Vor einem Monat hat die Axel-Springer-AG die Mehrheit an der Fußball-Community transfermarkt.de übernommen. Damit ist Bild.de jetzt eine Halbschwester von transfermarkt.de — und kann mit der ganz eigenen Unbekümmertheit helfen, der Seite neue Leser zuzuführen.
Heute zum Beispiel findet sich im Sport-Ressort von Bild.de folgender redaktioneller Hinweis:
Aber es ist nur ein Gerücht, dass es sich bei dem möglichen Wechsel von Vedad Ibisevic zu Juventus Turin um das “Gerücht des Tages” handelt. Wenn überhaupt, dann das des gestrigen Tages. Die Diskussion ist zudem weniger “heiß” als lau, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Meldung stimmt, wird auf transfermarkt.de aktuell gerade einmal mit fünf Prozent angegeben.
Aber solche Details stehen sicher nach Ansicht von Bild.de nur einer erfolgreichen Werbung für das neue Springer-Angebot im Wege.
1. “Wo sind all die Beiträge hin?” (heise.de/tp/blogs, Bettina Winsemann)
“Die Debatte um das ‘digitale Vergessen’ ist weiterhin eine der grundlegenden Debatten rund um das Thema Daten(schutz/speicherung/löschung). Ein Beispiel hierfür ist die geplante Löschung der Forenbeiträge, die älter als 2 Jahre sind, bei Heise Online.”
2. “Kündigt WAZ die Agentur dpa?” (ruhrbarone.de, David Schraven)
“Es gibt ein neues heißes Gerücht in der Ruhrstadt. Und zwar scheint es, als plane Ulrich Reitz, Chefredakteur der WAZ, die Nachrichtenagentur dpa zu kündigen. Das zumindest wird in den Fluren der dpa geflüstert.”
3. “Die große Verkrampfung” (miriammeckel.de)
Miriam Meckel über schiefgegangenen Mid-Risk-Journalismus, ein “Vabanquespiel”: “Journalismus ist manchmal ein Spiel, in dem man alles auf eine Karte setzen kann. Tut man das, ohne die anderen Mitspieler zu beobachten, ist man womöglich schnell auf der Seite der Verlierer. Darin unterscheiden sich Medien- und Finanzwelt gar nicht so sehr.”
4. “Cooler Journalismus ohne Tiefgang” (stoehlker.ch/weblog)
Klaus J. Stöhlker hat das schweizer Branchenmagazin “persönlich” gelesen und zieht folgendes Fazit über den Chefredakteur: “Matthias Ackeret liefert Gefälligkeits-Journalismus, ganz wie bei Christoph Blocher.”. Eine neue Haltung ist das nicht, schon vor einem Jahr hat Stöhlker Ackeret per Zeigefinger gemahnt.
5. “PR Online (2)” (coffeeandtv.de, Lukas)
Der Onine-Auftritt der Rheinischen Post, RP Online, stellt eine Pressemitteilung für einen Reiseveranstalter inkl. Telefonnummer als kaum veränderten redaktionellen Inhalt online (“Beratung und Buchung erfolgen sieben Tage die Woche von 8 bis 22 Uhr unter 0180 5/70 20 70* für Aldi Nord und 0180 5/70 30 70* für Aldi Süd durch Urlaubsexperten”). Darauf hingewiesen, stellen die Verantwortlichen den Text offline.
6. Marc Andreessen im Interview (portfolio.com, Kevin Maney)
Internetpionier Marc Andreessen empfiehlt der New York Times per sofort die Printausgabe einzustellen: “Shut off the print edition right now. You’ve got to play offense.”
1. “Experten” (coffeeandtv.de, Lukas)
“Braucht ein Journalist ein Statement zum Thema Blogs oder Internet, wendet er sich an Stefan Niggemeier. Der darf auch beim Thema ‘Medien allgemein’ ran, aber nur, solange seine Meinung nicht der Linie des Journalisten zu widersprechen droht – sonst ist Jo Groebel dran.”
2. “Deutsche Nachrichtenagentur sieht schwarz für die Schweiz” (tagesanzeiger.ch, Olivia Kühni)
“Die Turbulenzen an den Finanzmärkten würden die Akteure an den Schweizer Bankenplätzen erheblich ins Schwitzen bringen, so die DPA. ‘Sogar Verhältnisse wie in Island, wo der Staat kurz vor dem Bankrott steht, werden unter Experten für die Eidgenossenschaft nicht mehr wie bisher entrüstet ausgeschlossen, sollte sich die Lage weiter verschlechtern.’ Namentlich genannt werden in dem Text keine Experten, die diese Meinung tatsächlich öffentlich vertreten.”
3. “Immer sind die Medien schuld” (taz.de, Bernd Pickert)
Bernd Pickert verteidigt die linksliberalen Medien, die den Kandidat Obama befürworten. “Wie müssten denn Medien beschaffen sein, die diesem McCain-Wahlkampf positives abgewinnen könnten?”
4. “Linke Presse, rote Zahlen” (jungle-world.com, Catrin Dingler)
“Ein Gesetz der italienischen Regierung sieht drastische Kürzungen der Subventionen für das Verlagswesen vor. Insbesondere linke Tageszeitungen wären davon betroffen. Der größten, il manifesto, droht zum Ende des Jahres das Aus.”
5. “Nur ein Diskurs kann uns retten” (michael-klonovsky.de)
“Der Starnberger Emeritus Jürgen Habermas gilt als der bedeutendste deutsche Sozialphilosoph der Gegenwart. Warum eigentlich?” (“Bestellt, bezahlt und bislang ungedruckt von der Weltwoche, Zürich”)
1. “25 Jahre ‘c’t'” (faz.net, Michael Spehr)
Die Frankfurter Allgemeine lobt die “Heilige Schrift” der sogenannten Computerfreaks aus dem Heise-Verlag über alle Massen: “Sie heischt nicht nach Sensationen (selbst wenn sie mit zahlreichen Enthüllungsgeschichten großes Aufsehen erregte), sie bietet in einem gesetzten, nüchternen und damit sehr lesefreudigen Layout vor allem viel Text, und sie verzichtet bei der Vorstellung von neuen Produkten auf die neuerdings üblichen Fotostrecken mit Bikini-Mädels.”
2. “Jörg Haiders anderes Leben” (profil.at, Herbert Lackner)
Jörg Haider soll seine Bi-Sexualität zwar nicht ausgeplaudert, aber auch nie verheimlicht haben. Die Medien wüssten nun nach seinem Tod nicht, wie damit umgehen, da sie nie genau nachgefragt hätten: “Ernsthafte Recherchen hatte kaum ein Blatt angestellt”, denn “die Innenpolitik-Journalisten hatten ohnehin keine große Lust, sich die mühsame Recherche in irgendwelchen ‘Szenelokalen’ anzutun.”
3. “‘New York Times’ in Not! Das Geld geht aus!” (meedia.de, Dirk Manthey)
“Nur noch 46 Millionen Dollar Cash sollen laut Insidern in der Kasse der New York Times Group sein. Das ist nicht viel für einen Konzern mit rund drei Milliarden Dollar Umsatz.”
4. “SZ wirft aus Glashaus mit Max Mosley auf ‘Bild'” (bildblog.de)
Ein gewisser “Kai D.” gibt dem Bildblog Anstoss für die Story, dass die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet, dass Max Mosley Bild verklagt, ohne aber zu erwähnen, dass ihr selbst das Gleiche widerfahren ist. Chefredakteur Hans Werner Kilz bestätigt das nachträglich: “Natürlich hätte man das in einen SZ-Artikel reinschreiben können oder sollen, wenn es zu diesem Zeitpunkt schon feststand.”
5. “Vor und hinter den Kulissen von ‘TV Total'” (stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier durfte sein neues Buch bei Stefan Raab, den er schon seit über zehn Jahren kennt, vorstellen. Er berichtet ausführlich über seinen bereits zweiten Auftritt in der Sendung “TV Total”.
Sorge um verdeckte Recherchen, Angst vor heimlichen Ausspähungen und Millionen-Sparpläne beim Schweizer Ringier-Verlag – der Rückblick auf die 43. Kalenderwoche auf medienlese.com.
Das Bild der Woche: Telekom-Chef René Obermann. Für die Bespitzelung von Betriebsräten und Journalisten wurde die Deutsche Telekom mit dem Big-Brother-Award ausgezeichnet.
Kritisch betrachten die Medien ein Urteil des Schweizer Bundesgerichts (unser Bericht auf medienlese.com). Jetzt wird befürchtet, dass das Urteil Journalisten an der verdeckten Recherche hindert. Die Frankfurter Allgemeine schrieb von entsetzten Medienexperten, der direkt am Fall beteiligte SF-Chefredaktor Ueli Haldimann von einem “medienfeindlichen Urteil“.
Der Zweck einer Blattkritik ist Selbstkritik. Außer vielleicht bei “Bild”. Und so nutzte “Bild”-Chef Kai Diekmann die aktuelle “Bild”-Aktion der öffentlichen Blattkritik am vergangenen Donnerstag dazu, “eine kleine Geschichte aus den letzten zwei Tagen” zu erzählen:
Vergessen hatte die “SZ” in diesem Zusammenhang offenbar, dass sie genauso, auch mit diesen Details über Mosley berichtet hatte, dass sie die Aussagen der beteiligten Prostituierten als besonders glaubwürdig eingestuft hatte und deshalb auch von dem gleichen Anwalt ebenfalls verklagt worden ist. Kein Wort dazu.
(Links von uns.)
Nun hat Diekmanns “kleine Geschichte” einen kleinen Haken: Anders als “Bild” und anders als der “Bild”-Chef behauptet, wurde die “Süddeutsche” nicht “verklagt”.
Nur ist die Geschichte hier nicht zu Ende – aber ab hier keine Geschichte über “Bild”.
“Süddeutsche” vom 8.10.2008:
“[Mosleys] Anwältin Tanja Irion (…) hat in dieser Sache mittlerweile fünfundvierzig einstweilige Unterlassungs-verfügungen gegen deutsche Medien vor Gericht erwirkt. Hinzu kommt noch einmal die gleiche Anzahl außergerichtlicher Unterlassungs-verpflichtungs-Erklärungen. Einige Fälle laufen noch. ‘Es ist immer wieder erstaunlich, dass große Medienhäuser nur eingeschränkt recherchieren: im Fall Mosley überhaupt nicht’, stellt die Anwältin fest. Vor allem legt sich Mosley in Deutschland mit dem Springer Verlag an. (…) Bild und Bild Online hatten große Artikel und auch Fotos über den Fall unters Volk gebracht. (…)
Denn tatsächlich hatte Hans Leyendecker, bekanntermaßen nichtunbedingtein Freund von “Bild”, am 8. Oktober ohne ersichtlichen Anlass auf der Medienseite der “Süddeutschen” über Mosleys juristische Schritte gegen deutsche Medien berichtet (siehe Kasten). Leyendecker hatte aber mit keinem Wort erwähnt, dass Mosley nicht nur gegen “Bild” vorging, sondern (neben “Welt”, “Tagesspiegel”, “Berliner Zeitung”, “FAZ”, “Stern”, “Spiegel” und anderen) auch gegen die “Süddeutsche Zeitung”. Schließlich hatte die Zeitung zwischen April und Juni in zum Teil großen Artikeln im Sportteil, auf der Panorama-Seite, aber auch auf ihrer Seite 3 unschöne Gerüchte über Mosleys Sexualpraktiken als Tatsachenbehauptung weiterverbreitet – und u.a. über die vermeintlichen Enthüllungen einer Prostituierten in einem britischen Boulevardblatt behauptet, dass “deren Glaubwürdigkeit von der Vielzahl an Details gestützt wird, die sie preisgibt”. Mindestens ein halbes Dutzend Mosley-Artikel hatte die “Süddeutsche” auf Betreiben von Mosleys Anwältin schon Wochen vor Erscheinen des Leyendecker-Artikels unauffällig zurückgezogen und aus Archiven gelöscht.
“Bild”-Chef Diekmanns “kleine Geschichte” endete übrigens damit, dass er berichtete, wie schwer sich die Chefredaktion der “Süddeutschen” damit tue, ihren Fehler öffentlich einzugestehen, wiewohl sie “mit der Berichterstattung auch nicht ganz glücklich” sei.
Wir können das nur bestätigen. Auch uns gegenüber will es den Verantwortlichen bei der “Süddeutschen” trotz mehrfachen Nachfragens offenbar nicht gelingen, die Frage zu beantworten, warum die “Süddeutsche” es wichtig genug fand, ihre Leser gleich zwei Mal* darüber zu informieren, dass Mosley gegen “Bild” vorgeht, aber kein einziges Mal, dass auch sie selbst unzulässig über Mosley berichtet hatte.
*) Erstaunlich, dass Leyendeckers Text in der “Süddeutschen” überhaupt erschien. Schließlich hatte die Zeitung selbst am 26. Juli (und ebenfalls auf der Medienseite) schon einmal ausführlich über Mosleys Vorgehen gegen “Bild” berichtet. Damals noch aktuell – und mit einer Erläuterung der Strategie von Mosleys Anwältin: “Uns geht es darum”, sagte sie, “gegen die mit Abstand bösartigste Berichterstattung vorzugehen – die fand unter anderem wochenlang in den Springer-Medien statt.” Womit wir dann doch wieder beim Thema wären.
Mit Dank an Kai D. für den Hinweis!
Nachtrag, 20.30 Uhr. Wenige Minuten nach der Veröffentlichung dieses Eintrages hat uns “SZ”-Chefredakteur Hans Werner Kilz geantwortet. Er bestätigt, dass Max Mosley eine einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung der “Süddeutschen Zeitung” erwirkt habe und fügt hinzu: “Natürlich hätte man das in einen SZ-Artikel reinschreiben können oder sollen, wenn es zu diesem Zeitpunkt schon feststand.” Warum das unterblieb, könne er nicht sagen.
Denn ungefähr jeder dritte vierte Internetnutzer zwischen 18 und 49 Jahren, der Blogs kennt, kennt BILDblog. Das ergab eine repräsentative Studie des Markt- und Trendforschungsinstituts EARSandEYES*. Mit einer Bekanntheit von 28,8 Prozent liegt BILDblog in dieser Gruppe vor Ehrensenf (20,9 Prozent), Blogbar (9,3 Prozent) usw.
*) Online-Befragung von 1.213 Internetnutzern im August/September 2008.
Da war Dirk Hoeren, “Bild”-Experte für Rentenlügen, wohl etwas voreilig. Gestern nachmittag nämlich veröffentlichte “Bild” im Online-Angebot einen Text von ihm (und gab laut “FR” eine Vorabmeldung heraus), wonach die Deutsche Rentenversicherung 44,5 Millionen Euro “möglicherweise verzockt” habe. Wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt, lautete die Überschrift offenbar zunächst:
Rentenversicherung verzockte 44,5 Millionen Euro bei Lehman
Das ist natürlich eine Geschichte, mit der man derzeit eine Menge Aufmerksamkeit* erregen kann. Selbst dann, wenn sie nicht stimmt.
Dass sie nicht stimmte, weiß inzwischen offenbar auch “Bild”. Die Überschrift des “möglicherweise-verzockt”-Textes wurde auf Bild.de inzwischen entschärft und lautet nur noch:
Rentenkasse legte Millionen bei Pleite-Bank an
Die Rente ist sicher:
“Krumnack [Erster Direktor der Rentenversicherung Rheinland] zu BILD: ‘Das Geld ist durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der deutschen Banken geschützt. Wir rechnen damit, dass die Einlagen plus Zinsen bis zum Jahresende ausgezahlt werden.'”
Dass die Millionen offenbar über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken geschützt sind, erfährt der Leser allerdings erst in einem zweiten Anlauf Artikel zum Thema (siehe Kasten), der es heute immerhin auf die Titelseite der gedruckten “Bild” geschafft hat:
Das große “Uff”, mit dem da der Aufreger in sich zusammensinkt, ist jedoch nicht mal eine Neuigkeit. Im Gegenteil: Man hätte das alles schon seit 14. Oktober in einer Bundestagsdrucksache (pdf) nachlesen können (und seit gestern auch in einer Mitteilung des Bundestags). Dirk Hoeren hat das offenbar versäumt.
Ganz aufgeben mochte die “Bild”-Zeitung ihren Alarmismus heute aber doch noch nicht und schreibt:
Inwiefern allerdings “Termineinlagen in verschiedenen Stückelungen” spekulativ sind, weiß wohl nur “Bild”. Oder auch nicht: Termineinlagen unterliegen nämlich, anders als zum Beispiel Aktien, keinem Kursrisiko. Und weil die Einlagen außerdem durch den Einlagensicherungsfonds geschützt sind, hat die Rentenversicherung sichergestellt, was “Bild” korrekt referiert: “dass ein Wertverlust ausgeschlossen ist”.
Der “Bild”-Artikel endet dennoch mit den Worten des “FDP-Finanzexperten Frank Schäffler”:
“In der Finanzkrise haben nicht nur die Banken, sondern auch die Sozialkassen versagt. Auch die Rentenversicherung muss ihr Risikomanagement bei Geldanlagen dringend verbessern.”
Und vielleicht finden “Bild” und ihr Experte ja bei Gelegenheit auch einen Beleg für diese Behauptung.
1. “Das ZDF hat’s nicht begriffen” (stefan-niggemeier.de)
“Es ist entlarvend, dass das ZDF den unfairen Kritiker Reich-Ranicki für seine ahnungslose Pauschalkritik mit einer Sendung belohnte, die Kritikerin Heidenreich für ihre begründete Pauschalkritik aber bestrafte, indem es ihr die Sendung wegnahm.”
2. “Das Prinzip Gottschalk” (sz-magazin.sueddeutsche.de, Tobias Kniebe)
“Deutschlands unersättlichster Opportunist”, Thomas Gottschalk: “Nein, ein lebensfähiges Modell für das Älterwerden von deutschen Fernsehlegenden scheint noch nicht gefunden zu sein, und für Gottschalk könnte dieser Prozess, wenn die Locken endgültig zu dünn werden und die ‘schrillen’ Klamotten um seine Glieder schlackern, noch hart werden.”
3. “‘Mopo’-Chefs machten Geschäft mit Osmani” (abendblatt.de, Gita Ekberg und Matthias Rebaschus)
“Josef Depenbrock und Hans Barlach kauften Immobilie am Hafenrand im Wert von rund zehn Millionen Euro.”
4. “Die Fernsehauswanderer” (freitag.de, Helmut Merschmann)
“Um an gutes Fernsehen zu gelangen, muss man noch verschlungenere Wege antreten. Durch den Sohn eines Schwagers einer entfernt Bekannten werden mir gelegentlich amerikanische Fernsehserien zugespielt. Sie stammen aus dem Internet.”
5. “Politischer Kampf als Wellnessprogramm” (dradio.de, Michael Klonovsky)
Michael Klonovsky, Chef vom Dienst bei Fokus, glaubt, “ein Gutteil des vermeintlichen Kampfes gegen ‘rechts'” sei “nichts weiter als ein seelisches Wellnessprogramm für seine Betreiber”: “Die meisten, die sich dabei hervortun, haben ja noch nie einen Rechten, geschweige einen veritablen Neonazi gesehen. Das Risiko, sich bei diesem Kampf eine Beule zu holen, tendiert also erfreulich gegen Null, während die Lorbeeren garantiert sind.”
6. “Most Voters Say News Media Wants Obama to Win” (pewresearch.org)
Nicht nur Spiegel Online – auch die amerikanischen Medien lieben den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama überdurchschnittlich und möchten, dass er gewinnt. So sehen es jedenfalls die Wähler.
“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann ist kein Fan der “Süddeutschen Zeitung”, im Gegenteil. Eine Formulierung aus der “Süddeutschen” aber hat es ihm angetan. Er zitiert sie immer wieder, in Interviews und Vorträgen — und neulich zum Beispiel in der Blattkritik der “Bild”-Zeitung, als er als Reaktion auf die These von Gertrud Höhler, wer “Bild” nicht lese, sei politisch unreif, sagte:
Insbesondere in Eliten werden wir allein schon aus professionellen Gründen gelesen. Die “Süddeutsche Zeitung” hat das mal so schön formuliert, “Bild” sei der “Seismograph der deutschen Befindlichkeit”. Man muss eben nicht nur wissen, was wirklich passiert, sondern auch, wie ein Land, wie eine Nation fühlt, und das übersetzt “Bild”.
Der Mann, der das in der “Süddeutschen Zeitung” mal so schön formuliert hat, heißt übrigens Adolf Theobald und ist der große alte Mann des deutschen Verlagswesens: Er hat “Capital” gegründet, war Geschäftsführer beim “Spiegel” und Chefredakteur von “Geo”, “twen” und “natur”. Und so schön formuliert hat er das zu einer Zeit, als Kai Diekmann noch gar nicht “Bild”-Chefredakteur war: am 30. Dezember 1999.
Und weil Kai Diekmann die Formulierung so schön findet, haben wir einfach mal bei Adolf Theobald nachgefragt, ob er das heute auch noch über “Bild” sagen würde.
Er würde:
Ein Seismograph ist ein Messgerät, er misst, was ist, nicht was sein soll. Genauer: Er misst Richtung und Dauer von Erdbeben. Auch BILD lebt vom Beben, vom Beben der Masse, das sie zu Schlagzeilen verkürzt. Dieses Blatt gibt Sentiments und Ressentiments des kleinen Mannes auf der Straße wieder. Das darf man wohl “Befindlichkeit” nennen. Und die ist oft genug genau so widerlich wie der Protokollant.