Suchergebnisse für ‘the’

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1. “PR – Klartext. Ein Wörterbuch für Journalisten”
(epd.de, hen)
Der evangelische Pressedienst überrascht mit einer witzigen und wahren Übersetzung von “PR-Sprech” in “Klartext”. Beispiel: “PR-Sprech: Das können wir weder bestätigen noch dementieren. – Klartext: Sie haben ins Schwarze getroffen. So wie Sie es sagen, ist das richtig. Aber wir wollen da nicht als Quelle auftauchen. Warum, wissen wir eigentlich selber nicht, aber das machen alle so.”

2. “Bundesminister Wolfgang Schäuble zur aktuellen Ausgabe”
(bild.de, Video, 6:50 Minuten)
In der täglichen, öffentlichen Blattkritik outet sich Innenminister Wolfgang Schäuble als grosser Bild-Leser und findet kaum einen Satz der Kritik an der Zeitung. Dafür spuckt Chefredakteur Kai Diekmann grosse Töne und nennt die Süddeutsche Zeitung eine Boulevard-Zeitung.

3. “Tatort: Schloss Bellevue”
(taz.de, Bettina Gaus)
Bettina Gaus fragt sich, warum Peter Sodann nicht mehr im Tatort mitspielen darf: “Wie wäre die Lage, wenn Sodann ein Schornsteinfeger wäre, er sich also Zutritt zu fremden Wohnungen verschaffen könnte? Müsste er um Beurlaubung von seinem Arbeitsplatz nachsuchen, um kandidieren zu dürfen – um also sicherzustellen, dass ihm die Kontrolle der Schornsteine keine unzulässigen Vorteile verschafft?”

4. “Frau Piel ruft nach der Aufsicht”
(stern.de, Bernd Gäbler)
“Jetzt müssten aber die Landesmedienanstalten das Privatfernsehen aber mal an die Kandare nehmen. Mit diesem Vorschlag tat sich die WDR-Intendantin Monika Piel nach der Wutrede von Marcel Reich-Ranicki hervor. Das ist nicht das einzige, was ihr in letzter Zeit daneben ging. Medienpolitisch hat sie noch nicht Tritt gefasst.”

5. “Wieviele Leute schauen eigentlich zu?”
(20min.ch, Henning Steier)
“Die Zeiten, in denen Sender vorgaben, wann man ihr Programm schaut, sind lange vorbei. Denn immer mehr Bürger gucken Serien mittlerweile im Netz oder hören Web-Radio. Das macht die genaue Messung von Einschaltquoten zunehmend schwierig. 20 Minuten Online hat bei Manuel Dähler, Direktor der Mediapulse AG nachgefragt, wie die Quotenmesser darauf reagieren.”

6. “World of Warcraft vs. my girlfriend”
(mcsweeneys.net, Tyler Curry)
“Last month, when your mother was in a car accident, you called and not only demanded I drive you to the hospital but insisted I stay there to provide ’emotional support’—despite knowing full well that I had booked that evening off to fight forest trolls in Zul’Aman.”

Kurz korrigiert (483)

Weil der republikanische Ex-Außenminister Colin Powell bei der US-Wahl für den demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama stimmen will, schreibt “Bild”-Autor Heiko Roloff in seiner Bild.de-Kolumne “Mein New York”:

"Bill Clintons Vizekandidat, der demokratische Senator Al Gore wechselte die Seiten, ist für McCain."

Das wäre eine echte Sensation. Ist es aber nicht, sondern bloß Unsinn. Schließlich schrieb beispielsweise Al Gore selbst bereits am 16. Juni auf seiner Website:

A few hours from now I will step on stage in Detroit, Michigan to announce my support for Senator Barack Obama. From now through Election Day, I intend to do whatever I can to make sure he is elected President of the United States.
[In ein paar Stunden werde ich in Detroit, Michigan, öffentlich meine Unterstützung für Senator Barack Obama bekanntgeben. Bis zum Wahltag werde ich alles mir mögliche tun, damit er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird.]

Mit Dank an Jerome H., Jonas D., Georg und fackelmann.

Nachtrag, 13.15 Uhr: Jetzt ist es auch Bild.de aufgefallen, dass nicht Al Gore, sondern Al Gores Vizekandidat, der demokratische Senator Joe Lieberman, die Seiten gewechselt hat (er firmiert allerdings schon seit 2006 als “Unabhängiger Demokrat”).

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1. “Jo Groebel”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier über einen von vielen deutschen Medien sehr regelmässig herbeigezogenen “Medienexperten”: “Groebel sagt den Qualitätsmedien wie der Berliner Quatschzeitung ‘B.Z.’ nichts anderes als das, was der grundlos erregte Mann auf der Straße auch sagen würde, adelt es aber durch den Titel ‘Professor’ und durch die Logik, dass er sich so oft öffentlich zum Thema Fernsehen äußert, dass er sich damit einfach auskennen muss.” Dazu eine Entgegnung von Jo Groebel.

2. “Der Medienunternehmer Roger Schawinski im Interview”
(nzz.ch, Sacha Batthyany)
“Wenn ich auf DVD amerikanische Serien schaue wie ‘The West Wing’, lerne ich mehr über das Weisse Haus, als wenn ich zehn Jahre lang die ‘New York Times’ und die NZZ lese. Die Staffeln von ‘The Sopranos’ sind schlicht genial, das ist Shakespeare der heutigen Zeit.”

3. Bild macht Konservativen zum Rechtsextremen
(sueddeutsche.de, Marc Felix Serrao)
“Bild bezeichnet den Chef eines konservativen Online-Magazins ohne Rücksicht auf dessen Protest als ‘Rechtsextremen’ – jetzt nehmen ihn selbst linke Blogger und der Verfassungsschutz in Schutz”. Die Entgegnung des Bloggers auf blauenarzisse.de.

4. “20 beliebte Sätze in 20 Jahren Blattkritik”
(derstandard.at)
Zu 20 Jahren Der Standard viele Listen mit 20 Punkten. Punkt 19 der beliebten Blattkritik-Sätze: “Warum haben wir das nicht?”

5. “Die Revolutionäre des Web 2.0”
(cicero.de, Robin Meyer-Lucht)
“Eine Gruppe junger Online-Pioniere lehrt die etablierten Verleger das Fürchten.”

6. “Irre: ARD steigt bei Friedenspreis plötzlich aus”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Ein Titel wie in der Bild-Zeitung: “Heilige Einfalt, was ist da in die ARD gefahren? Das Erste hat die Übertragung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am Sonntagmittag abrupt abgebrochen.”

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1. “Pressefreiheit – Ins rechte Licht gerückt”
(zeit.de, Martin Gantner)
“Journalisten dürfen häufig nur berichten, wenn sie Knebelverträge unterschreiben. Künstler und PR-Agenturen wollen kontrollieren, was nicht mehr zu kontrollieren ist.”

2. “Die aufmüpfigen Info-Piraten”
(message-online.com, Michael Haller)
Wenn es ums leidige Thema “Blogs vs. Journalismus” geht, werfen sich in der Regel die bisher reichen Journalisten und die bisher armen Blogger gegenseitig vor, nicht oder ungenau zu recherchieren. Das muss wahr sein, denn von einem “erfolgreichen General-Interest-Blog” namens “Spreewald” hab ich noch nie gehört. In einem zweiten Artikel empfiehlt Roy Greenslade den Journalisten, sie sollen die Grundsätze der Blogger übernehmen.

3. “Gesucht: Börsenexperten im Fernsehen”
(blogmedien.de)
“Sie sind Banker, Automechaniker oder Gemüsefachverkäufer und haben gerade Ihren Job verloren? Verlassen Sie sich besser nicht auf gute Ratschläge Ihres Beraters bei der Arbeitsagentur. Nehmen Sie Ihr berufliches Schicksal lieber selbst in die Hand und werden Börsenexperte beim Fernsehen. Vorkenntnisse sind dafür kaum erforderlich, wie unser Beispiel zeigt.”

4. Schriftsteller Paulo Coelho fürchtet das Internet nicht
(taz.de, Dietmar Kammerer)
“Coelho berichtet, wie vor zehn Jahren seine schleppenden Verkäufe in Russland steil anstiegen, bis eine digitale Raubkopie von ‘Der Alchimist’ im internet auftauchte. Daraufhin seien innerhalb kürzester Zeit die Verkaufszahlen in dieser Region explodiert. Bis heute habe er zehn Millionen Exemplare dort abgesetzt.”

5. “Wir liegen knapp hinter Blick.online”
(werbewoche.ch, René Worni)
Peter Wälty, Chefredaktor des Medienportals Newsnetz, interpretiert die neuen Net-Metrix-Zahlen anders als wir es getan haben: “Keine Ahnung wie Medienlese zu diesem Ergebnis kommt.”

6. “Why I Blog”
(theatlantic.com, Andrew Sullivan)
Andrew Sullivan sagt, warum er bloggt.

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1. Peter Wälty im Interview
(persoenlich.com, Christian Lüscher)
“Wir werden niemals in Versuchung geraten, einen Tages-Anzeiger zu trivialisieren”, sagt der Chefredaktor von Newsnetz. Er ist mehr oder weniger zufrieden mit seinem im August gestarteten Projekt, räumt aber massive technische Probleme ein: “Für unsere Journalisten war die Arbeit am Anfang definitiv eine Zumutung.”

2. “Man müsste viele Leute rausschmeißen”
(focus.de)
Der am Wochenende mit einem Fernsehpreis ausgezeichnete Marcel Reich-Ranicki fragt sich: “Was für einen Preis habe ich bekommen? Das war ein Preis ohne Geld, musste extra hinfahren nach Köln, und da soll ich dankbar dafür sein?”

3. “Reich-Ranicki: Der Partyschreck”
(tagesspiegel.de, Harald Martenstein)
“Der alte Mann brachte einen Mut auf, den nicht viele besitzen. Wer schafft es, hunderten von Leuten geradeaus ins Gesicht zu sagen, dass man für dumm hält, was sie gerade stundenlang bejubelt haben? Während Reich-Ranicki redete, zeigten die Kameras Gesichter aus der Zuschauermenge, Ferres- und Kernergesichter. Das Dauergrinsen, das sie an diesem Abend trugen, ging nicht ab. Sie lächelten weiter. Anders können sie offenbar gar nicht.”

4. “Zur Klage der Nation”
(spex.de, Thomas Hübener)
Die Spex über das unverständlicherweise inzwischen auf vanityfair.de offline gestellte Blog “Klage” von Rainald Götz.

5. “Tagebuch eines Fotoreporters”
(fokussiert.com, Jan Zappner)
“Jan Zappner hat als Fotojournalist in Weissrussland Ende September die Wahlen verfolgt. Für fokussiert.com hat er ein Tagebuch verfasst: Einblick in die Arbeit eines Fotoreporters.”

6. “Mainstream News Outlets Start Linking to Other Sites”
(nytimes.com, Brain Stetler)
“‘Thou shalt not link to outside sites’ — a long-held commandment of many newsrooms — is eroding.”

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1. “Marcel Reich-Ranicki lehnt deutschen Fernsehpreis ab”
(youtube.com, Video, 9:08 Minuten)
Der Greis als Punk ist das Thema des Wochenendes. Dazu gibt es auch eine kurze Version des Moments (5:31 Minuten) und viele Stellungnahmen dazu: Marcel Reich-Ranicki selbst, Elke Heidenreich, Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka, Miriam Meckel.

2. “Eine Parade von Peinlichkeiten”
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
“Abgesehen vom Auftritt Reich-Ranickis langweilt die Gala mal wieder – und man registriert plötzlich, wer für all das steht, was das deutsche Fernsehen so einfallslos macht.”

3. “Was das ZDF nicht zeigte: Die peinlichen Momente”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Bei der Ausstrahlung der 10. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises hat das ZDF am Sonntagabend gleich mehrfach geschnitten, einige peinliche Szenen herausgenommen und Fehler ausgebessert. DWDL.de über das, was man am Abend im Fernsehen nicht sah.”

4. Interview mit Ingrid Deltenre
(sonntagonline.ch, Kurt-Emil Merki und Patrik Müller)
Ausgerechnet das mit Gebührengeldern finanzierte Schweizer TV klagt über Formate, die es aus Geldmangel nicht durchziehen kann. Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre: “Natürlich gibt es Formate, die wir gerne hätten. Ein aussenpolitisches Magazin zum Beispiel. Oder einen zusätzlichen Talk. Aber das ist aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich. Uns fehlt das Geld, das Programm weiter auszubauen.”

5. “Wie bitte? Die BZ über neue Audi-Modelle”
(topcarblog.ch)
Es gibt noch Menschen, die die Berner Zeitung lesen. Nur verstehen sie nicht, was sie ihnen sagen will: “Was auf den ersten Blick etwas unsensibel erscheint, entpuppt sich bei nöherem kennenlrenen als dich erstaunliche Ingenieurskunst.” Wie bitte?

6. Warum Weblogs? Blogger geben Auskunft
(blog-anleitung.de, Ralph Segert)
Und zwar Carola Heine, Herr Paulsen, Jens Berger, Marcus Puchmayer, Perun, Peter Praschl, Ralf Graf, Roland Grün, Schockwellenreiter, Stefan Gärtner, Stephan Herczeg und Thomas Gigold.

“Bild” in der Finanztippkrise

Zinsen steigen! Wo lege ich mein Geld gut und sicher an?

So berichtete die “Bild”-Zeitung am 15. September auf ihrer Serviceseite. Es seien “gute Zeiten für Sparer”, weil sie auf Fest- oder Tagesgeld zum Teil “deutlich über 5 %” Zinsen bekämen, meinte “Bild”, und listete “die besten Tagesgeld-Angebote” und “die besten Festgeld-Angebote” auf. In beiden Rubriken ganz vorne dabei war die isländische Bank Kaupthing Edge (Platz zwei beim Fest- und Platz eins beim Tagesgeld). Wie viele andere Medien auch, hatte “Bild” die Zahlen von der FMH-Finanzberatung.

Rückblickend war Kaupthing Edge jedoch kein so guter Anlagetipp. Die Bank ist zwar bislang nicht pleite, wurde aber bekanntlich gerade verstaatlicht. Die Frankfurter Niederlassung ist derzeit geschlossen, und deutsche Kunden kommen nicht an ihre Konten. Ob sie ihre Einlagen zumindest in Höhe der vom isländischen Staat garantierten Einlagensicherung (20.887 Euro) jemals wiedersehen, ist im Moment offenbar unklar.

Kaupthing in den Medien:

“Eine der größten Gefahren, die aktuell drohen, ist die Pleite einer Großbank, die in einem kleinen Staat beheimatet ist. (…) Unter verschärfter Beobachtung durch die Finanzmärkte war zuletzt auch Island, dessen Banken in den vergangenen Jahren enorm expandierten und ebenfalls weit größer sind als die Wirtschaftskraft ihres Heimatlandes. In Deutschland ist vor allem die isländische Kaupthing Bank aktiv und bietet Tagesgeldkonten mit besonders attraktiven Konditionen feil. Die isländische Einlagensicherung garantiert dabei maximal 20 887 Euro. Zudem gilt diese Garantie auch nur, solange der isländische Staat nicht bankrott ist – und Staatspleiten gab es in der Vergangenheit immer wieder.”
(“Welt” vom 16.9.2008)

“Und noch kritischer sieht es bei Auslandsbanken aus Kleinststaaten aus: Die Kaupthing Bank beispielsweise wirbt mit hohen Zinsen für Tagesgeld, doch bei einer Pleite wäre der gesamte Staat Island samt seiner Einlagensicherung überfordert.”
(“FNP” vom 17.9.2008)

“Wir empfehlen zum Beispiel nicht die isländische Kaupthing-Bank. Die lockt zwar mit hohen Zinsen. Sie ist aber nur nach isländischem Recht gut abgesichert und außerdem sehr eng mit der isländischen Wirtschaft verflochten. Das heißt: Wenn die Bank einmal straucheln sollte, ist es deshalb für den isländischen Staat um so schwerer, der Bank unter die Arme zu greifen.”
(boerse.ARD.de vom 18.9.2008)

Klar, hinterher ist man immer schlauer. Und wer konnte schon Mitte September, als “Bild” die Fest- und Tagesgeld-Angebote von Kaupthing Edge hervorhob, ahnen, dass es vielleicht doch keine so gute Idee wäre, dort anzulegen – außer zum Beispiel die “Welt”, die “Frankfurter Neue Presse” oder boerse.ARD.de (siehe Kasten).

Und nur wenige Tage nach dem Service-Artikel in “Bild” schrieb die “Welt”:

In Europa gelten nur kleinere Banken wie die isländische Kaupthing als Pleitekandidaten. Seit Monaten bekommt das Institut von anderen Banken kaum noch Geld – möglicherweise auch deshalb geht Kaupthing derzeit hierzulande mit hohen Festgeldzinsen auf Privatkundenfang.

Das hätten die Leser der “Bild”-Service-Seite vom September sicher auch gerne gewusst. Stattdessen warnte Max Herbst von der FMH-Finanzberatung*, die damals, wie gesagt, die Zahlen dafür geliefert hatte, erst vorgestern in “Bild” davor, bei Kaupthing Geld anzulegen:

“Angesichts der finanziellen Schieflage Islands sollte von der Anlage bei der isländischen Kaupthing Bank abgesehen werden.”

Das war immerhin einen Tag vor der Verstaatlichung – und nur drei Tage nachdem die “Bild am Sonntag” in einem “Finanzen Journal” unter der Überschrift “Das zinst wirklich! Wo das Ersparte krisensicher angelegt ist (…)” noch einmal die (gekürzte) “Bild”-Festgeldliste vom September nachdruckte – mit Quelle FMH und Kaupthing Edge unverändert an zweiter Stelle.

*) FMH-Berater Herbst gehört zum “Bild”-Finanzexperten-Team, das derzeit Leserfragen zum Thema “Angst ums Geld” beantwortet.

Mit Dank an Wolfgang A. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 12.10.2008: Die Stiftung Warentest hat übrigens bereits im Finanztest-Heft 06/2008 (also im Mai dieses Jahres) bei den Tages- und Festgeld-Angeboten von Kaupthing Edge eindringlich “zur Vorsicht” geraten.

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1. “Rufmord 2.0”
(polylog.tv, Frederik Fischer und Anna-Zoe Schmidt, Video, 5:45 Minuten)
Polylog.tv, Grimme Online Award Preisträger 2007, erklärt, wie man im Internet für 10 Euro im Monat “den Ruf im Abonnement” retten kann und stellt Blogger als grundsätzlich verantwortungslose Wesen dar.

2. Interview mit Fabien Baron
(welt.de, Adriano Sack)
“Er gestaltete die französische ‘Vogue’, Madonnas ‘Sex’-Buch und auch Kate Moss legte sich für ihn schon nackt auf ein Sofa: Der Art-Director Fabien Baron prägt seit 15 Jahren die Ästhetik von Werbung, Zeitschriften und Verpackungen. Nun soll er Andy Warhols legendäres Magazin ‘Interview’ wiederbeleben.”

3. “Drei Sausäcke auf einem Haufen”
(sueddeutsche.de, C. Kortmann)
Eine TV-Kritik über “Qualitäts-Quatsch”: “Vor allem Gottschalk amüsierte sich prächtig, als genieße es der Malibu-Halbrentner, im Fernsehen mal nicht mit aufwändig frisierten, aber rhetorisch bescheiden bemittelten Gestalten auf dem Sofa zu hocken.”

4. “Hecheln auf dem Parkett”
(freitag.de, Dietrich Leder)
“Das ist die große, bunte Aktien-Show, die alles grau und trostlos macht: ‘Börse im Ersten‘ in den Zeiten der Krise.”

5. “über musik schreiben ist wie zu architektur tanzen”
(indiestreber.de, matze)
Neue Musikmagazin-Test-Serie bei indiestreber.de. Erstes Testobjekt: Rolling Stone.

6. “The Gawker Guide To A Journalism Career”
(gawker.com, Hamilton Nolan)
“So, you want to be a journalist? Ha ha ha. Jeez. Your timing sucks.”

Bild.de macht aus Doppelmord “Unterhaltung”

Der 29-jährige Skylar Deleon hat es heute auf die Startseite von Bild.de und im Ressort “Unterhaltung” sogar recht weit nach oben geschafft.

Und dass es daran liegt, dass am gestrigen Dienstag im kalifornischen Santa Ana der Prozess gegen den seit 2005 in Untersuchungshaft sitzenden, mutmaßlichen Doppelmörder begonnen hat, ist eher unwahrscheinlich. Nein, seinen prominenten Platz zwischen Halle Berry und den Effenbergs verdankt er auf Bild.de offensichtlich seinem Ruhm als “TV-Star”, denn:

Als Power Ranger begeisterte Skylar Deleon Millionen
Ja, Bild.de weiß es sogar noch genauer:

Skylar Deleon (29) wurde als Superheld in der TV-Serie “Power Rangers” weltweit bekannt. (…) Mit 14 Jahren schafft der Amerikaner den Durchbruch, bekommt bei den “Power Rangers” (läuft in Deutschland bei “SuperRTL”) die Rolle des pinken “Roger”. Sechs Jahre später ist der Traum aber schon wieder vorbei.

Dabei hätte der ahnungslose zuständige Unterhaltungstexteschreiber bei Bild.de doch spätestens, als er “d i e   R o l l e   d e s   p i n k e n   ‘R o g e r'” tippte, stutzig werden müssen. Einen pinkfarbenen “Power Ranger” names “Roger” gibt es nämlich gar nicht. Und keinen “TV-Star”. Oder, um es mit der Nachrichtenagentur AP zu sagen:

A listing for Deleon on the Internet Movie Database Web site says he appeared in one 1994 episode of the “Mighty Morphin Power Rangers” TV show. He is not listed in the program’s regular cast.
(Sprich: Laut Internet Movie Database hatte Deleon 1994 in einer Episode der “Power Rangers” einen Gastauftritt [als Roger], taucht aber in der Stammbesetzung der TV-Serie nicht auf.)

Bleibt also bloß die Frage, ob Bild.de sich die schlagzeilenträchtige Mär vom “TV-Star” selbst ausgedacht – oder einfach bei den Kollegen von Express.de* abgeguckt und lustig weitergedichtet hat.

Mit Dank an Stefan H. für den Hinweis.

*) Nachtrag, 22.30 Uhr: Möglich, aber nicht weniger traurig, dass man bei Bild.de die falschen “Power Ranger”-Infos auf der Suche nach Content heute nachmittag aus der “Bild”-Schwester “B.Z.” abgeschrieben hat. Die nannte nämlich Deleon in ihrer aktuellen Ausgabe auch schon “den pinken Power-Ranger”. Ach ja: Der “Pink Ranger” war übrigens weiblich.

Neuigkeiten vom Mond

Gertrud Höhler (67), Unternehmensberaterin, CDU-Politikerin und u.a. Ex-Beraterin von Kai Diekmanns Trauzeugen sowie ehemalige Professorin für Literatur an der Universität Paderborn (oder auch, wie “Bild” vor knapp drei Wochen schrieb, “Deutschlands bekannteste Management-Beraterin”), stand der “Bild”-Zeitung gestern für deren Aktion “öffentliche Blattkritik” zur Verfügung. Ihre Kritik war… wie sagen wir’s… überraschend. Wir dokumentieren einige Höhepunkte:

  • Wer “Bild” nicht liest, gibt Auskunft darüber, dass er politisch unreif ist.
  • Herr Seehofer hat offenbar in dieser Redaktion viele Feinde. Warum haben Sie den denn drei Mal plattmachen lassen in dem Blatt, in der heutigen Ausgabe? Warum? Also das hat eine Tendenz, die man sonst bei “Bild” nicht findet. Einseitigkeit.
  • Die Frage mit der Menschenwürde… Ich muss Ihnen sagen: Wenn man blättert und sucht und sich fragt, warum stellen die [die Kritiker] diese Frage überhaupt, dann wird einem folgendes Prinzip deutlich: Wenn da Dinge die Würde der Menschen antasten, dann macht “Bild” das über Zitate der Betroffenen – die verletzen selber ihre Menschwürde. Und da kann man dann nur noch fragen (…): Müssen wir jetzt darüber nachdenken, was die Menschwürde der Leser verletzt? Aber ich finde es vom Journalistischen her beispiellos und sehr virtuos, wie diese Zeitung es schafft, Dinge, die Grenzen überschreiten, zu zitieren, von anderen sagen zu lassen, tun zu lassen und entsprechend zu bebildern, sodass das Thema Menschenwürde eigentlich nicht eins ist, was man Ihnen vorhalten kann. Also ich müsste lange suchen. Ich hab’ hier nichts gefunden.
  • Ich finde eine gewisse Balance-Störung, weil Sie natürlich das Monströse, das Grausame, das Negativ-Außerordentliche, das Schaurige, das Böse besonders ausführlich zeigen. Ich komme jetzt nicht mit einem Plädoyer dafür, dass Sie die erfreulichen Dinge zeigen sollen, sondern ich sage: Einen Neben-Effekt hat das – dass der Normalo (…) endlich begreift, welchen Vorsprünge er vor den Leuten hat, die auf besonderen Plätzen sind. Das ist ungeheuer wichtig. Das ist ein alltägllicher Tugendvorsprung, den der Normal-Mensch vor denen hat, die in höheren Positionen sind oder eben durch Publizität großen Versuchungen ausgesetzt sind. Ich glaube, dass bei der Affinität der Zeitung das eine große Rolle spielt – dass man sie für diese Bestätigung sich besorgt, weil man ja oft im Alltagsleben häufig gedemütigt und eingeschüchtert wird. Und da spürt man, wo man Vorsprünge hat.
  • Und gleichzeitig bin ich ja, wenn ich die Zeitung habe, ein Voyeur; ich bin einer, der Bescheid weiß (…); ich bin jemand, der mit den großen Themen jeden Tag so bekannt gemacht wurde, dass ich die Vokabeln auch wieder ausspucken kann, die ich da kriege. Darum geht’s ja: (…) Wenn ich das Ding gelesen hab, dann kann ich von den Sachen sprechen. Und gleichzeitig wird das ja nicht weggeschluckt. Sie finden das halt in den anderen Blättern nicht, und deshalb finde ich das so großartig.
  • Und zur Vielfalt noch mal: Wir haben ja heute wieder von der Frau mit dem Beil gehört. Das ist natürlich auch ‘n toller Frauen-Auftritt, dass sie dem Alten da das Leben… nicht ausbläst, sondern weghaut – mit’m Beil. Und gleichzeitig blätterst du ein Stückchen weiter: “Wie mache ich meinen Garten winterfest?” Das ist die Welt, in der wir leben. Das ist wunderbar. Diese Vielfalt. Das nenn’ ich auch Meinungsfreudigkeit. Und andere Zeitungen schreiben das über sich und bieten es eigentlich nicht.
  • Und dann noch was ganz allgemeines zu Schluss: Was ist diese Zeitung? Man denkt darüber so oft nach. Ich glaube, (…) was ihren Erfolg verursacht, ist es vor allem: Sie ertappt uns jeden Tag bei Wünschen, die wir nicht zugeben (…); bei Neugierden, für die wir uns schämen; bei Sehnsüchten nach ganz einfachen Antworten – zum Beispiel, dass gut gut und böse böse sein soll. Und sie sorgt für ganz starke Gefühle, die wir sonst nirgendwo mehr kriegen. Das heißt: Es ist im allerbesten Sinne eine Spiegelung der Welt, in der wir leben – aber jeden Tag mit Erklärungen, wie wir damit umgehen, um unsere Ängste zu bannen. (…) Das Kuriose ist: “Bild” berichtet täglich über außerordentliche, unheimliche Dinge. Aber: “Bild” bannt Ängste. Das heißt: Die Anhänglichkeit von Millionen Lesern hat sehr viel seriösere Gründe als allgemein gesagt wird. Vielen Dank.

“Bild”-Chef Kai Diekmann bedankte sich seinerseits für Höhlers 13-minütige Kritik mit den Worten: “Jetzt mag ich eigentlich gar nix mehr sagen (…).” Wir schließen uns an.

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