung von ‘Wir’ versus ‘die Anderen'” operiert worden.
4. Wofür das “F” in “FAZ” steht (stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Auf der Internetseite der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” erschien in dieser Woche ein Video, in dem ein “FAZ”-Redakteur den Formel-1-Piloten Sebastian Vettel interviewt. Dabei sitzen die beiden in einem Ferrari, machen eine Spritztour mit dem Ferrari, tragen Mützen von Ferrari, sprechen über Ferrari, und produziert wurde das Ganze — von Ferrari. Nach der Kritik von Boris Rosenkranz nahm faz.net den Werbeclip offline.
5. Chronistenpflicht, Chronistenkür (wortvogel.de, Torsten Dewi)
Eigentlich wollte Torsten Dewi die alte, dicke “Chronik des 20. Jahrhunderts” in einer Bücherkiste vor dem eigenen Haus verschenken, machte sie dann aber doch zu seiner “Frühstücks/Badezimmer/Bett-Lektüre”:
Und tatsächlich: Das Buch hat auch im Zeitalter von Wikipedia und YouTube seine Existenzberechtigung. Weil es strikt chronologisch vorgeht, Entwicklungen nachvollziehbar macht, Kontext liefert. Information nicht punktuell und im luftleeren Raum, sondern als Bestandteil eines riesigen Puzzles aus Kultur, Politik, Natur und Wissenschaft.
Beim Blättern stößt Dewi beispielsweise auf eine ihm bisher unbekannte und völlig desaströse ARD-Fernsehshow zum Geburtstag des Automobils, die der damalige Daimler-Benz-Chef höchstpersönlich abbrechen ließ.
6. Die Grand Tour of Switzerland mit 10 Franken in 10 Tagen (herrfischer.net, Tin Fischer)
Tin Fischer wurde zu einer Pressereise durch die Schweiz eingeladen, mit luxuriöser Unterkunft, einem eigenen Auto und “geballter Spitzenkulinarik”. Stattdessen erkundet der Journalist nun alleine die Strecke der Reise. Mit nur 10 Franken und der Hoffnung, auf hilfsbereite Menschen zu treffen.
Und noch ein anderes Journalisten-Projekt aus der Schweiz: Unser lieber Kollege und Ex-6-vor-9-Kurator Ronnie Grob will ebenfalls auf Tour gehen und für das Projekt “Nach Bern!” sechs Wochen lang den Schweizer Wahlkampf beobachten. Dafür sucht er noch finanzielle Unterstützung.
1. „Politikmagazine immer unpolitischer?“ (daserste.ndr.de, Anja Reschke, Volker Steinhoff & Andrej Reisin)
„Panorama“ widerspricht den Anschuldigungen einer neuen Studie der „Otto Brenner Stiftung“, Politikmagazine im TV würden immer unpolitischer, und weist neben der ungenauen Kategorisierung durch Studien-Autor Bernd Gäbler auf den kurzen Betrachtungszeitraum von fünfeinhalb Wochen hin.
So ordnet Gäbler etwa Panorama-Beiträge über die „Share Economy“ der Kategorie „Digitalisierung“ zu und nicht etwa „Wirtschaft“. Ein Beitrag über Vorsorgevollmachten, bei dem es darum ging, dass das Gesetz Menschen nicht schützt, wenn jemand an ihr Hab und Gut will, landet in der Kategorie „Gesundheit“. Da die Magazine logischerweise thematische Abwechslung suchen und brauchen, wäre ein Jahr Beobachtung aus unserer Sicht unerlässlich gewesen.
3. „Brustwarze ist nicht gleich Brustwarze” (sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
„Aus der Nähe betrachtet sehen sich männliche und weibliche Brustwarzen sehr ähnlich. Für Facebook ist das noch lange kein Grund, sie gleich zu behandeln.“ Die No-Nippel-Policy verbannt Fotos von weiblichen, nicht aber von männlichen Brüsten auf den Plattformen Facebook und Instagram. Die kanadische Künstlerin Micol Hebron wehrte sich und postete eine satirische Bastelanleitung, um Oben-ohne-Fotos akzeptabel zu gestalten. Diese findet im Netz nun Anwendung.
4. „When journalists take a vacation, do they actually take a break?“ (poynter.org, Melody Kramer, englisch)
Was heißt Urlaub für Journalisten, die nonstop auf zahlreichen Kanälen vertreten, per E-Mail und Handy erreichbar sind? Melody Kramer hat bei Kollegen nachgefragt. Bei Twitter kursiert zu dem Thema das Hashtag #journovacation.
5. „Ich könnte schreien” (horizont.net, Volker Schütz)
Richard Gutjahr spricht im Interview über die späte Einsicht seiner Kollegen, die ihn lange für seine Social-Media-Aktivitäten belächelten und heute für künstliche Reichweite bezahlen: „Meine Artikel, meine Kommentare, meine Filme sind nur Teaser für das eigentliche Produkt. Und das Produkt, das wird mir jetzt immer mehr bewusst, bin ich.“
6. „Perlen aus Freital“ (perlen-aus-freital.tumblr.com)
Worst of Hetze in der sächsischen Stadt Freital – ein Tumblr sammelt Posts von Menschen, die „sich gegen die vermeintliche Bedrohung durch Flüchtlinge“ wehren.
Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg darf heute in der “Bild”-Zeitung (und seit gestern auf Bild.de) mal wieder zur Nation sprechen:
Guttenberg findet, dass das “trotzige Kind” Wladimir Putin mit seinen “lauten Rülpsern” nichts auf Schloss Elmau verloren habe: Es sei richtig …
unser freiheitlich demokratisches Wertesystem nicht zu verschachern. Genau das würde im Falle einer Nachladung Putins geschehen.
Dieser würde kaum demütig auftreten, sondern sich in seinem zynischem Handeln noch bestätigt sehen. Es wäre ein fatales Signal an all jene, die in unseren Werten ihr Feindbild sehen.
Die Aufmerksamkeit nutzt Guttenberg, um gleich auch noch gegen “meist nicht so gute Gutmenschen” auszuteilen, die gegen das G7-Treffen protestieren. Seine Worte wirken aber vor allem wie eine späte Abrechnung mit dem Grünen-Politiker Jürgen Trittin, der Guttenberg in der Plagiatsaffäre einst “Hybris” und “Hochstaplerei” vorwarf:
Tausende Demonstranten in München und Garmisch. Viele meinen es gut und wissen es nicht besser. Manche aber sehr wohl.
Bestes Beispiel inmitten der Protestierenden: ein breit grinsender Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Ja, jener, der vor einigen Jahren noch selbst G7-Gipfel kritiklos mitorganisierte.
Sicher, in unserem Land gibt es das Recht auf Meinungsänderungsfreiheit. Gottlob. Es gibt aber wohl kaum einen Politiker, der davon so schamlos und lediglich wahltaktisch Gebrauch macht wie Trittin. Eigentlich sollte es diese Form der Verlogenheit sein, die die Menschen auf die Straße treibt.
Karl-Theodor zu Guttenberg ist für Bild.de — noch immer — “Deutschlands populärster Politiker”. Und wenn so einer “exklusiv” seine Meinung aufschreibt, müssten die Herzen der Leser doch höher schlagen.
Nach mehr als 300 Kommentaren, von denen ein Großteil Kritik an Guttenberg enthielt, hatte die Redaktion genug: Der Artikel wurde abgeschaltet und neu eingestellt, dieses Mal aber ohne Kommentar-Funktion.
Wenn in der Kommentarspalte auf Bild.de rassistisch gehetzt wird, dauert es eine halbe Ewigkeit, bis mal jemand einschreitet. Doch wenn die Leserschaft in vergleichsweise harmloser Wortwahl ihre negative Meinung gegen einen “Bild”-Liebling kundtut, geht es ratzfatz.
Da ging es aber mächtig drunter und drüber, als Frauke Petry, die Co-Vorsitzende der “Alternative für Deutschland” (AfD), am vergangenen Mittwoch in Göttingen Opfer eines Angriffs wurde. Also nicht nur im Restaurant “Ali Baba”, wo Petry mit einem Journalisten saß, sondern auch in den Medien.
In einer ersten Meldung, die die dpa am Mittwochabend sowohl über den Basisdienst als auch über den Landesdienst Niedersachsen rausjagte, stützte sich die Agentur in weiten Teilen auf die Aussagen eines AfD-Sprechers:
Die Co-Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, ist in einem Lokal in Göttingen von drei Vermummten attackiert worden. Diese warfen nach Angaben von Parteisprecher Christian Lüth am Mittwoch den Tisch um, an dem Petry mit einem Journalisten saß, so dass sie zu Boden ging. Anschließend hätten die Angreifer die rechtskonservative Politikerin mit Beuteln mit Fruchtsaft beworfen.
Dem Sprecher zufolge war vor der Attacke eine junge Frau an Petry herangetreten und hatte gefragt: “Sind Sie Frauke Petry?” Als diese die Frage bejahte, soll die Frau sie beschimpft haben und dann verschwunden sein. Kurz darauf stürmten die Vermummten in das Lokal. Sie riefen nach Angaben des Sprechers “Nazis raus!”
Die Darstellung, die die dpa an die Redaktionen im ganzen Land schickte, deckt sich stark mit der, die Frauke Petry knapp anderthalb Stunden zuvor auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte hatte:
Fruchtsaft? Farbbeutel? Da kamen nicht nur die AfD-Leute durcheinander, sondern auch die nach Aktualität hetzenden Journalisten. “Focus online” blieb bei der dpa-Variante und sprach von “Fruchtsaftbeuteln”, die “Augsburger Allgemeine” entschied sich in ihrer Überschrift hingegen für eine “Farbbeutel-Attacke”. sueddeutsche.de ließ die Angreifer Fruchtsaft aus Flaschen spritzen, laut stern.de sollen sie Petry mit Getränken beworfen haben.
Dutzende weitere Medien berichteten über den Vorfall in Göttingen. So gut wie alle von ihnen übernahmen (von der dpa) Frauke Petrys Polterei, dass es sich bei dem Angriff um einen niederträchtigen Versuch handele, “die Meinungsfreiheit mit Gewalt einzuschränken”; und dass die Tat zeige, dass linksextreme Gewalt von den Altparteien immer noch sträflich verharmlost werde.
Später am Mittwochabend und nach ersten Befragungen im Restaurant “Ali Baba” veröffentlichte die Polzeiinspektion Göttingen eine Pressemitteilung, in der sie den Fruchsaft-Farbbeutel-Angriff mit keinem Wort erwähnte. Und am Donnerstag folgte eine zweite Pressemitteilung, die den AfD-Schilderungen sogar deutlich widersprach:
Aktuellen Erkenntnissen zufolge betraten im Anschluss an eine junge Frau gegen 16.00 Uhr vermutlich fünf bis sechs weitere Personen das Cafe. Es kam zu einem Wortgefecht, bei dem der Tisch, an dem Frau Petry und der Journalist saßen, aus bislang noch ungeklärten Gründen plötzlich kippelte, aber nach derzeitigem Stand nicht umstürzte. Dabei fielen die auf dem Tisch stehenden Gläser, darunter eines mit Fruchtsaft, und ein gläserner Kerzenhalter auf den Boden. […]
Hinweise darauf, dass es in dem Lokal zu Würfen von Farb- oder mit Fruchtsaft gefüllten Beuteln auf die Politikerin Petry gekommen ist, haben sich bei den aktuellen Ermittlungen nicht ergeben. Ebenso ist es nach derzeitigem Stand auch nicht zu Bedrohungen oder körperlichen Über-bzw. Angriffen auf die Parteivorsitzende oder ihren Gesprächspartner gekommen. Wegen der ihr gegenüber getätigten Äußerungen stellte Frau Petry am Mittwochabend Strafantrag wegen Beleidigung gegen Unbekannt.
Also kein umgekippter Tisch. Keine zu Boden gestürzte Frauke Petry. Und keine mit was auch immer gefüllten Beutel, die durchs Lokal flogen.
Das hatte inzwischen auch die dpa getickert, allerdings nicht mehr über den großen Basisdienst, sondern nur noch über den kleineren Landesdienst Niedersachsen:
Etwa ein halbes Dutzend Unbekannte, die die Polizei der linksautonomen Szene zurechnet, hatten Petry am Mittwochnachmittag in einem Lokal in der Innenstadt beschimpft. Außerdem hätten sie an dem Tisch gerüttelt, an dem die rechtskonservative Politikerin mit einem Journalisten saß, sagte die Sprecherin. Dabei sei ein Glas mit Saft umgekippt und ein gläserner Kerzenleuchter zu Boden gestürzt.
Als diese Meldung die Redaktionen erreichte, war die Legende vom Fruchtsaftbeutelwurf längst in der Welt. Dabei war relativ früh klar, dass es zumindest Zweifel an der AfD-Erzählung gibt: Das “Göttinger Tageblatt” zitierte bereits am Mittwoch eine Mitarbeiterin des Restaurants, die die Situation deutlich anders als Frauke Petry wahrgenommen hatte. Das scherte zu dem Zeitpunkt aber offenbar weder die dpa noch all die Medien, die die Meldung — und damit das Märchen des AfD-Sprechers — reihenweise übernahmen.
Nun ist das nicht der erste Fall, bei dem die AfD (Slogan: “Mut zur Wahrheit!”) eine Situation deutlich überspitzt darstellt, es sich in der Opferrolle gemütlich einrichtet und anschließend zuschauen kann, wie Medien die Partei-Sage unters Volk bringen. Als der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke im August 2013 bei einer Wahlkampfveranstaltung auf der Bühne geschubst wurde, sprachen sowohl die Partei als auch zahlreiche Medien schnell von einem “Messer-Angriff” und “linken Chaoten”. Lucke nutzte damals die mediale Aufmerksamkeit — wie vergangene Woche Frauke Petry –, um gegen “Linksextreme” zu wettern.
Im selben Monat hatte Lennard Rudolph, AfD-Mitglied aus Göttingen, behauptet, dass die Wände seines Wohnhauses mit Benzin übergossen wurden. Die “Welt” kaufte ihm die Geschichte vom vereitelten Brandanschlag damals ab, während die Göttinger Polizei sich über Rudolphs Aussagen wunderte.
Und wir wundern uns, dass Agenturen und Zeitungen den Aussagen der AfD immer noch blind vertrauen.
Nachtrag, 4. Juni: Der Journalist, mit dem Frauke Petry im Göttinger Restaurant am Tisch saß, ist Jens Schneider von der “Süddeutschen Zeitung”. Und der hat in einem Artikel (Paywall) die Szene so aufgeschrieben:
An diesem Nachmittag in Göttingen will sie [Petry] sich gern weiter in Erinnerungen bewegen. Sie sucht das Pfannkuchenhaus. Als das nicht zu finden ist, wählt sie fürs Interview die Crêperie “Ali Baba”. […]
Plötzlich steht eine junge Frau vor dem Café-Tisch. Sie fragt höflich, als wolle sie nicht an der falschen Stelle grob werden: “Entschuldigung, sind Sie Frauke Petry?”
Petry, liebenswürdig: “Ja.”
Die Frau freut sich. Dann sagt sie: “Geil, ich wollte Ihnen immer schon mal sagen, dass ich Sie richtig scheiße finde.”
“Ja, in Ordnung”, antwortet Frauke Petry unerschüttert. Die Frau ist da schon wieder weg. “Das ist halt Göttingen”, sagt Petry, lacht und widmet sich wieder dem Interviewer. Wenige Minuten später wird es laut. Zwei Vermummte stehen brüllend vor dem Tisch. “Scheiß-Nazi-Frau!” rufen sie. Und: “Verpisst euch aus Scheiß-Göttingen!” Einer stößt gegen den Tisch, der Tisch kippt. Sie spritzen mit klebriger Flüssigkeit. Es ist beängstigend, auch wenn es keine Minute dauert.
Frauke Petrys Bluse ist nass.
“Vertrauen Sie der Chemikerin, das war Fruchtsaft, nicht gefährlich”, stellt sie fest und “tja, Demokratie in Deutschland.”
Will sie die Polizei rufen?
“Nein, das nicht, aber wenn Sie bitte ein Handtuch hätten?” fragt sie die Kellnerin.
Sie macht ein paar Scherze, fragt schließlich: “Wo waren wir stehen geblieben?” Vorm Café lauern Autonome, machen Sprüche, als sie geht: “Hey, ihr habt was verloren — den Zweiten Weltkrieg!” […]
Der Sprecher der AfD in Berlin wittert eine Gelegenheit. Er versendet eine Pressemitteilung, schreibt von einer Attacke mit Farbbeuteln und erheblichem Sachschaden. Unfug. Er macht den üblen Angriff schlimmer als er war. Petry beklagt in der selben Erklärung, die Tat zeige “erneut, dass linksextreme Gewalt von den Altparteien immer noch sträflich verharmlost wird”.
Nachtrag, 10. Juni: Bei Welt.de haben sie es immer noch nicht mitbekommen. Gestern erschien ein weiterer Artikel zur AfD, in dem die Redaktion am Fruchtsaftbeutel-Opfer-Mythos festhält:
Vor zwei Wochen war die Co-Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, in einem Lokal in Göttingen von drei Vermummten attackiert worden. Diese warfen nach Angaben des Parteisprechers den Tisch um, an dem Petry mit einem Journalisten saß. Anschließend hätten die Angreifer die rechtskonservative Politikerin mit Fruchtsaftbeuteln beworfen.
1. “‘Der langsame Tod der Auslandskorrespondenten'” (de.globalvoicesonline.org, Lova Rakotomalala)
Ein Interview mit Anaïs Renevier, die zuletzt im Libanon als Auslandkorrespondentin arbeitete und deren Blogbeitrag “La petite mort des correspondants” (arenevier.wordpress.com, französisch) viel Aufmerksamkeit erhielt: “Ich kannte die finanziellen Probleme auf allen Ebenen: bei dem regionalen Fernsehsender, bei dem ich von 2011 bis 2012 arbeitete (auf Grund fehlender Mittel hatten wir lange Arbeitstage) und auch bei großen Medien (den folgenden Satz habe ich einige Male zu Hören bekommen: ‘Wir sind an dem Thema interessiert, aber wir haben nicht das Geld, um es zu unterstützen’). Ich hörte es sogar bei den neuen digitalen Medien, die versuchten, ein neues Modell des Journalismus zu erfinden.”
2. “Wenn Qualitätsjournalisten operieren” (begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig beschäftigt sich mit einem Beitrag von FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka: “Warum gibt es eigentlich bis heute keine Selbstverpflichtung von Journalisten, ihre Nebentätigkeiten und (politischen) Zugehörigkeiten offenzulegen? Sie selber fordern Transparenz aller Orten – für sich nehmen sie jedoch großzügig Ausnahmen in Anspruch. Es ist leicht einzugestehen, einen Zahlendreher oder eine Namensverwechslung begangen zu haben. Schwieriger scheint es zu sein, seine außerpublizistischen Aktivitäten darzulegen.”
3. “Warum das Internet gut ist für den Journalismus” (rolandtichy.de)
Roland Tichy, der lange Jahre für Printmedien tätig war und nun selbst im Netz publiziert, preist das Internet: “Gibt es ein Gesetz, dass Papier Texte veredelt und Internet sich schlecht macht? Und wollte man die Medien an einen Lügendetektor anschließen – der würde bei vielen Internet-Portalen durch die Decke gehen. Aber auch bei vielen gedruckten Medien. Im Gegenteil – was Journalisten zu befürchten haben, ist nicht die Lüge per Internet. Eher, dass das Internet Schwachsinn aufdeckt.”
4. “Gema verlangt Gebühren fürs Volkslieder-Singen” (shz.de, Hannes Harding und Tobias Fligge)
Post von der Gema: “Ende April teilte die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) der Betreiberin des kleinen Kulturcafés, in dem sich die Senioren treffen, mit, dass sie für das Musizieren zahlen müsse. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die zum Teil dementen Damen mit ihrem Gesang Urheberrechte verletzten.”
5. “MC Hetzer?” (theeuropean.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz liest Facebook-Einträge von Jan Leyk: “Ist das ‘nur’ eine neue entfesselte Diskussionskultur im Internet oder ein Vorgeschmack darauf, wie es in Zukunft auf den Straßen zugeht? Leyk ist ja nicht alleine mit dieser Hassrhetorik, er ist nur der bekannteste Y-Promi (seine eigenen Worte), der so vom Leder zieht.”
6. “Im Schmerz geboren” (walulissiehtfern.de)
Philipp Walulis zeigt auf, wie man “einen langen Printartikel als angesagte Multimedia-Reportage” recyclet.
Was ist das beste Kraftfutter für “Bild”-Redakteure und ihre Leser, wenn sie sich mal wieder so richtig über das europäische Schmarotzertum aufregen wollen?
Viele Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien wären gut. Noch besser: Zuwanderer aus den beiden Ländern, die in Deutschland keinen Job finden. Am besten wäre aber ein riesiger Zuwachs von Hartz-IV-Rumänen und Stütze-Bulgaren.
Die Zahl stimmt sogar. Im März hat die Bundesagentur für Arbeit berichtet (PDF), dass seit der kompletten Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bulgaren und Rumänen die Summe der Hartz-IV-Empfänger aus den beiden Ländern angestiegen ist: von 45.260 im Dezember 2013 auf 83.082 ein Jahr später.
Europa und Hartz IV? Das ist was für Dirk Hoeren, „Bild“-Chefkorrespondent für irre EU-Verordnungen und erfahrener “Hartz-IV-Inspektor”. Hoeren hat also seinen Taschenrechner gezückt, Schnappatmung bekommen und seinen Gemütszustand am Mittwoch vergangener Woche in ein Ausrufezeichen gepackt:
ein Plus von 83,6 %!
Auf diesen Wert kommt die Bundesagentur für Arbeit ebenfalls. Sie schreibt aber auch:
Bei der Bewertung der starken prozentualen Anstiege ist zu berücksichtigen, dass die absoluten Ausgangszahlen sehr klein sind […].
Dazu kommt: Hoeren lässt bei seiner “Bewertung” völlig außer Acht, dass im gleichen Zeitraum reichlich zugezogene Rumänen und Bulgaren einen Arbeitsplatz gefunden haben, oft sogar einen sozialversicherungspflichtigen (Stand Dezember 2014: 199.976). Das erfahren die Leser ganz am Ende von Hoerens Artikel zwar auch — wenn sie bis dahin vor lauter Empörung überhaupt durchgehalten haben.
Wie tendenziös die Wahl der 83,6-%-Schlagzeile ist, soll ein kleines Rechenbeispiel zeigen: Nehmen wir mal an, Dirk Hoeren schreibt im April zehn „Bild“-Artikel. In einem davon reißt er Zahlen so aus dem Zusammenhang, dass sie für seine Stimmungsmache gegen Rumänen und Bulgaren bestens passen. Im Mai darf Hoeren stolze 100 Artikel schreiben. Dieses Mal bekommt er es hin, in zweien davon die entscheidenden Zahlen wegzulassen, um wieder ordentlich gegen Zuwanderer zu wettern. Hat sich seine Hetzer-Quote jetzt um 100 Prozent gesteigert?
Natürlich nicht. Und so müsste die Rechnung zu den Hartz-IV-Empfängern aus Bulgarien und Rumänien auch anders aussehen: Als Basis müssten alle Bulgaren und Rumänen herangezogen werden, die in Deutschland leben. Und auf dieser Grundlage kann man dann den Anteil der Hartz-IV-Empfänger berechnen.
Das Ergebnis (PDF): im Dezember 2013 waren es 10,9 Prozent, im Dezember 2014 15,4 Prozent — ein sattes Plus von 4,5 Prozentpunkten. Damit machen Bulgaren und Rumänen gerade mal 1,4 Prozent aller in Deutschland lebenden Hartz-IV-Empfänger aus.
Für all diese mickrigen Zahlen war in Dirk Hoerens Artikel natürlich kein Platz mehr. Sonst hätte das Stimmungsbarometer womöglich auch nicht so schön eindeutig ausgesehen:
Und in welche Richtung diese Wut zielt, ist auch klar:
Tja, bald ist Tröglitz halt überall. Nur weiter so liebe Politiker!
“Pleite-Griechen” hat “Bild” schon lange nicht mehr geschrieben. Gut, vor einer Woche noch, aber schon lange nicht mehr so häufig wie vor ein paar Jahren. Inzwischen passt der Name auch nicht mehr ganz so gut, denn jetzt haben sie ja bekanntlich Geld (unser Geld), mit dem sie ihr Hängematten-Luxus-Leben finanzieren, und weil sie immer noch mehr Geld haben wollen (unser Geld), nennt die „Bild“-Zeitung sie jetzt die „gierigen Griechen“ — und rief Deutschland am Donnerstag dazu auf, per Selfie zu protestieren:
Die Kampagne wurde vonvielenSeiten stark kritisiert, auch vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), der Bild.de noch am gleichen Tag aufforderte, „sofort die laufende Anti-Griechen-Kampagne zu stoppen“ – allerdings mit einer merkwürdigen Begründung. In der Pressemitteilung heißt es:
„Die Griechenland-Politik der Bundesregierung kann man mögen oder ablehnen“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Eine Kampagne, die direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wolle, verbiete sich aber mit der beschreibenden Aufgabe des Journalismus. „Dass Boulevard-Medien eine andere Sprache und einen anderen journalistischen Stil pflegen, ist selbstredend. Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne“, kritisierte Konken.
Politische Kampagne? Wenn es danach geht, müsste der DJV eigentlich jeden zweiten Tag einschreiten, immerhin gehören Aktionen, die „Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen“ wollen, zum redaktionellen Alltag der „Bild“-Zeitung.
Nein, das Schlimme ist nicht die Tatsache einer Kampagne, sondern dass die „Bild“-Zeitung wieder ein ganzes Volk stigmatisiert und diffamiert (was der DJV immerhin für „medienethisch bedenklich“ hält), so wie sie es jahrelang mit der „Pleite-Griechen“-Berichterstattung getan hat. Und dass sie ihre Artikel mit diesem hetzerischen Wir-gegen-die-Gefühl auflädt, das durch die Selfie-Aktion nochmal auf besonders eklige Weise gestärkt und verbreitet wurde. Wir machen Fotos von uns, wir schließen uns zusammen, damit die kein Geld mehr kriegen.
Immerhin: Allzu erfolgreich war die Mob-Mobilisierung offenbar nicht. Laut Axel-Springer-Verlag kamen bis Donnerstagvormittag Fotos im “hohen dreistelligen Bereich” zusammen – das entspricht, gemessen an der Reichweite von „Bild“ und Bild.de, einer Mithetz-Quote von 0,004 Prozent.
Um überhaupt auf diese Zahl zu kommen und den Protest trotzdem als „gewaltig“ (Bild.de-Chef Julian Reichelt) zu verkaufen, musste „Bild“ ein bisschen tricksen: Knapp die Hälfte der auf Bild.de gezeigten „NEIN!“-„Selfies“ kam nicht von den Lesern selbst, sondern von „Bild“-Fotografen, die auf der Straße Passanten angesprochen hatten.
(Im Original ist der Kopf natürlich dran.)
In den sozialen Medien wurden währenddessen zahlreicheGegenaktionen gestartet, viele sagten „NEIN!“ zur Hetze und zeigten sich solidarisch mit Griechenland. Selbst auf der Startseite von Bild.de wurde zeitweise versteckte Kritik laut, wenn auch eher unfreiwillig:
Da baute Bild.de dann lieber schnell wieder Brüste ein:
Und sogar im Bundestag wurde die Kampagne kritisiert. Axel Schäfer, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, hielt die (von ihm durchgestrichene) „Bild“-Seite gestern während einer Rede hoch und sagte unter Applaus:
Wir sind hier sicherlich in einer Reihe von Punkten unterschiedlicher Auffassung. Das ist auch gut so, dass wir das diskutieren. Aber in einem Punkt sollten wir uns hier alle (…) einig sein: Wir unterstützen keine Kampagnen gegen andere Länder. Wir unterstützen das nicht!
Wenige Stunden später erschien ein Kommentar von „Bild“-Chef Kai Diekmann, was nicht oft vorkommt und in diesem Fall wie der Versuch wirkt, das Feuer ein wenig zu löschen. Diekmann bemüht sich sogar, so zu tun, als habe er Mitgefühl mit den Griechen. Griechenland sei „ein geschundenes Land“, schreibt er.
Die Menschen leiden unter der schwersten Schulden- und Wirtschaftskrise in der Geschichte des geeinten Europas. Die Arbeitslosigkeit nimmt einer ganzen Generation Hoffnung und Zukunft.
„Bild“ sei …
nicht nur in Deutschland, sondern auch in Griechenland nah bei den Menschen.
Wir haben Mitgefühl mit den Leuten, die unter dieser epochalen Krise leiden, die ihre Existenz verloren haben. Unsere
Huch, Verzeihung. Das muss da irgendwie zwischengerutscht sein. Wie war das, Herr Diekmann?
Wir haben Mitgefühl mit den Leuten, die unter dieser epochalen Krise leiden, die ihre Existenz verloren haben. Unsere
Ach, verdammt. Sorry. Jetzt aber, Herr Diekmann.
Wir haben Mitgefühl mit den Leuten, die unter dieser epochalen Krise leiden, die ihre Existenz verloren haben. Unsere Reporter haben immer wieder über die Verelendung eines ganzen Landes berichtet. Über volle Suppenküchen. Über mittellose Menschen, die in Mülltonnen wühlen müssen.
Stimmt. Wenn die Reporter nicht gerade Besseres zutun hatten.
Diekmann erweckt den Anschein, als sei das Besondere an der „Bild“-Berichterstattung, dass sie unermüdlich „die verfehlte Griechenland-Politik in Deutschland und Europa“ kritisiere und „unseren und den griechischen Politikern ihre gebrochenen Versprechen“ vorhalte. Aber das machen auch viele andere Medien. Das Besondere an der „Bild“-Berichterstattung ist, dass sie das Ansehen Griechenlands gezielt in den Dreck zieht. Nicht nur mit den großen Haudrauf-Aktionen, sondern mit permanenten Sticheleien. Wer an Griechenland denkt, soll sofort ein negatives Bild vor Augen haben, soll an Gier, Faulheit und Betrug denken.
Und wer an die griechische Regierung denkt, soll Angst um sein Geld haben. Immer und immer wieder nennt “Bild” sie die „Griechen-Raffkes“ oder „Raffke-Griechen“ oder „Radikalo-Griechen“ oder „Griechos Radikalos“ oder „Radikalos-Regierung“, Premier Tsipras ist der „Krawall-Grieche“ oder „Raffke-Minister“, aus Finanzminister Varoufakis wird Finanzminister „Varoutricksis“ oder „Griechenlands Radikalo-Naked-Bike-Rider“.
Das mit dem Naked Bike kommt von Béla Anda, dem Politik-Chef von “Bild”. Der wettert besonders eifrig gegen die “Radikalos-Regierung” und schreibt Dinge wie:
Wie lederbejackte Rüpel-Rocker röhren Griechenlands Neo-Premier und sein Posterboy-Finanzminister seit ihrem mit platten Parolen erzielten Wahlsieg durch Brüssel. Ihr Gesetz ist die Straße. Hier sind sie (politisch) groß geworden. Hier ist ihre Hood. Deren Unterstützung wollen die Kawa-Naked-Biker (zumindest Varoufakis hat eine) nicht verlieren.
“Naked Bike” ist übrigens einfach nur die Bezeichnung für ein Motorrad ohne Verkleidung. Das erwähnt Herr Anda nicht, aber es wäre ja auch zu schade um die schönen Assoziationen in den Köpfen der “Bild”-Leser. (Mehr zu Andas “Radikalos“-Geschreibsel können Sie nebenan bei Stefan Niggemeier lesen.)
Yanis Varoufakis, der Finanzminister und lederbejackte Radikalo-Rüpel-Raffke-Rocker-Naked-Bike-Rider-Posterboy ist ohnehin das beliebteste Ziel der „Bild“-Attacken. Dem Blatt scheint jedes Mittel recht und keine Masche zu blöd, um Varoufakis wie einen irren, gierigen, deutschenfeindlichen Unhold aussehen zu lassen. So zum Beispiel:
Keine Krawatte, der Kragen seines Sakkos hochgestellt, Hände in den Hosentaschen: So zeigen die meisten Fotos Yianis Varoufakis. Der griechische Finanzminister war jahrelang als Wirtschaftsprofessor tätig und ist für seine provokanten Aussagen bekannt.
Mit einer drastischen Geste – dem gestreckten Mittelfinger – zeigte er in der Vergangenheit auf Deutschland! BILD erklärt, zu welchem Anlass.
Erst im Artikel liest man, dass die „drastische Geste“ gar nicht so gemeint war, wie Bild.de suggeriert. Dort steht nämlich, dass Varoufakis den Finger schon vor zwei Jahren gezeigt hat und dabei sagte:
„Griechenland hätte im Januar 2010 einfach ankündigen sollen, dass es seinen Verpflichtungen im Euro nicht nachkommen kann – wie Argentinien es getan hat – und Deutschland den Mittelfinger zeigen und sagen sollen ‘Jetzt könnt ihr das Problem allein lösen!’“
Das alles erfahren aber nur zahlende „Bild-Plus“-Leser. Für alle anderen bleiben nur Schlagzeile und Teaser und damit der Eindruck, Varoufakis habe “uns” vor Kurzem den Mittelfinger gezeigt.
So verwenden die „Bild“-Leute alles, was sie von oder über Varoufakis finden, gegen ihn. Selbst sein Schriftbild.
BILD befragte dazu die Graphologin Christiane Sarreiter.
„Die Unterschrift ist extravagant“, analysiert die Expertin. „Neben Dynamik und Euphorie stecken Pathos und Geltungsbedürfnis dahinter.“
Klar.
Auffallend seien die vielen Schnörkel. „Das wirkt sehr selbstgefällig“, erklärt Christiane Sarreiter. „Er gefällt sich anscheinend in seiner neuen Rolle als Finanzminister.“ (…)
Merkwürdig sei vor allem, dass der Schlusszug wieder scharf nach links zurückgehe. „Das wirkt, als würde er sich selbst wieder durchstreichen, als würde er unbewusst das zuerst Gesagte wieder zurücknehmen.“
Oha! Was könnte das nur bedeuten, „Bild“?
Vielleicht will Varoufakis damit ausdrücken, man müsse ihn nicht immer wörtlich nehmen, es sei nicht alles so ernst gemeint?
Oder vielleicht will er damit ausdrücken, dass er gerne nackt Motorrad fährt?
Die Handschrift der “Bild”-Zeitung verrät jedenfalls, dass sie es auf die Griechen abgesehen hat, und dass es ihr ernst damit ist. Und wenn sie fragt:
… hätten wir eine Antwort. Aber es ist keiner von den beiden.
Es kommt nur selten vor, dass wir verstehen, was uns Franz Josef Wagner mit seinem Geblubber mitteilen will, und noch viel seltener, dass wir mit ihm einer Meinung sind. Heute aber ist so ein Tag, zumindest ein bisschen, denn er richtet seine — ausnahmsweise mal recht nachvollziehbaren — Gedanken an die „Idioten“ von „Pegida“.
Liebe Pegida-Idioten,
es ist Weihnachten. Vor 2000 Jahren suchten zwei Flüchtlinge, Josef und seine hochschwangere Frau Maria, eine Unterkunft.
Es ist Weihnachten 2014. Und Ihr Pegida-Idioten demonstriert in Dresden gegen die Überfremdung.
Wagner malt sich aus:
Was, wenn die Eltern von Jesus in Dresden an einer Haustür geklopft hätten. Die Eltern sahen nicht aus wie Deutsche. Ihre Hautfarbe ist dunkel. Sie sprachen auch kein Deutsch. Sie sprachen Armenisch und vielleicht Griechisch.
Naja, „Armenisch“ mit Sicherheit auch nicht, sondern Aramäisch, aber gut. (In der Online-Version wurde es heimlich korrigiert.)
2014 hätte man Josef und Maria nicht in einen Stall einquartiert. Sie wären in ein Asylantenheim gekommen. Auf manche Asylantenheime sprayen Idioten Nazi-Parolen.
Maria, Josef und Jesus würden also in diesem Asylantenheim leben. Und jeden Montag würden 10 000 Pegida-Idioten schreien: „Wir sind das Volk“.
Jesus, verzeih uns. Das Volk ist leider oft dumm.
Herzlichst
Franz Josef Wagner
Nun ist es, bei allem Verständnis, schon sehr bemerkenswert, dass ausgerechnet der „Chefkolumnist“ von „Bild“ solche Töne anschlägt und dass sich auch der Rest der “Bild”-Zeitung jüngst soPegida-kritischgibt. Als würde sich ein Fachgeschäft für Feuerwerkskörper plötzlich darüber beschweren, dass es überall knallt.
Denn es ist doch gerade die „Bild“-Zeitung, die solche Idioten seit Jahren immer wieder aufscheucht, anstachelt und mit neuer Munition versorgt. Die mit verdrehten Fakten und erfunden Geschichten immer wieder Stimmung gegen Ausländer macht und es dabei vor allem auf Muslime abgesehen hat. Die gegen „Asylantenheime“ (allein dieses Wort!) hetzt und Angst vor Überfremdung schürt und damit genau jenen Leuten unter die Arme greift, die jetzt gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes auf die Straße gehen.
Nur mal als Beispiel: der “Islam-Rabatt”. Anfang des Jahres unterstellten die „Bild“-Medien in einer großangelegten Kampagne der deutschen Justiz, sie bestrafe Moslems milder als christliche Angeklagte (BILDblogberichtete). Dafür gab es zwar keinerlei Belege, aber „Bild“, Bild.de und „Bild am Sonntag“ bastelten sich kurzerhand ihre eigene Wahrheit, indem sie entscheidende Fakten unter den Tisch fallen ließen, eine Studie verzerrt wiedergaben und dann einfach behaupteten, an deutschen Gerichten gebe es einen „Islam-Rabatt“:
Bild.de-Chef Julian Reichelt forderte hysterisch: „Keine Scharia in Deutschland!“, diverse ahnungslose Politiker sprangen ihm blindlings bei — und die Moslemhasser rieben sich die Hände, weil sie nur noch die „Bild“-Artikel teilen mussten, um auf „die Gefahren des Islam in Deutschland“ hinzuweisen.
Eine Korrektur der Berichterstattung hat es übrigens bis heute nicht gegeben.
Oder die Hasspredigt von Nicolaus Fest (BILDblog berichtete), der im Sommer in der „BamS“ unter anderem geschrieben hatte, der Islam störe ihn immer mehr — ihn störe die „weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund“, die „totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle“ und so weiter –, darum sei der Islam auch ein „Integrationshindernis“, was man „bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen“ solle. Fest schloss mit den Worten:
Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht.
Zwar versuchten „Bams“-Chefin Marion Horn und „Bild“-Chef Kai Diekmann daraufhin noch, den (Image-)Schaden zu begrenzen, doch da hatten die Hetztiraden schon längst die Runde gemacht und tosende Beifallstürme in den Rassistenblogs ausgelöst. Und dass es dieser Kommentar überhaupt erst ins Blatt geschafft hat, zeigt einmal mehr, wie fahrlässig die „Bild“-Menschen mit ihrer publizistischen Verantwortung und Macht umgehen. Oder, je nachdem, wie mutwillig sie sie missbrauchen.
Wie bei der Sache mit dem „Asyl-Hotel“ in Bautzen (BILDblogberichtete), erschienen vor gut drei Monaten:
Auch das ist eine völlig verzerrte Darstellung der Tatsachen, die offensichtlich nur dazu dient, die Asylbewerber in ein schlechtes Licht zu rücken. Es stimmt zwar, dass sich die Sanitäter Schutzwesten besorgt haben, aber nicht aus Angst vor Einsätzen in dem Heim, sondern als generellen Schutz bei allen Einsätzen, egal, wo sie stattfinden.
Auch vieles andere an dem Artikel ist unwahr oder wird verzerrt dargestellt, das haben sowohl die Polizei als auch das DRK als auch der Betreiber des Heims mehrfach mitgeteilt, und obwohl die „Bild“-Redaktion das weiß, und obwohl sie weiß, dass die Berichterstattung viele Menschen gegen die Flüchtlinge aufhetzt, ist der Artikel immer noch unverändert online.
Oder erst neulich: das Märchen vom Verbot der Weihnachtsmärkte (BILDblog berichtete). Vor zwei Wochen behauptete die „Bild am Sonntag“ (in Anlehnung an eine „B.Z.“-Geschichte von vor einem Jahr), in Berlin-Kreuzberg seien statt „Weihnachts-“ nur noch „Wintermärkte“ erlaubt, um Andersgläubige nicht zu stören. Völliger Unfug zwar, aber die „BamS“ verbreitete die Geschichte trotzdem, wie gewohnt mit verzerrten Darstellungen und verschwiegenen Fakten, fragte: “Wird auf dem Altar der politischen Korrektheit die christliche Tradition geopfert?” und lieferte den Pegida-Hetzern damit eines ihrer plakativsten „Argumente“.
Eine Korrektur der „BamS“ ist bis heute nicht erschienen. Der Artikel ist immer noch online.
Die oben ausführlicher beschriebenen Beispiele stammen alle nur aus diesem Jahr, und es sind nur die knalligsten dafür, wie die „Bild“-Zeitung seit Jahren unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die Angst vor der Islamisierung schürt und damit den Idioten, die Franz Josef Wagner heute so kritisiert, wissentlich in die Hände spielt.
Und um abschließend nochmal auf Wagners Gedankenspiel zurückzukommen:
Was, wenn die Eltern von Jesus in Dresden an einer Haustür geklopft hätten[?]
Dann hätten sie wahrscheinlich schlechte Karten gehabt. Zumindest an der Haustür eines „Bild“-Lesers.
Mit Dank auch an Sejfuddin.
Nachtrag, 17. Dezember: Die Eltern von Jesus waren bei der Geburt übrigens keine “Flüchtlinge”, wie Wagner schreibt, sondern (wenn überhaupt) auf dem Weg, sich von der Finanzbehörde registrieren zu lassen. Fliehen mussten sie erst später, als König Herodes Wind davon bekommen hatte und Jesus umbringen lassen wollte. Mehr dazu: hier.